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Die Patriotische Gesellschaft in Bern und Isaak Iselins Anteil an der europäischen Geschichtsphilosophie

von Margret Genna-Stalder (Autor) Lars Lambrecht (Autor)
Monographie 333 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorbemerkung (Margret Genna / Lars Lambrecht)
  • Margret Genna-Stalder: Die Patriotische Gesellschaft in Bern. 1762–1766
  • Einleitung
  • Vorwort
  • I. Die Entstehung der Patriotischen Gesellschaft
  • II. Die Ziele der Patriotischen Gesellschaft
  • III. Die Gründung und die Organisation der Patriotischen Gesellschaft
  • IV. Die Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft
  • A. Die korrespondierenden Mitglieder
  • B. Die unterzeichnenden Mitglieder
  • C. Exkurs: Die Geschichtsauffassung von Isaak Iselin und von Daniel Fellenberg
  • D. Bilanz: Die Vorkehrungen der Patriotischen Gesellschaft bis zum Mai 1763
  • V. Patriotische Gesellschaft und Helvetische Gesellschaft
  • VI. Die Patriotische Gesellschaft vom Frühjahr 1763 bis zu ihrer Auflösung im Sommer 1766
  • VII. Quellen und Literatur
  • 1. Quellen
  • 2. Literatur
  • Lars Lambrecht: Isaak Iselins Anteil an der Gründungsgeschichte der europäischen Geschichtsphilosophie. Eine vorläufige Dokumentation
  • Statt einer Einleitung
  • 1. Zum Problem ‚eines‘ Begriffs ‚der‘ Aufklärung unter Berücksichtigung der Geschichtsphilosophie sowie zur allgemeinen Orientierung
  • 2. Zur Begründung und Entwicklung der europäischen Geschichtsphilosophie im Einzelnen
  • 2.1 ‚Vorgeschichte‘: Die Querelles des Anciens et des Modernes und zur deutschsprachigen Rezeption Fontenelles bis zur Klassik
  • 2.2 Zentrale Kategorien oder Argumentationsmuster im Begründungszusammenhang der europäischen Geschichtsphilosophie
  • 2.2.1 Zur Vorstellung der Lebensalter und von der Parallelität der Entwicklungen der Menschheit und des menschlichen Individualsubjekt
  • 2.2.2 Zur Fortschritts-Kategorie
  • 2.2.3 Zum Kriterium der Perfektibilität
  • 3. Zur Begründung und Entwicklung der europäischen Geschichtsphilosophie im Einzelnen: Die Entwicklung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
  • 3.1 Zur Begründung der Iselin’schen Geschichtsphilosophie
  • 3.2 Aspekte des praktischen, gesellschaftsgeschichtlichen und sozioökonomische Kontextes von Iselins geschichtsphilosophischen Denkeinsatz
  • 3.3 Zu den Kategorien von Iselins geschichtsphilosophischer Grundlegung und deren Referenzen
  • 4. Zur Wirkungsgeschichte der Iselin’schen geschichtsphilosophischen Initiative
  • 4.1 Die ersten Rezensionen und Erwähnungen
  • 4.1.1 Die ‚positive‘ Rezeption
  • 4.1.2 Die ‚negativen‘ Besprechungen
  • 4.2 Wielands und Herders Auseinandersetzung mit Iselin und der Streit um die deutsche Geschichtsphilosophie
  • 4.2.1 Christoph Martin Wieland (1733–1813)
  • 4.2.1.1 Zur Wieland-Forschung, die Geschichtsphilosophie betreffend
  • 4.2.1.2 Zur Iselin-Rezeption Wielands und zu seinem geschichtsphilosophischen Ansatz
  • 4.2.2 Johann Gottfried Herder (1744–1803)
  • 4.2.2.1 Zur Herder-Forschung
  • 4.2.2.2 Zur Iselin-Rezeption Herders und zu seinem geschichtsphilosophischen Ansatz
  • 5. Nachtrag und Ausblick
  • Anhang I: Zur Fontenelle-Rezeption
  • Anhang II: Über die möglichen Quellen für Kants ironische Vorbemerkung zu seinem Ewigen Frieden betr. des Schildes eines holländischen Gastwirts
  • Quellen und Literatur
  • Endnoten
  • Personenregister
  • Zu der Autorin / Zum Autor

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Vorbemerkung

Bei dem ersten Teil dieser Publikation handelt es sich um den Druck der Seminararbeit Die Patriotische Gesellschaft in Bern 1762–1766, die Margret Genna 1974 im Seminar von Prof. Dr. Ulrich Im Hof in Bern angefertigt hatte. Anfang der 1970er-Jahre hatte die Aufarbeitung der Gesellschaftsbewegungen des 18. Jahrhunderts, als Folge der beginnenden Emanzipation des Bürgertums, erst richtig begonnen. Eine Monographie über eine Vereinigung von intellektuellen, aufgeklärten, kritischen jungen Patriziern in der Schweiz jenes Jahrhunderts, der nur eine kurze Blütezeit beschieden war, bedurfte allerdings ebenso der Mosaiksteinchen wie die heutige Forschung, die zu diesem Thema inzwischen sehr fortgeschritten ist. Wenn dann in den Fußnoten dieser neueren Publikationen nicht selten auf jene Seminararbeit verwiesen wird, die hier nunmehr gänzlich der Forschung zugänglich gemacht wird, bedarf es einer Erklärung, weshalb eine öffentlich nicht zugängliche und maschinenschriftliche Hausarbeit von 151 zweizeiligen Seiten und einem zusätzlichen 16-seitigen Quellen- und Literaturverzeichnis aus dem Jahre 1974 in Veröffentlichungen bis 2013 angeben werden konnte.

Der Tatbestand lässt sich darauf zurückführen, dass die Kunde von dieser Seminararbeit den Forschungen und Publikationen zu Isaak Iselin von Ulrich Im Hof zu verdanken ist. Denn dieser vorbildliche Gelehrte hatte nicht die Angewohnheit, seine Studierenden und Mitarbeiter arbeiten zu lassen, um dann deren Ergebnisse unter eigenem Namen zu publizieren. Im Gegenteil war es bei Im Hof üblich, dass er die unter strengen Vorgaben gefertigten Arbeiten seiner Seminare in seinen Publikationen ausgiebig und unter voller Namensnennung der Verfasser und Verfasserinnen referierte. Auf diesem Wege hatten Gennas Untersuchungen über die Berner Patriotische Gesellschaft Eingang in die seither fortgediehene Forschungsliteratur gefunden – besonders bei jenen Vertretern der Literatur-, Gesellschafts-und Geschichtswissenschaften, die nicht aus vorliegenden Publikationen eine eigene erstellen, sondern in ihren Forschungen selbst den materialen Hinweisen in den Fußnoten einschlägiger Vorgängerwerke nachspüren. Dass von den letzteren zumindest einigen Margret Genna auch ein Typoskript ihrer Arbeit aushändigen konnte, belegt eine über die vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre sich erstreckende Nachfrage nach ihrer originalen Forschung. Gleichwohl soll mit dem geplanten Druck der Hausarbeit nicht nur ein gewissermaßen archivalisches oder formell dokumentarisches Interesse verbunden sein, sondern es geht inhaltlich um die geistes-, ideen-, sozial- und politikgeschichtlichen Zusammenhänge jener ← 9 | 10 → Patriotischen Gesellschaft in Bern im Kontext der schweizerischen und europäischen Aufklärungsbewegungen.

Margret Genna hat den gesamten Komplex der Organisationsgeschichte der Patriotischen Gesellschaft behandelt: ihre Entstehung und Ziele, die Gründung der Organisation, die Mitglieder der Gesellschaft, die Beziehungen zur Helvetischen Gesellschaft sowie das frühe Ende, bis hin zu einem Exkurs zur „Geschichtsauffassung von Isaak Iselin und von Daniel Fellenberg“. Diese Gesichtspunkte waren es dann auch, weswegen der Koautor dieses Bandes sich für ein Exemplar der ehemaligen Hausarbeit interessiert und der Verfasserin die Veröffentlichung vorgeschlagen hatte.

Was aber sind die entscheidenden inhaltlichen Gesichtspunkte dafür, die geschichtswissenschaftliche Arbeit mit der zu dokumentierenden Rekonstruktion der Anfänge der Geschichtsphilosophie in der europäischen Aufklärung zusammenzustellen? Die zeitlich simultane Gründung der Berner Patriotischen Gesellschaft und die von Iselin im deutschsprachigen Raum begonnenen geschichtsphilosophischen Konstruktionen lassen sich wie ein zeitgenössisches Verhältnis von politisch-ökonomischer Praxis zur philosophischen und wissenschaftlichen Theorie, als ‚historisch-praktische und geistige Situation der Aufklärungszeit‘ lesen. Dabei können Iselins geschichtsphilosophische Entwürfe vielleicht als ein selbstreflexives Moment im neuerdings auch gern als ‚Sattelzeit‘ bezeichneten revolutionären Übergangsprozess zur bürgerlichen Gesellschaft samt ihrer grundlegenden sozialökonomischen Widersprüchlichkeit und nationalstaatlichen Ordnung zu verstehen sein. Als Schlüsselbegriff für diesen und in diesem Prozess darf die Kategorie ‚Patriotismus‘ angesehen werden, die den Namen der seit dem Jahrhundertbeginn in ganz Europa gegründeten ökonomisch-praktischen Reformgesellschaften vorangestellt worden war. Diese Kategorie aber ist keineswegs nur ‚begriffsgeschichtlich‘ (in einem wie auch immer aufgefassten Sinne) zu verfolgen, sondern in ihrer sozialgeschichtlich realen Korrespondenz zur Entwicklung der aufgeklärten bürgerlichen Denkungsart im Allgemeinen und ihrer Geschichtsphilosophien im Besonderen. Aber weder von den beiden vorzulegenden Beiträgen zusammen, noch von je einem allein, ist dieses Forschungsprogramm zu erfüllen, für das sie in ihrer Kombination und in ihren Forschungsinteressen nur exemplarisch stehen.

Bei diesem Programm gilt es zunächst – und das ist die Aufgabe vor allem des zweiten Beitrags –, sich eines Begriffs von der ‚Aufklärung‘ in Europa zu versichern, der den Ansprüchen sowohl der geschichtswissenschaftlichen als auch der philosophischen Forschung genügen könnte. Plakativ gesprochen, muss konkret historisch gefragt werden: «Wer war die Aufklärung?» (Rudolf Vierhaus) Gleichzeitig muss bedacht werden, dass mit den klassischen Antworten von Kant, Moses Mendelssohn und anderen auf die Frage «Was ist Aufklärung?» das heutige ← 10 | 11 → Forschungsinteresse von Philosophen nicht hinreichend befriedigt werden kann – insbesondere angesichts der unleugbaren Folgen von Aufklärung, wie missverstanden oder sogar falsch auch immer sie im 19. und 20. Jahrhundert ‚angewandt‘ oder zumindest sich auf sie berufen worden war.

Sodann ist gefordert, Herleitung und Ansätze der aufgeklärten Geschichtsphilosophie in Europa nach 1750 samt ihrer fundierenden Topoi (zum Beispiel das Konstrukt eines gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklungsdenkens in Analogie zum Lebensaltersprinzip jedes einzelnen Menschen, Fortschritt, Perfektibilität u. ä.) zu rekonstruieren – auch dieses sicher nur exemplarisch und mittels Zuhilfenahme einer breitgefächerten Forschungslandschaft, die sicher ebenfalls nur mit einigen, aber repräsentativen Beispielen eruiert werden kann.

Auf diese Vorläufe muss dann zu guter Letzt die Frage nach der Bedeutung des praktischen und philosophischen Wirkens von Isaak Iselin vor allem für die Geschichtsphilosophie in Europa bezogen werden.1 Dabei soll es um den Versuch gehen, dem heute leider nicht mehr immer und überall geteilten Urteil von Ulrich Im Hof, dass Iselin der erste deutschsprachige Geschichtsphilosoph Europas gewesen war, Rechnung zu tragen und es zu bestätigen. Zugleich muss dazu eine deutliche Kritik an jener Forschung geübt werden, die prinzipiell die Geschichtsphilosophie vornehmlich als Leistung der «deutschen Philosophen des achtzehnten und des neunzehnten Jahrhunderts vorbehalten» (Kurt Rossmann) verstanden wissen wollte. Zum Teil wird das auch heute noch so gesehen und speziell dafür dann Iselin- und Aufklärungskritiker wie Christoph Martin Wieland und vor allem Johann Gottfried Herder ins Feld geführt. Einschränkend gegenüber diesem unbescheiden anmutenden Anspruch des zweiten Teils des Buchprojekts muss allerdings betont werden: Dieser kann bei aller angestrebten originalen philosophiehistorischen Quellen-Recherche nicht den Rang einer eigenständigen Darstellung beanspruchen; hierzu wurden während der Arbeit und im Beitrag selbst weitaus kompetentere Kolleginnen und Kollegen benannt. Seine Funktion kann nur in einer erweiternden bzw. ergänzenden Dokumentation zu den praktisch-historischen Anfängen der Geschichtsphilosophie in den europäischen Aufklärungsbewegungen gesehen werden, wie sie in jener Hausarbeit 1974 erstmalig behandelt worden war.

Margret Genna-Stalder/Lars Lambrecht

Thun/Ferentino März 2015

1 Lucas Marco Gisi, Wolfgang Rother (Hg.): Isaak Iselin und die Geschichtsphilosophie der europäischen Aufklärung (Basel 2011); vgl. dazu die Rezension von L. Lambrecht in: Studia Philosophica. Jahrbuch der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft / Annuaire de la Société Suisse de Philosophie 71 (2012) 212–217.

Margret Genna-Stalder: Die Patriotische Gesellschaft in Bern. 1762–1766

Einleitung

Vorwort

I. Die Entstehung der Patriotischen Gesellschaft

II. Die Ziele der Patriotischen Gesellschaft

III. Die Gründung und die Organisation der Patriotischen Gesellschaft

IV. Die Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft

A. Die korrespondierenden Mitglieder

B. Die unterzeichnenden Mitglieder

C. Exkurs: Die Geschichtsauffassung von Isaak Iselin und von Daniel Fellenberg

D. Bilanz: Die Vorkehrungen der Patriotischen Gesellschaft bis zum Mai 1763

V. Patriotische Gesellschaft und Helvetische Gesellschaft

VI. Die Patriotische Gesellschaft vom Frühjahr 1763 bis zu ihrer Auflösung im Sommer 1766

VII. Quellen und Literatur

1. Quellen

2. Literatur

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Einleitung

Als ich 1974 als Studentin von Prof. Dr. Ulrich Im Hof in Bern meine Seminararbeit über „Die Patriotische Gesellschaft in Bern 1762–1766“ einreichte, deren Ziel es war, das grösstmögliche Glück für alle zu verwirklichen, hatte die Aufarbeitung der Gesellschaftsbewegung des 18. Jahrhunderts, als Folge der Emanzipation des Bürgertums, erst richtig begonnen. Seitdem ist zu diesem Thema sehr viel erarbeitet worden und ich habe, zu meinem freudigen Erstaunen, in Fussnoten einiger Publikationen meine Seminararbeit erwähnt gefunden. Das merkte ich aber erst, nachdem Lars Lambrecht im Dezember 2011 meine Adresse aufgespürt und mich, wie Jahre vorher andere Historiker, um ein Exemplar dieser Arbeit gebeten hatte, die in der grossen Studie von Ulrich Im Hof u.a. ‚Die Helvetische Gesellschaft. Spätaufklärung und Vorrevolution in der Schweiz, Bd. 1, Die Entstehung einer politischen Öffentlichkeit in der Schweiz. Struktur und Tätigkeit der Helvetischen Gesellschaft‘, 1983, zitiert worden ist.

Ursprünglich erhielt ich von Ulrich Im Hof den Auftrag, in der Burgerbibliothek Bern Briefe von Daniel Fellenberg, einem jungen Berner Patrizier und Juristen, an den Ratsschreiber Isaak Iselin aus Basel nachzulesen, um neue Informationen über die Patriotische Gesellschaft in Bern zu finden und diese mit den bestehenden Darstellungen dieser Gesellschaft von W.F. von Mülinen und Kurt Guggisberg (siehe Literaturverzeichnis) zu vergleichen. Diese Briefe, geschrieben in Französisch, damals die Sprache der gebildeten Oberschicht in ganz Europa, waren neu ins Archiv der Burgerbibliothek Bern gelangt.

Was vielleicht heute, im Zeitalter der Raffung der Studiengänge und der Kreditpoints, befremdet, ist die Tatsache, dass es vor 40 Jahren an der Universität Bern keine Vorschriften über Umfang und zeitlichen Rahmen eines solchen Auftrages gab, und so entstand aus der Lektüre dieser Briefe eine Neufassung der Geschichte der Patriotischen Gesellschaft, die ich als Werkstudentin und Ehefrau verfasste.

Ich hätte auch weniger umfassend arbeiten können, aber wir Studierende waren stolz darauf, unserm Ulrich Im Hof bei seinen Forschungen zur Gesellschaftsbewegung des 18. Jahrhunderts helfen zu dürfen und wir wussten auch, dass er unsere Bemühungen in seinen Publikationen zu verwenden beabsichtigte. Später bemerkten wir, dass er unsere Arbeiten in seinen Büchern sogar zitierte, was damals, wie heute, nicht selbstverständlich war und Offenheit und Grosszügigkeit des Dozenten voraussetzt. ← 15 | 16 →

Ulrich Im Hof hätte meine Arbeit gerne als Diplomarbeit, heute Masterarbeit, angenommen, aber ich hatte schon eine ebenso umfassende historische Diplomarbeit für ein Forschungsprojekt eines anderen Dozenten geschrieben, das zwar dann in einer Schublade verstaubte, und brauchte nur noch eine Seminararbeit im Fach Schweizergeschichte. Bestimmt hätte ich meine Forschungen auf irgendeine Weise zu einer Dissertation ausbauen können, aber ich dachte damals nur noch an den Studienabschluss, hatte ich mich doch als schüchterne Studentin des zweiten Bildungsweges allzu lange im heute unvorstellbar intransparenten Dschungel von Vorschriften der phil.-hist. Studiengänge verirrt. Ich schloss dann mit dem Lizentiat, heute Master, ab und erwarb später noch das Patent für das Höhere Lehramt, das Gymnasiallehrpatent.

Beruflich arbeitete ich schon während des Studiums neben einer Beschäftigung an der Schweizerischen Nationalbibliothek hauptsächlich als Deutschlehrerin für Fremdsprachige und blieb dann dabei, weil sich dieser Unterricht gut mit meinen Aufgaben als Mutter zweier Söhne und einer mehrfach behinderten Tochter, die im Alter von 17 Jahren an einem unheilbaren Geburtsgebrechen starb, vereinbaren liess.

Meine Neigung zu wissenschaftlicher Arbeit lebte ich in diesem Deutschunterricht sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene und Kandidaten für das Grosse Deutsche Sprachdiplom des Goethe-Institutes aus, sodass einige meiner Schülerinnen mich manchmal etwas beschämt fragten, warum ich so viel für sie tue, und jeweils zur Antwort erhielten, der Unterricht mache mir sonst keinen Spass. Dass mein Interesse eigentlich der Geschichtswissenschaft galt, habe ich nie erwähnt, dieses Kapitel meines Lebens war für mich abgeschlossen.

So war ich sehr überrascht und erfreut, als mir Lars Lambrecht im Frühjahr 2012 vorschlug, „Die Patriotische Gesellschaft in Bern, 1762–1766“ gemeinsam mit seinen Studien „Isaak Iselins Anteil an der europäischen Geschichtsphilosophie. Eine vorläufige Dokumentation“ zu publizieren. Infolgedessen befasste ich mich wieder mit den aufklärerischen Gesellschaften und bemerkte die Fülle der seither erschienenen Publikationen auf diesem Gebiet.

Auf eine vollständige Bibliographie der Forschung bis heute möchte ich aber verzichten, weil dies den Rahmen dieser Publikation sprengen würde, und nur Titel nennen, in denen meine Arbeit erwähnt wird, deren Ergebnisse verwendet werden (aus Im Hof/de Capitani oder Erne, siehe unten) oder neue Informationen zur Patriotischen Gesellschaft enthalten und zwar in chronologischer Reihenfolge. In all diesen Werken findet sich ein ausführlicher wissenschaftlicher Apparat, der interessierte Historiker weiterführen kann.

Im Hof, Ulrich/de Capitani, François: Die Helvetische Gesellschaft. Spätaufklärung und Vorrevolution in der Schweiz. Band 1: Die Entstehung einer politischen ← 16 | 17 → Öffentlichkeit in der Schweiz. Struktur und Tätigkeit der Helvetischen Gesellschaft. Frauenfeld/Stuttgart, 1983.

Erne, Emil: Die Schweizerischen Sozietäten. Lexikalische Darstellung der Reformgesellschaften des 18. Jahrhunderts in der Schweiz. Diss. Universität Bern. Zürich, 1988.

Herder, Johann Gottfried: Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit, 1774. Hrsg. von Hans Dietrich Irmscher. Stuttgart, Reclam, 1990.

Diese Herder-Ausgabe zitiere ich, weil sie bestätigt, dass der Anlass zu diesem Werk die Preisausschreibung der Patriotischen Gesellschaft von 1762 war. (S. 34 + Anm. dazu, S. 121; Nachwort, S. 140)

Malvache, Jean-Luc: Correspondance inédite de Mably à Fellenberg 1763–1778. Aus: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte, Bd. 19/2 (1992) Sigmaringen 1993.

Dieses Werk zitiere ich, weil diese Briefe bis zu Malvaches Publikation von 1993, neben Zitaten bei v. Mülinen, nur als Manuskript in der Burgerbibliothek Bern zugänglich waren. Dabei gibt es aber ein Problem: Mably schreibt die Zahlen oft recht undeutlich, weshalb die Daten der Briefe schwierig zu entziffern sind. Weil meine Datierung bei den vier zitierten Briefen nicht mit jener von Malvache übereinstimmt, habe ich diese Daten kürzlich nach dem Original überprüft und auch noch einmal die Datierung bei v. Mülinen nachgeschaut. Dabei bin ich zu folgendem Resultat gekommen:

Ich habe jetzt überall die überprüften Daten des Originals eingefügt; v. Mülinen hat immer richtig gelesen.

Knill, Ivo: Die Societé des citoyens und die Ökonomische Gesellschaft als Trägerinnen der Aufklärung in Bern. Liz.-Arbeit, Universität Bern, 1993.

Zurbuchen, Simone: Patriotismus und Nation. Der Schweizerische Republikanismus des 18. Jahrhunderts. In: Republikanische Tugend: Ausbildung eines Schweizer Nationalbewusstseins und Erziehung eines neuen Bürgers: contribution à une nouvelle approche des lumières helvétiques: actes du 16e colloque de L’Academie suisse des sciences humaines et sociales. éd par Michael Böhler. Genève, 2000. Reihe: Travaux sur la Suisse des lumières, vol. 2. ← 17 | 18 →

Böning, Holger : Patriotismus und nationale Identität in der Schweiz. Aus: Kölner Beiträge zur Nationsforschung, Band 9, Köln, 2003.

Kapossy, Béla : Iselin contra Rousseau. Sociable Patriotisme and the History of Mankind. Basel, 2006.

Godel, Rainer : Vorurteil – Anthropologie – Literatur. Die Vorurteilsdiskussion als Modus der Selbstaufklärung im 18. Jahrhundert. Aus: Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung 33, 2007.

Baum, Angelica, Christensen Birgit, Hrsg: Julie Bondeli, Briefe. 4 Bände. Zürich, 2012.

Die Durchsicht der Briefe von Julie Bondeli sei allen, die sich für die Aufklärung in der Schweiz interessieren, dringend empfohlen. Auf jeden Fall wäre der 4. Band anzuschauen, in dem sich u.a. Kurzbiographien aller Personen befinden, die Julie Bondeli in ihren Briefen erwähnt.

Diese chronologische Zusammenstellung zeigt, dass die Forschung immer wieder auf Mosaiksteinchen angewiesen ist, wie eben so eine Monographie über eine Gesellschaft, gegründet von intellektuellen, kritischen jungen Patriziern in der Schweiz des 18. Jahrhunderts, der nur eine kurze Blütezeit beschieden war, weil Ihr Ziel hochgesteckt und politisch brisant war. Dieses ist immer noch aktuell, ist es doch bis heute nicht gelungen, in der Vergangenheit jene Gesetze zu suchen und in der Gegenwart anzuwenden, die allen Menschen unter den Bedingungen, in denen sie leben, das grösstmögliche Glück gewährleisten.

Den Inhalt der Monographie habe ich, bis auf kleine sprachliche Korrekturen und die Übersetzung der vielen französischen Zitate ins Deutsche, nicht verändert, was sich auch erübrigt, denn ich scheine, neben den zwei unkorrekten Daten der Briefe Mablys, nur übersehen zu haben, dass der jungverstorbene deutsche Literat Thomas Abbt der Patriotischen Gesellschaft eine Antwort auf die zweite Preisfrage von 1762 mit dem Thema Vorurteile zugestellt hat. Das lässt sich bei Béla Kapossy, Iselin contra Rousseau, 2006, oben zitiert, S. 153, oder Rainer Godel, Vorurteil-Anthropologie-Literatur, 2007, oben zitiert, S. 149 ff. und S. 183, und in dieser Publikation Teil Lars Lambrecht, Kapitel 4.2.2.2. nachlesen.

Auch die Einteilung in 6 Kapitel ist gleich geblieben, ebenso die Anordnung und Anzahl der Anmerkungen.

Thun, im Juli 2015

Margret Genna – Stalder

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Vorwort

Die Geschichte der „Patriotischen Gesellschaft“ oder „Sociéte des Citoyens“, die im Frühjahr 1762 in Bern auf Initiative von Daniel Fellenberg gegründet wurde, ist bereits unter dreien Malen untersucht worden. Die erste Würdigung stammt von W.F. von Mülinen, dessen Darstellung „Daniel Fellenberg und die Patriotische Gesellschaft in Bern“, Bern, 1900, in der Reihe „Neujahrsblatt, herausgegeben vom Historischen Verein des Kantons Bern“ – und zwar im Heft für das Jahr 1901 – erschienen ist. Eine weitere Darstellung der Geschichte der Patriotischen Gesellschaft finden wir eingebaut in die biographischen Äusserungen von Kurt Guggisberg über Daniel Fellenberg: „Daniel von Fellenberg (1736–1801). Beiträge zur bernischen Kulturgeschichte“, erstmals erschienen in „Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde“ 1951, 2/3. Ein drittes Mal wurde derselbe Gegenstand im ersten Teil von Ulrich Im Hofs Iselinbiographie dargestellt: „Isaak Iselin. Sein Leben und die Entwicklung seines Denkens bis zur Abfassung der ‚Geschichte der Menschheit‘ von 1764“, Basel, 1947, 2. Abschnitt, 2. Kapitel, 4. Die Patriotische Gesellschaft, S. 250–258.

Es sei vorweg kurz begründet, weshalb die bernische „Patriotische Gesellschaft“ – diese kleine und nicht besonders erfolgreiche Gruppierung unter zahlreichen anderen privaten Gesellschaften, die im 18. Jahrhundert, besonders nach der Jahrhundertmitte, überall entstanden sind – nun einer vierten eingehenden Betrachtung unterzogen werden soll:

Die Quellen, die von Mülinen für seine Monographie hauptsächlich benützt hat, die Korrespondenz der Patriotischen Gesellschaft, soweit sie im Nachlass Daniel Fellenberg erhalten ist, sowie die Briefe Daniel Fellenbergs an Isaak
Iselin, waren während längerer Zeit nicht mehr zugänglich. Dem Verfasser der Iselinbiographie, Ulrich Im Hof, standen die Quellen, die von Mülinen verwendet hatte, für den ersten Teil seiner Arbeit nicht zur Verfügung. Dagegen konnte er die Fellenbergpapiere für den zweiten Teil seiner Iselinbiographie „Isaak Iselin und die Spätaufklärung“, Bern, 1967, in der Burgerbibliothek, wo sie nun aufbewahrt werden, einsehen. Bei der Durchsicht dieser Schriften stellte Ulrich Im Hof fest, dass die Verbindung zwischen der Patriotischen Gesellschaft und der Helvetischen Gesellschaft enger gewesen sein muss, als es die Monographie von Mülinens vermuten lässt. Zudem gewahrte er in der Arbeit von Mülinens verschiedene Fehler. Deshalb erachtete er eine erneute Durchsicht der Briefe Fellenbergs an Iselin und der unter den Fellenbergpapieren erhaltenen Korrespondenz der Patriotischen Gesellschaft im Hinblick auf die Neufassung der Geschichte ← 19 | 20 → der berühmtesten schweizerischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, der Helvetischen Gesellschaft, als wünschenswert.

