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Carl Clemen und die Religionsgeschichte

von Ulrich Vollmer (Autor)
Dissertation 594 Seiten

Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Die bisherigen Würdigungen

Leben und Werk des Bonner Religionshistorikers Carl Clemen sind bisher noch nicht ausführlich dargestellt und gewürdigt worden. Während Mircea Eliade ihn in einem Atemzug mit Raffaele Pettazzoni, Edwin Oliver James und Gerardus van der Leeuw nannte1 und Clemen in den beiden Auflagen der Encyclopedia of Religions einen eigenen Artikel erhalten hat,2 fehlt ein entsprechender Eintrag in der „Prosopographie I (Ethnologie, Religionswissenschaft, Geschichte)“ im Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe.3 Auch das Nachschlagewerk Die Religion in Geschichte und Gegenwart hat in seiner neuesten Auflage keinen Eintrag zu Carl Clemen,4 der allerdings in den beiden ersten Auflagen vertreten war.5 Jacques Waardenburg listete im zweiten Band seiner Classical Approaches to the Study of Religion wenigstens die wichtigsten Veröffentlichungen von Clemen auf;6 im ersten Band wurde Clemen zwar kurz erwähnt,7 bei den ausgewählten Textauszügen dort fehlt er. In den einschlägigen Darstellungen der Geschichte der Religionswissenschaft begegnet Clemen entweder nicht,8 oder zu ihm ←9 | 10→werden nur ganz elementare Daten mitgeteilt.9 Gustav Mensching hat jedoch in einem Sammelband aus Anlass des 150-jährigen Jubiläums der Universität Bonn Carl Clemen als seinen Vorgänger mit einem kurzen Beitrag gewürdigt.10

In zwei Dissertationen wurden einzelne Aspekte aus Clemens Beschäftigung mit den Religionen in der Umwelt des frühen Christentums behandelt. So hat Gerald Seelig Clemen neben den anderen von Georg Heinrici zur Mitarbeit an dem von ihm geplanten Corpus Hellenisticum in einem eigenen Kapitel dargestellt.11 Ebenfalls in den gleichen Themenkomplex führte auch die Dissertation ←10 | 11→von Annelies Lannoy, die sich im Rahmen ihrer Studie über Alfred Loisy und Franz Cumont auch mit Clemens Arbeiten über das Verhältnis des Christentums zu den Mysterienkulten beschäftigt hat.12 Fritz Heinrich hat unter allgemeinen religionswissenschaftlichen Gesichtspunkten in seiner Dissertation Die deutsche Religionswissenschaft und der Nationalsozialismus zwei Kapitel Carl Clemen gewidmet.13 Schließlich konnte ich meinerseits drei kleinere Studien – allesamt durch äußere Anlässe bedingt und verschiedene Aspekte behandelnd – in den letzten Jahren beisteuern.14

Als besonderes Unikum soll bei einem Überblick über die bisherigen Würdigungen Carl Clemens die im Untertitel ausdrücklich gegen ihn gerichtete Schrift des Theologen Gottfried Stettinger Geschichtlichkeit der johanneischen Abschiedsreden hier zumindest nicht völlig unerwähnt bleiben.15 Clemens literarkritische Analyse des Johannesevangeliums,16 die selbst bei ihm gegenüber durchaus kritischen Rezensenten positive Aufnahme gefunden hat,17 wird hier ←11 | 12→vom Standpunkt einer konsequent antimodernistischen Exegese aus beurteilt, für die die johanneischen Abschiedsreden authentische Aufzeichnungen von Äußerungen des historischen Jesus sind.18 Der Angriff des Autors richtet sich freilich gegen die historisch-kritische Exegese überhaupt; Clemens Veröffentlichung erscheint als ein – letztlich austauschbarer – Anlass.

Die Quellen und ihre Probleme

Dass es bisher noch keine umfassende Darstellung von Carl Clemen gibt, liegt sicherlich auch an der sehr problematischen Quellenlage. Wie mir vor Jahren die damals noch lebende Tochter von Carl Clemen mitteilte, gibt es keinen wissenschaftlichen Nachlass.19 In ihrem Besitz waren lediglich Ausgaben der gedruckten Werke ihres Vaters sowie Sonderdrucke seiner Aufsätze. Der angesichts der vielfältigen Verflechtungen und Projekte sicherlich sehr umfangreiche Briefwechsel mit einer großen Anzahl von Wissenschaftlern ist nicht erhalten. Ebenfalls gibt es keine persönlichen tagebuchähnlichen Aufzeichnungen, wie sie etwa im Falle von Heinrich Hackmann vorliegen. Hackmann berichtete „darin über Etappen seiner inneren wie beruflichen Entwicklung, über ihm wichtige Erlebnisse und besondere Begebenheiten“.20 Einen vergleichbaren Einblick in die persönlichen Verhältnisse gewähren allenfalls die Briefe von Carl Clemen an seine Eltern und an seinen Bruder Otto, die sich einerseits im Teilnachlass von Otto Clemen in der Ratsschulbibliothek Zwickau, andererseits in dessen weiterem Teilnachlass im Archiv für die Fürsten- und Landesschulen Grimma und Meißen erhalten haben, aber keinesfalls vollständig sind, sondern große Lücken aufweisen. Durch das Entgegenkommen von Frau Roswitha Einenkel war es möglich, die Briefe ihrer Mutter, der Tochter von Otto Clemen und somit Nichte von Carl Clemen, einzusehen, die sie während ihres Studienaufenthalts im Sommersemester 1920 in Bonn an ihre Eltern und an eine Tante geschrieben hat.

Nach intensiver Recherche in Bibliotheken und Archiven ließen sich durchaus zahlreiche Briefe von Carl Clemen finden und in einigen Fällen auch Durchschläge von Briefen an Carl Clemen. Natürlich lag es dann an der Sorgfalt der Absender bzw. Adressaten oder an den zum Teil tragischen Begleitumständen, ob und in welchem Umfang sich die Schreiben erhalten haben. Hier ist ←12 | 13→sicherlich in besonderem Maße zu bedauern, dass während des Dritten Reichs der Briefwechsel mit Leo Baeck verloren gegangen ist.21 Der an sich rege und sehr aufschlussreiche Briefwechsel mit Nathan Söderblom weist leider für den Zeitraum von 1916 bis 1930 eine Lücke auf.22 Es ist aber kaum anzunehmen, dass beide in dieser Zeit keine Briefe gewechselt haben, zumal Nathan Söderblom 1925 von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn ein Ehrendoktorat erhielt und – wie wir sehen werden – hier sicherlich Carl Clemen die treibende Kraft war.

Neben den Briefen informieren über den Weg von Carl Clemen natürlich auch die offiziellen Akten, die sich in Bonn und Halle glücklicherweise erhalten haben, allerdings mit einer bedauerlichen Ausnahme: Die Akten der Bonner Evangelisch-Theologischen Fakultät, der Clemen als Privatdozent von 1904 bis 1910 angehört hat, sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.23 Zwar sind die Promotionsalben der Philosophischen Fakultät erhalten geblieben, die Promotionsakten für den uns interessierenden Zeitraum sind aber ebenfalls vernichtet, so dass es nicht möglich ist, etwa die Bewertung der bei Clemen angefertigten Dissertationen nachzuvollziehen.

Aus Gründen, die sich im weiteren Verlauf unserer Darstellung ergeben werden, wäre es sehr hilfreich, die Einschätzung des Theologen Carl Clemen durch die zuständigen kirchlichen Stellen in Erfahrung zu bringen. Clemens einschlägige Akten der Sächsischen Landeskirche, bei der er die beiden theologischen Examina abgelegt hat, sind im Februar 1945 in Dresden verbrannt.24 In Preußen hatte „der Evangelische Oberkirchenrat das Recht, sich vor der Berufung eines Theologen über dessen Lehre und Bekenntnis zu äußern“.25 Das geschah aber erst, wenn die Berufung unmittelbar anstand, der zu Berufende also vom Berliner Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten dem Oberkirchenrat gemeldet wurde. Zu Platzierungen auf Berufungslisten, wie ←13 | 14→im Falle von Carl Clemen, nahm der Oberkirchenrat in Berlin – im Unterschied zu seinem Gegenstück in Wien26 – keine Stellung.

Carl Clemen war in den Jahren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Geschäftsführer des Evangelischen Bundes, dessen Reichsgeschäftsstelle zunächst in Halle und später in Berlin angesiedelt war. Die Berliner Reichsgeschäftsstelle ist im November 1943 zerstört worden; dabei sind die meisten Akten und Archivalien verbrannt.27 Das gleiche Schicksal hat auch am 18. Oktober 1944 das Geschäftshaus getroffen, in dem der Bonner Verlag Röhrscheid untergebracht war.28 Carl Clemen hat in den 20er und 30er Jahren mit diesem Verlag eng zusammengearbeitet; unter anderem ist dort auch die von ihm ins Leben gerufene Monographiereihe „Untersuchungen zur allgemeinen Religionsgeschichte“ erschienen. Am gleichen Tag wurde auch das Archiv der Anthropologischen Gesellschaft in Bonn vernichtet,29 der Clemen von ihrer Gründung im Jahr 1910 an – zeitweilig sogar als Vorsitzender – angehört hat. Schon am 17. Juni 1943 ging das Archiv der Kölnischen Zeitung verloren,30 in deren Feuilleton – zur Zeit des Nationalsozialismus ein Forum verhaltener Opposition – Clemen eine Reihe von Artikeln veröffentlicht hat.

Der Gang der vorliegenden Untersuchung

Die Besonderheiten von Clemens Lebensweg und die Tatsache, dass sich sein religionswissenschaftliches Werk in der zweiten Lebenshälfte zentriert, lassen es als sinnvoll erscheinen, seine Biographie in einem ersten, gesonderten Kapitel zu behandeln. Es würde sich natürlich anbieten, auch den Theologen Carl Clemen ←14 | 15→vorzustellen, vor allem in seiner Arbeit am Neuen Testament. Leider hat sich Clemen selber – wie wir bei mehreren Gelegenheiten sehen werden –nicht auf eine der damaligen theologischen Richtungen festgelegt, und die Einschätzungen, die sich in der Literatur finden, reichen – natürlich auch je nach der Perspektive des Urteilenden – von einem etwas rätselhaften „scientific“31 über „links“32, „liberal“33, „vermittelnd“34 bis „verhältnismäßig konservativ“35. Ein niederländischer Rezensent beschrieb „zijn conservatieve aard“,36 ja – eine Untersuchung verortete ihn sogar in der Nähe der sogenannten „Positiven“.37 Clemen in dieses Spektrum sinnvoll einzuordnen, ist bei der Vielzahl seiner Veröffentlichungen schwierig und bringt für eine religionswissenschaftliche Betrachtung keinen besonderen Erkenntnisgewinn. Es soll daher in einem zweiten Kapitel lediglich die Phase näher beleuchtet werden, in welcher der damalige Bonner Privatdozent in der Evangelisch-Theologischen Fakultät begann, sich mit den Religionen in der Umwelt des frühen Christentums zu beschäftigen und nach deren möglichen Einflüssen zu fragen. In diesem Zusammenhang können auch einige weltanschauliche Grundpositionen von Clemen angesprochen und geklärt werden, die für seine spätere Arbeit als Religionshistoriker – im Hintergrund zumindest – prägend waren, so sehr er auch einer philologisch-historischen Arbeitsweise verpflichtet war.38←15 | 16→

Im dritten Kapitel soll es dann gleichsam um die Grundlegung der religionsgeschichtlichen Arbeit gehen, das heißt um Clemens bibliographische Veröffentlichungen, um seine Edition von Quellentexten, seine Übersetzungen und seine allgemeine Tätigkeit als Herausgeber.

Das vierte Kapitel zeichnet Clemens Beschäftigung mit einzelnen Religionen nach. Hier kommt ihm in einigen Fällen ein regelrechtes Alleinstellungsmerkmal zu, insofern er nicht nur nach eigener Einschätzung, sondern auch im Urteil von Zeitgenossen der Erste war, der die eine oder andere Religion in dieser Form behandelt hat. Wenngleich die historische Vorgehensweise im Zentrum seines Schaffens stand, hat er sich auch mit einer ganzen Reihe von Themen beschäftigt, die in das Gebiet der systematischen Religionswissenschaft gehören. Diesen Themen ist das fünfte Kapitel gewidmet.

Dass es möglich ist, ausführlich und damit in einem eigenen Kapitel über die Schüler von Carl Clemen und die Regelung seiner Nachfolge zu handeln, liegt an einigen glücklichen Zufällen in der Überlieferung der Akten. Joachim Wachs Ambitionen konnten durch die erhaltenen Briefwechsel mit Erich Rothacker, Carl Heinrich Becker und Erich Seeberg rekonstruiert werden. Die Berufung von Gustav Mensching ist im Archiv der Bonner Universität mit einer gesonderten Akte dokumentiert. Das Gleiche gilt auch für den – letztlich gescheiterten – Versuch von Paul Kahle, seinen Schüler Ernst Ludwig Dietrich nach Bonn zu holen.

Nachdem oben zu wiederholter Klage über den Verlust von Archivmaterialien Anlass war, ermöglicht ein glücklicher Fund, der erst vor einigen Jahren gemacht wurde, im letzten Kapitel – statt eines Nachworts – ein Projekt in Einzelheiten nachzuzeichnen, das immerhin von dem damals schon emeritierten Carl Clemen angestoßen wurde und an dessen Ende – hier war Clemen aber dann nur noch Zuschauer – die Einführung des Untertitels der Theologischen Literaturzeitung stand. Wer Harnacks Rektoratsrede von 1901 mit dem Titel Die Aufgabe der theologischen Facultäten und die allgemeine Religionsgeschichte kennt und an den „heillosen Dilettantismus“ denkt,39 den der warnende Redner heraufziehen sah,40 wird den Gedanken an eine gewisse Ironie des Schicksals nicht abweisen können. Die 1875 von Emil Schürer und Adolf Harnack (oder eben ab ←16 | 17→1914 Adolf von Harnack) gegründete Zeitschrift führt seit April 1939 den Untertitel Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft.

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Da in den meisten Fällen sowohl die Veröffentlichungen von Carl Clemen als auch die Sekundärliteratur lediglich in einem der sieben Kapitel erscheinen, wird nur beim ersten Auftreten in einem Kapitel der Titel in voller Länge angeführt; danach begegnen – wie auch schon in den Anmerkungen dieser Einleitung – Kurztitel. Die vergleichsweise wenigen Ausnahmen fallen nicht ins Gewicht.

In den Zitaten wurde stets die Schreibung des Originals beibehalten. Dies mag irritieren, scheint aber der Authentizität wegen angebracht. Der Hinweis „[sic]“ begegnet daher nur in Fällen von sachlichen Fehlern oder anderen Besonderheiten, die sich aus dem argumentativen Kontext ergeben.


1Vgl. M. Eliade: Die Sehnsucht nach dem Ursprung. Von den Quellen der Humanität. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1976 (Bibliothek Suhrkamp 408), 48. – Zur Bekanntschaft Eliades mit Clemen und seiner Mitarbeit an der Zeitschrift Zalmoxis vgl. M. Eliade: Erinnerungen 1907–1937. Frankfurt a.M.: Insel 1987, 419, der sogar „[b]‌esonders enge Verbindungen“ neben anderen auch zu Clemen hatte.

2Vgl. Chr. Elsas: „[Art.] Clemen, Carl“, in: EncRel(E) 3 (1987), 532–533 = EncRel(E)2 3 (2005), 1822.

3Vgl. [Auctores varii]: „Prosopographie I (Ethnologie, Religionswissenschaft, Geschichte)“, in: HRWG 1 (1988), 272–301.

4Immerhin findet sich dort ein Eintrag zu einem seiner jüngeren Brüder; vgl. B. Frank: „[Art.] Clemen, Otto“, in: RGG4 2 (1999), 392–393.

5Schon in der 3. Auflage erschien Carl Clemen nur mit einer kurzen Notiz im Registerband; vgl. RGG3 Registerband (1965), 38.

6Vgl. J. Waardenburg: Classical Approaches to the Study of Religion. Aims, Methods and Theories of Research. Bd. 2. The Hague / Paris: Mouton 1974 (RaR 4), 39–40 („Carl Christian Clemen. Main Publications“).

7Vgl. J. Waardenburg: Classical Approaches… [wie oben]. Bd. 1. The Hague / Paris: Mouton 1973 (RaR 3), 63.

8So z.B. bei L. H. Jordan: „The Study of the History of Religions in the German Universities“, in: ET 24 (1912/13), 136–139; H. Pinard de la Boullaye: L’étude comparée des religions. Bd. 1: Son histoire dans le monde occidental. 3. Aufl. Paris: G. Beauchesne 1929; P. Meinhold: „Entwicklung der Religionswissenschaft in der Neuzeit und in der Gegenwart“, in: U. Mann (Hrsg.): Theologie und Religionswissenschaft. Der gegenwärtige Stand ihrer Forschungsergebnisse und Aufgaben im Hinblick auf ihr gegenseitiges Verhältnis. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1973, 391, Anm. 32 begegnet Clemen – zusammen mit Max Reischle – als Theologe; H. G. Kippenberg: Die Entdeckung der Religionsgeschichte. Religionswissenschaft und Moderne. München: C. H. Beck 1997; J. Figl: „Religionswissenschaft – Historische Aspekte, heutiges Fachverständnis und Religionsbegriff“, in: ders. (Hrsg.): Handbuch Religionswissenschaft. Religionen und ihre zentralen Themen. Innsbruck / Wien: Tyriola; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2003, 18–80.

9So bei G. Mensching: Geschichte der Religionswissenschaft. Bonn: Universitätsverlag 1948, 69 und 94; M. Eliade: „Enzyklopädisches Stichwort: Geschichte der Religionswissenschaft“, in: ders.: Das Heilige und das Profane. Vom Wesen des Religiösen. Hamburg: Rowohlt 1957 (Rowohlts deutsche Enzyklopädie 31), 128; E. J. Sharpe: Comparative Religion. A History. London: Duckworth 1975, 150; K.-H. Kohl: „Geschichte der Religionswissenschaft“, in: HRWG 1 (1988), 251; H. Junginger, Horst: Von der philologischen zur völkischen Religionswissenschaft. Das Fach Religionswissenschaft an der Universität Tübingen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Dritten Reiches. Stuttgart: Steiner 1999 (Contubernium 51), 88–89; V. Krech: Wissenschaft und Religion. Studien zur Geschichte der Religionsforschung in Deutschland 1871 bis 1933. Tübingen: Mohr Siebeck 2002 (Religion und Aufklärung 8), 123, Anm. 3 und 261–265; M. Bauschulte: Religionsbahnhöfe der Weimarer Republik. Studien zur Religionsforschung 1918–1933. Marburg: Diagonal-Verlag 2007 (RWR 24), 229; M. Stausberg: „The Study of Religions in Western Europe. 1. Prehistory and History until World War II“, in: Religion 37 (2007), 312; U. Tworuschka: Einführung in die Geschichte der Religionswissenschaft. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2015 (Einführung Theologie), 92–93 und 111.

10Vgl. G. Mensching: „Carl Clemen. 1865–1940“, in: 150 Jahre Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Bonner Gelehrte. Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Bonn. Geschichtswissenschaften. Bonn: H. Bouvier / L. Röhrscheid 1968, 455–458.

11Vgl. G. Seelig: Religionsgeschichtliche Methode in Vergangenheit und Gegenwart. Studien zur Geschichte und Methode des religionsgeschichtlichen Vergleichs in der neutestamentlichen Wissenschaft. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2001 (Arbeiten zur Bibel und ihrer Geschichte 7), 196–200.

12Vgl. A. Lannoy: Het christelijke mysterie. De relatie tussen het vroege christendom en de heidense mysterieculten in het denken van Alfred Loisy en Franz Cumont, in de context van de modernistische crisis. Phil. Diss., Universität Gent 2012, 224–229.

13Vgl. Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft und der Nationalsozialismus. Eine ideologiekritische und wissenschaftsgeschichtliche Untersuchung. Petersberg: M. Imhof 2002, 100–103 („Carl Clemen: Von der neutestamentlich-theologischen zur philologisch-historisch arbeitenden Religionswissenschaft“) und 261–272 („Carl Clemen: Religionsgeschichte auf der Grundlage umfassender und gründlicher Quellenkenntnis“).

14Vgl. U. Vollmer: „Carl Clemen (1865–1940) als Emeritus“, in: ZfR 9 (2001), 185–204; ders.: „Carl Clemen und die iranische Religion“, in: M. Hutter (Hrsg.): Religionswissenschaft im Kontext der Asienwissenschaften. 99 Jahre religionswissenschaftliche Lehre und Forschung in Bonn. Münster: LIT 2009 (Religionen in der pluralen Welt. Religionswissenschaftliche Studien 8), 99–111; ders.: „Die Religionswissenschaftler Carl Clemen (1865–1940) und Gustav Mensching (1901–1978)“, in: H. Meyer u.a. (Hrsg.): Die Bonner Orient- und Asienwissenschaften. Eine Geschichte in 22 Porträts. Großheirath: Ostasien-Verlag 2018 (Orientierungen. Themenband 2018), 43–64.

15Vgl. G. Stettinger: Geschichtlichkeit der johanneischen Abschiedsreden. Gegen Prof. D.Dr. Karl [sic] Clemen. Wien: Meyer & Komp. 1919.

16Vgl. C. Clemen: Die Entstehung des Johannesevangeliums. Halle: M. Niemeyer 1912.

17Vgl. z.B. W. Bousset: „[Rez.] C. Clemen, Die Entstehung des Johannesevangeliums“, in: ThLZ 39 (1914), 105: „Daß im einzelnen die Arbeit wieder mit mustergültigem Fleiß und der Durcharbeitung alles erreichbaren Materials geschrieben ist, braucht man bei Clemenschen Arbeiten kaum mehr zu erwähnen.“

18Vgl. z.B. G. Stettinger: Geschichtlichkeit… [wie oben], 40.

19Telefonische Auskunft von Frau Ruth Heidermanns im Frühjahr 1983.

20Fr.-G. Strachotta: Religiöses Ahnen, Sehnen und Suchen. Von der Theologie zur Religionsgeschichte. Heinrich Friedrich Hackmann 1864–1935. Frankfurt a.M. u.a.: P. Lang 1997 (Studien und Texte zur Religionsgeschichtlichen Schule 2), 33.

21Vgl. Th. Wiener: „The Writings of Leo Baeck. A Bibliography“, in: SBBL 1 (1953), 108.

22Eine ähnliche Lücke findet sich auch in den Briefen von Rudolf Otto an Nathan Söderblom; vgl. D. Lange: Nathan Söderblom und seine Zeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, 258.

23Vgl. H. Karpp: „Einleitung“, in: 150 Jahre Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Bonner Gelehrte. Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Bonn. Evangelische Theologie. Bonn: H. Bouvier / L. Röhrscheid 1968, 7.

24Schriftliche Mitteilung des Landeskirchenarchivs des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamts Sachsen in Dresden vom 27. August 2015.

25A. von Zahn-Harnack: Adolf von Harnack. 2., verb. Aufl. Berlin: W. de Gruyter 1951, 116.

26Vgl. Österreichisches Staatsarchiv, AVAFHKA, 22 II, Nr. 11572.

27Vgl. W. Fleischmann-Bisten: „Der Evangelische Bund in der Weimarer Republik und im sog. Dritten Reich (1918–1945)“, in: ders. und H. Grote: Protestanten auf dem Wege. Geschichte des Evangelischen Bundes. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1986 (BenshH 65), 161–162.

28Vgl. K. Gutzmer: „Der Bonner Buchhandel im Überblick mit besonderer Berücksichtigung des Dritten Reiches“, [separater Beitrag] in: H. Heyer: Kultur in Bonn im Dritten Reich. Bonn: Stadt Bonn / Stadtarchiv 2002 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn 62), 291.

29Vgl. R. Keller und K. Paffen: „Aus der Geschichte der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde“, in: 50 Jahre Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zu Bonn. 8. November 1910–8. November 1960. Bonn: Ferd. Dümmler 1960, 16.

30Vgl. K.-D. Oelze: Das Feuilleton der Kölnischen Zeitung im Dritten Reich. Frankfurt a.M. u.a.: P. Lang 1990 (Regensburger Beiträge zur deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft. Reihe B, Untersuchungen 45), 5.

31NSHE 3 (1909), 131 (ohne Verfasserangabe, aber möglicherweise auf Selbstauskunft beruhend); bei keinem anderen der zum Vergleich herangezogenen deutschen Theologen findet sich diese Bezeichnung.

32J. E. Belser: „[Rez.] C. Clemen, Religionsgeschichtliche Erklärung des Neuen Testaments [1. Aufl.]“, in: ThQ 91 (1909), 288.

33J. Behm: „[Rez.] C. Clemen, Predigt und biblischer Text“, in: TLB 30 (1907), 246.

34Fr. Schultzen: „[Rez.] C. Clemen, Paulus“, in: ThLBl 27 (1906), 355.

35H. Kötzsche: „[Rez.] C. Clemen, Entstehung des Neuen Testaments [2. Aufl.]“, in: PrBl 60 (1927), 480.

36G. A. van den Bergh van Eysinga: „[Rez.] C. Clemen, Religionsgeschichtliche Erklärung des Neuen Testaments [2. Aufl.]“, in: NThT 14 (1925), 203.

37Vgl. G. Sinn: Christologie und Existenz. Rudolf Bultmanns Interpretation des paulinischen Christentums. Tübingen: Francke 1991 (TANZ 4), 13.

38Vgl. Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft… [wie oben], 100; ferner M. Dürkop: Das Archiv für Religionswissenschaft in den Jahren 1919 bis 1939. Dargestellt auf der Grundlage des Briefwechsels zwischen Otto Weinreich und Martin P:n Nilsson. Münster: LIT 2013 (Religionswissenschaft 20), 425, Anm. 1. – Wenn M. Bauschulte: Religionsbahnhöfe… [wie oben], 229 Clemen unter den Vertretern „der phänomenologisch orientierten Religionswissenschaft“ auflistet, ist dies sicher nicht richtig.

39A. Harnack: Die Aufgabe der theologischen Facultäten und die allgemeine Religionsgeschichte. Gießen: J. Ricker 1901, 10.

40Vor seinem Auge stand allerdings – das muss zugegeben werden – „die von Sprache und Geschichte losgelöste Religionsgeschichte“ (ebenda).

1Biographie

1.1 Herkunft, Kindheit und Jugend (1865–1884)

Als Carl Clemen am 30. März 1865 im damals noch selbständigen, später dann nach Leipzig eingemeindeten Sommerfeld geboren wurde, hatte sein Vater August Clemen zwei Jahre zuvor, am 4. Oktober 1863, die dortige Pfarrstelle übernommen und einige Tage später, am 21. Oktober, die Leipziger Kaufmannstochter Helene Voigt geheiratet.1 August Clemen stammte aus einer Tuchhändlerfamilie und hatte unter glücklichen Umständen an der Universität Leipzig ein Theologiestudium absolvieren und an der dortigen Philosophischen Fakultät promovieren können. Carl Clemen war der Erstgeborene von den insgesamt acht Kindern seiner Eltern.2 Diese Stellung in der Geschwisterreihe hatte sicherlich eine besondere Bedeutung für ihn,3 wie dies wohl auch von dem unmittelbaren Vorbild seines Vaters gelten dürfte,4 der nicht nur mit großem Erfolg die Fürstenschule in Grimma absolviert, sondern auch trotz widriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sein Studium abgeschlossen hatte. Spannungen waren hier freilich gleichsam vorprogrammiert, denn Paul Clemen – einer der jüngeren Brüder von Carl Clemen – charakterisierte den Vater und dessen Verhältnis zu zwei der Söhne folgendermaßen:

←19 | 20→Mein Vater bekannte sich zu dem streng orthodoxen protestantischen Glauben; von seinem Standpunkt auf dem äußersten rechten Flügel, den er in der Kampfzeit einnahm, kam er dann oft in Konflikt mit den beiden gelehrten theologischen Söhnen, dem ersten Carl und dem vierten Otto […].5

Nicht nur die theologische Position des Vaters war für Carl Clemen – zumindest als Reibungsfläche – bestimmend, auch dürfte die väterliche Lebensausrichtung, den Idealen der Zeit und der sozialen Schicht entsprechend, „mit strengen Ehe-, Familien- und Sexualnormen, einem herben Rigorismus der Wahrhaftigkeit und der Pflicht, einer Scheu und Abneigung gegen allen Ausdruck der Emotionen“,6 den Hintergrund für die eigene Lebenseinstellung abgegeben haben. Von den Geschwistern sind für uns nur sein nächstgeborener Bruder Paul und der gerade ebenfalls genannte Bruder Otto von Belang. Die besondere Bedeutung der beiden Brüder wird sich nicht nur im Folgenden zeigen, sie ist auch aus der Tatsache zu ersehen, dass Carl Clemen – von einer allgemein gehaltenen Widmung abgesehen7 – neben dem Vater nur ihnen Bücher gewidmet hat.8←20 | 21→

Mit der Berufung des Vaters als „siebenter Professor und Religionslehrer“9 an die Fürsten- und Landesschule St. Augustin zu Grimma im Jahr 186810 zog die wachsende Familie von Sommerfeld in den Ort der neuen Wirkungsstätte des Vaters um, wo man erst in dem sogenannten Professorenhaus eine Etage bewohnte, später dann in ein eigenes Haus wechselte. In Grimma besuchte Carl Clemen zunächst die Bürgerschule, dann zur Vorbereitung auf den Eintritt in die Fürstenschule das Progymnasium, das er 1878 mit der Quarta abschloss und von dem er dann als externer Schüler auf die Fürstenschule überging.

