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Wirtschaftsmetaphorik im deutschen und polnischen Pressediskurs

Eine konfrontative Studie

von Kornelia Kansy (Autor)
Monographie 202 Seiten

Inhaltsverzeichnis


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Einleitung

Dass die Metapher alles andere als ein sondergestellter Tropus

und mehr mit dem Verständnis unseres Selbst, unserer Kultur

und der Art unserer Weltkonstruktion zu tun hat, als alle rhetorische

Schulweisheit sich träumen lässt, kann man als das einstimmige

Urteil der Metapherntheorie des 20. Jh. festhalten.

Klaus Müller-Richter, Arturo Larcarti

Die Erforschung des sprachlichen Phänomens Metapher bleibt seit mehr als 2000 Jahren ein unerschöpftes Thema vieler wissenschaftlicher Disziplinen. Im Laufe der Forschungsgeschichte variierte der Stellenwert der Metaphorik jedoch erheblich. Während die Metapher im Rahmen der antiken rhetorischen Tradition bei Aristoteles und Quintilian einen festen Platz in elocutio innehatte und als zentrale semantische Figur mit der Funktion des Tropus galt, spielte sie dabei eher eine zweitrangige Rolle des Redeschmucks oder sprachlichen Sonderfalls. Die Position der Metapher wandelte sich mit der kognitiven Wende des 20. Jahrhunderts, die nicht mehr eine Schattenerscheinung am Rande sprachwissenschaftlicher Theorien und Modellen darstellte, sondern „als fester und weitgehend unverzichtbarer Bestandteil unserer alltäglichen Sprache anzusehen ist“1.

Die vorliegende Studie basiert auf der kognitiv-linguistischen Metapherntheorie Lakoffs und Johnsons ausgehend von der Annahme, dass menschliches Denken und Handeln in erster Linie metaphorisch strukturiert sei.2 Demnach wird unter Metapher die Denkstruktur verstanden, die in der Sprache menschliche kognitive Prozesse spiegelt.3 Im Fokus folgender Abhandlung steht die Wirtschaftsmetaphorik in der deutschen und polnischen Presse, die als eine Ergänzung der kognitiv-semantischen kontrastiven Metaphernforschung gedacht ist. Die komplexe Wirtschaftsdomäne zeigt sich als ein hochproduktiver Zielbereich für metaphorische Projektionen und ermöglicht somit den Zugriff ←11 | 12→auf kognitive Prozesse, die in Verbindung mit der wirtschaftlichen Thematik gebraucht werden.4 Den wissenschaftlichen Hintergrund dieser Analyse stellen drei Studien: von Lakoff und Johnson, Jäkel sowie Baldauf dar.5 Auf der Grundlage dieser Arbeiten wird die Klassifikation konzeptueller Metaphern in der Presse unternommen, denn eine bereits entwickelte Arbeitsmethode, die sich in einer kontrastiven Analyse der deutschen und polnischen Pressesprache in Bezug auf die dort vertretene wirtschaftliche Metaphorik bewährt hätte, existiert bislang nicht.

Diese Abhandlung versucht folgendem Anliegen nachzugehen: Zum einen wird die deutsche und polnische Pressesprache explizit in Hinsicht auf die dort aufzufindende Wirtschaftsmetaphorik beschrieben. Zum anderen wird im Rahmen der Korpusanalyse der Versuch unternommen, vor dem onomasiologisch-kognitiven Hintergrund die abstrakte und komplexe Wirtschaftsdomäne des deutschen und polnischen Pressediskurses als Zielbereich verschiedener metaphorischer Konzeptualisierungen vorzustellen. Die Funktion und Häufigkeit der konzeptuellen Metaphern im untersuchten Sprachmaterial stellt den weiteren Forschungsschwerpunkt der Untersuchung dar. Außerdem wäre zu überlegen, ob möglicherweise quantitative und qualitative Differenzen in der Verwendung von Metaphern zwischen der polnischen und deutschen Pressesprache festzustellen sind. Die Forschungsergebnisse sollen anhand zahlreicher Beispiele aus polnischen und deutschen Presseartikeln illustriert werden.

Es wird von der Hypothese ausgegangen, dass die Metaphernmodelle in deutschen und polnischen wirtschaftlichen Rubriken gewisse Unterschiede aufweisen. Dies wäre auf die Tatsache zurückzuführen, dass die wirtschaftlichen Entwicklungen in beiden Ländern anders verliefen und verlaufen, sei es in Hinblick auf die europäische Integration und vor allem auf die geschichtlich bedingte divergent verlaufende wirtschaftliche Fortentwicklung innerhalb der beiden Länder. Der Beginn der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands wird seit der Mitte des 20. Jahrhunderts datiert. Mit dem sogenannten Wirtschaftswunder ←12 | 13→vom Jahre 1948 war der Anfang für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands geschaffen.6 Dagegen kann man von einer freien Marktwirtschaft in Polen praktisch erst nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, somit an der Schwelle der 90er Jahre, sprechen. Mit dem Jahr 1989 setzte in Polen eine neue Ära ein. Der Kalte Krieg ging zu Ende und viele osteuropäische Länder – darunter auch Polen – haben einen neuen Weg eingeschlagen. Die Neuorientierung an den Regeln der freien Marktwirtschaft ist in allen Lebensbereichen spürbar geworden, darunter auch in den Medien.7

Das vorliegende Projekt ist als ein korpusbasiertes und komplexes Studium der Wirtschaftsmetaphorik in der deutschen und polnischen Pressesprache konzipiert und hat grundsätzlich einen empirischen Charakter, wobei auch theoretische Überlegungen bei der komplexen Bearbeitung des Forschungsthemas zur Sprache kommen.

In erster Linie werden die Begrifflichkeiten und die Methodik als Analysegrundlage erläutert. Die Darstellung der Metaphorik-Forschungsergebnisse in der deutschen und polnischen Literatur sowie die Darlegung der Ergebnisse der kontrastiven Forschungen folgen in den ersten Kapiteln der Abhandlung. Der Versuch, den deutschen, polnischen und konfrontativen Forschungsstand zu beleuchten, soll die Differenzen aufzeigen und gewisse Lücken präsentieren. Die Arbeit verfolgt vielmehr nicht das Ziel, eine vollständige, detaillierte Übersicht über bisherige Metapherntheorien zu liefern; sie versucht lediglich auf die dominierenden relevanten Ansätze des Metaphernverständnisses einzugehen. Um den vielfältigen funktionalen Aspekt der Metaphorik erfassen zu können, wird zunächst der kognitive Rahmen sowie die kognitive Metapherntheorie diskutiert. Im Anschluss daran werden der Metaphernbegriff und die Merkmale der Metaphern in allen Einzelheiten erarbeitet. Daraufhin werden die Begriffe im Umkreis der Metapher erläutert und Überlegungen zur Vielfalt der Terminologie und der Abgrenzung der kognitiven Metapher von anderen sprachlichen Phänomenen, wie Metonymie, Synekdoche, Vergleich, Analogie, Symbol, Allegorie, Phraseologismus und Stereotyp angestellt. Des Weiteren wird eine Kurzcharakteristik der Pressesprache und der dort vertretenen Metaphorik geliefert. Ein besonderes Augenmerk gilt der Darstellung der Metaphern in der Pressesprache und der Diskussion ihrer Funktionen.

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Als Basis für die anschließende empirische Untersuchung wird im Kapitel 6 die Klassifikation der kognitiven Metapher erarbeitet. Dies erfolgt in erster Linie anhand der Auseinandersetzung mit den bisherigen typologischen Versuchen in der Metaphernforschung sowie der Spezifik des wirtschaftlichen Pressediskurses. Die Präsentation der relevantesten Klassifikationsformen verdeutlicht die diversen Perspektiven und Ansätze, wenn es um die Betrachtung der konzeptuellen Metapher in verschiedenen sprachlichen Realisationen geht. Im Rahmen dieser Untersuchung wird das umfangreiche Pressekorpus in Anlehnung an die funktionale Typologie von Lakoff und Johnson analysiert. Die zwei Klassen der strukturellen sowie ontologischen Metaphern decken den möglichen Bereich der Konzeptualisierungen im deutschen und polnischen Begriffsfeld der Ökonomie und lassen verschiedene interessante Schlüsse ziehen. Im Anschluss an dargestellte Klassifikationen erfolgt eine problemorientierte synchrone empirische Untersuchung.

Die umfangreiche Klasse der Strukturmetaphern wird zunächst beschrieben und klassifiziert. Anhand authentischer deutscher und polnischer Pressebeispiele werden die dominanten Metaphernmodelle der Ökonomie ermittelt und in Hinsicht auf den funktionalen Aspekt sowie die Häufigkeit der Subkategorien charakterisiert. Durchgängig wird versucht, auf die Konvergenzen und Divergenzen im Sprachenpaar Deutsch und Polnisch hinzuweisen. Danach stehen die ontologischen Metaphern einschließlich der Personifikation im Zentrum des Interesses. Die zahlreichen Metaphernmodelle dieser Metaphernklasse schildern die Realisierungsformen in der Pressesprache. Jedem Metaphernmodell folgt eine quantitative und qualitative Untersuchung, damit die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den beiden Sprachsystemen zur Sprache kommen.

Aufbauend auf der synchronen Bestandaufnahme der relevanten Metaphernschemata der deutschen und polnischen Pressesprache im Bereich der Wirtschaft werden die wichtigsten Untersuchungsergebnisse in der Zusammenfassung der Arbeit präsentiert.


1 Baldauf, Christa (1997): Metapher und Kognition. Grundlagen einer neuen Theorie der Alltagsmetapher. Frankfurt am Main, S. 11.

2 Vgl. Lakoff, George/Johnson, Mark (2008): Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Heidelberg, S. 3.

3 Ebd., S. 5.

4 Vgl. Jäkel, Olaf (2003b): Wie Metaphern Wissen schaffen. Die kognitive Metapherntheorie und ihre Anwendung in Modell-Analysen der Diskursbereiche Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Hamburg, S. 189ff.

5 Siehe Lakoff, George/Johnson, Mark (2008): Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Heidelberg; Jäkel, Olaf (2003b): Wie Metaphern Wissen schaffen. Die kognitive Metapherntheorie und ihre Anwendung in Modell-Analysen der Diskursbereiche Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Hamburg; Baldauf, Christa (1997): Metapher und Kognition. Grundlagen einer neuen Theorie der Alltagsmetapher. Frankfurt am Main.

6 Vgl. Prollius, Michael von (2006): Deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945. Stuttgart; Weimer, Wolfram (1998): Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Von der Währungsreform bis zum Euro. Hamburg.

7 Siehe Morawski, Wojciech (2011): Dzieje gospodarcze Polski. 2. Aufl. Warszawa.

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1. Ziel und Methode der Arbeit

Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und der Kognitiven Wende sind metaphorische Phänomene immer wieder zum Interessenobjekt diverser Wissenschaftsdisziplinen geworden, sei es Philosophie, Linguistik, Diskurslinguistik, Stilistik, Lexikologie oder Psychologie. Die vorliegende Arbeit umfasst in erster Linie den Bereich der kognitiven Metaphorik. Beim näheren Betrachten des zusammengestellten Korpus offenbaren sich aber auch weitere Analysemöglichkeiten, wie z.B. die klassische Redekunst, die kulturbezogene Diskursforschung oder etwa die Phraseologie.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Erfassung deutscher und polnischer kognitiver Metaphernphänomene zum breit verstandenen Thema Wirtschaft auf korpusrepräsentative Weise. Eine kontrastiv ausgelegte Studie eröffnet die Möglichkeit, viele sprachspezifische, strukturelle, morphosyntaktische, semantische und pragmatische Erkenntnisse zu gewinnen. Darüber hinaus lassen sich kulturelle und landesspezifische Ähnlichkeiten sowie Unterschiede feststellen. Metaphernmodelle liefern nämlich relevante Auskünfte über eine Kulturgemeinschaft und über das sprachspezifische Erleben der realen Welt, mit der sie in Kontakt treten. Mit den Worten Baldaufs tritt die kulturelle Prägung des sprachlichen Weltbildes bei der Analyse konventioneller Metaphern in den Vordergrund:

Metaphernsysteme des Alltags gehen aufgrund ihrer weiten Verbreitung und aufgrund der Intersubjektivität der ihnen zugrunde liegenden Metaphernkonzepte schließlich als feste, routinierte Bestandteile in eine Sprache ein, werden somit Teil der herrschenden sprachlichen Konventionen und prägen u.U. das Weltbild der betreffenden Kultur.8

Diese Studie ist insofern aufschlussreich, dass bislang eine solche wirtschaftsbezogene Analyse kognitiver Metaphorik weder im Deutschen und noch im Polnischen vorliegt. Erstmalig werden hier wirtschaftliche Metaphern auf verwendete Metaphernmodelle in dem deutschen und polnischen Mediendiskurs konfrontativ untersucht. Es wird angenommen, dass die Metaphernmodelle in den deutschen und polnischen wirtschaftlichen Rubriken gewisse Unterschiede aufweisen. Die Zugehörigkeit zu demselben Kulturkreis und die angrenzende Nachbarschaft, sowie die nationalen Minderheiten im eigenen Lande lassen ←15 | 16→keine gravierenden Unterschiede vermuten. Dennoch erlauben ausgerechnet die metaphorischen Konzeptualisierungsmuster die Wirtschaftsdomäne in einem anderen Licht zu sehen und zahlreiche beachtenswerte Schlüsse zu ziehen, die auf dem Vergleich der Beschaffenheit, Spezifik, Funktionalität sowie Quantität des herangezogenen linguistischen Materials fußen.