Im Folgenden soll versucht werden, die Geschichte der Patriotischen Gesellschaft neu zu schreiben. Diese Darstellung mag, da als Hauptquelle die Briefe Daniel Fellenbergs an Isaak Iselin benutzt wurden, etwas zu einseitig aus der Sicht jenes Berners ausgefallen sein. Es wäre äusserst aufschlussreich, die private Korrespondenz anderer Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft ebenfalls zu verwerten. Darauf ist aber, weil sonst der Rahmen dieser Arbeit gesprengt worden wäre, weitgehend verzichtet worden. Es wurde einzig versucht, die Ansichten Isaak Iselins und Salomon Hirzels einzubauen, nachdem Ulrich Im Hof der Verfasserin freundlicherweise seine die Patriotische Gesellschaft betreffenden Auszüge aus den im Iselin-Archiv aufbewahrten Tagebüchern Iselins, ferner die Auszüge aus den ebenfalls dort erhaltenen Briefen Iselins an Salomon Hirzel und schliesslich auch jene aus anderen die Patriotische Gesellschaft betreffenden Papieren aus dem Iselin-Archiv zur Verfügung gestellt hatte.

Im Weiteren ist noch festzuhalten, dass unter den Papieren Daniel Fellenbergs bei weitem nicht die ganze Korrespondenz der Patriotischen Gesellschaft erhalten ist. Es ist ihr nämlich nicht gelungen, ihre Korrespondenz bei einem bestimmten Mitglied oder an einer bestimmten Stelle aufzubewahren. Wahrscheinlich fände man unter den Papieren jedes einzelnen einflussreichen Mitgliedes Briefe, welche die Gesellschaft betreffen, sofern sie überhaupt aufbewahrt wurden. Es ist nämlich möglich, dass Dokumente vernichtet wurden, weil die Patriotische Gesellschaft grossen Wert auf Geheimhaltung ihrer Mitglieder legte.

Noch ein Wort zur Hauptquelle der vorliegenden Arbeit, den Briefen Daniel Fellenbergs an Isaak Iselin: Fellenberg hat mit Iselin vom 13. April 1759 bis zum 24. Dezember 1780 korrespondiert. Leider sind die Briefe, die Iselin zurückgeschrieben hat, mit einigen Ausnahmen, nicht erhalten. So sind die Antworten Iselins, die im Folgenden recht häufig erwähnt werden, oft nur indirekt aus Fellenbergs Briefen an Iselin erschlossen worden.

Bern, im Juli 1974

Margret Genna-Stalder

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I. Die Entstehung der Patriotischen Gesellschaft

Die Entstehungsgeschichte der Patriotischen Gesellschaft ist eng mit jener ihrer berühmten Schwester, der Helvetischen Gesellschaft, verknüpft. Der Ursprung beider Gesellschaften, sowohl der im Mai 1761 erstmals locker formierten Helvetischen Gesellschaft als auch der im März 1762 fest gegründeten Patriotischen Gesellschaft, ist in den Korrespondenzen zu finden, die junge schweizerische Patrizier verschiedener Orte im Sommer 1760 miteinander geführt haben.

Bekanntlich wurde im April 1760 das 300-jährige Jubiläum der Universität Basel gefeiert. Am Ende der Feierlichkeiten beschlossen der Basler Ratsschreiber Iselin und seine zu Ehren der Basler Universität hergereisten Zürcher Freunde Salomon Hirzel, Salomon Gessner und Hans Heinrich Schinz, sich im nächsten Jahr in einem etwas erweiterten Kreise irgendwo wieder zu treffen1. Diese Vereinbarung löste viele Briefe aus zwischen Iselin und einigen seiner Freunde, mit denen er in einem steten Briefwechsel stand. Bereits am 29. April 1760 schrieb er an Salomon Hirzel:

„Wir (Iselin und seine Frau) denken nie ohne Entzückung an die freundschaftliche Tagsatzung, welche uns so reizende Tage verspricht. Ich habe verschiedenen meiner Freunde schon darüber geschrieben und sie dazu eingeladen.“2

Isaak Iselin wechselte vor allem mit dem Zürcher Salomon Hirzel und dem Berner Daniel Fellenberg Briefe über die Gestaltung der für 1761 geplanten Tagung. Fellenberg gehörte zwar nicht zu den Initianten dieser Zusammenkunft. Diese war eine Idee Iselins und seiner Zürcher Freunde.3 ← 21 | 22 →

Der erste Brief Fellenbergs an Iselin, in dem dieses Treffen erwähnt wird, zeigt deutlich, dass Fellenberg am ersten Anstoss zur Gründung der Helvetischen Gesellschaft nicht beteiligt, sondern einfach eingeladen worden war, sich einzufinden:

« Mais j’espere d’avoir encore avant ce tems (Iselin hat Fellenberg nach Basel eingeladen) la joie de Vous embrasser a l’assemblée projettée. Je Vous avoue, Monsieur, que je prefererois infiniment l’automne, puisque je crains de ne pouvoir pas m’absentir d’ici au printems, amoins que ce ne fut aux environs de Paques. Quant au lieu, Arau ne conviendroit il pas mieux? »4

[Alle Übersetzungen: kursiv in eckigen Klammern, von Margret Genna-Stalder.
„Aber ich hoffe, noch vor dieser Zeit das Vergnügen zu haben, Sie an der geplanten Zusammenkunft zu
umarmen. Ich würde dazu den Herbst vorziehen, weil ich fürchte, im Frühling, ausser um Ostern, nicht von hier weggehen zu können. Was den Ort betrifft, wäre Aarau nicht besser?“]
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Obwohl Fellenberg am Gedanken, diese Gesellschaft zu gründen, keinen Anteil hatte, spielte er in der ersten Phase der Entstehung der Helvetischen Gesellschaft eine wichtige Rolle. Er ging nämlich interessiert auf Iselins Idee, an dieser Zusammenkunft konkrete Ziele zu verfolgen, ein und stand damit im Gegensatz zum anderen wichtigen Briefpartner Iselins in dieser Angelegenheit, zu Salomon Hirzel, der an diesem Treffen nichts Bestimmtes vorzunehmen beabsichtigte. Dieser Gegensatz Fellenberg-Hirzel oder Bern-Zürich überschattete dann die Tagungen der Helvetischen Gesellschaft der ersten Jahre. Aus Fellenbergs Vorschlägen zur Gestaltung der Helvetischen Gesellschaft entstand nämlich, nachdem Salomon Hirzel Iselin davon überzeugt hatte, dass an der geplanten Zusammenkunft besser keine bestimmten Ziele verfolgt würden, im Frühjahr 1762 in Bern die Patriotische Gesellschaft, deren bernische Mitglieder während der ganzen Zeit, da sie bestand, versuchten, der Helvetischen Gesellschaft, der sie ebenfalls angehörten, ihre Ideen aufzuzwingen.

Betrachten wir aber diese Entwicklung von Anfang an:

Am 1. Juli 1760 schlägt Iselin Salomon Hirzel vor, am vorgesehenen Treffen bestimmte Ziele zu verfolgen:

„Wir müssen den Entwurf unsrer freundschaftlichen Tagsatzung nie aus den Augen lassen, und alles ersinnliche anwenden, denselben ins Werk zu setzen; es ist ein allzuschöner Gedanke, als dass er nur in der Reihen der möglichen Dingen bleiben sollte. Wir sollten aber darauf bedacht seyn, demselben eine gewisse Gestalt und gewisse Absichten zu geben, dass etwas recht gemeinnütziges daraus würde. Unter dem Schein einer blossen Ergötzlichkeit, sollten wir den Grund zu Verhältnissen legen, dadurch unserm gemeinsamen Vaterland grosse sittliche und politische Vortheile erworben werden könnten. Solche Freundschaften, von rechtschaffnen Leuthen aus den meisten Ständen der Eyd-gnossschaft, könnten nicht anderst als für die gemeine Wohlfahrt desselben äusserst vortheilhaft seyn; insonderheit wenn man das Besste des Vaterlandes zum Grund einer Vereinigung legte, und solche auf die Nachkommenschaft fortzupflanzen trachtete. Es gehen mir deshalben allerhand Gedanken in dem Kopf herum. Eine Eydsgenössische Gesellschaft ist der vornehmste; diese sollten wir da stiften, und diese sollte ihre ganze Absicht auf die Einigkeit der Stände, und die Tugend und Glückseligkeit ihrer Bürger richten. Man sollte die Sache Anfangs geheim halten, und darnach jeden, der eingeladen würde, ersuchen, mit seinen schriftlichen Gedanken, über die bessten Mittel, einen solchen Endzweck zu erhalten, zu erscheinen. Ich bedenke mich, indem ich dieses schreibe, ob es nicht besser wäre, erst wann man beysammen wäre solche Gedanken zu äussern, und zu versuchen wie man sie dem einen oder andern beliebt machen könne? Ich denke, man könnte sich dann zu der Verfertigung einer gemeinschaftlichen periodischen Schrift vereinigen, und damit die vornehmsten Wahrheiten ausstreuen, welche die Ausbreitung der Tugend und der Liebe des Vaterlands befördern könnten. Man müsste dieses unter dem Vorwand, für ← 23 | 24 → die Ausbreitung des Geschmacks zu arbeiten, thun, um allen Schein der Verbesserung auszuweichen.“5

In dieser Zeit teilte Iselin wohl auch Daniel Fellenberg Näheres über seine Vorstellungen von den Zielen dieser für das Frühjahr 1761 vorgesehenen Zusammenkunft mit. Wahrscheinlich schrieb er ihm etwas Ähnliches wie an Salomon Hirzel. Der Vorschlag, eine periodische Schrift herauszugeben, könnte auch in diesem verlorenen Brief Iselins an Fellenberg gestanden sein, denn Fellenberg nahm in seiner Antwort vom 9. Juli 1760 folgendermassen zu Iselins Vorschlägen Stellung:

« Je suis veritablement enchanté de toutes les idées patriotiques, contenues dans Votre derniere lettre, qui m’a causé une joie inexprimable. J’ai toujours cru, que les progrés du bonheur sont proportionnés a ceux de nos lumieres, car pour faire le bien, il faut le connoitre. Comment peut on repandre et multiplier ces precieuses connoissances dans notre Chere Patrie! Voila le plus beau probleme, qui puisse occuper des citoiens philosophes, et celui qui le resoudra, meritera l’amour de ses compatriotes. Il m’a occupé bien souvent, j’espere, Monsieur, qu’il vous occupera plus utilement. J’attends avec une grande impatience le detail de Vos idées sur une Société Helvetique plus etendue, que celle, qui est actuellement etablie. Voici quelques reflexions que je Vous prie d’examiner. »

[Ich bin wirklich entzückt von all diesen patriotischen Ideen, die Ihr letzter Brief enthält, der mir eine unaussprechliche Freude bereitet hat. Ich habe immer geglaubt, dass die Fortschritte des Glücks jenen unserer Kenntnisse entsprechen, denn um das Gute zu tun, muss man es kennen. Wie kann man dieses kostbare Wissen in unserem lieben Vaterland verbreiten und vermehren! Das ist das schönste Problem, das reflektierende Bürger beschäftigen kann und wer es löst, verdient die Liebe seiner Mitbürger. Dieses Problem hat mich sehr oft bewegt und ich hoffe, dass es Sie fruchtbarer beschäftigen wird. Ich erwarte mit grosser Ungeduld die Einzelheiten Ihrer Ideen über eine umfassendere Helvetische Gesellschaft als jene, die momentan besteht. Hier sind einige Überlegungen, die ich Sie zu prüfen bitte.]

Fellenberg stellte in diesem Brief vom 9. Juli 1760 nun seinerseits seine Ansichten über die Aufgaben einer solchen Versammlung dar, und zwar enthielt sein Schreiben gleich zwei Vorschläge:

Im ersten Projekt erklärt Fellenberg, der Hauptgegenstand einer Helvetischen Gesellschaft solle die Pflege physikalischer, ökonomischer und politischer Kenntnisse über das Vaterland sein. Physikalische Kenntnisse seien notwendig, weil das Klima eines Landes bekannt sein müsse, damit sein Reichtum genutzt werden könne. Über ökonomische Kenntnisse müsse man verfügen, um Missbräuche heilen zu können. Politische Kenntnisse, besonders die Gesetzgebung eines Landes, ihren Ursprung und ihre Geschichte, brauche man, um zu sehen, ← 24 | 25 → welche Gewohnheiten und Gesetze geändert werden müssten. Die Helvetische Gesellschaft solle den Regierungen Abhandlungen über diese Sachgebiete unterbreiten. Die Menschen würden nämlich ebenso oft aus Unwissenheit wie aus Leidenschaft Fehler begehen. Die Regierungen würden dieses Wissen mit der Zeit bestimmt zu schätzen wissen. So würde die Philosophie wieder, wie in alten Zeiten, in die Verwaltung gelangen, und ihre eigentliche Bestimmung, für das Glück der Menschen zu arbeiten, von Neuem erfüllen.

Solche nützlichen, exakten Untersuchungen wurden nach Fellenbergs Meinung damals von allen wissenschaftlichen Richtungen vernachlässigt, denn die Wissenschaften hätten alle den Ehrgeiz, allgemeine Regeln aufzustellen, bevor sie die Fakten der Sachgebiete kennten, auf welche sich die Regeln bezögen. Deshalb weise die Praxis oft auf übertrieben harte Weise auf die Fehler und die Unnötigkeit der Theorie hin. Die Helvetische Gesellschaft solle nun diese Lücke füllen und auf dem Gebiete der Eidgenossenschaft exakte physikalische, ökonomische und politische Untersuchungen nach bestimmten Regeln durchführen. Für die Arbeiten auf physikalischem und ökonomischem Gebiet sollten für lokale Informationen Geistliche beigezogen werden. Diese hätten sich in Schweden gut bewährt. Es werde hier aber kaum möglich sein, die Geistlichen beizuziehen, weil sie in solchen Angelegenheiten nicht so geübt seien wie die schwedischen. Dazu müssten sie zuerst mit empirischen Untersuchungsmethoden auf naturwissenschaftlichem Gebiet – wie wir heute sagen würden – vertraut werden. Das wäre nützlicher als – wie sich Fellenberg ausdrückte – die falsche Metaphysik und die unnütze Physik, die sie an den Akademien lernten.

Dieses Projekt liess Fellenberg wieder fallen. Auf jeden Fall erwähnte er es in seinen Briefen an Iselin nie wieder. Sein zweiter Vorschlag war ihm hier wichtiger. Er führte ihn nicht nur im Brief vom 9. Juli 1760 aus, sondern auch in jenen vom 24. August und vom 19. Oktober 1760. In der folgenden Zusammenstellung sind Fellenbergs Äusserungen in allen drei Briefen über dieses Thema berücksichtigt:

Aus diesen Briefen geht hervor, dass Fellenberg jene Gesetze finden wollte, die allen Menschen das grösste Glück, das in ihren Verhältnissen erreichbar ist, ermöglichen würden. Diese Gesetze können nach seiner Ansicht durch Forschungen über Gegenwart und Vergangenheit gefunden werden. Es müsse abgeklärt werden, welche Gesetze die Menschen verschiedenster Staaten in den verschiedensten Zeiten und Gegenden glücklich gemacht und welche dies nicht erreicht haben. Weiter müsse festgestellt werden, durch welche tatsächlichen Gegebenheiten die Gesetze der wichtigsten Völker der Erde wesentlich beeinflusst würden. Diesem Material könnten dann Grundsätze für die Gesetzgebung, deren Ziel es sei, die Menschen glücklich zu machen, entnommen werden. Diese ← 25 | 26 → Grundsätze müssten bei der Gesetzgebung jedes einzelnen Staates berücksichtigt werden. Sie sollten aber nach den besonderen Bedürfnissen der verschiedenen Staaten modifizierbar sein. Fellenberg glaubte, dass nach umfassenden Forschungen dieser Art allgemeine, immerwährende Grundsätze für die Gesetzgebung aufgestellt werden könnten. Sie müssten in Zukunft – wenn Neues gedacht wird – nur ergänzt werden.

Fellenberg wusste, dass er diese Aufgabe nur mit vielen Mitarbeitern würde lösen können. Er stellte sich folgende Organisation vor:

Er beabsichtigte, das nötige Material unter Mitarbeit vieler Gelehrter des In- und Auslandes zu sammeln und in einer Zeitschrift zu veröffentlichen. Diese sollte Folgendes enthalten:

 Die besten Abhandlungen, die über diese Themen erscheinen, wobei überflüssige Stellen und Wiederholungen zu streichen wären.

 Zusammenfassungen mittelmässiger Werke aus dem 18. Jahrhundert, aber auch aus früheren Zeiten, damit nicht die vielleicht umfangreichen und somit zeitraubenden Originale gelesen werden müssten.

 Titel und kurze Inhaltsangabe ausgezeichneter Werke, die man selbst besitzen und lesen müsste.

 Eigene Abhandlungen der für die Zeitschrift Verantwortlichen. Dies sollte aber nicht das eigentliche Ziel der Zeitschrift sein, denn es sei sinnvoller, gute alte Gedanken auszugraben als neue zu produzieren, weil viele vermeintlich neue Gedanken schon einmal schriftlich niedergelegt worden seien.

Weiter führt Fellenberg aus, dass die vorgeschlagene Thematik recht neu und noch nicht sehr bearbeitet sei. Deshalb möchte er jährlich Preise für Abhandlungen über diese Materie aussetzen. Ob die Gesellschaft Preisfragen stellen oder ob sie passende neu erschienene Werke auszeichnen würde, geht aus Fellenbergs Äusserungen nicht klar hervor.

Iselin ging wahrscheinlich im Allgemeinen wohlwollend auf Fellenbergs Vorschläge ein, denn dieser leitete seinen nächsten Brief an Iselin – geschrieben am 24. August 1760 – folgendermassen ein:

« J’ai ete bien sensible a l’indulgence avec laquelle Vous avés bien voulu lire quelques unes de mes idées sur l’objet interessant, qui nous occupe. Cela m’engage, Mon Cher Monsieur a Vous communiquer celles que j’ai eu la dessus après avoir lu Votre lettre aussi instructive qu’obligeante. »

[Ich schätze die Nachsicht, mit der Sie meine Ideen zum interessanten Thema, das uns beschäftigt, gelesen haben. Das veranlasst mich, mein Lieber, Ihnen jene mitzuteilen, die ich darüber nach der Lektüre Ihres ebenso belehrenden wie zuvorkommenden Briefes hatte.] ← 26 | 27 →

Trotz dieses hoffnungsvollen Anfangs, und obwohl Fellenberg in diesem Brief seine Vorstellungen vom 9. Juli 1760 präzisierte, enthielt Iselins Antwort auf seine Vorschläge wohl auch Äusserungen, die Fellenberg daran zweifeln liessen, dass seine Pläne auch ausgeführt werden sollten. Nachdem er auf verschiedene Bedenken Iselins, hauptsächlich administrativer Art, eingetreten war, führte er Folgendes aus:

« Au cas que cette Societé prit une semblable tournure, je proposerois alors plusieurs projets, je tacherois d’en detailler les plans, et je differe de la faire jusqu’ alors. »

[Falls sich diese Gesellschaft in unserem Sinn entwickelt, werde ich mehrere Projekte mit genauen Plänen vorschlagen, was ich aber vorläufig auf diesen Zeitpunkt verschiebe.]

Dass die Vermutung, die aus der zitierten Stelle nicht eindeutig hervorgeht, richtig ist, wonach Fellenberg an der Ausführung seines Projektes durch die geplante Versammlung zweifelte, lässt sich durch den Briefwechsel Iselins mit Salomon Hirzel bestätigen:

Hirzel war mit dem Wunsche Iselins, an der vorgesehenen Zusammenkunft bestimmte Ziele zu verfolgen, dem Iselin in seinem Brief an Hirzel vorn 1. Juli 1760 Ausdruck verliehen hatte, nicht einverstanden. Aus Salomon Hirzels Antwort vorn 9. Juli 1760 lässt sich entnehmen, dass er zuerst eine ganz unverbindliche, ungezwungene Zusammenkunft von Leuten, die sich gerne kennenlernen möchten, wünschte:

„Sie haben sich ausgebreitet über den Vorschlag einer freundschaftlichen eydsgnössischen Tagsatzung; und diese Ausbreitung zeuget von ihrer Begierde, alles zum Nutzen des Vaterlands, auf diesen grossen verehrenswürdigen Endzweck hinzuleiten, der Ihr gantzes Thun und Lassen beseelt. Ich gestehe, dass eine solche Zusammenkunft, wenn sie uns nicht alle zu rechten Herzensfreunden machte und nicht alle belebte, Tugend und Redlichkeit und gegenseitiges Vertrauen, ein jeder nach seinem Stand und an seinem Ort, zu pflanzen, auszubreiten, und zu vermehren, eine überflüssige Sache wäre. Denn wenn nur Scherze müssen herumgehen, und zusammen muss gelacht seyn, so kann das ein jeder zu Hause, mit seinen lustigen Brüdern thun. Aber darinn gehe ich von Ihrem Gedanken ab, dass ich weniger Feyerlichkeit dabey wünschte als Sie. Ich fürchte nur, wenn die Absicht, an einer Schrift zu arbeiten, zum voraus, und mit der Aufforderung eröffnet wird, es möchte einige abschrecken, als ob man sie zu einer ernsthaften Versammlung berufen wollte, wo in gesetzten Reden und Umfragen die Berathschlagung herumgehet, und die Beredsamkeit einer Rathstube eben so wohl erfordert werde als ein gutes freundschaftliches Herz. Je einfacher und ohne Schein die Sache zuerst hergeht, je nützlicher und würksamer wird sie werden. Es wäre mir kein Geheimnis, dass auf den Frühling Leuthe die sich gern sähen, die sich gern kennen möchten, weil sie Achtung und Liebe für einander haben, an einem dritten Ort zusammen kämen. Brugk gefiel mir deswegen, weil man am ungeniertesten wäre, mehr als in Baden oder an keinem Ort. Dann liess ich die Versammelten alle reden was sie gern wollten: Die Gleichheit der Gesinnungen, der ← 27 | 28 → wichtige Endzweck, der jedem am Herzen ligt, wird sie von selbsten auf Gegenstände führen, die man gern abgehandelt hätte; und beym freundschaftlichen Gespräche, bey Tische, bey dem Spatziergang wird viel gesagt werden, das man in gesetzten Berathschlagungen nicht sagen kann. Das Feuer des freundschaftlichen Umgangs wird viele Gedanken hervortreiben, die, mit äusserlichem Gepräng vorgetragen, abgelehnt würden; und eben diese Wärme des Umgangs wird Freundschaften stiften, oder ähnliche Vereinigungen, die von selbst handeln werden. So ist es in jeder menschlichen Unternehmung gewesen; je einfacher und unschuldiger die erste Anlage war, je mehr ist sie gediehen“.6

Iselin stimmte, wie aus seinem Brief an Hirzel vom 19. Juli 1760 hervorgeht, diesem Gedanken zu und erklärte, dass es sicher, wie Hirzel meine, für die eigentliche Absicht dieser Zusammenkunft besser wäre, wenn sie auf ungezwungene Weise abgehalten würde.7

Diese Einsicht Iselins begrüsste Hirzel in seiner Antwort vorn 30. Juli 1760 sehr.8

So wird nun Iselin wohl auch Fellenbergs Projekt vorläufig abgelehnt haben. Dies wird ganz deutlich aus dem Schreiben Fellenbergs an Iselin vorn 19. Oktober 1760, in dem er seiner Enttäuschung über den Verlauf der Vorverhandlungen über die Ziele der geplanten Versammlung Ausdruck verleiht. Iselin scheint ihm mitgeteilt zu haben, dass die vorgesehene Zusammenkunft bereits einiges Aufsehen erregt habe. Fellenberg erwidert am 19. Oktober, dass er in Bern nichts Derartiges gehört habe und fährt folgendermassen weiter:

« Sans doute qu’il ne faut pas traiter cela trop gravement, car je crains bien, que cela n’aboutira qu’a une partie de plaisir. »

[Ohne Zweifel ist das nicht allzu ernst zu nehmen, denn ich fürchte, dass sich daraus nur eine Vergnügungsfahrt ergeben wird.]

Im gleichen Brief erwähnt er, dass Iselin ihn nach Basel eingeladen habe und erklärt, dass die Freude, sich mit Iselin zu unterhalten, für ihn die schönste Vergnügungsfahrt sei, die er allen andern Versammlungen vorziehe. Sie könnten sich dann ruhig über seine Vorschläge unterhalten.

Fellenberg blieb also von der Notwendigkeit seiner Vorschläge weiterhin überzeugt, rechnete aber nicht mehr damit, dass sie an der geplanten Versammlung auch vorgebracht würden.

Am 19. April 1761 dankt er Iselin für die Einladung zur « parti de plaisir a Schinznacht » und entschuldigt sich, dass er sich nicht dazu einfinden könne, weil er krank sei. Er bittet Iselin, den Anwesenden nichts von den Plänen, über ← 28 | 29 → die er sich mit ihm unterhalten habe, mitzuteilen, weil er fürchte, dass sie ihrem Geschmacke nicht entsprächen.

Nach dieser Entschuldigung enthalten Fellenbergs Briefe an Iselin fast ein Jahr lang nichts mehr über seine Vorstellungen zur Gestaltung einer Gesellschaft.

Fellenberg verfolgte aber sein Projekt weiter. Am 7. März 1762 schrieb er Folgendes an Iselin:

« Mes occupations et plusieurs circonstances désagreables m’ont privé longtems de la satisfaction de m’entretenir avec Vous; Je veux me la procurer aujourdhui, pour Vous communiquer un projet, dont j’ai deja eu l’honneur de Vous parler, qui m’a toujours tenu fortement a coeur, et qui est actuellement en train, puisque Mess. Tscharner de Bellevue, Prof. Stapfer, Prof. Wilhelmi et moi nous sommes deja assemblés quelquefois pour deliberer la dessus. Nous sommes tous convenus qu’il etoit necessaire pour le succès de cette Societé, qu’elle fut peu nombreuse au Commencement, et qu’il ne falloit proposer qu’a Vous, Mon Cher Monsieur, d’en etre membre souscrivant. Lisés le Plan y joint, qui est destiné proprement a etre envoié aux membres Correspondens, et aiés la complaisance de nous apprendre ce que Vous en pensés ».

[Meine Arbeit und mehrere unangenehme Umstände haben mich leider lange daran gehindert, mich mit Ihnen zu unterhalten. Doch heute möchte ich Ihnen ein Projekt mitteilen, worüber ich schon mit Ihnen gesprochen habe, das mir immer sehr am Herzen lag und jetzt in Bewegung kommt, denn die Herren Tscharner de Bellevue (= Vinzenz Bernhard), Prof. Stapfer, Prof. Wilhelmi und ich haben uns schon mehrmals getroffen, um darüber zu beraten. Wir sind übereingekommen, dass es für den Erfolg der Gesellschaft notwendig ist, dass am Anfang nicht viele Personen daran beteiligt sind und dass nur Sie als unterzeichnendes Mitglied vorgeschlagen werden sollen. Lesen Sie bitte den beigefügten Plan, der eigentlich für die korrespondierenden Mitglieder bestimmt ist, und teilen sie uns bitte mit, was Sie darüber denken.]