Die Fürstenschule in Grimma verstand sich wie St. Afra in Meißen und Schulpforta bei Naumburg als herausragende Bildungseinrichtung – auf eine kurze Formel gebracht: „Fürstenschüler waren Leistungseliten.“11 Spielte schon beim normalen humanistischen Gymnasium der damaligen Zeit der Unterricht im Lateinischen und Griechischen eine besondere Rolle,12 so galt dies umso mehr für die drei genannten Fürstenschulen. Die Stundenverteilung für die Oberprima sah acht Stunden Latein und sechs bis sieben Stunden Griechisch vor.13 Ansonsten galt: „Verglichen mit den Alten Sprachen nahm der Unterricht in den modernen Fremdsprachen Französisch und Englisch […] eine untergeordnete Stellung ein.“14 Mit kritischen Worten erinnerte sich Paul Clemen an die eigenen Schuljahre in Grimma:

Ich mache mir klar, dass einem jeden Menschen in jeder Periode seines Lebens eine bestimmte Zahl von Energieeinheiten als Durchschnittsmitgift verliehen ist. Von diesen energetischen Reserven der Jugend wurde in unserem Schulplan gut Zweidrittel durch Latein und Griechisch beansprucht und verzehrt – und nur für die Sprache, nur für das Äußerliche, das Formale. […] Von hellenischer und von römischer Kultur erhielten wir keinen Begriff.15

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Diese in seinen Augen einseitige Betonung der alten Sprachen kam nur zwei Gruppen von Mitschülern in ihrer späteren beruflichen Tätigkeit zugute, „den Altphilologen und Theologen“. Einer derartigen Kritik steht freilich bei Paul Clemen auch ein positiver Aspekt gegenüber, den er mit dem „Genius der Schule“ verbindet und der ihn „tief dankbar“ sein lässt:

[…] für die Erziehung zum Gefühl des Ernstes, der Pflichterfüllung, der höchsten Zeitausnützung mit einem für die Externen wie die Internen gleich gültigen, bis auf halbe Stunden geregelten Tagesprogramm, der Strenge der gelehrten Selbstzucht – auch für das, was uns die Schule ohne ihren Willen brachte: den Zwang zum selbständigen Aufsuchen der uns verschlossenen Nebenwege.16

Während bis auf einen früh verstorbenen alle Brüder die Fürstenschule durchliefen, stieg der Vater schließlich – wie er in seinen Lebenserinnerungen schrieb – „in die 2. Lehrerstelle, die des Stellvertreters des Rektors, auf“. August Clemen unterrichtete Religion, Hebräisch und in der Oberprima gelegentlich Deutsch. Auch in der häuslichen Umgebung der Familie erwies er sich als „der gewissenhafte Vertreter des strengen Geistes der Fürstenschule“,17 was sich in täglicher Hausandacht, in der frühzeitigen Einführung zumindest der beiden älteren Söhne in die lateinische Sprache und im Vertrautmachen seiner Kinder mit den Werken der klassischen deutschen Literatur zeigte, freilich auch hier wie in der Schule „nicht über Goethe hinaus“.

In den für ihn relevanten Jahresberichten der Fürstenschule begegnet Carl Clemen regelmäßig in den Klassenübersichten – und der Vater mit der fallweise steigenden Bezifferung seiner Lehrerstelle. Auf vier verschiedenen Seiten ist dann aber im letzten Jahresbericht 1883–1884 von Carl Clemen die Rede. Zunächst ist er mit den Schülern der Oberprima I aufgelistet.18 Unter der Überschrift „Prämien und Stipendien“ ging es unter anderem um ein Stipendium in Höhe von 600 Mark, das auf drei Jahre verteilt ausgezahlt werden sollte. Das vom Direktor gestellte Thema lautete: „Über die Elektra des Sophokles, mit vergleichender Berücksichtigung der Choëphoren des Aischylos, der Elektra des Euripides und des Hamlet Shakespeares.“ Vier Arbeiten waren – neben anderen auch von Carl Clemen – eingereicht worden; die Arbeiten „wurden alle als preiswürdig erachtet“, das Stipendium erhielt allerdings ein anderer Schüler.19 Der ←22 | 23→Jahresbericht erinnerte sodann an die Feier des 333. Stiftungsfestes der Schule am 14. September 1883. Der Vater August Clemen hielt die Festpredigt über zwei Verse aus dem Hebräerbrief. Insgesamt fünf Schüler trugen Reden vor, als letzter Carl Clemen über „Luther und die altklassischen Studien“. Anschließend gab der Rektor die Empfänger von Stipendien und Prämien bekannt und erwähnte dabei auch Carl Clemen besonders lobend, „welcher, obwohl nach Sitten, Fleiß und Leistungen hervorragender Schüler, doch als Externer eine Prämie nicht erhalten konnte“.20 Schließlich dokumentierte die Übersicht über die Abiturnoten, dass Carl Clemen mit den Noten „I / I“ die beste Abiturprüfung abgelegt hatte.21 Er trat damit als Erstgeborener in die Fußstapfen seines Vaters August, der allerdings – wie er in seinen Lebenserinnerungen schrieb – 1857 die Reifeprüfung „mit I in litteris, in moribus sogar mit Ia“ bestanden hatte.

1.2 Studium, Promotion und Habilitation (1884–1892)

Mit dem bestandenen Abitur trat Carl Clemen nun in eine neue Lebensphase ein, die gemeinhin mit einem Erlebnis von Freiheit nach der als beengend empfundenen Schulzeit assoziiert wird. Damals war es freilich noch anders: „Die Entscheidung über das Studienfach und den Studienort wurde häufig noch von der Familie, vor allem dem Vater und anderen väterlichen Freunden, nach pragmatischen Gesichtspunkten getroffen.“22

Wie die Entscheidung bei Carl Clemen im Einzelnen verlaufen ist, lässt sich nicht mehr ermitteln. In einem handgeschriebenen Lebenslauf aus dem Jahr 1892, den er im Zusammenhang mit seiner Habilitation angefertigt hat, bekannte er allerdings:

Obwohl […] anfangs vor allem für altklassische Philologie u[nd] daneben hauptsächlich für Mathematik interessiert, entschloß ich mich doch zuletzt, in der damals wohl noch ziemlich unklaren Hoffnung, so am ehesten einmal anderen möglichst nützlich werden zu können, zum Studium der Theologie.23

←23 | 24→

Mit dem Entschluss zum Studium der Theologie folgte Carl Clemen dem väterlichen Vorbild; bei der Wahl von Leipzig als Studienort war das ebenso der Fall, allerdings dürften hier auch pragmatische Gründe hineingespielt haben. Mit dem Abitur hatte er die Erlaubnis, statt des normalen, drei Jahre dauernden Wehrdienstes einen auf ein Jahr verkürzten Wehrdienst abzuleisten.24 Damit war auch das Recht verbunden, außerhalb der Kaserne wohnen zu dürfen, allerdings auch die Verpflichtung, die Kosten für die militärische Kleidung selber zu tragen. Zugleich war es möglich – bei entsprechender Organisation und Leistungsbereitschaft – neben dem Wehrdienst Vorlesungen an der Universität zu besuchen (oder zumindest zu belegen), so dass die beiden Semester für die Studiendauer angerechnet werden konnten. Diese Möglichkeit hatte Carl Clemen nun in Leipzig, wo er sich nicht nur an der Universität immatrikulierte,25 sondern auch seinen einjährigen Wehrdienst ableistete.26

Über Clemens Studium sind wir relativ gut informiert. Von seinen Studienorten haben sich – mit einer einzigen Ausnahme – die Exmatrikel erhalten. Diese Exmatrikel freilich enthielten – der damaligen Praxis entsprechend – „nicht die gehörten, sondern die bezahlten Vorlesungen“.27 Nach dem, was bereits über die Erziehung von Carl Clemen gesagt wurde und was über seinen sehr verantwortungsvollen Umgang mit Geld noch gesagt werden wird, ist davon auszugehen, dass er die Vorlesungen, für die er Kolleggeld entrichtete, auch gewissenhaft besucht hat.

Da das körperlich sehr anstrengende Exerzieren während des Militärdienstes offensichtlich auf den Vormittag beschränkt war,28 konnte Carl Clemen während ←24 | 25→des restlichen Tages an Vorlesungen teilnehmen.29 So besuchte er nach Ausweis seines Leipziger Exmatrikels30 in seinem ersten Semester, dem Sommersemester 1884, die Vorlesung des Philosophen Moritz Drobisch, der montags, dienstags, donnerstags und freitags in der Zeit von 12 bis 13 Uhr über „Einleitung in die Philosophie und Logik“ las. Im folgenden Wintersemester belegte er insgesamt drei Vorlesungen: wiederum in der Philosophischen Fakultät eine Vorlesung „Über die Grundbegriffe der Ästhetik“ bei Conrad Hermann, der mittwochs und samstags von 17 bis 18 Uhr las; bei den Theologen eine „Einleitung in das Alte Testament“ bei dem gerade nach Leipzig berufenen Hermann Guthe, die im gleichen Zeitfenster stattfand, wie im Sommer die von Clemen besuchte Philosophie-Vorlesung; und dann wiederum in der Philosophischen Fakultät eine Vorlesung von Friedrich Delitzsch (mittwochs und samstags 12 bis 13 Uhr) zum Thema „Das Alte Testament im Lichte der Keilschriftforschung“. Sie zeigt, dass Carl Clemen relativ früh den Blick über die engen Grenzen des Faches wagte; denn über Friedrich Delitzsch urteilte Kurt Rudolph:

Er stellt […] das Alte Testament in den Kulturzusammenhang des Vorderen Orients und leitet dadurch endlich eine religionsgeschichtliche Interpretation dieser Schriften ein, die allerdings zunächst zu sehr einseitigen Theorien im sogenannten „Bibel-Babel-Streit“ und „Panbabylonismus“ führte.31

Die Vorlesung „Allgemeine Religionsgeschichte“, die Bruno Lindner regelmäßig vom Wintersemester 1882/83 bis zum Wintersemester 1897/98 abhielt,32 hat Clemen nicht besucht. Das Thema sollte ihn erst an seinem nächsten Studienort interessieren.

Nach Abschluss seines Militärdienstes und seines ersten Studienjahres setzte Clemen sein Studium an der Universität Tübingen fort. Damit wählte er einen ←25 | 26→weiteren Ort mit einer besonderen wissenschaftlichen Bedeutung, dem noch zwei andere folgen sollten; zu allen vier Orten findet sich das Urteil: „Im Vergleich mit anderen Theologischen Fakultäten in Deutschland nahm Leipzig neben Berlin, Tübingen und Halle eine Spitzenstellung ein.“33 Während die beiden Semester in Leipzig – wenn Clemen tatsächlich die belegten Lehrveranstaltungen besucht hat – vorbereitenden Charakter hatten, lässt sich in den beiden Tübinger Semestern doch ein gewisser Schwerpunkt des damaligen Studieninteresses erkennen, der möglicherweise auch bei der Wahl des Ortes den Ausschlag gegeben hat. Denn Leipzig dürfte – von Grimma aus gesehen – als nahes „Zentrum des konfessionellen Luthertums“34 den Vorstellungen des Vaters eher entsprochen haben als das ferne Tübingen, charakterisiert „durch das Nebeneinander der neuen historisch-kritischen Sichtweise und der in Württemberg tief verwurzelten biblizistisch-konservativen Neigungen“;35 Tübingen war folglich in Bezug auf die theologischen Positionen – wie ein Schlagwort übrigens auch für Berlin und Göttingen lautete – „gemischt“.36

Clemen belegte im Sommersemester 1885 neben der „Geschichte der Philosophie“ bei Christoph von Sigwart und der „Allgemeinen Religionsgeschichte“ bei Rudolf Roth37 sowohl auf der einen Seite die „Erklärung ausgewählter Psalmen“ bei Emil Kautzsch als auch die „Erklärung des Deuterojesaja“ bei Robert Kübel – zwei alttestamentliche Veranstaltungen also, aber eben bei zwei offensichtlich konträren Vertretern des Faches.38 Im folgenden Wintersemester hörte er „Alttestamentliche Theologie“ bei Kautzsch und die „Erklärung der Genesis“ ←26 | 27→bei dem mit Kautzsch eng verbundenen Orientalisten Albert Socin. Robert Kübel – eigentlich Systematiker und 1879 bezeichnenderweise von der Theologischen Fakultät Leipzig mit der Ehrendoktorwürde geehrt39 – las über „Luthers Schriften“; ihn hörte Clemen wie auch die „Kirchengeschichte“ bei Carl Heinrich von Weizsäcker und die „Griechische Philosophie“ bei Edmund Pfleiderer.40 Über den Ertrag seines Studiums in Tübingen urteilte er im Jahre 1892 folgendermaßen:

Daß ich dann zunächst die Universität Tübingen besuchte, muß ich fortdauernd als eine besonders glückliche Fügung ansehen, denn dort habe ich nicht nur gleich anfangs wirksame Anregung zu streng wissenschaftlicher Arbeit erhalten, sondern vor allem für mein eigenes religiöses Leben durch den Verkehr mit schwäbischen Pietisten u[nd] gleichgerichteten Freunden reichen Gewinn gehabt.41

Darüber hinaus hatte das Jahr an der Universität Tübingen noch eine weitere erfreuliche Folge. Aus Tübingen zurückgekehrt, arbeitete Clemen eine Abhandlung für eine Preisaufgabe der dortigen Evangelisch-Theologischen Fakultät aus. Das Thema – wohl im Zusammenhang mit dem augenscheinlichen Studienschwerpunkt von Clemen damals – lautete: „Disseratur de iis, quae in Davidis indole et vita vel laudanda vel vituperanda sint, Veteris Testamenti libris critice adhibitis.“42 Er gewann diese Preisaufgabe. Der Preis bestand aus einer Goldmedaille mit dem Porträt von König Friedrich I. von Württemberg und der Inschrift „ingenio et studio“ sowie einer Geldprämie in Höhe von 200 Mark.43 In der Begründung heißt es – allerdings neben einer verhaltenen Klage, der Stil sei „nicht frei von Germanismen und Barbarismen“ –:

←27 | 28→Die Preisarbeit […] entspricht in anerkennenswerter Weise dem Sinne des Themas und den Anforderungen wissenschaftlicher Behandlung. […] Das Ganze ist nach Anlage und Methode eine auf der Höhe der Wissenschaft stehende Lösung der gestellten Aufgabe, eine Leistung, welcher die Facultät gern den Preis als wohlverdienten zuerkannt hat.

In dem oben schon zweimal herangezogenen Lebenslauf mit den Angaben zu Studienwahl und Studienorten aus dem Jahr 1892 findet sich merkwürdigerweise kein Passus zum Sommersemester 1886 und Wintersemester 1886/87 – zwei Semester, die Clemen wieder in Leipzig verbrachte.44 Es galt für ihn, sich nun zu bewähren in der „Hochburg der Orthodoxie“, wie Johannes Müller, der kurz zuvor in Leipzig studiert hatte, die Stadt beurteilte.45 An die Stelle der einführenden Lehrveranstaltungen aus dem ersten Studienjahr trat jetzt die substantielle Auseinandersetzung mit dem „Leipziger Dreigestirn, das ihre Fakultät zu einem attraktiven Zentrum des konfessionellen Luthertums werden ließ“.46 Von diesen drei Theologen lehrten damals allerdings nur noch Ernst Luthardt und Franz Delitzsch; Karl Kahnis war hingegen aus gesundheitlichen Gründen seit 1885 nicht mehr tätig.47

So verwundert es nicht, wenn Clemen im Sommersemester bei Ernst Luthardt dessen „Auslegung des Hebräerbriefes“ und bei Franz Delitzsch die „Alttestamentliche Heilsgeschichte“ hörte. Als einzige weitere theologische Vorlesung belegte er „Kirchengeschichte II. Hälfte, von Gregor VII. bis zur Gegenwart“ bei Gotthard Lechler, dessen Vorlesung montags bis freitags „7–8 U[hr] früh“ stattfand. Über diese Vorlesung urteilte Johannes Müller: „Ich bekam einen ordentlichen Schreck. Das ist ja wieder das Niveau des Gymnasiums, ja, wie ich in der ersten und einzigen Stunde der Lechlerschen Kirchengeschichte sagte, das Niveau einer höheren Töchterschule.“48 Die anderen Veranstaltungen der von ihm insgesamt belegten 25 Semesterwochenstunden kamen aus verschiedenen Bereichen der Philosophischen Fakultät.

Im folgenden Wintersemester besuchte Clemen bei Luthardt die Dogmatik-Vorlesung und bei dem Alttestamentler Viktor Ryssel die Vorlesung über „Das Hohe Lied“ – obwohl Delitzsch mit mehreren Vorlesungen und Übungen ←28 | 29→vertreten war. An weiteren Veranstaltungen war sicherlich die „Kirchenhistorische Gesellschaft“ von Friedrich Loofs für Clemens Entwicklung nicht unwichtig und wohl auch die Begegnung mit Wilhelm Wundt, dessen vierstündige Vorlesung „Logik und wissenschaftliche Methodenlehre“ er hörte. Zumindest über die theologischen Lehrer urteilte der schon erwähnte Johannes Müller:

Fast alle Professoren waren hochbetagte, würdige Männer. […] Ihre Wissenschaft war sicher bedeutend, aber in sich sehr konservativ und im Laufe der Zeit etwas veraltet und abgestanden. Der Lebendigste und auch für das Neue Aufgeschlossenste war zweifellos Franz Delitzsch, aber er war […] an die Tradition mehr gebunden, als es bei profanen Fakultäten möglich ist. Ihm schien die kritische Theologie seines Fachs wie die von Wellhausen und Guthe den Offenbarungscharakter des Alten Testaments zu beeinträchtigen.49

Möglicherweise dachte Carl Clemen ähnlich und zog es vor, über seinen Eindruck in dem besagten Lebenslauf zu schweigen.

Während sich über die außeruniversitären Aktivitäten von Carl Clemen an keinem anderen Studienort nähere Einzelheiten haben ermitteln lassen, ist dies in dem in Leipzig zusammen mit seinem jüngeren Bruder Paul verbrachten Studienjahr anders. Paul – damals stud. phil. mit Schwerpunkt Kunstgeschichte und Germanistik – hatte im Juni 1886 einen studentischen Verein mit dem Namen „Verein für deutsches Altertum, Schriftentum und Kunst ʽTafelrundeʼ“ ins Leben gerufen.50 Der Vereinszweck war unter anderem, „seine Mitglieder mit der nordischen und deutschen Götter- und Heldensage und den Schätzen der deutschen Altertumskunde bekannt zu machen“. 1887 schuf der Verein sein erstes (und wohl einziges) handgeschriebenes „Jahrbuch“, das auch einen Beitrag von Vereinsmitglied Carl Clemen enthielt. Sein Beitrag trug den Titel „Die Aristotelische Katharsis und das moderne Theater“.

Nach einem kurzen Bericht über die von Tübingen ausgezeichnete Preisarbeit ging Clemen in der Darstellung seines Studienverlaufs gleich zum nächsten Studienort über: „Ostern 1887 ging ich auf ein Semester nach Halle, wo mich schon damals die väterlich-freundschaftliche Art, mit der die Professoren in und außer den Vorlesungen mit uns Studenten verkehrten, ganz besonders anzog.“51←29 | 30→

Nach Ausweis seines Exmatrikels besuchte er in diesem Semester nur theologische Veranstaltungen:52 die Vorlesungen „Neutestamentliche Theologie“ bei Willibald Beyschlag, „Theologische Ethik“ und „Geschichte der Ethik“ bei Martin Kähler, „Lessings Stellung in der Kirchengeschichte“ bei Friedrich Loofs, der wie Clemen im selben Semester nach Halle gewechselt war, und „Dogmengeschichte“ bei Albert Eichhorn. Daneben nahm er an dem „Katechetischen Seminar“ von Hermann Hering teil und – wie in Leipzig – an den „Kirchengeschichtlichen Übungen“ von Friedrich Loofs.

Das Wintersemester 1887/88 verbrachte Clemen in Berlin. Die dortige Theologische Fakultät hatte gerade „durch die Berufungen der achtziger Jahre rasch an Attraktivität“ gewonnen.53 Sein diplomatisches Urteil über das Berliner Semester sagt allerdings mehr über ihn als über die Berliner Professoren aus:

Den folgenden Winter brachte ich in Berlin zu u[nd] empfing auch hier die verschiedensten Anregungen. Doch suchte ich mir immer über jede Frage möglichst selbständig ein Urteil zu bilden, so daß ich auch außer stande bin, mich einer bestimmten Schule zuzurechnen […].54

Was die in Berlin besuchten Lehrveranstaltungen betrifft,55 so haben auf Clemen sicherlich die Dogmatik-Vorlesung von Julius Kaftan und dessen „Theologische Sozietät“ bleibenden Eindruck gemacht, denn mit Kaftan war er auch weiterhin verbunden, wie sich beispielsweise an seiner Mitarbeit bei der Kaftan zum 70. Geburtstag gewidmeten Festschrift zeigt.56 Auch Ernst Troeltsch, der anderthalb Jahre vor Clemen in Berlin war, hatte ausgiebig bei Kaftan studiert.57 Sicherlich hatten auch die „Dogmatischen Übungen“ von Otto Pfleiderer, dem „Führer der deutschen liberalen Theologie“,58 mit dessen „Einordnung des Christentums in ←30 | 31→die Religionsgeschichte“59 auf Clemen einen starken Einfluss. In der Philosophischen Fakultät besuchte er außerdem die Vorlesungen „Parlamentarismus“ des Historikers Heinrich von Treitschke und „Deutsches Drama im 19. Jahrhundert“ des Germanisten Erich Schmidt. Beide gehörten sicherlich zu der „Schar der Berühmtheiten […], deren Name weit über ihre Fachgebiete hinausstrahlten“, wie der Sinologe Otto Franke in seinen Erinnerungen allgemein die Professoren der Berliner Universität charakterisierte.60 Franke war einige Semester vor Clemen in Berlin und hat in seinen Erinnerungen auch seine sehr persönlichen Eindrücke von der für ihn großartigen Metropole, in der „man Gelegenheit hatte, zuweilen den leitenden Personen in figura zu begegnen“,61 festgehalten. Die folgenden Zeilen könnten geradezu von Carl Clemen stammen:

Berlin war in den achtziger Jahren eine erstaunlich billige Stadt, vielleicht die billigste unter den Großstädten, und zwar billig sowohl mit Bezug auf Essen und Trinken als auch mit Bezug auf Wissenschaften und Künste. Man konnte nicht bloß die letzten Ergebnisse der gelehrten Forschung in den Vorträgen der ersten Vertreter ihrer Fächer an der Universität umsonst hören, sondern konnte auch die schönsten Erzeugnisse der bildenden Kunst in den Museen für wenige Pfennige, die vorzüglichste Musik in dem Bilseschen Konzerthaus oder den anderen Musiksälen für wenig mehr genießen.62

Da das Wintersemester damals im deutschen Kaiserreich erst mit dem 15. März endete,63 hat Clemen möglicherweise noch aus der Nähe das Sterben und die Beisetzung von Kaiser Wilhelm I. erlebt. Adolf Deißmann, der allerdings erst zum Sommersemester dieses „Dreikaiserjahres“ in Berlin war, fasste seine Eindrücke in dem kurzen Satz zusammen: „Eine unerhört erregte Spanne Zeit!“64

In seinem ausführlichen Lebenslauf kam Clemen im Anschluss an das Berliner Semester gleich auf sein erstes theologisches Examen in Leipzig zu sprechen. Er ←31 | 32→datierte das Examen auf „Michaelis 1888“, also Ende September. Offensichtlich zur Vorbereitung auf dieses Examen, von dem sich keinerlei Dokumente erhalten haben, hat Clemen sich im Sommer noch einmal in Leipzig eingeschrieben und vor allen Dingen verschiedene Seminare besucht,65 so das „Homiletische Seminar“ von Rudolf Hofmann, die „Dogmatische Gesellschaft“ von Ernst Luthardt und das „Exegtische Seminar zu NT und AT“ von Gustav Fricke. Außerdem belegte er die Vorlesung über „Symbolik“ von Theodor Brieger, der 1886 als Nachfolger von Karl Kahnis nach Leipzig berufen worden war.66

Nach dem theologischen Examen widmete sich Clemen laut ausführlichem Lebenslauf einerseits der Ausarbeitung seiner philosophischen Dissertation, andererseits hielt er in dem damals als Kinderheim geführten Martinstift in Leipzig Gottesdienste ab. Im Sommer 1889 war er dann in Grimma an der dortigen Höheren Töchterschule als Hilfslehrer beschäftigt. Das Thema der Dissertation – Die religionsphilosophische Bedeutung des stoisch-christlichen Eudämonismus in Justins Apologie. Studien und Vorarbeiten – hatte Clemen nach Ausweis des Vorworts „in der kirchenhistorischen Gesellschaft des Herrn Professor Dr. Loofs erhalten“.67 Erstgutachter war der Philosoph Max Heinze, als früherer Gymnasiallehrer in Schulpforta übrigens Lehrer von Friedrich Nietzsche,68 Zweitgutachter war Wilhelm Wundt.69 Heinzes Gutachten schloss mit den Worten: „Die Sprache leidet an zu langen, schwerfälligen, z[um] T[eil] schwerverständlichen Perioden, so daß ich vieles zwei Mal unmittelbar hintereinander habe lesen müssen.“

Wundts Urteil beschränkte sich darauf, dem Erstgutachter zuzustimmen. Die mündliche Prüfung fand in den Fächern Philosophie, Hebräisch und Geschichte statt. Die Note, die Clemen erhielt, war eine „IIa“.

Nach der Promotion bot sich Clemen die Möglichkeit, in London zum 1. Oktober 1889 für ein Jahr die Vertretung des erkrankten Pfarrers an der Deutschen Botschaft zu übernehmen.70 Über seine Tätigkeit dort schrieb er: „Neben dem Sonntagsgottesdienst in zwei Kirchen hatte ich namentlich im deutschen ←32 | 33→Hospital regelmäßige Andachten zu halten, im deutschen Waisenheim zu unterrichten u[nd] endlich die sehr ausgedehnte Armenpflege zu verfolgen.“71

Im Herbst 1890 kehrte Clemen nach Deutschland zurück und bestand in Dresden das zweite theologische Examen, von dem sich ebenfalls keine Unterlagen erhalten haben. Am 4. November 1890 wandte er sich von Grimma aus an Friedrich Loofs in Halle:

[W]‌enn Sie weiter auch noch die große Güte haben wollen, mir bezüglich meiner Zukunft mit Rat beizustehen, so werde ich mir erlauben, Ihrer freundlichen Einladung zu folgen, mich nächsten Sonnabend Mittag auf ein Paar Stunden bei Ihnen einzufinden u[nd] gegen Abend weiter nach Weimar u[nd] dann nach London zu reisen.72

Wie im Einzelnen der Rat von Friedrich Loofs ausfiel, lässt sich nicht ermitteln, aber ganz offensichtlich waren die nächsten Schritte mit ihm abgesprochen. Clemen reiste für ein weiteres halbes Jahr nach London, nun aber – im Unterschied zum ersten Aufenthalt – um „im britischen Museum über moderne englische Theologie u[nd] Philosophie“ zu arbeiten. Über seine neuen Zukunftspläne schrieb er im Lebenslauf:

Aber so lieb ich auch das geistliche Amt gewonnen hatte u[nd] so sehr ich wünsche, später einmal zugleich in dieser Richtung thätig sein zu können, ich glaubte doch damals, durch den freundlichsten Zuspruch meiner beiden verehrtesten Lehrer ermuntert, je mehr u[nd] mehr zu erkennen, daß ich mich vielleicht noch mehr für den Beruf des akademischen Lehrers eignen würde, u[nd] bezog daher, durch das mir freundlichst verliehene Lutherstipendium unterstützt, nochmals auf ein Jahr die Universitäten Halle u[nd] Berlin.73

Im Sommersemester 1891 immatrikulierte er sich also wieder in Halle. Da er ja nun an seiner Habilitationsschrift arbeitete, besuchte er nur relativ wenige Lehrveranstaltungen.74 Auf seinem Programm standen neben den beiden Vorlesungen „Geschichte des jüdischen Volkes“ des ihm schon von Tübingen her bekannten Emil Kautzsch und dem „Leben des Apostels Paulus“ von Willibald ←33 | 34→Beyschlag die „Alttestamentliche Gesellschaft“, die der nur drei Jahre ältere Privatdozent Hermann Gunkel anbot, so dass Clemen fast ein Menschenalter später einen Brief an Gunkel mit „Ihr dankbarer alter Schüler“ unterschreiben konnte.75 In einer weiteren Vorlesung behandelte der Nationalökonom Johannes Conrad „Armenwesen (unter besonderer Berücksichtigung der socialen Frage der Gegenwart)“.

Die eingangs genannte einzige Ausnahme bei den Exmatrikeln betrifft den zweiten Aufenthalt in Berlin, wo Clemen das Wintersemester 1891/92 zusammen mit seinem Bruder Otto verbrachte.76 Carl Clemen hat sich am 13. Oktober 1891 dort immatrikuliert und am 29. April 1892 exmatrikuliert, ohne sich ein förmliches Abgangszeugnis ausstellen zu lassen.77 Da im Zweiten Weltkrieg die Quästurakten für den betreffenden Zeitraum vernichtet worden sind, lässt sich nicht mehr feststellen, welche Lehrveranstaltungen er besucht hat. Im Unterschied zu seinem ersten Aufenthalt in Berlin war inzwischen Adolf Harnack von Marburg nach Berlin gewechselt.78 Höchstwahrscheinlich war dies der Grund für Clemens zweiten Besuch der Berliner Universität, zumal er später an einer Harnack-Festschrift aus dem Kreis der Schüler (!) des Jubilars mitgearbeitet hat.79

Nach § 46 der „Statuten der Theologischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg“ konnten die Promotion zum Lizentiaten und die Habilitation in einem Verfahren abgewickelt werden.80 Carl Clemen reichte am 27. Mai 1892 ←34 | 35→zwei Abhandlungen, die eine mit dem Titel Die Zusammensetzung der Apostelgeschichte und die andere mit dem Titel Die Chronologie der paulinischen Briefe, der Theologischen Fakultät ein, zusammen mit der Erklärung, die beiden Abhandlungen „selbständig u[nd] ohne andere, als die angegebene, Beihilfe verfaßt zu haben“.81 Der von der Fakultät bestellte Erstgutachter der beiden Abhandlungen war der Neutestamentler Erich Haupt, der in seinem acht enggeschriebene Seiten umfassenden und auf den 18. Juni datierten Gutachten zunächst den inneren Zusammenhang der beiden Abhandlungen aufzeigte und sich dann auf die kritische Auseinandersetzung mit der paulinischen Chronologie konzentrierte. In seinem Text heißt es unter anderem:

Vor allem constatiere ich, daß die großen Erwartungen, welche durch die glänzenden Zeugnisse u[nd] bisherigen literarischen Leistungen des Verf[assers], namentlich seiner Doktordissertation, hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Befähigung erregt wurden, in vollstem Maß auch durch seine nun vorliegenden Abhandlungen bestätigt wurden. Zunächst hat er sich ein staunenswertes Maß von Kenntnissen angeeignet. Er arbeitet, wie jede Seite zeigt, mit einer Beherrschung der vorhandenen Literatur, die bei einem Anfänger ihres gleichen suchen dürfte. In der ausländischen – holländischen u[nd] namentlich englischen – neuesten Literatur geht seine Belesenheit über die meinige bedeutend hinaus.

