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Pflegerische Versorgung alter Menschen

Qualität – Konzepte – Rahmenbedingungen Festschrift für Prof. Dr. Stefan Görres

von Ingrid Darmann-Finck (Band-Herausgeber:in) Heike Mertesacker (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 284 Seiten
Reihe: Pflegeforschung , Band 6

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titelseite
  • Impressum
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Würde als Qualitätsmerkmal in der pflegerischen Versorgung alter Menschen
  • Selbstbestimmte Teilhabe statt Selbstständigkeit in Verrichtungen: Das gesetzliche Ziel von Pflege und Therapie und seine Qualitätserfassung1
  • Qualitätsentwicklung in der Langzeitpflege durch Expertenstandards
  • Qualitätsindikatoren in der stationären Langzeitpflege mit Routinedaten der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung
  • Spiritualität als eine Dimension beziehungsorientierter Pflege
  • Ansätze einer Nutzenbewertung digitaler Technologien für die Pflege
  • Zur Diskussion um die Stärkung der Rolle der Kommunen in der Pflege und der rechtlichen Maßgaben hierfür
  • Caring Community. Leitbild für eine solidarische Gesellschaft?
  • Delegation von Care Work an Arbeitsmigrant*innen aus Osteuropa im Brennglas der Covid-19-Pandemie – Empfehlungen für einen Systemwechsel
  • Kompetenzaufbau für die person-zentrierte Kommunikation und Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz
  • Pflegewissenschaftliche Versorgungsforschung – Chancen und Herausforderungen am Beispiel von Menschen mit Demenz
  • Pflegeforschung in Deutschland – Notwendigkeit einer neuen Agenda Pflegeforschung
  • Verzeichnis der Autor*innen

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Ingrid Darmann-Finck / Heike Mertesacker

Vorwort

Anlass dieses Buches ist die Versetzung in den Ruhestand unseres Kollegen Stefan Görres, dessen Arbeit mit diesem Sammelband gewürdigt werden soll. Die drei thematischen Blöcke dieses Buches spiegeln zugleich Forschungsschwerpunkte von Stefan Görres wieder. Mit den Autor*innen verbinden ihn langjährige Kooperationsbeziehungen. In Zeiten, in denen Publikationen in Büchern gegenüber Zeitschriften mit einem Peer Review wenig attraktiv sind, waren sie alle gerne bereit, sich zu beteiligen und dem Anlass einen Beitrag zu widmen. Es gab durchaus auch noch mehr Kolleg*innen, die angefragt wurden und eigentlich sehr gerne Beiträge geleistet hätten, dies aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht realisieren konnten. Mit diesem Vorwort möchten wir das Wirken von Stefan Görres an der Universität Bremen in den Bereichen Wissenschaft, Transfer und Nachwuchsförderung nachzeichnen.

Wissenschaft

Nach einem Studium der Sozialwissenschaften an der Universität Wuppertal promovierte Stefan Görres 1991 an der Universität Hamburg. 1994 wurde er zum Professor mit der Denomination „Sozialgerontologie mit dem Schwerpunkt Rehabilitation und Kompetenzerhaltung“ an die Universität Bremen berufen. Einige Jahre später habilitierte er an der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik mit dem Thema „Qualitätssicherung in Medizin und Pflege – Bestandsaufnahme, Theorieansätze, Perspektiven am Beispiel des Krankenhauses“. Der in Bremen Mitte der 1990-er Jahre gegründete Studiengang „Lehramt Pflegewissenschaft“, in dem Stefan Görres tätig war und der i.d.R. zu einem Doppelabschluss „1. Staatsexamen für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in der Fachrichtung Pflege“ und „Diplom Berufspädagogik Pflegewissenschaft“ führte, war damals (und ist eigentlich auch noch heute) hochinnovativ, als er sich am Lehramtsmodell anderer beruflicher Fachrichtungen orientierte, obwohl zu dem Zeitpunkt für die Lehre an Pflegeschulen eine – wenn auch sehr umfassende – Fachweiterbildung ausreichend war. Im Rahmen seiner Tätigkeit an der Universität Bremen setzte sich Stefan Görres immer wieder dafür ein, dass an der Universität Bremen ein Studiengangmodell für die Qualifikation von Pflegelehrenden angeboten wird, das den Standards entspricht, die auch sonst für die Lehrerbildung in Deutschland gelten.