In der kontrastiven bzw. konfrontativen Linguistik erfolgt eine synchrone sprachvergleichende Analyse sowie eine Gegenüberstellung sprachlicher Gegebenheiten zweier Sprachen zum Aufdecken von unterschiedlich gearteten Divergenzen und Konvergenzen.9 Die Zielsetzung dieser Studie kann auch in der Analyse der Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten anhand des herangezogenen Sprachmaterials des Sprachenpaares Deutsch-Polnisch gesehen werden. Diese Arbeit verfolgt – als eine der ersten Studien – die explizite Beschreibung der Wirtschaftsmetaphorik der deutschen und polnischen Pressesprache. Mithilfe einer Korpusanalyse wird der Versuch unternommen, die abstrakte und komplexe Wirtschaftsdomäne des deutschen und polnischen Pressediskurses als Zielbereich verschiedener metaphorischer Konzeptualisierungen vorzustellen. Ferner soll dieses Forschungsprojekt Antworten auf einige methodische Fragen liefern. Erstens werden die konzeptuellen Metaphern aus den Wirtschaftsrubriken der deutschen und polnischen Presse gemäß der vorbereiteten Methodik ermittelt, beschrieben und erklärt. Es wird hauptsächlich auf die präsenten Herkunftsbereiche der metaphorischen Projektionen im Begriffsfeld Wirtschaft und ihre Spezifik sowie Einzelheiten des Aufbaus eingegangen. Parallel wird ausgeführt, welche Funktionen die Konzeptualisierungen in der deutschen und polnischen Pressesprache erfüllen. Anhand der ermittelten Metaphernmodelle wird ein Bild der Wirtschaftsdomäne des Pressediskurses der beiden Sprachen skizziert, sowie die Kongruenzen und Divergenzen in Hinblick auf Gebrauch, Frequenz, Form und Funktion der konzeptuellen Metaphern näher beschrieben. Des Weiteren wird die Dominanz der einzelnen wirtschaftlichen Metaphernmodelle in der jeweiligen Sprache näher betrachtet und die daraus resultierende Weltkonstruktion in den analysierten Konzeptualisierungsmustern thematisiert.

Die Wahl der entsprechenden Arbeitsmethode ist durch die Zielsetzung, den Gegenstand der interlingualen Studie, die wissenschaftsmethodologischen Anforderungen sowie die existierenden Forschungsergebnisse bedingt. Semasiologie und Onomasiologie, ein Begriffspaar der Semantik und Lexikologie ←16 | 17→stehen für zwei unterschiedliche Blickwinkel und Herangehensweisen in semantisch-lexikalischen Untersuchungen. Eine semasiologische Betrachtungsweise (gr. sēmasia ‚Bezeichnung, Bedeutung‘ + logos ‚Wort, Lehre‘) geht von den Elementen des lexikalischen Systems aus, d.h. von einzelnen Lexemen, und sucht nach den entsprechenden Bezeichnungen, Begriffen. Die semantische Analyse erfolgt von der Form zur Bedeutung. Onomasiologische Untersuchungen (gr. onomasia ‚Benennung‘ + logos ‚Wort, Lehre‘) gehen dagegen von einem Begriffsbereich aus und fragen nach der sprachlichen Realisierung, d.h. nach sprachlichen Ausdrücken, Lexemen, die den untersuchten Sachbereich kennzeichnen.10 Die semasiologische Perspektive wird in den Untersuchungen zur Polysemie oder Homonymie verwendet. Die onomasiologische Sichtweise prägt die Studien zur synchronen oder diachronen Synonymie oder die Analysen der Wortbildung.11 Mit den Worten Geeraerts wird die enorme Relevanz der onomasiologischen Blickrichtung in der Linguistik betont. Vielmehr sei die semasiologische Herangehensweise, bei der jede Kategorie einzeln betrachtet wird, nicht als ausreichend anzusehen und müsste gerade um die onomasiologischen Elemente ergänzt werden.12

In der vorliegenden Arbeit wird im Rahmen der Korpuszusammenstellung sowie deren Analyse eine kognitiv-onomasiologische Methode bevorzugt und dementsprechend von einer abstrakten Diskursdomäne der Wirtschaft ausgegangen. Die sprachliche Realisierung in diesem thematischen Bereich, die metaphorischen Ausdrücke, die Ursprungsbereiche und deren Systematik stehen in dem Vordergrund dieser Arbeitsmethode. Abstrakte Diskursdomänen im onomasiologischen Sinne untersuchten neben den schon erwähnten u.a. Reddy über Metaphern der sprachlichen Kommunikation, Jäkel über Domänen der Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion, Brünner über Metaphern für ←17 | 18→Sprache und Kommunikation oder Kövecses über Konzeptualisierungen der Emotionen.13

In der polnischen Fachliteratur wären folgende onomasiologisch ausgerichtete Untersuchungen zu nennen, wie: Nowakowska-Kempna zur Metaphorik der Gefühle, Mikołajczuk zu Konzeptualisierung des Ärgers oder der Freude, Libura zur Hass-Metaphorik oder Zwierzyńska zu den Konzepten der Liebe in englischen und polnischen Sprichwörtern.14

Aus der Position der kognitiven Linguistik und der onomasiologischen Methodik ist die Arbeit von Jäkel besonders hervorzuheben. In seiner Studie, in der er deutsche und englische Metaphern in den Diskursen der Geistestätigkeit, der Wirtschaft, Wissenschaft und Religion untersucht, liefert er eine Art Handlungsanleitung, wie der Analysevorgang einer kognitiv-onomasiologischen Untersuchung zu verlaufen habe. Im Rahmen des von ihm vorgeschlagenen Analyseschemas wird von der Wahl eines abstrakten Diskursbereichs ausgegangen, um im Anschluss daran anhand des gefundenen Sprachmaterials ein Textkorpus zusammenzustellen. Darin werden die sprachlichen konventionellen Metaphern identifiziert und die wörtlichen somit die Ursprungsbereiche von den metaphorischen Lexemen also den Herkunftsbereichen unterschieden. ←18 | 19→Des Weiteren können konzeptuelle Metaphern formuliert und nach anderen Realisierungen derselben konzeptuellen Metaphern gesucht werden. Ein wichtiger Schritt im Rahmen der onomasiologisch-kognitiven Studie stellt die Analyse und Systematik der ermittelten Metaphern nach der kognitiven Metapherntheorie dar. Relevant erscheint auch die Zusammenstellung der gefundenen Kohärenzen und Zusammenhängen zwischen den einzelnen metaphorischen ICMs (Idealisierte Kognitive Modelle; Idealized Cognitive Models). Der letzte Analysevorgang betrifft die Konfrontation der jeweiligen Fokussierungen in den einzelnen konzeptuellen Metaphern.15 In der vorliegenden Studie wird ähnlich vorgegangen, wobei parallel deutsche und polnische Metaphern ermittelt werden, die im Anschluss einem Vergleich unterzogen werden. Somit werden die für die jeweilige Sprache typischen metaphorischen Schemata ermittelt, die das Bild der Wirtschaft in der Presse prägen.

Zur Untersuchung des Datenkorpus wurde eine Klassifikation aufgestellt, die sich an die Typologie Lakoffs und Johnsons anlehnt. Auf dieser Grundlage wurde eine Klassifizierung der kognitiven Metaphern erstellt, die einer kontrastiven Studie der deutschen und polnischen wirtschaftlichen Metaphorik im Pressediskurs gerecht wurde. Demnach werden die konzeptuellen Metaphern in zwei Klassen gegliedert: (1) ontologische Metaphern einschließlich der Personifikation und (2) strukturelle Metaphern.

Den Ausgangspunkt für die vorliegende Untersuchung bildet der deutsche und polnische Pressediskurs zur wirtschaftlichen, ökonomischen Thematik. Die meisten Presseartikel stammen aus den Rubriken der Wirtschaft bzw. des Marktes. Anhand des onomasiologisch-kognitiven Analyseschemas wurde ein repräsentatives Pressekorpus von insgesamt 949 konzeptuellen Metaphern zusammengestellt. In dem untersuchten Sprachmaterial wurden 471 Belege für das Deutsche sowie 478 Beispiele für das Polnische ermittelt. Diese Arbeit ist als eine synchrone Studie der deutschen und polnischen Pressesprache zu betrachten, daher stammt das Untersuchungsmaterial aus einem begrenzten Zeitraum. Als Analysebasis wurden zwei Wochenzeitungen – das deutsche Wochenmagazin Der Spiegel und das polnische Nachrichtenmagazin Polityka gewählt. In beiden Fällen handelt es sich um die am meisten verkauften und gelesenen Titel, die ein aktiver Teil der gesellschaftlichen Diskussion sind. Der Spiegel hat nach Angaben der Spiegelgruppe einer der höchsten Auflagen der wöchentlichen ←19 | 20→Nachrichtemagazine Deutschlands und ist demnach die auflagenstärkste Nachrichtenzeitschrift in Europa.16 Bei der Polityka handelt es sich um eines der meist gewählten polnischen Magazine (der zweite Platz auf der Verkaufsliste), das für politisch und wirtschaftlich interessierte Leser von großer Relevanz ist.17 Die Zielgruppe beider Wochenzeitschriften machen berufstätige, hochqualifizierte und kaufkräftige Leser aus.

In Ergänzung zu der kognitiv-onomasiologischen Methode wäre noch die Schriftweise zu erläutern. Die Notierungsweise wird zur besseren Unterscheidung folgend gestaltet: Die abstrakten, kontextfreien konzeptuellen Metaphern werden in Versalien geschrieben und die metaphorische Realisierung in dem zusammengestellten Sprachmaterial kursiv gesetzt. In der sprachvergleichenden Studie wird das Augenmerk auf die Zusammenstellung deutscher und polnischer Belege für die jeweiligen konzeptuellen Metaphern gelegt. Es wird somit versucht, immer nach deutschen und polnischen Beispielen nach derselben konzeptuellen Metapher zu suchen.


8 Baldauf, Christa (1997): Metapher und Kognition. Grundlagen einer neuen Theorie der Alltagsmetapher. Frankfurt am Main et al., S. 19.

9 Vgl. Sternemann, Reinhard/Gutschmidt, Karl (1989): Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft. Berlin, S. 12. Siehe auch bei Koczerhan Pietrowicz, Michajło (2009): Podstawy językoznawstwa konfrontatywnego. Podręcznik. 2009.

10 Vgl. Miodunka, Władysław (1989): Podstawy leksykologii i leksykografii. Warszawa, S. 55.

11 Vgl. Kominek, Andrzej (2009): Metafory prawa moralnego w dyskursie religijno-etycznym. Studium lingwistyczno-kognitywne. Kielce, S. 64ff.

12 Vgl. Geeraert, Dirk (1988): Where does prototypicality come from. [In:] Rudzka-Ostyn, Brygida (Hrsg.): Topics in Cognitive Linguistics. Amsterdam, zit. nach Kardela, Henryk (1992): Onomazjologiczny aspekt semantyki kognitywnej. [In:] Nowakowska-kempna, Iwona (Hrsg.) (1992): Język a kultura, t. 8: Podstawy metodologiczne semantyki wspólczesnej. Wrocław, S. 43. „Oznacza to, że wyjaśnianie zagadnienia prototypowej formacji kategorii nie może się tylko ograniczyć do perspektywy semazjologicznej (gdzie każda kategoria rozpatrywana jest odrębnie), lecz także musi być brany pod uwagę aspekt onomazjologiczny (w którym bada się, w jaki sposób kilka różnych słów może określać podobne lub identyczne pojęcia).“

13 Siehe Lakoff, George/Johnson, Mark (2008): Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Heidelberg. 6. Aufl.; Reddy, Michael J. (1995) The Conduit Metaphor: A Case of Fame Conflict in Our Language. [In:] Ortony, Andrew (Hrsg.) (1995): Metaphor and Thought. Cambridge, S. 284–324; Jäkel, Olaf (2003b): Wie Metaphern Wissen schaffen. Die kognitive Metapherntheorie und ihre Anwendung in Modell-Analysen der Diskursbereiche Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Hamburg; Brünner, Gisela (1987): Metaphern für Sprache und Kommunikation in Alltag und Wissenschaft. [In:] Diskussion Deutsch 94, S. 100–119; Kövecses, Zoltán (2006): Język, umysł, kultura. Praktyczne wprowadzenie. Przekład Anna Kowalcze-Pawlik, Magdalena Buchta. Kraków.