Das detaillierte Gutachten zeigt freilich auch, dass Haupt in einer ganzen Reihe von Punkten anderer Ansicht war als Clemen und dies auch darlegte. Trotzdem heißt es gegen Ende: „Verf[asser] will nicht nur ein ebenbürtiger Mitarbeiter an der theologischen Wissenschaft werden, er hat sich durch seine Arbeit sofort als solcher ausgewiesen.“ Die Voten der übrigen Ordinarien waren allesamt kurz und positiv; stellvertretend soll hier der Text von Willibald Beyschlag vom 25. Juni stehen:

Ich bedauere ungemein, bei der Kürze der zugemessenen Zeit bei der Lektüre der zweiten Arbeit nicht fortfahren zu können. So sehr ich mich bis dahin zum Widerspruch gegen dieselbe angeregt finde, so wenig kann die hervorragende Begabung und Tüchtigkeit des Verfassers in Zweifel gezogen werden. Ich schließe mich daher dem Votum des Herrn Referenten in dessen Endresultat einfach an.82

←35 | 36→

Das Kolloquium mit den insgesamt sechs Ordinarien fand am 6. August statt und wurde minutengenau dokumentiert; es begann um 16.10 Uhr und endete um 19.15 Uhr.83 Die Mehrheit sprach sich für ein „magna cum laude“ aus, allerdings mit dem Zusatz: „Bei der Verkündigung sollen dem Examinanden die Mängel in der systematischen Theologie sowie Desiderata rücksichtlich der Arbeiten ausgesprochen werden.“

Am 9. August stellte Clemen dann an den Kurator der Universität Halle-Wittenberg den Antrag, nach nunmehr bestandener Lizentiatsprüfung „sich für neues Testament habilitieren zu dürfen“,84 und verwies den Kurator zur weiteren Abklärung an Emil Kautzsch als den Dekan der Theologischen Fakultät. Unter dem 13. Oktober bat Clemen die Fakultät, seine Probevorlesung halten zu dürfen, deren Thema mit Erich Haupt bereits abgesprochen sei; das Thema lautete: „Die Versöhnungslehre des Hebräerbriefes“. Ganz offensichtlich hatte Haupt dieses Thema im Einvernehmen mit der Fakultät gewählt, um Clemens theologische Position näher kennenzulernen.85 Clemen hielt die Vorlesung am 25. Oktober.86

Mit den beiden Abhandlungen hatte Carl Clemen auch zwölf Thesen zur Verteidigung eingereicht. Die Thesen sind einmal in einer handschriftlichen Fassung in der Prüfungsakte und dann in einer gedruckten Fassung in der veröffentlichten Habilitationsschrift enthalten.87 Beide Fassungen variieren leicht.88 ←36 | 37→Die Verteidigung der Thesen fand am 28. Oktober um 11 Uhr statt.89 Opponenten waren Gerhard Ficker, der sich seinerseits im nächsten Jahr in Halle als Kirchenhistoriker habilitieren sollte und Clemen von der gemeinsamen Schulzeit in Grimma an verbunden war,90 sowie der damals noch als „Hilfsgeistlicher“ firmierende Max Scheibe, der später als Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche in Leipzig gewirkt hat.91 Einzelheiten zur Disputation sind nicht erhalten.92

Die Hochschul-Nachrichten vermeldeten in ihrer November-Ausgabe zu Halle an der Saale: „Habilitiert: Dr. phil. Carl Klemen [sic] als PD in der theologischen Facultät.“93

1.3 Privatdozent in Halle (1892–1903)

In den Jahren 1890 bis 1909 lag das durchschnittliche Alter für die Habilitation bei 28,4 bis 32,2 Jahren.94 Mit seiner Habilitation im Jahr 1892 lag Clemen also knapp unter diesem Altersdurchschnitt – was eigentlich ein gutes Omen für die kommenden Jahre sein sollte. In seiner Eigenschaft als Privatdozent hatte er zunächst freilich kein festes Einkommen.95 Wie in anderen Fällen waren auch für Clemen mögliche Einnahmequellen „Vorlesungsgelder, privater Unterricht ←37 | 38→und Bücherschreiben“.96 Hinzu kamen noch staatliche Stipendien, die aber in Preußen durch einen Ministerialerlass von 1884 die Summe von insgesamt 6 000 Mark nicht überschreiten und höchstens vier Jahre gezahlt werden sollten.97 Da er offensichtlich kein eigenes Vermögen besaß, war er – falls weitere Quellen nicht ausreichten – wie andere „auf […] die Unterstützung seiner Familie angewiesen“.98 Carl Clemen sollte in den folgenden fast zwei Jahrzehnten alle diese Möglichkeiten zur Genüge kennenlernen.

In dem oben schon kurz erwähnten Schreiben des Dekans Emil Kautzsch teilte dieser dem Rektor unter dem Datum des 11. November 1892 auch die Themen der beiden Lehrveranstaltungen mit, die Clemen im Wintersemester 1892/93 abhalten wollte: eine einstündige Vorlesung über die Thessalonicherbriefe und „neutestamentliche Übungen für Anfänger“. Clemen hat nach dem folgenden Sommersemester, in dem er ebenfalls eine einstündige Vorlesung und eine Übung durchführte, bis zum Sommersemester 1903 in Halle regelmäßig zwischen vier und zehn Stunden gelesen, im Wintersemester 1901/02 sogar 13 Stunden.99 Inhaltlich standen zunächst – entsprechend seiner ursprünglichen Venia – neutestamentliche Themen im Vordergrund, wobei er hier seinen Blick auch über das Christentum hinaus auf das Judentum zur Zeit des Zweiten Tempels richtete. Daneben traten dann aber auch Themen aus dem Bereich der systematischen Theologie, etwa Vorlesungen zur Dogmatik. Im Laufe der Jahre bildete sich die Praxis einer zweistündigen Vorlesung heraus, die er am Samstagmorgen hielt und die wohl auch für Hörer aus anderen Bereichen gedacht war. Hier kamen Themen zur Sprache, bei denen Clemen wohl ein besonderes Interesse seiner Hörerschaft voraussetzen durfte, wie etwa „Darstellung und Kritik der modernen Bedenken gegen den christlichen Gottesglauben“ (Wintersemester 1896/97, 1898/99 und 1901/02), „Die Glaubenslehre Schleiermachers und ihre Weiterbildung in der neueren Dogmatik“ (Sommersemester 1899 und Wintersemester 1902/03) oder – sicherlich vor dem Hintergrund des damaligen ←38 | 39→„Apostolikumsstreits“ – „Erklärung und Würdigung des apostolischen Glaubensbekenntnisses“ (Sommersemester 1903).100

Man könnte nun auf den ersten Blick meinen, dass gerade diese Vorlesungen wegen der zu erwartenden Kolleggelder eine besondere Bedeutung hatten. Das war aber nicht der Fall, denn die Samstagsvorlesungen waren – wie einige andere Lehrveranstaltungen von Clemen auch – als „gratis“ ausgewiesen. Der Grund, warum sogar in drei Semestern (Sommersemester 1897, Sommersemester 1899 und Wintersemester 1900/01) für sämtliche Vorlesungen kein Kolleggeld entrichtet werden musste, lässt sich nicht ermitteln.101 Clemens Einnahmen aus den Kolleggeldern waren – wie auch bei anderen Privatdozenten – sicherlich keine nennenswerte Größe.102 Zwar hatte die Theologische Fakultät in Halle – wie übrigens auch die Berliner Fakultät – stets eine stattliche Hörerzahl,103 aber als Privatdozent war Clemen nicht prüfungsberechtigt, und daher werden manche Studierende – wie es etwa das Beispiel von Paul Kahle zeigt,104 mit dem er als Ordinarius später in der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn zusammentreffen sollte – in erster Linie das Lehrangebot der Ordinarien bevorzugt haben.105

Auch die eingangs genannten Einnahmen aus Buchveröffentlichungen werden sich in Grenzen gehalten haben. Die Erfahrung lehrte hier: „[J]‌e wissenschaftlicher das Fach und die Art seiner Behandlung, umso geringer die Einnahmen daraus.“106 Nach der vollständigen Fassung seiner Habilitationsschrift Die Chronologie der paulinischen Briefe (1893)107 erschien im folgenden Jahr bei Vandenhoeck & Ruprecht die Monographie Die Einheitlichkeit der paulinischen ←39 | 40→Briefe. Drei Jahre später brachte Clemen im selben Verlag den ersten Band einer offensichtlich auf mehrere Bände angelegten, aber in dieser Form nicht realisierten Schrift Die christliche Lehre von der Sünde heraus. Ein Jahr später erschien bei J. C. B. Mohr ein kleines Heft mit dem Titel Der Ursprung des heiligen Abendmahls. In den weiteren Kontext des vorhin schon genannten „Apostolikumsstreits“ gehörte Clemens letzte in diesem Zeitraum veröffentlichte Monographie mit dem Titel „Niedergefahren zu den Toten“. Ein Beitrag zur Würdigung des Apostolikums; sie erschien in dem Gießener Verlag J. Ricker, der einige Jahre später unter dem Namen Alfred Töpelmann firmierte und mit dem Clemen weiterhin verbunden blieb.

Wir hatten oben schon wiederholt gesehen, wie sehr sich Carl Clemen den gesellschaftlichen Gepflogenheiten seiner Zeit und seines Standes hatte anpassen müssen. Für den jungen Privatdozenten galt nun: „Die Verheiratung war unter den Universitätstheologen der Regelfall.“108 Trotz der beruflich ungesicherten Lage und der wirtschaftlich prekären Situation heiratete er am 23. Mai 1893 die vier Jahre jüngere Marie Elterich, mit deren Brüdern er die Fürstenschule in Grimma besucht hatte. Der besondere Zusammenhalt unter den Fürstenschülern dokumentierte sich auch darin, dass im Grimmenser Stammbuch 1900 unter dem Eintrag zu Carl Clemen neben seinem Vater und seinen Brüdern auch seine Schwäger vermerkt waren.109

Nicht nur im privaten Bereich stand das Jahr 1893 offenkundig unter einem guten Stern, auch beruflich sollte sich zum Jahresende für den gerade seit gut einem Jahr habilitierten Clemen eine große Chance eröffnen. Unter dem Datum des 21. November 1893 war der Extraordinarius Ernst Troeltsch für das kommende Sommersemester von der Universität Bonn an die Universität Heidelberg berufen worden.110 Auf ein Schreiben des Berliner Ministeriums vom 7. Dezember hin, in dem um Vorschläge für die Neubesetzung der Stelle gebeten worden war, sandte der Kurator der Universität Bonn zusammen mit seiner Stellungnahme111 ein umfangreiches Schreiben der Evangelisch-Theologischen Fakultät vom 16. Dezember.112 Der Kurator führte aus, dass man im Berliner Ministerium zunächst entscheiden müsse, ob die nunmehr vakante Stelle in Bonn mit einem Ordinarius oder mit einem Extraordinarius besetzt werden solle. Neben zwei ←40 | 41→Wissenschaftlern für ein Ordinariat schlage die Fakultät für ein Extraordinariat an erster Stelle Carl Clemen, an zweiter den Berliner Privatdozenten Arthur Titius und an dritter den Bonner Privatdozenten Arnold Meyer vor.113 Zu Carl Clemen schrieb die Evangelisch-Theologische Fakultät:

Ersterer [i.e. Clemen] wirkt ja erst seit kurzer Zeit in akademischer Lehrtätigkeit, steht aber in einem verhältnismäßig reiferen Lebensalter und hat vor allen übrigen hier in Betracht kommenden Männern in Bezug auf litterarische Leistungen weitaus den Vorrang. […] Diese Arbeiten gehen zunächst von historischen, exegetischen und statistischen Einzelerscheinungen aus, welche sich auf eine erstaunliche Belesenheit in der einschlägigen Litteratur gründen. Sie zeigen aber dabei sämmtlich ein überwiegendes systematisches Interesse, indem überall der Stoff unter große Gesichtspunkte gebracht und für die Förderung der gegenwärtig schwebenden Fragen der christlichen Lehre und Erkenntnis zu verwerthen gesucht wird.114

Das Ministerium hielt sich nicht an die Vorschläge der Fakultät; mit Schreiben vom 16. April 1894 wurde Otto Ritschl, ein Sohn des Theologen Albrecht Ritschl, von Kiel nach Bonn berufen.115

Die Namen von Ernst Troeltsch und Carl Clemen begegnen dann 1894 nahezu auf gleicher Augenhöhe im Briefwechsel zwischen Martin Rade und Adolf Harnack. In der Vorbereitung der Jahrestagung 1895 der „Freunde der Christlichen Welt“ formulierte Martin Rade mehrere Vortragsthemen und schlug als Referenten Troeltsch oder Clemen vor.116 In seiner Antwort hatte Harnack Bedenken, ob man Troeltsch, den er bevorzuge, gewinnen könne, fügte dann aber hinzu: „[I]‌n 2. Linie habe ich auch gegen Clemen nichts.“117 Auch Ernst Troeltsch schätzte seinerseits Carl Clemen. Als 1895 der Verleger Paul Siebeck bei Troeltsch anfragte, ob er ihm für einen neu zu konzipierenden Literaturbericht – es handelte sich wohl um die dann in der Tat ab 1898 erscheinende Theologische Rundschau – eine geeignete Kraft empfehlen könne, antwortete Troeltsch: „Unter den Jüngeren könnte ich noch an den sehr kundigen, vielseitigen u[nd] arbeitskräftigen Lic. Dr. Clemen in Halle erinnern. Die anderen ←41 | 42→Herren, an die ich denken könnte, sind m[eines] E[rachtens] zu langsam u[nd] zu wenig arbeitskräftig.“118

Da ein Privatdozent bei den Theologen damals im Durchschnitt nur dreieinhalb Jahre in dieser Position verblieb, bis er auf eine feste Stelle berufen wurde,119 konnte Carl Clemen weiterhin zuversichtlich sein, auch wenn ihm bei der Berufung nach Bonn ein anderer Wissenschaftler vorgezogen worden war. So ist es sicherlich zu erklären, dass er am 1. August 1894 ein Exemplar seiner Schrift Die Chronologie der paulinischen Briefe aus dem Vorjahr vertrauensvoll an den im Berliner Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten für die Universitäten zuständigen Beamten schickte, an den Ministerialdirektor Friedrich Althoff, mit dem Vermerk „als ein Beispiel der Art, wie ich wissenschaftlich zu arbeiten suche“.120 Was Clemen nicht wissen konnte: Althoff pflegte in derartigen Lesestoff keinen Blick zu werfen121 – oder im günstigsten Fall das Buch an einen seiner Vertrauensleute weiterzuleiten, wie wir später noch bei einer anderen Büchersendung sehen werden.

Friedrich Althoff war 1839 in Dinslaken geboren; er hatte Jura studiert und war von 1871 an zunächst in der Verwaltung des nunmehr zum Deutschen Reich gehörenden Straßburg tätig gewesen. Hier war er unter anderem mit dem Aufbau der neu gegründeten Universität befasst. 1882 wurde er an das Berliner Ministerium berufen, wo ihm in erster Linie das Hochschul- und das Bibliothekswesen unterstanden.122 Den Eindruck, den er in dem Vierteljahrhundert ←42 | 43→in dieser Stellung hinterlassen hat, brachte Max Weber auf die Formel: „Es ist schwierig, über diesen Mann zu sprechen.“123 Althoffs – wohlmeinender – Biograph Arnold Sachse formulierte: „Es gibt wenige Menschen, deren Charakterbild so sehr, wie das seine, von Gunst und Haß und anekdotenhaften Mythen entstellt worden ist.“124 Je nachdem, wie die Begegnung mit Friedrich Althoffs Art – „paternalistisch-wohlwollend, bürokratisch-autoritär, aufgeklärt-autokratisch“125 – erfahren wurde, variieren auch die Urteile über das nach seinem Urheber so benannte „System Althoff“. Seine Berater in theologischen Angelegenheiten waren vor allem zunächst Bernhard Weiß,126 dann Adolf Harnack,127 im Falle von Clemen auch, wie sich später zeigen wird, Reinhold Seeberg – alle drei Ordinarien der Berliner Universität.

Wie in der Person von Friedrich Althoff ein dominierender Widerpart in Clemens Biographie erschien, so sollte auch das Thema Finanzen eine zunehmend ungünstige Entwicklung nehmen. Auf einen von mehreren Stipendienanträgen hin hatte Althoff am 31. Januar 1899 an den Kurator der Universität Halle geschrieben und um eine Auskunft zu den Vermögensverhältnissen von Carl Clemen gebeten.128 Über den Dekan der Theologischen Fakultät erhielt der Kurator folgende Auskunft von Friedrich Loofs:

Nur dem Vertrauensverhältnis, in dem Dr. Clemen zu mir steht, verdanke ichs, daß ich schon seit längerer Zeit über die Vermögensverhältnisse desselben Bescheid weiß. Dr. Clemen selbst hat noch kein Vermögen; seine wohlhabenden Eltern (Gymnasialprof[essor] C[lemen] in Grimma u[und] Frau) leben beide noch, auch Dr. Clemens Frau hat kein Vermögen.

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Loofs führte sodann aus, dass im Falle von Carl Clemen die Einnahmen aus den Kolleggeldern und den Buchveröffentlichungen – wie zu erwarten – für den Lebensunterhalt nicht ausreichten, und dies, obwohl die Ehe kinderlos sei. Allerdings verfüge sein Vater über ein gewisses Vermögen, so dass er seinem Sohn „einen beträchtlichen jährlichen Zuschuss“ gewähre:

Dennoch ist […] Dr. Clemens Lage keine angenehme. Zunächst weil sein Vater, der in Geldsachen sehr genau ist, ihm es oft fühlbar macht, daß er des Zuschusses bedarf; sodann weil Dr. Clemen noch vier Geschwister hat, der Vater daher unserem Dr. Clemen um der Geschwister willen von seinem Erbteil abziehen wird, was er für ihn „ausgelegt“ [sic] hat.129

Im Detail führte Loofs aus, dass Clemens Vater die aktuellen Zahlungen mit dem zu erwartenden Erbe verrechne, so dass sich dieses zunehmend verringere und ein Ende eines solchen Finanzierungsmodells absehbar sei:

Unter diesen Umständen kann zwar Dr. Clemen, obgleich er durch seine Lage oft bedrückt ist, wenn es sein muß, auch einige Jahre so weiter von Anleihen bei der Zukunft leben; allein es ist sehr begreiflich, daß er trotz der Kinderlosigkeit seiner Ehe sich sagt, daß es so nicht weiter geht.

Loofs schloss seine Angaben zur finanziellen Situation von Carl Clemen mit einem bezeichnenden Hinweis:

Endlich muß ich, damit Dr. Clemen nicht etwa durch spätere Einkommensteuer-Deklaration ungenauer Angaben überführt würde, bemerken, daß Dr. Clemen, obwohl er 34 Jahre alt ist, über seines Vaters und also seine eigenen Eigentumsverhältnisse nur soweit unterrichtet ist, als ganz gelegentliche Mitteilungen seines Vaters ihn zu unterrichten für gut fanden.

Die Anfrage Althoffs und die Antwort des Kurators stehen in einem größeren Kontext der Stipendienvergabe an Clemen. Dieser erhielt offensichtlich regelmäßig in Höhe von jährlich (!) 240 Mark „das sogenannte kleine Fakultätsstipendium“,130 für dessen Gewährung durch die Theologische Fakultät in Halle es in den Akten einige Belege gibt.131 Clemens Antrag auf das normale ←44 | 45→Privatdozentenstipendium kam für das Jahr 1895 zu spät.132 Für 1897 und für die Jahre 1901 bis 1904 wurde ihm das Stipendium dann gewährt.133 Dass er für die Jahre 1899 und 1900 kein Stipendium erhielt, lag daran, dass er in dieser Zeit als Generalsekretär des Evangelischen Bundes über ein eigenes Einkommen verfügte.

Der Evangelische Bund war in der 80er Jahren des 19. Jahrhunderts gegründet worden und verstand sich als eine Vereinigung „zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen“, die manche protestantischen Kreise nach dem Ende des Kulturkampfes und dem Erstarken des politischen Katholizismus in Form der Deutschen Zentrumspartei gefährdet sahen.134 Zu den maßgebenden Köpfen zählten die Theologen Willibald Beyschlag und Erich Haupt in Halle.135 Dies war wohl auch der Grund, dass relativ bald die Geschäftsstelle des Evangelischen Bundes nach Halle verlegt und neben dem – ehrenamtlichen – Schriftführer ein Generalsekretär für die allgemeine Verwaltung eingestellt wurde. Nach dem Ausscheiden des ersten Generalsekretärs übernahm 1899 Carl Clemen diese Funktion,136 die immerhin mit einem Jahreseinkommen von 2 400 Mark und 300 Mark Mietzuschuss verbunden war.137 Neben der Verwaltung war Clemen vor allem mit der Einrichtung einer „Zentralauskunftsstelle“ befasst, die eine Fernleihbibliothek betrieb und wissenschaftlich fundierte Informationen zu im weitesten Sinne konfessionskundlichen Themen verbreiten sollte.138 Da die ←45 | 46→Unterlagen der später in Berlin befindlichen Geschäftsstelle im November 1943 nahezu vollständig zerstört wurden,139 ist über Carl Clemens Tätigkeit im Detail kaum etwas in Erfahrung zu bringen, zumal er selber in den von ihm verantworteten Lebensläufen auf diese Tätigkeit nicht näher eingegangen ist.140 So wäre es interessant, Näheres über das Verhältnis von Clemen als Geschäftsführer zu dem Schriftführer Leopold Witte zu erfahren, dessen „eindeutiges Bekenntnis zur ʽpositivenʼ Richtung des deutschen Protestantismus und zur konservativen Partei“141 sicherlich nicht der Position von Clemen entsprach. Außerdem schrieb Clemen in seinem Stipendienantrag vom 18. Januar 1901, dass „in nächster Zeit“ eine „Neuordnung der Verwaltung“ des Evangelischen Bundes anstehe und dann die Einnahmen aus seiner Stelle als Geschäftsführer entfielen.142 Immerhin erhielt er vom 1. April 1901 an das beantragte Stipendium. In der Literatur wird sein Ausscheiden aus dem Amt mit seinem Wechsel nach Bonn im Jahr 1903 in Verbindung gebracht.143

In dem oben angeführten vertraulichen Bericht von Friedrich Loofs über die Vermögensverhältnisse von Carl Clemen und seiner Frau war auch an zwei Stellen von der Kinderlosigkeit des Ehepaars die Rede. Wie schon bei einigen anderen Sachverhalten existierten auch in diesem Fall bestimmte gesellschaftliche Vorgaben; so waren – in der Formulierung des schon mehrfach herangezogenen Historikers Thomas Nipperdey – Kinder „eine Selbstverständlichkeit“.144 Clemens jüngerer Bruder Otto – damals bereits im Schuldienst tätig145 – hatte am 8. August 1898 eine Tochter bekommen.146 Sein ältester Bruder Carl sollte Taufpate werden. Unter dem Datum des 14. September 1898 antwortete Carl Clemen und führte zunächst finanzielle sowie terminliche Argumente an, die ←46 | 47→ihm und seiner Frau die Reise von Halle bzw. Dresden nach Zwickau nicht sinnvoll und möglich erscheinen ließen. Dann heißt es in dem Brief:

Außerdem kommt zu diesem exoterischen Grund noch der esoterische, nur für dich bestimmte, daß eine solche Feier für uns, die wir keine Kinder haben, immer etwas peinlich ist, zumal es sicher – vestigia terrent – nicht an mehr oder minder taktlosen Bemerkungen darüber von irgend welcher, natürlich ganz wohlgesinnter Seite fehlen würde. So bitte ich dich u[nd] deine Frau, uns diesmal zu entschuldigen u[nd] uns lieber zu gestatten, Euch später einmal allein zu besuchen.147

Auch ein anderer Brief an seinen Bruder Otto spiegelt offensichtlich Probleme wider, mit denen sich Carl Clemen auseinandersetzen musste. Da der voraufgegangene Brief von Otto nicht erhalten ist, wird nicht klar, warum Carl Clemen am 14. Juli 1900 an seinen Bruder, der sich gerade in Leipzig aufhielt, schrieb:

[A]‌uch jetzt möchte ich am liebsten nicht darauf antworten, sondern dich bitten, uns doch einmal von Leipzig aus zu besuchen u[nd] wäre es nur auf ein paar Abendstunden. Meine Frau ist allerdings Anfang nächster Woche nicht da, aber das macht ja schließlich nichts, u[nd] ich würde sehr gern mancherlei mit dir besprechen.148

Neben im privaten Bereich angesiedelten Schwierigkeiten ergaben sich auch Probleme mit der Theologischen Fakultät, die – wenn sie in bestimmten theologischen Lehrmeinungen begründet waren – nicht als solche offen ausgesprochen wurden. Carl Clemen hatte sicherlich mit Absicht in dem oben mehrfach herangezogenen Lebenslauf im Zusammenhang mit seiner Habilitation auf jedwede einseitige theologische Positionierung verzichtet.149 Dies entsprach eigentlich dem Mainstream der Fakultät, die Wolfgang Wiefel folgendermaßen charakterisierte:

Die harten Kämpfe zwischen „positiver“ und kritischer, konservativer und liberaler Theologie, die anderwärts zum Auseinanderbrechen führten, finden in Halle keine Entsprechung. Kennzeichnend war, daß weder der konfessionelle Flügel des Konservativismus Eingang fand noch der entschiedene Liberalismus der Protestantenbewegung Fuß fassen konnte.150

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In den Stellungnahmen der Fakultät zu den Stipendienanträgen von Clemen klangen stets lobende Worte an;151 trotzdem erscheint die Haltung der Fakultät „zwiespältig“.152 Dies zeigt sich nach Lage der erhaltenen Dokumente vor allem bei den beiden folgenden Anlässen.

Unter dem Datum des 29. November 1898 beantragte die Theologische Fakultät, den Privatdozenten Gerhard Ficker, der sich ein Jahr nach Clemen habilitiert hatte, zum Extraordinarius für Kirchengeschichte zu befördern.153 In dem Antrag, der damit das Prinzip der Anciennität tangierte, ist dann davon die Rede, dass Clemen gleichsam zum Ausgleich der Professorentitel verliehen werden sollte; die Fakultät führte in dem Antrag weiter aus:

Wie sehr sie aber den Schein der Zurücksetzung des Dr. Clemen zu vermeiden wünscht, kann sie doch mit Rücksicht auf den Grundsatz, daß eine auch noch so lange Privatdozententätigkeit kein Anrecht auf Avencement begründet, sich dadurch nicht abhalten lassen, ihren Antrag Eur[er] Exzellenz zu geneigter Aufnahme zu empfehlen, weil seine Ausführung ihr den Interessen unseres Lehrkörpers förderlich erscheint.

Nicht nur Ficker wurde befördert, auch Clemen erhielt eine auf den 9. Mai 1899 datierte Urkunde mit der Ernennung zum Professor.154 Am selben Tag informierte Clemens durch ein Telegramm benachrichtigte Ehefrau Marie, die sich bei ihrem schwer erkrankten Vater in Dresden aufhielt, ihre Schwiegereltern in Grimma über das freudige Ereignis und schloss hoffnungsvoll: „Wenn nur erst der Titel da ist, die Professur kommt schon nach.“155 Zwar konnte sie – wie in der damaligen gesellschaftlichen Umwelt ←48 | 49→wohl üblich – sich nun mit „Titel und Rang des Mannes“156 schmücken, allein – der Träger des Titels blieb weiterhin Privatdozent und wurde so auch im Vorlesungsverzeichnis aufgeführt.157

Die zweite Begebenheit betraf die Nachfolge des am 25. November 1900 verstorbenen Willibald Beyschlag. Die Fakultät hatte in ihrem Vorschlag vom 9. Januar 1901 eine Dreierliste mit den Ordinarien Wilhelm Bornemann (Basel), Paul Feine (Wien) und Adolf Schlatter (Tübingen) eingereicht und dann hinzugesetzt, dass sie – falls keiner der drei Ordinarien zusage – den Extraordinarius Wilhelm Lütgert in Greifswald vorschlage.158 Das Verfahren zog sich hin, so dass Carl Clemen am 5. Mai 1901 seinem Bruder Otto schrieb: „Beyschlags Nachfolger ist, nachdem Schlatter abgelehnt hat, noch immer nicht ernannt, doch es wird gewiß Bornemann. Kliquenwirtschaft!“159 Clemen sollte sich irren – zumindest was Bornemann betraf –, denn Berlin besetzte die Stelle mir Wilhelm Lütgert, „mit einem erst heranwachsenden Gelehrten“,160 wie Paul Feine schrieb, der dann 1910 als Nachfolger von Erich Haupt nach Halle berufen werden sollte. Die Fakultät sah sich in großer Verlegenheit und wandte sich über den Kurator am 29. Juli 1901 an den Minister.161 Nachdem man zunächst die Bedeutung Willibald Beyschlags und die Schließung der durch seinen Tod gerissenen Lücke wortreich beschrieben hatte, kam man auf Carl Clemen zu sprechen, dessen wissenschaftliche Arbeit und universitäre Lehrtätigkeit in höchsten Tönen gelobt wurden; dann heißt es:

Theologische Kreise an anderen Universitäten, wo man die Sachlage nicht übersieht, können aus dem Umstande, daß jetzt ein Extraordinarius in gleicher Eigenschaft zu uns nach Halle versetzt worden ist, einen ungünstigeren Rückschluß auf Professor Clemens Bedeutung ziehen, als wenn ein Ordinarius berufen worden wäre; und eine solche Clemen unterschätzende Beurtheilung kann leicht dazu führen, daß im Fall der Neubesetzung einer Professur von Clemen abgesehen und sein Name auch in solchen Fällen nicht genannt wird, in denen seine Kraft verbunden mit seinem redlichen Streben einem Lehrauftrag mit gutem Erfolge genug thäte. Um dieser Erwägung willen bitten ←49 | 50→wir Se[ine] Exzellenz, mit Rücksicht auf das Besondere des vorliegenden Falles, die Berufung des Genannten in ein festes Amt an einer anderen Universität, sobald eine Gelegenheit sich bietet, in wohlwollende Erwägung zu ziehen.