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Stefan Görres gehört zur Pioniergeneration von Pflegewissenschaftler*innen. Als Professor an der Universität Bremen war er 1997 auch Gründungsmitglied des Deutschen Vereins für Pflegewissenschaft. Er hat seitdem durch seine Forschung, die gezielte Dissemination der Forschungsergebnisse und die Mitarbeit in gesundheits- und pflegepolitischen Gremien auf Bund- und Länderebene entscheidend am Aufbau und der Profilbildung der Pflegewissenschaft mitgewirkt. Die Datenbank am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen zählt die beeindruckende Zahl von 110 Projekten, die Stefan Görres in der Zeit seiner Tätigkeit am IPP geleitet hat. Ein weiterer Meilenstein der Pflegewissenschaft in Deutschland, an dem Stefan Görres ebenfalls an entscheidender Stelle beteiligt war, stellten die Pflegeforschungsverbünde dar, die von 2004–2010 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurden. Die BMBF-finanzierten Pflegeforschungsverbünde waren ein wichtiger Schritt zur Erweiterung der pflegewissenschaftlichen Forschungsinfrastruktur und zur stärkeren Anerkennung von Pflegewissenschaft und -forschung im Wissenschaftssystem und bei Forschungsförderinstitutionen. Stefan Görres war Sprecher des Pflegeforschungsverbundes Nord, der sich mit der „Optimierung des Pflegeprozesses durch neue Steuerungsinstrumente“ beschäftigte. Weitere wichtige Wegmarken der Pflegewissenschaft, in die sich Stefan Görres einbrachte, waren die Denkschrift der Robert Bosch – Stiftung „Pflege neu denken“ (2000) und die Agenda Pflegeforschung (2012), mit der u.a. die Sprecher*innen der drei Forschungsverbünde ihre Forderungen an die Politik hinsichtlich einer finanziellen Unterstützung beim systematischen Aufbau der Pflegeforschung in Deutschland präzisierten.

Stefan Görres arbeitete sich an der Universität Bremen in das für ihn neue Thema Pflegebildung und Pflegelehrerbildung ein und leitete in den nächsten Jahren auch zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die sich mit der Weiterentwicklung der Pflege(aus-)bildung und der Pflegelehrerbildung beschäftigten. Dabei konnte Stefan Görres mit seiner Forschung entscheidende Reformen unterstützen. Hier ist das Sachverständigengutachten für das Bundesverfassungsgericht zu nennen, in dem Stefan Görres gemeinsam mit der Kollegin Margarete Landenberger argumentierte, dass die Altenpflege auch als Heilberuf zu betrachten ist und das die Grundlage für die bundeseinheitliche Altenpflegeausbildung darstellte. Eine wichtige Begründung für die Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung lieferte Stefan Görres mit der kriteriengeleiteten Bewertung evaluierter Modellversuche in der Pflegeausbildung (2009). Wichtige Forschungsschwerpunkte von Stefan Görres in jüngster Zeit waren u.a. Ansätze zur Bewältigung des Fachkräftemangels, neue Handlungsfelder in den ←10 | 11→Gesundheitsfachberufen und die Auswirkungen auf die Versorgungsqualität, innovative Konzepte der Versorgungsorganisation bzw. der Prozesssteuerung sowie Case-/Care-Mix Modelle und schließlich die (pflegewissenschaftliche) Katastrophenforschung.

Gertrud Stöcker, Gründungsmitglied und Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerats (DPR)

„Stefan Görres gehört zum Urgestein der Pflegewissenschaft in Deutschland, er hat sich als einer der ersten Pflegefachpersonen habilitiert. Damit hat er sich für eine Professur an einer Universität qualifiziert. Sowohl habilitierte Pflegewissenschaftler*innen als auch Professuren an Universitäten gibt es derzeit noch viel zu wenig in Deutschland.