14 Siehe Nowakowska-Kempna, Iwona (2000): Konceptualizacja uczuć w języku polskim. Część II. Data. Warszawa; Mikołajczuk, Agnieszka (1999): Gniew we współczesnym języku polskim. Analiza semantyczna. Warszawa; Mikołajczuk, Agnieszka (2009): Obraz radości we współczesnej polszczyźnie. Warszawa; Libura, Agnieszka (2000b): Analiza semantyczna wyrazów nazywających nienawiść i inne uczucia negatywne. [In:] Nowakowska-Kempna, Iwona/Dąbrowska, Anna/Anusiewicz, Janusz (Hrsg.) (2000): Język a kultura. t. 14: Uczucia w języku I tekście. Wrocław, S. 135–151; Zwierzyńska, Aldona (1992): Wyidealizowane modele kognitywne pojęcia ‚miłość‘ i ‚love‘ przedstawionego w przysłowiach polskich i angielskich – porównanie. [In:] Nowakowska-Kempna, Iwona (Hrsg.) (1992): Język a kultura, t. 8: Podstawy metodologiczne semantyki wspólczesnej. Wrocław, S. 91–113.

15 Vgl. Jäkel, Olaf (2003b): Wie Metaphern Wissen schaffen: Die kognitive Metapherntheorie und ihre Anwendung in Modell-Analysen der Diskursbereiche Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Hamburg, S. 142.

16 https://de.statista.com, retrieved 10.11.2019, from https://de.statista.com/statistik/daten/studie/164386/umfrage/verkaufte-auflagen-von-spiegel-stern-und-focus/

17 Wirtualnemedia.pl: „Newsweek“ i „TygodnikPowszechny“ z największym udziałem prenumeraty w sprzedaży, retrieved 31.07.2013, from http://www.wirtualnemedia.pl/artykul/newsweek-i-tygodnik-powszechny-z-najwiekszym-udzialem-prenumeraty-w-sprzedazy.

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2. Forschungsgegenstand

Metaphern haben Geschichte in einem radikalen Sinn

als Begriffe, denn der historische Wandel einer Metapher

bringt die Metakinetik geschichtlicher Sinnhorizonte

und Sichtweisen selbst zum Vorschein,

innerhalb deren Begriffe ihre Modifikationen erfahren.

Hans Blumenberg

Die Metapher als Untersuchungsgegenstand erfreut sich einer mehr als zweitausend Jahre alten Tradition. Studien zur Metaphorik liegen vor allem im Rahmen der Philologie vor, aber auch andere wissenschaftliche Disziplinen, wie etwa Philosophie, Sozialwissenschaften oder Theologie, haben zur multidisziplinären Diskussion um dieses Phänomen beigetragen.18 In der europäischen Kulturtradition datiert man seit dreihundert Jahren verschiedene kognitiv orientierte Forschungsansätze, wie beispielsweise bei Locke, Kant, Herder oder die neueren wie Weinrich oder Blumenberg.19

Erst seit den 70er Jahren des 20. Jh. und der Conceptual Metaphor Theory rückte die Metapher in den Vordergrund sprachwissenschaftlicher Untersuchungen und gewann als ein in der Alltagssprache allgegenwärtiges sprachliches Phänomen an Bedeutung. Daraus wäre zu schließen, dass die Metapher zu einem relevanten Element der Sprache und vor allem des Denkens sowie der Kognition geworden ist.20

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Die kognitive Metapherntheorie ist weltweit intensiv rezipiert und aus verschiedenen Blickwinkelnuntersucht worden. Mit besonderem Nachdruck werden in dieser Studie die polnischen und deutschen Arbeiten zur Metaphernproblematik herangezogen. Bei der Vielfalt der Bearbeitungen ist es schwierig einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, da der Umfang metaphernorientierter Publikationen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.21

2.1 Zu den Metaphern in den polnischen und deutschen Untersuchungen

Metaphernbezogene Untersuchungen in diversen Diskursen wurden in den vergangenen Jahren zum wichtigen Anliegen der kognitiven Linguistik.22 Die theoretisch ausgerichteten Arbeiten mit ihrer langen Geschichte bieten beinahe eine unübersichtliche Erkenntnisquelle und werden immer wieder durch empirische Untersuchungen bereichert. Seit den Anfängen der 70er Jahre ist das steigende Interesse an metaphorisch orientierter Thematik auch in polnischen und deutschen Forschungsprojekten zu beobachten.

Die polnische wissenschaftliche Diskussion um die Metapher charakterisiert sich durch eine klassische Herangehensweise an das sprachliche Phänomen der metaphora. Eine der ersten polnischen metaphernbezogenen Studien stammt von Bogusławski. Er formuliert darin die These, dass die Metapher eine sinnvolle prädikative Aussage sei.23 In seinen Ausführungen bezüglich der metaphorischen Phrase stützt sich der Autor auf die klassische aristotelische sowie quintilianische Theorie der analogischen Proportion und differenziert zwischen ←22 | 23→der buchstäblichen/primären bzw. nichtbuchstäblichen/sekundären Interpretation. Weiter führt Bogusławski aus, dass der metatextuelle Kommentar wie niejako, jakby oder „chciałoby się powiedzieć“ etc. nicht unabdingbar sei. Dieses in seinen Augen Werkzeug wird nicht eindeutig als Unterscheidungskriterium für Metaphorizität betrachtet, obwohl es den Prozess erleichtert.24 Das endgültige Signal für die wörtliche/literale Interpretation eines Ausdrucks sieht Bogusławski in der gleichbleibenden und unveränderlichen Option zugunsten ausgerechnet dieser Deutung, die charakteristisch für gewöhnliche Ausdrucksweise sei.25

Interessant zu erwähnen wäre auch die Arbeit zur metaphorischen Invarianzstruktur von Wierzbicka. Sie fordert darin nach Jacobson, alle Metaphern in absentia, d.h. solche, die ausschließlich aus einem verbalisierten Teil bestehen, zu Metaphern in presentia also solchen, die einen vollständig zweiteiligen Aufbau aufweisen, umzuwandeln.26 In ihrer Untersuchung verglich sie die Metapher mit solchen verwandten Termini wie Vergleich, Analogie, Steigerung oder Hyperbel und formuliert auf dieser Grundlage die Explikation, dass die Metapher kein reiner Vergleich sei („A ist B“), sondern eher eine Gleichsetzung oder Disqualifizierung („A ist nicht A, sondern B“) präsentiere.27

Klassische Herangehensweise zeichnet ebenso die Untersuchung von Dobrzyńska aus, die die Metapher traditionell im engeren Sinne als einen zur Rhetorik gehörenden Tropus erkundet. Demzufolge ist die metaphorische ←23 | 24→Aussage nur durch Ähnlichkeit oder Analogie motiviert.28 Die angenommene Sichtweise umfasst ausschließlich den Satzbereich, es wird auf die kohärenten Eigenschaften dieser stilistischen Figur und auf die Metapher als Abweichung (Deviation oder Anomalie) auf der Grundlage von Cohen, Todorov, Dubois oder auf eine gegensätzliche Position von Richards eingegangen.29 Eine kontextabhängige Interpretation der Metaphern sowie die Korrelationen der Übertragung mit anderen verwandten Phänomenen werden des Weiteren auch thematisiert. Darüber hinaus umriss die Autorin die Möglichkeiten und Begrenzungen metaphorischer Kommunikation und arbeitet sie kritisch aus. Sie vertritt den Standpunkt, dass sich die metaphorische Erscheinung nur nach Berücksichtigung aller pragmatischen Faktoren betrachten lasse.30 Nach dem von Dobrzyńska postulierten invarianten Metaphernmodell besitzt die Metapher zwei konträre Eigenschaften: Einfachheit und Universalität des metaphorischen Mechanismus sowie die Möglichkeit unbegrenzter Ausdrucksweise, die je nach dem Interpret variieren kann.31 Die in der Metapher vollzogene Interferenz wird darin gesehen, dass der Sprecher vom Gegenstand X so spricht, als ob er Y wäre oder die Eigenschaften von Y trage. Abgesehen von jeglicher Oberflächenstruktur, die die Übertragungen im Text differenziert, charakterisiert alle Metaphern die explizite und implizite Allgegenwart zweier Themen, Haupt- und Hilfsthema.32

Im Lichte der generativen Transformationsgrammatik erforscht Żmigrodzki die Metaphorizität, indem er die metaphorischen Sätze zum Gegenstand seiner Untersuchung macht und ein generatives Modell zu ihrer Beschreibung aufstellt.33 Rein deduktiv werden formulierte Hypothesen und die erarbeitete Metapherntypologie an dem repräsentativen sprachlichen Material (Wörterbucheinträge) ←24 | 25→von über 1000 Sätzen überprüft, sodass diverse für das Polnische charakteristische Transformationen sichtbar werden.34

Interessant zu erwähnen wäre auch die Arbeit von Wróblewski, die die Metaphern im Polnischen hinsichtlich ihrer Oberflächenstruktur, semantischer Form, syntaktischer Faktoren sowie ihrer Frequenz in stilistisch verschiedenen Texten beschreibt. Darüber hinaus wird die Frage nach den günstigen semantisch-syntaktischen Bedingungen für die metaphorisch gebrauchten Lexeme gestellt. Die Explikation und Interpretation der Bedeutung einzelner Metaphern gehört nicht zur Aufgabenstellung dieser Untersuchung, die in erster Linie die Kombinierbarkeit der metaphorischen Wortverbindungen analysiert. Im Prozess der Metaphorizität werden nach Wróblewski Lexeme, die als metaphorisch gelten können, als zweigliedrige Einheiten betrachtet, und bestehen aus dem sogenannten Metaphernthema und Modifikator.35 Anhand der Korpusanalyse von über sechstausend Metaphern konnte die Typologie aufgestellt werden, die 40 diverse Metapherntypen umfasst und die ausgeprägte Differenziertheit polnischer Metaphorik besonders in Hinsicht auf ihren syntaktischen Aufbau sowie ihre Ausdrucksweise betont.36

Einen Überblick über die wichtigsten Metapherntheorien liefert in seiner Studie Świątek. Die antiken Wurzeln der Metaphernforschung und somit die klassische Tropenlehre eröffnen die breitangelegte Darstellung. Die Geschichte des Metaphernphänomens wird anhand der romantischen Theorie von Vico, den Forschungen von Richards und Black sowie Studien von Miller und Jakobson dargestellt. Weiter thematisiert der Autor die Sprechakttheorie von Searle, die konversationelle Implikatur von Grice und die Metapherntheorie von Reddy. Seine Ausführungen schließt er mit der Präsentation der kognitiven Metapherntheorie ab.37 Den polnischen Standpunkt bezüglich der oben erwähnten Konzeption Lakoffs und Johnsons ergänzt Pawelec, indem er die konzeptuelle Metapher kritisch hinterfragt und sie als keine Neuerfindung betrachtet.38

Von besonderem Interesse für diese Arbeit sind Studien, die die Konzeptualisierungsweise am exemplarischen Sprachmaterial analysieren, sei es in einem Sprachsystem oder konfrontativ in zwei oder mehreren Sprachen. Frankowska widmet ihren Beitrag der Phraseologie und der Metaphorik im politischen ←25 | 26→Diskurs in den Jahren 1989–1993. Folgende Metaphernschemata wie POLITIK IST EIN THEATER, POLITIK IST EIN SPIEL, POLITIK IST SPORT oder POLITIK IST KRIEG werden an zahlreichen Beispielen aus diversen politischen Texten exemplifiziert. Die Autorin schlussfolgert, dass sich die ermittelten Metaphernmodelle auf ein schlüssiges und kohärentes Bild zusammensetzen. Die Konzeptualisierungen beziehen sich auf Erfahrungen aus anderen Lebensbereichen, damit erleichtern sie den Empfängern die Angelegenheiten des Staates, der Politiker und auch jegliche gesellschaftlichen Veränderungen zu erfassen.39

Die empirische Studie von Żuk zu den Metaphern der europäischen Integration gehört zu den kognitiv ausgerichteten Arbeiten der polnischen Forschungsliteratur. Seine Analyse ergab viele interessante Metaphernschemata, wie die Kriegsmetaphorik, die Sportwettbewerbsmetaphorik, Spielmetaphorik, Reisemetaphorik, die das Bild Europas skizzieren. In einer weiteren Untersuchung des Autors werden folgende metaphorische Modelle ermittelt, wie: EUROPA IST EIN HAUS und DER AUFBAU DER EUROPÄISCHEN INTEGRATION IST EIN HAUSBAU. Auf die Frage, ob Polen Hausherr oder eher Gast im gemeinsamen Haus Europa ist, wird in diesem Projekt mithilfe von diversen Konzeptualisierungsmustern geantwortet.40