Die Sorge der Theologischen Fakultät war sicherlich nicht unbegründet; das Schreiben hatte aber offensichtlich keine Wirkung, denn als die Theologische Fakultät Marburg Carl Clemen 1902 – allerdings an dritter Stelle pari loco mit Rudolf Otto und Rudolf Knopf – auf die Vorschlagsliste setzte, wurde nicht er, sondern der an der zweiten Stelle platzierte Friedrich Wiegand berufen.162

Nicht in der Verantwortung des Berliner Ministeriums lag dann im Jahr 1903 die Nominierung von Carl Clemen im Zuge des Berufungsverfahrens für einen Nachfolger des Wiener Theologen Gustav Wilhelm Frank. In einer ersten Liste vom 3. Februar 1903 tauchte Clemen an dritter Stelle pari loco mit dem Leipziger Johannes Kunze auf.163 Als der Erstplatzierte abgesagt hatte, wurde unter dem Datum des 2. Mai 1903 eine neue Liste erstellt, in der Clemen nun an 2. Stelle aufgeführt wurde.164 Immerhin hat sich in den Wiener Akten auch eine kirchliche Stellungnahme erhalten, denn mit einem Schreiben vom 7. April 1903 nahm der Evangelische Oberkirchenrat Stellung zu den drei verbliebenen Kandidaten.165 Clemen wurde hier als theologische Positionierung eine „gleichmäßig festgehaltene milde Richtung“ zuerkannt. Dann heißt es allerdings:

Professor Clemen hat ein wohltuendes, lauteres Wesen, ist aber etwas trocken, in der Art, wie er seine vielseitige Gelehrsamkeit in den Vorlesungen an die Hörer bringt. […] Aber um seiner wissenschaftlichen Gründlichkeit und der Zuverlässigkeit seines Charakters willen wird auch er recht geschätzt. In einem verantwortungsvolleren Wirkungskreise würde der bescheidene, etwas zurückhaltende Mann gewiß mehr aus sich heraustreten.166

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Auch hier wurde nicht Clemen, sondern der letztlich Drittplatzierte Johannes Kunze berufen.

Ebenfalls nicht in die Berliner Zuständigkeit und schon in die Anfänge seiner Bonner Zeit fiel eine weitere Nominierung, als die Universität Jena als Nachfolger von Adolf Hilgenfeld im Jahr 1904 einen Neutestamentler suchte, der auch über systematische Theologie und Kirchengeschichte lesen sollte.167 Das Verfahren sei aber hier kurz erwähnt, denn es ist noch von „Clemen in Halle“ die Rede. Während in dem Mehrheitsvotum Clemen nicht genannt wurde, erschien er in den separaten, für die ersten beiden Plätze anders lautenden Voten sowohl von Friedrich Nippold als auch von Adolf Hilgenfeld an dritter Stelle. Berufen wurde schließlich der im Mehrheitsvotum auf Platz 2 genannte Heinrich Weinel.

Damit sind wir bereits an das Ende von Clemens Tätigkeit in Halle gelangt. Gerade das Jahr 1903 war für ihn sicherlich ein in hohem Maße schicksalhaftes Jahr. In dem zu Beginn des Dritten Reiches eingeführten und für alle Hochschullehrer obligatorischen Fragebogen hat Clemen unter Punkt „20: Bemerkungen“ eingetragen: „Wurde am 23. Mai 1893 mit Marie geb. Elterich (arisch) getraut, 1903 aber von ihr verlassen u[nd] daraufhin geschieden.“168 Was genau im Jahr 1903 hier geschehen ist, was bei den folgenden Ereignissen Ursache, was Wirkung dieser Veränderung im Familienstand war, lässt sich wegen fehlender Quellen nicht feststellen.169 Wichtig ist sodann, dass Clemens Bruder Paul im Jahr 1902 nach Bonn als Nachfolger auf den Lehrstuhl des Kunsthistorikers Carl Justi berufen worden war und gute Kontakte nach Berlin hatte.170 Heinrich Lützeler charakterisierte Paul Clemen als „souverän in seinem hochschulpolitischen Verhalten“,171 und in einem Brief an seinen Bruder Otto vom 20. Dezember 1917 ←51 | 52→spielte Carl Clemen vielsagend auf die „Konnexionen“ von Paul an.172 Welche Rolle genau Paul im Hintergrund spielte, entzieht sich unserer Kenntnis. Hier – wie auch in anderen Fällen im Zusammenhang mit Friedrich Althoff – geben die Quellen bisweilen nicht viel her, weil manches unter dem Stichwort „vertraulich“ im persönlichen Gespräch verhandelt und nicht schriftlich fixiert wurde.173 Am 14. April 1902 wandte sich Carl Clemen an Friedrich Althoff; er bestätigte, dass sein Bruder Paul – wohl im Zuge der in Berlin geführten Unterredungen anlässlich seiner Berufung nach Bonn – ihm die Einladung zu einem Gespräch in Berlin übermittelt habe und er am 17. April um 11 Uhr dort erscheinen werde; sollte Althoff zwischenzeitlich anders disponiert haben, bat er um einen alternativen Termin.174 Dies war offensichtlich der Fall, denn unter dem Datum des 19. April 1902 antwortete Clemen auf ein erneutes Schreiben Althoffs und erklärte sich mit dem Termin „nächsten Mittwoch“, also dem 23. April 1902, einverstanden.175 Wie dieses Gespräch verlaufen ist, ob Clemen auch wie so viele andere Besucher von Althoff auf dem Berliner Ministerium lange in einem fensterlosen und relativ dunklen Vorzimmer warten musste,176 entzieht sich unserer Kenntnis.

Von den weiterhin gewährten Stipendien abgesehen, scheint sich aber nicht viel getan zu haben, denn am 25. Februar 1903 bewarb sich Clemen beim Auswärtigen Amt „um die Stelle eines Gesandtschaftspredigers in Lissabon“.177 Offensichtlich verlief diese Bewerbung negativ, denn das nächste Dokument ist eine kurze Aktennotiz vom 4. April 1903, dass Aussicht bestehe, Clemen im sächsischen Schuldienst zu beschäftigen.178 Unter dem Datum des 28. Juni 1903 schrieb Clemen an das Ministerium, ihm sei die Pfarrstelle in Obergebra, einem kleinen Ort in Thüringen, angeboten worden: „Ich werde die Stelle, so sehr ich mich auch bisher gegen diesen Ausweg gesträubt habe, annehmen, falls Euer Excellenz nicht etwa auf mein Verbleiben in der akademischen Karriere Wert ←52 | 53→legen sollte.“179 Am rechten Rand dieses Textes hat jemand mit einem Bleistift einen senkrechten Strich gezogen und daneben „Nein“ geschrieben. Dass dies Friedrich Althoff war, kann man wohl mit Recht vermuten. Clemen bat abschließend um zügige Antwort, da er seine Wohnung in Halle kündigen wolle.

Das nächste auf Clemen bezügliche Dokument in der Akte des Ministeriums datiert auf den 24. September 1903 und war an Clemen in Grimma gerichtet; er hatte also seine Wohnung in Halle – wie angekündigt – aufgegeben; jetzt hieß es:

Auf den Antrag vom 22. August d[ieses] J[ahres] überweise ich Sie hiermit vom 1. Oktober d[ieses] J[ahres] ab der Königlichen Universitätsbibliothek zu Bonn zur Beschäftigung als Hilfsarbeiter, und veranlasse Sie, sich zu diesem Zweck an dem bezeichneten Tage bei dem Herrn Direktor der genannten Bibliothek zu melden. Für Ihre Tätigkeit bewillige ich Ihnen von demselben Zeitpunkte ab bis auf weiteres eine Remuneration von jährlich 600 M[ark] in Worten: sechshundert Mark.180

1.4 Privatdozent in Bonn (1904–1910)

Welchen ersten Eindruck Carl Clemen von Bonn hatte, ist nicht überliefert. Es gibt über Bonn gegensätzliche Stimmen von Zeitgenossen. Der Verleger Kurt Wolff urteilte: „Bonn […] war mir als Stadt unsympathisch“,181 während der Germanist Berthold Litzmann bekannte: „[D]‌abei war es um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts zu Bonn am Rhein für Professoren und Studenten eine Lust zu leben.“182 Das früheste Zeugnis von Carl Clemen aus Bonn ist ein Brief an Friedrich Loofs, von dem er sich in Halle nicht mehr persönlich, sondern nur mit einigen Zeilen hatte verabschieden können.183 Clemen schrieb am 12. Oktober 1903 von Bonn nach Halle:

Ich befinde mich, soweit es die Verhältnisse erlauben, ganz wohl hier, habe auf der Bibliothek zunächst nur drei Stunden täglich zu thun u[nd] so viel Zeit für mich selbst. Besuche mache ich natürlich möglichst wenig u[nd] gehe auch sonst jedem Verkehr aus dem Wege; so hoffe ich, nicht zu oft meine Geschichte erzählen zu müssen.184

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Clemens Tätigkeit in der Universitätsbibliothek beschränkte sich freilich schon vom nächsten Monat an nicht mehr nur auf drei Stunden täglich; er wurde vielmehr „zu voller Dienstleistung herangezogen“, wie er unter dem 31. Juni 1904 in einem Brief an Friedrich Schmidt-Ott, damals Oberregierungsrat im Berliner Ministerium, berichtete.185 Der Grund für die Erhöhung der Stundenzahl lag darin, dass Schmidt-Ott anlässlich eines Besuchs in Bonn den Bibliotheksdirektor darauf hingewiesen hatte, dass Clemen neben den dem Direktor von Berlin aus signalisierten 600 Mark auch ein Privatdozentenstipendium in Höhe von 1 200 Mark erhalte und Berlin einen entsprechenden – und das hieß: vollen – Arbeitseinsatz erwarte.

Parallel zu seiner Arbeit in der Universitätsbibliothek ersuchte Clemen die Evangelisch-Theologische Fakultät um seine Umhabilitierung. Die Fakultät wandte sich mit einem Schreiben vom 18. Dezember 1903 an das Ministerium in Berlin:

Nachdem Herr Prof. Lic. Dr. Carl Clemen […] sich bei der gehorsamst unterzeichneten Fakultät darum beworben hat, dass er sich nunmehr in ihr habilitieren darf, haben wir beschlossen, ihm die für eine Umhabilitierung statutengemäß (§ 48 und 49) zu erfüllenden Bedingungen, ausser der Abhaltung einer Antrittsvorlesung, zu erlassen. Zu diesem Beschluss sind wir gelangt, weil Herr Prof. Clemen im Jahre 1894 von unserer Fakultät Euer Excellenz zur Ernennung als ausserordentlicher Professor in unserer Fakultät vorgeschlagen worden ist und sich seitdem in vielseitiger literarischer Tätigkeit bewährt hat.186

Obwohl die Fakultät schon seit geraumer Zeit in „Liberale“ und „Positive“ gespalten war und man von einer förmlichen „Polarisierung“ sprechen kann,187 ←54 | 55→ist das Schreiben von allen Ordinarien unterzeichnet. Da das Ministerium am 18. Januar 1904 das Verfahren genehmigte, konnte Clemen am 29. April 1904 seine Antrittsvorlesung halten und im Sommersemester seine Lehrtätigkeit beginnen. Das Thema der Antrittsvorlesung, das er – anders als damals in Halle – offensichtlich frei gewählt und auf aktuelle Diskussionen abgestimmt hatte, lautete „Die religionsgeschichtliche Methode in der Theologie“. Die Vorlesung erschien kurz darauf auch in gedruckter Form.

Clemen begann gleich im Sommersemester 1904 mit seiner Lehrtätigkeit, die er aber in den ersten drei Semestern mit Rücksicht auf seine volle Beschäftigung in der Universitätsbibliothek nur in einem eingeschränkten Rahmen durchführte. Mit der Vorlesung „Darstellung und Kritik der modernen Bedenken gegen den christlichen Gottesglauben“, die sich im Sommersemester 1904 an Hörer aller Fakultäten richtete, knüpfte er an seine Praxis in Halle an. Obwohl seine Venia auf neutestamentliche Exegese und systematische Theologie lautete, traten schon vom Sommersemester 1905 an nach dem Ausscheiden des Privatdozenten Arnold Meyer, der nach Zürich berufen worden war, Veranstaltungen zur praktischen Theologie neben die Veranstaltungen zum Neuen Testament.188 Nach seinem Ausscheiden aus der Universitätsbibliothek, das wir gleich noch kurz ansprechen werden, erhöhte sich die Wochenstundenzahl – mit Ausnahme des Sommersemesters 1907 – auf zehn bis 14 Wochenstunden. Dies lag unter anderem daran, dass er vom Sommersemester 1906 an den „Griechischen Kursus für Juristen“ von Hans Lietzmann übernommen hatte.189 Die Religionsgeschichte tauchte erstmals im Sommersemester 1907 ←55 | 56→auf, in dem Clemen wie auch ein Jahr später in einer zweistündigen Vorlesung die „Religionsgeschichtliche Erklärung des Neuen Testaments“ behandelte. Im Wintersemester 1909/10 las er – noch als Privatdozent in der Evangelisch-Theologischen Fakultät und wiederum zweistündig – über „Ausgewählte Kapitel aus der allgemeinen Religionsgeschichte“; die Vorlesung war „für Zuhörer aller Fakultäten“ bestimmt.

Neben dieser umfangreichen Lehrtätigkeit veröffentlichte Clemen in der Zeit von 1904 bis 1910 nicht weniger als 14 Monographien, teilweise freilich von geringerem Umfang. Seine Schriften zur praktischen Theologie, auch die von ihm 1907 ins Leben gerufenen und bis 1913 herausgegebenen „Studien zur praktischen Theologie“, interessieren uns hier weniger.190 Im selben Jahr wie seine Antrittsvorlesung brachte er eine zweibändige, umfangreiche Monographie mit dem Titel Paulus. Sein Leben und Wirken heraus und außerdem in der von Hans Lietzmann herausgegebenen Reihe der „Kleinen Texte für theologische Vorlesungen und Übungen“ Die Himmelfahrt des Mose.191 Im folgenden Jahr erschienen sein Beitrag zu den Theologischen Ferienkursen unter dem Titel Die Apostelgeschichte im Lichte der neueren text-, quellen- und historisch-kritischen Forschungen und die Schrift Schleiermachers Glaubenslehre in ihrer Bedeutung für Vergangenheit und Zukunft. An eine breitere Öffentlichkeit richteten sich die beiden Göschen-Bändchen Die Entstehung des Neuen Testaments (1906) und Die Entwicklung der christlichen Religion innerhalb des Neuen Testaments (1908). Neben der zweibändigen Paulus-Monographie war aber sicher die wichtigste Veröffentlichung in dieser Zeit seine Religionsgeschichtliche Erklärung des Neuen Testaments (1909).192

Zwar hatte sich Carl Clemen in Halle auch beruflich für den Evangelischen Bund engagiert, nach seiner Übersiedlung nach Bonn taucht sein Name aber in den Übersichten über die Aktivitäten des Bundes im Rheinland nicht auf.193 ←56 | 57→Auch seine Funktion als Vorsitzender des in engem Zusammenhang mit dem Evangelischen Bund geschaffenen „Internationalen Ausschuss zur Förderung der evangelischen Kirchen bei den Tschechen“194 verlor nach und nach an Bedeutung, vor allem als Clemen im Anschluss an einen Eklat bei der Grundsteinlegung des Hus-Denkmals in Prag im Juli 1903 mit seinem Eintreten für eine strikte Trennung von Religion und Politik gleichsam zwischen die Fronten der verschiedenen widerstreitenden Gruppierungen geraten war.195 Verbunden blieb er dagegen weiterhin den „Freunden der Christlichen Welt“.196 Einer Aufforderung zur Bereitschaft, Vorträge zu halten, war er 1905 gleich nachgekommen und hatte als Themengebiete und Bedingungen gemeldet: „Neutestamentlich; Fundamentaldogmatik; ethische Ideen; Apostolikum. Einzelvorträge oder Reihen. Lieber öffentlich, aber unter speziell Interessierten, nicht in beliebiger Versammlung. Erstattung der Kosten, sonst nach den lokalen Gepflogenheiten.“197 Freilich musste Martin Rade in der nächsten Mitteilung vermelden, „daß die Nachfrage nach Vortragenden überaus gering war“.198

Zwar ist auf dem Titelblatt von Clemens Buch Schleiermachers Glaubenslehre 1905 als Erscheinungsjahr angegeben, er schickte aber schon am 5. Dezember 1904 ein Exemplar dieses Buches an Friedrich Althoff nach Berlin. Im Begleitschreiben skizzierte er kurz seine Lage, wies auf seine Platzierungen in den vier Berufungsverfahren hin und auf die Tatsache, dass er „gegenwärtig bei weitem der älteste theologische Privatdozent in ganz Deutschland“ sei.199 Wie oben schon angedeutet, leitete Althoff das Buch an den Berliner systematischen Theologen Reinhold Seeberg weiter – ein Buch, das sicherlich nicht zu den ←57 | 58→stärksten Veröffentlichungen von Clemen zählt. Seeberg schickte unter dem 14. Dezember ein kurzes Gutachten an Althoff, in dem es u.a. hieß:

Mehr als eine Inhaltsangabe von Schleiermachers Werk u[nd] sehr nahe liegende Beobachtungen über die Wirkungen desselben im 19. Jh. hat der Verfasser nicht geboten. Von einem wissenschaftlichen Ertrag der Arbeit kann daher m[eines] E[rachtens] nicht wohl geredet werden.200

Althoff wollte freilich Genaueres wissen und wandte sich an seinen Vertrauensmann in Bonn,201 den Kuratorialsekretär August Weigand, der weisungsgemäß am 18. Dezember 1904 seine Beobachtungen und Informationen zu den beiden von Althoff benannten Dozenten mitteilte. An erster Stelle ging es um Ferdinand Wohltmann von der Landwirtschaftlichen Hochschule. Für uns ist nur wichtig, was gleichsam einen Kontrast zu dem gleich über Clemen Mitgeteilten darstellte: „Herr Professor Wohltmann besitzt eine ungewöhnliche Redegewandtheit und reißt seine Zuhörer in vollkommen freiem Vortrag hin.“202 Nachdem Weigand kurz die Hörerschaft von Clemens Vorlesung „Ethische Propheten der Gegenwart“ skizziert hatte („Von 284 Eingeschriebenen hatten sich im Auditorium mit 140 Sitzplätzen schätzungsweise 130 Personen, darunter 20 Damen und annähernd so viele ältere Herren – Gasthörer – eingefunden.“), schrieb er seinem – wohlgemerkt: vom Niederrhein stammenden – Auftraggeber:

Herr Clemen spricht nicht frei, das Thema fesselte aber, und der fleißig ausgearbeitete Vortrag war fließend, wenn auch nicht ganz dialektfrei. Erhob sich seine Stimme zu einer gewissen Wärme und Lebhaftigkeit, so störte den Hörer der Tonfall des sächsischen Idioms.

Clemens Schreiben an Althoff zeigte keinerlei Erfolg. Auch die wiederholten Anfragen bei Friedrich Schmidt-Ott wegen einer möglichen Übernahme als Hilfsbibliothekar, die Clemen unter Hinweis auf seine vielfältigen praktischen Erfahrungen in der Bibliotheksarbeit im Laufe des Jahres nach Berlin geschickt hatte, wurden negativ beantwortet.203 Da er im Bibliothekswesen keine Perspektive für ←58 | 59→sich sah, kündigte Clemen die Stelle zum 30. September 1905. Ausschlaggebend war sicherlich auch neben dem Verdienst aus den Lehrveranstaltungen und der von Oktober an möglichen Lehrtätigkeit am Bonner Comenius-Seminar, einer Ausbildungsstätte für angehende evangelische Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen,204 die Tatsache, dass ihm die Eltern einen größeren Geldbetrag überwiesen hatten, für den er ihnen mit Schreiben vom 22. September 1905 dankte und das Geld mit entsprechender Verzinsung anzulegen versprach. Am Ende des Briefes heißt es allerdings etwas überraschend: „Ich habe mir daraufhin auch schon ein Klavier gekauft; man kommt so auf die Dauer billiger weg, als wenn man eins mietet. Es ist recht schön u[nd] verhältnismäßig nicht teuer.“205

Trotz seiner Lehrtätigkeit an der Universität und am Comenius-Seminar, trotz seiner zahlreichen Publikationen und gelegentlichen Vorträge,206 trotz seiner Friedrich Loofs gegenüber angedeuteten zurückgezogenen Lebensweise gab es aber auch Geselligkeit und Entspannung. Wenigstens an dem „Rennklub“, den der Indologe Hermann Jacobi 1889 gegründet hatte und den seit 1905 der Theologe Otto Ritschl leitete,207 beteiligte sich Clemen ←59 | 60→relativ bald.208 Der „Rennklub“ führte seine Mitglieder – wie Hans Lietzmann schrieb – „jeden Sonnabend nachmittags […] ins Siebengebirge oder die Ahrgegend“.209 Ob er schon als Privatdozent an einem förmlichen wissenschaftlichen Kränzchen teilgenommen hat,210 lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Später wird er uns sogar als Sprecher eines solchen Kreises begegnen.

Im Sommer 1907 sah es so aus, als zeitige Clemens Einsatz dann doch einen Erfolg. Am 10. Juni 1907 richtete die Evangelisch-Theologische Fakultät ein Gesuch an das Ministerium:

Aufgrund des § 57 unserer Fakultätsstatuten, der besagt „wenn sich ein Privatdozent mindestens drei Jahre hindurch besonders bewährt hat, so darf die Fakultät denselben dem Ministerium zu einer außerordentlichen Professur in Vorschlag bringen“, erlauben wir uns, gehorsamst vorzuschlagen, daß der Privatdozent an unserer Fakultät Professor lic. theol. Dr. phil. Karl Clemen zum außerordentlichen Professor ernannt werden möge.211

Die Fakultät wies in ihrem Schreiben sodann darauf hin, dass zwischen ihr und Clemen nicht – wie oft in anderen Fällen – ein besonders enges Verhältnis bestehe, da er seine Ausbildung andernorts, vor allem in Halle, erhalten habe:

Vielmehr bestimmen uns zu unserem Vorschlage die treue und fleißige Arbeit, die Clemen seit drei Jahren in der Fakultät geleistet hat, wie die Fülle von ersprießlichen wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungen, die er auf zahlreichen theologischen Gebieten veröffentlicht hat. Außerdem wünschen wir auch dem seit 15 Jahren als Privatdozenten habilitierten und unverdrossen im Dienst der theologischen Wissenschaft tätigen, bereits 42jährigen Manne ein wohlverdientes Zeichen der Anerkennung sowie eine bescheidene Sicherung seiner Existenz zu verschaffen und seine nicht günstige wirtschaftliche Lage verbessern zu helfen.212

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Im weiteren Verlauf des Schreibens übte die Fakultät Kritik an den Kollegen in Halle, die Clemen „trotz elfjähriger Wirksamkeit daselbst“ die geschuldete Achtung versagt hätten, um dann im Detail über Clemens wissenschaftliche Arbeiten und seine Lehrveranstaltungen zu berichten:

Diese Arbeiten zeigen ein sehr ausgebreitetes Wissen, eindringende Gelehrsamkeit, wissenschaftliche Methode und ein besonnenes Urteil, welches es ihm ermöglicht, bei seiner im ganzen vermittelnden Richtung den verschiedensten Anschauungen Verständnis abzugewinnen.

Der Kurator Gustav Ebbinghaus leitete die Eingabe am 17. Juni 1907 nach Berlin weiter, nicht ohne ausdrücklich zu bemerken, „daß eine Anerkennung der Leistungen des zu den besten Hoffnungen berechtigenden fleißigen Gelehrten allgemeine Befriedigung hervorrufen würde“; allerdings musste er auch „ein differierendes Separatvotum […] der Vertreter der positiven Richtung der Fakultät“ weiterleiten.213 Es hatten zwar alle Ordinarien den Antrag unterschrieben, aber die beiden Alttestamentler Eduard König und Eduard Sachsse sowie der Kirchenhistoriker Heinrich Böhmer mit dem Zusatz „dissentit“ und in einem separaten Votum erklärt, es bestehe kein Bedarf an einer außerordentlichen Professur, „da sämtliche Lehrfächer […] durchaus mit beauftragten Lehrkräften besetzt sind“.214 Gustav Ecke setzte eigenhändig und offensichtlich mit Blick auf die vergleichsweise geringe Studentenzahl215 in Bonn folgenden Vermerk hinzu:

Professor Ecke erlaubt sich bei dem vorliegenden Anlaß die große – nach einigen Seiten hin sogar ungewöhnliche – Gelehrsamkeit des Professor Clemen auf dem Gebiet der neutestamentlichen Forschung anerkennend hervorzuheben und die Hoffnung zum Ausdruck zu bringen, daß es demselben durch Erlangung einer außerordentlichen Professur innerhalb des Rahmens größerer Fakultätsverhältnisse ermöglicht werden möge, seine Gaben im Dienste der theologischen Wissenschaft weiterhin zu entfalten.

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Gut zwei Monate nach dem Gesuch der Fakultät wandte sich Paul Clemen mit einem umfangreichen Schreiben an Friedrich Althoff. Paul Clemen war nicht nur seit 1902 Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Bonn, er war auch seit 1893 Provinzialkonservator der preußischen Rheinprovinz.216 Von September 1907 bis zum Mai des folgenden Jahres nahm er an dem von Althoff gemeinsam mit Friedrich Schmidt-Ott initiierten deutsch-amerikanischen Professorenaustausch teil und lehrte an der Harvard-Universität.217 Zugleich standen auch in Berlin Veränderungen an: Es wurde bekannt, dass Althoff aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt ausscheiden würde. Unter dem Datum des 29. August 1907 dankte Paul Clemen Althoff für die bisher erwiesene Unterstützung und nahm praktisch offiziell von ihm Abschied. Dann schrieb er:

Wenn ich jetzt von Bonn für ein halbes Jahr weggehe, so machen mir mein verwaistes Lehramt und meine verwaiste Provinz nur geringe Sorge. Das Einzige, was mich wirklich niederdrückt und mir es schwer macht, leichten Herzens drüben meine Tätigkeit zu beginnen, die einen ganzen Menschen erfordert, ist die Sorge um das Schicksal meines geliebten Bruders.218

Er entschuldigte sich sodann, Althoff „noch einmal“ in dieser Sache anzugehen, und schilderte kurz die Situation seines Bruders und besonders den Druck, der auf diesem laste:

Ich kann mir kaum denken, daß ein akademischer Lehrer mit größerer persönlicher Hingebung sich seinen Studenten widmet, ihnen mehr Freund und Führer ist. Ich habe natürlich über seine Leistungen kein fachmännisches Votum, aber doch sehr wohl ein Urteil über seine gesamte wissenschaftliche Tätigkeit. Ich schätze meinen Bruder als universellen Kopf von erstaunlichem Umfang der Erudition und als einen scharfen, selbständigen Denker – er ist entschieden ein größerer Gelehrter im besten Sinne als ich.

Paul Clemen skizzierte dann die verschiedenen aktuellen Forschungs- und Lehrgebiete seines Bruders, die nicht nur das Neue Testament, sondern auch die systematische und jetzt vor allem die praktische Theologie umfassten, und erinnerte Althoff an dessen „bei dem letzten Zusammentreffen“ geäußerte Bereitschaft, für seinen Bruder etwas zu tun, wenn sich eine Gelegenheit dazu ←62 | 63→ergebe. Paul nannte dann verschiedene Universitäten, an denen nach seinen Informationen Stellen zur Neubesetzung anstünden, um dann – an Althoff appellierend – gegen Ende wieder auf die Lage seines Bruders zu sprechen zu kommen:

Der Lehrerfolg der letzten Jahre hat ihm eine große innere Befriedigung gegeben; aber daß er gleichsam vergessen und übersehen ist, daß er sich regen kann, wie er möchte, nagt doch zu stark an ihm und hält die kaum entzündete Freudigkeit wieder nieder. Wollen Sie nicht – es kostet Sie ja nicht viel mehr als ein Wort und einen Federstrich – dieser viel verheißenden Kraft die Fesseln lösen?

Althoff wurde zum 1. Oktober 1907 auf eigenen Wunsch pensioniert.219 Die Ablehnung des Ersuchens der Evangelisch-Theologischen Fakultät vom 10. Juni 1907 datierte auf den 26. November 1907 und führte als Grund nur kurz die „Ermangelung einer etatmäßigen Stelle“ an.220

Während das Jahr 1907 also Clemen durchweg negative Erfahrungen bereitete, sah es im folgenden Jahr ganz anders aus. Zunächst unternahm Clemen im Frühjahr eine Reise in den Vorderen Orient, über deren Stationen wir durch einen glücklichen Zufall unterrichtet sind. Mit einem kurzen Schreiben ließ Clemen den Göschen-Verlag am 27. Februar 1908 wissen, dass er eine erste Lieferung der Korrekturen seines Buches Die Entwicklung der christlichen Religion innerhalb des Neuen Testaments erhalten habe und diese auf seiner Reise durcharbeiten werde. Dann schrieb er:

Für die weiteren gebe ich Ihnen folgende Adressen an: Ich bin vom 10.–18. März in Jerusalem, preuß[isches] Johanniterhospiz, um den 30. herum in Damaskus, Hotel Victoria, vom 6. April ab in Smyrna, Hotel Gluck, u[nd] etwa vom 14. ab wieder in Grimma – nach Ostern in Bonn.221

Leider lassen sich weitere Einzelheiten zu dieser Reise nicht ermitteln. Dass der Neutestamentler Paul Feine ungefähr zur gleichen Zeit in Palästina war,222 wird wahrscheinlich nur Zufall sein. Es fällt schwer, zwei so unterschiedlich positionierte Wissenschaftler in einer Reisegemeinschaft verbunden zu sehen.223←63 | 64→

Am 12. Juni 1908 heiratete Clemen ein zweites Mal. Seine Frau Annita war am 16. Oktober 1885 geboren.224 Sie begleitete ihren Mann auf der anstehenden Amerika-Reise, da Clemen im „Autumn Quarter“ (1. Oktober bis 23. Dezember) an der Universität Chicago den Neutestamentler Ernest DeWitt Burton vertreten sollte, der in offizieller Mission der Universität von Juli 1908 bis August 1909 eine Reise über England und Indien nach China, Korea und Japan unternahm.225 Zwei Zeitungsberichten ist zu entnehmen,226 dass die Eheleute Clemen sich Mitte September zunächst in New York aufhielten. Neben einigen grundlegenden Informationen zum wissenschaftlichen Werk von Carl Clemen erfuhren die Leser, dass sich Frau Clemen vor allem für das amerikanische Kindergartenwesen interessiere und dass sich Carl Clemen die Columbia University und das Union Theological Seminary angesehen habe. In Chicago brachte Clemen am 1. Oktober bei einem festlichen Dinner zu Beginn der Vorlesungszeit „Greetings from Bonn“ aus.227 Als Vertreter von Burton hielt Clemen zwei Lehrveranstaltungen ab, die eine mit dem Titel „Introduction to the Book of Acts“228 und die andere mit dem Titel „The Gospel of Matthew“.229 Die Zeitschrift The Biblical World urteilte: „With his thorough knowledge of English, in which he has few equals among German theologians, Professor Clemen is admirably equipped to represent to American students modern biblical scholarship of the best type.“230

Nähere Umstände dieses Amerikaaufenthalts bleiben allerdings ungeklärt. Clemen hat im Dezember seine Lehrtätigkeit in Chicago abgeschlossen und ←64 | 65→dann „im Januar noch an fünf anderen Hochschulen im Osten Vorlesungen“ gehalten.231 Auch ist nicht zu erkennen, auf welchem Wege er zu dieser Vertretungsprofessur gekommen ist. Sicher ist nur, dass dies – anders als bei seinem Bruder Paul – nicht im Rahmen des offiziellen deutsch-amerikanischen Professorenaustauschs geschehen ist.232

Auch das folgende Jahr brachte – neben der Geburt seiner Tochter Ruth – ein weiteres freudiges Ereignis: Im Rahmen des Calvin-Jubiläums 1909 erhielt er am 3. Juli von der Universität Zürich den Ehrendoktor der Theologie, „wegen seiner ausgebreiteten Gelehrsamkeit und seiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Bibelwissenschaft und der Vergleichung des Christentums mit anderen Religionen“.233 Leider haben sich in Zürich keine weiteren Unterlagen erhalten,234 so dass sich nicht mehr feststellen lässt, wie es zu dieser Ehrung von Carl Clemen kam. Immerhin war Arnold Meyer, mit dem Clemen in Bonn kurze Zeit zusammen als Privatdozent gelehrt hatte, in den Jahren 1908 und 1909 Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Zürich.235 Ein Zusammenhang mit Clemens Ehrung liegt nahe.

