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Die Patriotische Gesellschaft in Bern und Isaak Iselins Anteil an der europäischen Geschichtsphilosophie

von Margret Genna-Stalder (Autor:in) Lars Lambrecht (Autor:in)
Monographie 333 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorbemerkung (Margret Genna / Lars Lambrecht)
  • Margret Genna-Stalder: Die Patriotische Gesellschaft in Bern. 1762–1766
  • Einleitung
  • Vorwort
  • I. Die Entstehung der Patriotischen Gesellschaft
  • II. Die Ziele der Patriotischen Gesellschaft
  • III. Die Gründung und die Organisation der Patriotischen Gesellschaft
  • IV. Die Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft
  • A. Die korrespondierenden Mitglieder
  • B. Die unterzeichnenden Mitglieder
  • C. Exkurs: Die Geschichtsauffassung von Isaak Iselin und von Daniel Fellenberg
  • D. Bilanz: Die Vorkehrungen der Patriotischen Gesellschaft bis zum Mai 1763
  • V. Patriotische Gesellschaft und Helvetische Gesellschaft
  • VI. Die Patriotische Gesellschaft vom Frühjahr 1763 bis zu ihrer Auflösung im Sommer 1766
  • VII. Quellen und Literatur
  • 1. Quellen
  • 2. Literatur
  • Lars Lambrecht: Isaak Iselins Anteil an der Gründungsgeschichte der europäischen Geschichtsphilosophie. Eine vorläufige Dokumentation
  • Statt einer Einleitung
  • 1. Zum Problem ‚eines‘ Begriffs ‚der‘ Aufklärung unter Berücksichtigung der Geschichtsphilosophie sowie zur allgemeinen Orientierung
  • 2. Zur Begründung und Entwicklung der europäischen Geschichtsphilosophie im Einzelnen
  • 2.1 ‚Vorgeschichte‘: Die Querelles des Anciens et des Modernes und zur deutschsprachigen Rezeption Fontenelles bis zur Klassik
  • 2.2 Zentrale Kategorien oder Argumentationsmuster im Begründungszusammenhang der europäischen Geschichtsphilosophie
  • 2.2.1 Zur Vorstellung der Lebensalter und von der Parallelität der Entwicklungen der Menschheit und des menschlichen Individualsubjekt
  • 2.2.2 Zur Fortschritts-Kategorie
  • 2.2.3 Zum Kriterium der Perfektibilität
  • 3. Zur Begründung und Entwicklung der europäischen Geschichtsphilosophie im Einzelnen: Die Entwicklung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
  • 3.1 Zur Begründung der Iselin’schen Geschichtsphilosophie
  • 3.2 Aspekte des praktischen, gesellschaftsgeschichtlichen und sozioökonomische Kontextes von Iselins geschichtsphilosophischen Denkeinsatz
  • 3.3 Zu den Kategorien von Iselins geschichtsphilosophischer Grundlegung und deren Referenzen
  • 4. Zur Wirkungsgeschichte der Iselin’schen geschichtsphilosophischen Initiative
  • 4.1 Die ersten Rezensionen und Erwähnungen
  • 4.1.1 Die ‚positive‘ Rezeption
  • 4.1.2 Die ‚negativen‘ Besprechungen
  • 4.2 Wielands und Herders Auseinandersetzung mit Iselin und der Streit um die deutsche Geschichtsphilosophie
  • 4.2.1 Christoph Martin Wieland (1733–1813)
  • 4.2.1.1 Zur Wieland-Forschung, die Geschichtsphilosophie betreffend
  • 4.2.1.2 Zur Iselin-Rezeption Wielands und zu seinem geschichtsphilosophischen Ansatz
  • 4.2.2 Johann Gottfried Herder (1744–1803)
  • 4.2.2.1 Zur Herder-Forschung
  • 4.2.2.2 Zur Iselin-Rezeption Herders und zu seinem geschichtsphilosophischen Ansatz
  • 5. Nachtrag und Ausblick
  • Anhang I: Zur Fontenelle-Rezeption
  • Anhang II: Über die möglichen Quellen für Kants ironische Vorbemerkung zu seinem Ewigen Frieden betr. des Schildes eines holländischen Gastwirts
  • Quellen und Literatur
  • Endnoten
  • Personenregister
  • Zu der Autorin / Zum Autor