Im Rahmen der polnischen Metaphernforschung wäre eine weitere linguistisch-kognitive Studie von Kominek zur Metaphorik im religiös-ethischen Diskurs zu erwähnen. Anhand eines kognitiven Analyseapparats schildert der Autor die gängigen Metaphernschemata in polnischen Texten zur religiösen Thematik. Die onomasiologische Perspektive lässt diverse Konzeptualisierungsmuster ermitteln, wie das Manipulationsmodell, Metaphernmodell verbunden mit den Sinnen: Sehen, Fühlen und Hören, das Behältermodell oder das Kraftmodell.41 Darüber hinaus wird die ontologische Dimension der analysierten Metaphorik anhand vieler Konzeptualisierungen des BÖSEN als einer Entität bewiesen. Außer den Ontologisierungen nimmt auch das Kriegskonzept und ←26 | 27→die Wegmetapher im untersuchten Korpus eine relevante Stellung ein.42 In einer anderen Untersuchung des Autors wird die Grammatikmetapher in abstrakten Diskursdomänen thematisiert. Die Frage nach der möglichen Projektion vom Abstraktum zum Abstraktum statt nur vom Konkret zum Abstraktum, bestimmt die Analyse des sprachlichen Materials. Die Ergebnisse zeugen eindeutig von der großen Produktivität ausgerechnet dieser Projektion MORALISCHES RECHT IST GRAMMATIK. Diese Konzeptualisierungen belegen die These, dass solche Metaphern als akzeptabel und verständlich eingestuft werden, wobei der Ursprungsbereich (hier die Grammatik) weniger abstrakt als die Zieldomäne ausfällt.43

Für die deutsche Sprache liefern neben vielen anderen Publikationen zu dieser Thematik vor allem Liebert, Baldauf, Drewer, Drößiger und Goschler wertvolle Publikationen im kognitiv-empirischen Sinne.44

Die Forschungen der deutschen Autoren blieben auffallend an die Fachsprache orientiert. Bei Drewer handelt es sich um die Sprache der Physik und die Analyse der dominierenden kognitiven Metaphernmodelle mit dem Zielbereich Schwarze Löcher. Die Autorin beweist, dass die Mehrheit menschlicher kognitiver Strukturen analogisch aufgebaut sei und unabhängig von Textfunktion und Empfänger dieselben Bildfelder verwende. Die Konzeptualisierungen seien sowohl für das fachliche als auch außerfachliche Denk- und Sprechweisen relevant. Vielmehr lassen sich die metaphorischen Vorstellungsmöglichkeiten kaum vermeiden.45 Die Untersuchung ergab Differenzen in der Bildfelddichte, dem Anteil der Ad-hoc-Lexemmetaphern sowie in der Konkretheit der ←27 | 28→Lexemmetaphern, die in popularisierenden Texten höher war als in den Hochschulbüchern oder Schullehrbüchern.46

Das sprachliche Phänomen der konzeptuellen Metaphorik in der Hirnforschung erforscht Goschler in ihrer kognitiv-linguistisch orientierten Arbeit. Die qualitative Metaphernanalyse erfolgt auf der Grundlage der populärwissenschaftlichen Zeitschrift Gehirn & Geist, wobei das Augenmerk auf der Fragestellung liegt, welche Schlussfolgerungen mithilfe von diversen Metaphernfeldern (mit Berücksichtigung der zentralen Herkunftsbereiche wie Raum, Mensch und Technik) auf das konzeptuelle Modell des Gehirns geschlossen werden können. Es ließen sich drei Metaphernkategorien: Reifizierungen/Spatialisierungen, Personifizierungen und technische Metaphern ableiten, wobei aber die Personifizierungen dominieren und auffällige sprachliche Struktur (Anwendung agentivischer Verben) aufweisen.47

Die deutsche Gegenwartssprache wird in der Studie von Drößiger aufgegriffen. Die spezifischen kommunikativen Funktionsanteile der Metaphern, die den Texten und Textsegmenten ein gewisses Charakteristikum verleihen, sowie die Kommunikation fördern, treten in den Vordergrund der kommunikativ-funktionalen Untersuchung. Nicht nur die Metapher als ein Resultat eines dialektischen Prozesses, sondern auch die Metaphorisierung wird hierbei erläutert. Anhand einer Korpusanalyse wird breit der funktionale Aspekt der Metaphern für das Deutsche ausgearbeitet, wie u.a. Bezeichnungsfunktion, referenzielle Funktion und die textkonstituierende Funktion.48

In einer weiteren Arbeit zielt Drößiger auf die Analyse der Metaphorik und Metonymie im Deutschen besonders in der Thematik der Erzeugung, Gestaltung und des Diskurspotenzials des semantisch-kognitiven Raumes Computervirus. Der Autor schlussfolgert anhand eines repräsentativen Korpus, dass das Konzept Computervirus auch außerhalb der Expertenkreise erfolge, indem diverse kognitive Räume wie Biologie/Medizin, Kampf/Krieg herangezogen werden.49 Neben den typischen publizistischen informationsbetonten und meinungsbildenden ←28 | 29→Funktionen der untersuchten Konzeptualisierungen muss vordergründig nach Drößiger auf die bewertende Intention hingewiesen werden, die zum größten Teil abwertend ausklingt. Zentral seien die im ursprünglichen Text vollzogene metonymische Patiens-Agens-Verschiebung und die Ausnutzung solcher referenzidentischer Benennungen für Computervirus. Metaphorische Ausdrücke, die attributiv zu Computervirus oder adverbial zu den Darstellungen in seiner Agens-Rolle verwendet werden, funktionieren in ihrer Grundsemantik der jeweiligen Sprachgemeinschaft als konventionalisierte und teilweise auch kodifizierte pejorative Aussagen.50

Ausgehend von der kognitiven Linguistik und der kognitiven Lexikographie konzentriert sich Liebert in seiner Abhandlung zu Metaphernbereichen der deutschen Alltagssprache auf die Frage, ob die Linguistik ein Teil der kulturellen Kohärenz – nämlich das Metaphernsystem und die kognitiven Modelle – erfassen kann. Zuerst werden Metaphern in semasiologischen und onomasiologischen Wörterbüchern analysiert. Die Untersuchung von zwei exemplarischen Konzeptmetaphern ZEIT IST GELD und GELD IST WASSER als Ausschnitt des Netzes fester Metaphern bildet einen weiteren Aspekt der Arbeit, dank dem eine gewisse Veränderung von Begrifflichkeit und alltäglichem Denken in der deutschen Sprachgemeinschaft zum Ausdruck kommt.51

Den Ansätzen der holistischen kognitiven Sprachwissenschaft treu setzt sich Baldauf sowohl im Rahmen der theoretischen als auch empirischen Abhandlung mit der deutschen Alltagsmetaphorik auseinander. Sie geht von der Annahme aus, dass die konzeptuellen Metaphern in Sprache und Denken omnipräsent sind und notwendigerweise als unzertrennliche Komponenten in Betracht gezogen werden müssen.52 Die vorgenommene Klassifikation der Alltagsmetapher wird an Art und Struktur des Herkunftsbereichs orientiert. Dementsprechend werden vier Metaphernklassen unterschieden: Attributsmetaphern, ontologische Metaphern, bildschematische Metaphern und Konstellationsmetaphern.53 Im Rahmen dieser Studie werden metaphorische Konzeptualisierungen auf ←29 | 30→einer abstrakten Ebene analysiert, die die Subkonzepte als Teile der Merkmalcluster bilden.54

2.2 Zur konfrontativen Metaphernforschung

Eine Metaphernanalyse im Sprachvergleich liefert einen substanziellen Beitrag zur kognitiv-semantischen Metaphernforschung und präsentiert die Sprache mit den kulturell bedingten konzeptuellen Modellen, die eine spezifische Denkstruktur widerspiegeln. Die Begründer der kognitiven Metapherntheorie Lakoff und Johnson hoben die Tatsache deutlich hervor, dass jegliche kulturelle Wertvorstellung, die eine Kohärenz im metaphorischen System aufweist, auch tatsächlich existiert und tief in den Denkstrukturen der Kulturgemeinschaft verankert ist.55 Dementsprechend werden in verschiedenen Sprachen die Erfahrungen anders verarbeitet, wahrgenommen und strukturiert. Die konzeptuellen Metaphern unterscheiden sich von Kultur zu Kultur nach der Art, in der das kognitive System die Wirklichkeit der Sprachgemeinschaft interpretiert.

Eine kontrastive Metaphernbetrachtung im Bereich der Nahrung, Nahrungszubereitung und ihr Verzehr liefert Osthus in seiner an dem kognitiven, kommunikativen und textfunktionalen Ansatz gebundenen Untersuchung. Es wird der Fragestellung nachgegangen, inwieweit die oben genannten Bildspender Einblicke in die kulturspezifische bzw. universelle Konzeptwelt bieten. Anhand des zusammengestellten Korpus aus Presseartikeln der beiden nationalen Tageszeitungen Die Tageszeitung und Le Monde werden drei große Teilbereiche der Nahrungsmetaphorik herausgearbeitet, nämlich die Metaphorik des Geschmacks, die Zubereitungsmetaphorik und die Metaphorisierungen einzelner Speisen und Lebensmittel, und daraufhin auf Konvergenzen und Divergenzen in der Denkstruktur des deutsch-französischen Sprachenpaares überprüft.56

Im Zeichen des Kognitivismus bleibt die empirisch ausgerichtete Untersuchung von Nowakowska-Kempna. Die Autorin erforscht gemäß der kognitiven Metapherntheorie die Konzeptualisierungen der Gefühle wie Ärger, Freude, Trauer und Angst im Polnischen und Bulgarischen.57 Die Analyse hat ergeben, ←30 | 31→dass sich das sprachliche Bild der basalen Affekte in beiden Sprachen identisch präsentiert. Gefühle werden als Flüssigkeit, Feuer oder Dampf/Gas konzeptualisiert und führen zur Zerstörung des Behälters des menschlichen Körpers.58

Eine relevante deutsche Publikation zur onomasiologisch-kognitiven Metaphernanalyse stellt Jäkel dar, indem er anhand der Typologie Lakoffs und Johnsons mit einigen kritischen Veränderungen in den einzelnen Fallstudien die deutschen und englischen Konzeptualisierungen der Geistestätigkeit, der Wirtschaft, die Begriffsdomäne der Wissenschaft und des Guten Lebens im religiösen Kontext vorstellt. Der Autor erörtert im Einzelnen, mit welchen sprachlichen und konzeptuellen Mitteln diverse Diskursbereiche operieren und wie Metaphern letztendlich „Wissen schaffen“.59

Der politischen Thematik der sog. Osterweiterung der Europäischen Union in der deutschen und polnischen Presse gilt das Interesse der konfrontativen Abhandlung von Mikołajczyk. Der Sprachgebrauch in seiner medialen Ausprägung, vor allem aber die persuasiven Mechanismen, wie nationale Stereotype und die Metaphern mit dem funktionalen Aspekt, stehen im Vordergrund ihrer Analyse. Die Autorin schlussfolgert anhand der herbeigeführten Pressebeispiele, dass die Funktionen der Metaphorik in der politischen Kommunikation weit über diese der Alltagssprache hinausgehen.60 Im Rahmen der Debatte zum EU-Beitritt Polens erschloss Mikołajczyk drei kognitive Muster, wie das Beitrittsmodel, das Erweiterungsmodell und das Gestaltungsmodell, die den deutschen und polnischen öffentlichen Diskurs metaphorisch prägen.61

Interessant zu erwähnen wäre auch die Arbeit von Brandstetter, in der die Metaphern für die Konstruktion Europas in der deutschen und französischen Sprache verglichen werden. Der Fokus liegt auf den Sprachbildern, die im journalistischen und politischen Bereich gebraucht werden und die Thematik der Integration der EU sowie der WWU betreffen. Die Autorin schlussfolgert, dass in den analysierten Diskursen in beiden Sprachen die Kern- und ←31 | 32→Behälter-Konzepte dominieren und somit von einem Europa der Metaphern gesprochen werden kann.62

Die politischen Metaphern aus den russischen und deutschen Massenmedien werden im Rahmen des interkulturellen Projekts zur Struktur kollektiver Vorstellungswelten mit umfangreichen Datenbanken vom Zeitraum 1997–2000 korpuslinguistisch empirisch erfasst und verglichen.63 Im Sammelband gehen Zybatow und das deutsch-russisch-österreichische Autorenteam in ihren Interpretationen des Diskurses zu Europa, Europa-Politik und politischer Wende bzw. Perestrojka in den beiden Kulturgemeinschaften auf diverse Metaphernmodelle ein. Die Analysen haben ergeben, dass das metaphorische Konzept des Kriegs im Russischen deutlich öfter angewendet wird und den zweiten Platz annimmt, wogegen es im Deutschen seltener gebraucht wird (5. Platz). Die Gegenüberstellung des Sprachenpaares offenbarte zudem die häufige Metaphernanwendung im russischen Diskurs und ihre höhere Aggressivität.64

Die hier vollzogene Studie zur deutschen und polnischen Wirtschaftsmetaphorik exemplifiziert am zusammengestellten Pressematerial, versucht die Lücke im Rahmen der korpusbasiert-kognitiven Arbeiten zu erfüllen, da vergleichbare Analysen der Wirtschaftsmetaphorik für dieses Sprachenpaar nicht vorliegen.