Es handelt sich hier um die erste Äusserung Fellenbergs über die Gesellschaft, die bald einmal « Societé des Citoyens » oder „Patriotische Gesellschaft“ genannt worden ist. Die zitierte Stelle enthält aber einen Hinweis darauf, dass es sich nur um die Verwirklichung eines früheren Planes handelt. « …, pour Vous communiquer un projet, dont j’ai deja eu l’honneur de Vous parler, qui m’a toujours tenu fortement a coeur,… ». Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um die Verwirklichung der Pläne vom Sommer 1760 handelt. Diese Vermutung lässt sich aber durch die weiteren Äusserungen in dem Briefe vom 7. März 1762 nicht ohne Weiteres bestätigen, obwohl dieser Brief die genauesten Angaben Fellenbergs über die Gründung der Patriotischen Gesellschaft enthält. Die Organisation der neuen Gesellschaft lässt sich aus diesem und vielen weiteren Briefen des Jahres 1762 leicht entnehmen und mit jener des im Sommer 1760 formulierten Projektes vergleichen. Der zur Feststellung, ob es sich um die Verwirklichung des früheren Planes handle, wesentliche Aspekt, die Ziele der Gesellschaft, lässt sich ← 29 | 30 → aber weder aus dem Briefe Fellenbergs vom 7. März 1762, noch aus den übrigen Briefen Fellenbergs über die Patriotische Gesellschaft ohne weiteres entnehmen. Dies ist der Tatsache zuzuschreiben, dass Fellenberg, wie aus der oben zitierten Stelle aus dem Brief vom 7. März 1762 hervorgeht, seine Vorstellungen von den Zielen dieser Gesellschaft in einem Plan niedergelegt hat: « Lisés le Plan y joint, qui est destiné proprement a etre envoié aux membres Correspondens,… ». Diesen Plan hat er mit dem Briefe vom 7. März 1762 an Iselin geschickt und dann dessen Kenntnis offenbar vorausgesetzt. Es lässt sich nämlich nachweisen, dass der Mangel an Klarheit, besonders was die Ziele der Gesellschaft betrifft, der Fellenberg auf Grund seiner Briefe an Iselin vorgeworfen worden ist9, nicht Fellenbergs Unfähigkeit, seine Gedanken klar auszudrücken, zuzuschreiben ist, sondern dem eben erwähnten Umstande. Der Plan der Patriotischen Gesellschaft ist zwar, wenigstens in der Burgerbibliothek Bern, nicht mehr erhalten. In den „Briefen, die Neueste Litteratur betreffend“, in denen, wie noch genauer beschrieben werden wird, wie in verschiedenen andern Zeitschriften, die Existenz einer „Patriotischen Gesellschaft“ in Bern angekündigt worden ist, ist im Jahre 1762 mit der Ankündigung der Patriotischen Gesellschaft ein Ausschnitt aus dem Plane der Gesellschaft veröffentlicht worden, aus dem sich die Ziele der Gesellschaft leicht entnehmen lassen.10

Der Vergleich mit den Zielen des Projektes vom Sommer 1760 ergibt, dass es sich hier um eine neue Form der Verwirklichung der Vorschläge zur Gestaltung der Helvetischen Gesellschaft handelt, die Fellenberg Iselin im Sommer 1760 unterbreitet hat. Der Zusammenhang des Planes für die Patriotische Gesellschaft vom März 1762 mit den Plänen zur Gestaltung der Helvetischen Gesellschaft vom Sommer 1760 soll im Folgenden noch genau nachgewiesen werden.

1 Für die Entstehung der Helv. Ges. vgl. Im Hof, Iselin, 1947, Bd. I, II. Kapitel, 3. Die Helvetische Gesellschaft in Schinznach, S. 243–250.

2 Verhandlungen der Helvetischen Gesellschaft in Olten. Im Jahr 1784. II. Geschichte der ersten fünf Jahre der Helvetischen Gesellschaft, … S. 21/22.

3 Im Hof, Iselin, 1947, S. 245/46.
Bruno Laube wollte Iselin und seinen Zürcher Freunden dieses Verdienst zwar in seiner Biographie über Joseph Anton Felix Balthasar streitig machen und erklärte, Balthasar habe den ersten Anstoss zur Gründung der Helvetischen Gesellschaft gegeben. (Laube, Balthasar, 1956, 1. Abs. 1. Kapitel. Balthasars Anteil an der Gründung der Gesellschaft, S. 135–140, besonders S. 137 unten bis S. 139 oben.)
Daran ist richtig, dass Balthasar in einem Brief an Iselin vom 30. April 1760 eine „Helvetische Gesellschaft“ zur Publikation schweizergeschichtlicher Quellen angeregt hat. (Schwarz, 1925, Briefwechsel Iselin – Balthasar, S. 50/51.) Dagegen, dass dies der erste Impuls zur Schinznachertagung von 1761 gewesen ist, sprechen aber einmal Datum und Text des bereits oben angeführten Briefes Iselins an Hirzel vom 29. April 1760. Iselin ist zwar interessiert auf Balthasars Vorschlag eingegangen. (Schwarz, 1925, S. 51–59). Gegen die Behauptung, dass aus der brieflichen Diskussion zwischen Iselin und Balthasar der Anstoss zur Gründung der Helvetischen Gesellschaft entstanden sei, spricht weiter, dass Iselin erst, als er Balthasar zur Tagung eingeladen hat, erklärt, man könnte Balthasars Vorschlag dort, neben anderen, zu realisieren versuchen. Iselin hat Balthasar nämlich erst am 19. Juli 1760 eingeladen. (Schwarz, 1925, S. 60) Vorher hat Iselin in seinen Briefen an Balthasar die geplante Zusammenkunft nicht erwähnt. Es besteht also kein direkter Zusammenhang zwischen dem ersten Anstoss zur Zusammenkunft in Schinznach von 1761 und Balthasars Vorschlag zur Gründung einer Helvetischen Gesellschaft mit historischen Interessen.
Gegen diese Feststellung könnte nun eingewendet werden, Balthasar könnte Iselin dazu veranlasst haben, sich Gedanken über den Inhalt der vorgesehenen Tagsatzung zu machen. Iselins Vorstellungen, die er am 1. Juli 1760 Salomon Hirzel (Verhandlungen der Helv. Ges. 1784 – vgl. Anm. 2 – S. 24–27), nicht etwa Balthasar, mitteilt, sind jedoch politischer Natur, während in Balthasars Vorschlag die Geschichtswissenschaft im Vordergrund steht. Eine Diskussion über den Inhalt der Schinznachertagung haben Iselin und Balthasar nicht geführt. Nachdem Iselin bei seiner Einladung die Schinznachertagung und Balthasars Vorschlag in Verbindung gebracht hat, wird Balthasars Plan und der Inhalt der Tagung nicht mehr erwähnt. Es ist trotzdem möglich, aber nicht mehr nachzuweisen, dass Balthasar Iselin dazu angeregt hat, mit der Zusammenkunft konkrete Ziele zu verbinden.

4 Fellenberg an Iselin, 14. Juni 1760.
Die Briefe Daniel Fellenbergs an Isaak Iselin werden in der Burgerbibliothek Bern unter der Signatur FA von Fellenberg 152 aufbewahrt. Sie sollen im Folgenden nur noch dann in den Anmerkungen erwähnt werden, wenn das Datum im Text nicht angeführt wird.

5 Verhandlungen der Helv. Ges. 1784 … S. 24–27, vgl. Anm. 2.

6 Verh. der Helv. Ges. 1784 …. S. 27–29, vgl. Anm. 2.

7 Verh. der Helv. Ges. 1784 …. S. 30, vgl. Anm. 2.

8 Verh. der Helv. Ges. 1784 …. S. 31, vgl. Anm. 2.

9 Guggisberg, Fellenberg, 1951, bemerkt auf S. 11, wo er Fellenbergs Äusserungen über die Gesetzgebung erwähnt, die er in Fellenbergs Briefen an Iselin findet, dass Fellenberg nie in der Lage sein werde, seine Gedanken klar auszudrücken. Es handelt sich dabei um die Stellen, in denen Fellenberg die Ziele der Helvetischen bzw. der Patriotischen Gesellschaft formuliert. Fellenbergs Unklarheit oder jene der ganzen Patriotischen Gesellschaft stellt auch von Mülinen fest, Patriotische Gesellschaft, 1900, S. 11, 2. Abs; S. 25, 2. Abs.
Störi, Mercure Suisse, 1953, S. 67/68, erklärt, die Tätigkeit der Patriotischen Gesellschaft habe sich bald in organisatorischen Fragen erschöpft, deren Behandlung den Hauptteil der erhaltenen Korrespondenz ausmache. Die Vereinigung zwischen der Patriotischen und der Helvetischen Gesellschaft sei hauptsächlich deshalb nicht zustande gekommen, weil die bernischen Absichten unbestimmt gewesen seien.

10 Briefe, die Neueste Litteratur betreffend. XIII ter Theil. Berlin, Nicolai, 1762.
223. Brief, S. 169–182. Der Auszug aus Fellenbergs Plan S. 173–178.

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II. Die Ziele der Patriotischen Gesellschaft

In dem Auszug aus Fellenbergs Plan, der in den „Briefen, die Neueste Litteratur betreffend“ veröffentlicht worden ist, bezeichnet Fellenberg das Sachgebiet, dessen Bearbeitung durch die Patriotische Gesellschaft er wünscht, als Sittenlehre. Er erklärt, diese habe zwei Teile, einen natürlichen oder philosophischen und einen positiven oder historischen, von denen der positive sei und der natürliche eingeführt werden sollte.

Die natürliche Sittenlehre definiert Fellenberg als die Wissenschaft von den Menschen, wie sie nach dem rechten Gebrauch der Vernunft sein sollten und könnten, und als die Wissenschaft von den Gesetzen, die sich am besten dazu eignen, den Menschen jenes Mass an Glückseligkeit, dessen sie unter den Umständen, in denen sie leben, fähig sind, zu ermöglichen. Diese Wissenschaft beschränke sich nicht auf die allgemeinsten Begriffe, die auf abstrakter Kenntnis über den Menschen beruhten und daher für alle Länder und Zeiten gälten. Die Sittenlehre befasse sich zwar immer mit dem ursprünglichen Menschen, aber versuche besonders den Menschen, wie sie jetzt seien, nützlich zu werden. Sie umfasse zwar das Interesse aller Völker überhaupt, aber unterlasse es nicht, die Entwürfe, die ihrem Besten dienen sollten, der Vielfalt ihrer Umstände anzupassen. Wenn sich unüberwindliche Hindernisse dem Idealzustand widersetzten, den sie erreichen möchte, suche sie den Menschen wenigstens den Weg zu zeigen, auf welchem sie zum kleinsten Übel oder zu dem unter den gegenwärtigen Umständen grösstmöglichen Glück gelangen könnten. Diesen Teil der Sittenlehre, den Fellenberg als natürliche oder philosophische Sittenlehre bezeichnet, kritisiert er im Folgenden:

Er führt aus, in den vorigen Zeiten habe man verwegen Welten und Republiken aufgebaut, man habe der Natur und dem Menschen Gesetze vorgeschrieben, obwohl man weder die Natur noch den Menschen gekannt habe. Ohne Kenntnis der Begebenheiten sei es nicht möglich, Grundsätze festzusetzen. Ein beständig in sich eingesponnener Geist brüte nichts als Irrtümer aus. Dann legt Fellenberg dar, wie diese Mängel der natürlichen Sittenlehre behoben werden könnten. Er erklärt, wenn man die natürliche Sittenlehre vervollkommnen und eine Wissenschaft der Gesetzgebung erarbeiten wolle, die allen Menschen das unter ihren speziellen Umständen grösstmögliche Glück zusichere, müsse man den Menschen kennen wie er früher gewesen und wie er jetzt sei. Man müsse ihn in allen Zeiten und Weltgegenden und unter allen Umständen sehen, sein Tun und Lassen beobachten, die Gesetze suchen, die er über alle Arten von menschlichen Handlungen ← 31 | 32 → eingeführt habe, den Einfluss dieser Gesetze auf seinen Zustand überprüfen und die Abänderungen von Gesetzen und die Ursachen dieser Änderungen gründlich untersuchen. Dies sei der Zweck der positiven oder historischen Sittenlehre. Die Geschichte jedes Volkes enthalte einen Vorrat von Beobachtungen, die zu dieser Wissenschaft gehörten. Was den Menschen angehe, sei für den Menschen Quelle des Unterrichts. Die Beobachtung sei also die Quelle der positiven oder historischen Sittenlehre. Weil Beobachtungen nie vollständig werden könnten, werde wohl die positive oder historische Sittenlehre immer unvollkommen bleiben. Die Geschichte enthalte aber eine unendliche Menge von Begebenheiten, die dem Sittenlehrer dienen könnten. Die Historiker sollten hauptsächlich diese Trümmer sammeln und zum Gebrauch der philosophischen Sittenlehre erläutern.

Soweit, etwas gekürzt wiedergegeben, Fellenbergs Vorstellungen von den Zielen der Patriotischen Gesellschaft.

Fellenberg führt also aus, es sei das Ziel der natürlichen oder philosophischen Sittenlehre, jene Gesetze zu finden, die den Menschen das unter den Bedingungen, in denen sie lebten, grösstmögliche Glück gewährleisteten. Dieses Ziel sei nur mit Hilfe der positiven oder historischen Sittenlehre zu erreichen, welche sich mit den Auswirkungen der Gesetzgebung von Vergangenheit und Gegenwart befasse. Es scheint ihm also, dass die ideale Gesetzgebung nur durch Auswertung der konkreten Gesetzgebung von Gegenwart und Vergangenheit gefunden werden kann. Diese Gedanken hat er, weniger konzentriert abgefasst und systematisch geordnet, bereits im Sommer und im Herbst 1760 in jenen Briefen an Iselin geäussert, die seine Pläne zur Gestaltung der Helvetischen Gesellschaft enthalten. In diesen Briefen hat er, ohne die Begriffe natürliche oder philosophische und positive oder historische Sittenlehre zu verwenden, ebenfalls erklärt, es sollte das Ziel der Helvetischen Gesellschaft sein, jene Gesetze zu finden, deren Einführung den Menschen das für sie grösstmögliche Glück zusichere, was mit Hilfe der Geschichtsforschung gelänge.

Auch was das wissenschaftliche Vorgehen zum Erreichen dieses Zieles betrifft, sind in beiden Plänen, den Äusserungen vom Sommer und Herbst 1760 zur Gestaltung der Helvetischen Gesellschaft und dem Plan vom Frühjahr 1762 zur Gestaltung der Patriotischen Gesellschaft, die gleichen Vorstellungen zu finden. Aus den Vorschlägen vom Sommer und Herbst 1760 geht hervor, dass Fellenberg die Grundsätze für eine Gesetzgebung, welche Glück für alle ermöglichen soll, aus historischem Material gewinnen möchte, dass er also empirisch vorgehen will. Das Gleiche gilt für den eben zusammengefassten Plan vom Frühjahr 1762, in welchem Fellenberg an der natürlichen oder philosophischen Sittenlehre kritisiert, dass sie Grundsätze aufstelle, ohne sich auf Fakten zu stützen, und erklärt, dieser Mangel könnte behoben werden, wenn die natürliche oder ← 32 | 33 → philosophische Sittenlehre durch die in der positiven oder historischen Sittenlehre erarbeiteten Fakten ergänzt würde.

Es steht also fest, dass Fellenberg in seinen Plänen zur Gestaltung der Helvetischen Gesellschaft vom Sommer und Herbst 1760 und in jenem für die Patriotische Gesellschaft vom Frühjahr 1762 die gleichen Ziele verfolgt hat. Er hat sich schon früher einmal mit den gleichen Problemen befasst:

Wie aus einigen Briefen Fellenbergs an Iselin hervorgeht, strebte Fellenberg das Ziel, aus der Vergangenheit vieler Völker Grundsätze zu einer Gesetzgebung zu gewinnen, welche die Menschen glücklich machen sollte, bereits an, als er mit Hilfe in- und ausländischer Gelehrter Abhandlungen über die mosaischen, griechischen und römischen Gesetze sammelte. Diese Sammlung gab er in den Jahren 1760 und 1761 in zwei Bänden unter dem Titel “Jurisprudentia Antiqua” erstmals heraus. Im Jahre 1794 wurde sie nachgedruckt.1

Die fraglichen Briefe an Iselin zeigen, dass Fellenberg mit dieser Sammlung erst eine Vorstufe seiner eigentlichen Absichten erreicht hat. Am 7. Februar 1760 schreibt er Folgendes an Iselin:

« Je souhaite beaucoup que le premier Volume de Ma Collection, qui doit paraitre dans quelques semaines, reponde a votre attente, et que Vous approuviés le plan et le but de cet ouvrage, tel que je l’ai exposé dans ma preface. Je ne fais qu’amasser des materiaux pour des philosophes, et je voudrois bien pouvoir en jouir moimeme, et tirer les argumens, que l’exacte observation des lois anciennes peut fournir sur les vrais principes de la legislation. Cette etude m’enchante, car notre bonheur depend de sa perfection. »

[Ich wünsche sehr, dass der erste Band meiner Sammlung, der in einigen Wochen erscheinen wird, Ihren Erwartungen entspricht und Sie den Plan und das Ziel dieses Werkes billigen, so wie ich es in meinem Vorwort dargelegt habe. Ich sammle nur Material für Philosophen und möchte dieses selber gerne brauchen um zu zeigen, dass sich die wahren Prinzipien der Gesetzgebung in den Gesetzen früherer Zeiten, durch deren genaue Überprüfung, finden lassen. Diese Forschung begeistert mich, denn unser Glück hängt von ihrer Vervollkommnung ab. ]

Bevor Fellenberg im Briefe an Iselin vom 9. Juli 1760 seinen Plan zur Gestaltung der Helvetischen Gesellschaft erstmals skizzierte, führte er Folgendes aus: ← 33 | 34 →

« L’entreprise que j’ai commencer de ramasser les meilleurs Dissertations sur les lois Mosaiques, Grecques et Romaines ne remplit qu’une bien petite partie de mes desirs, et elle m’a fait concevoir un projet beaucoup plus utile, mais qui ne pourroit etre executé que par les travaux reunis d’une societé de philosophes. Ce projet me tient fort a coeur, car je le crois propre a avancer les progrés de la legislation et du bonheur. »

[Die Sammlung der besten Abhandlungen über die mosaischen, griechischen und römischen Gesetze, die ich angefangen habe, erfüllt nur einen kleinen Teil meiner Wünsche und sie hat mich zu einem viel nützlicheren Projekt veranlasst, das aber nur mit einer Gesellschaft von Philosophen, die zusammenarbeiten, ausgeführt werden kann. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen, denn ich halte es dafür geeignet, Fortschritte der Gesetzgebung und des Glücks zu erreichen.]

Am 5. November 1760 führt er Folgendes aus, nachdem er Iselin den ersten Band seiner Sammlung “Jurisprudentia Antiqua” hat überreichen lassen:

« Ce travail me menera peut etre avec le tems a quelque ouvrage plus digne de Vous etre offert. Sans cette esperance je n’aurois jamais eu le courage de m’y soumettre. Tous ces materiaux ne sont pas encore preparés a l’usage de la philosophie, et je pense aussi qu’elle n’en profitera guere. »

[Diese Arbeit wird mich vielleicht mit der Zeit zu einem Werk führen, das Ihrer eher würdig ist. Ohne diese Hoffnung hätte ich nie den Mut gehabt, mich dieser Arbeit zu unterziehen. Alle diese Materialien sind noch nicht zum Gebrauch der Philosophie vorbereitet und ich glaube auch, dass sie kaum davon profitieren wird.]

Fellenberg wollte also die ihm notwendig scheinende Fortsetzung seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit, die Auswertung alter Gesetzgebung für das Wohlergehen seiner Zeitgenossen, zuerst durch die Helvetische Gesellschaft vornehmen lassen. Als seine diesbezüglichen Vorschläge keinen Anklang fanden, versuchte er, sie mit einer eigens dazu gegründeten Gesellschaft, der Patriotischen Gesellschaft, zu verwirklichen. Bevor wir uns dem Wirken dieser Gesellschaft zuwenden, soll versucht werden, festzustellen, welchen geistigen Strömungen des 18. Jahrhunderts diese Gedanken, an denen Fellenberg so viel gelegen war, zuzuordnen sind. Dazu sind zwei Versionen möglich. Die eine ergibt sich aus der traditionellen, die zweite aus einer von Soziologen erarbeiteten Beurteilung des Werks, dem Fellenberg wohl weitgehend gefolgt ist: Montesquieus « Esprit des Lois ». Zunächst soll jene Version vorgestellt werden, die sich aus der Literatur entnehmen lässt, die der Tradition verpflichtet ist:2 ← 34 | 35 →

Nach seinem Plan beabsichtigt Fellenberg, eine allgemeine Staatslehre auszuarbeiten, die praktisch realisierbar und nach lokalen Bedürfnissen modifizierbar sein soll. Dieses Werk soll, wie in den folgenden Kapiteln ausführlich dargelegt werden wird, unter Mitarbeit von in- und ausländischen Gelehrten in Angriff genommen werden. Als Ziel ist das grösstmögliche Glück des Individuums vorgesehen. Mit diesem Plan wendet sich Fellenberg gegen die naturrechtlichen Staatslehren seiner Zeit. Zwar sehen diese nach seiner Meinung das gleiche Ziel vor, brauchen aber unzureichende Mittel. Es scheint ihm, dass das grösstmögliche Glück des Individuums nur erreicht werden kann, wenn beim Erarbeiten von Richtlinien für die staatliche Praxis die lebendige menschliche Realität von Gegenwart und Vergangenheit analysiert wird, wenn vom wirklichen Menschen ausgegangen wird, wie Fellenberg sich ausdrückt.

Diese Einsicht scheint ihm den naturrechtlichen Staatslehren seiner Zeit zu fehlen. Diese gehen nach seiner Meinung von einem konstruierten, idealen Menschenbild aus. Zwar kommen sie auf diese Weise zu universal gültigen Ergebnissen. Diese sind jedoch in der Praxis unbrauchbar. Die Ursache dieses Übels scheint ihm das Missachten von Fakten aus Gegenwart und Vergangenheit, der Mangel an Empirie, zu sein. Fellenberg ist also mit den naturrechtlichen Staatslehren seiner Zeit insofern einig, als er es als notwendig erachtet, bei der Gestaltung der staatlichen Wirklichkeit von bestimmten Richtlinien, einer Theorie, auszugehen. Diese möchte er aber auf empirischem Weg, nicht auf rationalem, erarbeiten. Dadurch scheint ihm der Fehler der aufklärerischen Staatslehre, der Mangel an Beziehung zur Realität, was Hang zur Generalisierung und Missachtung von Traditionen zur Folge hat, korrigiert werden zu können.

Als Vorbild für seine Bestrebungen betrachtet er wohl Montesquieu, der nicht Idealvorstellungen formuliert, sondern versucht hat, aus politischen Erfahrungen praktisch anwendbare Grundsätze für Politiker abzuleiten. Besonders wird ihm die Tatsache entsprochen haben, dass Montesquieu nicht nur praktische politische Erfahrungen der Gegenwart verwertet hat, sondern alles Brauchbare ← 35 | 36 → aus physischen und geistigen Faktoren von Gegenwart und Vergangenheit. Dass Fellenberg wohl durch Montesquieus « Esprit des Lois » zur Anwendung der Empirie in der Staatstheorie inspiriert worden ist, geht aus dem Brief an Iselin vom 29. Mai 1759 hervor, in dem sich Fellenberg begeistert über dieses Buch äussert und von der empirischen Erforschung der sozialen Welt beeindruckt scheint:

« Vos sentimens sur l’Esprit des Lois, et surtout sur ses trois principes de gouvernement, qu’il etablit, n’etoient pas un secret pour moi. Je me rappelle que Vous en parlés dans Vos charmans essais. Je voudrois, Monsieur, que Vous prissiès la peine d’ecrire un Essai sur cet ouvrage, et d’y developper les sentimens, que Vous m’indiquès. Je Vous avoue, Monsieur, que l’Esprit des Lois m’a paru depuis que je l’ai connu l’ouvrage le plus beau et le plus utile, qui ait eté ecrit par un homme. Ne faites Vous pas a Montesquieu les reproches, qu’on a fait si souvent a Machiavel? Je ne crois pas, que cet homme superieur ait voulu nous enseigner ce qui doit etre, mais il a voulu nous developper les causes de ce qui est, il a expliqué le monde moral comme les Physiciens nous expliquent le monde physique. Le seul reproche que je fais a Montesquieu c’est d’avoir negligé souvent les monumens certains de l’histoire, pour ne consulter que son genie. Pour les autres points, qui peuvent paroitre dangereux, je crois que je pourrois les defendre. Mais, je le repete, je voudrois voir un essai sorti de Votre plume, Monsieur, sur l’Esprit des Lois, et je suis persuadé d’avance que ce seroit la meilleure Critique que l’on en aura fait. Puis je l’esperer? »

[Ihre Ansichten über den « Esprit des Lois » und vor allem über die 3 Prinzipien des Regierens, die er festlegt, waren kein Geheimnis für mich. Ich erinnere mich, dass Sie in Ihren anregenden Essays darüber geschrieben haben. Ich möchte, dass Sie sich die Mühe nähmen, einen Essay über dieses Werk zu schreiben und dort die Meinungen zu entwickeln, auf die Sie mich hingewiesen haben. Ich gestehe Ihnen, dass der « Esprit des Lois », seitdem ich ihn kenne, mir das schönste und nützlichste Werk zu sein scheint, das je von einem Menschen geschrieben worden ist. Werfen Sie nicht Montesquieu dasselbe vor, das man so oft Machiavelli vorgeworfen hat? Ich glaube nicht, dass dieser überlegene Mensch uns lehren wollte, was sein soll, sondern er hat uns die Ursachen dessen, was ist, darlegen wollen, er hat die moralische Welt so erklärt, wie uns die Physiker die physikalische Welt erklären. Der einzige Vorwurf, den ich Montesquieu mache, ist jener, dass er oft historische Tatsachen vernachlässigt und nur sein Genie befragt hat. Die anderen Punkte, die gefährlich scheinen könnten, glaube ich verteidigen zu können. Aber, ich wiederhole, ich hätte gern einen von Ihnen geschriebenen Essay über den « Esprit des Lois » und ich bin schon im Voraus davon überzeugt, dass dies die beste Kritik sein wird, die darüber geschrieben worden ist. Darf ich darauf hoffen?]