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Vorbemerkung

Bei dem ersten Teil dieser Publikation handelt es sich um den Druck der Seminararbeit Die Patriotische Gesellschaft in Bern 1762–1766, die Margret Genna 1974 im Seminar von Prof. Dr. Ulrich Im Hof in Bern angefertigt hatte. Anfang der 1970er-Jahre hatte die Aufarbeitung der Gesellschaftsbewegungen des 18. Jahrhunderts, als Folge der beginnenden Emanzipation des Bürgertums, erst richtig begonnen. Eine Monographie über eine Vereinigung von intellektuellen, aufgeklärten, kritischen jungen Patriziern in der Schweiz jenes Jahrhunderts, der nur eine kurze Blütezeit beschieden war, bedurfte allerdings ebenso der Mosaiksteinchen wie die heutige Forschung, die zu diesem Thema inzwischen sehr fortgeschritten ist. Wenn dann in den Fußnoten dieser neueren Publikationen nicht selten auf jene Seminararbeit verwiesen wird, die hier nunmehr gänzlich der Forschung zugänglich gemacht wird, bedarf es einer Erklärung, weshalb eine öffentlich nicht zugängliche und maschinenschriftliche Hausarbeit von 151 zweizeiligen Seiten und einem zusätzlichen 16-seitigen Quellen- und Literaturverzeichnis aus dem Jahre 1974 in Veröffentlichungen bis 2013 angeben werden konnte.

Der Tatbestand lässt sich darauf zurückführen, dass die Kunde von dieser Seminararbeit den Forschungen und Publikationen zu Isaak Iselin von Ulrich Im Hof zu verdanken ist. Denn dieser vorbildliche Gelehrte hatte nicht die Angewohnheit, seine Studierenden und Mitarbeiter arbeiten zu lassen, um dann deren Ergebnisse unter eigenem Namen zu publizieren. Im Gegenteil war es bei Im Hof üblich, dass er die unter strengen Vorgaben gefertigten Arbeiten seiner Seminare in seinen Publikationen ausgiebig und unter voller Namensnennung der Verfasser und Verfasserinnen referierte. Auf diesem Wege hatten Gennas Untersuchungen über die Berner Patriotische Gesellschaft Eingang in die seither fortgediehene Forschungsliteratur gefunden – besonders bei jenen Vertretern der Literatur-, Gesellschafts-und Geschichtswissenschaften, die nicht aus vorliegenden Publikationen eine eigene erstellen, sondern in ihren Forschungen selbst den materialen Hinweisen in den Fußnoten einschlägiger Vorgängerwerke nachspüren. Dass von den letzteren zumindest einigen Margret Genna auch ein Typoskript ihrer Arbeit aushändigen konnte, belegt eine über die vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre sich erstreckende Nachfrage nach ihrer originalen Forschung. Gleichwohl soll mit dem geplanten Druck der Hausarbeit nicht nur ein gewissermaßen archivalisches oder formell dokumentarisches Interesse verbunden sein, sondern es geht inhaltlich um die geistes-, ideen-, sozial- und politikgeschichtlichen Zusammenhänge jener ← 9 | 10 → Patriotischen Gesellschaft in Bern im Kontext der schweizerischen und europäischen Aufklärungsbewegungen.

Margret Genna hat den gesamten Komplex der Organisationsgeschichte der Patriotischen Gesellschaft behandelt: ihre Entstehung und Ziele, die Gründung der Organisation, die Mitglieder der Gesellschaft, die Beziehungen zur Helvetischen Gesellschaft sowie das frühe Ende, bis hin zu einem Exkurs zur „Geschichtsauffassung von Isaak Iselin und von Daniel Fellenberg“. Diese Gesichtspunkte waren es dann auch, weswegen der Koautor dieses Bandes sich für ein Exemplar der ehemaligen Hausarbeit interessiert und der Verfasserin die Veröffentlichung vorgeschlagen hatte.