Der in der amerikanischen Presse beschriebene freundliche Empfang in den Vereinigten Staaten und die Würdigung seines wissenschaftlichen Werkes durch das Züricher Ehrendoktorat konnten nicht über die letztlich doch prekäre Situation von Carl Clemen hinwegtäuschen. Auch unter finanziellem Gesichtspunkt war er in Schwierigkeiten. In einem Brief vom 14. April 1909 bot er Martin Rade verschiedene Artikel für die Christliche Welt an.236 Der Brief endete mit folgendem Eingeständnis: „Man sagt mir, daß Sie ja nach der Bedürftigkeit Honorar ←65 | 66→zahlen. Sie wissen, ich beziehe kein festes Gehalt; so darf ich Sie bitten, daß Sie mich gegebenenfalls zu den Bedürftigen rechnen.“237

Ebenfalls an Martin Rade richtete Clemen einen Brief am 17. September 1909. Der Anfang des Briefes setzt sowohl ein Schreiben von Clemen voraus, in dem er über seine Lage geklagt hatte, und eine Antwort von Martin Rade, auf die sich Clemen im aktuellen Brief bezog. Die beiden früheren Schriftstücke sind allerdings verloren gegangen, so dass sich der genaue Kontext nicht mehr herstellen lässt. Immerhin heißt es in dem erhaltenen Brief: „Ein Privatdozent ist doch bekanntlich nur Kollege, hat aber keine unter den oberen Göttern u[nd] ich bin das lang genug gewesen, um zu wissen, daß hier eine Kluft befestigt ist, gegen die die zwischen Himmel u[nd] Hölle ein schmaler Spalt ist.“238 Zwar hob Hans Lietzmann im Rückblick auf seine Zeit als Privatdozent in Bonn hervor, dass die „jungen Privatdozenten […] von den Ordinarien aller Fakultäten menschlich und wissenschaftlich durchaus als gleichstehende Kollegen behandelt“ wurden.239 Carl Clemen hatte jedoch offensichtlich in Bonn andere Erfahrungen gemacht, die eher in Richtung des vom Germanisten Berthold Litzmann Beobachteten lagen, wenn dieser über die Zustände an der damals noch keine 100 Jahre alten Universität Bonn schrieb: „[D]‌och konnte bei der Erörterung von Statusfragen ein solcher Perückenstaub aufwirbeln, als befände man sich nicht um die Wende des neunzehnten und zwanzigsten, sondern des siebzehnten und achtzehnten saeculi.“240

1.5 Extraordinarius (1910–1920)

Das Jahr 1910 sollte die lange erwartete Lösung bringen. Welche Rolle Paul Clemen dabei im Hintergrund spielte, lässt sich nur vermuten.241 Am 3. Februar 1910 teilte der Kurator Gustav Ebbinghaus der Philosophischen Fakultät mit:

←66 | 67→Vom Herrn Ressortminister beauftragt, beehre ich mich der Fakultät ergebenst mitzuteilen, dass in Anregung gebracht wurde, den Privatdozenten in der hiesigen Evangelisch-theologischen Fakultät Professor Dr. Lic. Karl [sic] Clemen zum ausserordentlichen Professor in der Philosophischen Fakultät zu ernennen und ihm einen Lehrauftrag für vergleichende Religionsgeschichte zu erteilen. Da in der letzteren Fakultät das zuletzt von dem Professor Schaarschmidt bekleidete Extraordinariat noch unbesetzt ist, so würde es möglich sein, dieser Anregung Folge zu geben.242

Carl Schaarschmidt, Extraordinarius für Philosophie und von 1881 bis 1901 Direktor der Universitätsbibliothek, war am 26. Dezember 1908 gestorben.243 Damit stand die im Berliner Schreiben vom 26. November 1907 als fehlend ausgewiesene Stelle nunmehr zur Verfügung. Nach einigen Kommissionssitzungen und Beratungen kam dann das auf den 25. Juni 1910 datierte und an Carl Clemen gerichtete Schreiben des Berliner Ministers:

Im Verfolg der in meinem Auftrag mit Ihnen geführten Verhandlungen habe ich Sie zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität zu Bonn ernannt. Indem ich Ihnen die darüber ausgefertigte Bestallung übersende, verpflichte ich Sie, in der genannten Fakultät die vergleichende Religionsgeschichte und die Geschichte des ältesten Christentums in Vorlesungen und Übungen zu vertreten und, soweit ein Bedürfnis sich dazu ergeben sollte, auch die Religionsphilosophie in den Bereich Ihrer Lehrtätigkeit zu ziehen.244

Clemens jährliche Einkünfte wurden auf 3 000 Mark festgelegt; der Wohngeldzuschuss belief sich auf 880 Mark. Mit seinen nunmehr 45 Jahren lag Clemen über dem damaligen durchschnittlichen Eintrittsalter bei den Extraordinarien,245 allerdings lagen auch seine Einkünfte über dem preußischen Durchschnitt.246←67 | 68→

Ein Blick auf Clemens Lehrtätigkeit in der Philosophischen Fakultät umfasst sinnvollerweise seine Zeit als Extraordinarius und als Ordinarius, denn bis zu seiner Emeritierung lassen sich hier keine grundlegenden Änderungen feststellen. Anders als zuvor bei Wilhelm Bender (1888)247 und später bei Erik Peterson (1929)248 oder Heinrich Schlier (1952)249 bedeutete für Clemen der Wechsel von der Evangelisch-Theologischen in die Philosophische Fakultät keinen Bruch mit der evangelischen Theologie.250 Bis einschließlich des Wintersemesters 1912/13 wurden seine Lehrveranstaltungen in beiden Fakultäten angekündigt; dann fand sich einige Jahre lang bei den evangelischen Theologen der Hinweis „Religionsgeschichtliche Vorlesungen und Übungen s[iehe] philosophische Fakultät“; später fehlte bzw. erschien dieser Hinweis fallweise, ohne dass sich jeweils eine Begründung dafür finden lässt.

Die Semesterwochenstundenzahl der Lehrveranstaltungen von Carl Clemen schwankte; sie lag normalerweise zwischen fünf und sieben Stunden.251 Es finden ←68 | 69→sich auch zunächst wieder regelmäßig Vorlesungen „für Hörer aller Fakultäten“, die wie damals in Halle meistens auf dem Samstagvormittag liegen. Aus einer Reihe dieser Vorlesungen sind Monographien von Clemen hervorgegangen. Daneben stehen seine religionsgeschichtlichen Kernvorlesungen, die zum Teil drei Semesterwochenstunden umfassen und in unterschiedlicher Kombination in die allgemeine Religionsgeschichte einführen. Regelmäßig finden sich auch Vorlesungen, die das Christentum in seinem Verhältnis zu anderen religiösen Traditionen behandeln. Wichtig sind sodann die Übungen bzw. später Seminare, die bestimmten Texten gewidmet sind, z.B. Herodot und seinen Nachrichten über die ägyptische oder persische Religion, Apuleius und seinen Metamorphosen, Lukians Schrift De Syria dea oder den Fasten des Ovid. Aus seiner Beschäftigung mit der iranischen Religionsgeschichte erwuchsen die „Avestischen Übungen“, die Clemen vom Wintersemester 1918/19 bis zum Wintersemester 1922/23 anbot.

Die literarische Produktivität von Carl Clemen in den folgenden zehn Jahren war – bedingt sicherlich auch durch den Ersten Weltkrieg – nicht ganz so hoch wie in den letzten Jahren zuvor. Sein 1911 erschienenes Buch Der geschichtliche Jesus, dann die 1912 unter dem Titel Primitive Christianity and its Non-Jewish Sources erschienene Schrift – eine Übersetzung seiner Religionsgeschichtlichen Erklärung des Neuen Testaments – und schließlich das ebenfalls 1912 erschienene Werk Die Entstehung des Johannesevangeliums standen letztlich noch mit seiner theologischen Arbeit in Verbindung. Einen besonderen Aspekt im Verhältnis des Christentums zu den nichtchristlichen Religionen thematisierte seine Schrift Der Einfluss der Mysterienreligionen auf das älteste Christentum (1912). In der gleichen Linie liegt dann die Monographie Die Reste der primitiven Religion im ältesten Christentum (1916). Für einen Religionshistoriker ungewöhnlich, aus seinem Erleben des Ersten Weltkriegs aber erklärlich, unternahm er im selben Jahr den Versuch, Die deutschen Greuel in Belgien und Nordfrankreich nach dem offiziellen englischen Bericht als feindliche Kriegspropaganda zu entlarven. Die kriegsbedingten Schwierigkeiten in der Beschaffung ausländischer Literatur und die Sorge, die Verdienste der deutschsprachigen Wissenschaft könnten nach dem Krieg nicht gebührend gewürdigt werden, waren mit ein Grund für die Konzipierung der Religionsgeschichtlichen Bibliographie, deren erster Band 1917 erschien.←69 | 70→

Der Extraordinarius Carl Clemen hatte in der Fakultät freilich keine weitergehenden Rechte;252 er hatte keine Teilhabe an der akademischen Selbstverwaltung.253 Es gab allerdings eine Ausnahme:

1910 wurde für die preußischen Universitäten verordnet, daß die etatmäßigen außerordentlichen Professoren, welche ein in ihrer Fakultät nicht vertretenes Spezialfach wahrnahmen, in dieser Fakultät Sitz und Stimme erhielten, wenn es sich um Angelegenheiten ihres Spezialfaches handelte.254

Fortan bestand auch die Möglichkeit, in Religionsgeschichte zu promovieren. Die Promotionsordnung der Philosophischen Fakultät vom 2. Januar 1907 führte zwar keine Fächer explizit auf; in § 7 hieß es aber:

Die Dissertation wird vom Dekan einem ordentlichen Professor der Fakultät zur Begutachtung überwiesen. Das Gutachten kann, wenn das Fach durch einen Ordinarius nicht vertreten ist, auch einem anderen Dozenten mit dessen Einverständnis übertragen werden.255

Vom Sommersemester 1912 an fungierte Carl Clemen im Rahmen des „Akademischen Lese-Vereins“ als Direktor des Lesezirkels und vom Wintersemester 1913/14 an im „Akademischen Ausschuss für Leibesübungen“ zunächst als geschäftsführender Vorstand, vom Sommersemester 1919 an als Schriftführer.256

Dass sich Carl Clemen bislang mit den Religionen in der Umwelt des frühen Christentums beschäftigt hat, hatten wir bereits gesehen. Mit seiner Übernahme des Extraordinariats dokumentierte sich nun sein Interesse an Fragen der Religionsethnologie und der religiösen Volkskunde. Er griff damit Impulse auf, wie sie von Hermann Usener und seinen Schülern, vor allem seinem Schwiegersohn Albrecht Dieterich, gegeben worden waren.257 In der Linie dieses Interesses lag es dann auch, wenn Carl Clemen am 8. November 1910 zu den Gründern der „Bonner ←70 | 71→Anthropologischen Gesellschaft“ gehörte, die sich später „Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zu Bonn“ nannte.258 Gerade in den Jahren 1910 bis 1917 war Clemen einer der eifrigsten Referenten. In einer Schrift zum 50jährigen Jubiläum der Gesellschaft heißt es:

Hier einige der von ihm behandelten Themen: Die neuesten Untersuchungen über die Anfänge der Religion, besonders Animismus und Totemismus, Über Reste primitiver Religion im älteren Christentum, Wesen und Ursprung der Magie sowie mehrere Vorträge über den Ursprung des Karnevals, des Martinsfestes sowie einiger Kinderspiele.259

Die in Bonn in Ermangelung des Faches Ethnologie nicht vorhandene Literatur hat er sich im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln ausgeliehen und wiederholt den aktuellen Zeitschriftenbestand in der dortigen Bibliothek vor Ort gesichtet.260 Außerdem hatte sich an der Bonner Universität ein „Ausschuss für eine Bibliographie der Naturvölker“ gebildet, dem ursprünglich offensichtlich neben Carl Clemen auch der Jurist Ernst Zitelmann und der Volkswirt Willy Wygodzinski von der Landwirtschaftlichen Hochschule angehörten. In seiner Sitzung vom 15. Juni 1914 nahm der Ausschuss Carl Heinrich Becker, der 1913 als Orientalist an die Bonner Universität gekommen war,261 als kooptiertes Mitglied auf. Da sich im Becker-Nachlass nur zwei – allerdings von Clemen angefertigte – Sitzungsprotokolle erhalten haben, lässt sich der weitere Verlauf des Projektes nicht mehr ermitteln.262

Daneben beschäftigte sich Clemen in dieser Zeit auch mit den antiken Quellen zur iranischen Religion. Vom 6. bis 14. April 1912 nahm er am 16. Internationalen Orientalistenkongress in Athen teil und sprach über „Die Bedeutung der griechischen Nachrichten für unsere Kenntnis des Mazdaismus“.263 Auf dem 4. Internationalen Kongress für Religionsgeschichte vom 9. bis ←71 | 72→13. September 1912 in Leiden griff er auf seine Studien zur Umwelt des frühen Christentums zurück; das Thema seines Vortrags hier lautete: „Der Einfluss der Mysterienreligion [sic] auf das Urchristentum“.264

Da Carl Clemen schon mit Beginn seiner Lehrtätigkeit in der Philosophischen Fakultät neben seinen Vorlesungen auch andere Formen der Wissensvermittlung pflegte, die im Vorlesungsverzeichnis als „Übung(en)“, „Seminar“ oder „Konversatorium“ auftauchten und die aktive Mitarbeit der Studierenden voraussetzten,265 stellte sich die Frage nach einem geeigneten Raum. In den beiden ersten Semestern hielt er die betreffende „Übung“ noch in einem Hörsaal ab, vom Wintersemester 1911/12 wechselte er mit dieser Lehrveranstaltungsform in das Akademische Kunstmuseum, wo er den Raum benutzen durfte, in dem auch die „Mommsen-Usenersche Bibliothek“ aufgestellt war. Zwar waren dort gerade aus dem Nachlass von Hermann Usener religionsgeschichtliche Werke vorhanden, allein – Clemen fand es für notwendig, wiederholt den Aufbau einer förmlichen religionsgeschichtlichen Bibliothek zu beantragen.266 Er begründete dies mit Lücken im Bestand sowohl der im Akademischen Kunstmuseum vorhandenen Bibliothek als auch in der Universitätsbibliothek, wo Studierende und Doktoranden zudem auf den Lesesaal angewiesen seien. Der Universitätskurator Ebbinghaus unterstellte in einem Schreiben an das Berliner Ministerium vom 14. April 1913 – wie die Zukunft zeigen sollte, zu Recht –, dass es Clemen in letzter Konsequenz um die Errichtung eines religionsgeschichtlichen Seminars gehe. Aus den Akten ergibt sich, dass in Berlin keine staatlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden konnten, man aber schließlich gegen die Einwerbung privater Mittel keine Einwände hatte, sofern die Bücher auch nach einer möglichen ←72 | 73→Auflösung der Bibliothek weiterhin im Besitz der Universität verblieben.267 Neben die – zunächst ungenannten – privaten Geldgeber trat nach ihrer Gründung im Juli 1917 die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Bonn. Clemens Anträge auf Errichtung eines religionsgeschichtlichen Seminars wurden 1914 und dann wieder 1916 abgelehnt.

1919 traten schließlich zwölf Schüler von Clemen an die Öffentlichkeit: Sie brachten in der Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft einen „Aufruf zur Sammlung einer Jubiläumsgabe für ein religionsgeschichtliches Seminar an der Universität Bonn“ heraus.268 Diesem Aufruf schlossen sich einige Persönlichkeiten an, so die Bonner Dekane der Philosophischen, der Evangelisch-Theologischen und der Katholisch-Theologischen Fakultät. Der Aufruf schilderte neben der Situation der Religionsgeschichte in Deutschland im Unterschied zu den Nachbarländern auch die bisherigen Bemühungen von Carl Clemen. Am Schluss nannte der Aufruf ein Postscheckkonto und versicherte:

Die Namen der Spender werden auf einem Blatt vereinigt werden, das später in dem Seminar aufgehängt werden soll. Besteht ein solches erst, so werden die religionsgeschichtlichen Studien, die seinerzeit hier durch Usener einen neuen Aufschwung genommen haben, künftig gewiß noch eifriger, als schon in den letzten Jahren vor dem Kriege, getrieben werden – zur Ehre der deutschen Wissenschaft und zu Nutz und Frommen unseres Volkes.269

Was dieser Aufruf der „unterzeichneten Schüler […], die bei ihrer Rückkehr aus dem Felde die Unmöglichkeit, auf dem ihnen am Herzen liegenden Gebiet ersprießlich zu arbeiten, besonders schmerzlich“ verspürt hatten,270 konkret erbracht hat, ist heute nicht mehr feststellbar – immerhin hieß es in einem Schreiben des Berliner Ministeriums vom 27. Januar 1920:

←73 | 74→Auf den Bericht vom 6. Oktober […] genehmige ich die Errichtung eines Religionswissenschaftlichen Seminars in der Philosophischen Fakultät der dortigen Universität und übertrage die Leitung desselben dem ausserordentlichen Professor Dr. Clemen. Voraussetzung ist, dass die dem Genannten zur Verfügung gestellten Bücherbestände und Zuwendungen für das Seminar in das Eigentum des Staates übergeführt werden. Es ist indessen auch in Zukunft nicht damit zu rechnen, dass staatliche Mittel durch den Staatshaushalt oder aus Zentralfonds der Unterrichtsverwaltung für die Zwecke des Seminars bereitgestellt werden.271

Seine Berufung auf das Extraordinariat im Jahr 1910 hat Carl Clemen bei verschiedenen Gelegenheiten mit der Einrichtung der Ordinariate für Religionsgeschichte an den Theologischen Fakultäten in Berlin im Jahr 1910 und in Leipzig im Jahr 1912 in Verbindung gebracht.272 In Berlin handelte es sich um die Nachfolge von Otto Pfleiderer, wobei nach dessen Tod der Lehrauftrag in „Religionsgeschichte und Religionsphilosophie“ geändert wurde. Auf der Vorschlagsliste der Fakultät stand an erster Stelle Ernst Troeltsch, gefolgt von Wilhelm Bousset und Nathan Söderblom. Berufen wurde vom Ministerium allerdings der Däne Edvard Lehmann.273 Was die Umstände der Berufung von Nathan Söderblom auf den Leipziger Lehrstuhl betrifft, so lassen sie sich durch den Verlust sowohl der Akten in Leipzig als auch der Gegenakten in Dresden nicht mehr ermitteln.274 Lehmann verließ Berlin wieder 1913 und folgte einem Ruf an die Universität Lund. Der Lehrstuhl wurde daraufhin 1914 von der Theologischen in die Philosophische Fakultät verlagert. In einer engagierten Protestnote wetterte Adolf Deißmann gegen diese Maßnahme, die in seinen Augen eine förmliche ←74 | 75→„Säkularisation“ darstellte,275 und plädierte für die – von ihm selber allerdings als unmöglich eingeschätzte – Berufung von Franz Cumont auf den Berliner Lehrstuhl.276 Von Carl Clemen war in beiden Kontexten nicht die Rede. Das änderte sich in gewisser Weise, als Nathan Söderblom nach seiner Wahl zum Erzbischof der Schwedischen Kirche 1914 Leipzig verließ und nach Schweden zurückkehrte. Am 2. Juli wandte sich Clemen in einem Brief an Söderblom. Nach einer etwas komplizierten Einleitung, in der er um Verständnis für seine Anfrage bat, kam Clemen zur Sache:

Ihr früherer Schüler, Herr Wiegand, erzählte (vielleicht etwas indiskreterweise) erst meiner Frau u[nd] dann auf Befragen auch mir, Sie hätten geäußert, daß Sie mich zum Nachfolger in Leipzig wünschten. Nun hatte ich mir auf die Nachricht von Ihrer Ernennung zum Erzbischof von Uppsala, die, so außerordentlich ehrenvoll sie für Sie ist, für Deutschland jedenfalls einen unersetzlichen Verlust bedeutet, natürlich auch gleich überlegt, wer wohl an Ihre Stelle treten würde, aber daß ich dafür in Frage kommen könnte, erschien mir doch von vornherein sehr unwahrscheinlich. Ich bin ja zwar Sachse, habe in Leipzig u[nd] Dresden meine beiden theologischen Examina gemacht, stehe aber jetzt nur noch mit ganz wenigen Mitgliedern der Leipziger theologischen Fakultät in Verbindung u[nd] nehme namentlich in manchen Dingen einen etwas anderen theologischen Standpunkt als sie ein. Erst Ihre Äußerung hat mich auf den Gedanken gebracht, daß ich – zumal wenn der sächsische Kultusminister an seiner früheren Erklärung, Ihre Professur sollte „liberal“ besetzt werden, festhielt – vielleicht doch in Betracht kommen könnte, u[nd] so habe ich dann die letzten Wochen in einiger Unruhe zugebracht u[nd] die Zeitungsnachrichten über Berufungen mit besonderem Interesse verfolgt.277

Nach einem Hinweis darauf, dass er schon viele Enttäuschungen erlebt habe und sich das Leipziger Berufungsverfahren „nach schlechtem preußischem Vorbild“ noch über einen längeren Zeitraum hinziehen könne, er also weiter im Unklaren sei, bat Clemen:

Ich wäre Ihnen daher, hochverehrter Herr Professor, außerordentlich dankbar, wenn Sie mir mitteilen wollten, ob wirklich irgendwelche Aussicht für mich besteht oder ob es vielmehr ganz ausgeschlossen ist, daß ich berufen werde. Da ich das Letztere selbst für das wahrscheinlichere halte, ist es keine zu schwere Enttäuschung für mich, wenn Sie es mir ganz offen bestätigen; ich bin Ihnen jedenfalls von ganzem Herzen dankbar, daß Sie überhaupt an mich gedacht haben.

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Das Antwortschreiben von Söderblom ist nicht erhalten. Welchen Inhalt es hatte, wird aus Clemens Antwort vom 8. Juli 1914 deutlich:

Verbindlichsten Dank für Ihre liebenswürdige Auskunft. Es ist mir sehr lieb, nun bestimmt zu wissen, daß die Sache so steht, wie ich von vornherein annahm. Um so höher schätze ich es, daß Sie an mich gedacht u[nd] mich mit vorgeschlagen haben. Ich danke Ihnen auch dafür vielmals von ganzem Herzen.

Berufen wurde schließlich am 15. Februar 1915 Hans Haas, der von 1898 bis 1909 im Rahmen des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins in Japan gewirkt und nach zwischenzeitig erfolgter Habilitation von 1913 an in Jena ein Extraordinariat für Religionsgeschichte an der Theologischen Fakultät bekleidet hatte.278

In einem – auch für seine theologische Position sehr aufschlussreichen – Brief vom 3. August 1916 fragte Clemen bei Söderblom an, ob er ihm sein nächstes Buch widmen dürfe,279 als Zeichen des Danks für die Berücksichtigung bei der Regelung der Nachfolge in Leipzig:

Es war ja natürlich von vornherein völlig ausgeschlossen, dass die Leipziger Fakultät mich mitvorgeschlagen hätte; denn wenn vielleicht auch andere theologisch nicht viel anders als ich selbst stehen, so unterscheide ich mich doch dadurch von ihnen, dass ich das öffentlich zum Ausdruck gebracht habe. Andrerseits konnte ich mich der sog[enannten] liberalen Partei doch nicht mit Haut u[nd] Haar verschreiben u[nd] wurde deshalb auch von ihr boykottiert; um so dankbarer bin ich also, bei der erwähnten Gelegenheit von Ihnen einmal wieder mit genannt worden zu sein.

Walter Wiegand, der in dem Brief vom 2. Juli 1914 erwähnte und von Leipzig nach Bonn gewechselte ehemalige Schüler von Söderblom, begegnet in einem weiteren Brief von Clemen an den schwedischen Erzbischof. Im Postscript zu seinem Brief schrieb Clemen am 6. Februar 1916:

Sie wissen natürlich, dass Ihr Leipziger Famulus Wiegand, dem Sie noch zu Anfang des Krieges einen so herrlichen Brief geschrieben hatten, schon am 18. Juli v[origen] J[ahres] als Leutnant in Galizien durch einen Brustschuss gefallen ist. Leider ist er keineswegs der einzige unter meinen Schülern, dessen allzufrühen Tod ich beklagen muss.

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Wiegand ist einer von insgesamt neun ehemaligen Studenten von Carl Clemen, deren Gedächtnis er sein 1920 erschienenes Buch Die griechischen und lateinischen Nachrichten über die persische Religion gewidmet hat. Der Erste Weltkrieg stellte für Carl Clemen eine traumatische Erfahrung dar. Um seine Einstellung zum Krieg und zu den Gegnern des Deutschen Reiches zu verstehen, muss man sich allerdings vergegenwärtigen, dass er 1893 „von den Völkern englischer Zunge, die ja wohl in Zukunft noch ganz anders als jetzt an die Spitze der Zivilisation marschieren werden“, geschrieben hat.280 1914 gehörte er – wie auch sein Bruder Paul und weit über 3 000 andere Hochschullehrer – zu den Unterzeichnern der von Ulrich von Wilamowitz-Möllendorf verfassten Erklärung der Hochschullehrer des Deutschen Reiches, die sich gegen „die Feinde Deutschlands, England an der Spitze“, richtete.281 Wie der mit Clemen eng verbundene Bonner Historiker Wilhelm Levison, der in der Kölnischen Zeitung schon Anfang 1915 kritisch die französischen und englischen Veröffentlichungen gegen die deutsche Kriegsführung beleuchtete,282 setzte sich auch Clemen in seiner oben kurz genannten Schrift Die deutschen Greuel in Belgien und Nordfrankreich nach dem offiziellen englischen Bericht vor allem mit dem englischen Dokument Evidence and Documents laid before the Committee on Alleged German Outrages auseinander,283 das er auf interne Widersprüche, auf Unvereinbarkeiten mit anderen Dokumenten und eklatante Verstöße gegen militärische Plausibilitäten hin untersuchte.284 Auch in den relativ zahlreichen Briefen an seinen Bruder Otto, der damals wohl als einziger der Brüder eingezogen war und als Offizier im Osten Dienst tat, kamen immer wieder die Vorwürfe gegen das Ausland zur Sprache. Allerdings nahm Otto Clemen einen anderen Standpunkt ein, so dass ←77 | 78→Carl Clemen in einem Brief am 3. November 1918 klagte: „[E]‌rst recht ist es mir schmerzlich, daß du immer wieder nur auf unserer Seite Unrecht siehst u[nd] auf der gegnerischen gar nicht.“285

Während sich im weiteren Verlauf der Krieg auch im universitären Auditorium bemerkbar machte – Carl Heinrich Becker schrieb 1915 in einem Brief von einer „Mischung von Mädchenpensionat und Altweiberheim“286 –, suchte Carl Clemen nach einer sinnvollen Betätigung. 1916 hoffte er, „durch die Zivildienstpflicht noch eine andere Tätigkeit zu bekommen“, musste dann aber am 14. Januar 1917 melden, dass er „noch keinen Zivildienst gefunden habe“. Den Grund dafür sah er in der Tatsache, dass er sich nur für einige Nachmittage in der Woche freinehmen könne und dies dem ins Auge gefassten Lazarett nicht genüge. Immerhin muss er aber – zumindest zeitweise – eine entsprechende Verwendung gefunden haben, denn ein Schreiben an das Rautenstrauch-Joest-Museum, in dem er am 10. Januar 1916 um verschiedene Bücher bat und sein Erscheinen an einem der nächsten Tage ankündigte, ist auf einem offiziellen Briefpapier einer „Kranken-Transport-Kolonne Bonn“ angefertigt.287 Außerdem beteiligte er sich an Veranstaltungen des in Bonn zu Beginn des Wintersemesters 1914/15 gegründeten „Wehrbundes“.288

1918 erhielt Clemen die Möglichkeit, im Rahmen der im Kriegsverlauf errichteten „Hochschulkurse für Soldaten im Kriegseinsatz“ Vorlesungen zu halten. Derartige Kurse wurden im belgischen Arlon, im nordmakedonischen Prilep und in Bukarest angeboten.289 Die Kurse mit einzelnen Vorlesungen im Umfang von vier bis sechs Stunden hatten den Zweck, seit Jahren eingezogenen Soldaten Gelegenheit zu wissenschaftlicher Weiterbildung zu geben. Zugleich vermittelten sie möglicherweise andererseits auch dem einen oder anderen Dozenten, ←78 | 79→„der im Krieg selbst von dem Drang mitzumachen und dem Bedrücken, nicht gebraucht zu werden“,290 geplagt war, eine ersehnte Bestätigung. Nachdem Carl Clemen in einem Schreiben an seinen Bruder Otto vom 3. März 1918 noch unsicher war, ob er im April nach Bukarest reisen werde, konnte er dem Bonner Altphilologen August Brinkmann am 11. April 1918 aus Bukarest schreiben:

Dank Ihren liebenswürdigen Anweisungen bin ich ganz glücklich hier angekommen u[nd] habe mich schon so ziemlich eingelebt. Die Kurse sind nicht so gut besucht; immerhin kann ich durchaus zufrieden sein. Das Wetter ist bei Tage sehr schön warm, abends sitzen wir meist im Offiziersheim zusammen, was sehr interessant u[nd] anregend ist.291

Der Aufenthalt in Rumänien hatte nun eine ganz konkrete Folge. Nach Bonn zurückgekehrt, wandte sich Clemen am 2. Juni 1918 mit einem längeren Schreiben an den inzwischen im Berliner Kultusministerium zum Referenten beförderten Carl Heinrich Becker.292 In dem Brief hieß es zu Anfang relativ verschachtelt:

Gestatten Sie mir gütigst, daß ich mir in einer Angelegenheit, die mich schon seit längerer Zeit beschäftigt, ganz ergebenst Ihr wertvolles Urteil u[nd] eventuell Ihre wirksame Vermittlung erbitte. Fast seit Beginn des Krieges frage ich mich, ob die einzigartige Gelegenheit, Angehörige aller möglicher fremder, auch unzivilisierter Völker zu studieren, ohne sie in ihrer Heimat auffinden zu müssen, die unter solchen Völkern angehörigen Kriegsgefangenen bieten, nicht auch in der Weise ausgenutzt werden könnte u[nd] sollte, daß diese auf ihre religiösen Ansichten und Gebräuche hin untersucht würden.293

Clemen legte dann im Folgenden ausführlich dar, wie er sich im Vorjahr zunächst an das Kriegsministerium, dann an das Kultusministerium und schließlich an die „Königlich-preußische phonographische Kommission“ gewandt hat. Von hier bekam er zwischenzeitlich auf seine Frage, welche „Völkerschaften“ überhaupt untersucht worden seien, die unbefriedigende Antwort, eine entsprechende Auskunft sei wegen der Materialfülle nicht möglich.294 Clemen fuhr fort:

Dafür habe ich selbst bei Gelegenheit der letzten Hochschulkurse in Bukarest einige rumänische Gefangenenlager besucht u[nd] dort erfahren, daß unter den Bewachungsmannschaften Einzelne sind, die vermöge ihrer Vorbildung solche Untersuchungen vornehmen könnten.