Fellenberg kritisiert also an Montesquieu hauptsächlich, dass er zu wenig genau gewesen ist, sich oft zu wenig um Fakten gekümmert hat. Er hofft mit seinem Plan wohl, Montesquieus Absichten mit einer ganzen Gesellschaft von Gelehrten besser, genauer ausführen zu können, als dies Montesquieu allein getan hat. ← 36 | 37 →

Nun wird aber in der Literatur3 Montesquieu auf dem Gebiet der Rechtsphilosophie den Verfechtern der Staatsräson zugeordnet, den Gegenspielern der Naturrechtler, deren Hauptanliegen die Frage gewesen ist, was angeordnet werden müsse, um den Staat als Machtorganisation auszubauen oder wenigstens zu erhalten. Obwohl Fellenberg sich mit seinem Vorschlag, Staatstheorien auf empirische Weise zu erarbeiten, sehr wahrscheinlich an Montesquieu anlehnt, gehört er keinesfalls dieser Richtung an, wollte er doch wissen, welche Anordnungen im Staate getroffen werden müssten, um seine Bewohner glücklich zu machen. Fellenberg ist eindeutig vom humanitären Staatsgedanken ausgegangen, der Staatsidee der Aufklärung, dass der Staat die Aufgabe habe, das Glück des Individuums zu fördern, eine Staatsauffassung, die sich letztlich mit jener, die den Staat nur als Machtapparat betrachtet, nicht verträgt.4 Zwar kommt Fellenbergs Auffassung Montesquieus Theorie der Staatsräson ziemlich nahe. Während der Begründer dieser Richtung, Machiavelli, als Ziel der Regierungstätigkeit nur die Vergrösserung oder wenigstens die Behauptung von Macht betrachtet hat, hat Montesquieu eine vollkommene Gesellschaftsverfassung erstrebt und den Staatsmann nicht als Machtpolitiker, sondern als weisen Gesetzgeber gesehen mit der Aufgabe, aus der gegebenen Wirklichkeit die bestmögliche Verfassung herauszugestalten. Die humanitäre Staatsauffassung ist eingebaut gewesen. Trotzdem kann Fellenberg nicht diesem humanitären Theoretiker der Staatsräson zugeordnet werden, weil dieser letztlich nach Mitteln zur Erhaltung des Staates gefragt hat und nicht wie Fellenberg, wie der Mensch durch den Staatsapparat glücklich gemacht werden könne. Dieser wesentliche Unterschied trennt Fellenberg von den Vertretern der Staatsräson, obwohl er Montesquieus « Esprit des Lois » gefolgt ist. Zudem hat Montesquieu zwar beabsichtigt, Maximen für Staatsmänner zu erarbeiten, hat aber nicht wie Fellenberg eine Theorie, die immer gelten soll und von der alles weitere abzuleiten sei, erstrebt. Diese Absicht bringt Fellenberg wieder den naturrechtlichen Staatstheoretikern seiner Zeit, die er kritisiert hat, nahe.

Fellenberg behält also die Haupttendenz der naturrechtlichen Staatstheoretiker seiner Zeit, von einer bestimmten Theorie auszugehen und alles nach ihren Richtlinien zu vereinheitlichen, möchte aber ihre Fehler vermeiden, den Mangel an Beziehung zur Realität, der die Anwendung der Theorien in der Praxis schwierig gemacht hat, und den Mangel an historischem Sinn, der sich in der Praxis durch Übergehen von Traditionen eher negativ ausgewirkt hat. Dass es ← 37 | 38 → nicht möglich ist, durch Empirie, also auf induktivem Wege, Theorien zu erarbeiten, hat Fellenberg, wie die Empiristen seiner Zeit, nicht bedacht.5

Es ist, nebenbei bemerkt, möglich, dass Fellenberg die Anregungen zu einem guten Teil seiner staatstheoretischen Gedanken nicht direkt Montesquieu, sondern seinem Göttinger Lehrer, dem Staatsrechtler Johann Jakob Schmauss, zu verdanken hat. Dieser, ein eifriger Vertreter der Staatsräson und Verächter des Naturrechts, hat politische Gegenwartsfragen und Geschichte in seine staatsrechtlichen Vorlesungen eingebaut.6

Wir kommen zur zweiten Version der Einordnung Fellenbergs in die geistigen Strömungen seiner Zeit, jener, die sich aus der Beurteilung Montesquieus durch Soziologen ergibt:

In solchen Abhandlungen wird Montesquieu als erster Soziologe bezeichnet, weil er, beeindruckt von den Leistungen der Naturwissenschaften, versucht hat, die Entwicklungsgesetze menschlicher Gesellschaften, besonders solcher der Vergangenheit, zu erforschen, um auch die soziale Welt durchschaubar und somit lenkbar zu machen.7 Dabei wird festgestellt, dass Montesquieu mehr brillant als systematisch und genau vorgegangen ist.

So müssen Fellenbergs Bestrebungen auch mit Soziologie bezeichnet werden, denn Fellenberg wollte Montesquieus Absichten wissenschaftlich genau ausführen. In Fellenbergs Plan ist die Absicht, menschliche Gesellschaften zu untersuchen, auch wirklich vorhanden. Zwar fehlt dort, wie auch bei Montesquieu, die Auffassung, die heute untrennbar mit dem Begriff Soziologie verbunden ist und ihm gesellschaftskritische Funktion und politische Relevanz verleiht, dass jede Gesellschaft aus verschiedenen sozialen Schichten besteht. Fellenberg und Montesquieu meinen offenbar, dass menschliche Gesellschaften als Ganzes untersucht werden können. Diese Ansicht gehört aber zu den ersten Regungen dieser Wissenschaft; ihre Anfänge sind bei der Einsicht zu suchen, dass die menschliche Gesellschaft ein Forschungsgegenstand sei. So kann Fellenbergs Gesellschaft durchaus die Absicht, soziologische Forschungen vorzunehmen, zuerkannt werden, obwohl sein Plan keineswegs revolutionäre Absichten, nur philanthropische, höchstens reformerische, aufweist.

Es ist möglich, dass die Patriotische Gesellschaft die erste Gesellschaft mit dieser Thematik gewesen ist. Die Reaktionen belesener Männer wie Johann Georg ← 38 | 39 → Zimmermann, Johann Georg Sulzer und Moses Mendelssohn auf Fellenbergs Plan zeigen nämlich, dass sich die Berner auf ein neues, noch kaum betretenes Gebiet gewagt haben. Sulzer schrieb am 6. Mai 1762 Folgendes an Samuel Wilhelmi, einem Mitglied der Patriotischen Gesellschaft:

« J’ai vu avec un trés grand plaisir; par ce que vous m’avez fait l’honneur de m’adresser en date du 6 d’Avril, qu’il s’est formé dans ma patrie une Société de Philosophes dont les travaux sont dirigés immediatement au grand bût de la veritable philosophie. Je me suis souvent étonné et je l’ai dit tout haut dans un petit ouvrage, que parmi le grand nombre de Societés literaires & d’Academies des Sciences il n’y en ait point eu jusqu’à prèsent pour la legislation et la Morale, les deux Sciences dans lesquelles tout ce qu’il a de veritablement solide dans toutes les autres doit se réunir comme dans son Centre. »8

[Ich habe mit sehr grosser Freude gesehen, dass Sie mir am 6. April geschrieben haben, in meiner Heimat sei eine Gesellschaft von Philosophen entstanden, deren Zweck direkt das grosse Ziel der wahrhaftigen Philosophie erstrebe. Ich war oft erstaunt und habe das auch ganz laut in einem kleinen Werk gesagt, dass es unter der grossen Zahl der literarischen Gesellschaften und wissenschaftlichen Akademien bis jetzt nicht eine für Gesetzgebung und Moral (Ethik) gebe. In diesen beiden Wissenschaften sollte sich doch alles, was es an wirklich Dauerhaftem in den anderen gibt, wie in einem Zentrum vereinigen.]

Moses Mendelssohn führt in der Besprechung von Fellenbergs Plan in den „Briefen, die neueste Litteratur betreffend“, u.a. Folgendes aus:

„Dass aber die gemeinschaftlichen Bemühungen, Rathschläge und Einsichten einer gelehrten Gesellschaft zur Beförderung dieser Wissenschaft eben so nöthig sind, als zur Beförderung der Naturgeschichte und Experimentalphysik, wird niemand in Zweifel ziehen, dem die Grenzen der philosophischen Sittenlehre in ihrem weitestem Umfange, und besonders in ihrer pragmatischen Anwendung auf die Wissenschaft der Gesetze nicht unbekant sind. Ein vollständiges System von den Gesetzen ist eben so wenig das Werck eines Privatmans, als eine vollständige Naturgeschichte. Es übersteigt beynahe so gar die Kräfte einer ganzen Gesellschaft, wenn sie es nicht durch öffentliche Anstalten dahin bringt, dass sich die Tugendhaften und Weisen aller Völker mit ihr zu einem so grossen Entzwecke verbinden. Dieses Feld ist überhaupt noch gar zu wenig angebauet, als dass man sich so leicht eine reiche Erndte zu versprechen hätte. Es fehlet noch so gar an einer ausführlichen Geschichte der Gesetzgeber, die meines Erachtens nothwendig voran gehen muss, ehe man mit Hofnung eines guten Erfolgs jenes grosse Werck unternehmen kan.“9

Zimmermann schreibt am 10. April 1762 Folgendes an Fellenberg:

« Je ne veux pas du mal à celui qui le premier a osé imaginer l’etablissement d’une Societé pour l’avancement de la physique et de l’histoire naturelle, puisque j’ay crû ← 39 | 40 → jusques ici qu’il etoit le plus grand des hommes. Mais je crois devoir preferer les vues de la Societé des Citoyens à celles de Bacon.

La Physique et l’histoire naturelle nous ont appris sans doute quelques verités utiles, d’autres qui me paroissent sublimes, beaucoup dont la connaissance la plus exacte même ne fait que d’un sot un fou. J’ay eté bien aise d’apprendre une partie de ces verités, et je me felicite d’en ignorer le reste.

Bien loin de voir de l’inutile dans votre Entreprise, je n’y vois que du bon, du beau, du grand et du possible. Chaque verité perce à force de siecles et de combats hazardés pour elle. La Physique a deprimé jusques ici la morale, la morale ne deprimera pas la physique, mais vous lui assignerés son veritable rang. »10

[Ich wünsche jenem nichts Böses, der es als erster gewagt hat, an eine Gesellschaft zur Förderung der Physik und der Naturwissenschaft zu denken, denn ich habe bisher gedacht, dass er der grösste aller Menschen sei. Aber ich glaube, dass ich die Ansichten der Patriotischen Gesellschaft jener von Bacon vorziehen muss.

Die Physik und die Naturwissenschaft haben uns zweifelsohne einige nützliche Wahrheiten gelehrt, andere, die mir anerkennenswert erscheinen, viele, deren genauste Kenntnisse nicht mehr als aus einem Dummkopf einen Narren machen. Ich bin sehr froh, einen Teil dieser Wahrheiten erfahren zu haben und beglückwünsche mich dazu, den Rest nicht beachten zu müssen.

In Ihrem Vorhaben sehe ich nichts Unnützes, sondern nur Gutes, Schönes, Grosses und Mögliches. Jede Wahrheit erschüttert mit Gewalt Jahrhunderte und für sie gewagte Kämpfe. Die Physik hat bis jetzt die Moral (Ethik) niedergedrückt. Die Moral wird die Physik nicht entmutigen, jedoch werden Sie ihren wirklichen Stellenwert bestimmen.]

Damit wäre also festgestellt worden, was die Patriotische Gesellschaft beabsichtigt hat. Wenden wir uns nun dem zu, das sie wirklich getan hat.

1 Die Bände sind in Bern, bei Wagner, gedruckt worden. Fellenberg zeichnet als Herausgeber.
Über diese Sammlung äussert sich Fellenberg in folgenden Briefen an Iselin:
1759: 13. April; 21. April; 28. April; 29. Mai; 27. Juni; 21. Juli; 9. September.
1760: 7. Januar; 15. März; 9. Juli; 5. November.
1761: 24. Mai.

2 Dazu ist, neben vielen Lexikaartikeln, folgende Literatur verwendet worden:
Albert, Traktat, 1969, Kap. l, 4. Die klassische Erkenntnislehre: Intellektualismus und Empirismus, S. 21–28.
Hettner, Literaturgeschichte, 1864, 3. Teil. Die deutsche Literatur im 18. Jahrhundert. 2. Buch. Das Zeitalter Friedrichs des Grossen.
Meinecke, Historismus, 1959, hauptsächlich 3. Kapitel. Montesquieu, S. 116–179.
Meinecke, Staatsräson, 1957, Einleitung. Das Wesen der Staatsräson, S. 1–26; 5. Kapitel. Friedrich der Grosse. S. 321–400.
Walder, Absolutismus, 1957, II. Aufgeklärter Absolutismus und Staat. Zum Staatsbegriff der aufgeklärten Despoten.
Welzel, Naturrecht, 1951.

3 Für die Beurteilung Montesquieus ist Meinecke, Historismus (vgl. Anm. 2) benutzt worden.

4 Walder, Absolutismus (vgl. Anm. 2).

5 Albert, Traktat (vgl. Anm. 2).

6 Im Hof, Iselin, 1947, S. 62/63; S. 307–310; S. 380–387. Guggisberg, Fellenberg, 1951, S. 9.

7 Aron, Soziologisches Denken, 1971, Bd. I, Kapitel Montesquieu, S. 23–70. Isaiah Berlin, Montesquieu, 1955.

8 Burgerbibliothek Bern: FA von Fellenberg 155 (3).

9 Briefe, die neueste Litteratur betreffend (vgl. I, Anm. 10), S. 172–173.

10 Burgerbibliothek Bern: FA von Fellenberg 155 (1).

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III. Die Gründung und die Organisation der Patriotischen Gesellschaft

Fellenberg erwähnt die Patriotische Gesellschaft erstmals in seinem ausführlichen Brief an Iselin vom 7. März 1762. Wann sie gegründet worden ist, geht aus dem Brief nicht hervor. Fellenberg schreibt nur, dass sich ihre Mitglieder bereits mehrmals getroffen hätten. Von Mülinens Feststellung, dass die Gesellschaft im Winter 1761/62 gegründet worden sei, beruht auf einem Irrtum. Er führt aus, dass sie in einem Brief Fellenbergs an Iselin vom 12. Januar 1762 zum ersten Mal erwähnt sei.1 Es gibt nun zwar einen Brief Fellenbergs an Iselin mit diesem Datum. Dieser gehört aber eindeutig ins Jahr 1763. Fellenberg scheint sich, wie dies nach dem Jahreswechsel leicht möglich ist, in der Jahrzahl geirrt zu haben. Dieser Brief kann nicht im Januar 1762 geschrieben worden sein, weil dort die ganze Diskussion über die Patriotische Gesellschaft vom Jahre 1762 vorausgesetzt wird. Es werden zum Beispiel die Briefwechsel mit Johann Georg Sulzer, Johann Joachim Spalding und Henry Home erwähnt, die erst im Verlaufe des Jahres 1762 in Gang gekommen sind. Die Patriotische Gesellschaft wird also erstmals in Fellenbergs Brief an Iselin vom 7. März 1762 genannt, aus welchem nicht zu entnehmen ist, wann genau sie gegründet worden ist. Es ist natürlich möglich, dass dies bereits im Winter 1761/62 geschehen ist.

Im Brief vom 7. März 1762 schreibt Fellenberg hauptsächlich über die Organisation und nicht über die Ziele der geplanten Gesellschaft. Das gilt weitgehend für alle weiteren Briefe Fellenbergs an Iselin in dieser Angelegenheit. Trotzdem lässt sich die Organisation der Patriotischen Gesellschaft nicht lückenlos aus diesen Briefen rekonstruieren. Es ist dasselbe zu sagen, das schon bei der Behandlung der Ziele der Gesellschaft festgehalten worden ist:2 Fellenberg setzt in seinen Briefen an Iselin auch einiges an Information über die Organisation der Gesellschaft voraus. So muss angenommen werden, dass er in dem verlorenen gedruckten Plan der Gesellschaft, den er Iselin mit diesem Brief zugestellt hat, auch Organisatorisches festgehalten hat. Es lässt sich aber aus seinen Äusserungen in den Briefen an Iselin ein genügend klares Bild über die Organisation der Gesellschaft gewinnen. Die Gründer der Gesellschaft ← 41 | 42 → haben sich für diese Frage wohl vom Akademiebetrieb ihrer Zeit inspirieren lassen.3

Aus dem Brief vom 7. März 1762 geht hervor, dass beabsichtigt wird, die Mitglieder der Gesellschaft in zwei Gruppen einzuteilen, in unterzeichnende Mitglieder, « membres souscrivans » und korrespondierende Mitglieder, “membres correspondens”. Den « membres souscrivans » ist die Leitung der Gesellschaft zugedacht. Die “membres correspondens”, als welche berühmte oder doch bekannte in- und hauptsächlich ausländische Publizisten und Wissenschaftler vorgesehen sind, haben die Aufgabe, die Gesellschaft mit schriftlichen Beiträgen zu versehen. Die Patriotische Gesellschaft will nämlich, wohl den Bräuchen der damaligen Akademien folgend, jedes Jahr einen Band mit Abhandlungen über ihr Sachgebiet publizieren. Die Beiträge dazu sollen einmal die korrespondierenden Mitglieder verfassen. Dann nimmt sich die Gesellschaft vor, jedes Jahr vier Preisfragen zu stellen und die beste der eintreffenden Antworten mit einem Preis auszuzeichnen. Der preisgekrönte Beitrag soll, zusammen mit andern guten Antworten auf die Preisfragen, ebenfalls in den Abhandlungen der Gesellschaft veröffentlicht werden. Weiter sind auch die unterzeichnenden Mitglieder verpflichtet, Beiträge für die Publikation der Gesellschaft zu schreiben. Sie werden aber nicht gezwungen, jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Aufsätzen zur Verfügung zu stellen. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, die Preisfragen zu stellen, die eintreffenden Antworten zu beurteilen, die Korrespondenz der Gesellschaft zu führen und die jährlichen Publikationen vorzubereiten. Zur Vorbereitung dieses Bandes gehört auch die Auswahl von zum Ziel der Patriotischen Gesellschaft passenden, aber nicht speziell für sie verfassten Aufsätzen und die Anfertigung von Zusammenfassungen grösserer Publikationen über ihr Sachgebiet, denn solches soll auch in die Publikation der Gesellschaft aufgenommen werden.

Eine wichtige Bestimmung der Gesellschaft scheint die Absicht zu sein, solange als möglich im Geheimen zu arbeiten.4 Die Namen der Mitglieder, besonders jene der korrespondierenden Mitglieder, sollen nie der Öffentlichkeit preisgegeben werden. Diesen Wunsch nach Geheimhaltung scheint Fellenberg auch bereits im gedruckten Plan der Gesellschaft festgehalten zu haben, denn er setzt die Kenntnis dieser Bedingung in seinen Briefen an Iselin voraus.

An dieser Bestimmung lag den bernischen Gründern der Patriotischen Gesellschaft sehr viel. Sie hatten sie wahrscheinlich, Fellenberg schreibt dies zwar ← 42 | 43 → nirgends ausdrücklich, geplant, um freie Meinungsäusserung zu gewährleisten. Damit die Anonymität besser gewahrt werden konnte, sollten alle für die Patriotische Gesellschaft bestimmten Briefe an die Typographische Gesellschaft in Bern adressiert werden.5 Iselin bespöttelt Salomon Hirzel gegenüber diese Geheimnistuerei bald einmal.6

Als Gründer und « membres souscrivans » nennt Fellenberg im Brief vom 7. März 1762 Vinzenz Bernhard Tscharner, Professor Johann Stapfer, Professor Samuel Wilhelmi und sich selbst. Sie seien schon mehrmals zusammengetroffen, um zu beraten, und wollten sich künftig jede Woche treffen. Sie möchten nun auch Iselin fragen, ob er bereit sei, unterzeichnendes Mitglied zu werden. Falls er sich ihnen anzuschliessen wünsche, solle er zum beigelegten Plan der Gesellschaft, der vor allem für die korrespondierenden Mitglieder bestimmt sei, Stellung nehmen, denn diesen Plan würden sie, wenn Iselin auch mitarbeiten möchte, erst nach seiner Beurteilung drucken lassen. Ferner bitten die Berner Iselin, vier Preisfragen vorzuschlagen. Dies würden auch die übrigen « membres souscrivans » tun. Dann sollten aus allen Vorschlägen die vier besten Fragen ausgewählt und als Preisfragen publiziert werden.

Am 14. März 1762 dankt Iselin den Bernern für die Ehre, Mitglied ihrer Gesellschaft sein zu dürfen und nimmt sie gerne an.7 Er äussert aber auch verschiedene Bedenken über die Organisation und die Ziele der Gesellschaft. Einmal fände er es besser, wenn die Patriotische Gesellschaft zuerst nur aus Schweizern bestünde und erst mit der Zeit Ausländer beigezogen würden. Auf diesen Einwand antwortet Fellenberg am 21. März, dass den Bernern die Mitarbeit von Ausländern unbedingt notwendig zu sein scheine, damit eine grössere Auswahl brauchbarer Aufsätze für die Publikation der Gesellschaft zur Verfügung stehe. Die Ausländer würden bestimmt sorgfältig ausgewählt werden. Zudem möchten sie nicht zu viele Schweizer einweihen, damit die Publizität der Gesellschaft in der Schweiz vermieden werde.

Dann wollten die Berner auch eine Beeinträchtigung der Beweglichkeit der Gesellschaft durch die Mitarbeit zu vieler Schweizer vermeiden. Sie fürchteten offenbar, dass sich ihre Miteidgenossen mit der Rolle von korrespondierenden Mitgliedern nicht zufrieden geben und auch mitentscheiden würden. Fellenberg erklärt nämlich am 21. März 1762, dass sie auch deshalb nicht zu viele Schweizer aufnehmen möchten, weil ein neues Projekt rascher und systematischer von einer ← 43 | 44 → kleinen Zahl von Mitgliedern als von einer grossen ausgearbeitet werde. Sie möchten das Vorhaben nur noch Georg Ludwig Schmid, Johann Georg Zimmermann und Salomon Hirzel mitteilen.

Salomon Hirzel ist dann an der Schinznachertagung vom Mai 1762 vorläufig als letztes unterzeichnendes Mitglied aufgenommen worden8, während Schmidt und Zimmermann als korrespondierende Mitglieder eingeladen worden sind.9

In seinem nächsten Brief an Fellenberg, vom 26. März 1762, erklärt sich Iselin mit dem Vorhaben der Berner, Ausländer als Mitglieder einzuladen, einverstanden.10

Iselin lässt aber auch die im Plan der Patriotischen Gesellschaft formulierten Ziele nicht ohne Einwand. Einmal sind ihm die Absichten der Berner viel zu theoretisch. Er selber möchte lieber durch Handeln, nicht nur durch Schriften, der Menschheit dienen.11 Weiter scheint ihm Fellenberg inakzeptable theoretische Ansichten geäussert zu haben. Er kritisiert dessen Plan im Brief vom 14. März 1762 folgendermassen:

„Ich finde die Absicht ganz richtig, aber die Ausdrückung scheinet mir so beschaffen, dass sie leichten Anlass zu Irrthümern geben könnte. Ich halte nicht dafür, dass es zweyerley Sittenlehre, zweyerley Staatsklugheit, zweyerley Völkerrecht gebe. Ich glaube auch nicht, dass dieses der Sinn Ihrer Eintheilung ist, als ob die Grundsätze der beyden Arten verschieden seyn könnten. Es wäre übel um alle unsre Bemühungen beschaffen, wenn andere Pflichten uns von den philosophischen Vernunftschlüssen und andre von den historischen Erfahrungen vorgeschrieben würden. Ich stelle mir deshalben vor, es wäre bestimmter, und minder zweydeutig geredt, wenn man diesen Underschied wegliesse und hingegen annähme, dass wir die Pflichten der Menschlichkeit aus zweyerlei Quellen schöpfen und dass wir die Wahrheiten, die uns die eine lehret allezeit zu dem Probiersteine der andern machen müssen.“12

Fellenberg scheint im ersten Entwurf seines Planes seine Absicht, Grundsätze für die Gesetzgebung aus der Realität zu gewinnen, nicht klar genug formuliert zu haben. Sonst hätte ihm Iselin wohl kaum vorgeworfen, gewissermassen eine doppelte Moral zu vertreten. Fellenberg weist im Brief an Iselin vom 21. März 1762 diesen Vorwurf von sich: ← 44 | 45 →

« Vos Reflexions, Mon Cherissime Ami, sur la Morale sont les notres. Je serois bien faché de faire croire aux Lecteurs du Plan que je suppose deux Morales proprement ainsi dites, puisque je desapprouve hautement une pareille distinction. Je ferai a cet egard quelques petits changemens dans ce plan, pour mieux expliquer ce que j’ai voulu dire. »

[Ihre Betrachtungen, mein lieber Freund, über die Moral entsprechen den unsrigen. Ich wäre sehr böse über mich, wenn ich die Leser des Planes glauben liesse, dass ich eine doppelte Moral vertrete, weil ich eine solche Haltung sehr missbillige. Ich werde in dieser Hinsicht einige kleine Änderungen am Plan vornehmen, um das, was ich sagen wollte, besser auszudrücken.]

Fellenberg hat die missverständlichen Stellen wirklich geändert. Am 7. April 1762 schreibt er Folgendes an Iselin:

« Nous avons differé de repondre a Votre Chere lettre du 26e Mars, qui nous a causé le plus sensible plaisir, jusqu’a ce que nous puissions Vous envoier le Plan imprimé. Les petits changemens que nous y avons faits, en disant que la Morale Historique ou Positive est celle qui est etablie, et la Morale Nat. celle qui devroit l’etre, fera a ce qui nous esperons, suffisamment entendre l’esprit de cette distinction. Que s’il restoit encore quelque obscurité a cet egard, le Discours preliminaire expliquera tout cela d’une maniere plus claire et plus etendue. »

[Wir haben die Antwort auf Ihren Brief vom 26. März, der uns grosse Freude bereitet hat, so lange aufgeschoben, bis wir Ihnen den gedruckten Plan senden konnten. Wir haben kleine Änderungen daran vorgenommen, indem wir sagen, dass die historische oder positive Moral jene ist, die in unserer Gesellschaft gilt und die natürliche Moral jene, die sein sollte. Diese Änderungen werden, so hoffen wir wenigstens, den Geist dieses Unterschiedes deutlich genug zu verstehen geben. Falls es in dieser Hinsicht noch einige Unklarheiten geben sollte, werden die einleitenden Ausführungen alles verständlich und umfassend erklären.]

Nachdem sich Fellenberg mit Iselin über die wichtigsten Differenzen verständigt hatte, nahm die Patriotische Gesellschaft ihre ersten Handlungen vor. Einmal versuchte sie, korrespondierende Mitglieder zu gewinnen, dann schickte sie die Ankündigung der Gesellschaft und der ersten Preisfragen an verschiedene Zeitschriften. Diese lagen nun bereits vor, nachdem Iselin im Brief vom 26. März 1762 eine Liste von Preisfragen beurteilt hatte, die ihm Fellenberg mit seinem Brief vom 21. März 1762 zugesandt hatte, als Iselin seiner Bitte vom 7. März 1762, Preisfragen vorzuschlagen, nicht gleich nachgekommen war. Die Berner hatten inzwischen auch beschlossen, dass sich immer eine Preisfrage auf die Schweiz beziehen müsse.13

Im Brief an Iselin vom 7. April 1762 führt Fellenberg aus, dass die Berner Mitglieder bereits damit begonnen hätten, Einladungen an die als korrespondierende ← 45 | 46 → Mitglieder vorgesehenen Personen zu schicken und bittet Iselin, einige dieser Korrespondenzen zu übernehmen. Der Einladung müssten der gedruckte Plan und die Preisfragen beigefügt werden. Weiter schreibt Fellenberg, dass sie die Gründung der Gesellschaft und die Preisfragen verschiedenen Zeitschriften gemeldet hätten. Als Adresse hätten sie die Typographische Gesellschaft in Bern angegeben. Sie hätten diese Mitteilung bereits an folgende Zeitschriften gesandt:

Le Journal des Scavans; L’Avantcoureur; Bibliotheque des Sciences et des Beaux Arts; Göttingische Anzeigen von Gelehrten Sachen; Critical Review; the London Chronicle.