Die Lehrenden sowie ehemaligen und derzeitigen Studierenden in den pflegebezogenen Studiengängen, die an der Universität Bremen vor 25 Jahren begannen, sind Pioniere und zugleich Zeitzeugen für die Schritte der Professionalisierung des Berufsfeldes Pflege. Sie erlebten und erleben dynamische Darstellungsformen in der beruflichen Sozialisation professionell Pflegender und die Entwicklung eines Berufes mit neuen Konturen. Stefan Görres war hier ein einflussreicher Gestalter. An der Universität in Bremen startete die Pflegelehrerbildung vergleichbar mit dem Lehramt an berufsbildenden Schulen: Damit wurde der pflegeberuflichen Bildung Teilhabe an der gesellschaftlichen Normalität ermöglicht.

Stefan Görres hat deutliche Weichenstellungen veranlasst und mitgestaltet. Er hat auch geschickt erreicht, sich und die Universität im politischen Diskurs zu platzieren, indem er eine Reihe von Projekten im Auftrag staatlicher Stellen durchgeführt hat, etwa zur Evaluation der Modelle in der Pflegeausbildung nach dem Alten-bzw. Krankenpflegegesetz. Auf eine zentrale Weichenstellung für die Profession hat er mit seinem Gutachten für das Bundesverfassungsgericht zum (Bundes-)Altenpflegegesetz Einfluss genommen. Mit dem Urteil des Gerichtes wurde entschieden, dass die Altenpflege ein Heilberuf ist und im Hinblick auf die Ausbildung bundesrechtlich zu regeln ist.

Er hat auch Desaster Nursing nach Deutschland gebracht und das zu einer Zeit als viele noch glaubten, Katastrophen gebe es nur anderswo. Allein der Klimawandel lehrt uns Anderes.“

Stefan Görres hat sich an der Universität Bremen auch hochschulpolitisch stark engagiert. Besonders hervorzuheben ist, dass er mehr als zwanzig Jahre als Prodekan und später als Dekan die Geschicke des Fachbereichs Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität maßgeblich gesteuert hat, darüber hinaus war er auch in anderen Gremien, wie dem akademischen Senat aktiv.

Visionen entwickeln und diese konsequent und nachhaltig umsetzen – dies gelang Stefan Görres auch bei der Entwicklung von gesundheits- und ←11 | 12→pflegewissenschaftlichen Forschungsstrukturen an der Universität Bremen: 1998 gründete er gemeinsam mit anderen Gesundheits- und Pflegewissenschaftler*innen das Zentrum für Public Health (ZPH), um die gesundheits- und pflegewissenschaftliche Lehre und Forschung an der Universität Bremen stärker zu bündeln. Als Nachfolgeeinrichtung des ZPH wurde 2005 das Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) als wissenschaftliche Einrichtung am Fachbereich 11 gegründet – wieder zählte Stefan Görres zu den Initiator*innen und Gründungsmitgliedern. Über zehn Jahre gehörte Stefan Görres dem Direktorium des IPP an, sechs Jahre war er Geschäftsführender Direktor und über 15 Jahre lang Leiter der Abteilung Interdisziplinäre Alterns und Pflegeforschung. Mittlerweile ist das IPP eines er größten Forschungsinstitute im Bereich Public Health und Pflegeforschung in Deutschland. In seiner Funktion als Geschäftsführender Direktor des IPP hat Stefan Görres entscheidend dazu beigetragen, das Profil und die Stärken des IPP zu entwickeln und zu schärfen.

Transfer in Politik und Praxis

Neben seinen Beiträgen für die Forschung ist für die Arbeit von Stefan Görres kennzeichnend, dass er – als Soziologe – stets die politischen Strukturen im Blick hat. In vielfältigen (politischen) Gremien war und ist er als Gutachter und Berater tätig. Es ist ihm außerdem stets ein Anliegen, pflegewissenschaftliche Erkenntnisse auch in die Öffentlichkeit zu bringen. In zahlreichen Interviews mit Print- und Onlinemedien, Funk- und Fernsehsendern hat er gesellschaftliche Entwicklungen pflegewissenschaftlich kommentiert. Stefan Görres ist es gelungen, im Verlauf seiner Tätigkeit ein großes Netz an Kontakten nicht nur mit Wissenschaftler*innen, sondern auch mit Praxispartner*innen zu knüpfen, wodurch es ihm möglich war, für seine Projektideen schnell Kooperationspartner*innen zu finden.