18 Neuere Abhandlungen zur Metaphorik in der Philosophie bei Schneider, Hans Julius (Hrsg.) (1996): Metapher, Kognition, Künstliche Intelligenz. München; Zimmermann, Anja (2014): Biologische Metaphern. Zwischen Kunst, Kunstgeschichte und Wissenschaft in Neuzeit und Moderne. Berlin; siehe zu Metaphern Sozialwissenschaften bei Junge, Matthias (Hrsg.) (2010): Metaphern in Wissenskulturen. Wiesbaden; Metaphorik in der Theologie siehe Kominek, Andrzej (2009): Metafory prawa moralnego w dyskursie religijno-etycznym. Kielce.

19 Siehe Jäkel, Olaf (2003b): Wie Metaphern Wissen schaffen: Die kognitive Metapherntheorie und ihre Anwendung in Modell-Analysen der Diskursbereiche Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Hamburg, S. 113–128.

20 Vgl. Głowiński, Michał (1983): Metafora, demetaforyzacja, konteksty. [In:] Głowiński, Michał/Okopień-Sławińska, Aleksandra (Hrsg.): Studia o metaforze II. Wrocław et al., S. 89; Lakoff, George/Johnson, Mark (2008): Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Heidelberg, S. 8–11.

21 Wie es auch Okopień-Sławińska (vgl. a.a.O., S. 15) treffend betonte, handelt es sich bei der metaphorischen Tradition um eine 24 Jahrhunderte alte Geschichte mit einer unendlichen Menge an theoretischen sowie empirischen Auseinandersetzungen mit diesem sprachlichen Phänomen.

22 Im Rahmen der Kognitiven Linguistik bestehen neben der Conceptual Metaphor Theory weitere theoretische Versuche, wie das Standard Pragmatic Model of Metaphor von Searle (1979), der theoretische Ansatz von Sam Glucksberg (2001), die Anwendung der Relevanztheorie auf Metaphern von Sperber & Wilson (1995) und Cartsin (2002) oder das mathematische Interaktionsmodell der Metapher von Indurkhya und Bipin (1992). Vgl. Goschler, Juliana (2008): Metaphern für das Gehirn. Eine kognitiv-linguistische Untersuchung. Berlin, S. 11.

23 Vgl. Bogusławski, Andrzej (1971): O metaforze. [In:] Pamiętnik Literacki, 1971, H. 4, S. 113–126.

24 Vgl. Bogusławski, Andrzej (1983): Interpreacja nieliteralna, metafora, proporcja analogiczna. [In:] Głowiński, Michał/Okopień-Sławińska, Aleksandra (Hrsg.) (1983): Studia o metaforze II. Wrocław, S. 67. „Jest to z pewnością narzędzie cenne. Ale nie stanowi ono jednoznacznego kryterium operacyjnego, z którym gotowi bylibyśmy powiązać jednoznacznie funkcjonujące w jakiś sposób rozróżnienie metaforyczności lub nielitaraloności i ich braku“.

25 Vgl. Bogusławski, Andrzej (1983): Interpreacja nieliteralna, metafora, proporcja analogiczna. [In:] Głowiński, Michał/Okopień-Sławińska, Aleksandra (Hrsg.) (1983): Studia o metaforze II. Wrocław, S. 70–71.

26 Vgl. Jakobson, Roman (1964): Dwa aspekty języka i dwa typy zakłócen afatycznych. [In:] Jakobson, Roman/Halle, Morris (1964): Podstawy języka. Wrocław, S. 113. Parallele Bezeichnungen für diese Metapherntypen wären: metafora syntagmatyczna oder konfrontacyjna für die Metaphern in absentia und metafora paradygmatyczna oder ewokującafür die Metaphern in presentia. Vgl. Markiewicz, Henryk: Nauki o semantyce i budowie metafory. [In:] Głowiński, Michał/Okopień-Sławińska, Aleksandra (Hrsg.) (1983): Studia o metaforze II. Wrocław.

27 Vgl. Wierzbicka, Anna (1971): Porównanie – gradacja – metafora. [In:] Pamiętnik Literacki, 1971, Nr. 4, S. 127–148, zit. nach Dobrzyńska, Teresa (1984): Metafora. Wrocław et al., S. 35ff.

28 Hierbei sind die Verbindungen zur antiken Rhetorik von Aristoteles und später Quintilian zu beobachten; der Erste betrachtete die Metapher als zentrale semantische Figur, der Zweite führte hierfür den Oberbegriff Tropus ein – vgl. Kohl, Katrin (2007): Metapher. Stuttgart, S. 3.

29 Siehe Cohen, Jean (2009): Structure du langage poétique. Paris; siehe Todorov, Tzvetan (1967): Littérature et signification. Paris; siehe Dubois, Jacques (et al.) (1970): Rhétorique générale. Paris; siehe Richards, Ivor Armstrong (1965): The Philosophy of Rhetoric. Sydney.

30 Vgl. Dobrzyńska, Teresa (1984): Metafora. Wrocław et al., S. 6–31.

31 Ebd., S. 46–47.

32 Vgl. ebd., S. 49. In dieser Hinsicht lässt sich der Bezug auf die Blacks Metaphernstruktur und Doppeleinheit mit dem Tenor und Vehicle beobachten. Vgl. Rolf, Eckard (2005): Metapherntheorien. Typologie. Darstellung. Bibliographie. Berlin, S. 35ff.

33 Vgl. Żmigrodzki, Piotr (1995): Zdania metaforyczne w języku polskim. Opis semantyczno-składniowy. Katowice, S. 48ff.

34 Vgl. ebd., S. 85–132.

35 Vgl. Wróblewski, Piotr (1998): Struktura, typologia i frekwencja polskich metafor. Białystok, S. 34ff.

36 Vgl. ebd., S. 229f.

37 Vgl. Świątek, Jerzy (1998): W świecie powszechnej metafory. Metafora językowa. Kraków.

38 Vgl. Pawelec, Andrzej (2006): Metafora pojęciowa a tradycja. Kraków, S. 9.

39 Vgl. Frankowska, Maria (1994): Frazeologia i metaforyka w tekstach politycznych lat 1989–1993. [In:] Anusiewicz, Janusz/Siciński, Bogdan (Hrsg.) (1994): Język polityki a współczesna kultura polityczna. Język a kultura. Bd. 1. Wrocław, S. 21–46.

40 Vgl. Żuk, Grzegorz (2004): Polacy – gospodarze czy goście w europejskim domu? Dwa punkty widzenia w polskim dyskursie publicznym. [In:] Bartmiński, Jerzy/Niebrzegowska-Bartmińska, Stanisława/Nycz, Ryszard (Hrsg.) (2004): Punkt widzenia w tekście i dyskursie. Lublin, S. 147–158.

41 Vgl. Kominek, Andrzej (2009): Metafory prawa moralnego w dyskursie religijno-etycznym. Kielce, S. 125–186.

42 Vgl. Kominek, Andrzej (2009): Metafory prawa moralnego w dyskursie religijno-etycznym. Kielce, S. 213–293.

43 Vgl. Kominek, Andrzej (2012): Gramatyka jako metafora w abstrakcyjnych domenach dyskursu. [In:] LingVaria VII (2012)/1 (13), S. 66f.

44 Weitere wertvolle Arbeiten im Rahmen der deutschen Metaphernforschung bei Blumenberg, Hans (1998): Paradigmen zu einer Metaphorologie. Frankfurt am Main; Debatin, Bernhard (1995): Der metaphorische Code der Wissenschaft. Zur Bedeutung der Metapher. Eine sprachphilosophische und kommunikationstheoretische Untersuchung. Berlin, New York; Rolf, Eckard (2005): Metaphertheorien. Typologie, Darstellung, Bibliographie. Berlin.

45 Vgl. Drewer, Petra (2003): Die kognitive Metapher als Werkzeug des Denkens: Zur Rolle der Analogie bei der Gewinnung und Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Tübingen, S. 389.

46 Vgl. Drewer, Petra (2003): Die kognitive Metapher als Werkzeug des Denkens: Zur Rolle der Analogie bei der Gewinnung und Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Tübingen, S. 388–391.

47 Vgl. Goschler, Juliana (2008): Metaphern für das Gehirn. Eine kognitiv-linguistische Untersuchung. Berlin.

48 Vgl. Drößiger, Hans-Harry (2006): Metaphorik in der deutschen Gegenwartssprache. Funktional-kommunikative Aspekte. Hamburg.

49 Es handelt sich um die Diskursbereiche der allgemeinen und Computerpublizistik zwischen den Jahren 1988 und 2005.

50 Vgl. Drößiger, Hans-Harry (2007): Metaphorik und Metonymie im Deutschen. Untersuchungen zum Diskurspotenzial semantisch-kognitiver Räume. Hamburg, S. 313.

51 Vgl. Liebert, Wolf-Andreas (1992): Metaphernbereiche der deutschen Alltagssprache. Kognitive Linguistik und die Perspektiven einer Kognitiven Lexikographie. Frankfurt am Main.

52 Vgl. Baldauf, Christa (1997): Metapher und Kognition. Grundlagen einer neuen Theorie der Alltagsmetapher. Frankfurt am Main.

53 Vgl. ebd., S. 92.

54 Vgl. ebd., S. 266f.

55 Vgl. Lakoff, George/Johnson, Mark (2008): Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Heidelberg. 6. Aufl., S. 32.

56 Vgl. Osthus, Dietmar (2000): Metaphern im Sprachvergleich. Eine kontrastive Studie zur Nahrungsmetaphorik im Französischen und Deutschen. Frankfurt am Main.

57 Vgl. Nowakowska-Kempna, Iwona (2000): Konceptualizacja uczuć w języku polskim. Część II. Data. Warszawa.

58 Vgl. ebd., S. 389f.

59 Jäkel, Olaf (2003b): Wie Metaphern Wissen schaffen. Die kognitive Metapherntheorie und ihre Anwendung in Modell-Analysen der Diskursbereiche Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Hamburg, S. 285.

60 Vgl. Mikołajczyk, Beata (2004): Sprachliche Mechanismen der Persuasion in der politischen Kommunikation. Dargestellt an polnischen und deutschen Texten zum EU-Beitritt Polens. Frankfurt am Main, S. 154.

61 Vgl. ebd., S. 145–153.

62 Vgl. Brandstetter, Barbara (2009): Behälter, Clubs, Kreise und verschiedene Geschwindigkeiten. Metaphern für die Konstruktion Europas. [In:] Metaphorik.de 17/2009, S. 21f.

63 Siehe Zybatow, Lew N. (Hrsg.) (2006): Kulturelle Vorstellungswelten in Metaphern. Metaphorische Stereotypen [sic!] der deutschen und russischen Medien als Hypertext. Frankfurt am Main.

64 Vgl. Zinken, Jörg/Baranov, Anatolij (2006): Allgemeine Beschreibung der Metaphernmodelle: russisch vs. deutsch. [In:] Zybatow, Lew N. (Hrsg.): Kulturelle Vorstellungswelten in Metaphern. Metaphorische Stereotypen [sic!] der deutschen und russischen Medien als Hypertext. Frankfurt am Main, S. 177.

←32 | 33→

3. Zur Spezifik der kognitiven Metapher

Ein solcher Zwang, auf Metaphern zurückzugreifen, signalisiert,

dass die menschliche Sprache […]in einem komplizierten Gefüge

komplexer Ausdrucks- und Mitteilungsweisenbesteht,

die ganz wesentlich von Analogien und Metaphern geprägt sind.