Durch Vermittlung von Moses Mendelssohn, der als korrespondierendes Mitglied eingeladen werden soll, werde die Ankündigung wohl auch in der „Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste“ erscheinen. Später soll sie noch an den „Mercure Suisse“ geschickt werden.14

Die Ankündigung ist in den folgenden von Fellenberg genannten Zeitschriften wirklich erschienen:

Im Mercure Suisse; in den Briefen die Neueste Litteratur betreffend; in den Göttingischen Anzeigen von Gelehrten Sachen; in der Bibliotheque des Sciences et des Beaux Arts.15 ← 46 | 47 →

Die Berner verfassten eine Ankündigung der Gesellschaft und der Preisfragen in deutscher und französischer Sprache, die von den Zeitschriften fast wörtlich übernommen wurde.16 Die Version in den „Briefen die Neueste Litteratur betreffend“, übrigens der einzigen Zeitschrift, die sich genauer mit der Gesellschaft befasst und ihr einen einleitenden Artikel, verfasst von Moses Mendelssohn, gewidmet hat, lautet folgendermassen:17

„Aus der Schweitz. Eine patriotische Gesellschaft allhier, die sich die Erörterung und Ausbreitung der wichtigsten Wahrheiten zu Beförderung der Glükseeligkeit der Menschen und der Vervollkommung der bürgerlichen Gesellschaftten zu ihrem Augenmerke gesetzt hat, wird jährlich vier Fragen oder Aufgaben in dieser Absicht dem Publico vorlegen, und einen Preis von zwanzig Ducaten demjenigen zu theilen, der über eine dieser vier Fragen nach seiner freyen Wahl, die beste Abhandlung (jederzeit vor dem ersten des Brachmonates des auf die Ankündigung der Preisfragen folgenden Jahres) wird eingeliefert haben. Die Preisschriften müssen post frey an die typographische Gesellschaft in Bern übermacht werden, welche in Commission hat, dieselbe anzunehmen, und an ihre Behör zu übergeben. Die Nahmen der Verfasser müssen wie gewöhnlich in eignen Zetlen verschlossen, und mit einem Wahlspruche, der auch auf der Preisschrift stehen wird begleitet seyn. Sie können übrigens in Deutscher, Französischer, Englischer, Italiänischer, oder Lateinischer Sprache abgefasst seyn.

Preisfragen.

Über welche man vor dem ersten Brachmonats 1763 die Beantwortungen unter obigen Bedingungen erwartet.

1. Durch welche Mittel können die verdorbenen Sitten eines Volkes wieder hergestellet werden? Was hat ein Gesetzgeber hierzu für einen Weg einzuschlagen?

2. Finden sich dergleichen Vorurtheile, die Ehrerbietung verdienen, und die ein guter Bürger öffentlich anzugreifen sich ein Bedenken machen soll?

3. Welches Volk ist jemals das glüklichste gewesen?

4. Wie könte zwischen den Bürgern und Landleuten der verschiedenen Freystaaten des Eidgenössischen Bundes eine vertraulichere Bekantschaft und eine engere Freundschaft gepflängt werden?“18

1 Von Mülinen, S. 13, 2. Abs. + Anm. 11.

2 Vgl. I, Seite 30 + Anm. 9.

3 Hammermayer, Gründungs- und Frühgeschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1959.

4 Über die Geheimhaltung z.B. die Briefe Fellenbergs an Iselin vom 7. und 20. April 1762, 19. Juni 1762, 9. September 1762 und vom 13. November 1762.

5 Fellenberg an Iselin, 7. April 1762.

6 Iselin an Salomon Hirzel, 2. September 1762. Quelle: Auszüge von Prof. U. Im Hof.

7 Quelle: Auszüge von Prof. U. Im Hof.

8 Iselin, Tagebuch, Mai 1762.
Quelle: Auszüge von Prof. U. Im Hof.

9 Fellenberg an Iselin, 7. März 1762 und 7. April 1762.

10 Iselin an Fellenberg, 26. März 1762.
Quelle: Auszüge von Prof. U. Im Hof.

11 Iselin an Fellenberg, 14. März 1762. Quelle: Auszüge von Prof. U. Im Hof.

12 Im Hof, Iselin, 1947, S. 509–510.

13 Fellenberg an Iselin, 21. März 1762.

14 Fellenberg bezeichnet diese Zeitschrift im Brief vom 7. April 1762 und auch in den andern, in denen er sie erwähnt, als „Mercure de Neufchatel“. Es handelt sich dabei natürlich um die Zeitschrift, die in dieser Zeit noch in Neuenburg erschienen ist und die i.a. « Mercure Suisse » genannt wird. Vgl. Störi, Mercure Suisse, 1953, S. 7–16.

15 Im « Mercure Suisse », damals genannt: „Journal Helvetique“, Mai 1762 in der Rubrik « Nouvelles academiques », S. 553–555.
In den „Briefen die Neueste Litteratur betreffend“, 13. Teil, 1762, 223. Brief, S. 169–182. Eigentliche Ankündigung und Preisfragen S. 180–182. Seiten 169–179 der Kommentar von Moses Mendelssohn und der Auszug aus Fellenbergs Plan.
In den Göttingischen Anzeigen von Gelehrten Sachen, Bd. 2, 1761/62, 55. Stück den 8. Mai 1762, S. 495/96.
In der « Bibliotheque des Sciences et des Beaux Arts », 1762, Bd. 17, 1. Teil, S. 233–234.
Im „Journal des Scavans“ und in der „Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste“ ist die Ankündigung nicht erschienen. Iselin schrieb Fellenberg schon am 13. April 1762, dass Moses Mendelssohn kaum mehr an der „Bibliothek der schönen Wissenschaften und freyen Künste“ mitarbeite. (Dieser Brief Iselins wird in der Burgerbibliothek Bern aufbewahrt. Signatur: FA von Fellenberg 153).
Die folgenden Zeitschriften sind in der Schweiz nicht vorhanden und haben deshalb nicht eingesehen werden können:
L’Avantcoureur; feuille hebdomadaire. Paris, 1759–73.
Critical Review; or Annals of Literature. London, 1756–90.
The London Chronicle. London, 1757–1823.
Nach Fellenbergs Briefen an Iselin ist die Ankündigung der Gesellschaft in folgenden Zeitschriften erschienen:
„Briefe die Neueste Litteratur betreffend“. (Fellenberg an Iselin, 19. Juni 1762).
« Mercure Suisse ». (Fellenberg an Iselin, 9. September 1762).
« Gazettes de Ratisb. » (Fellenberg an Iselin, 9. September 1762). Diese Zeitschrift ist in der Schweiz nicht vorhanden. Sie ist auch in den Bibliographien nicht zu finden.

16 Vgl. oben, S. 45/46.

17 Vgl. Anm. 15, 2. Abschnitt.

18 Nach Iselins Brief an Fellenberg vom 26. März 1762 hat Iselin die erste Frage weitgehend, die zweite ganz vorgeschlagen. Quelle: Auszüge von Prof. U. Im Hof.

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IV. Die Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft

A. Die korrespondierenden Mitglieder

Neben der Ankündigung der Preisfragen in verschiedenen Zeitschriften erstreckte sich die Aktivität der Patriotischen Gesellschaft in der nächsten Zeit hauptsächlich auf die Korrespondenzen mit den Personen, die sie als korrespondierende Mitglieder zu gewinnen beabsichtigte. Die Einladung, als korrespondierendes Mitglied in die Patriotische Gesellschaft einzutreten, wurde an folgende Personen geschickt:1

Schweizer:

Jean Jacques Rousseau, wohnhaft in Paris.

Georg Ludwig Schmid von Auenstein, Aarau.

Johann Georg Sulzer, wohnhaft in Berlin, in dieser Zeit auf einer Reise in der Schweiz.

Johann Georg Zimmermann, Brugg.

Deutsche:

Johann Andreas Cramer, wohnhaft in Kopenhagen.

Moses Mendelssohn, Berlin.

Johann David Michaelis, Göttingen. ← 49 | 50 →

Engländer/Schotten:

John Brown, Newcastle-upon-Tyne.

Henry Home, Edinburgh.

David Hume, Edinburgh.

Adam Smith, Glasgow.

Franzosen:

Jean-Baptiste d’Alembert, Paris.

Denis Diderot, Paris.

Claude Adrien Helvetius, Paris.

Italiener:

Francesco Algarotti, damals wahrscheinlich in Pisa.

Ein Blick auf diese Zusammenstellung genügt, um festzustellen, dass die Patriotische Gesellschaft berühmte oder doch bekannte Zeitgenossen als Mitarbeiter wünschte. Die Franzosen d’Alembert und Diderot waren als Herausgeber und Mitarbeiter der « Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers », 1751–80, in der gebildeten Welt ein Begriff. Helvetius hatte mit seinem Hauptwerk « De l’esprit », 1758, das auf Befehl des Parlamentes von Paris als staats- und religionsgefährlich öffentlich verbrannt worden war, Aufsehen erregt. Der Schotte David Hume war durch die selbst verfasste Popularisierung “An Enquiry Concerning Human Understanding”, 1748, seines erfolglosen Werkes “A Treatise of Human Nature”, 1739/40, zu einem der bekanntesten Philosophen seiner Zeit geworden. Die zwei andern Schotten, der Jurist Home und der Moralphilosoph und Volkswirtschafter Smith waren damals als Moralphilosophen bekannt. Das Werk des englischen Theologen Brown “Estimate of the Manners and Principles of the Times”, 1757/58, in dem er die Sitten seiner Zeit kritisierte und die Ansicht vertrat, dass der englische Staat wegen der durch Reichtum sittenlos gewordenen führenden Oberschicht ins Verderben eile, war in kürzester Zeit mehrfach aufgelegt und in Zeitschriften und selbständigen Publikationen heftig diskutiert worden. Den Italiener Algarotti kannte man in gebildeten Kreisen durch seine Popularisierung der Naturwissenschaften in “Newtonianismo per le dame”, 1736.

Unter den Deutschen war wohl Moses Mendelssohn, als erster emanzipierter Jude Deutschlands, die interessanteste Persönlichkeit, obwohl er 1762 noch nicht auf der Höhe seines schriftstellerischen Ruhmes stand. Cramer, damals deutscher Hofprediger in Kopenhagen, war einmal ein sehr bekannter Kanzelredner. Weiter kannte man ihn als Herausgeber des „Nordischen Aufsehers“, 1758–61, und als Mitbegründer der „Bremer Beiträge“, 1745–59. Der Göttinger Orientalist ← 50 | 51 → Michaelis genoss durch seine Untersuchungen zur hebräischen und syrischen Sprache, mit denen er die historisch-kritische Behandlung der Bibel einleitete, ohne dogmatisch den Boden der Orthodoxie zu verlassen, europäischen Ruf. Unter den für die Schweiz in Anspruch genommenen Eingeladenen ragt natürlich Rousseau hervor, hatte er doch schon 1750 mit seiner von Kulturhass geprägten Antwort auf die Preisfrage der Akademie von Dijon “Si le retablissement des sciences et des arts a contribué à épurer les moeurs” die Aufmerksamkeit der Belesenen auf sich gezogen und 1761 mit der „Nouvelle Heloise“ für Überschwang empfängliche junge Gemüter entzückt. Etwas weniger spektakulär nehmen sich dagegen die andern Schweizer aus: Sulzer, Mathematikprofessor am Gymnasium in Leipzig, Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Fachmann für Aesthetik, und Zimmermann, Arzt und Philosoph in Brugg, beliebter philosophischer und populärwissenschaftlicher Schriftsteller. Schmid von Auenstein scheint nur in der Schweiz ein Begriff gewesen zu sein.2

Diese Häufung berühmter Namen veranlasste Iselin zu einer, zwar gut verpackten, Mahnung. Er schrieb am 13. April 1762 Folgendes an Fellenberg:

« Je vous avoue cependant que plus je médite ce projet plus il me paroit hazardé. J’ai pensé cent fois pendant que j’ecrivis ces trois lettres que diront tant d’ hommes illustres d’une entreprise formée par cinq Suisses de les associer pour un dessein aussi important! Ne trouveront ils pas singulier que ces cinq hommes gardent l’incognito & ne produisent aucun titre de la Vocation qu’ils s’arrogent. Je ne voudrois pas néanmoins qu’il y eût un pas de moins de fait dans cette affaire. Le plan que vous en avés dressé, mon cherissime Ami, est si beau & si lumineux qu’il sera regardé de touts ceux qui le verront comme le titre le plus authentique, & le dessein est si beau en soi même que touts les bons esprits ne sçauroient qu’etre charmé. »3 ← 51 | 52 →

[Ich gestehe Ihnen jedoch, dass mir dieses Projekt je gewagter erscheint, desto mehr ich darüber nachdenke. Während ich diese drei Briefe schrieb, habe ich mir hundertmal überlegt, was wohl die berühmten Männer über ein so wichtiges, von fünf Schweizern entwickeltes Vorhaben sagen werden, dem sie sich anschliessen sollten. Werden sie es nicht seltsam finden, dass diese fünf Männer unerkannt bleiben und auch keinen Titel der Aufgabe vorweisen wollen, die sie sich anmassen. Trotzdem möchte ich nicht, dass in dieser Sache auch nur ein Schritt weniger getan worden wäre. Der Plan, den Sie, mein lieber Freund, entworfen haben, ist so schön und so einleuchtend, dass er allen, die ihn sehen werden, wie ein glaubwürdiger Titel erscheinen wird und die Absicht ist so schön in sich selber, dass alle guten Denker davon begeistert sein werden.]

Am 20. April 1762 erwiderte Fellenberg, der den Kern von Iselins Vorwurf erfasst hatte, dass die Patriotische Gesellschaft nicht vom Ehrgeiz getrieben sei:

« La reflexion que Vous faites sur l’idée qu’on pourra se faire de notre vocation a nous associer et a reunir les homes les plus celebres de l’Europe, nous est aussi venu quelquefois dans l’esprit, mais elle ne nous decourage point. On approvera j’espere, la chose en elle meme, et l’obscurité que nous desirons montrera suffisamment que ce n’est point un projet d’ambition, mais uniquement un projet pour le genre humain. Poursuivons ce projet, Mon Cherissime Ami, avec zele. »

[Die Überlegungen, die Sie über die Meinung anstellen, die man von unserer Absicht haben könnte, die berühmtesten Männer Europas zur Mitarbeit in unserer Gesellschaft einzuladen, sind uns zwar gelegentlich auch in den Sinn gekommen, haben uns aber nicht entmutigt. Ich hoffe, dass man mit der Sache selber einverstanden sein wird und die Anonymität, die wir wünschen, wird ausreichend zeigen, dass es sich nicht um ein Projekt aus Ehrgeiz handelt, sondern allein um ein Projekt für die Menschheit. Verfolgen wir doch, lieber Freund, diesen Plan mit Eifer.]

Es ist aber fraglich, ob die Berner wirklich nur edle Absichten zur Auswahl der korrespondierenden Mitglieder drängten, ist es doch augenfällig, wie viele der eingeladenen Ausländer bereits auf irgendeine Weise die Aufmerksamkeit der gebildeten Welt auf sich gezogen hatten. Ob sie wenigstens zu den von Fellenberg formulierten Zielen passten, oder ob einige wirklich nur um ihres Rufes willen eingeladen worden waren, soll im Folgenden, bei der näheren Betrachtung der einzelnen Eingeladenen, festgehalten werden.

Die Patriotische Gesellschaft erhielt nicht von allen zur Mitarbeit Aufgeforderten Antwort:

Schweizer:

Antwort von: Rousseau, Schmid, Sulzer, Zimmermann.

Keine Antwort von:- ← 52 | 53 →

Deutsche:

Antwort von: Mendelssohn, Michaelis.

Keine Antwort von: Cramer.

Engländer/Schotten:

Antwort von: Home.

Keine Antwort von: Brown, Hume, Smith.

Franzosen:

Keine Antwort von: d’Alembert, Diderot, Helvetius.

Italiener:

Keine Antwort von: Algarotti.4

Nun sollen einmal die Eingeladenen, die nicht geantwortet haben, etwas genauer betrachtet werden:

Gerade unter diesen waren einige sehr umstritten. Die Tatsache, dass die Enzyclopädisten d’Alembert und Diderot, der Vertreter des Hedonismus Helvetius und der Empirist und Skeptiker Hume der Patriotischen Gesellschaft nicht antworteten, bewahrte diese wohl vor schweren Auseinandersetzungen, beurteilte doch Iselin diese Aufklärer schon seit einigen Jahren als Freidenker und Sittenlose ausgesprochen negativ.5 Diese Haltung zeigte Iselin auch bei den Beratungen mit den Bernern über die Aufnahme von korrespondierenden Mitgliedern. Iselins Vorschlag, dass die Patriotische Gesellschaft zuerst keine Ausländer einladen sollte, beruhte wohl hauptsächlich auf der Furcht vor dem Import gefährlichen Gedankengutes.6 Fellenberg schrieb nämlich am 21. März 1762 Folgendes, nachdem er auf Iselins Vorschlag, die Gesellschaft zuerst nur aus Schweizern zusammenzusetzen, eingetreten war:

« Quant aux Etrangers, il nous a paru, et il nous paroit encore, qu’il ne faut pas differer de s’associer ceux qui conviennent le mieux a la Societé. Il nous paroit que cela est surtout necessaire, pour nous prouver un plus grand choix de pieces convenables a nos memoires. Il faut choisir sans doute ces etrangers avec la plus grande circonspection, ← 53 | 54 → et au cas qu’un Hume, Helvetius etc etc nous envoiassent des pieces dangereuses, ne pas les inserer. Nous avons cru d’ailleurs qu’on pouvait attendre d’excellentes pieces d’homes, dont nous n’approuvons pas plusieurs sentimens. Nous n’ecrirons cependant qu’a Mess. Rousseau, Sulzer, Helvetius et a un ou deux autres, jusqu’a ce que nous aions en le bonheur de converser avec Vous la dessus a Schinznach, ou que nous vous aions conseillés la dessus par ecrit. »

[Was die Ausländer betrifft scheint es uns, dass man nicht versäumen sollte, jene beizuziehen, die am besten zur Gesellschaft passen. Es scheint uns, dass dies vor allem notwendig ist, um eine grössere Auswahl an Aufsätzen zu bekommen, die zu unseren Publikationen passen. Zweifelsohne muss man diese Ausländer mit grösster Vorsicht auswählen und im Fall, dass ein Hume, ein Helvetius etc. etc. uns gefährliche Artikel liefern würden, sie nicht zu publizieren. Wir haben übrigens gedacht, dass man hervorragende Beiträge von Autoren erwarten könnte, deren Ansichten wir nicht ganz billigen. Wir werden indessen nur den Herren Rousseau, Sulzer, Helvetius und noch einem oder zwei anderen schreiben, bis wir das Glück haben werden, uns persönlich mit Ihnen darüber in Schinznach zu unterhalten oder bis wir Sie schriftlich um Rat gefragt haben.]

Dieser Brief Fellenbergs zerstreute Iselins Bedenken weitgehend. Er gab im Brief an Fellenberg vom 26. März 1762 den Bernern die Einwilligung, die von ihnen vorgeschlagenen Ausländer um Mitarbeit zu bitten, aber nicht ohne darauf hinzuweisen, dass ihm an einigen dieser Leute eine gewisse Kühnheit missfalle, durch welche sich die Patriotische Gesellschaft, wenn sie nicht sehr auf der Hut sei, eines gewissen Geistes verdächtig machen könne.7

Nach dieser positiven Antwort verschickten die Berner gleich Einladungen an die gewünschten Ausländer. Von den gefährlichen Personen schrieben sie einstweilen nur an Diderot, Helvetius und Hume, d’Alembert liessen sie noch aus dem Spiel.8 Dieser war offenbar sehr umstritten. Iselin gab erst an der Schinznacherversammlung im Mai 1762, auf einer Fahrt von Schinznach nach Brugg, die Erlaubnis, ihn einzuladen. Dieses Nachgeben nützte Fellenberg gleich nach seiner Rückkehr aus Schinznach aus und bat Georg Ludwig Schmid, d’Alembert zu schreiben.9

Was die Berner konkret von d’Alembert, Diderot, Helvetius und Hume erwarteten, lässt sich Fellenbergs Briefen nicht entnehmen. Das gilt auch für Brown, Cramer und Smith, vernehmen wir doch nur, dass Smith der Patriotischen ← 54 | 55 → Gesellschaft als Verfasser der “Theory of Moral Sentiment” bekannt war.10 Über die Mitgliedschaft dieser drei Letztgenannten wurde auch nicht weiter diskutiert. Iselin kannte Schriften von allen. Aus seiner intensiven Lektüre von Browns “Estimate of the Manners and Principles of the Times’’, London, 1757/58, war seine Schrift „Briefe über Herrn Doctor Browns Englische Sitten“, 1760, entstanden.11 Die Predigten Cramers las er regelmässig.12 Fellenberg wusste wohl um Iselins Vertrautheit mit diesen beiden Männern, denn er übergab ihm die Korrespondenz mit ihnen. Adam Smith kannte Iselin durch die “Theory of Moral Sentiment” und beurteilte ihn positiv.13

Den Italiener Algarotti lud die Patriotische Gesellschaft ein, weil sie noch gerne einen Italiener in ihrem Kreise gesehen hätte und dieser das schönste Genie sei, das Italien augenblicklich besitze. Er war nicht weiter umstritten. Iselin schätzte ihn als Vulgarisator der Naturwissenschaften.14 Fellenberg wusste das wohl, denn er erwartete keine grösseren Einwände von Iselin gegen Algarotti und liess Vinzenz Bernhard Tscharner eine Einladung verfassen, ohne vorher um Iselins Erlaubnis gefragt zu haben. Fellenberg selber traute Algarotti, was die Religion betrifft, nicht ganz:

« N’aians encore proposé a aucun Italien d’etre Membre Correspondent, nous avons prié Mr. Tscharner d’inviter Mr. Algarotti a l’etre, et nous esperons Monsieur, que Vous y donnerès aussi Votre approbation, puisque c’est le plus beau genie, que l’Italie possede actuellement. L’exactitude scrupuleuse, que la Societé observera a ne rien admettre de contraire a la Religion Chretienne, que nous avons tous les cinq le bonheur de croire, et d’aimer, l’ignorance dans laquelle le public doit toujours etre sur les membres et surtout sur les Membres Correspondens de la Societé et enfin l’esprit qui nous anime et qui se retrouve dans nos Memoires nous doit delivrer de toute crainte a cet egard. »15

[Da wir noch keinen Italiener als korrespondierendes Mitglied vorgeschlagen haben, haben wir Herrn Tscharner gebeten, Herrn Algarotti einzuladen, es zu werden, und wir hoffen, dass Sie damit einverstanden sind, denn dieser ist das bewundernswerteste Genie Italiens der Gegenwart. Die gewissenhafte Genauigkeit, mit welcher die Gesellschaft darauf achtet, nichts gegen die christliche Religion Gerichtetes anzunehmen, der anzugehören und die zu lieben wir alle fünf das Glück haben, die Unkenntnis, in der die Öffentlichkeit immer über ← 55 | 56 → die Mitglieder und vor allem über die korrespondierenden Mitglieder gehalten werden soll, und schliesslich der Geist, der uns beseelt und sich in unseren Publikationen wiederfindet, soll uns vor allen Befürchtungen in dieser Beziehung befreien.]

Das im obigen Zitat berührte Problem, wie mit den von bestimmten Eingeladenen zu erwartenden gewagten Artikeln umzugehen sei16, erledigte sich dann von selber: Die umstrittenen Personen meldeten sich gar nicht.17

Fellenberg bedauerte diese Tatsache zu dem Zeitpunkt, als sie feststand, im Herbst 1762, nicht mehr so sehr. Er war im Sommer 1762 in seiner Haltung den „Philosophen“ gegenüber durch Sulzer, der sich im Spätsommer 1762 in Bern aufhielt18, und Rousseau, den er mit Vinzenz Bernhard Tscharner im August 1762 in seinem Zufluchtsort Môtier besuchte19, etwas unsicher gemacht worden. Zudem sah er nun ein, dass eine Gesellschaft, die unerkannt arbeiten wollte, von allzu berühmten Männern nicht viel zu erwarten hatte. Er schrieb am 18. September 1762 Folgendes an Iselin:

(Fellenberg hofft auf einen Besuch von Iselin). « Nous parlerions alors de mille choses interessantes, et des philosophes, que Vous traités trop rigoureusement peutetre. Si le portrait qu’en fait Rousseau a l’endroit indiqué leur rassemble, ce sont les plus meprisables de tous les hommes. J’aime differer de croire cela ainsi longtems que je puis. Je commence cependant a le soupçonner, et je Vous avoue que cela m’attriste. Quant a Algarotti, Helvetius, Diderot, d’Alembert je Vous les abandonne, surtout le premier, dont Mr Sulzer m’a fait un portrait qui me le fait detester. Hume doit avoir la conduite la plus respectable, si ce que j’ai oui dire est vrai. …

Aureste Mon Cherissime Ami, il me semble que le but de notre Societé est si excellent, qu’il faut pour l’avancer emploier tous les instrumens imaginables, meme des homes dont nous meprisons ou detestons le caractere. Mais il n’y a que des hommes, qui ← 56 | 57 → aiment sinceremt le bien de l’humanité, qui veuillent travailler pour elle dans l’obscurité, et c’est ce qui me fait croire que nous n’aurons jamais aucun secours a attendre de tous ces (unleserlich, wahrscheinlich hommes) de gloire. Leur silence ne doit pas nous etonner, ni nous decourager. »

[Wir werden dann über tausend interessante Themen sprechen und über die Philosophen, die Sie vielleicht etwas zu streng behandeln. Wenn das Bild, das Rousseau dort, wo er sich gerade befindet, von ihnen zeichnet, auch wirklich zutrifft, sind sie die erbärmlichsten aller Menschen. Ich möchte zögern, dies zu glauben, so lange ich kann. Ich beginne indessen, es zu vermuten und gestehe Ihnen, dass mich das betrübt. Was Algarotti, Helvetius, Diderot, dAlembert betrifft, überlasse ich Sie Ihnen, besonders den Erstgenannten, von dem Herr Sulzer mir ein Bild gezeichnet hat, das mich ihn verabscheuen lässt. Hume soll sich höchst ehrenhaft verhalten, wenn das, was ich sagen gehört habe, wahr ist.

Zudem, mein lieber Freund, scheint es mir, dass das Ziel unserer Gesellschaft so ausgezeichnet ist, dass wir, um vorwärts zu kommen, alle nur denkbaren Werkzeuge verwenden müssen, sogar Menschen, deren Charakter wir verachten oder verabscheuen. Aber es gibt nicht nur Menschen, die aufrichtig das Wohl der Menschheit lieben, und dafür im Verborgenen wirken wollen und das ist es, was mich glauben lässt, dass wir niemals Hilfe von all diesen Berühmtheiten zu erwarten haben. Ihr Schweigen sollte uns weder erstaunen noch entmutigen.]

Die nun etwas geschmähten Philosophen d’Alembert, Diderot, Helvetius und Hume hätten aber recht gut zu den von Fellenberg formulierten Absichten der Patriotischen Gesellschaft gepasst, versuchten sie doch, das bisherige Wissen über ihr Interessengebiet durch freies Forschen mit naturwissenschaftlichen Methoden kritisch zu überprüfen, was auch Fellenberg für sein Sachgebiet beabsichtigte. Aber Fellenberg ahnte nun wahrscheinlich die möglichen Konsequenzen dieses Vorgehens, zum Beispiel die bestehenden sittlichen Normen und den konventionellen Glauben richtig in Frage zu stellen und nicht bloss mit aufklärerischem Gedankengut zu dekorieren, und er schreckte, wie auch Iselin, davor zurück. Ob er auch wusste, dass die Probleme, die er mit der Patriotischen Gesellschaft zu bearbeiten beabsichtigte, für freie Geister Anlass zu Bemerkungen über die damaligen Machtverhältnisse im Staate boten, ist aus seinen Äusserungen nicht richtig fassbar.

Auch die übrigen der nicht an der Patriotischen Gesellschaft interessierten Eingeladenen waren nicht schlecht ausgewählt worden: Algarotti verbreitete Resultate empirischen Forschens; Smith gewann seine Moralphilosophie auf empirischem Wege. Selbstverständlich stimmte Browns zwar nicht gerade wissenschaftlich einwandfreie, aber aufrüttelnde und sittenstrenge Analyse des damaligen Zustandes des englischen Staates mit den Absichten der Patriotischen Gesellschaft überein. Ebenso fügte sich das Weltbild Cramers, der eine kritische, aber moralisierende Zeitschrift herausgegeben und an einer andern gleicher Richtung mitgearbeitet ← 57 | 58 → hatte, und der selbst solche Literatur verfasste, gut in die Grundhaltung der Patriotischen Gesellschaft ein.