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Er berichtete ferner von einem Richter und einem Referendar, die „die muhammedanischen Kriegsgefangenen aus Nordafrika […] unter Vermittlung von Dolmetschern auf ihre Rechtsbegriffe geprüft“ haben. Sein Vorschlag sei nun, „die genannten Kriegsgefangenen […] auf ihre religiösen Anschauungen u[nd] Gebräuche untersuchen zu lassen“. Das Problem sei nur: Wenn er einen solchen Vorschlag mache, werde das wohl nicht erfolgreich sein: „Dagegen würde zweifellos alles, was in dieser Richtung noch geschehen kann, unternommen werden, wenn Sie, sehr verehrter Herr Geheimrat, Ihr großes Interesse für religionsgeschichtliche Forschungen etwa auch dieser Frage gütigst zuwenden wollten.“ Trotz des großen Interesses, das Carl Heinrich Becker für die Religionsgeschichte gezeigt hat,295 ist eine Antwort nicht erhalten. Sie dürfte sich auch durch die militärische und politische Entwicklung in den folgenden Monaten erübrigt haben.

So nationalistische Töne Carl Clemen auch angeschlagen und so sehr der Erste Weltkrieg als geradezu traumatische Erfahrung auch in der Folgezeit nachgewirkt hat,296 so wird man – ähnlich, wie dies bei Wilhelm Levison der Fall war – in seiner Verbindung mit der Deutschen Volkspartei297 schließlich doch eine Versöhnung mit der Weimarer Republik sehen und ihn gleichfalls einen „Vernunftrepublikaner“298 nennen können.

Unmittelbar in die Zeit vor der Ernennung zum Ordinarius, in das Sommersemester 1920, führen die Briefe von Agnes Clemen, der Tochter von Otto Clemen, zu deren Taufe Carl Clemen – wie wir oben gesehen haben – mit seiner damaligen Frau nicht reisen wollte. Agnes Clemen studierte von 1917 bis 1922 an der Universität Leipzig Germanistik und Geschichte.299 Das Sommersemester 1920 verbrachte sie in Bonn und wohnte in dieser Zeit im Haus von Carl Clemen. Die Briefe aus diesem Semester an ihre Eltern und an ihre Tante Anna Barth erlauben ←80 | 81→einen unmittelbaren Einblick in den Alltag eines protestantisch-sparsamen Bonner Extraordinarien-Haushalts. Es seien aus diesen Briefen aber nur die folgenden Punkte angeführt.

Einen Eindruck von der Art, wie Carl Clemen seine Lehrveranstaltungen gestaltete, konnten wir bereits dem Urteil des Kuratorialsekretärs August Weigand entnehmen. Clemens Nichte sah ihren Onkel freilich ganz anders. Sie besuchte zusammen mit Clemens Frau die Vorlesung „Allgemeine Geschichte der Mystik“ und schrieb am 11. Mai 1920 an ihre Tante Anna Barth:

Onkel Karl [sic] ist unserem Vater ja in so vielen Dingen so spaßhaft ähnlich, z.B. seine Art, ein Kolleg zu sprechen, erinnerte mich so an Vaters Volkshochschulvortrag; – es fallen mir jetzt gerade keine Beispiele weiter ein; aber es sind so viele kleine Dinge und Anschauungen, die die beiden Brüder gemeinsam haben, nur ist Onkel Karl viel unterhaltsamer und humorvoller.

In mehreren Briefen ist auch von Bekannten der Eheleute Clemen die Rede. Namentlich genannt werden allerdings nur wenige, so Wilhelm Levison und seine Frau, die wohl mit Frau Clemen befreundet war und Agnes zu Veranstaltungen des Studentinnenvereins „Hilaritas“ eingeladen hat.300 An einem sonntäglichen Ausflug in das Siebengebirge nahmen Lily Solmsen, die Witwe des 1911 verstorbenen Sprachwissenschaftlers Felix Solmsen, mit ihrer Tochter Edith teil. Gerade dieser gesellschaftliche Umgang mit jüdischen Mitbürgern wird für Clemens Haltung nach 1933 von Bedeutung sein.

In einem Brief ist davon die Rede, dass es Anfang Juli eine „größere Studenten-Abendgesellschaft“ im Hause von Carl Clemen gegeben habe, zu der sowohl 17 Studenten aus seinem Seminar eingeladen waren als auch 25 Marburger, „die auf einer Studienreise hier sind“. Gerade der Kontakt mit der Universität Marburg, mit Rudolf Otto und mit Friedrich Heiler, spielt im weiteren Briefwechsel von Carl Clemen eine Rolle.

In das Jahr 1920 führt auch eine beiläufige Notiz über die Begegnung mit Thomas Mann im Rahmen der von dem Germanisten Berthold Litzmann gegründeten Literarhistorischen Gesellschaft. Thomas Mann erschien in dieser Runde wohl zum Dank für die ihm im Vorjahr verliehene Ehrendoktorwürde. Aus der Perspektive ←81 | 82→des damaligen Studenten beschrieb Otto Brües, wie „die Professoren, unter ihnen Paul und Carl Clemen, Dietzel, Dyroff und Schiedermair bis zum Eintritt des neuen Doktors […] plauderten“.301

1.6 Ordinarius (1920–1933)

Zum Ende des Sommersemesters 1920 wurde Carl Clemen mit Schreiben des Berliner Kultusministeriums vom 26. Juli 1920 zum ordentlichen Professor bestellt. Dies geschah im Zuge einer von Carl Heinrich Becker initiierten Hochschulreform.302 Der ehemalige Bonner Professor war inzwischen in Berlin zum Staatssekretär avanciert. Während Becker ursprünglich die Absicht hatte, alle Extraordinarien zu Ordinarien zu befördern,303 stießen seine Pläne auf Widerstand,304 so auch in der Universität Bonn. Wie aus einem Schreiben der Philosophischen Fakultät vom 7. Juni 1920 hervorgeht, war man zunächst lediglich bereit, eine Beförderung derjenigen außerordentlichen Professoren zu akzeptieren, die Spezialfächer wie etwa Religionsgeschichte (Carl Clemen) oder Ägyptologie (Alfred Wiedemann) lehrten, weil sie bereits bei Fragen ihrer Fächer „mit Sitz und Stimme […] in der Fakultät […] vertreten“ seien.305 Wenn auch die neuen Ordinarien jetzt voll in die Fakultät eingebunden waren, so darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass gleichwohl andere Antagonismen auf den Plan traten, etwa der Unterschied zwischen „persönlichen“ und „planmäßigen“ Ordinarien, wie er sich beispielsweise in einem Schreiben von Carl Clemen an ←82 | 83→Adolf Dyroff vom 22. Januar 1930 widerspiegelt, in dem es um Einzelheiten bei der Wahl zum Dekan ging.306

Wie oben schon gesagt, lassen sich bei den Lehrveranstaltungen keine gravierenden Veränderungen feststellen – mit einer Ausnahme allerdings: Vom Wintersemester 1925/26 an hat Clemen keine Vorlesungen mehr „für Hörer aller Fakultäten“ angeboten. Mit der Einrichtung des Religionswissenschaftlichen Seminars im Frühjahr 1920 tauchte das Seminar alljährlich auch in der Chronik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität auf, allerdings mit einer wie auch immer zu begründenden Verzögerung erst ab dem akademischen Jahr 1921/22. In der Chronik gab Clemen jeweils einen Überblick über die Seminarteilnehmer, deren Zahl von 6 (Sommersemester 1923) bis 17 (Sommersemester 1927) schwankte.307 Clemen berichtete ferner über die von ihm mit den Studierenden durchgeführten Studienreisen (Ostern 1927 nach Paris, Sommersemester 1928 nach London und Oxford, 28. Oktober bis 3. November 1929 nach Paris und St. Germain en Laye, Pfingsten 1930 nach London und Cambridge).308 Außerdem dankte Clemen regelmäßig wegen zwischenzeitig erfolgter Bücherspenden, so etwa gleich im ersten erhaltenen Bericht:

[D]‌as Seminar ist für seine Bedürfnisse lediglich auf die Privatwohltätigkeit angewiesen und für Zuwendung von Büchern und Geldmitteln in den letzten 1 ½ Jahren ausser der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität den Herren Fabrikbesitzer Dr. Gothut in Mülheim a.d.R., Fabrikbesitzer Dr. Herkenberger in Barmen, Pfarrer Lic. Radecke in Köln, Miss Stephens in Godesberg, Pfarrer Philipp in Werdohl und Studienrat Dr. Walterscheid in Bonn zu Dank verpflichtet.309

Neben Einzelpersonen galt der Dank besonders im Zeitraum von 1927 bis 1933 der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Bonn, die damals jährlich 300 Mark zur Verfügung stellte, sowie dem von Adolf Dyroff verwalteten ←83 | 84→Bibliotheksfond.310 Für das Jahr 1930 konnte Clemen über eine ihm aus Anlass seines 65. Geburtstags „von früheren und damaligen Mitgliedern des Seminars“ dargebrachte Bücherspende berichten.311

Clemens literarisches Schaffen als Ordinarius war äußerst produktiv. Mit der 2. Auflage seiner Religionsgeschichtlichen Erklärung des Neuen Testaments (1924) knüpfte er an die wohl wichtigste Veröffentlichung aus seiner theologischen Lehrtätigkeit an. Das Buch war aber praktisch eine völlige Neufassung der Schrift von 1909. Eine weitere Neubearbeitung war Die Entstehung des Neuen Testaments (1926), deren 1. Auflage 1906 erschienen war.

Clemens erfolgreichste Veröffentlichung war der von ihm herausgegebene Sammelband Die Religionen der Erde (1927), der 1930 in französischer, 1931 in englischer und 1940 in niederländischer Übersetzung erschien und nach dem zweiten Weltkrieg zunächst 1949 in einer überarbeiteten 2. Auflage und in dieser Fassung dann 1966 in einer vierbändigen Taschenbuchausgabe veröffentlicht wurde. Eine weitere Gesamtdarstellung, allerdings eingegrenzt auf Europa, brachte er in zwei Bänden unter dem Titel Religionsgeschichte Europas (1926 und 1931) heraus. Den gleichen Stoff hat Clemen wiederholt auch in Vorlesungen behandelt (in den Wintersemestern 1920/21, 1923/24, 1925/26, 1927/28 und 1929/30).

Wichtig sind sodann die von Clemen begründeten und herausgegebenen „Fontes historiae religionum ex auctoribus Graecis et Latinis collecti“, von denen er den ersten Band, die Quellen zur persischen Religion (1920), und den dritten Band, die Quellen zur germanischen Religion (1928), in der Zeit als Ordinarius selber herausgegeben hat. Der erste Band der von ihm ferner edierten Monographiereihe „Untersuchungen zur allgemeinen Religionsgeschichte“ erschien 1927. In dieser Reihe veröffentlichte Clemen im betrachteten Zeitraum als Heft 4 und 5 das zweibändige Werk Urgeschichtliche Religion (1932 und 1933).

Ebenfalls eng mit seinen Vorlesungen, vor allem mit den Vorlesungen „für Hörer aller Fakultäten“, verbunden waren einige Schriften, die sich ausdrücklich an ein größeres Publikum wandten, wie die beiden Bände Die nichtchristlichen Kulturreligionen in ihrem gegenwärtigen Zustand (1921); über diesen Stoff hatte er – mit unterschiedlichen Schwerpunkten – im Wintersemester 1917/18, im Sommersemester 1918 und im Wintersemester 1918/19 gelesen. In diesen allgemeineren Kontext ←84 | 85→gehörte auch seine Schrift Das Leben nach dem Tode im Glauben der Menschheit (1920), das einen Stoff bot, den er in den Wintersemestern 1916/17, 1918/19, 1920/21 und 1923/24 vorgetragen hat. Das in zwei Auflagen erschienene Buch Deutscher Volksglaube und Volksbrauch (1921 und 1925) stand im Zusammenhang mit den Samstagsvorlesungen in den Sommersemestern 1917, 1919, 1921 und 1925. Auch die kleine Schrift Die Mystik nach Wesen, Entwicklung und Bedeutung (1923) ist aus der ähnlich lautenden Vorlesung im Sommersemester 1920, die uns oben schon begegnet ist, hervorgegangen.

Während sich diese Bücher wie auch die entsprechenden Vorlesungen an ein breiteres Publikum richteten, ging die Schrift Die Anwendung der Psychoanalyse auf Mythologie und Religionsgeschichte (1928) aus einem Seminar hervor, das Clemen im Wintersemester 1926/27 durchführte. Die letzte hier zu nennende Veröffentlichung hatte den Titel Der Einfluß des Christentums auf andere Religionen (1933) und spiegelte seinen besonderen Ansatz wider, der eben nach historisch greifbaren Einflüssen der Religionen aufeinander fragte, wie er ihn methodisch erstmals in seiner Bonner Antrittsvorlesung von 1904 dargelegt und dann in den beiden Auflagen der Religionsgeschichtlichen Erklärung des Neuen Testaments präzisiert hatte.

Clemens Bemühungen um Anerkennung der Religionsgeschichte als akademisches Fach zeigte sich zum einen darin, dass auf sein Bestreben hin von 1923 an die Möglichkeit bestand, Religionsgeschichte als Zusatzfach im Rahmen des Staatsexamens für das Lehramt an höheren Schulen zu wählen.312 Zum anderen bemühte er sich, die Religionsgeschichte in die nach dem Ersten Weltkrieg wieder veranstalteten Ferienkurse einzubinden.

Wir hatten oben schon gesehen, dass sich Clemen an den seit 1892 in Bonn üblichen theologischen Ferienkursen – allerdings offenbar nur sporadisch – beteiligt hat. Die Ferienkurse nach dem Ersten Weltkrieg sind – wie übrigens auch die früheren Kurse – nur unzureichend dokumentiert.313 Zum Ziel der Ferienkurse bemerkte ihr Organisator Paul Kahle:

←85 | 86→Sie waren damals hauptsächlich für Oberschullehrer im Rheinland bestimmt. Diese mußten eine Woche lang während der Ferien nach Bonn kommen. Die Kurse zielten darauf ab, ihnen einen neuen Anstoß für ihre weiteren Studien zu geben. […] Die Kurse sollten so attraktiv wie möglich gestaltet werden, und darum lud ich gewöhnlich Gelehrte von Rang von verschiedenen Universitäten ein, in den Ferienkursen Vorträge zu halten. Bald wurden sie Ereignisse des Universitätslebens, und viele Angehörige der Universität nahmen daran teil.314

Da sowohl im Programm der Ferienkurse von 1925 und in einer Mitteilung in der Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft von einem „2. religionsgeschichtlichen Ferienkurs“ die Rede war,315 wird man den entsprechenden Kurs von 1924 als „1. religionsgeschichtlichen Ferienkurs“ ansehen dürfen. Er ist allerdings nur durch Angaben in einem Artikel der Deutschen Reichszeitung vom 10. April 1924 zu rekonstruieren.316 Die „Religionsgeschichte“, zu deren Vorlesungen sich 80 Hörer angemeldet hatten, stellte neben den „Neueren Sprachen“ und der „Rheinischen Geschichte“ eine der drei Sektionen dar. Carl Clemen sprach über „Probleme der prähistorischen Religion“, während die anderen Vorlesungen – wohlgemerkt: unter der Überschrift „Religionsgeschichte“ – von Dozenten des Orientalischen Seminars und der Ägyptologie bestritten wurden.317

Erstmals mit einem gemeinsamen Programm wurde für die Ferienkurse 1925 geworben.318 Neben die „Religionsgeschichte“ waren nun sechs weitere Gruppen getreten. Wieder referierte Clemen zusammen mit Dozenten des Orientalischen Seminars, der Ägyptologie und dem Direktor des Rheinischen Provinzialmuseums. Clemen hielt zwei Vorlesungen, einmal über das Thema „Altes Testament ←86 | 87→und Mysterienreligionen“ und dann über „Die Kunst des südlichen Buddhismus (mit Lichtbildern)“. Außerdem bot er für einen Vormittag eine Führung durch das Ostasiatische Museum in Köln an. Das Programm für 1926 zeigte einen ähnlichen Aufbau: Neben Dozenten aus dem Orientalischen Seminar, der Ägyptologie und einem Mitarbeiter des Provinzialmuseums sprach Clemen über die „Entwicklung der persischen Religion“; allerdings waren jetzt auch die katholische Theologie in der Person von Friedrich Andres („Primitive und griechische Mysterien“), die evangelische Theologie durch Johannes Meinhold („Der Dekalog“) und die Germanistik mit Heinrich Hempel („Hellenistische und orientalische Einflüsse auf die germanische Religion“) vertreten.319

Das bisherige Konzept der Sektion „Religionsgeschichte“ schien aber nun in Frage gestellt, denn Clemen schrieb am 7. Dezember 1926 an den katholischen Theologen Albert Ehrhard:

Sie erinnern sich vielleicht, daß ich Sie schon vorigen Winter fragte, ob Sie die Güte haben würden, bei dem diesjährigen Ferienkurs mitzuwirken, u[nd] daß Sie das zwar ablehnten, aber für später in Aussicht stellten. Nun liegt die Sache diesmal besonders schwierig, als die Orientalisten (Baumstark, Horten, Kahle, Kirfel, Wiedemann), die bisher in der religionsgeschichtlichen Sektion mitwirkten, eine eigene Sektion bilden wollen; auch ich selbst werde wahrscheinlich nicht mittun können, da ich wohl zu dem Loisy-Kongreß nach Paris muß. So müssen im wesentlichen Theologen beider Fakultäten gebeten werden; da jeder (weil nur dann etwas dabei herauskommt) 3–4 Stunden vortragen soll, bedarf es ja auch keiner anderen Kräfte. […] [D]‌as Honorar richtet sich nach der Höhe der Mittel, die unser Vorsitzender Koll[ege] flüssig zu machen versteht u[nd] natürlich nach dem Besuch, der ja bisher immer sehr gut war – neben Lehrpersonen der verschiedensten Art u[nd] Gebildeten überhaupt hörten die religionsgeschichtl[ichen] Vorträge immer auch Geistliche beider Konfessionen; bisher sind für die Kollegstunde 50 M[ark] bezahlt worden.320

In den Vorlesungen 1927 waren allerdings doch noch Dozenten des Orientalischen Seminars vertreten (Anton Baumstark, Max Horten, Albert Schott). Clemen, der selber wegen des gleichzeitigen Kongresses zum 70. Geburtstag von Alfred Loisy in Paris nicht teilnehmen konnte, war es gelungen, neben Erik Peterson und Johann Schmidt-Japing auch den katholischen Theologen Heinrich Vogels zur Mitarbeit zu gewinnen. Obwohl Clemen die Beteiligung auswärtiger Referenten nicht für notwendig hielt, überrascht die Teilnahme von Rudolf ←87 | 88→Otto („Die Gnadenreligionen Indiens in ihrem Verhältnis zum Christentum“) und von Fjodor I. Stcherbatsky („Die Philosophie des Buddhismus“).321

1928 war dann eingetreten, was Clemen in seinem Schreiben an Albert Ehrhard befürchtet hatte: Es gab jetzt eine eigene – sicherlich von Paul Kahle initiierte – Sektion „Ostasien“, an der neben dem Sinologen Erich Schmitt aus dem Orientalischen Seminar durchweg auswärtige Referenten mitarbeiteten – und Carl Clemen mit einem Vortrag über „Die religiöse Tradition Ostasiens“. Eine religionsgeschichtliche Sektion kam in diesem Jahr nicht zustande.

Bei den Ferienkursen 1929 gab es dann eine Sektion „Ostasien und Religionsgeschichte“, bei deren Veranstaltungen – da nach Referenten alphabetisch geordnet – Carl Clemen mit seiner Vorlesung „Die neuere Entwicklung der jüdischen Religion (Chassidismus und Reform-Judentum)“ an der Spitze stand. Die weiteren religionsgeschichtlichen Themen behandelten Willibald Kirfel („Die moderne Entwicklung des Buddhismus“) und Wilhelm Schmidt („Gebet und Opfer bei den Primitiven“). Außerdem sprach Erich Schmitt über „Die drei Religionen Chinas in ihrem geschichtlichen Werden“ – seine Vorlesung entsprach einzig voll dem merkwürdig zwitterhaften Titel der Sektion. Außer an diesen Ferienkursen beteiligte sich Clemen an dem gleichzeitigen, aber separat angezeigten „6. Kursus des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande“ mit zwei Vorlesungen, einmal über „Die Ausstrahlungen des germanischen Altertums im Volksleben der Gegenwart“, dann über „Die Ausstrahlungen der Antike im Volksleben der Gegenwart“.322 Bei den Ferienkursen 1930 und 1931 kam eine religionsgeschichtliche Sektion nicht zustande. Danach wurden die bislang in den Osterferien üblichen Kurse eingestellt.323

Mit der oben erwähnten Bücherspende zum 65. Geburtstag von Carl Clemen sind wir der Zeit etwas vorausgeeilt. Es gilt zunächst, an seinen 60. Geburtstag im Jahr 1925 zu erinnern. Die Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft druckte aus diesem Grund einen – unpaginierten und von Johannes Witte und Hans Haas unterschriebenen – Glückwunsch ab, der mit den für dieses Genre etwas verstörenden Worten „De mortuis nil nisi bene!“ begann. Neben allgemeinen Glückwünschen an den langjährigen Mitarbeiter der Zeitschrift hieß es dann:

Es war in Erwägung gezogen, ein Doppelheft der ZMR mit Beiträgen seiner Schüler und engeren Fachgenossen als „Clemen-Festschrift“ ihm zu widmen. Die gezählten Bogen einer solchen haben uns zu wenig ansehnliche Huldigung erscheinen wollen, von ←88 | 89→vornherein nicht ausreichend für das Angebot literarischer Angebinde, die Dankbarkeit und Verehrung dem Lehrer, dem Freund, dem Kollegen und Mitforscher darzureichen beflissen sich erwiesen hätten. Allein schon das Verzeichnis der missionskundlichen und religionswissenschaftlichen Veröffentlichungen des Jubilars, das der Festgabe doch wohl schicklicherweise beizugeben gewesen wäre, hätte in Ansehung der ungewöhnlichen Fruchtbarkeit des zu ehrenden Autors eine nicht unbeträchtliche Zahl Seiten in Anspruch genommen und den Gratulanten den ohnehin spärlichen Raum um ein weiteres geschmält.324

Mit dieser Begründung blieb es dann bei dem bloßen Glückwunsch und dem Ausdruck der Hoffnung, dass die Zeitschrift „recht lange Jahre fernerhin der Unterstützung seitens des befreundeten Gelehrten sich möchte erfreuen dürfen“.

Wenn Clemens 60. Geburtstag nur auf diese bescheidene Weise gefeiert wurde, so stand es ganz anders mit der im selben Jahr zelebrierten und wegen der Besetzung des Rheinlandes politisch brisanten Jahrtausendfeier der Rheinlande.325 In Vorbereitung und Durchführung dieser Feier waren der mit Carl Clemen verbundene Wilhelm Levison und auch sein Bruder Paul Clemen auf unterschiedliche Weise stark involviert.326 Die Philosophische Fakultät verlieh aus dem Anlass der Feier eine Reihe von Ehrendoktorwürden, darunter auch an Nathan Söderblom. Wenn auch die entsprechenden Belege fehlen, so darf man doch Carl Clemen hier als treibende Kraft sehen, vor allem, da es in der offiziellen Begründung sowohl in wissenschaftlicher als auch in politischer Hinsicht hieß:

Die Philosophische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn verleiht aus Anlass der Jahrtausendfeier der Rheinlande dem Erzbischof und Prokanzler der Universität Upsala [sic], D.Dr. Nathan Söderblom, dem vielseitigen und richtunggebenden Forscher auf dem Gebiet der Allgemeinen Religionsgeschichte, dem gerechten Freund des deutschen Volkes, der als erster unter den Neutralen an der Spitze des schwedischen Episkopates gegen Deutschlands Vergewaltigung eindrucksvollen Widerspruch erhoben hat, die Würde und Rechte eines Ehrendoktors der Philosophie.327

←89 | 90→

Söderblom nahm die Ehrung nicht persönlich entgegen, sondern dankte mit einem Schreiben vom 29. Juli 1925, in dem er die Leistungen der Bonner Universität und der Philosophischen Fakultät würdigte.

Der große Kongress, der 1927 zu Alfred Loisys 70. Geburtstag in Paris abgehalten wurde, war die erste Gelegenheit nach dem Ersten Weltkrieg, bei der Carl Clemen vor ein wissenschaftliches Forum trat, das sich zu maßgeblichen Teilen aus Angehörigen derjenigen Nationen zusammensetzte, mit denen sich Deutschland im Krieg befunden hatte, und es war auch das erste Mal, dass er wieder nach Paris gereist ist.328 Alfred Loisy berichtete in seinen Mémoires, dass Clemen durch ein Schreiben von Paul-Louis Couchoud im Oktober 1926 gebeten worden war, an Stelle von Franz Cumont dem „comité d’honneur“ des Kongresses beizutreten.329 Clemen selber freute sich, wie er im März 1927 Raffaele Pettazzoni wissen ließ, den italienischen Kollegen auf dem Kongress zu treffen und bei dieser Gelegenheit persönlich kennenzulernen.330 Über Clemens Grußwort im Namen der deutschen Delegation am ersten Kongresstag, dem 19. April 1927, schrieb Loisy:

Il y eut un frémissement dans l’auditoire lorsque le professeur Carl Clemen […] commença son petit discours en disant en français, de sa voix grave et douce: „Au nom des Universités de Bonn, de Breslau, de Giessen, de Halle et Wittenberg, je vous apporte le salut de ←90 | 91→l’Allemagne.“ J’avoue que ce fut pour moi le plus beau moment du congrès et l’un des meilleurs de mon existence. Je suis de plus en plus pour la paix des nations.331

Clemen sprach am Nachmittag des ersten Kongresstages über „Die Stellung der Offenbarung Johannis im ältesten Christentum“.332 Auf das Angebot, sich zum Vizepräsidenten einer der Abteilungen des Kongresses wählen zu lassen, verzichtete Clemen, da er nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen konnte.333 Immerhin war er ja, wie wir oben gesehen haben, mit einer Gruppe Studenten nach Paris gereist, um die er sich bei dieser Gelegenheit kümmern musste.

Im Anschluss an den Kongress dankte Loisy unter dem Datum des 29. April 1927 Clemen und mit ihm auch allen deutschen Teilnehmern. Er bedauerte, dass so wenig Zeit war, sich persönlich näher kennenzulernen, und gestand offen:

Je suis de ceux qui veulent la paix sur la terre. Je pense que la vitalité de votre peuple est encore jeune et entière: garantie d’un grand avenir pour votre pays. L’Europe et le monde ont besoin de vous. Vous pouvez être les artisans de la paix européenne, si nécessaire à tous les peuples européens.334

Clemens verbindliche, aber letztlich doch recht förmliche Antwort datierte auf den 8. Mai 1927. Sie ließ Alfred Loisy einigermaßen ratlos zurück. Vor allem irritierte ihn der zweite Abschnitt des Briefes, in dem Clemen geschrieben hatte:

←91 | 92→Auf Ihre politischen Ausführungen möchte ich nicht erwidern, da ich ja nicht weiss, von was für Voraussetzungen Sie dabei ausgehen. Als Ziel erstreben wir gewiss auch den Frieden u[nd] die Verständigung der Nationen, u[nd] wissenschaftliche Zusammenarbeit halten wir auch in der Politik für möglich u[nd] notwendig.335

Loisy antwortete gleich am 10. Mai mit einem Brief, in dem er sein Bedauern über das offensichtliche Missverständnis auf Seiten von Clemen ausdrückte und in einem längeren Diskurs seine Vorstellungen von einem gedeihlichen Zusammenleben der verschiedenen Nationen entfaltete. Angesichts der Aufgaben, vor die er die Menschheit gestellt sah, seien in seinen Augen Fragen wie etwa die nach der Kriegsschuld letztlich überholt. Er rechtfertigte seine Ausführungen als „une opinion humainement défendable et un vœu moralement licite“.336

Clemen antwortete seinerseits mit einem umfangreichen Brief und entschuldigte sich zunächst für seine ursprüngliche Zurückhaltung, die er so begründete:

Sie wissen ja, dass Wünsche für einen Wiederaufschwung unseres Volkes manchmal auch von solchen geäussert werden, die – um gleich das äusserste Extrem zu setzen – uns nach wie vor wie eine Nation von Verbrechern u[nd] Parias behandelt sehen möchten, wie sie uns die alleinige Verantwortung für den Krieg zuschreiben. Aus Ihrem letzten Brief ersehe ich zu meiner grossen Freude, dass Sie das nicht tun, u[nd] kann nun nicht nur Ihren Zielen im allgemeinen zustimmen, sondern auch Ihre freundlichen Wünsche mit herzlichstem Dank annehmen.337

Der Brief schloss nun mit besonders herzlichen Wünschen und Grüßen an den französischen Gelehrten.