Matthias Kroß

3.1 Kognitiver Rahmen einer Metaphernforschung

Die Abwendung vom behavioristischen Forschungsansatz und die Berücksichtigung aller Strukturen menschlichen Wissens einschließlich mentaler Prozesse der Aufnahme, Speicherung und Anwendung von Informationen, d.h. die sog. kognitive Wende in der Psychologie, erfolgte in den 60er Jahren des 20. Jh. und ermöglichte somit der kognitiven Linguistik, einer sprachtheoretischen Disziplin im Rahmen der cognitive science, das Aufkommen mit ihrem Hauptanliegen, die Relationen zwischen Sprache und Denken zu erforschen.65 Erst mit dieser Veränderung hat sich die Metapher „von der sprachlichen Ausnahme zur kognitiven Regel“66 entwickelt. Die kognitive Sprachwissenschaft gewann in Europa erst in den 80er Jahren an Popularität, wogegen sie sich in den USA schon in den 70er Jahren mit den Arbeiten von Fauconnier, Fillmore, Lakoff, Langacker und Talmy etablierte.67

←33 | 34→

Mit dem kognitiven Paradigma rückt das mentale Kognitions- und Kenntnissystem in den Mittelpunkt des linguistischen Interesses.68 Tabakowska deutet die Sprache in diesem Zusammenhang als einen relevanten menschlichen Erkenntnisapparat, dass alle kognitiven Fähigkeiten, wie Wahrnehmung, Kategorisieren, Emotionen und abstrakten Gedankengang umfasst und auf gegenseitigem Einfluss basiert. Mit der Erforschung der Sprache wird somit auch der menschliche Gedankenaustausch zum Untersuchungsgegenstand.69

Kognition, ein relevanter aber auch breiter Terminus der Kognitionswissenschaften, impliziert somit auch die menschliche Sprachfähigkeit mit allen dazugehörigen Komponenten, wie Spracherwerb, Rezeption und Produktion, die zusammen eine Einheit darstellen und keineswegs getrennt betrachtet werden können. Schwarz definiert den Begriff der menschlichen Kognition als „die Menge aller geistigen Strukturen und Prozesse […], [als, K.K.] Gesamtheit menschlicher Wissensaktivitäten“.70 Die linguistischen Erforschungen sprachlicher Aussagen offenbaren die Informationen über den menschlichen Geist mit den zugehörigen mentalen Strukturen, kognitiven Aktivitäten und Fähigkeiten. Die kognitive Sprachwissenschaft, so Langacker, soll festlegen, wie die Sprache erworben und gebraucht wird, sowie bestimmen, was die Sprachkenntnis ausmacht. Kognitiv orientierte Studien sind verpflichtet, bei jeder Sprachanalyse die universellen menschlichen kognitiven Fähigkeiten zu berücksichtigen.71 Des ←34 | 35→Weiteren wird bei Langacker betont, dass die vollständige Sprachbeschreibung, wie die zwei Seiten der Medaille, soziale und kulturelle Kontexte miteinbeziehen muss.72

Die Ergebnisse kognitiv orientierter Arbeiten entstehen interdisziplinär.73 Introspektion sowie experimentelle Herangehensweise charakterisieren die meisten Studien aus diesem Bereich.74 Die Notwendigkeit metapherntheoretische Ausführungen mit sprachlichen Korpora zu belegen, ist in der Fachliteratur mehrfach betont worden, wie beispielsweise bei Baldauf oder Jäkel.75

Distanziert vom rein syntaktischen, formellen Ansatz zielt die kognitive Linguistik auf Untersuchungen semantischer, inhaltlicher Strukturen und integriert auch die prozedurale Kompetenz in die Untersuchungen.76 Die menschliche Sprachfähigkeit wird sowohl als mentales als auch prozedurales System begriffen.77 Die Untersuchungen, die in die zwei zentralen Forschungsbereiche der kognitiven Sprachwissenschaft – die kognitive Semantik und kognitive ←35 | 36→Grammatik – fallen, folgen dem Postulat der sprachlichen Universalien und dem Postulat der kognitiven Motiviertheit der Sprache. Die oben genannten Prinzipien besagen, dass sich alle sprachlichen Phänomene auf allgemeine kognitive Prinzipien und Regeln zurückführen lassen.78

Außer der Metapherntheorie von Lakoff sind noch weitere Ansätze im Rahmen der kognitiven Linguistik anzuführen, wie die kognitive Bildgrammatik von Langacker, die Raum- und Prozesssemantik von Talmy, die Konstruktionsgrammatik von Fillmore und Kay sowie das Modell der mentalen Karten und der konzeptuellen Integration von Fauconnier und Turner.79

In der Polonistik lässt sich die kognitive Linguistik in zwei bedeutsame Strömungen differenzieren: die der amerikanischen kognitiven Linguistik treue Strömung und das polnische ethnokognitive Modell des sprachlichen Weltbildes.80 Die ethnolinguistische Konzeption, die ihre Anfänge seit dem Erscheinen des Konversatoriums Język a kultura 1988 datiert, sieht ihre Aufgabe in den Untersuchungen der Sprache in Bezug auf ihre Geschichte, kulturelle Besonderheiten, Gruppenmentalität, Verhaltensweisen und Wertesystem im Rahmen bestimmter gesellschaftlichen Gruppen.81 Des Weiteren zielen die Ethnolinguisten auf die Rekonstruktion des sprachlichen Weltbildes, wobei der Mensch mit seinen sprachlichen Erfahrungen und das Untersuchen der funktionellen Seite der Sprache im Vordergrund stehen.82 Anusiewicz, bedeutender ←36 | 37→Ethnolinguist der Lubliner Schule, ordnet der Sprache nicht nur informative Funktionen zu, vielmehr betrachtet er sie als ein Medium, ein Phänomen aber auch Prozess, die gewisse kulturelle Leistungen jeweiliger Gesellschaften widerspiegelt.83

3.2 Kognitive Metapherntheorie

Im Rahmen der sich seit den 70er Jahren des 20. Jh. entwickelten und noch heute weit verbreiteten kognitiven Semantik bilden Analysen metaphorischer Aussagen den Mittelpunkt des Interesses. Es ist das Ziel solcher Studien, einen Vergleich zwischen den Denkstrukturen, dem menschlichen Erkenntnisvermögen und den sprachlichen Erscheinungsformen zu ziehen. Durch Analyse der sprachlichen Äußerungen werden Einsichten in die Arbeitsweise der Kognition offengelegt. Anderseits können die Sprachmaterialien als Folgen bestimmter Gedankengänge betrachtet werden.84Aus den Ansätzen der kognitiven Semantik geht hervor, dass die Sprache nicht mehr als ein isoliertes Phänomen, sondern immer vor dem Hintergrund der allgemeinen menschlichen kognitiven Strukturen zu sehen ist.

Wildgen nennt die Rhetorik, darunter Metapher und Metonymie, die ins Zentrum kognitionslinguistischer Untersuchungen rücken, die zweite Säule der kognitiven Grammatik (neben der Prototypentheorie in der Tradition von ←37 | 38→Rosch sowie der Schematheorie).85 Der Schwerpunkt liegt nicht allein, wie in der klassischen Redekunst, auf dem Wort selbst, wie etwa das bekannte Beispiel von Aristoteles Lebensabend, sondern es werden neben der Lexik und Morphosyntax auch die Texte berücksichtigt.86 Die Tatsache, dass sich die Metaphern auf diversen linguistischen Ebenen untersuchen lassen, steht außer Frage und wurde mehrmals in der Fachliteratur erwähnt.87

Die kognitive Metapherntheorie, die Anfang der 80er Jahre von George Lakoff und Mark Johnson etabliert wurde und große wissenschaftliche Resonanz fand, dient mit kritischer Hinterfragung als theoretische Grundlage der folgenden empirischen Untersuchung.

3.3 Begriffsbestimmung

Angesichts der terminologischen Vielfalt werden in diesem Kapitel die für diese Arbeit grundlegenden Termini erläutert. Eine klare Begriffsbestimmung ist umso erschwert, da der Terminus Metapher je nach Forschungsansatz, Theorie und wissenschaftlicher Perspektive stark variiert. Um nur einige Beispiele zu nennen, lassen sich folgende in der Literatur gängige Begriffe, wie Übertragung, Symbol, Bild, Vergleich, Personifikation, Figur, Metonymie oder Chiffre etc. aufzählen.

Das klassische Metaphernverständnis wird gemäß der antiken Vergleichstheorie Aristoteles und Substitutionstheorie Quintilians ausschließlich von der schmückenden Funktion geprägt und basiert auf der Tatsache der vorhandenen Ähnlichkeit bzw. Analogie zwischen zwei Sachverhalten. Die laterale Seite der Metapher sei hierbei primär, wobei der Unterschied zwischen der metaphora und dem Vergleich nur im Vergleichspartikel „wie“ bestehe. „Wenn man nämlich [hinsichtlich des Achilleus] sagt: ‚Wie ein Löwe stürzte er auf ihn‘, so ist es ein Gleichnis; sagt man aber: ‚Ein Löwe stürzte auf ihn‘, dann ist es eine Metapher.“88 ←38 | 39→Laut der Substitutionstheorie sei die Übertragung ein vom Normalgebrauch abweichender Ausdruck, eine Anomalie bzw. grammatischer Regelverstoß.

Metaphernbezogene Auseinandersetzungen sind nicht nur an linguistische Arbeiten gebunden, sondern nehmen vor allem im Falle philosophischer Abhandlungen viel Raum ein. Kroß drückt im Sinne Wittgensteins die Relevanz der metaphorischen Ausdrucksweise im alltäglichen Bereich aus und betrachtet das Sprechen als ein wechselseitiges Übertragen von Inhalten zwischen der Welt und der Sprache. Die Metapher sei in seinen Augen „die Regelhaftigkeit von Sprachspielen und damit auch die Regelhaftigkeit der Welt.“89 Vielmehr sieht er in der menschlichen Fähigkeit Metaphern zu bilden, den Fundamentalbegriff des Sozialen.90

In der Philosophiegeschichte liefert auch Nietzsche Aussagen zum Sinnbild der Metapher, indem er die Sprachbilder nicht nur zu sprachlichen, nicht-wörtlichen Ausdrücken zählt. Aussagen über ein außersprachliches Element und jedes Benennen solcher Gegenstände seien für ihn schon Metaphern, die die referierten Elemente sprachlich repräsentieren.91

Ricœur betrachtet die Metapher in seiner Paradoxietheorie vielmehr als einen Prozess, der neben einer Fülle von unübersetzbaren Informationen auch Bilder sowie Emotionen evoziert und somit neben der informativen Funktion auch eine konstitutive inne trägt.92 Die metaphorische Aussage sei paradox, betont Ricœur, es gäbe keine andere Möglichkeit, als das gleichzeitige „ist und nicht ist“.93 Das Paradox der Kopulaverben zeigt gewisse Spannung zwischen dem Wörtlichen und dem Metaphorischen, zwischen dem „Sein“ und dem „Sein wie“.94

Der klassischen rhetorischen Lehre treu geht Coenen von der Annahme aus, dass nicht jede Analogie eine Metapher gründet, aber jede Metapher eine Ähnlichkeit bzw. Analogie voraussetze. Wenn die metaphorische Bedeutung ←39 | 40→zweier Beschreibungen identisch ist, kann die Metapher verstanden werden.95 Die wesentlichen Unterschiede zwischen der Metapher und dem analogischen Verfahren werden darüber hinaus ausgearbeitet. Die Metapher, so Coenen, strukturiert die Begriffswelt neu. Das sogenannte Wurzelprädikat der zugrunde liegenden Analogie wird zum bedeutungstragenden Element der üblichen Bezeichnung des zweiten Analogiepartners. Im Falle des bildlichen Vergleichs verwendet der Sprecher diese Bezeichnung zur normalen Benennung des Analogiepartners. Das Wurzelprädikat wird beim Vergleich als tertium comparationis deutlich genannt aber nicht im Namen des zweiten Analogiepartners.96

Die Ansätze von Richards und Black tragen zu der damals vorwärtsschreitenden Veränderung des Blickwinkels bezüglich der Metapher bei. Wie es Baldauf treffend konstatierte: „stehen [Beiträge von Richard und Black; K.K.] somit nicht nur am Anfang eines neuen philosophischen Interesses am Phänomen der Metapher, sondern auch am Anfang einer neuen Wendung der Metapherndiskussion überhaupt.“97 Aus der Interaktionstheorie Blacks und Richards geht hervor, dass die Metapher nur im Rahmen der ganzen Einheit des Satzes zu betrachten sei und auf der Basis einer interaktiven bidirektionalen, reziprokenVerbindung zwischen Erst- und Zweitgegenstand, d.h. zwischen Tenor und Vehicle bei Richards und Focus und Frame bei Black funktioniere.98

Einer der Vorläufer der kognitiven Metapherntheorie, Hans Blumenberg, geht in seiner Metaphorologie von einer absoluten Metapher aus, die nicht „zum bloßen technischen Rüstzeug der ‚Wirkungsmittel‘ “ gehört, sondern „Übertragungen, die sich nicht ins Eigentliche, in die Logizität zurückholen lassen“ darstellt.99 ←40 | 41→Im Sinne Blumenbergs gelten also die Metaphern als fundamentale Einheiten, als Grundbestände der Sprache. Des Weiteren sieht der Autor die Aufgabe der Metaphernforschung darin,

Metaphorologie als historisch ausgerichteter Ansatz handelt von der Rolle der Metaphern in der menschlichen Erfahrungswelt: „Dieses implikative Fragen hat sich immer wieder in Metaphern ‚ausgelebt‘ und aus Metaphern Stile von Weltverhalten induziert“101, woran die enorme kognitive Leistung nämlich das Erschließen neuer Gegenstandsbereiche durch metaphorische Aussagen zu erkennen wäre. Der Autor postuliert in seiner Theorie die Unverzichtbarkeit der Metaphern in wissenschaftlichen sowie philosophischen Kontexten, da sie aus pragmatischer Sicht der Welt Struktur verleihen und den Menschen eine Orientierungshilfe liefern.102