Im Folgenden sollen die als korrespondierende Mitglieder Eingeladenen betrachtet werden, die der Patriotischen Gesellschaft geantwortet haben.

Schweizer:

Jean Jacques Rousseau

Rousseau wurde von der Patriotischen Gesellschaft bereits ganz am Anfang als korrespondierendes Mitglied ausersehen. Vinzenz Bernhard Tscharner erhielt den Auftrag, ihm zu schreiben.20 Am 5. April 1762 schrieb er Rousseau, es sei eine « Société de Citoyens » gegründet worden, welche von den gleichen Gefühlen der Menschlichkeit, Uneigennützigkeit und Freiheit beseelt sei, die Rousseaus Werk, seine Handlungen und sein Leben prägten.21 Er werde dem gedruckten Plan sicher beistimmen, denn er könne ihn als sein Werk betrachten. Seine Schriften und jene anderer ausgezeichneter Autoren dieses Jahrhunderts hätten die Gründer der Gesellschaft zur Vermutung veranlasst, jetzt sei der Augenblick gekommen, um alle Kräfte zu vereinigen und zu versuchen, alle Vorurteile zu überwinden, welche die ganze Menschheit oder einzelne Nationen oder Gesellschaften zum Schaden ihrer Glückseligkeit tyrannisierten.

In seiner Antwort an Tscharner vom 29. April 176222 bezeichnete Rousseau die Gründer der Patriotischen Gesellschaft als wahre « citoyen », die ihre Brüder und Mitmenschen liebten und sich ernsthaft mit dem Glück des Vaterlandes und der Menschheit befassten.

Er glaubte aber aus verschiedenen Gründen nicht an den Erfolg des Planes, obwohl er ihn und seine Verfasser anerkenne:

Einmal erklärt er, dass nur solche Vorurteile zerstört werden könnten, welche durch Irrtum entstanden seien. Jene, deren Ursache die menschliche Fehlerhaftigkeit sei, könnten nur mit dieser zerstört werden. Dann beabsichtige die Patriotische Gesellschaft die Menschen die Wahrheit zu lehren, um sie weise zu machen. Es sei aber umgekehrt: Man müsse sie zuerst weise machen, damit sie die Wahrheit liebten. Zudem habe die Wahrheit in der Welt fast nie etwas ausgerichtet, weil die Menschen sich immer mehr durch ihre Leidenschaften als durch ihre Einsichten leiten liessen. Weiter führt er Folgendes aus: ← 58 | 59 →

« Le siécle où nous vivons est des plus éclairés, même en morale; est-il des meilleurs? Que Servent donc les connoissances pour l’avantage de la société? Les Livres ne sont bons à rien, ni les academies, ni les societés litteraires; on ne donne jamais à ce qui en sort d’utile qu’une approbation stérile et vaine. Sans cela la nation qui a produit les Fénélons, les Montesquieux, les Mirabeaux, ne seroit-elle pas la mieux conduite et la plus heureuse de la terre? En vaut-elle mieux depuis les écrits de ces grands hommes, et un seul abus a-t-il été redressé sur leurs maximes? Non Messieurs, n’espérez pas faire plus qu’ils n’ont fait. Vous pourrez instruire les peuples, mais vous ne les rendrez ni meilleurs ni plus heureux. C’est une des choses qui m’ont le plus attiedi et découragé durant ma courte carriére littéraire, de sentir que, même en me Supposant tous les talens dont j’avois besoin, j’attaquerois Sans fruit des erreurs funestes, et que quand je les pourrois vaincre les choses n’en iroient pas mieux. J’ai quelquefois charmé mes maux en Satisfaisant mon coeur, mais Sans m’en imposer Sur l’effet de mes Soins. Plusieurs m’ont lu, quelques uns m’ont approuvé même, et, comme je l’avois prévu, tous sont restés ce qu’ils étoient auparavant. Messieurs, vous direz mieux et davantage, mais vous n’aurez pas un meilleur succés, et au lieu du bien public que vous cherchez, vous ne trouverez que la gloire que vous semblez craindre. »

[Das Jahrhundert, in dem wir leben, ist eines der aufgeklärtesten, sogar was die Moral betrifft, gehört es aber zu den besten? Welche Vorteile bringen denn Kenntnisse der Gesellschaft? Die Bücher sind unnütz, ebenso die Akademien und die literarischen Gesellschaften. Man gibt allem, was daraus Nützliches entsteht, immer nur unfruchtbaren, leeren Beifall. Sonst wäre doch die Nation, welche die Fénélons, die Montesquieux, die Mirabeaux hervorgebracht hat, die am besten geführte und glücklichste der Erde. Ist sie seit den Schriften dieser grossen Männer wertvoller und haben ihre Grundsätze einen einzigen Missbrauch abgestellt? Nein, meine Herren, hoffen Sie nicht, mehr tun zu können als jene. Sie können die Völker unterrichten, aber Sie können sie nicht besser und nicht glücklicher machen. Das ist eine der Tatsachen, die mich während meiner kurzen literarischen Karriere erkalten und entmutigen liessen, nämlich zu fühlen, dass ich, auch wenn ich in mir alle benötigten Talente vermutete, die finsteren Irrtümer ohne Erfolg angriffe, und die Lage nicht bessern könnte, auch wenn ich sie besiegte. Ich habe manchmal meine Leiden gebannt, in dem ich mich meinem Herzen fügte, aber ohne mir das Ergebnis meiner Bemühungen aufzuerlegen. Verschiedene haben mich gelesen, einige haben mir sogar zugestimmt, und, wie ich es vorausgesehen hatte, sind alle so geblieben, wie sie vorher waren. Meine Herren, Sie werden mehr und Besseres sagen, aber Sie werden keinen bessern Erfolg haben, und an Stelle des öffentlichen Wohls, das Sie suchen, werden sie nur den Ruhm finden, den sie zu fürchten scheinen.]

Rousseau spricht in diesem Brief also ganz deutlich seine bekannten Zweifel an der aufklärerischen Ansicht aus, dass die Menschen durch Kenntnisse geändert, gebessert werden können, von der die Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft ganz durchdrungen sind.

Zum Plan der Patriotischen Gesellschaft führt er aus, dass er zwar gut gemacht, aber zu theoretisch sei. Es wäre besser, wenn die vorhandenen guten Ideen ← 59 | 60 → an einzelnen praktischen, lokalen Problemen angewendet würden. Auf die Frage, ob er korrespondierendes Mitglied werden wolle, antwortet er höflich und unbestimmt.

Er scheint aber nicht beabsichtigt zu haben, der Gesellschaft beizutreten. Tscharner gelangte am 13. Juli 1762 noch einmal mit der gleichen, jetzt ganz verhüllt ausgesprochenen, Bitte an ihn.23 Rousseau antwortete am 27. Juli 1762, in seinem zweiten und letzten Brief an die Patriotische Gesellschaft, was diese Frage betrifft gleich unverbindlich und höflich wie im ersten Brief.24

Die Berner legten jedoch Rousseaus Äusserungen über den Eintritt in die Gesellschaft als Zustimmung aus. Als Tscharner und Fellenberg Rousseau im August 1762 in Môtier im Fürstentum Neuenburg besuchten, wohin er wegen des nach dem Verbot des “Emile” in Frankreich gegen ihn erlassenen Haftbefehls geflohen war (vgl. Anmerkung 19), beabsichtigten sie auch, mit ihm über die Patriotische Gesellschaft zu sprechen. Dies war dann nicht recht möglich, weil sie nicht mit Rousseau allein waren. Sie konnten sich darüber nur so unterhalten, als ob sie allein durch Zeitschriften von dieser Gesellschaft wüssten. Auf jeden Fall wiederholte Rousseau sein schon im Brief an Tscharner vom 29. April 1762 geäussertes positives Urteil über die dritte Frage. Dies veranlasste Fellenberg zu hoffen, dass Rousseau eine Abhandlung über die dritte Preisfrage schreiben würde.25

Die Patriotische Gesellschaft merkte aber offenbar bald, dass sie sich über Rousseaus Absichten getäuscht hatte, denn in den drei Briefen Fellenbergs an Iselin, in denen Rousseau noch erwähnt wird, sprach Fellenberg diese Hoffnung nicht mehr aus. Seine Rousseaubegeisterung war zudem etwas abgeklungen. Im Jahre 1761 hatte er sich recht oft entzückt über Rousseaus « Nouvelle Heloise » geäussert und dann gespannt auf den “Emile” gewartet.26 Im September 1762 war er sich über Rousseau nicht mehr im Klaren. Die persönliche Begegnung und der « Contrat sociale » hatten einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Er schrieb am 18. September 1762 Folgendes an Iselin:

« Rousseau est encore un problem pour moi. Il a dit tout de belles choses, il paroit si touché de tout ce qui interesse l’humanité. D’un autre coté son orgueil me deplait souverainement et ce qu’il dit dans son Contrat Social sur la Religion Chret. me paroit ← 60 | 61 → d’une fausseté si palpable, que je ne puis pas croire, que cet homme aime et cherche la verité. »

[Rousseau ist noch ein Problem für mich. Er hat ganz Schönes gesagt, er scheint so berührt von allem zu sein, das die Menschheit interessiert. Auf der anderen Seite missfällt mir sein Stolz aufs Höchste und was er in seinem „Contrat Social“ über die christliche Religion sagt, scheint mir von einer so offensichtlichen Falschheit zu sein, dass ich nicht glauben kann, dass dieser Mensch die Wahrheit liebt und sucht.]

Am 13. November 1762 schrieb Fellenberg an Iselin, es sei lange her, seitdem er etwas über Rousseau gehört habe, ausser dem, dass man sage, er sei damit beschäftigt, eine Verteidigung der christlichen Religion zu schreiben.

Rousseau war ihm vielleicht zu widersprüchlich. Es ist aber auch möglich, dass Fellenberg seine revolutionäre Tendenz bemerkt hat. Auf alle Fälle erwähnte er ihn nach dem 13. November 1762 in seinen Briefen an Iselin nicht mehr. Dass die Patriotische Gesellschaft mit Rousseau einen Schriftsteller gewählt hatte, der etwas zu ihrer Thematik beizutragen gehabt hätte, ist natürlich unbestritten. Es ist übrigens bemerkenswert, dass Iselin, der Rousseau sonst bei jeder Gelegenheit bekämpfte, nichts gegen die Einladung Rousseaus eingewendet hatte.27

Georg Ludwig Schmid von Auenstein

Von Schmid, der von Fellenberg als korrespondierendes Mitglied eingeladen worden ist28, und der nach Fellenbergs Brief an Iselin vom 26. April 1762 die Einladung angenommen hat, ist unter den Fellenbergpapieren kein Schreiben aufbewahrt worden. Auch Fellenbergs Briefe an Iselin geben keine nähere Auskunft über ihn. Fellenberg erwähnt ihn zwar häufig, aber immer nur indem er Iselin bittet, ein die Patriotische Gesellschaft betreffendes Papier, das er ihm zugesandt hat, an Schmid weiterzuleiten. ← 61 | 62 →

Aus dem Brief Fellenbergs an Sulzer vom 11. November 176229 geht hervor, dass Schmid bereit gewesen ist, eine Abhandlung über den Naturzustand des Menschen zu schreiben oder einen Aufsatz über das Thema, wie die Aufklärung einer ganzen Nation vermittelt werden könne. Er scheint dann aber nichts geschrieben zu haben.

Johann Georg Sulzer

Sulzer war bereits von Anfang an als korrespondierendes Mitglied vorgesehen.30 Am 6. Mai 1762 antwortete er sehr zustimmend auf Wilhelmis Einladung.31 Er erklärte, dass er sich oft gewundert habe, dass es unter der grossen Anzahl von literarischen Gesellschaften und wissenschaftlichen Akademien bis jetzt keine für Gesetzgebung und Moral gegeben habe, also für die beiden Wissenschaften, die das wirklich Feststehende aller Wissenschaften sammeln und verwerten sollten.32 Deshalb nehme er das Angebot, korrespondierendes Mitglied zu werden, gerne an. Zudem verfolge er mit seinen Studien schon seit längerer Zeit das von der Gesellschaft formulierte Ziel. Er arbeite seit mehreren Jahren an einem grossen Werk über die schönen Künste33, in welchem er diese unter einem Blickwinkel betrachte, der sich von jenem derer unterscheide, welche diese Materie sonst behandelten:

« Je regarde tous les arts comme des moyens immediats de perfectioner l’homme moral et le citoyen; Je fais voir aux legislateurs, qu’ils doivent se servir des beaux-arts pour engager efficacement les citoyens à remplir leurs devoirs, et je présente aux poëtes et aux Artistes leur vocation comme la Carrière la plus noble et la plus sublime. Je les associe aux legislateurs et aux grands philosophes et je leur fais voir qu’il ne depend que d’eux d’être comptés parmi les plus grands bienfaiteurs du genre humain ».

[Ich betrachte alle Künste als unmittelbare Möglichkeit, den moralischen Menschen und den Bürger zu vervollkommnen. Ich zeige den Gesetzgebern, dass sie sich der schönen Künste bedienen müssen, um die Bürger wirksam dazu zu verpflichten, ihre Aufgaben zu erfüllen, und ich stelle den Dichtern und den Künstlern ihre Bestimmung als die vornehmste und würdigste Laufbahn dar. Ich geselle sie zu den Gesetzgebern und den grossen ← 62 | 63 → Philosophen und zeige ihnen, dass es nur von ihnen abhängt, zu den grössten Wohltätern der Menschheit gezählt zu werden.]

Dieses Werk beschäftige ihn so sehr, dass es wohl einige Zeit dauern werde, bis er der Gesellschaft eine für ihre Zwecke brauchbare Arbeit senden könne.

Sulzer vertritt also hier in diesem Brief seine typisch aufklärerische, zweckbetonte Kunstlehre, dass die Ästhetik der Ethik zu dienen habe, indem sie die sittliche Erziehung des Menschen fördere.34 Diese Kunstauffassung entsprach der Sicht der Patriotischen Gesellschaft. Einmal setzte Fellenberg in seinem Plan zur Verbesserung der Gesetzgebung ganz selbstverständlich eine bestimmte Ethik als Grundlage für eine Gesetzgebung voraus, betrachtete also auch sein Sachgebiet als einer Ethik verpflichtet. Dann ging auch die Patriotische Gesellschaft von der Auffassung aus, dass die Menschen durch Erziehung, Kenntnisse, Einsicht gebessert werden könnten, in ihrem Falle, dass die Gesetzgeber die Gesetze, die sich durch wissenschaftliche Forschung als gut und richtig erwiesen, auch einführen würden.

Fellenberg zeigte sich in seinem Brief an Iselin vom 26. Mai 1762 über Sulzers Antwort auch sehr erfreut. Er erklärte dort, Sulzer habe vier Abhandlungen über den Ursprung der angenehmen und unangenehmen Gefühle publiziert und eine über das Glück der Wesen. Diese Arbeiten würden sich sehr gut zur Publikation in ihrer Sammlung eignen.35

Als sich Sulzer Ende August oder Anfang September 1762 in Bern aufhielt, zeigte er lebhaftes Interesse an der Patriotischen Gesellschaft und versprach, eine speziell für sie bestimmte Abhandlung für ihren ersten Band zu verfassen. Weiter anerbot er sich, Johann Joachim Spalding und Moses Mendelssohn zu bitten, der Gesellschaft beizutreten und eine Arbeit für den ersten Band zu liefern.36 ← 63 | 64 →

Bei seinem Aufenthalt in Basel im August 176237 hatte er sich Iselin gegenüber zwar weniger begeistert, aber vielleicht ehrlicher über die Patriotische Gesellschaft geäussert. Er erklärte nämlich, dass er von der Helvetischen Gesellschaft viel mehr halte als von der Patriotischen Gesellschaft.38

Sulzer versuchte aber, seine den Bernern gegebenen Versprechen einzulösen. Er trat erfolgreich mit Spalding39 in Verbindung und bewegte Mendelssohn dazu40, einen Beitrag zu liefern. Er selber bot der Patriotischen Gesellschaft eine Abhandlung an mit dem Titel « Sur l’influence du gout sur les Moeurs d’un peuple ». Fellenberg war davon nur halb erfreut:

« Mr Sulzer m’a ecrit dimanche passé, et nous offre un Memoire sur l’influence du gout sur les Moeurs d’un peuple. Je lui reponds aujourd’hui, que s’il ne veut pas mettre ce Memoire dans l’article gout de son dictionnaire, il fera un plaisir infini a la Societé. »41

[Herr Sulzer hat mir am letzten Sonntag geschrieben, und bietet uns einen Aufsatz über den Einfluss des Geschmacks auf die Sitten eines Volkes an. Ich antworte ihm heute, wenn er diesen Aufsatz nicht unter dem Stichwort „Geschmack“ in seinem Wörterbuch veröffentliche, mache er der Gesellschaft eine unendlich grosse Freude.]

Ob Sulzer sein Angebot später zurückzog, ist nicht bekannt. Nach dem Brief Fellenbergs an Iselin vom 2. Februar 1763, in dem Fellenberg noch annimmt, dass Sulzer eine Abhandlung senden werde, wird Sulzer nur noch im Brief Fellenbergs an Iselin vom 22. Februar 1764 kurz erwähnt, obwohl sich Fellenberg einige Male sehr begeistert über ihn geäussert hatte:

« La connaissance de Mr Sulzer m’a fait un plaisir infini, et je regarde son voiage en Suisse comme le plus grand bonheur; qui ait pu nous arriver relativement a la Societé. Il paroit prendre le plus vif interet a cet etablissement. »

« Je ne puis assés Vous repeter combien l’association de cet excellent homme me paroit avantageuse a la Societé. »42 ← 64 | 65 →

[Die Bekanntschaft mit Herrn Sulzer hat mich sehr gefreut, und ich betrachte seine Reise in die Schweiz als das grösste Glück, das uns in Bezug auf unsere Gesellschaft passieren konnte. Er scheint das lebhafteste Interesse daran zu haben.

Ich kann Sie nicht genug daran erinnern, wie sehr die Verbindung mit diesem ausgezeichneten Menschen mir für die Gesellschaft von Vorteil zu sein scheint.]

Es ist möglich, dass sich Sulzer von der Patriotischen Gesellschaft zurückgezogen hatte, denn Iselin führt in einem Brief an Salomon Hirzel vom 20. September 1763 aus, dass die Antwort Sulzers nur Höflichkeiten enthalte.43

Johann Georg Zimmermann

Zimmermann, der auch bereits am Anfang als korrespondierendes Mitglied vorgesehen war44, antwortete am 10. April 176245 auf Fellenbergs Einladung, erklärte sich mit den Zielen der Patriotischen Gesellschaft einverstanden und nahm das Angebot, korrespondierendes Mitglied zu werden, an. Er betrachtete die Gesellschaft als einen Versuch, der Moral, die bisher neben der Physik und den Naturwissenschaften ein Schattendasein geführt habe, das verdiente Gewicht zu verleihen.46 Es ist aber kein Zeichen erhalten geblieben, das auf einen schriftlichen Beitrag Zimmermanns hindeuten würde.47

Deutsche:

Moses Mendelssohn

Mendelssohn gehörte auch zu jenen Ausländern, welche die Patriotische Gesellschaft schon ganz am Anfang einzuladen beabsichtigte. Fellenberg erwähnte ihn bereits im Brief an Iselin vom 7. März 1762. Am 7. April 1762 übertrug Fellenberg Iselin die Korrespondenz mit Mendelssohn. Am 13. April 1762 schrieb Iselin an Mendelssohn und bat ihn, korrespondierendes Mitglied der Patriotischen Gesellschaft zu werden und die Ankündigung der Gesellschaft mit den Preisfragen in den „Briefen die Neueste Litteratur betreffen“ zu publizieren.48 ← 65 | 66 →

Er fügte Fellenbergs Plan dieser Gesellschaft bei. Mendelssohn antwortete am 30. Mai 1762.49 In diesem Brief führte er aus, er habe nicht viel Freizeit und diese widme er der auf den hiesigen Schulen herrschenden Metaphysik und den schönen Wissenschaften. Weil diese Gebiete etwas weit vom Ziel der Gesellschaft entfernt seien, glaube er nicht, ihr jemals einen nützlichen Beitrag liefern zu können.

In seiner Antwort vom 25. Juni 1762 versuchte Iselin, Mendelssohn trotz dieser ablehnenden Antwort für die Patriotische Gesellschaft zu gewinnen:

„Da die Metaphysik und die schönen Wissenschaften Ihre gelehrten Hauptbeschäftigungen ausmachen: so ist nichts welches so sehr den Zweck unsrer Gesellschaft befördern kan. Um die Menschen glücklich zu machen muss man nothwendig den Geist und das Gemüth derselben kennen. Ihre psychologischen Schriften zeigen wie tiefe Einsichten Sie da besitzen und wie vortreffliche Anleitungen Sie denjenigen geben können welche das Labyrinth der unzählbaren Abweichungen derselben durchirren und aus der Erkenntniss der Unordnungen die Mittel entdecken wollen Ordnung und Harmonie allgemeiner zu machen. Die schönen Wissenschaften sehen wir als das vornehmste Werkzeug unsrer Bemühungen an. Welche unendliche Dienste werden Sie nicht der Menschheit leisten, schätzbarer Freund! wenn Sie indem Sie die Grundsätze derselben durch Ihre aesthetischen Einsichten entwickeln einen jeden Theil derselben zu seiner wahren und grossen Bestimmung leiten. Sie sollen die Menschen zu der Liebe der Tugend vorbereiten und ihre Leidenschaften in die Harmonie bringen die zu der Gemüthsruhe eines jeden und zu der allgemeinen Glückseligkeit so nöthig ist.“50

Iselin vertrat also, wie Sulzer, die aufklärerische Kunstlehre, welche der Kunst die Aufgabe zuweist, den Menschen moralisch zu bessern.

Am 27. August 176251 antwortete Mendelssohn, dass er aus Iselins Schreiben gesehen habe, dass die Absichten der Gesellschaft nicht so weit von seinen gelehrten Beschäftigungen entfernt seien, wie er geglaubt habe. Er nehme die angebotene Ehre an. Er könne sich zwar zu keinem ordentlichen Beitrag verpflichten, weil er nicht über viel freie Zeit verfüge. Weiter möchte er die erste öffentliche ← 66 | 67 → Schrift der Gesellschaft abwarten, um sich von ihrem Geschmack, ihrer Denkart und ihren Grundsätzen näher zu unterrichten. Dann werde er von Zeit zu Zeit einen kleinen Beitrag senden. Aus seinen weiteren Ausführungen wird klar, weshalb er sich zurückhaltend äusserte: Er wollte wissen, zu welcher Richtung der Ästhetik die Gesellschaft gehörte:

„Sie bestimmen den edlen Zweck der schönen Künste und Wissenschaften vollkommen der Wahrheit gemäss, indem Sie sagen, dass sie die Menschen zur Tugend vorbereiten und ihre Leidenschaften in die Harmonie bringen sollen, die zu der Gemüthsruhe eines jeden und zu der allgemeinen Glückseligkeit so nothwendig sind. Dieses bewerkstelligen sie entweder directe oder indirecte. Directe, wenn der Gegenstand derselben an und für sich moralisch gut ist, indirecte aber, wenn das Sujet moralisch gleichgültig oder (unter gehöriger Einschrenkung) moralisch böse ist. Denn auch moralisch böse Handlungen können ohne Schaden, ja was sage ich, zum grossen Nutzen der Sittenlehre, den schönen Künsten zum Stoff dienen, wenn der Virtuose nur dem davon zu besorgenden schädlichen Eindruk vorzubeugen weis. Die moralisch bösen Handlungen thun in der Nachahmung die glüklichsten Wirkungen auf unsere Leidenschaften und Neigungen, indem sie die seelige Empfindung des Mitleidens erregen, nebst einem zwar bittern Abscheu des Bösen, der aber durch angenehme Nebenvorstellung gewürzt, von der Seele mit Wollust gekostet wird. Ich kan dem System einiger Ihrer Landsleute unmöglich beypflichten, die das moralisch Gute mit dem ästhetisch Guten verwechseln und nicht die Vorbereitung zur Tugend, sondern die Tugend selbst zum einzigen und wesentlichen Endzwek der schönen Künste und Wissenschaften machen.“52

In dieser Briefstelle berührte Mendelssohn jenes Problem der Ästhetik, an dem ihm am meisten gelegen war und um dessentwillen er in die Literaturgeschichte eingegangen ist, die Frage nach der Beziehung von Ästhetik und Moral. Zwar vertrat Mendelssohn, wie das obige Zitat zeigt, durchaus die aufklärerische Ansicht, dass die Kunst den Menschen sittlich zu bessern habe, meinte aber, dass die Mittel dazu nicht unbedingt moralisch einwandfrei zu sein brauchten. Mit dieser Auffassung setzte er der damals gültigen aufklärerischen Lehre, dass Schönes und Gutes untrennbar verbunden seien, eine neue Haltung entgegen, welche die deutsche Literatur erheblich beeinflusste.53

Mendelssohn wollte der Patriotischen Gesellschaft im Brief vom 27. August 1762 wahrscheinlich klar machen, welche Auffassung in Fragen der Ästhetik er vertrete, und dass er als Gegner der Bodmerschule zu betrachten sei, gegen die er vor noch nicht allzu langer Zeit wegen ihrer sittenstrengen Haltung polemisiert hatte.54 ← 67 | 68 →

Ob Mendelssohns Haltung in Fragen der Ästhetik der Patriotischen Gesellschaft schon zu frei war, ob sie nur moralisch einwandfreie, der Bodmerschule verpflichtete Auffassungen, wie jene Sulzers, duldete, lässt sich aus den hier berücksichtigten Quellen nicht entnehmen. Es kann nur festgehalten werden, dass Iselin im Allgemeinen als Anhänger Bodmers galt, obwohl er dessen Stil kritisierte, und dass die Berner Bodmer nicht in die Patriotische Gesellschaft aufnehmen wollten, obwohl Iselin ihn vorgeschlagen hatte.55

Die Patriotische Gesellschaft erwartete aber von Mendelssohn gar keine Beiträge über umstrittene Fragen der Ästhetik, sie stellte sich eher solche aus seinen philosophischen Interessengebieten vor. Fellenberg schrieb nämlich im Juli 176256 Folgendes, als er Iselin Mendelssohns Brief vorn 30. Mai 1762 und Iselins Antwort vom 25. Juni 1762 zurückschickte:

« Ce Juif est un excellent homme. Il peut etre d’une utilité infinie a la Societé, surtout relativemt a la partie psychologique de la Morale. Nous esperons que Votre excellente lettre l’engagera a travailler dans ce genre. S’il continuoit encore a faire des complimens la dessus, je serois d’avis, qu’on lui determinat la matiere sur laquelle on voudroit avoir une piece de sa façon, par ex. sur l’usage des hypotheses dans la Morale, sur les effets de la Musique relativemt aux moeurs, et sur la legislation ancienne la dessus etc. Une idée detaillée de la Morale de Spinosa etc. »

[Dieser Jude ist ein ausgezeichneter Mann. Er kann der Gesellschaft sehr nützlich sein, besonders was die psychologische Seite der Moral betrifft. Wir hoffen, dass Ihr ausgezeichneter Brief ihn dazu veranlassen wird, auf diesem Gebiet zu arbeiten. Wenn er sich weiterhin ziert, bin ich der Meinung, dass wir die Themen festsetzen, über die wir gerne einen Beitrag von ihm hätten, z.B. über die Verwendung der Hypothesen in der Moral, über die Wirkung der Musik in Bezug auf die Sitten und über die antike Gesetzgebung darüber etc. Eine detaillierte Idee der Moral von Spinosa etc.]