Wissenschaftstransfer gehörte für Stefan Görres zur wissenschaftlichen Tätigkeit dazu. So wirkte er als Transferbeauftragter des Fachbereichs 11 auf universitärer Ebene und auf Fachbereichsebene an einer Transferstrategie mit. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des IPP entwickelte Stefan Görres ein forschungsbasiertes Transferkonzept, das eng mit der Forschung und der Lehre am IPP verzahnt ist. Stefan Görres trat immer für eine Gegenseitigkeit des Austausches, den Einbezug unterschiedlicher Perspektiven und die Begegnung der Transferpartner*innen auf Augenhöhe ein. Zu seinen Transferaktivitäten gehörten Projekte auf regionaler, nationaler und nicht zuletzt auf internationaler Ebene.

Nachwuchsförderung

Stefan Görres hat allein in den letzten zwanzig Jahren an der Universität Bremen insgesamt ca. 45 Promotionen und sieben Habilitationen betreut. Nachwuchsförderung ist eine der nachhaltigsten Strategien, um den Ausbau und die Konsolidierung der Pflegewissenschaft voranzubringen. Viele der Personen, die von Stefan Görres bei ihrer wissenschaftlichen Qualifizierung unterstützt wurden, haben inzwischen Professuren an deutschen Hochschulen inne. Außerdem hat sich Stefan Görres stets dafür eingesetzt, dass auch Pflegewissenschaftler*innen, die in Praxisfeldern die Praxisentwicklung voranbringen, sich durch eine Promotion weiterqualifizieren können.

Dr. Martina Stöver, ehemalige Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team von Stefan Görres

„Stefan Görres steht für mich vor allem als Vertreter einer neuen Lernkultur in der Pflege im Vordergrund. Bereits 1994 lernte ich ihn als Studierende im Propädeutikum des zunächst als Modellstudiengang konzipierten Studiengangs „Lehramt Pflegewissenschaft“ kennen. Wir Studierenden gehörten zum zweiten Durchgang dieses damals neu gegründeten Studiengangs an der Universität Bremen und Stefan Görres trat in diesem Jahr seine Professur an. Besonders erinnere ich mich an sein großes Interesse an unseren Erfahrungen und Berichten als Pflegende aus der Pflegepraxis, da für ihn die Verknüpfung praktischer Erfahrungen mit theoretischem Wissen einen hohen Stellenwert hatte. Wir Studierenden fühlten uns mit unseren Pflegeerfahrungen sehr ernst genommen und nahmen eine neue Rollenverteilung zwischen Professor und Studierenden in seinen Lehrveranstaltungen wahr. Diese waren durch intensive Gruppenarbeiten, Diskussionsrunden und Projektarbeit gekennzeichnet.

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Im Rahmen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit am „Institut für angewandte Pflegeforschung" (iap), heute „Abteilung Interdisziplinäre Alterns- und Pflegeforschung“ am Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) fragte mich Stefan Görres, ob ich bei ihm promovieren möchte, da seiner Meinung nach eine Dissertation im Prinzip so nebenher gut zu machen sei. Ganz so stimmte das leider nicht, aber durch die intensive Betreuung und Förderung, auch im Rahmen des von ihm geleiteten Doktorandenkolloquiums, in dem Auszüge aus unterschiedlichen Arbeiten vorgestellt und Fragen intensiv diskutiert wurden, konnte ich die Dissertation schließlich doch fertigstellen.

Biographische Angaben

Ingrid Darmann-Finck (Band-Herausgeber:in) Heike Mertesacker (Band-Herausgeber:in)

Ingrid Darmann-Finck ist Professorin für Pflegewissenschaft mit dem Schwerpunkt Pflegebildung an der Universität Bremen und leitet die Abteilung Qualifikations- und Curriculumforschung am Institut für Public Health und Pflegeforschung. Heike Mertesacker, MPH, ist Dipl.-Sozialpädagogin und Gesundheitswissenschaftlerin. Sie ist Wissenschaftliche Koordinatorin am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen.

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Titel: Pflegerische Versorgung alter Menschen