1928 fand in Florenz und Bologna in der Zeit vom 27. April bis zum 6. Mai der „Primo congresso internationale Etrusco“ statt. Mit einer Postkarte vom 13. Dezember 1927 an Raffaele Pettazzoni dankte Clemen für die Übersendung des vorläufigen Programms und fragte an, ob gegebenenfalls jemand anderer sein Manuskript vortragen könne.338 Er sei bisher von einem 14 Tage früheren Termin des Kongresses ausgegangen und müsse auf jeden Fall Anfang Mai wieder in Bonn sein. Das Manuskript seines Vortrags schickte er am 6. Januar 1928 ←92 | 93→an Pettazzoni.339 Offensichtlich drängte Pettazzoni auf eine persönliche Teilnahme; er bot eine Verlegung des Vortrags und die Übernahme der Fahrtkosten an. Clemen antwortete jedoch am 15. April 1928:

[I]‌ch bin zu sehr durch andere Arbeiten in Anspruch genommen u[nd] um bloss zu dem Kongress nach Florenz zu reisen, fehlt mir das Geld. […] Ich hoffe sehr, dass ich die geplante Reise nach Italien u[nd] zugleich den Besuch in Rom nun nächstes Jahr ausführen kann.340

Wunschgemäß trug der Archäologe Franz Messerschmidt Clemens Vortrag in der von Raffaele Pettazzoni geleiteten religionsgeschichtlichen Sektion am Nachmittag des 29. April vor; wegen der Abwesenheit des Autors entfiel die Diskussion über den Beitrag.341 Der Vortrag wurde unter dem Titel „Die etruskische Säkularrechnung“ in den Studi e materiali di storia delle religioni veröffentlicht;342 eine Zusammenfassung („Über die etruskische Säkularrechnung“) erschien in den Kongressakten.343

1929 stand nach langer Pause wieder ein internationaler Kongress für Religionsgeschichte an, dieses Mal in Lund – der 5. in der offiziellen Zählung der Kongresse, nachdem der 4. Kongress 1912 in Leiden stattgefunden hatte. Generalsekrektär des Organisationskomitees war Martin P. Nilsson. An ihn wandte sich Clemen am 13. Februar 1929:

←93 | 94→Ich […] möchte […] das Thema angeben, über das ich gern sprechen möchte. Ich bitte um die Erlaubnis, das 2. der Hauptprobleme des Kongresses […] kritisch behandeln, also über südöstliche Einflüsse auf die altnordische Religion? [sic] sprechen zu dürfen. Allerdings kann ich das in befriedigender Weise nur tun, wenn mir einigermassen Zeit dazu gelassen wird.344

Am 9. Juni wandte sich Clemen wegen des anstehenden Kongresses erneut an Nilsson:

Ist es zulässig, dass ein Teilnehmer an dem Kongress 2 Vorträge hält, bez[iehungsweise] haben Herr Aufhauser u[nd] Wobbermin solche angemeldet, u[nd] dürfte ich auch noch einen 2. ankündigen? […] So würde ich ganz gern […] in Lund noch einmal über einen Teil jenes jetzt ja vielbehandelten Problems, nämlich den sog[enannten] Monotheismus der primitiven Völker reden u[nd] dies um so mehr, als ich in dieser Beziehung vielmehr auf dem Standpunkt von Herrn Söderblom stehe, den gerade in Lund zu verteidigen, wohl nicht unangebracht wäre.345

Clemen beschloss seinen Brief mit dem Hinweis, dass nicht der Alttestamentler Johannes Meinhold, sondern er die Universität Bonn offiziell vertreten werde.

So kam es, dass Clemen am Vormittag des 28. August in der Sektion II „Religions des peuples sauvages. Folklore“ über das Thema „Der sog[enannte] Monotheismus der primitivsten Stämme“ sprach346 und am Nachmittag des folgenden Tages in der Sektion V „Germains, Celtes et Slaves“ über „Südöstliche Einflüsse auf die nordische Religion?“.347

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war Carl Clemen auch – allerdings in ganz offensichtlich bescheidenem Maße348 – in das gesellschaftliche Leben des akademischen Bonn eingebunden. Seine Teilnahme am „Rennklub“ war uns oben schon begegnet, auch vage Angaben zu seiner Beteiligung an einem wissenschaftlichen Kränzchen vor dem Ersten Weltkrieg und an der von Berthold ←94 | 95→Litzmann gegründeten Literarhistorischen Gesellschaft. So mag es überraschen, wenn Carl Clemen in einem Brief an Erich Rothacker als Sprecher eines solchen Kränzchens in Erscheinung trat. Das Kränzchen, mit dem Clemen in Verbindung stand, war übrigens keinesfalls jenes berühmte „Wissenschaftliche Kränzchen“, dessen Protokollbuch sich als einmaliges Dokument akademischer Geselligkeit erhalten hat.349 Es ist aber davon auszugehen, dass auch das mit Clemen verbundene Kränzchen nach ähnlichen Regeln funktionierte: Eine begrenzte Mitgliederzahl – aus dem Brief von Clemen ergibt sich offensichtlich die Zahl Zwölf350 (im Unterschied zu den vierzehn Mitgliedern bei dem berühmten anderen Verbund), Einstimmigkeit bei der Kooptation eines neuen Mitglieds, turnusmäßige Treffen reihum mit einem wissenschaftlichen Vortrag aus dem eigenen Fachgebiet des Gastgebers und einer einfachen Abendmahlzeit.351 Nach einer freundlichen Einleitung und der Klage, dass man im Sommersemester nur unregelmäßig getagt habe, schrieb Clemen am 26. November 1930 an Erich Rothacker und teilte diesem mit, dass man einstimmig beschlossen habe, ihm den Beitritt anzubieten. Clemen listete dann in alphabetischer Reihenfolge die Mitglieder des Kränzchens auf, wobei er sich nur auf die Nennung der Nachnamen beschränkte.352 An dem Kränzchen beteiligten sich der Germanist Carl Enders, der Radiologe Leonhardt Grebe, der Mediziner Peter Junkersdorf, der Indologe Willibald Kirfel, der Astronom Arnold Kohlschütter, der uns schon bekannte Historiker Wilhelm Levison, der katholische Kirchenhistoriker Wilhelm Neuß, der Musikwissenschaftler Ludwig Schiedermair und der Geograph Leo Waibel.353 Im Text folgt auf den letzten Namen ein „u.“ – es muss also auf der zweiten Seite einen weiteren Namen gegeben haben; diese zweite Seite ist ←95 | 96→nicht erhalten. Da die Namen alphabetisch angeordnet sind, könnte es sich – mit aller Vorsicht – um den Ägyptologen Alfred Wiedemann gehandelt haben.354 Wie sich die Spuren dieses Kränzchens verloren haben, so hat sich auch die Antwort von Erich Rothacker nicht erhalten. Sie dürfte aber negativ ausgefallen sein.

Clemens Verbindung mit Friedrich Heiler auf der einen Seite und seine Bekanntschaft mit Nathan Söderblom auf der anderen führten dazu, dass er mit der Bearbeitung der 6. Auflage von Tiele-Söderbloms Kompendium der Religionsgeschichte befasst war.355 Nach seiner grundsätzlichen Erklärung der Bereitschaft in einem Schreiben an Söderblom vom 9. Februar 1930356 wandte er sich am 28. März wieder an den schwedischen Erzbischof:

Herr Prof. Heiler hat mir nun zwar den 1. Teil des Manuskripts geschickt, konnte aber über das, was mit ihm geschehen soll, auch keine genaueren Angaben machen. So habe ich zunächst die Literaturangaben revidiert u[nd] in ihnen eine ganze Reihe von Versehen zu verbessern gefunden. Noch andre Arbeiten anzuführen, hielt ich nicht für meine Aufgabe, dagegen hat mich meine Pedanterie veranlasst, die scheinbar ohne Prinzip aufgezählten [sic] nach ihrem Erscheinungsjahr zu ordnen. An dem Text habe ich hie u[nd] da geglättet, bin mir aber an einigen Stellen über Ihre Meinung nicht ganz klar u[nd] müsste mich also über sie noch mit Ihnen verständigen.

←96 | 97→

Clemen fragte nun, wie er weiter vorgehen solle, und schlug ein persönliches Treffen vor, wenn Söderblom wie geplant im Mai zur Erholung nach Bad Nauheim kommen werde. Dieses Treffen hat stattgefunden und nicht nur eine Klärung der offenen Fragen gebracht, sondern auch den Auftrag an Clemen, das Kapitel über die vorgeschichtliche Religion selber zu verfassen.357 In seinen Briefen vom 18. Mai 1930 und vom 3. Juni 1930 berichtete er Söderblom über den Stand der Korrekturen. Am 30. November 1930 konnte er Söderblom dann zur Verleihung des Friedensnobelpreises gratulieren, und am 11. Januar 1931 schließlich hatte Clemen Grund zu großer Dankbarkeit und Freude:

Durch die von Ihnen veranlasste Zusendung eines Schecks über 500 M[ark] haben Sie mir eine grosse Überraschung u[nd] zugleich herzliche Freude bereitet. Ich war zwar der Meinung, dass für meine Mühe bei der Durchsicht Ihres Manuskripts u[nd] der Korrektur der Druckbogen, durch die ich doch auch mancherlei gelernt habe, der ausserordentlich liebenswürdige Dank, den Sie mir wiederholt mündlich u[nd] schriftlich, zuletzt in so beschämender Weise in dem Vorwort zu Ihrem Kompendium ausgesprochen haben, vollauf genügt hätte; aber ich will nicht leugnen, dass mir auch dieses sehr reichliche Honorar hochwillkommen ist. Mein Gehalt u[nd] meine Einnahmen aus meiner gewiss ziemlich ausgedehnten Schriftstellerei sind ja nicht so gross, dass ich nicht für jedes [sic] weitere Nebenverdienst dankbar wäre.

Schon einige Monate später musste Clemen sich dann der traurigen Pflicht unterziehen, Söderbloms Witwe zu kondolieren. In seinem Schreiben vom 15. Juli 1931 erinnerte er noch einmal an seine Mitarbeit bei der Neuherausgabe des Kompendiums, an das letzte Zusammentreffen in Bad Nauheim und an den nun nicht mehr zu realisierenden Plan eines Besuches in Bonn:

Was seine Familie, seine Kirche u[nd] die ganze Christenheit an ihm verliert, wissen andere besser als ich; ich selbst habe in ihm immer auch den führenden Religionshistoriker verehrt u[nd] mich ausserdem auch neuerdings wieder seines besonderen Wohlwollens erfreuen dürfen.358

Im Sommer des Jahres 1932 kam den Beteiligten offensichtlich langsam der 30. März 1933, der 68. Geburtstag von Carl Clemen, in den Blick. Unter dem Datum des 21. Juli 1932 wandte sich der damalige Dekan Ludwig Schiedermair an das Berliner Ministerium:

←97 | 98→Die philosophische Fakultät würde es begrüssen, wenn der Lehrbetrieb für vergleichende Religionsgeschichte und Geschichte des älteren Christentums über das Wintersemester 1932/33 hinaus aufrecht erhalten bliebe, und bittet daher das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Herrn Prof. C. Clemen, der am 30.3.1933 die Altersgrenze erreicht, über dieses Semester hinaus mit Vorlesungen und Uebungen zu beauftragen.359

Berlin antwortete am 6. August, dass Clemen auch nach seiner Emeritierung das Recht habe, Vorlesungen und Übungen zu halten, und folglich ein besonderer Lehrauftrag nicht notwendig sei.

Schiedermair wandte sich nun am 27. August an den zuständigen Sachbearbeiter in Berlin. Er rekapitulierte in seinem Schreiben zunächst die Berliner Antwort vom 6. August, um dann das Problem nun anders anzugehen, von der Frage nach der Leitung des Seminars und nach dem Amt des Dekans her:

Nun entsteht die Frage, wer nach der Emeritierung das religionswissenschaftliche Seminar leiten soll, ob zur Weiterführung durch Herrn Clemen nicht eine besondere Beauftragung notwendig ist, und ob Herr Clemen, der am Ende des Sommersemesters zum Dekan des kommenden Jahres gewählt wurde, nach erfolgter Emeritierung und nach nicht besonderer Beauftragung auch im nächsten Sommersemester noch das philosophische Dekanat weiterführen kann oder durch einen neugewählten Herrn ersetzt werden muß.

Aus Berlin antwortete aber nun der Vorgesetzte des besagten Sachbearbeiters am 14. Oktober 1932:

Auf das am 27. August d[ieses] J[ahre]s an meinen Sachbearbeiter gerichtete, mir vorgelegte Schreiben teile ich Ihnen ergebenst mit, daß es zu meinem Bedauern unmöglich ist, Herrn Professor Dr. Carl Clemen über den Zeitpunkt seiner Emeritierung hinaus mit der Weiterverwaltung seines Lehrstuhls zu beauftragen. Die Stelle ist im Staatshaushalt als „künftig wegfallend“ aufgeführt; sie existiert also im Zeitpunkt der Emeritierung ihres jetzigen Inhabers nicht mehr und kann deshalb auch nicht als Grundlage einer weiteren Beauftragung dienen. Es besteht daher leider keine rechtliche Möglichkeit, Herrn Professor Clemen noch nach seiner Emeritierung die Geschäfte eines Fakultätsdekans ausüben zu lassen.

Damit war klar, dass für den Rest des Amtsjahres ein neuer Dekan gewählt werden musste. Die Entscheidung über den Erhalt der Bibliothek des religionswissenschaftlichen Seminars und die Leitung des Seminars war damit noch nicht gefallen. Dies geschah in einem Schreiben des Ministeriums vom 7. Dezember 1932: Das Ministerium genehmigte den Fortbestand der Bibliothek und ←98 | 99→beauftragte Clemen widerruflich, das Seminar auch nach seiner Emeritierung „bis auf weiteres zu leiten“.

1.7 Emeritus (1933–1940)

Das entscheidende Ereignis im Jahr 1933 war für Carl Clemen sicherlich nicht der 30. März, sein 68. Geburtstag, sondern der 30. Januar mit allen seinen schrecklichen Folgen, die sich – weniger für Clemen selber, dafür aber bei mit ihm verbundenen Menschen in seiner Umgebung – im Laufe der Zeit zeigen sollten.360 Von außen betrachtet, ging alles seinen gewohnten Gang. Clemen setzte seine Lehrtätigkeit weiterhin fort. Die Stundenzahl schwankte zwischen drei und fünf Semesterwochenstunden. Mehrmals kam die germanische Religionsgeschichte zur Sprache (Wintersemester 1933/34, Sommersemester 1934, Wintersemester 1934/35 und 1935/36). Daneben standen unverfängliche Themen wie beispielsweise die Fasten des Ovid (Sommersemester 1933) und die Metamorphosen des Apuleius (Sommersemester 1935), ferner der Buddhismus (Wintersemester 1934/35) und die Religionen Ostasiens (Sommersemester 1935). Wie wir sehen werden, war die wiederholte Behandlung der Germanen keine Anpassung an den Zeitgeist, sein Programm war freilich auch kein offener Widerstand. Während der neue Rektor, der Gerichtsmediziner Friedrich Pietrusky,361 in der Chronik seinen Rückblick mit den Worten begann: „Das Sommersemester 1933 stand unter dem Zeichen der nationalsozialistischen Erhebung“,362 beließ es Carl Clemen bei der bloßen Nennung der Studierendenzahlen: „An den Uebungen nahmen im W[inter]S[emester] 1932/33 12 und im S[ommer]S[emester] 1933 7 Herren teil.“363 Mehr schrieb er nicht! Auf den Seiten 7 und 8 der Chronik waren – unübersehbar – die ersten Entlassungen, Versetzungen in den Ruhestand und Entzüge der Lehrerlaubnis aufgelistet worden. Die Teilnehmerzahlen gingen – wie die Studierendenzahlen allgemein364 – zurück: Sie schwankten vom Sommersemester 1933 an zwischen den oben genannten sieben und lediglich ←99 | 100→drei im Wintersemester 1934/35. Trotzdem unternahm Clemen im Wintersemester 1933/34 eine Studienfahrt, die allerdings nicht wie früher ins Ausland, sondern jetzt zum Römisch-germanischen Zentralmuseum nach Mainz und zum Völkerkundemuseum nach Frankfurt sowie zur Saalburg führte.

Daneben war Clemen bei seinen Veröffentlichungen weiterhin aktiv. 1934 veröffentlichte er zwei Bücher, einen Grundriß der Religionsphilosophie und eine Altgermanische Religionsgeschichte, die nicht nur seine schon früher – im ersten Band seiner Religionsgeschichte Europas – vorgetragene Sicht in erweiterter Form präsentierte, sondern auch zu aktuellen Deutungen oder besser Vereinnahmungen der Germanen durch Autoren, die dem Nationalsozialismus nahestanden, kritisch Stellung bezog. 1936 erschienen drei kleinere Veröffentlichungen. Während die Quellensammlung der Fontes historiae religionum primitivarum, praeindogermanicarum, indogermanicarum minus notarum vom Tagesgeschehen wegführte und die Schrift Das Problem der Sünde im Grunde nur die christliche Sicht behandelte und damit seine Studie Die christliche Lehre von der Sünde aus dem Jahr 1896 wiederholte, setzte er sich in dem relativ knappen Buch Die Religion der Etrusker an einigen Stellen mit Alfred Rosenberg auseinander. Die 1937 veröffentlichte Studie Dunkle Stellen in der Offenbarung Johannis, religionsgeschichtlich erklärt ist im Grunde eine Zusammenfassung und Aktualisierung seiner im Laufe der Jahre diesem Thema gewidmeten Ausführungen. Die kurze Schrift Der Kern des ursprünglichen Christentums aus dem Jahr 1938 trug bei aller historischen Fundierung im Grunde doch bekenntnishafte Züge. Die beiden letzten Veröffentlichungen von Clemen stellten dann zwei antike Quellentexte in den Mittelpunkt: Ebenfalls noch 1938 veröffentlichte er Lukians Schrift über die syrische Göttin, und im folgenden Jahr erschien das Buch Die phönikische Religion nach Philo von Byblos, welches die bei Eusebius überlieferten Fragmente des antiken Autors auswertete.

Ob es nur ein Zufall in der Überlieferung ist oder ein Symptom für Clemens damalige Stellung – es haben sich aus den letzten Jahren seines Lebens eine Reihe von Anfragen bei verschiedenen Verlagen und entsprechende Absagen erhalten, die zudem zeigen, mit welchen wissenschaftlichen Themen er sich in seinen letzten Lebensjahren beschäftigte. So fragte er am 25. Mai 1933 beim Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht an, ob man ihm die Neubearbeitung von Band 16 (= Die Offenbarung Johannis) aus der Reihe „Meyers kritisch-exegetischer Kommentar“ übertragen könne.365 Unten auf dem Blatt ←100 | 101→hat ein – ungenannter – Verlagsmitarbeiter mit Bleistift vermerkt: „67 J[ahre] alt, aber der H[an]dschr[ift] nach abgängig u[nd] zu einseitiger Religionshistoriker.“ Schon am folgenden Tag teilte der Verlag mit, dass von Wilhelm Boussets Bearbeitung aus dem Jahr 1906 noch genügend Exemplare vorhanden seien.366 Ähnlich erging es Clemen mit einer Anfrage bei dem Tübinger Verlag Mohr, dem er zunächst das Manuskript seiner Schrift Dunkle Stellen in der Offenbarung Johannis am 12. Februar 1937 angeboten hatte.367 Die Ablehnung datierte auf den 20. Februar 1937, verbunden mit dem Rat, sich für sein „Johannesevangelium [sic]“ einen anderen Verlag zu suchen.368 Das gleiche geschah ein Jahr später mit dem Manuskript der Schrift Der Kern des ursprünglichen Christentums.369 Für Clemens Themenwahl ist sicher aufschlussreich, dass ihm der Verlag Mohr am 11. Januar 1939 das Manuskript seines Aufsatzes „Die Begründung des Glaubens“ zurückschickte. Als Grund führte der Verlag an, dass die Zeitschrift für Theologie und Kirche „ihr Erscheinen vorläufig eingestellt hat“.370 Möglicherweise liegt ein vergleichbarer Fall vor – Clemen hatte ein Manuskript eingereicht und war zunächst überzeugt, dass es erscheinen wird –, wenn in der 6. Ausgabe von Kürschners deutschem Gelehrtenkalender zwar mit Erscheinungsjahr 1940 und Titel Das Brauchtum der Trinitatiszeit eine Monographie von Carl Clemen angezeigt wird,371 diese aber bibliographisch nicht nachweisbar ist.372

Während Paul Clemen offensichtlich keine Bedenken hatte, sich der 1929 gegründeten Bonner Ortsgruppe des Kampfbundes für deutsche Kultur anzuschließen373 und im Jahr 1934 „von seinem Habilitanden Heinrich Lützeler im Vorwort von dessen Habilitationsschrift expressis verbis eine ʽVerbeugungʼ“ vor ←101 | 102→den neuen Machthaber verlangte,374 um dann allerdings später dem Regime sehr kritisch gegenüberzustehen,375 finden sich bei Carl Clemen – soweit zu dokumentieren – keinerlei Anbiederungen an den Nationalsozialismus.376 Dies war auch nicht der Fall bei einer Denkschrift zur Lage der Religionswissenschaft, die Carl Clemen Ende 1933 ausgearbeitet und am 18. Januar 1934 über den Kurator der Universität Bonn dem Berliner Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zugestellt hat.377 Ansatzpunkt war eine ihm – auf welchem Wege auch immer – lancierte Mitteilung über die Neueinrichtung von „12 Professuren für Vorgeschichte und Volkskunde“ durch die neue Führung des Kultusministeriums, die sich nach dem Antwortschreiben des Ministeriums aber als „unrichtig“ herausstellte.378

Die Idee zu einer solchen Denkschrift begegnete zum ersten Mal in einem Brief von Jakob Wilhelm Hauer an Clemen vom 28. August 1933:

Ich habe mir schon verschiedentlich die Frage überlegt, ob wir nicht einmal einen gemeinsamen Schritt bei der jetzigen Regierung zu einer wirklichen Rehabilitierung der Religionsgeschichte tun sollten. Im Württembergischen Kultusministerium habe ich schon eine Denkschrift darüber angezeigt. Ich werde Sie Ihnen dann gerne zuschicken.379

←102 | 103→

Clemen dankte in seiner Antwort vom 3. September 1933380 und erinnerte Hauer in einem Brief vom 29. September an die in Aussicht gestellte Übersendung des Textes.381 Dieser schrieb ihm aber unter dem 23. November:

Da ich an die Ausarbeitung einer ausführlichen Denkschrift über die Religionsgeschichte nicht komme, möchte ich Sie bitten, die Sache etwas in die Hand zu nehmen und mir vielleicht dann den Entwurf zuzuschicken. Einstweilen können Sie vielleicht den Versuch machen, eine Reihe von Religionsgeschichtlern für die Sache zu interessieren […], und dann könnten wir die Eingabe gemeinsam an das Reichsinnenministerium und an die verschiedenen Kultusministerien des Reiches machen.382

In dem im Bundesarchiv aufbewahrten Briefwechsel mit Hauer taucht die projektierte Denkschrift dann nicht mehr auf. In einem Brief an Friedrich Heiler vom 12. Januar 1934 erinnerte Clemen diesen, er habe ihm Ende Dezember einen Entwurf seiner Eingabe geschickt, mit der Bitte um Stellungnahme und Weiterleitung an die Marburger Kollegen.383 Clemen beklagte, er habe von Heiler auf dieses Schreiben nichts gehört, wolle die Eingabe jetzt aber, „nachdem die Religionshistoriker an den anderen preußischen Universitäten sie unterschrieben haben“, dem Ministerium in Berlin zustellen.384 Eine Reaktion von Heiler ist nicht erhalten. Weder sein Name noch die Namen anderer Marburger Wissenschaftler tauchen bei den Unterschriften auf. Unterschrieben haben: „Andres – Bonn / Bertholet – Berlin / Clemen – Bonn / Eissfeldt – Halle a. S. / Mandel – Kiel / Schomerus – Halle / Steffes – Münster / Witte – Berlin.“385

Nach dem Rekurs auf die – angeblich – neu zu schaffenden Lehrstühle für Vorgeschichte und Volkskunde begann der Text mit der Anfrage, „ob […] nicht auch die allgemeine Religionsgeschichte stärker als bisher berücksichtigt werden könnte“. Clemen gab sodann einen Rückblick auf die Entwicklung der letzten 60 Jahre, in denen es Einrichtungen von religionsgeschichtlichen Professuren in der Schweiz, den Niederlanden, in Frankreich und in Rom gegeben habe und überhaupt an Universitäten in den Vereinigten Staaten, in England und in Skandinavien. Dann fuhr er fort:

←103 | 104→In Deutschland dagegen wurden, wenn auch schon früher einzelne Indologen, evangelische und katholische Theologen entsprechende Vorlesungen hielten, doch erst 1910 in Berlin und Bonn, 1912 in Leipzig und Münster, 1913 in Jena und 1920 in Marburg eigene Professuren für Religionsgeschichte eingerichtet, von denen außerdem die in Berlin, Bonn und Jena später wieder eingingen.386

Clemen ging sodann auf die gegen religionsgeschichtliche Lehrstühle erhobenen Bedenken ein, bei denen es sich – im Anschluss an die bekannte Argumentation bei Adolf Harnack – um das Problem der Sprachkenntnisse handelte. Dagegen argumentierte Clemen:

Die Darstellung einer Religion umgekehrt nur dem betreffenden philologischen Fachmann zu überlassen, geht deshalb nicht an, weil er dazu nicht nur Sinn für die Religion überhaupt, sondern auch eine Kenntnis anderer Religionen haben muß, die auf die ihm sprachlich verständliche Religion eingewirkt haben oder wenigstens zu ihrer Erklärung dienen können.

Am Schluss kam Clemen zwar auf das aktuell gestiegene Interesse an der germanischen Religion zu sprechen, argumentierte dann aber – durchaus nicht im Sinne der herrschenden Ideologie –, es sei „die germanische Religion […] nur im Rahmen der allgemeinen Religionsgeschichte völlig zu verstehen“.

Neben dem schon erwähnten Hinweis auf die fehlerhafte Annahme bei der Schaffung von vorgeschichtlichen und volkskundlichen Professuren bestätigte das Ministerium unter dem 16. Februar 1934 den Erhalt des Schreibens; der Verfasser erklärte lapidar: „Die Neueinrichtung von Lehrstühlen verbietet mir die Finanzlage des Staates.“387

Es war sicherlich nur ein schwacher Trost für Carl Clemen, dass er im weiteren Verlauf des Jahres 1934 auf Vorschlag von Raffaele Pettazzoni388 zum ←104 | 105→Mitglied des 1932 in Florenz gegründeten Istituto di Studi Etruschi berufen wurde.389 Das Jahr 1935 brachte dann seinen 70. Geburtstag. Im Vorfeld hatte die Reichsstelle für wissenschaftliche Bildung bei der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn am 7. November 1934 angefragt, wer eine kurze Würdigung von Carl Clemen für die Zeitschrift Forschungen und Fortschritte schreiben könne. Paul Clemen antwortete am 14. November und empfahl Friedrich Horst, zum damaligen Zeitpunkt außerordentlicher Professor für Altes Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Bonn. Paul Clemen schrieb: „Professor Dr. Horst […] gehört zum engeren Kreis meines Bruders Carl […] und steht ihm auch sonst nahe.“390

Wichtiger als der Artikel, der termingerecht in der Zeitschrift erschien391 und die Vorlage für einen Artikel in der Kölnischen Zeitung bildete,392 ist der als Clemen nahestehende Person bezeichnete Verfasser: Friedrich Horst war in der Bekennenden Kirche aktiv; er verlor am 27. Januar 1936 die Venia legendi und wurde aus dem Dienst entlassen.393 Er wird uns als schon früher Gegner des Nationalsozialismus später noch einmal begegnen. Zum 70. Geburtstag hatte auch Paul Leser, auf den wir gleich noch näher eingehen werden, Carl Clemen gratuliert. Clemen dankte ihm am 5. April 1935 und schrieb:

Sie haben mir zu meinem 70. Geburtstag nicht nur den ausführlichsten, sondern zugleich verständnis- u[nd] für mich ehrenvollsten Brief geschrieben. Ob ich freilich das, was Sie von meiner wissenschaftlichen Arbeit so liebenswürdig anerkennen u[nd] ausführlich schreiben, immer auch ganz erreicht habe, ist eine andere Frage.394

Ein weiteres wichtiges Ereignis im Jahr 1935 war der 5. Internationale Kongress für Religionsgeschichte, der vom 16. bis zum 20. September in Brüssel ←105 | 106→stattfand.395 Carl Clemen war auf ihm wieder mit zwei Vorträgen vertreten. Anders als bei dem Kongress in Lund hat sich hier aber keine Korrespondenz von Carl Clemen erhalten.396 So lässt sich auch nicht ermitteln, warum nicht wenigstens Clemens erster Vortrag („Das Verhältnis der etruskischen zu den vorderasiatischen Religionen“) in den offiziellen Kongressakten, den Mélanges Cumont, erschienen ist. Der Vortrag wurde ein Jahr später in französischer Übersetzung veröffentlicht.397 Der zweite Kongress-Beitrag von Carl Clemen war – wie Rudolf Franz Merkel damals urteilte – „einem noch niemals zusammenfassend behandelten Thema“ gewidmet.398 Clemen sprach nämlich über „Die Bedeutung der Frau für die Entwicklung der Religionen“. Auch dieser Vortrag erschien im folgenden Jahr, und zwar in der Christlichen Welt.399 Clemen schlug hier einen weiten Bogen von der vorgeschichtlichen Zeit, in der in seinen Augen „von einer besonderen Bedeutung der Frau für die religiöse Entwicklung noch nichts [sic] zu entdecken“ war,400 bis zu Gegenwart und Zukunft, in der die Frauen „auch weiterhin zunächst die eigentlichen Träger [sic] der Religion bleiben“.401

Mit Friedrich Horst und Paul Leser haben wir zwei Personen im Umfeld von Carl Clemen kennengelernt, die aus unterschiedlichen Gründen in das Räderwerk der nationalsozialistischen Diktatur geraten sind. Bereits im April 1933 wurde Alexander Sperber, der im Juli 1924 mit dem Hauptfach Semitische Philologie und dem bei Clemen absolvierten Nebenfach Religionsgeschichte promoviert und 1928 für „Semitistik unter besonderer Berücksichtigung der Judaica“ ←106 | 107→habilitiert worden war, aus dem Dienst entlassen.402 Clemen hatte unter den bei Paul Kahle promovierten jüdischen Doktoranden eine ganze Reihe von Studenten,403 und er hat auch später an deren Schicksal Anteil genommen, wie eine Karte an Paul Kahle vom 1. März 1936 zeigt, auf der Clemen seine Freude über die Promotion von Bernhard Levy im Februar dieses Jahres ausdrückte.404

Nach voraufgegangenen Studentenprotesten war in der Evangelisch-Theologischen Fakultät mit Schreiben vom 21. November 1933 Fritz Lieb, außerordentlicher Professor für Östliches Christentum in Vergangenheit und Gegenwart, entlassen worden. Der Grund dafür lag in seiner Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei.405 Neben anderen, die über diese Entlassung erschrocken waren, hat auch Carl Clemen am 29. November 1933 dem Schweizer Theologen, der 1930 auf Initiative von Karl Barth nach Bonn berufen worden war, geschrieben:

Was ich schon mehrfach inoffiziell gehört hatte, wurde mir gestern von glaubwürdiger Seite bestätigt, daß nämlich auch Ihnen die venia entzogen worden sei. Wie sehr meine Frau u[nd] ich das beklagen, brauche ich Ihnen wohl nicht erst zu versichern; wir verstehen namentlich auch nicht, weshalb das jetzt mitten im Semester geschieht u[nd] nachdem doch eine Amnestie schon angekündigt worden ist. So hoffen wir, daß diese Maßregel doch wieder rückgängig gemacht wird; sollte das aber nicht der Fall sein, daß Sie recht bald eine andere Sie befriedigende Tätigkeit finden.406

←107 | 108→

Paul Leser, der uns oben schon mit seinem Schreiben zum 70. Geburtstag von Carl Clemen begegnet war, hatte in Bonn studiert und war 1925 als einziger Schüler des kurz darauf schwer erkrankten Fritz Graebner mit Ethnologie im Hauptfach und den Nebenfächern Religionsgeschichte und Literaturgeschichte promoviert worden.407 Briefe von Carl Clemen an ihn haben sich aus den Jahren 1926 bis 1935 erhalten. In dem oben schon erwähnten Dankesbrief für seine Geburtstagsgrüße erinnerte Clemen daran, er habe damals versucht, Leser eine Habilitation in Bonn zu ermöglichen. Leser hatte sich dann aber schließlich an der Technischen Hochschule in Darmstadt für das Fach Ethnologie habilitieren können. Wie anderen jüdischen Wissenschaftlern wurde ihm die Venia 1933 entzogen. 1936 gelang ihm die Flucht, zunächst nach Dänemark und später in die Vereinigten Staaten. Wahrscheinlich durch die Vermittlung von Carl Clemen hielt Leser in den Jahren 1927 bis 1930 mehrere Vorträge in der Bonner Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde.408

Diese Gesellschaft war in den ersten Jahren des Dritten Reichs zunächst von Leo Waibel – mit Clemen verbunden als Mitglied des oben schon erwähnten Kränzchens – geleitet worden. 1937 wurde Waibel wegen seiner jüdischen Frau entlassen und emigrierte in die Vereinigten Staaten. Clemen übernahm mit Hermann Trimborn zwischenzeitig die Leitung der Gesellschaft, „die dank der festen Haltung und Aktivität von Leo Waibel und Carl Clemen ihre klare wissenschaftliche Linie behauptet hatte“.409 Mit der Berufung des Geographen Carl Troll nach Bonn 1938 ging der Vorsitz auf diesen über.