Die Bildfeldtheorie Harald Weinrichs kann ebenso als ein wegbreitender Theorieansatz der kognitiven Metapherntheorie angesehen werden und liefert für diese Arbeit wertvolle Hinweise auf die Merkmale metaphorischer Aussagen.Weinrich sieht in der Metapher viel mehr als nur eine sprachliche, rhetorische Verzierung.Weinrichs Bildfelder entsprechen den konzeptuellen Metaphern der kognitiven Metapherntheorie, weiter der Bildspender und Bildempfänger dem Ursprungs- und Zielbereich. Dabei dürfen die einzelnen Metaphern nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer in der Beziehung zur größeren Einheit des Textes, im sogenannten feldartigen Kontext.103

Für Weinrich sei die Metapher vom Text stark determinierbar, ein Teil des Kontextes, des Ganzen: „Ein Wort in einem Text setzt eine bestimmte Kontexterwartung vor, die von dem tatsächlichen Kontext enttäuscht werden kann. Die Metapher ist definierbar als ein Wort in einem konterdeterminierenden ←41 | 42→Kontext.“104 Zahlreiche Beispiele wie WELTTHEATER, WORTMÜNZE oder LEBENSREISE offenbaren große Ähnlichkeit mit den konzeptuellen Metaphern, die zwar als Nominalkomposita aufgeschrieben werden, dennoch aber gewisse Elemente, wie Domänenkorrelation oder Gerichtetheit der konzeptuellen Metaphern vorwegnehmen.105

Netzel konstatiert in ihrer interdisziplinären Abhandlung metaphorische Einzelheiten, den funktionalen Aspekt sowie den Status der Metaphern in der Wissenschaftssprache. In ihren Augen fungiert die Metapher als ein grundlegendes kognitives Instrument, als „Brücke zu kognitivem Neuland“106. Die Metapher, so Netzel, erfüllt eine orientierende Funktion und ermöglicht eine kreative Auseinandersetzung mit der Welt. Die verfestigten Metaphern, die in den alltäglichen Sprachgebrauch übergangen sind, spielen eine große Rolle in der gelungenen Kommunikation über komplexe und oftschwer fassbare Themen.107

Tabakowska führt den Terminus Metapher vor dem Hintergrund der kognitiven Metapherntheorie aus und betrachtet ihn vordergründig als ein auf Analogie basierendes Phänomen, wobei die Rolle der subjektiven sprachlichen Fähigkeit der einzelnen Sprecher nicht außer Acht gelassen wird. Die Ähnlichkeit ergibt sich in diesem Falle aus der subjektiven Betrachtungsweise der Wirklichkeit und wird nur dort realisiert, wo sie auch wahrgenommen wird. Relevant erscheint dabei die Anerkennung der subjektiven Rolle des Sprechers, der durch seine individuellen Erfahrungen in der Lage ist, Analogien zu bemerken.108

Kohls Metaphernverständnis, das auf Grundlage kognitiver Erkenntnisse und der von de Saussure formulierten Sprachtheorie fußt, mag auch in der vorliegenden Arbeit Zustimmung erfahren. Die Autorin postuliert die Unzertrennlichkeit des kognitiv-sprachlichen Prozesses, in dem gedankliche Vorstellungen in der ←42 | 43→Sprache selbst zum Vorschein kommen und demgemäß individuelle und kulturspezifische Faktoren berücksichtigt werden. Die individuell konstruierte und artikulierte Metapher hängt immer mit der physischen Wahrnehmung, körperlichen Erfahrung, dem rationalen Denken, den Emotionen sowie dem physischen und gesellschaftlichen Kontext des Individuums zusammen.109

Mit dem Beispiel LEBEN IST EINE REISE wird bei Kövecses die konzeptuelle Metapher als ein Element der Domäne REISE, die wiederum mit den entsprechenden Teilen der Domäne LEBEN korrespondieren, erläutert. Die Regel A ist B stellt eine Explikation dar, mit der die Projektionen zwischen zwei Begriffsdomänen versinnbildlicht werden.110 Die Domäne (auch Frame) A wird anhand der Domäne B verstanden, d.h., dass Elemente des physischen, greifbaren Herkunftsbereichs (B) auf den abstrakten, schwer verständlichen Zielbereich (A) projiziert werden. Es wird, ähnlich wie bei Lakoff und Johnson, neben der sprachlichen, auch auf die soziale, kulturspezifische und vor allem konzeptuelle Perspektive der Metapher hingewiesen. Kövecses betont, dass die zwei verschiedenen Begriffsbereiche kognitiv verankert sind und auf gewissen strukturellen Ähnlichkeiten sowie individuellen Erfahrungen der Sprecher basieren.111

Im Rahmen konfrontativer Analysen erscheinen die von Kövecses formulierten Annahmen hinsichtlich der kulturellen Frames bzw. Modelle besonders wertvoll, da sie die Erforschung weiterer kultureller und sozialer Besonderheiten ermöglichen. Dies wird damit begründet, dass die Metapher nicht nur als sprachlich-begriffliches Phänomen betrachtet wird, vielmehr zur sozial-kulturellen Erscheinung heranwächst.112

←43 | 44→

In der vorliegenden Arbeit wird der Terminus der Metapher als ein in der Alltagssprache durch individuelle und auch kulturbedingte Erfahrung realisierbares Konzept verstanden, der mit ihrer kognitiven Funktion zur alltäglichen Erkenntnis beiträgt.113 Ferner fallen in diesen Bereich sowohl feste, lexikalisierte metaphorische Ausdrücke als auch nicht lexikalisierte Ad-hoc-Metaphern, wenn sie einem festen Metaphernkonzept folgen. Menschen greifen nach der Übertragung, um sich kreativ auszudrücken oder um schwer fassbare Themen zu begreifen.

3.4 Merkmale der Metapher

3.4.1 Alltagssprachlichkeit der Metapher

In der Conceptual Metaphor Theory gehen George Lakoff und Mark Johnson von der metaphorischen Alltagsprachlichkeit aus, dass „die Metapher unser Alltagsleben durchdringt, und zwar nicht nur unsere Sprache, sondern auch unser Denken und Handeln. Unser alltägliches Konzeptsystem, nach dem wir sowohl denken als auch handeln, ist im Kern und grundsätzlich metaphorisch“.114 Ihr Hauptwerk Metaphor We Live By gehört sicherlich zu den bekanntesten Positionen zur Metaphernproblematik und ist von der Erstausgabe im Jahre 1980 bis heute vielmals im Rahmen mehrerer Disziplinen rezipiert worden.115

Rolf betrachtet in seiner Klassifikation die Konzeptualisierungstheorie der Metapher im Rahmen der semiotischen Theorien, genauer gesagt als einen ←44 | 45→leistungsbezogenen und funktionalen Ansatz und charakterisiert sie treffend mit Worten Richards wie folgt:

Aus den Ausführungen Lakoffs und Johnsons geht hervor, dass die Konzepte das Denken, Leben und Handeln weitgehend mitprägen, wobei der unbewusste Aspekt und die Omnipräsenz der Metaphern im Alltagsleben ausdrücklich betont wird.117

3.4.2 Kognitive Leistung der Metapher

Ein weiteres Axiom der kognitiven Metapherntheorie besteht darin, dass die Sprache als enorme Erkenntnisquelle für die Beschaffung des menschlichen Konzeptsystems und unsere Wahrnehmung fungiere.118 In diesem Sinne werden bei Mangasser-Wahl Konzepte als Einheiten der Kategorisierung betrachtet, die weiter als kulturabhängige Bestandteile kognitiver Prozesse, aber auch Ergebnisse sprachlich-kognitiver Handlungen angesehen werden. Der einzige Zugang zu den nicht beobachtbaren Konzepten liefert somit die Sprache in allen ihren Nuancen.119

3.4.3 Metaphorische Projektion und ihre Regelmäßigkeiten

Mit der Kriegsmetaphorik exemplifizieren Lakoff und Johnson das Wesen und die Gesetzmäßigkeiten der konzeptuellen Metapher. Argumentieren ist Krieg dient hier als Standardbeispiel, anhand dessen sich die metaphorische ←45 | 46→Projektion (mapping) näher erklären lässt.120 Für die sogenannte konzeptuell-metaphorische Domänenverbindung „X ist Y“, wobei als Ursprungsbereich bzw. Herkunftsbereich Y und als Zielbereich X verstanden wird, gilt die weitere zentrale These der Theorie Lakoffs und Johnsons, dass der abstrakte und komplexe Zielbereich X (hier: die Wirtschaft und damit verbundene Prozesse) durch den konkreten, erfahrungsnahen und sinnlich wahrnehmbaren Ursprungsbereich Y konzeptualisiert wird.121 Relevant und distinktiv für weitere Metapherntheorien ist die einseitige, unumkehrbare Beziehung zwischen X und Y, d.h., dass die Projektion vom Zielbereich auf den Ursprungsbereich nur in diese Richtung erfolgt.122

Jäkel stellt für die konzeptuelle Metapher gemäß der kognitiven Metapherntheorie folgende Definition auf:

Konzeptuelle Metapher bestehen in der systematischen Verbindung zwischen zwei verschiedenen konzeptuellen Domänen, von denen die eine (X) als Zielbereich (target domain) und die andere (Y) als Ursprungsbereich (source domain) der metaphorischen Übertragung (metaphorical mapping) fungiert. Auf diese Weise wird X als Y verstanden, die eine konzeptuelle Domäne durch Rückgriff auf einen anderen Erfahrungsbereich kognitiv verfügbar gemacht.123

Die Metapher, verstanden als ein semantisch-konzeptuelles Phänomen, kann mit dem Kürzel X ist Y näher erläutert werden, sodass beispielsweise die Konzeptualisierung ZEIT IST GELD die Relationen zwischen zwei unterschiedlichen Domänen, dem abstrakten, schwer erklärbaren Zielbereich der Zeit, wobei dieses Lexem nicht immer vorhanden sein muss, und dem physisch greifbaren ←46 | 47→Ursprungsbereich des Geldes aufgedeckt.124 Schwarz spricht hierbei von der Brückenfunktion der Metapher, die sehr oft in Sachen des menschlichen Geistes und seiner zentralen Komponenten Anwendung findet.125

3.4.4 Kohärenz der metaphorischen Konzepte

Die weitere These der Lakoff’schen Theorie besagt, dass wir es im Falle der konzeptuellen Metapher mit komplexer metaphorischer Kohärenz und ausgeprägter Systematik metaphorischer Konzepte zu tun haben. Die Urheber der kognitiven Metapherntheorie analysieren den systematischen Aufbau des metaphorischen Konzepts und somit auch gewisse Muster und Systematik in der Sprache anhand der Kriegsmetapher. Die kriegerische Terminologie beim Argumentieren wird als eine kulturspezifische Angelegenheit betrachtet, die „unser Handeln und unser Verständnis von unseren Handlungen beim Argumentieren […] strukturieren“.126 Die Autoren gehen davon aus, dass „der größte Teil unseres normalen Konzeptsystems metaphorisch strukturiert ist; das heißt, daß wir die meisten Konzepte partiell von anderen Konzepten her verstehen“.127 Metaphorische Kohärenz, die auch kulturbezogene Wirkungen mit sich trägt, lässt sich sowohl für das Englische als auch das Deutsche mit dem Zeitkonzept beweisen, weil „die Zeit nach der Metapher Die Zeit ist ein bewegliches Objekt strukturiert, wobei sich die Zukunft auf uns zubewegt: Die Zeit wird kommen, wenn… Die Zeit ist schon lange vorbei, seit …“.128

←47 | 48→

Die konventionalisierten Metaphern, die hauptsächlich als Untersuchungsgegenstand im Sinne der kognitiven Metapherntheorie gelten, strukturieren die Begriffswelt des jeweiligen Kulturkreises, was besonders an den alltäglichen Ausdrücken zu beobachten ist.129 Die Sprecher, die diesen Metapherntypus gebrauchen, sind sich seiner metaphorischen Natur gar nicht bewusst und müssen die Rekonstruktion der eigentlichen Projektion nicht mehr vornehmen.130

3.4.5 Highlighting

Metaphern im Sinne der holistischen Kognitionslinguistik drücken Konzeptualisierung aus – dieser Vorgang erfolgt unumgänglich auf der Basis der Beleuchtung bzw. Verbergung gewisser Aspekte zugunsten anderer. Von der partiellen Strukturierung der Metapher liest man bei Lakoff und Johnson wie folgt:

Indem ein metaphorisches Konzept uns erlaubt, daß wir uns auf einen bestimmten Aspekt dieses Konzepts (z.B. die kriegerischen Aspekte einer Argumentation) konzentrieren, kann es uns davon abhalten, daß wir uns auf andere Aspekte konzentrieren, die mit dieser Metapher nicht konsistent sind. […] Diese Beispiele zeigen, daß die bis jetzt untersuchten metaphorischen Konzepte partiell sichtbar machen […] und daß durch diese punktuelle Beleuchtung andere Aspekte dieser Konzepte verborgen werden.131

Jäkel spricht in diesem Kontext von dem Fokussierungseffekt der konzeptuellen Metaphern. Er betont dabei den Modellcharakter des metaphorischen Explanandums, das aufgrund der partiellen Beschreibung durch das metaphorische Explanans einseitig und vereinfachend erscheint und die damit zusammenhängenden Risiken der Persuasion oder Propaganda nicht außer Acht gelassen werden können.132

3.4.6 Idealisierte Kognitive Modelle (ICM)

Auf die Tatsache, dass die einzelnen konzeptuellen Metaphern auch als komplexe Modelle – sogenannte Idealisierte Kognitive Modelle (Idealized Cognitive Models; kurz ICM) – zu betrachten sind, hat Lakoff 1987 hingewiesen und dessen Gestaltcharakter betont.133 Ein ICM besteht demnach aus einzelnen ←48 | 49→konzeptuellen Metaphern und kann nur als Ganzes erfasst werden. Die schwer verständliche reale Erfahrungswelt erscheint darin als eine vereinfachte kulturell bedingte Vorstellung.134 Weber erläutert die Lakoff’schen Konstrukte folgendermaßen: „ICMs liefern idealisierte Modelle der Realität, die starke Vereinfachungen und metaphorisches Verstehen beinhalten. Sie sind eine konventionalisierte Art, Erfahrungen zu verstehen, allerdings in übersimplifizierender Weise“.135 Folglich werden dem Modell vier Strukturprinzipien zugeschrieben: propositionale und bildschematische Struktur sowie metaphorische und metonymische Übertragung. Daraus resultieren vier Modelle des ICM:

1. Das propositionale Modell umfasst die mit einem konzeptuellen Bereich assoziierten Dinge oder Eigenschaften, wie das ICM für „Haus“ beispielsweise Mauern oder Dach.