Was aber sind die entscheidenden inhaltlichen Gesichtspunkte dafür, die geschichtswissenschaftliche Arbeit mit der zu dokumentierenden Rekonstruktion der Anfänge der Geschichtsphilosophie in der europäischen Aufklärung zusammenzustellen? Die zeitlich simultane Gründung der Berner Patriotischen Gesellschaft und die von Iselin im deutschsprachigen Raum begonnenen geschichtsphilosophischen Konstruktionen lassen sich wie ein zeitgenössisches Verhältnis von politisch-ökonomischer Praxis zur philosophischen und wissenschaftlichen Theorie, als ‚historisch-praktische und geistige Situation der Aufklärungszeit‘ lesen. Dabei können Iselins geschichtsphilosophische Entwürfe vielleicht als ein selbstreflexives Moment im neuerdings auch gern als ‚Sattelzeit‘ bezeichneten revolutionären Übergangsprozess zur bürgerlichen Gesellschaft samt ihrer grundlegenden sozialökonomischen Widersprüchlichkeit und nationalstaatlichen Ordnung zu verstehen sein. Als Schlüsselbegriff für diesen und in diesem Prozess darf die Kategorie ‚Patriotismus‘ angesehen werden, die den Namen der seit dem Jahrhundertbeginn in ganz Europa gegründeten ökonomisch-praktischen Reformgesellschaften vorangestellt worden war. Diese Kategorie aber ist keineswegs nur ‚begriffsgeschichtlich‘ (in einem wie auch immer aufgefassten Sinne) zu verfolgen, sondern in ihrer sozialgeschichtlich realen Korrespondenz zur Entwicklung der aufgeklärten bürgerlichen Denkungsart im Allgemeinen und ihrer Geschichtsphilosophien im Besonderen. Aber weder von den beiden vorzulegenden Beiträgen zusammen, noch von je einem allein, ist dieses Forschungsprogramm zu erfüllen, für das sie in ihrer Kombination und in ihren Forschungsinteressen nur exemplarisch stehen.

Bei diesem Programm gilt es zunächst – und das ist die Aufgabe vor allem des zweiten Beitrags –, sich eines Begriffs von der ‚Aufklärung‘ in Europa zu versichern, der den Ansprüchen sowohl der geschichtswissenschaftlichen als auch der philosophischen Forschung genügen könnte. Plakativ gesprochen, muss konkret historisch gefragt werden: «Wer war die Aufklärung?» (Rudolf Vierhaus) Gleichzeitig muss bedacht werden, dass mit den klassischen Antworten von Kant, Moses Mendelssohn und anderen auf die Frage «Was ist Aufklärung?» das heutige ← 10 | 11 → Forschungsinteresse von Philosophen nicht hinreichend befriedigt werden kann – insbesondere angesichts der unleugbaren Folgen von Aufklärung, wie missverstanden oder sogar falsch auch immer sie im 19. und 20. Jahrhundert ‚angewandt‘ oder zumindest sich auf sie berufen worden war.

Sodann ist gefordert, Herleitung und Ansätze der aufgeklärten Geschichtsphilosophie in Europa nach 1750 samt ihrer fundierenden Topoi (zum Beispiel das Konstrukt eines gesellschaftsgeschichtlichen Entwicklungsdenkens in Analogie zum Lebensaltersprinzip jedes einzelnen Menschen, Fortschritt, Perfektibilität u. ä.) zu rekonstruieren – auch dieses sicher nur exemplarisch und mittels Zuhilfenahme einer breitgefächerten Forschungslandschaft, die sicher ebenfalls nur mit einigen, aber repräsentativen Beispielen eruiert werden kann.

Auf diese Vorläufe muss dann zu guter Letzt die Frage nach der Bedeutung des praktischen und philosophischen Wirkens von Isaak Iselin vor allem für die Geschichtsphilosophie in Europa bezogen werden.1 Dabei soll es um den Versuch gehen, dem heute leider nicht mehr immer und überall geteilten Urteil von Ulrich Im Hof, dass Iselin der erste deutschsprachige Geschichtsphilosoph Europas gewesen war, Rechnung zu tragen und es zu bestätigen. Zugleich muss dazu eine deutliche Kritik an jener Forschung geübt werden, die prinzipiell die Geschichtsphilosophie vornehmlich als Leistung der «deutschen Philosophen des achtzehnten und des neunzehnten Jahrhunderts vorbehalten» (Kurt Rossmann) verstanden wissen wollte. Zum Teil wird das auch heute noch so gesehen und speziell dafür dann Iselin- und Aufklärungskritiker wie Christoph Martin Wieland und vor allem Johann Gottfried Herder ins Feld geführt. Einschränkend gegenüber diesem unbescheiden anmutenden Anspruch des zweiten Teils des Buchprojekts muss allerdings betont werden: Dieser kann bei aller angestrebten originalen philosophiehistorischen Quellen-Recherche nicht den Rang einer eigenständigen Darstellung beanspruchen; hierzu wurden während der Arbeit und im Beitrag selbst weitaus kompetentere Kolleginnen und Kollegen benannt. Seine Funktion kann nur in einer erweiternden bzw. ergänzenden Dokumentation zu den praktisch-historischen Anfängen der Geschichtsphilosophie in den europäischen Aufklärungsbewegungen gesehen werden, wie sie in jener Hausarbeit 1974 erstmalig behandelt worden war.