Diese Themen waren den Interessengebieten Mendelssohns, sicher nicht den Bedürfnissen der Gesellschaft angepasst. Die Patriotische Gesellschaft wollte den berühmten Juden offenbar unbedingt zur Mitarbeit bewegen. Als sich Johann Georg Sulzer, der Mendelssohn gut kannte, im Spätsommer 1762 in Bern aufhielt, versuchten die Berner, ihre Beziehung zu Sulzer auszunützen, ← 68 | 69 → um auch Mendelssohn zu gewinnen. Sulzer versprach dann auch, Mendelssohn zu bitten, eine Abhandlung für den ersten Band der Gesellschaft zu schreiben und ihm das Thema « de l’utilité et de l’abus des hypotheses dans la Morale » vorzuschlagen.57 Als Iselin den Brief Mendelssohns vom 27. August 1762 nach Bern sandte, schrieb Fellenberg zurück, es wäre gut, wenn Iselin es Sulzer überlassen würde, Mendelssohn auf diesen Brief zu antworten, denn es sei vorteilhaft, wenn Mendelssohn wisse, dass Sulzer an der Patriotischen Gesellschaft interessiert sei.58

Die Patriotische Gesellschaft hätte sehr gerne eine Abhandlung von Mendelssohn im ersten Band ihrer Sammlung publiziert, denn damit wäre ihr ein guter Ruf sicher gewesen:

« Mr Moyse dit qu’il attendra de nous donner une piece jusqu’a ce qu’il ait vu un Volume de la Societé. C’est ainsi que penseront tous de nos invités, et cela nous montre d’un coté la necessité de publier bientot quelque chose, et de l’autre de ne rien publier que ce qui pourra donner une grande idée de la Societé. Il me semble que tout depend de ce premier Volume, et je voudrois emploier cette raison pour engager le Juif (d’) y inserer une piece. »59

[Herr Moses sagt, dass er damit warte, uns einen Beitrag zu schicken, bis er einen Band der Gesellschaft gesehen habe. So werden auch alle anderen denken, die wir eingeladen haben, und das zeigt uns einerseits die Notwendigkeit, bald etwas zu publizieren, andererseits nichts zu publizieren, ausser was einen guten Eindruck von der Gesellschaft hinterlässt. Es scheint mir, dass alles von diesem ersten Band abhängt und ich möchte mit diesem Argument den Juden dazu bewegen, einen Beitrag zur Verfügung zu stellen.]

Fellenberg wusste aber wohl, dass die Themen, über welche man von Mendelssohn einen Beitrag erwarten konnte, nicht eigentlich zu den Zielen der Gesellschaft passten. Er hoffte aber offenbar, dass Mendelssohn vielleicht auch ein ihr entsprechendes Thema abhandeln könnte. Er schrieb am 22. September 1762 an Iselin, man könnte Mendelssohn auch das Thema « l’influence du progrés des sciences et des arts sur la Societé » vorschlagen. Mendelssohn habe in der Ankündigung der Gesellschaft in den „Briefen die Neueste Litteratur betreffend“ eine Überlegung angestellt, welche, wenn sie gut entwickelt würde, das noch nicht widerlegte System Rousseaus widerlegen würde. Mendelssohn hatte in dieser Einleitung das Anliegen der Patriotischen Gesellschaft, die Gesetzgebung, als sehr wichtig bezeichnet. Er erklärte, dass sich diese Wissenschaft von allen ← 69 | 70 → andern darin unterscheide, dass sie wirklich etwas zur Glückseligkeit der Menschen beitrage, weil sie die politische Praxis beeinflussen könne.60 Dies hätten bis jetzt auch die ärgsten Zweifler nicht bestritten. Diese Äusserungen schienen Fellenberg also eine Alternative zu Rousseaus kultur- und wissenschaftsfeindlichen Ansichten zu sein, die jener 1750 in seiner Antwort auf die Preisfrage der Akademie von Dijon « Si le rétablissement des sciences et des arts a contribué à épurer les moeurs ? » dargelegt hatte.

Eine solche Antwort auf Rousseaus Abhandlung hätte natürlich zu den Zielen der Patriotischen Gesellschaft gepasst. Dass Mendelssohn dieses Thema nur für seine journalistische Tätigkeit berührt haben könnte, bedachte Fellenberg offenbar nicht.

Mendelssohn war aber in dieser Zeit mit jener Arbeit beschäftigt, die ihn auf die Höhe seines Ruhmes als Philosoph und Schriftsteller brachte, dem Werk „Phaedon oder über die Unsterblichkeit der Seele in drey Gesprächen“, das weit entfernt vom Themenkreis der Patriotischen Gesellschaft war, bewies doch Mendelssohn dort die Unsterblichkeit der menschlichen Seele.61

Gleichwohl vergass Mendelssohn die bernische Gesellschaft nicht. Zwar verstricht vom August 1762 an fast ein Jahr bis diese wieder etwas von ihm hörte, doch erhielt Iselin im nächsten Jahr einen vom 5. Juli 1763 datierten Brief.62 Mendelssohn schrieb, er habe zwei Briefe Iselins unbeantwortet gelassen63, weil er der Gesellschaft gleichzeitig mit der Antwort einen Beitrag zu ihren Abhandlungen habe schicken wollen. Er hätte Ideen gehabt, aber keine Zeit. Er habe einige Gedanken über die Verwandtschaft des Guten und Schönen aufgesetzt, sei aber noch nicht fertig damit. Dann nannte er Arbeiten, die er, auf den Rat Sulzers, zur Verfügung stellen würde, obwohl sie der Gesellschaft kaum völlig entsprächen. Es handle sich um eine Übersetzung von Platos Republik64 und um eine Abhandlung mit dem Titel “Phaedon oder Gespräch von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele”, deren erster Teil bereits fertig sei. ← 70 | 71 →

Mendelssohn war also auf seinen im Brief vom 27. August 1762 geäusserten Entschluss, der Patriotischen Gesellschaft vorläufig keine Abhandlung zu schicken, zurückgekommen. Dies ist wohl Sulzers Einfluss zuzuschreiben.65 Weil die Abhandlung über die Verwandtschaft des Guten und Schönen noch nicht fertig war – sie ist übrigens nie vollendet worden66 – hat Mendelssohn der Gesellschaft andere Werke angeboten, obwohl diese, wie er selber feststellte, weit von den Zielen der Patriotischen Gesellschaft entfernt waren. Fellenberg bat Iselin im Brief vom 25. August 1763, Mendelssohn zu schreiben, dass die Patriotische Gesellschaft den „Phaedon“ gerne annehme, während sie die Übersetzung von Platos Republik nicht als passend erachte.

Mendelssohn zeigte also für die Patriotische Gesellschaft sehr viel guten Willen und bot auch etwas Konkretes an. Am 16. November 1763 sandte er Iselin das Manuskript des ersten Teils des Phaedon und widmete es der Patriotischen Gesellschaft. Er bat Iselin, es zu beurteilen, und er erklärte, sein Ausspruch werde entscheiden, ob die Arbeit es verdiene, fortgesetzt zu werden.67

Die erste Ausgabe des Phaedon erschien 1767 und war Thomas Abbt gewidmet.68 Mendelssohn hatte von 1763–66 nicht daran gearbeitet. Leo Strauss, der Verfasser der Einleitung zu Phaedon in der Jubiläumsausgabe der Werke Mendelssohns vermutet, dass Mendelssohn vergeblich auf ein aufmunterndes Urteil Iselins gewartet haben könnte. Er habe erst 1766, angeregt von Abbt, weitergeschrieben.69 Ob dieser Vorwurf an Iselin und die Patriotische Gesellschaft berechtigt ist, lässt sich nicht mehr beurteilen: Seit dem 25. Juni 1762 sind keine Briefe Iselins an Mendelssohn mehr erhalten, obwohl der Briefwechsel Mendelssohn-Iselin bis 1768 gedauert hat, und die Briefe Fellenbergs an Iselin geben ← 71 | 72 → auch keine Auskunft darüber.70 Der Brief Mendelssohns vom 16. November 1763 ist der letzte Brief Mendelssohns an Iselin, in dem er die Patriotische Gesellschaft erwähnt. Der nächste Brief Mendelssohns an Iselin, vom 7. Mai 1767 datiert, ist ein kurzes Begleitschreiben zur Übersendung der ersten Auflage des „Phaedon“ mit der Bitte, ihn zu beurteilen.71 Fellenberg erwähnt Mendelssohn als korrespondierendes Mitglied der Patriotischen Gesellschaft bereits im erwähnten Brief vom 25. August 1763 zum letzten Mal.

Johann David Michaelis

Michaelis, der auch schon von Anfang an als korrespondierendes Mitglied vorgesehen war72, antwortete auf das Einladungsschreiben Wilhelmis in einem vom 6. Mai 1762 datierten lateinischen Brief.73 Dort dankte er für die Ehre, in die „Societas Civium bonorum“ aufgenommen worden zu sein, aber er bedauerte, wohl kaum viele Beiträge senden zu können, da er sehr stark beschäftigt sei. Er fügte aber zwei Preisfragen bei:

1. „Quae est mensura felicitatis. Certum quidem est, nos res morales non metiri exacte posse, neque de eo quod inveniri nequit interrogatur, non tanquam de cubitu, quo uti debemus, sed de dimensionibus felicitatis, i.e. de rebus in felicitate diversis, ex quarum multiplicatione intellectus aliquis infinitus, qualis Dei est summam facturus erat felicitatis.“

Zu dieser Frage bemerkte Michaelis: „Equidem non solum non despero solutionem hujus quaestionem, sed etipse eam aliquoties in Collegio theol. moralis tradidi.“

2. „Lex iniqua si lata sit, isne peccat, qui ea lege utitur e.g. estne sur sensu philosophico, qui lege ejusmodi iniqua bonis potitur, quae aequius essent alius. (non loquor de privilegis, sed de lege, quae omnes Cives obstringit. e.g. si qua lex hereditatem daret non filiis, sed sororum fratribus: nec de lege impia, qua praecipit religioni contraria)“.

Das war der einzige Beitrag von Michaelis an die Patriotische Gesellschaft, obwohl Fellenberg sehr auf seine Mitarbeit gehofft hatte. Er hatte nämlich im ersten ← 72 | 73 → Band seiner „Jurisprudentia Antiqua“ zwei Abhandlungen von Michaelis über die mosaischen Gesetze veröffentlicht, welche ihm schon damals für weitergehende Ziele, wie er sie dann für die Patriotische Gesellschaft plante, verwendbar schienen.74 Er schrieb am 21. April 1759 Folgendes an Iselin:

« Quelques personnes, auxquelles j’avois communiqué mon projet, (= « Jurisprudentia Antiqua ») se sont imaginé, que je ne voulois admettre que les opuscules de droit, ecrits avec un esprit philosophique. Ce n’est point mon idée, car le nombre de ceux qui ont ecrit philosophiquement sur les lois anciennes est bien petit, et je n’ai trouvé jusques ici en Allemagne que M. Michaelis qui ait ecrit ainsi sur les lois Mos. Il me suffira de trouver des pieces, qui quoiqu’elles ne soient pas ecrites avec un esprit philosophique, peuvent cependant etre utiles a des philosophes. »

[Einige Personen, denen ich mein Projekt (=Jurisprudentia Antiqua) vorgestellt habe, sind davon ausgegangen, dass ich nur kleine Schriften über Rechtsfragen, geschrieben mit philosophischem Scharfsinn, aufnehmen wolle. Das ist aber gar nicht meine Idee, denn die Anzahl jener, die philosophisch über die alten Gesetze geschrieben haben, ist sehr gering und ich habe bis jetzt in Deutschland nur Herrn Michaelis getroffen, der auf diese Weise über die Mosaischen Gesetze geschrieben hat. Es wird mir genügen, Beiträge zu finden, die, obwohl nicht in philosophischer Denkweise geschrieben, den Philosophen nützlich sein können.]

Dieser Spezialist der Kulturgeschichte Israels, der sich auch intensiv mit der jüdischen Gesetzgebung befasste, wäre ein idealer Mitarbeiter für Fellenberg gewesen.

Engländer/Schotten

Henry Home, Lord Kames

Henry Home, der literarisch vielseitig tätige, aber hauptsächlich durch seine Abhandlung über Fragen der Ästhetik “Elements of Criticisme” von 1762 berühmt gewordene Jurist aus Edinburgh, wird in Fellenbergs Briefen an Iselin am 7. April 1762 erstmals erwähnt. Fellenberg hatte zu diesem Zeitpunkt Home bereits geschrieben und ihn gebeten, korrespondierendes Mitglied der Patriotischen Gesellschaft zu werden. Fellenberg erklärte Iselin, er habe Home eingeladen, weil er ← 73 | 74 → dessen “Historical Law Tracts” (1759) als das richtige Modell für jene betrachte, welche über die historische Gesetzgebung schreiben wollten. Am 9. Juni 1762 schrieb Fellenberg Iselin, dass Home geantwortet habe und die Absichten der Patriotischen Gesellschaft sehr billige. Die Antwort Homes trägt das Datum 11. Mai 1762. Iselin druckte diesen Brief, zwar falsch datiert, in den Ephemeriden der Menschheit von 1778 ab, weil er bekannt machen wollte, dass er aus diesem Briefe Anregungen für seine Geschichte der Menschheit empfangen habe.75 Home führte dort aus, indem er sich auf Fellenbergs Plan der Patriotischen Gesellschaft bezog, dass er darin mit Fellenberg einverstanden sei, dass Montesquieu tiefer in die Ursachen der Gesetze und des Herkommens eingedrungen sei als irgendein anderer Schriftsteller. Er habe aber nur diese berücksichtigt, welche aus der Natur der Verfassung, aus der Verschiedenheit des Klimas, aus der Stärke oder Schwäche eines Volkes etc. kommen könnten. Er habe jene Ursachen nicht entwickelt, welche aus der menschlichen Natur selbst kämen, und er, Home, sei der Ansicht, dass die menschliche Natur selbst einen grösseren Einfluss auf die Einführung von Gesetzen und Gewohnheiten habe als alle andern Ursachen, welche Montesquieu anführe. Die Patriotische Gesellschaft könne ihre Zeit nicht besser anwenden, als den « Esprit des Lois » auf diese Weise zu ergänzen.

Home gefielen die Ziele der Patriotischen Gesellschaft offenbar so sehr, dass er sich zu aktiver Mitarbeit entschloss. Bereits im Herbst 1762 versprach er der Patriotischen Gesellschaft eine Abhandlung.76 Im Februar 1763 schickte er tatsächlich eine Arbeit. Leider ist in der Burgerbibliothek Bern nur noch Homes Begleitbrief zu dieser Arbeit, nicht aber die Abhandlung selbst, erhalten. Nach Homes Begleitschreiben vom 1. Februar 176377 zu schliessen, befasste er sich in dieser Arbeit mit den Prinzipien der Moral:

“I should have achnowledged sooner your oblidging letter, but that in copying the inclosed paper for your use, and considering it more attentively than formerly, I found several passages than required to be altered and ammended, for which I had very little time in our present throng of Law-affairs. Whether it will come up to your expectations, ← 74 | 75 → I am uncertain. But of this I am certain from long meditation, that this paper assigns the true foundation of morality, or it is no where to be found.”

[Ich hätte Ihren zuvorkommenden Brief eher bestätigt, aber während ich die beiliegende Abhandlung für Ihren Gebrauch abschrieb, und indem ich sie aufmerksamer betrachtete als früher, fand ich verschiedene Stellen, die geändert und verbessert werden mussten, wofür ich wegen der gegenwärtigen Menge an Rechtsgeschäften wenig Zeit hatte. Ich bin nicht sicher, ob die Abhandlung Ihren Erwartungen entspricht. Aber infolge langen Nachdenkens bin ich ganz sicher, dass diese Abhandlung die wahrhaftige Grundlage der Ethik festlegt, oder es gibt nirgends eine zu finden.]

Um welches Werk von Home es sich handelt, ist nicht ganz klar. Aus der eben zitierten Stelle von Homes Brief geht hervor, dass er eine bereits vorhandene Arbeit etwas umgearbeitet hat. Es ist möglich, aber nicht sicher, dass Home der Patriotischen Gesellschaft eine Bearbeitung des erstmals 1751 erschienenen Werkes “Essays on the Principles of Morality and Natural Religion” geschickt hat.78

Die Patriotische Gesellschaft nahm Homes Werk gut auf, auf jeden Fall schrieb Fellenberg am 27. April 1763 an Iselin: « Je Vous enverrai alors aussi l’excellente piece que M. Home m’a envoyeé dernierermt pour la Societé on the principles of morality ». Sie hatte aber von Home kaum ein moralphilosophisches Werk erwartet, lud Fellenberg ihn doch ein, weil er in seinen “Historical Law Tracts” Anregungen zur Rechtsgeschichte gefunden hatte. Auf jeden Fall zeigte sich Fellenberg bei der Beurteilung von Homes “Elements of Criticisme’’, die er im Januar 1763 durchblätterte, über dessen Vielseitigkeit erstaunt. Er schrieb am 2. Februar 1763 Folgendes an Iselin:

« Vous aurés recu, j’espere, Monsieur Mon trés Cher Ami, les Elements of Crit. pour la communication desquels je Vous suis extremement obligé. Je m’impatient de pouvoir lire cet ouvrage d’un bout a l’autre avec cette attention qui merite une si excellente lecture. Je n’ai pu que le parcourrir, mais cela suffit pour augmenter mon estime pour cet homme admirable, que je n’avois regardé jusqu’a present que comme un excellent Historien. Il reunit des merites qui se trouvent bien rarement reunis. »

[Sie werden hoffentlich, mein lieber Freund, die Elements of Criticisme erhalten haben, für deren Übermittlung ich Ihnen sehr dankbar bin. Ich warte mit Ungeduld darauf, dieses Werk vom Anfang bis zum Ende mit der Aufmerksamkeit lesen zu können, die eine so ausgezeichnete Lektüre verdient. Ich habe es nur überfliegen können, aber das reicht aus, um meine Wertschätzung für diesen bewundernswerten Menschen zu erhöhen, den ich bis ← 75 | 76 → jetzt nur für einen ausgezeichneten Historiker gehalten habe. Er vereinigt in sich Verdienste, die man selten zusammen vorfindet.]

Über die weitere Entwicklung der Beziehungen von Home zur Patriotischen Gesellschaft ist nichts bekannt. Fellenberg schrieb Iselin am 8. Mai 1763, er werde Homes Abhandlung nach Schinznach bringen. Nachher wird Home in Fellenbergs Briefen an Iselin nicht mehr erwähnt.

Neben den nun angeführten, als korrespondierende Mitglieder Eingeladenen, die antworteten, standen noch andere Personen zur Diskussion, die dann aber, aus verschiedenen Gründen, nicht in die Patriotische Gesellschaft aufgenommen wurden. Den Berner Albrecht von Haller und den Genfer Théodore Tronchin, die beiden berühmten schweizerischen Ärzte und Naturwissenschafter, hätte Fellenberg sehr gerne mit der Zeit in der Patriotischen Gesellschaft gesehen. Aber, stellte er bedauernd fest, « il est clair qu’il ne faut penser a ces deux acquisitions qu’aprés la publication de quelques Volumes. »79 Weil die Patriotische Gesellschaft nie etwas publizierte, konnte sie die beiden nicht einladen.

Ganz am Anfang wollten die Berner den politischen Schriftsteller Friedrich Karl von Moser, der damals als Beamter des Hofes Hessen-Homburg in Frankfurt weilte, als korrespondierendes Mitglied aufnehmen und Iselin mit der Korrespondenz betrauen.80 Iselin äusserte sich aber über Moser so kritisch, dass die Berner von dieser Wahl absahen.81 Moser wurde nicht mehr erwähnt, obwohl ihn dann auch Moses Mendelssohn empfahl.82

In seinem Brief an Fellenberg vom 25. April 1762 schlug Iselin Thomas Abbt vor, der wegen seiner Schrift „Von dem Tode für das Vaterland“ einer Aufnahme würdig sei.83 ← 76 | 77 →

Die Berner nahmen zu diesem Vorschlag zuerst gar nicht Stellung. Als dann Mendelssohn in seinem Brief an Iselin vom 30. Mai 1762 Abbt auch empfohlen hatte84, lehnten sie die Aufnahme Abbts vorläufig ab:

« J’ai lu dernierement la brochure Vom Tod für das Vaterland. Je veux bien croire que Mr Abt a d’éxcellentes intentions, et qu’il a une lecture peu ordinaire en Allemagne. Mais au fond cette brochure ressemble beaucoup aux declamations de Mr. Moser. Il vaudra donc mieux, d’attendre a inviter Mr. Abbt, jusqu’a ce que nous puissions mieux en juger par l’ouvrage dont parle notre respectable Juif.85 C’est aussi l’avis de ces Messieurs. »86

[Ich habe letzthin die Broschüre „Vom Tod für das Vaterland“ gelesen. Ich will gerne glauben, dass Herr Abt ausgezeichnete Absichten hat und dass er für deutsche Verhältnisse sehr belesen ist. Aber im Grunde genommen gleicht diese Broschüre sehr den Vorträgen von Herrn Moser. Es wäre also besser, damit zu warten, Herrn Abt einzuladen, bis wir ihn durch das Werk, von dem unser anerkennenswerter Jude spricht, besser beurteilen können. Das ist auch die Meinung dieser Herren.]

Ein weiterer Vorschlag Mendelssohns wurde auch aufgeschoben. In seinem Brief an Iselin vom 27. August 176287 schlug Mendelssohn den Göttinger Professor für Theologie, Johann David Heilmann, vor, der ähnliche Auffassungen wie Michaelis vertrat. Fellenberg schrieb Iselin am 22. September 1762, Heilmann wäre zwar der richtige Mann für historische Fragen, doch sei es besser, nun mit Einladungen zu warten, bis der erste Band der Gesellschaft erschienen sei. Dagegen fand der in der gleichen Zeit von Sulzer vorgeschlagene Theologe Johann Joachim Spalding, damals Pfarrer in Barth und Theologe wie Michaelis und Heilmann, noch Gnade vor den Augen der Berner. Am 9. September 1762 schrieb Fellenberg an Iselin, Sulzer habe geraten, Spalding einzuladen, und er habe ihn gebeten, diesem zu schreiben, da er sicher sei, dass Iselin damit einverstanden sei.88 Sulzer wolle Spalding bitten, eine Arbeit für den ersten Band der Abhandlungen zu schreiben. Sulzer schrieb Spalding dann auch89 und dieser antwortete der Patriotischen Gesellschaft. Aus Fellenbergs Korrespondenz mit Iselin lässt sich aber ← 77 | 78 → nur entnehmen, dass Spalding den Bernern einen Brief schickte, der ihnen sehr grosse Freude bereitete.90

B. Die unterzeichnenden Mitglieder

Die ersten unterzeichnenden Mitglieder und eigentlichen Gründer der Gesellschaft war eine Gruppe von Bernern, der Patriziersohn und Jurist Daniel Fellenberg, der gebildete und vielgereiste Patriziersohn Vinzenz Bernhard Tscharner, Johann Stapfer, Professor der Theologie, und Samuel Wilhelmi, Pfarrer an der Nydeggkirche und Professor für Griechisch und Ethik. Etwas später stiess auch der Basler Ratsschreiber Isaak Iselin zur Gründergruppe.91 Als nächstes unterzeichnendes Mitglied wurde an der Schinznachertagung vom Mai 1762 der Zürcher Stadtschreiber Salomon Hirzel aufgenommen.92 Am 16. Dezember 1762 schlug Zimmermann den Zürcher Stadtarzt Kaspar Hirzel, den Bruder Salomon Hirzels, als Mitglied vor.93 Die Berner waren von diesem Vorschlag gar nicht begeistert. Sie hätten lieber keine neuen Schweizer mehr als Mitglieder gesehen, wagten es aber nicht, Zimmermanns Bitte abzuschlagen. Sie stellten es Kaspar Hirzel frei, als korrespondierendes oder subskribierendes Mitglied einzutreten.94 Ob Kaspar Hirzel die Einladung angenommen hat und welche Mitgliedergruppe er gewählt hat, geht aus Fellenbergs Briefen an Iselin nicht hervor. Er wird aber dort vom Mai 1763 an immer in die Diskussion über die Gesellschaft betreffende Fragen einbezogen, so dass ← 78 | 79 → anzunehmen ist, dass er als unterzeichnendes Mitglied in die Patriotische Gesellschaft eingetreten ist.

Im Weiteren ging die Aufnahme neuer schweizerischer Mitglieder nicht mehr so glatt vor sich. Noch im Januar 1763 wünschte Salomon Hirzel, dass der bekannte Zürcher Theologe Johann Rudolf Ulrich in die Gesellschaft aufgenommen werde. Iselin machte Hirzel gleich darauf aufmerksam, dass die Berner keine neuen Mitglieder mehr begehrten.95 Der Vorschlag, Ulrich aufzunehmen, wurde dann auch von den Bernern zuerst abgelehnt.96 Dagegen wollten die Berner im Frühjahr 1763, dass der Berner Patriziersohn Niklaus Anton Kirchberger aufgenommen werde.97 Iselin meldete dieses Begehren nach Zürich und erklärte, wenn die Berner Kirchberger aufnehmen wollten, müssten sie auch Ulrich akzeptieren.98 So schlug Iselin Ulrich noch einmal vor und mit ihm seinen Freund, den Oberstlieutenant in französischen Diensten Jean Rodolphe Frey.99 Fellenberg antwortete äusserst verbindlich:

« Je n’ai pas encore pu rassembler nos amis pour leur communiquer Votre proposition de recevoir dans notre Societé Mess. Ulrich et Frey, auxquels je ne doute pas que tous les membres ne donnent leurs suffrages avec grand plaisir. Je tacherai Mon Cher Ami de Vous ecrire a ce sujet aux premiers jours. »100

[Ich konnte unsere Freunde noch nicht treffen, um ihnen den Vorschlag mitzuteilen, die Herren Ulrich und Frey in unsere Gesellschaft aufzunehmen. Ich zweifle nicht daran, dass ihnen unsere Mitglieder ihre Stimme mit grosser Freude geben werden. Ich werde Ihnen, mein lieber Freund, in den nächsten Tagen von dieser Angelegenheit berichten.]

Frey und Ulrich wurden dann im Februar 1764 offiziell aufgenommen.101 Wann Kirchberger in die Patriotische Gesellschaft eingetreten ist, geht aus den benützten ← 79 | 80 → Quellen nicht hervor. Nach Fellenbergs Brief an Iselin vom 22. Februar 1764 galt Kirchberger zu diesem Zeitpunkt bereits als Mitglied.102

Mit Frey und Ulrich wurden im Februar 1764 Niklaus Emanuel Tscharner, der Bruder von Vinzenz Bernhard Tscharner, Niklaus Friedrich Steiger von Montricher, der spätere letzte Schultheiss von Bern, und alle Berner, die 1763 in Schinznach gewesen waren, aufgenommen.103 Unter den Bernern, die 1763 an der Schinznachertagung teilgenommen hatten, waren folgende noch nicht in der Patriotischen Gesellschaft und traten also neu ein: Die Patriziersöhne Emanuel Graffenried von Burgistein und Jakob Franz Tavel von Monbijou, der Gründer der Oekonomischen Gesellschaft Johann Rudolf Tschiffeli und Rudolf Sigmund von Wattenwyl, damals Schultheiss des Aeusseren Standes.104 Die Aufnahme von Frey und den an der Versammlung der Helvetischen Gesellschaft von 1763 anwesenden Bernern war schon an dieser Versammlung abgesprochen, aber dann nicht ausgeführt worden.104a

Ob alle – ausser den vier bernischen Gründern der Gesellschaft, Iselin und den Brüdern Hirzel – unter dem Titel subskribierende Mitglieder angeführten Personen wirklich « membres souscrivans » waren, geht aus den hier benützten Quellen nicht eindeutig hervor. Es waren nur Tschiffeli und Kirchberger sicher an der Organisation der Gesellschaft beteiligt, denn sie werden in solchen Zusammenhängen genannt. Über die andern ist nichts Näheres zu erfahren. Da es sich um gute Freunde oder Bekannte der ersten unterzeichnenden Mitglieder handelt, kann angenommen werden, dass sie auch als solche aufgenommen worden sind.