2. Das bildschematische Modell enthält schematische Bilder, die in charakteristischer Weise das Denken über diverse Verhalten prägen, z.B. der Vogel fliegt über der Erde.

3. Das metaphorische Modell projiziert propositionale oder bildschematische Modelle von einer konkreten physisch greifbaren Domain in eine abstrakte, z.B. WIRTSCHAFT IST EIN SPIEL.

4. Das metonymische Modell anders eine Teil-Ganzes-Relation, mit der eine Einheit für eine andere steht.136

←49 | 50→

65 Vgl. Schwarz, Monika (2008): Einführung in die Kognitive Linguistik. 3. Aufl. Tübingen/Basel, S. 15–20.

66 Drewer, Petra (2003): Die kognitive Metapher als Werkzeug des Denkens: Zur Rolle der Analogie bei der Gewinnung und Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Tübingen, S. 5.

67 Vgl. Strohner, Hans (1995): Kognitive Systeme: Eine Einführung in die Kognitionswissenschaft. Opladen, S. 5ff. Siehe auch Fauconnier, Gilles (1985): Mental spaces: aspects of meaning constructionin natural language. Cambridge; Fillmore, Charles J. (1976): Frame Semantics and the Nature of Language. [In:] Steklis, Harnad H./Lancaster, J. (Hrsg.): Origins and Evolutions of Language and Speech. New York; Lakoff, George/Johnson, Mark (1980): Metaphors We Live By. Chicago; Langacker, Ronald W. (2001): Wykłady z gramatyki kognitywnej. Lublin. Przeklad Henryk Kardela, Przemysław Łozowski; Talmy, Leonard (2000a): Toward a Cognitive Semantics. Bd. 1: Concept Structuring Systems. Cambridge. Vgl. Talmy, Leonard (2000b): Toward a Cognitive Semantics. Bd. 2: Typology and Process in Concept Structuring. Cambridge; Evans, Vyvyan (2009): Leksykon językoznawstwa kognitywnego. Przeklad Magdalena Buchta, Małgorzata Cierpisz, Joanna Podhorodecka, Agnieszka Gicala, Justyna Winiarska. Kraków, S. 48.

68 Paradigma wird hierbei nach Kuhn als Musterbeispiel einer Untersuchung verstanden, die methodologische, terminologisch und philosophisch einheitliche sowie kohärente Grundsätze realisiert. Vgl. Kuhn, Thomas S. (2001): Struktura rewolucji naukowych. Warszawa, S. 39ff.

69 Vgl. Tabakowska, Elżbieta (Hrsg.) (2001): Kognitywne podstawy języka językoznawstwa. Kraków, S. 11. „Zgodnie z tym stanowiskiem język stanowi element aparatu poznawczego człowieka, na który składają się także zdolność postrzegania i kategoryzowania, emocje, procesy abstrakcji i rozumowania. Wszystkie te zdolności poznawcze współdziałają z językiem i ulegają jego wpływom. Wobec tego badanie języka staje się w pewnym sensie badaniem sposobów wymiany myśli w procesie komunikacji między ludźmi.“

70 Schwarz, Monika (2008): Einführung in die Kognitive Linguistik. 3. Aufl. Tübingen/Basel, S. 40.

71 Vgl. Taylor, John R. (2007): Gramatyka kognitywna. Przekład Magdalena Buchta, Łukasz Wiraszka. Redakcja naukowa Elżbieta Tabakowska. Kraków, S. 4. „[…] język stanowi integralną część ludzkiego poznania […] każda wnikliwa analiza zjawisk językowych powinna być osadzona w kontekście wiedzy na temat zdolności poznawczych człowieka. Dlatego też językoznawstwo kognitywne stawia sobie za cel udzielenie mieszczącej sie w ramach teorii poznania odpowiedzi na pytania, co to znaczy znać język, w jaki sposób człowiek go przyswaja oraz jak go używa.“

72 Vgl. Langacker, Ronald W. (2001): Wykłady z gramatyki kognitywnej. Lublin. Przeklad Henryk Kardela, Przemysław Łozowski, S. 12. „[…] aspekt kognitywny (lub konceptualistyczny i aspekt społeczny (lub interakcyjny) to dwie strony tej samej monety.“

73 Zur Problematik der Interdisziplinarität der Kognitiven Linguistik siehe Winiarska, Justyna (2004): Kognitywizm – językoznawstwo otwarte? [In:] Stelmaszczyk, Piotr (Hrsg.): Metodologia językoznawstwa. Od genu języka do dyskursu. Łódź, S. 27–48. Die Autorin stellt die Frage, ob die Kognitive Linguistik als eine offene sprachwissenschaftliche Disziplin betrachtet werden kann.

74 Vgl. Schwarz, Monika (2008): Einführung in die Kognitive Linguistik. 3. Aufl. Tübingen/Basel, S. 40ff.

75 Vgl. Baldauf, Christa (1997): Metapher und Kognition. Grundlagen einer neuen Theorie der Alltagsmetapher. Frankfurt am Main, S. 93; Jäkel, Olaf (2003b): Wie Metaphern Wissen schaffen. Die kognitive Metapherntheorie und ihre Anwendung in Modell-Analysen der Diskursbereiche Geistestätigkeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Hamburg, S. 141ff.

76 Wildgen spricht von der großen Uneinigkeit zwischen der Chomsky-Theorie und der kognitiven Grammatik, die vor allem im Bereich der induktiven Herangehensweise an die linguistischen Forschungsfragen sowie in der Negation des formalen Ansatzes der Sprachbeschreibung zu platzieren wäre.Vgl. Wildgen, Wolfgang (2008): Kognitive Grammatik. Klassische Paradigmen und neue Perspektiven. Berlin, S. 18–22.

77 Vgl. Schwarz, Monika (2008): Einführung in die Kognitive Linguistik. 3. Aufl. Tübingen/Basel, S. 43.

78 Vgl. Evans, Vyvyan (2009): Leksykon językoznawstwa kognitywnego. Kraków, S. 101.

79 Dazu siehe Wildgen, Wolfgang (2008): Kognitive Grammatik. Klassische Paradigmen und neue Perspektiven. Berlin.

80 Siehe Bartmiński, Jerzy (Hrsg.) (1999): Jezykowy obraz świata. Lublin.

81 Neben dem Begriff Ethnolinguistik, der sich heutzutage durchgesetzt hat, galt bislang auch der Terminus der kulturellen Linguistik postuliert von Anusiewicz, Janusz (1995): Lingwistyka kulturowa: zarys problematyki. Wrocław, S. 12.

82 Die begriffliche Problematik des sprachlichen Weltbildes (Językowego obrazu świata) klärt Bartmiński: „Pojęcie językowego obrazu świata, stanowiące istotny składnik programu badawczego etnolingwistyki, funkcjonuje w dwóch wariantach, które w uproszczeniu można określić jako ‚podmiotowy‘ i ‚przedmiotowy‘ i przyporządkować terminom wizja świata (angielskie view of the world) i obraz świata (niemieckie das sprachliche Weltbild). […] Przez językowy obraz świata

rozumiem zawartą w języku interpretację rzeczywistości, którą można ująć w postaci zespołu sądów o

świecie. Mogą to być sądy bądź to utrwalone w samym języku, w jego fomach gramatycznych,

słownictwie, kliszowanych tekstach (np. przysłów), bądź to przez formy i teksty języka implikowane.“

Bartmiński, Jerzy (1999): Punkt widzenia, perspektywa, językowy obraz świata. [In:] Bartmiński,

Jerzy (Hrsg.) (1999): Jezykowy obraz świata. Lublin, S. 103f. Vgl. Bartmiński, Jerzy

(2002): Etnoligwistyka. [In:] Wielka Encyklopedia PWN. Bd. 8. Warszawa, S. 380f.

83 Vgl. Anusiewicz, Janusz (1995): Lingwistyka kulturowa: zarys problematyki. Wrocław, S. 12. „Głównym założeniem tej dyscypliny [lingwistyki kulturowej, K.K.] jest teza, że język może być traktowany nie tylko jako środek wyrazu i przkazu informacji – lecz także, a może przede wszystkim, jako medium, twór, a zarazem proces zawierający (prezentujący) dorobek kulturowy danej wspólnoty komunikatywnej, będący wyrazem praktyki społecznej tej wspólnoty oraz jej doświadczeń utrwalonych i nagromadzonych w ciągu wielu pokoleń. Język oprócz tego jest nośnikiem, przekaźnikiem i zbiorem wszelkich wartości, ocen, wartościowań tudzież norm postępowania, wokół których koncentrują się zachowania, działania, przekonania oraz system etyczno-normatywny danej społecznści (danego narodu).“

84 Vgl. Baldauf, Christa (1997): Metapher und Kognition. Grundlagen einer neuen Theorie der Alltagsmetapher. Frankfurt am Main etal., S. 11.

85 Vgl. Wildgen, Wolfgang (2008): Kognitive Grammatik. Klassische Paradigmen und neue Perspektiven. Berlin, S. 68ff.

86 Siehe Mikołajczyk, Beata (2000): Einige Bemerkungen zum Gebrauch der Metapher in der politischen Sprachverwendung, dargestellt am Beispiel des Polnischen und des Deutschen [In:] Bzdęga, Andrzej Z./Kaszyński, Stefan H./Orłowski, Hubert (Hrsg.) (2000): Studia Germanica Posnaniensia XXVI. Poznań, S. 55.

87 Siehe z.B. Goschler, Juliana (2008): Metaphern für das Gehirn. Eine kognitiv-linguistische Untersuchung. Berlin, S. 36 oder Ricœur, Paul (1986): Die lebendige Metapher. Mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe. Aus dem Französischen von Rainer Rochlitz. München, S. 13–153.

88 Aristoteles (2007): Rhetorik. Stuttgart, S. 176.

89 Kroß, Matthias (2004): Die Selbstverständlichkeit der Metapher. Wittgensteins Entspannung eines sprachphilosophischen Problems. [In:] Arnswald, Ulrich/Kertscher, Jens/Kroß, Matthias (Hrsg.): Wittgenstein und die Metapher. Berlin, S. 228.

90 Vgl. ebd., S. 228.

91 Vgl. Skirl, Helge/Schwarz-Friesel, Monika (2007): Metapher. Heidelberg, S. 5.

92 Vgl. Ricœur, Paul (1984): Proces metaforyczny jako poznanie, wyobrażenie i odczuwanie. [In:] Pamietnik literacki, 1984, H. 2, S. 269f.

Details

Seiten
202
ISBN (PDF)
9783631822609
ISBN (ePUB)
9783631822616
ISBN (MOBI)
9783631822623
ISBN (Buch)
9783631803202
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (November)
Schlagworte
konzeptuelle Metapher kognitive Metapherntheorie Pressesprache kontrastive Linguistik Alltagsdiskurs
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2020. 202 S., 44 s/w Abb., 2 Tab.

Biographische Angaben

Kornelia Kansy (Autor)

Kornelia Kansy studierte Germanistik an der Universität Opole, wo sie auch promoviert wurde. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte sind kognitive und kontrastive Linguistik, Textlinguistik und Mediensprache.

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Titel: Wirtschaftsmetaphorik im deutschen und polnischen Pressediskurs