Margret Genna-Stalder/Lars Lambrecht

Thun/Ferentino März 2015

1 Lucas Marco Gisi, Wolfgang Rother (Hg.): Isaak Iselin und die Geschichtsphilosophie der europäischen Aufklärung (Basel 2011); vgl. dazu die Rezension von L. Lambrecht in: Studia Philosophica. Jahrbuch der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft / Annuaire de la Société Suisse de Philosophie 71 (2012) 212–217.

Margret Genna-Stalder: Die Patriotische Gesellschaft in Bern. 1762–1766

Einleitung

Vorwort

I. Die Entstehung der Patriotischen Gesellschaft

II. Die Ziele der Patriotischen Gesellschaft

III. Die Gründung und die Organisation der Patriotischen Gesellschaft

IV. Die Mitglieder der Patriotischen Gesellschaft

A. Die korrespondierenden Mitglieder

B. Die unterzeichnenden Mitglieder

C. Exkurs: Die Geschichtsauffassung von Isaak Iselin und von Daniel Fellenberg

D. Bilanz: Die Vorkehrungen der Patriotischen Gesellschaft bis zum Mai 1763

V. Patriotische Gesellschaft und Helvetische Gesellschaft

VI. Die Patriotische Gesellschaft vom Frühjahr 1763 bis zu ihrer Auflösung im Sommer 1766

VII. Quellen und Literatur

1. Quellen

2. Literatur

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Einleitung

Als ich 1974 als Studentin von Prof. Dr. Ulrich Im Hof in Bern meine Seminararbeit über „Die Patriotische Gesellschaft in Bern 1762–1766“ einreichte, deren Ziel es war, das grösstmögliche Glück für alle zu verwirklichen, hatte die Aufarbeitung der Gesellschaftsbewegung des 18. Jahrhunderts, als Folge der Emanzipation des Bürgertums, erst richtig begonnen. Seitdem ist zu diesem Thema sehr viel erarbeitet worden und ich habe, zu meinem freudigen Erstaunen, in Fussnoten einiger Publikationen meine Seminararbeit erwähnt gefunden. Das merkte ich aber erst, nachdem Lars Lambrecht im Dezember 2011 meine Adresse aufgespürt und mich, wie Jahre vorher andere Historiker, um ein Exemplar dieser Arbeit gebeten hatte, die in der grossen Studie von Ulrich Im Hof u.a. ‚Die Helvetische Gesellschaft. Spätaufklärung und Vorrevolution in der Schweiz, Bd. 1, Die Entstehung einer politischen Öffentlichkeit in der Schweiz. Struktur und Tätigkeit der Helvetischen Gesellschaft‘, 1983, zitiert worden ist.

Ursprünglich erhielt ich von Ulrich Im Hof den Auftrag, in der Burgerbibliothek Bern Briefe von Daniel Fellenberg, einem jungen Berner Patrizier und Juristen, an den Ratsschreiber Isaak Iselin aus Basel nachzulesen, um neue Informationen über die Patriotische Gesellschaft in Bern zu finden und diese mit den bestehenden Darstellungen dieser Gesellschaft von W.F. von Mülinen und Kurt Guggisberg (siehe Literaturverzeichnis) zu vergleichen. Diese Briefe, geschrieben in Französisch, damals die Sprache der gebildeten Oberschicht in ganz Europa, waren neu ins Archiv der Burgerbibliothek Bern gelangt.

Was vielleicht heute, im Zeitalter der Raffung der Studiengänge und der Kreditpoints, befremdet, ist die Tatsache, dass es vor 40 Jahren an der Universität Bern keine Vorschriften über Umfang und zeitlichen Rahmen eines solchen Auftrages gab, und so entstand aus der Lektüre dieser Briefe eine Neufassung der Geschichte der Patriotischen Gesellschaft, die ich als Werkstudentin und Ehefrau verfasste.