Nach Februar 1764 wurden keine neuen schweizerischen Mitglieder mehr aufgenommen. An der Organisation der Gesellschaft waren bis zuletzt also 16 Mitglieder beteiligt, 2 Basler, 3 Zürcher und 11 Berner. Die Berner waren eindeutig bevorzugt worden. Es ist möglich, dass noch ein weiterer Berner, der Ratsherr Karl Emanuel von Bonstetten, Mitglied der Patriotischen Gesellschaft war. Auf jeden Fall wurde er bereits im Juli 1762 von der Existenz dieser Gesellschaft ← 80 | 81 → unterrichtet.105 Ob er als Mitglied aufgenommen wurde, geht aus den benützten Quellen nicht hervor.

Als weitere schweizerische Mitglieder standen noch zwei Zürcher, der Dichter und Maler Salomon Gessner und der Literaturkritiker und Schriftsteller Johann Jakob Bodmer zur Diskussion. Gessner wurde sowohl in Fellenbergs Brief an Iselin vom 7. März 1762 als auch in Iselins Antwort vom 14. März 1762 erwähnt.106 Fellenberg sah ihn als unterzeichnendes Mitglied vor. Er wurde aber nie in die Gesellschaft aufgenommen. Iselin schlug Bodmer auch schon in seinem Brief an Fellenberg vom 14. März 1762 vor, erhielt aber, wenigstens nach Fellenbergs Briefen an Iselin zu schliessen, keine Antwort auf diesen Vorschlag. So versuchte Iselin im Februar 1763 noch einmal, den illustren Zürcher vorzuschlagen, worauf die Berner das Begehren ablehnten.107 Welcher Status für Bodmer vorgesehen war, geht aus den benützten Quellen nicht hervor.

Wie bereits festgehalten worden ist108, waren die unterzeichnenden Mitglieder nicht nur zu administrativen Aufgaben verpflichtet, sondern sie sollten auch Beiträge verfassen, die sich zur Publikation in den Abhandlungen der Gesellschaft eigneten. Diese Aktivität der « membres souscrivans » stand hauptsächlich in der ersten Zeit des Bestehens der Patriotischen Gesellschaft zur Diskussion. Fellenberg bat Iselin bereits am 26. Mai 1762, ihm mitzuteilen, worüber er seinen ersten Beitrag schreiben werde. Er nannte ihm seinerseits sein Thema. Er beabsichtigte, « d’en tenter un sur la Vie Champetre, que je considerai principalement sous le point de vue politique. » Was sich Fellenberg darunter vorstellte, ist aus Iselins Brief an Fellenberg vom 31. Mai 1762109, natürlich aus Iselins Sicht, genauer zu entnehmen:

« L’homme qui vit à la Campagne n’a êté que trop negligé jusqu’à prèsent par les Legislateurs. Il est juste de se charger de la deffense, et je suis persuadé qu’il n’auroit pû trouver de meilleur Avocat que Vous mon Chér Concitoien. »

[Der Mensch, der auf dem Lande lebt, ist bis jetzt von den Gesetzgebern zu sehr vernachlässigt worden. Es ist gerecht, sich seiner Verteidigung anzunehmen, und ich bin überzeugt davon, dass er keinen besseren Anwalt findet als Sie, mein lieber Mitbürger.] ← 81 | 82 →

Im gleichen Brief umschrieb Iselin auch sein eigenes Thema:

« Je me suis proposé de faire une courte histoire de l’humanité. Je tâcherai d’y montrer ce que l’homme doit et peut être. Je suivrai toutes ses facultés pas à pas dans leur developpement naturel & psychologique. Je l’observerai aprês cela dans l’Etat naturel comme les historiens & surtout les Voyageurs nous le dépeignent. J’étudierai les differents degrés par lesquels tant de générations d’hommes sont passés jusqu’à ce que les Connoissances humaines & les moeurs aient commencé à exister. Je suivrai leurs progès lents & tardifs jusqu’à nos jours, et je finirai par des reflexions sur la législation en général. »

[Ich selber habe mir vorgenommen, eine kurze Geschichte der Menschheit zu verfassen. Ich werde versuchen, darin zu zeigen, was der Mensch sein soll und sein kann. Ich werde Schritt für Schritt seinen Möglichkeiten in ihrer natürlichen und geistigen Entwicklung folgen. Ich werde ihn danach im natürlichen Zustand beobachten, wie die Historiker und besonders die Reisenden ihn uns beschreiben. Ich werde die verschiedenen Stadien studieren, die viele Generationen von Menschen durchlebt haben, bis die menschlichen Kenntnisse und Sitten zu entstehen begannen. Ich werde ihren langsamen und zögerlichen Fortschritten bis in unsere Tage folgen und mit Gedanken über die Gesetzgebung im Allgemeinen enden.]

Es handelte sich also um die später berühmt gewordene Geschichte der Menschheit, ein Thema, das Iselin längst abzuhandeln geplant und gelegentlich anzufangen versucht hatte und das er nun für die Patriotische Gesellschaft wieder aufzunehmen beabsichtigte.110 Ausser Fellenberg und Iselin waren noch Tscharner und Wilhelmi bereit, eine Abhandlung zu schreiben, aber Fellenberg kannte ihr Thema noch nicht.111 Mehr ist aus Fellenbergs Briefen an Iselin über die Themen, die sich die unterzeichnenden Mitglieder vorgenommen hatten, nicht zu vernehmen. Glücklicherweise nannte Fellenberg in einem Brief an Sulzer vom 11. November 1762112 alle zu diesem Zeitpunkt feststehenden Themen. So kann noch festgehalten werden, dass S. Hirzel das Thema « sur les préjuges des Juges et sur les Moyens de s’en garantir » bearbeiten wollte, und Wilhelmi jenes « sur les facultés morales de l’homme des idées qu’il croit nouvelles. » Tscharner hatte sich auch zu diesem Zeitpunkt noch zu keinem Thema entschliessen können, wollte aber sicher eine Arbeit abliefern. Stapfer hatte noch nichts versprechen wollen. Dafür beabsichtigte Fellenberg, die Ziele der Gesellschaft neu zu formulieren.

Das ist alles, was an Themen, welche die « membres souscrivans » selbst bearbeiten wollten, bekannt ist. Bei der Aufnahme der Mitglieder, die erst später zur Gesellschaft stiessen, wurde, wenigstens nach den benützten Quellen, nicht ← 82 | 83 → mehr von dieser Verpflichtung gesprochen. Welche Themen wirklich behandelt wurden, soll später dargestellt werden.

C. Exkurs: Die Geschichtsauffassung von Isaak Iselin und von Daniel Fellenberg

Bei der Behandlung der korrespondierenden Mitglieder ist versucht worden, bei jeder Person festzustellen, ob ihre Haltung mit den Zielen der Patriotischen Gesellschaft übereinstimmte. Unter den unterzeichnenden Mitgliedern soll nur Isaak Iselin näher betrachtet werden. Bekanntlich hat Iselins Zugehörigkeit zur Patriotischen Gesellschaft bewirkt, dass er jenes seiner Werke, das am berühmtesten geworden ist, die Geschichte der Menschheit, vollendet hat. So soll hier skizziert werden, wie weit Iselins Geschichtsauffassung, wie sie sich aus diesem Werk ergibt, mit jener von Fellenberg übereinstimmt, wie sie sich aus seinem, im zweiten Kapitel zusammengefassten, Plan für die Patriotische Gesellschaft entnehmen lässt.

Iselins Geschichtsauffassung muss als aufklärerisch bezeichnet werden, weist doch seine Geschichte der Menschheit die wesentlichen Kennzeichen der aufklärerischen Historiographie auf.113 Einmal hat Iselin mit seinem Werk das damals noch kaum bearbeitete Gebiet der Kulturgeschichte betreten und den Blick auf alle Völker der Erde gerichtet. Weiter hat er versucht, die historischen Ereignisse miteinander in Beziehung zu bringen und nach Ursache und Wirkung des Geschehens zu fragen. Ferner gehört er zu jenen Historikern der Aufklärung, welche die Gegenwart als Höhepunkt des bisherigen Geschichtsverlaufs und als Ausgangspunkt für eine noch bessere Zukunft betrachtet und deshalb die Vergangenheit nach bestimmten Errungenschaften ihrer Zeit gewertet, also engagierte Geschichte betrieben haben. Für Iselin ist die aufklärerische Forderung nach Humanität das entscheidende Kriterium gewesen. Wie allen diesen Historikern ist es ihm wichtiger gewesen, sich für bestimmte Ideen einzusetzen als historische Details abzuklären.

Fellenbergs Geschichtsauffassung gehört insofern zu der eben vorgestellten, aus der Aufklärung gewachsenen Historiographie, als er mit seiner Absicht, die ← 83 | 84 → Gesetzgebung der Vergangenheit zu erforschen, auch Kulturgeschichte, und zwar universale Kulturgeschichte, betrieben hat.114 Die Absicht, die Gesetzgebung der Vergangenheit aufklärerisch zu werten, indem er als gut bezeichnen will, was den Menschen glücklich macht, weist ihn den engagierten Historikern der Aufklärung zu. Im Unterschied zu dieser Historiographie strebt er aber exaktes, empirisches Vorgehen an. Er bemerkt also die Schwäche, die der Geschichtsschreibung der Aufklärung später zum Vorwurf gemacht worden ist und die nicht mit dem damaligen technischen Stand der Historiographie entschuldigt werden kann, weil die historische Methode durch die Arbeit der Mauriner bereits am Ende des 17. Jahrhunderts einen sehr hohen Stand erreicht hat. Fellenberg weiss aber auch, dass ein so umfassendes Thema nur mit grossem Zeitaufwand exakt bearbeitet werden kann. Deshalb will er es auch unter Mitarbeit vieler Gelehrter in Angriff nehmen. Seine Beurteilung von Iselins Geschichte der Menschheit im Brief vom 3. April 1764 mag seine Kritik an der aufklärerischen Historiographie illustrieren:

« J’ai lu d’abord après Votre depart l’excellent ouvrage dont Vous nous avés regalé. Il donne a mon avis des vues nouvelles sur la maniere de traiter la morale et l’histoire. Je regarde cet ouvrage comme des Elemens Philosophiques de l’histoire. Ces elemens ou ces principes sont peut etre encore trop generaux, et ils ne pourront etre mieux determinés que lorsque les corps de nos observations historiques sera plus complet. En attendant il faudra donner beaucoup a la conjecture dans les recherches de cette espece. »

[Ich habe nach Ihrer Abreise gleich das ausgezeichnete Werk gelesen, mit dem Sie uns beschenkt haben. Meiner Meinung nach enthält es neue Ansätze über die Art und Weise, die Moral und die Geschichte zu behandeln. Ich ordne dieses Werk den philosophischen Grundbestandteilen der Geschichte zu. Diese Grundbestandteile oder diese Grundlagen sind vielleicht noch zu allgemein und sie können erst besser festgelegt werden, wenn die Sammlungen unserer historischen Beobachtungen vollständiger sind. Inzwischen muss man in der Forschung auf diesem Gebiet vieles der Vermutung überlassen.]

Fellenbergs Geschichtsauffassung unterscheidet sich noch in einem weiteren Punkt von der als typisch aufklärerisch geltenden Geschichtsschreibung: Seine Absicht, die aus der Geschichte gewonnenen theoretischen Grundlagen zur ← 84 | 85 → Gesetzgebung nach lokalen Bedürfnissen zu modifizieren, weicht bereits etwas vom aufklärerischen Streben nach Universalität ab. So muss hier gefragt werden, ob Fellenberg mit seiner Geschichtsauffassung nicht bereits zum Historismus gehört, wird doch das Bedürfnis, sich den Problemen eines bestimmten Staates zuzuwenden, das bei den Theoretikern der Staatsräson feststellbar ist, durch welche Fellenberg beeinflusst worden ist, als Vorstufe der Auffassung des Historismus, dass der Staat eine historische Individualität sei, bezeichnet. Zudem versuchen die Vertreter der Staatsräson und jene des Historismus durch empirisches Vorgehen Antworten auf ihre Fragen zu finden. Wenn das sich Befassen mit einer sogenannten historischen Individualität und empirisches Vorgehen als das den Historismus Kennzeichnende betrachtet wird, ist Fellenberg mit seinem Interesse für lokale Bedürfnisse und seinem Willen zu empirischer Forschung auch ein Vorläufer dieser Strömung. Davon trennt ihn aber die Tatsache, dass er von einer bestimmten Wertung, dem Glück der Individuen, ausgeht, vermeidet doch der Historismus tunlichst alle Wertungen. In dieser Beziehung gehört Fellenberg der engagierten Historiographie der Aufklärung an. Verkörpert also Fellenberg eine Zwischenstufe, ist er ein sich schon dem Historismus zuneigender Aufklärungshistoriker? Eine solche Einordnung ist nicht möglich, denn es trennt ihn ein wesentlicher Umstand sowohl vom Historismus als auch von der Aufklärungshistorie. Bei Fellenberg ist die Absicht, die Vergangenheit für die Gegenwart fruchtbar zu machen, aus ihr zu lernen, offensichtlich. Damit hebt er sich einmal von der typischen Aufklärungshistorie ab, weil diese die Vergangenheit im Wesentlichen als rückständig, als glücklich überwundene Vorstufe der besseren Gegenwart, betrachtet hat. Wegen dieser Absicht kann er auch nicht dem Historismus zugeordnet werden. Im Historismus wird zwar, aufbauend auf dem Fortschrittsgedanken der Aufklärung, die Auffassung vertreten, dass ein innerer Zusammenhang zwischen Gegenwart und Vergangenheit bestehe, weil sich jede Gegenwart aus der Vergangenheit entwickelt habe. Die historistische Entwicklungstheorie lehrt aber weiter, dass die menschlichen Dinge im Fluss seien, sich laufend veränderten, weiterentwickelten, und diese Gedanken sind unvereinbar mit der Auffassung, dass aus der Geschichte für die Gegenwart gelernt werden könne. Die Überzeugung, dass die Geschichte Lehrmeisterin sei, setzt nämlich ein stabiles Menschenbild voraus, das naturrechtliche Dogma von der Unveränderlichkeit der Menschennatur, welches der Historismus mit seiner Lehre, dass alles im Fluss sei, durch ein dynamisches Menschenbild überwunden zu haben glaubte. Fellenberg zweifelt in seinem Plan für die Patriotische Gesellschaft die Lehre von der Unveränderlichkeit der Menschennatur zwar an, indem er anregt, man müsste erforschen, wie ← 85 | 86 → der Mensch früher gewesen sei und wie er jetzt sei.115 Er hat das naturrechtliche Menschenbild aber offenbar trotzdem bewahrt.

Die wesentlichen Punkte von Fellenbergs Geschichtsauffassung, exakte Erforschung der Vergangenheit zu Gunsten der Gegenwart, gehören also weder zur Aufklärungshistorie noch zum Historismus. Sie sind heute Anliegen der Sozialgeschichte.

Obwohl nun Fellenbergs Geschichtsauffassung nicht wie jene Iselins als Aufklärungshistorie bezeichnet werden kann, ist das Werk, das Iselin als Mitglied der Patriotischen Gesellschaft vollendet hat, die Geschichte der Menschheit, keineswegs mit den Zielen der Gesellschaft unvereinbar. Die wichtigsten der verbindenden Punkte der beiden Geschichtsauffassungen berühren sowohl den Kern von Iselins Haltung als auch jenen der Ziele der Patriotischen Gesellschaft: Der Wille, sich für eine menschliche Gegenwart und Zukunft einzusetzen.

D. Bilanz: Die Vorkehrungen der Patriotischen Gesellschaft bis zum Mai 1763

Hier soll kurz Bilanz der bisherigen Leistungen der Patriotischen Gesellschaft gezogen werden. Es soll zusammengestellt werden, was sie in der ersten Zeit ihres Bestehens unternommen hat. Als erster Zeitabschnitt ihrer Geschichte kann ihr Wirken vom März 1762 bis zum Mai 1763 betrachtet werden, denn in diesem Monat veränderte sich ihre Aktivität im Vergleich zur ersten Zeit merklich.116

Die Hauptarbeit der unterzeichnenden Mitglieder der Gesellschaft bestand in der ersten Zeit im Korrespondieren, im Anknüpfen von Kontakten mit bekannten oder sogar berühmten Zeitgenossen mit dem Ziel, sie als korrespondierende Mitglieder zu gewinnen. Sie erhielten Antwort von Rousseau (Paris), Schmid (Aarau), Sulzer (Berlin), Zimmermann (Brugg), Mendelssohn (Berlin), Michaelis (Göttingen) und von Home (Edinburgh).

Unter diesen versprachen Sulzer, Home und Schmid, eine Abhandlung zu schreiben. Mendelssohn und Michaelis äusserten sich zwar positiv, waren aber, was die Verpflichtung zu Beiträgen betrifft, sehr zurückhaltend. Zimmermann nahm den Vorschlag, korrespondierendes Mitglied zu werden, zwar an, versprach aber offenbar keinen Beitrag. Rousseau lehnte die Einladung höflich, kaum merklich, ← 86 | 87 → ab. Im Mai 1763 lag als konkretes Resultat der Korrespondenzen einzig die Abhandlung von Home über die Prinzipien der Moral vor.117

Weiter wurden zu den ersten sechs unterzeichnenden Mitgliedern Fellenberg, Tscharner, Stapfer, Wilhelmi, Iselin und Salomon Hirzel noch Kaspar Hirzel aufgenommen. Die ersten sechs « membres souscrivans » verpflichteten sich, Abhandlungen für die Publikation der Gesellschaft zu schreiben. Bis zum Mai 1763 lässt sich aber nur feststellen, dass Iselin wirklich an seinem Thema, die Geschichte der Menschheit, arbeitete. Ferner hatte Fellenberg damit angefangen, die Ziele der Gesellschaft neu zu formulieren.118

Zudem liess die Patriotische Gesellschaft die Gründung der Gesellschaft und ihre Preisfragen in verschiedenen bedeutenden europäischen Zeitschriften ankündigen.119 Auf diese Preisfragen trafen bis zum Mai 1763 fünf Antworten ein. Fellenberg zeigte sich über deren Inhalt aber sehr enttäuscht. Er betrachtete nur zwei davon als brauchbar.120

Diese Bilanz ergibt also, dass die konkreten Resultate der Bemühungen der Gesellschaft im Vergleich zu den hoch gesteckten Zielen und der grossen Betriebsamkeit bis zum Mai 1763 sehr mager waren.

1 Wen die Patriotische Gesellschaft als korrespondierende Mitglieder aufzunehmen beabsichtigt hat, lässt sich aus den Briefen Fellenbergs an Iselin vom 7. März, 21. März, 7. April, 20. April und 26. Mai 1762 entnehmen. Genaueres wird bei der Behandlung der einzelnen Personen angeführt werden.
Bei der Angabe des Wohnortes der Eingeladenen ist der Wohnsitz von 1762 berücksichtigt worden.
Die Korrespondenzen sind unter den Mitgliedern der Patriotischen Gesellschaft folgendermassen verteilt worden:
Fellenberg: Home, Smith, Schmid, Zimmermann.
Iselin: Brown, Cramer, Mendelssohn.
Schmid: d’Alembert.
Tscharner: Algarotti, Diderot, Helvetius, Hume, Rousseau.
Wilhelmi: Michaelis, Sulzer.
Die Verteilung der Korrespondenzen steht mit Ausnahme d’Alemberts in Fellenbergs Brief an Iselin vom 7. April 1762. Dass Schmid den Auftrag erhalten hat, d’Alembert zu schreiben, steht in Fellenbergs Brief an Iselin vom 26. Mai 1762.

2 Aus dem Brockhaus, 1966, stammen die Angaben über folgende Personen:
d’Alembert, Algarotti, Diderot, Helvetius, Hume, Cramer, Smith, Home, Mendelssohn und Rousseau.
(Für Hume und Algarotti ist auch noch die Encyclopädia Britannica, 1968, verwendet worden, für Cramer Muncker, Bremer Beiträge, o.J. (1886–90), 1. Teil, S. I–IV; 2. Teil, S. 65–73).
Aus der Allgemeinen Deutschen Biographie, 1875 ff, stammen die Angaben über Sulzer.
Aus „Die Religion in Geschichte und Gegenwart“, 1957–62, jene über Michaelis.
Aus dem Historisch-Biographischen Lexikon der Schweiz, 1921–34, die Angaben über Schmid und Zimmermann.
Die Angaben über Brown stammen aus der Encyclopädia Britannica, 1968, und aus Flasdieck, Brown, 1924.

3 Burgerbibliothek Bern, FA von Fellenberg 153.

4 Angaben über die Quellen der Zustimmung der Eingeladenen oder der Ignorierung der Einladung folgen bei der Behandlung der einzelnen Personen.

5 Im Hof, Iselin, 1947, S. 389–402. Iselin schätzte Hume aber als Historiker (Im Hof, Iselin, 1947, z.B. S. 484).

6 Vgl. III, Seite 42/43.
Das geht zwar aus dem Auszug, den Prof. Im Hof von Iselins Brief vom 14. März 1762 gemacht hat, nicht hervor, lässt sich aber aus Fellenbergs Brief vom 21. März 1762 und Prof. Im Hofs Auszug aus lselins Brief vom 26. März 1762 entnehmen.

7 Iselin an Fellenberg, 26. März 1762.
Quelle: Auszüge von Prof. Im Hof.

8 Fellenberg an Iselin, 7. April 1762. Fellenberg schlug d’Alembert bereits am 7. März 1762 vor, Zimmermann schlug ihn am 10. April 1762 auch vor. Burgerbibliothek Bern: FA von Fellenberg 155 (1).

9 Fellenberg an Iselin, 26. Mai 1762.

10 Fellenberg an Iselin, 7. März 1762, 7. April 1762.

11 Im Hof, lselin, 1947, S. 266; S. 416–418.

12 Im Hof, Iselin, 1947, S. 523/24.

13 Im Hof, Iselin, 1947, S. 468.

14 Im Hof, Iselin, 1947, S. 329.

15 Fellenberg an Iselin, 7. April 1762. Iselin hat diese Wahl am 13. April 1762 nachträglich erfreut gebilligt. Iselin an Fellenberg 13. April 1762: Burgerbibliothek Bern, FA von Fellenberg 153.

16 Aus dem Zitat oben, Seite 53, Fellenberg an Iselin, 21. März 1762, geht auch hervor, dass die Patriotische Gesellschaft beabsichtigt hat, brisante Aufsätze nicht zu publizieren.

17 Am 9. September 1762 schreibt Fellenberg an Iselin: « Point de reponse encore de ces Philosophes de Paris, de Brown, de Hume, de Smith, de Cramer! » Brown, Cramer und Smith werden an dieser Stelle in Fellenbergs Briefen zum letzten Mal erwähnt, d’Alembert, Algarotti, Diderot, Hume, Helvetius zum letzten Mal im S. 56/57 zitierten Brief Fellenbergs an Iselin vom 18. September 1762.
Aus dem Brief Iselins an Fellenberg vom 31. Mai 1762 geht hervor, dass Brown die Absicht gehabt hat, mit der Patriotischen Gesellschaft in Verbindung zu treten. Er habe, wie Iselin ausführt, dem Ueberbringer der von Iselin verfassten Einladung gesagt, der Brief mache ihm grosse Freude und er werde bald antworten. Iselin an Fellenberg 31. Mai 1762: Burgerbibliothek Bern, FA von Fellenberg 153.

18 Fellenberg an Iselin, 9. September 1762.

19 von Mülinen, Patriotische Gesellschaft, 1900, Seite 24. Im Hof, Iselin, 1947, S. 341/42.

20 Fellenberg an Iselin, 7. März 1762 und 7. April 1762.

21 Correspondance complète de Jean Jacques Rousseau, Bd. X, S. 184–186.

22 Correspondance complète de Jean Jacques Rousseau, Bd. X, S. 225–227.

23 Correspondance complète de Jean Jacques Rousseau, Bd. XII, S. 25–26.

24 Correspondance complète de Jean Jacques Rousseau, Bd. XII, S. 110–111.

25 Fellenberg an lselin, 9. September 1762.

26 Fellenberg an Iselin, 11. Februar 1761; 11. März 1761; 4. April 1761; 19. April 1761; 10. Dezember 1761.

27 Im Hof, Iselin, 1947, S. 332–343.
Es ist natürlich möglich, dass er V.B. Tscharner oder Salomon Hirzel etwas Derartiges geschrieben hat (vgl. Im Hof, Iselin, 1947, S. 342). In Fellenbergs Briefen und in Prof. U. Im Hofs Auszügen findet sich jedoch kein konkreter Hinweis. Es ist natürlich möglich, dass mit den gefährlichen Ausländern, die Iselin erwähnt, auch Rousseau angesprochen ist (vgl. IV, S. 53 bis 56).

28 Fellenberg an Iselin, 7. April 1762.

29 Burgerbibliothek Bern, FA von Fellenberg 152.

30 Fellenberg an Iselin, 7. März 1762.

31 Sulzer an Wilhelmi, 6. Mai 1762: Burgerbibliothek Bern, FA von Fellenberg 155 (3).

32 Vgl. genaues Zitat dieser Stelle, II, S. 39.

33 Damit ist Sulzers Hauptwerk „Allgemeine Theorie der schönen Künste in einzeln, nach alphabetischer Ordnung der Kunstwörter auf einander folgenden, Artikeln abgehandelt, von Johann Georg Sulzer“, Leipzig, 1771–1774, gemeint.

34 Frenzel, Daten deutscher Dichtung, 1971, Bd. I, Seite 154.

35 Sulzer, Johann Georg :

 Recherches sur l’origine des sentimens agréables et desagréables.

Erstmals erschienen in:
Histoire de l’Académie royale des sciences et des belles lettres de Berlin, avec les memoires. Erster und zweiter Teil 1751, dritter und vierter Teil 1752.

 Essai sur le bonheur des êtres intelligens. In der gleichen Sammlung erschienen, 1754.

36 Fellenberg an Iselin, 9. September 1762.
Am 23. August 1762 schreibt Zimmermann an Sulzer, er wisse seit heute, dass er in Bern sei. (Bodemann, Julie von Bondeli, 1874, S. 201).

37 Iselin, Tagebuch, 12. August 1762.
Quelle: Auszüge von Prof. Im Hof.

38 Iselin an Salomon Hirzel, 2. September 1762.
Quelle: Auszüge von Prof. Im Hof.

39 Fellenberg an Iselin, 12. Januar 1763; 2. Februar 1763.

40 Mendelssohn an Iselin, 5. Juli 1763.
In: Basler Jahrbuch, 1923, S. 64–67.

41 Fellenberg an Iselin, 12. Januar 1763.

42 Erstes Zitat: Fellenberg an Iselin, 9. September 1762.
Zweites Zitat: Fellenberg an Iselin, 13. November 1762.

43 Iselin an Salomon Hirzel, 20. September 1763.
Quelle: Auszüge von Prof. Im Hof.

Details

Seiten
333
ISBN (PDF)
9783653059878
ISBN (ePUB)
9783653950878
ISBN (MOBI)
9783653950861
ISBN (Buch)
9783631666425
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (September)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 333 S.

Biographische Angaben

Margret Genna-Stalder (Autor) Lars Lambrecht (Autor)

Margret Genna-Stalder ist Gymnasiallehrerin (Geschichte, Deutsch) in Thun, Schweiz. Lars Lambrecht ist Professor i. R. und Stellvertretender Direktor des Zentrums für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS) an der Universität Hamburg.

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Titel: Die Patriotische Gesellschaft in Bern und Isaak Iselins Anteil an der europäischen Geschichtsphilosophie