Ich hätte auch weniger umfassend arbeiten können, aber wir Studierende waren stolz darauf, unserm Ulrich Im Hof bei seinen Forschungen zur Gesellschaftsbewegung des 18. Jahrhunderts helfen zu dürfen und wir wussten auch, dass er unsere Bemühungen in seinen Publikationen zu verwenden beabsichtigte. Später bemerkten wir, dass er unsere Arbeiten in seinen Büchern sogar zitierte, was damals, wie heute, nicht selbstverständlich war und Offenheit und Grosszügigkeit des Dozenten voraussetzt. ← 15 | 16 →

Ulrich Im Hof hätte meine Arbeit gerne als Diplomarbeit, heute Masterarbeit, angenommen, aber ich hatte schon eine ebenso umfassende historische Diplomarbeit für ein Forschungsprojekt eines anderen Dozenten geschrieben, das zwar dann in einer Schublade verstaubte, und brauchte nur noch eine Seminararbeit im Fach Schweizergeschichte. Bestimmt hätte ich meine Forschungen auf irgendeine Weise zu einer Dissertation ausbauen können, aber ich dachte damals nur noch an den Studienabschluss, hatte ich mich doch als schüchterne Studentin des zweiten Bildungsweges allzu lange im heute unvorstellbar intransparenten Dschungel von Vorschriften der phil.-hist. Studiengänge verirrt. Ich schloss dann mit dem Lizentiat, heute Master, ab und erwarb später noch das Patent für das Höhere Lehramt, das Gymnasiallehrpatent.

Beruflich arbeitete ich schon während des Studiums neben einer Beschäftigung an der Schweizerischen Nationalbibliothek hauptsächlich als Deutschlehrerin für Fremdsprachige und blieb dann dabei, weil sich dieser Unterricht gut mit meinen Aufgaben als Mutter zweier Söhne und einer mehrfach behinderten Tochter, die im Alter von 17 Jahren an einem unheilbaren Geburtsgebrechen starb, vereinbaren liess.

Meine Neigung zu wissenschaftlicher Arbeit lebte ich in diesem Deutschunterricht sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene und Kandidaten für das Grosse Deutsche Sprachdiplom des Goethe-Institutes aus, sodass einige meiner Schülerinnen mich manchmal etwas beschämt fragten, warum ich so viel für sie tue, und jeweils zur Antwort erhielten, der Unterricht mache mir sonst keinen Spass. Dass mein Interesse eigentlich der Geschichtswissenschaft galt, habe ich nie erwähnt, dieses Kapitel meines Lebens war für mich abgeschlossen.

So war ich sehr überrascht und erfreut, als mir Lars Lambrecht im Frühjahr 2012 vorschlug, „Die Patriotische Gesellschaft in Bern, 1762–1766“ gemeinsam mit seinen Studien „Isaak Iselins Anteil an der europäischen Geschichtsphilosophie. Eine vorläufige Dokumentation“ zu publizieren. Infolgedessen befasste ich mich wieder mit den aufklärerischen Gesellschaften und bemerkte die Fülle der seither erschienenen Publikationen auf diesem Gebiet.

Auf eine vollständige Bibliographie der Forschung bis heute möchte ich aber verzichten, weil dies den Rahmen dieser Publikation sprengen würde, und nur Titel nennen, in denen meine Arbeit erwähnt wird, deren Ergebnisse verwendet werden (aus Im Hof/de Capitani oder Erne, siehe unten) oder neue Informationen zur Patriotischen Gesellschaft enthalten und zwar in chronologischer Reihenfolge. In all diesen Werken findet sich ein ausführlicher wissenschaftlicher Apparat, der interessierte Historiker weiterführen kann.

Im Hof, Ulrich/de Capitani, François: Die Helvetische Gesellschaft. Spätaufklärung und Vorrevolution in der Schweiz. Band 1: Die Entstehung einer politischen ← 16 | 17 → Öffentlichkeit in der Schweiz. Struktur und Tätigkeit der Helvetischen Gesellschaft. Frauenfeld/Stuttgart, 1983.

Erne, Emil: Die Schweizerischen Sozietäten. Lexikalische Darstellung der Reformgesellschaften des 18. Jahrhunderts in der Schweiz. Diss. Universität Bern. Zürich, 1988.

Herder, Johann Gottfried: Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit, 1774. Hrsg. von Hans Dietrich Irmscher. Stuttgart, Reclam, 1990.

Diese Herder-Ausgabe zitiere ich, weil sie bestätigt, dass der Anlass zu diesem Werk die Preisausschreibung der Patriotischen Gesellschaft von 1762 war. (S. 34 + Anm. dazu, S. 121; Nachwort, S. 140)

Malvache, Jean-Luc: Correspondance inédite de Mably à Fellenberg 1763–1778. Aus: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte, Bd. 19/2 (1992) Sigmaringen 1993.

Dieses Werk zitiere ich, weil diese Briefe bis zu Malvaches Publikation von 1993, neben Zitaten bei v. Mülinen, nur als Manuskript in der Burgerbibliothek Bern zugänglich waren. Dabei gibt es aber ein Problem: Mably schreibt die Zahlen oft recht undeutlich, weshalb die Daten der Briefe schwierig zu entziffern sind. Weil meine Datierung bei den vier zitierten Briefen nicht mit jener von Malvache übereinstimmt, habe ich diese Daten kürzlich nach dem Original überprüft und auch noch einmal die Datierung bei v. Mülinen nachgeschaut. Dabei bin ich zu folgendem Resultat gekommen:

Ich habe jetzt überall die überprüften Daten des Originals eingefügt; v. Mülinen hat immer richtig gelesen.

Knill, Ivo: Die Societé des citoyens und die Ökonomische Gesellschaft als Trägerinnen der Aufklärung in Bern. Liz.-Arbeit, Universität Bern, 1993.

Zurbuchen, Simone: Patriotismus und Nation. Der Schweizerische Republikanismus des 18. Jahrhunderts. In: Republikanische Tugend: Ausbildung eines Schweizer Nationalbewusstseins und Erziehung eines neuen Bürgers: contribution à une nouvelle approche des lumières helvétiques: actes du 16e colloque de L’Academie suisse des sciences humaines et sociales. éd par Michael Böhler. Genève, 2000. Reihe: Travaux sur la Suisse des lumières, vol. 2. ← 17 | 18 →

Böning, Holger : Patriotismus und nationale Identität in der Schweiz. Aus: Kölner Beiträge zur Nationsforschung, Band 9, Köln, 2003.

Kapossy, Béla : Iselin contra Rousseau. Sociable Patriotisme and the History of Mankind. Basel, 2006.

Godel, Rainer : Vorurteil – Anthropologie – Literatur. Die Vorurteilsdiskussion als Modus der Selbstaufklärung im 18. Jahrhundert. Aus: Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung 33, 2007.

Baum, Angelica, Christensen Birgit, Hrsg: Julie Bondeli, Briefe. 4 Bände. Zürich, 2012.

Die Durchsicht der Briefe von Julie Bondeli sei allen, die sich für die Aufklärung in der Schweiz interessieren, dringend empfohlen. Auf jeden Fall wäre der 4. Band anzuschauen, in dem sich u.a. Kurzbiographien aller Personen befinden, die Julie Bondeli in ihren Briefen erwähnt.

Zusammenfassung

Das Buch präsentiert zwei sehr unterschiedliche Textformate: eine Forschungsarbeit von 1974 zur «Patriotischen Gesellschaft in Bern», die jetzt erstmalig gedruckt vorliegt, und eine vorläufige Dokumentation zum Anteil des Basler Ratsherrn Isaak Iselin (1728–1782) an der europäischen Geschichtsphilosophie. Iselin war Gründungsmitglied der Berner Gesellschaft und Autor der ersten deutschsprachigen Geschichtsphilosophie. Die gegenseitige Bezugnahme der beiden Studien zum «Ursprung» des geschichtsphilosophischen Denkens und dem simultanen Beginn der Patriotischen Gesellschaften am Beispiel der Berner zeigt vor allem eins: Sie macht den Anspruch jener Aufklärer plausibel, die theoretische Entwürfe mit der sozioökonomischen Praxis im Bestreben um politische Reformen verbunden wissen wollten.

Details

Seiten
333
ISBN (PDF)
9783653059878
ISBN (ePUB)
9783653950878
ISBN (MOBI)
9783653950861
ISBN (Hardcover)
9783631666425
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (September)
Schlagworte
Fortschrittskategorie Aufklärung Basel Perfektibilitätsthese
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 333 S.

Biographische Angaben

Margret Genna-Stalder (Autor:in) Lars Lambrecht (Autor:in)

Margret Genna-Stalder ist Gymnasiallehrerin (Geschichte, Deutsch) in Thun, Schweiz. Lars Lambrecht ist Professor i. R. und Stellvertretender Direktor des Zentrums für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS) an der Universität Hamburg.

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Titel: Die Patriotische Gesellschaft in Bern und Isaak Iselins Anteil an der europäischen Geschichtsphilosophie