Bei der Frage nach dem unbekannten zwölften Mitglied in dem besagten Kränzchen war uns oben schon beiläufig Oskar Walzel begegnet. Auch er war mit einer Jüdin verheiratet, die allerdings getauft war. Walzel und seine Frau waren mit dem Ehepaar Clemen befreundet. Zwar war Walzel aus Altersgründen – wie Clemen – 1933 emeritiert worden, hielt aber weiterhin Lehrveranstaltungen ab, bis ihm dies wegen der Verbindung zu seiner Frau 1936 verboten wurde. Die Journalistin Irmgard Wolf schreibt in ihren Erinnerungen, dass in der Folgezeit der Bekanntenkreis, zu dem auch Carl Clemen gehörte, immer kleiner wurde, bis am Ende nur noch Heinrich Lützeler, der katholische Kirchenhistoriker Wilhelm Neuß und sie selber übrig blieben. Schließlich waren es die Eheleute Walzel, die sich zurückzogen – zum Schutz der verbliebenen Bekannten.410 Wilhelm Levison, mit Clemen durch ←108 | 109→„Rennklub“ und Kränzchen verbunden, war, da er schon vor 1914 verbeamtet worden war, als Jude 1933 zunächst geschützt, wurde dann aber 1935 aus dem Dienst entlassen.411 Leider ließ sich nicht ermitteln, wie sich das Verhältnis zwischen ihm und Carl Clemen bzw. zwischen seiner ebenfalls jüdischen Frau und Frau Clemen entwickelte. Theodor Schieffer, ein Schüler von Wilhelm Levison, berichtete über seinen Lehrer:

Er gehörte seit langem einer Gruppe von Professoren an, die sich am Samstagnachmittag zu größeren Spaziergängen trafen; dieser „Rennclub“ [sic], wie sie sich selbstironisch nannten, gab Levison schließlich einen Wink, er möge doch lieber auf die Teilnahme verzichten. Es blieben ihm treue Freunde bis zum Ende, aber ihre Zahl schmolz zusammen, es wurde einsamer um ihn.412

Das Ehepaar konnte 1939 nach England emigrieren. Walther Holtzmann, Levisons Nachfolger, fand sich zum Abschied am Bonner Bahnhof ein; Wilhelm Neuss begleitete das Ehepaar bis Köln.413 Was mit Carl Clemen und seiner Frau war, bleibt ungewiss.

Als letzte mit Clemen verbundene Gestalt sei hier noch kurz Erik Peterson erwähnt. Zwar haben sich im Peterson-Nachlass keinerlei Spuren einer Verbindung zu Carl Clemen finden lassen,414 und die prekäre wirtschaftliche Situation, in der sich Peterson damals in Italien befand, hat auch nur am Rande mit Schikanen der Nationalsozialisten zu tun;415 trotzdem soll nicht unerwähnt bleiben, ←109 | 110→dass sich Clemen bei der von ihm 1940 geplanten italienischen Ausgabe der überarbeiteten Fassung seiner Monographie über die etruskische Religion mehrmals darum bemühte, Erik Peterson als Übersetzer zu lancieren und für ihn ein Honorar auszuhandeln. Am 12. Januar 1940 schrieb Clemen an Pettazzoni:

Meiner Bitte um Aufnahme einer italienischen Neuauflage meiner „Religion der Etrusker“ in ihre Storia delle religioni kann ich heute hinzufügen, dass die Übersetzung mein früherer hiesiger u[nd] auch Ihnen bekannter Kollege Peterson mit seiner Frau zusammen freundlichst herstellen will. Er möchte sich, da er jetzt aus Deutschland nicht viel Geld bekommt, dadurch zugleich etwas verdienen; ich würde also, wenn Sie meine Bitte erfüllen, dankbar sein, falls Sie ihm das Honorar, das ihr Verleger etwa zahlen kann, zusenden wollten.416

Clemen erinnerte Pettazzoni noch in zwei weiteren Briefen an das Honorar für Peterson;417 durch den Tod von Clemen kam das Projekt aber nicht zustande.

Neben diesen Beispielen von persönlichem Einsatz lassen sich auch in den Veröffentlichungen von Clemen in dieser Zeit zahlreiche Beispiele für seine kritische Haltung dem Nationalsozialismus gegenüber finden. Man muss dabei berücksichtigen, was Fritz K. Ringer mit folgenden Worten formulierte: „Es gab im Dritten Reich kein gesichertes Anrecht für Universitätsprofessoren. Jeder konnte seine Anstellung ebenso wie seine Pensionsansprüche verlieren, wenn er den Autoritäten mißfiel.“418

Schon in den 20er Jahren sprach Clemen von „einem blöden Antisemitismus, wie er noch oder wieder so verbreitet ist“.419 Unter direktem Bezug auf Vorfälle der Gegenwart nannte er „die Schändung von Friedhöfen die widrigste Äußerung des Antisemitismus“.420 Mit gleicher Vehemenz wandte er sich gegen die Verwendung des Rassebegriffs im Zusammenhang mit Religion421 und – was an ein entsprechendes Dictum von Paul Kahle erinnert422 – gegen den leichtfertigen Gebrauch des Adjektivs „arisch“: „[A]‌risch nennt man ja in wissenschaftlichen ←110 | 111→Kreisen wenigstens bei uns mit Recht nur diejenigen beiden indogermanischen Völker, die sich selbst so nannten, nämlich die Perser und Inder.“423 Über Clemens Darstellung der Germanen in seiner 1934 veröffentlichten Altgermanischen Religionsgeschichte urteilte Fritz Heinrich:

Kaum ein anderer Religionswissenschaftler hat in solcher Schärfe die Unwissenschaftlichkeit des nationalsozialistischen Germanenbildes kritisiert. Und dies zu einer Zeit, als gerade die Hochschulen von Lehrern befreit wurden, die nicht linientreu im Sinne des NS-Regimes waren. Dabei fällt auf, daß sich Clemen strikt auf das bezieht, was beweisbar ist, und von dem scharf trennt, was lediglich möglich oder vermutbar ist.424

Außer dieser Monographie gibt es eine ganze Reihe von Aufsätzen und Rezensionen, in denen sich Clemen mit der herrschenden Germanendeutung kritisch auseinandersetzte. Dies tat er etwa in einem Aufsatz unter einem Titel, der vorsichtig als Frage formuliert war: „Waren die Externsteine ein germanisches Heiligtum?“425 Clemen nahm sich hier die Theorien von Wihelm Teudt vor, um dann nach sorgfältiger Prüfung am Ende gegen Teudts Vereinnahmung der Externsteine als ursprünglich germanische Kultstätte zu resümieren: „[E]‌in irgendwie zwingender Beweis ist […] bisher nicht geführt worden.“426 Viel deutlicher wurde er 1938 in seiner Rezension eines zweibändigen Buches mit dem Titel Wider die Lüge von der germanischen Edda, über dessen ersten Band (Die Götterlieder der älteren Edda) er schrieb:

Wenn endlich im Waschzettel des Verlags gesagt wird: „In den uns aus Lehrerkreisen zugesandten Gutachten wird sowohl der erzieherische Wert dieser Edda-Deutung hervorgehoben, als auch immer wieder betont, daß gerade durch die streng wissenschaftliche Arbeit des Pädagogen Arno Schmieder die Edda das deutsche Volksbuch werden kann, welches es (sic) wegen seiner hehren Schönheit zu sein verdient“, so scheinen hie und da die Meinungen auf einem Tiefstand angekommen zu sein, den man nicht für möglich halten sollte.427

←111 | 112→

Immer wieder begegnen bei Clemen Seitenhiebe auf Alfred Rosenbergs Schrift Der Mythus des 20. Jahrhunderts, die er in der 12. Auflage aus dem Jahr 1933 benutzt und gegebenenfalls zitiert hat. Es waren – neben grundsätzlichen Erwägungen428 – vor allem zwei Themenkreise, die Clemens Widerspruch hervorgerufen haben: Rosenbergs Deutung der Germanen und seine Sicht der Etrusker. Bezeichnend für Clemens letztlich auch spöttische Haltung ist sicherlich, wenn er Rosenbergs Behauptung: „So wurden an die Stelle Wotans christliche Märtyrer und Heilige, wie der heilige Martin, gesetzt. Mantel, Schwert und Roß waren seine Abzeichen (also die Sinnbilder Wotans)“,429 entgegensetzt, „daß umgekehrt der heilige Martin zunächst in Südfrankreich verehrt wurde, wo an einen Einfluß des Wodanglaubens nicht zu denken war“.430

An einer ganzen Reihe von Stellen seines kleinen Buches über Die Religion der Etrusker setzte sich Clemen auch mit Rosenbergs Deutungen, seinen Quellen und seinem Umgang mit diesen Quellen auseinander. Während ein Rezensent in der Theologischen Literaturzeitung den Wert von Clemens Buch „durch die Nichtberücksichtigung des Rasseproblems“ gemindert sah,431 urteilte der Rezensent der Christlichen Welt mit Blick auf Clemens Stellungnahmen zu Rosenberg:

Gleichwohl wird für unseren Kreis der Hauptwert dieser Schrift darin bestehen, daß man einen Maßstab dafür gewinnt, was man nach Ausweis des vorhandenen Materials weiß und wissen kann und was moderne Konstruktion, rassische Wertung und Kombination hinzugefügt hat.432

Wilhelm Neuß, der Clemen durch das Kränzchen und den Kreis um Oskar Walzel verbundene katholische Kirchenhistoriker, war einer der maßgebenden Initiatoren der unter konspirativen Bedingungen 1934 veröffentlichten Studien zum Mythus des XX. Jahrhunderts.433 Ob die dort vorgetragene Kritik an den Etruskern aus Gesprächen mit Clemen hervorgegangen ist, lässt sich aufgrund der fehlenden ←112 | 113→Quellen nicht feststellen.434 Auf Clemens Widerlegung der „religionsgeschichtlichen Irrtümer R[osenberg]s (bez[üglich] Martin, Oswald, Odin usw.)“ berufen sich die ungenannten Verfasser aber ausdrücklich.435

Auch Clemens Aussagen über die Ursprünge der Indogermanen gehören in diesen Kontext. Grundlegend ist hier, dass für Clemen die Indogermanen „zunächst keine einheitliche Rasse bildeten, sondern eine gemeinsame Sprache redeten“.436 Clemen veröffentlichte zu diesem Thema insgesamt drei Artikel in der Kölnischen Zeitung, und zwar in deren Kulturbeilage, die 1936 bis 1939 von Gustav René Hocke redigiert wurde437 und – nach der Aussage von Hocke – dem nicht-nationalsozialistischen Leser einen Stoff bot, „der ihn in seiner geistigen Ablehnung verstärkte“.438 Gegen jene Lokalisierung des Ursprungs der Indogermanen, den die Nationalsozialisten in der Mitte Europas oder in Nordeuropa verorteten,439 sprach sich Clemen zwar vorsichtig („die wahrscheinlichste [Theorie]“), aber doch mit Nachdruck für eine „osteuropäisch-nordwestasiatische Urheimat der Indogermanen“ aus.440

In den Kontext von Clemens kritischer Haltung dem Nationalsozialismus und diesem nahestehenden kirchlichen Kreisen gegenüber gehört auch die schon kurz erwähnte Schrift Der Kern des ursprünglichen Christentums, die uns weiter unten noch näher beschäftigen wird. Obwohl auf den ersten Blick nur der Darstellung des historischen Jesus gewidmet, finden sich in der kleinen Schrift doch einige Aussagen, die auch von Wilhelm Schubring, einem der wenigen Rezensenten, in ihrem zeitkritischen Potential verstanden wurden.441 Mit aller ←113 | 114→Deutlichkeit sprach sich Clemen eingangs gegen die Anschauung aus, „daß Jesus nicht jüdischer Herkunft gewesen ist“,442 um dann am Ende noch einmal den „Kern des (von jeder Rasse unabhängigen) ursprünglichen Christentums“ in Worte zu fassen.443

Über den Tod von Carl Clemen sind wir – neben den Angaben in den Todesanzeigen444 – nur durch einige Zeilen im Nachruf von Otto Clemen für die Mitteilungen der ehemaligen Fürstenschüler unterrichtet. Otto Clemen schrieb hier über seinen Bruder:

Am 8. Juli 1940 starb er nach einer durchaus glücklich verlaufenen Operation infolge einer Embolie. Wenige Stunden vor seinem Tode diktierte er noch einen Brief an eine Amsterdamer Verlagsbuchhandlung, die ihm geschrieben hatte, daß sie „sehr stolz sei“, sein Werk über die Religionen der Erde in holländischer Übersetzung herausgeben zu dürfen.445

Bei der Trauerfeier fungierte Pfarrer Fritz Haun, lange Jahre Vorsitzender des Rheinischen Hauptverbandes des Evangelischen Bundes.446 Seine Ansprache bei dieser Gelegenheit hat Otto Clemen in Auszügen übernommen.447


1Die Daten nach den Lebenserinnerungen von August Clemen. Ein maschinenschriftliches Exemplar in der Ratsschulbibliothek Zwickau, Teilnachlass Otto Clemen; hier aber benutzt und im Folgenden zitiert nach http://www.heidermanns.net/gen-pers.php?ID=172 (abgerufen am 6. Oktober 2014).

2Die Geburtsdaten der Geschwister und im Falle der Brüder auch die Angaben zur beruflichen Stellung nach P. Clemen: Der Rhein ist mein Schicksal geworden. Fragmente einer Lebensbeschreibung. Ediert, kommentiert und mit einem Nachwort von G. Knopp und W. Hansmann. Worms: Wernersche Verlagsgesellschaft 2006 (Arbeitsheft der Rheinischen Denkmalspflege 66), 165: Paul (1866), Kunsthistoriker; Julius (1868), Arzt; Johann (1869–1870); Otto (1871), Theologe; Elisabeth (1874); Hanna (1877); Reinhard (1881), Volkswirt.

3Zur Bedeutung der Rangordnung in der Geschwisterkonstellation in der damaligen Zeit vgl. Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Bd. 1: Arbeitswelt und Bürgergeist. München: C. H. Beck 1990, 55.

4Zur Vorbildfunktion des Vaters vgl. S. Möller: Zwischen Wissenschaft und „Burschenherrlichkeit“. Studentische Sozialisation im Deutschen Kaiserreich. Stuttgart: Steiner 2001 (Pallas Athene. Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte 4), 73 und 172.

5P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 19. – Die Konflikte mit dem Vater in ähnlichen Theologenfamilien gehören fast zum Topos; vgl. allgemein H. Grote: „Der ʽEvangelische Bund zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen’ (1886–1918)“, in: W. Fleischmann-Bisten und H. Grote: Protestanten auf dem Wege. Geschichte des Evangelischen Bundes. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1986 (BenshH 65), 72–73; für Adolf Harnack W. Schneemelcher: „Adolf von Harnack (1851–1930)“, in: M. Greschat (Hrsg.): Theologen des Protestantismus im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 1. Stuttgart u.a.: W. Kohlhammer 1978 (UB 284), 198; für Martin Rade (hier war nicht nur der Vater, sondern auch der Schwiegervater betroffen) J. Rathje: Die Welt des freien Protestantismus. Ein Beitrag zur deutsch-evangelischen Geistesgeschichte. Dargestellt an Leben und Werk von Martin Rade. Stuttgart: E. Klotz 1952, 33–34 und 62; für Johannes Weiß B. Weiß: Aus neunzig Lebensjahren. 1827–1918. Herausgegeben von H. Weiß. Leipzig: Koehler & Amelang 1927, 210; für Wilhelm Bousset A. F. Verheule: Wilhelm Bousset. Leben und Werk. Ein theologiegeschichtlicher Versuch. Amsterdam: T. Bolland 1973, 9.

6Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 475.

7So heißt es in seinem Buch „Niedergefahren zu den Toten“. Ein Beitrag zur Würdigung des Apostolikums (1900) „Dem Andenken zweier früh verstorbener Geschwister“.

8Seinem Vater hat Carl Clemen insgesamt zwei Bücher gewidmet, Die Chronologie der paulinischen Briefe (1893) und die erste Auflage der Religionsgeschichtlichen Erklärung des Neuen Testaments (1909); der Grund für die Widmung war im ersten Fall das 25-jährige Dienstjubiläum des Vaters an der Fürstenschule in Grimma und im zweiten Fall dessen 70. Geburtstag. Die Widmung des Buches Die Entstehung des Johannesevangeliums (1912) lautete nur „Meinem Bruder Paul“. Das Buch Deutscher Volksglaube und Volksbrauch (1921) widmete Clemen seinem Bruder Otto aus Anlass von dessen 25-jährigem Jubiläum „seiner Anstellung am Gymnasium in Zwickau“.

9So August Clemen in seinen Lebenserinnerungen.

10Die von August Clemen überlieferte Jahresangabe korrigiert nach A. Fraustadt (Bearb.): Grimmenser Stammbuch 1900. Lebensnachrichten über Zöglinge der Fürstenschule Grimma vom Jahre der Gründung bis heute. Meißen: Niederlage des Vereins ehemaliger Fürstenschüler 1900, 238 (= Nr. 6024). Vgl. auch J. Flöter: Eliten-Bildung in Sachsen und Preußen. Die Fürsten- und Landesschulen Grimma, Meißen, Joachimsthal und Pforta (1868–1933). Köln u.a.: Böhlau 2009 (Beiträge zur Historischen Bildungsforschung 38), 138.

11J. Flöter: Eliten-Bildung… [wie oben], 36.

12Vgl. F. K. Ringer: Die Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890–1933. München: DTV / Klett-Cotta 1987 (DTV 4469), 38.

13Vgl. J. Flöter: Eliten-Bildung… [wie oben], 107.

14J. Flöter: Eliten-Bildung… [wie oben], 186.

15P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 22. Dort auch das folgende Zitat.

16P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 24.

17P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 19. Dort auch das folgende Zitat.

18Vgl. Jahresbericht der Königl. Sächs. Fürsten- und Landesschule zu Grimma. 1883–1884. Grimma: F. Rode 1884, 2.

19Jahresbericht… [wie oben], 16.

20Jahresbericht… [wie oben], 19.

21Vgl. Jahresbericht… [wie oben], 20. – Ein kurzer Blick auf die Notenliste im Jahresbericht des Vorjahres zeigt, dass dort niemand eine so gute Note wie Carl Clemen erreicht hatte.

22S. Möller: Zwischen Wissenschaft… [wie oben], 39.

23GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. I, Bl. 382.

24Vgl. F. K. Ringer: Die Gelehrten… [wie oben], 38; M. Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Sigmaringen: Thorbecke 1996 (Contubernium 44), 193–194.

25Zu den Einzelheiten des damals wohl sehr umständlichen Immatrikulationsverfahrens mit persönlicher Vereidigung durch den Rektor vgl. J. Blecher: „Landesuniversität mit Weltgeltung. Die Alma mater Lipsiensis zwischen Reichsgründung und Fünfhundertjahrfeier 1871–1909“, in: H. Zwahr und J. Blecher (Hrsg.): Geschichte der Universität Leipzig 1409–2009. Bd. 2: Das neunzehnte Jahrhundert 1830/31–1909. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2010, 718–720.

26Dies tat er, wie er – wohl mit einem gewissen Stolz und Lokalpatriotismus – im Lebenslauf in seiner philosophischen Dissertation schrieb, beim 10. königlich-sächsischen Infanterie-Regiment Nummer 134; vgl. C. Clemen: Die religionsphilosophische Bedeutung des stoisch-christlichen Eudämonismus in Justins Apologie. Studien und Vorarbeiten. Leipzig: J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung 1890, III.

27M. Biastoch: Tübinger Studenten… [wie oben], 77.

28Vgl. S. Möller: Zwischen Wissenschaft… [wie oben], 216.

29Paul Clemen, der ein Jahr später beim selben Regiment seinen Wehrdienst ableistete und ebenfalls an der Leipziger Universität immatrikuliert war, berichtete (P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 28): „Soweit der militärische Dienst es mir erlaubte, eilte ich in dem ersten Militärjahr in die Stadt, auch nach sechsstündigem Exerzieren, um an seiner [i.e. des Kunsthistorikers Anton Springer] berühmten Mittagsvorlesung mit der angeschlossenen Übungsstunde teilzunehmen. Ich gab lieber das Mittagessen auf als dieses Kolleg.“

30Vgl. UA Leipzig, Exmatrikel Carl Clemen, 23. April 1885 (Rep._01_16_07_C_046_Bd. 1_0352).

31K. Rudolph: Die Religionsgeschichte an der Leipziger Universität und die Entwicklung der Religionswissenschaft. Ein Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte und zum Problem der Religionswissenschaft. Berlin: Akademie-Verlag 1962 (SSAW.PH 107, 1), 93.

32Vgl. K. Rudolph: Die Religionsgeschichte… [wie oben], 87.

33K. Fitschen: „Theologische Fakultät“, in: U. von Hehl u.a. (Hrsg.): Geschichte der Universität Leipzig 1409–2009. Bd. 4: Fakultäten, Institute, Zentrale Einrichtungen. 1. Halbband. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2009, 57.

34J. Blecher: „Landesuniversität…“ [wie oben], 578.

35U. Köpf: „[Art.] Tübingen, Universität“, in: TRE 24 (2002), 163.

36Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 477.

37Vgl. dazu H. Junginger: Von der philologischen zur völkischen Religionswissenschaft. Das Fach Religionswissenschaft an der Universität Tübingen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Dritten Reiches. Stuttgart: Steiner 1999 (Contubernium 51), 25: Nach seiner Berufung hielt Rudolf Roth diese durchweg von über 100 Studenten besuchte Vorlesung von 1849 an „fast 40 Mal regelmäßig im Sommersemester“. – Friedrich Loofs, einige Jahre vor Clemen ebenfalls von Leipzig nach Tübingen gekommen, urteilte im Rahmen seiner „Selbstdarstellung“, in: RWGS 2 (1926), 127: „[…] Auch Roths ʽAllgemeine Religionsgeschichteʼ, eine Vorlesung, die damals in Deutschland nicht ihresgleichen hatte, lockte mich.“

38Die Angaben für das Sommer- und Wintersemester nach UA Tübingen, Abgangszeugnis Christian Carl [sic] Clemen (Signatur 40/37, 54).

39Vgl. K.-G. Wesseling: „[Art.] Kübel, Robert Benjamin“, in: BBKL 4 (1992), 737–740.

40Neben den philosophischen und theologischen Vorlesungen besuchte Clemen auch im Sommersemester eine Vorlesung über die „Geschichte der Kirchenmusik“ sowie eine „Erklärung der Bildwerke der archäologischen Sammlung“ und im Wintersemester eine Vorlesung über „Populäre Astronomie“. Außerdem belegte er in beiden Semestern einen Kursus „Turnen“; vgl. dazu S. Möller: Zwischen Wissenschaft… [wie oben], 198–199: „Das Turnen […] wurde nur noch von einer kleinen Zahl von Studenten ausgeübt. Besondere Anziehungskraft besaß es […] auf Studenten kleinbürgerlicher Herkunft und auf Theologiestudenten.“

41GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. I, Bl. 382. – Nähere Einzelheiten zu den hier angedeuteten Kontakten lassen sich nicht ermitteln.

42Der gedruckte Text mit Thema und Begründung UA Halle-Wittenberg, Acta betreffend die Promotionen und Habilitationen der Licentiaten der Theologie (Rep. 27, Nr. 851).

43Vgl. M. Biastoch: Tübinger Studenten… [wie oben], 90–92.

44UA Leipzig, Exmatrikel Carl Clemen, 19. März 1887 (Rep._01_16_07_C_048_Bd. 1_0176).

45J. Müller: Vom Geheimnis des Lebens. Erinnerungen. Bd. 1: Jugend und Sendung. Stuttgart / Berlin: Deutsche Verlags-Anstalt 1937, 52.

46J. Blecher: „Landesuniversität…“ [wie oben], 578.

47Vgl. K.-G. Wesseling: „[Art.] Kahnis, Karl Friedrich August“, in: BBKL 3 (1992), 945–948.

48J. Müller: Vom Geheimnis… [wie oben], 52.

49J. Müller: Vom Geheimnis… [wie oben], 51. – Friedrich Loofs freilich war keinesfalls „hochbetagt“. Jahrgang 1858, hatte er sich 1882 in Leipzig habilitiert und wurde 1887 nach Halle berufen. Er war einer der Mitbegründer der Zeitschrift Die Christliche Welt, an der später auch Carl Clemen mitarbeiten sollte. Vgl. K. Kienzler: „[Art.] Loofs, Friedrich“, in: BBKL 5 (1993), 219–221.

50Die Angaben und die folgenden Zitate nach P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 191, Anm. 86 und 87.

51GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. I, Bl. 382.

52UA Halle-Wittenberg, Exmatrikel Carl Clemen, 13. Oktober 1887 (Rep. 39, Nr. 74).

53M. Wolfes: Protestantische Theologie und moderne Welt. Studien zur Geschichte der liberalen Theologie nach 1918. Berlin / New York: W. de Gruyter 1999 (TBT 102), 260.

54GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. I, Bl. 382.

55Vgl. UA Humboldt-Universität zu Berlin, Exmatrikel Carl Clemen (AZ 836).

56Vgl. C. Clemen: „Die Bildlichkeit der Offenbarung Johannis“, in: Festgabe für D.Dr. Julius Kaftan zu seinem 70. Geburtstage, 30. September 1918, dargebracht von Schülern und Kollegen. Tübingen: Mohr 1920, 25–43.

57Vgl. H. Renz: „Troeltschs Theologiestudium“, in: ders. und F. W. Graf (Hrsg.): Troeltsch-Studien [1]‌. Untersuchungen zur Biographie und Werkgeschichte. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus G. Mohn 1982, 55.

58F. W. Graf: „[Art.] Pfleiderer, Otto“, in: RGG4 6 (2003), 1245.

59E. Lessing: Geschichte der deutschsprachigen evangelischen Theologie von Albrecht Ritschl bis zur Gegenwart. Bd. 1: 1870–1918. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2000, 69.

60O. Franke: Erinnerungen aus zwei Welten. Randglossen zur eigenen Lebensgeschichte. Berlin: W. de Gruyter 1954, 26.

61O. Franke: Erinnerungen… [wie oben], 28. – Konkrete Beobachtungen teilte auch der Theologe Gustav Frenssen mit, der zur gleichen Zeit wie Clemen und dann noch ein weiteres Jahr in Berlin studierte; vgl. G. Frenssen: Lebensbericht. Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung 1940, 65.

62O. Franke: Erinnerungen… [wie oben], 27. – Ähnlich auch S. Möller: Zwischen Wissenschaft… [wie oben], 194.

63Vgl. M. Biastoch: Tübinger Studenten… [wie oben], 72.

64A. Deißmann: „[Selbstdarstellung]“, in: RWGS 1 (1925), 48.

65UA Leipzig, Exmatrikel Carl Clemen, 31. Mai 1888 (Rep._01_16_07_C_049_Bd. 1_0543).

66Vgl. F. W. Bautz: „[Art.] Brieger, Theodor“, in: BBKL 1 (1990), 748.

67C. Clemen: Die religionsphilosophische Bedeutung… [wie oben], III.

68Vgl. J. Blecher: „Landesuniversität…“ [wie oben], 592.

69Die Angaben und das folgende Zitat nach UA Leipzig, Promotionsakte Carl Clemen (Phil. Fak. Prom. 4935).

70Der Hinweis auf den Zusammenhang mit der Deutschen Botschaft bei P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 51.

71GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. I, Bl. 383.

72ULB Sachsen-Anhalt, Halle, Nachlass Friedrich Loofs (Yi 19 IX 549).

73GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. I, Bl. 383. Hier auch das vorige Zitat im Text. – Welche „beiden verehrtesten Lehrer“ Clemen im Blick hat, lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich handelt es sich um Friedrich Loofs, wie es wohl der erhaltene Briefwechsel nahelegt, und Emil Kautzsch, dem Clemen sein 1897 erschienenes Buch Die christliche Lehre von der Sünde „in herzlicher Dankbarkeit“ gewidmet hat.

74Vgl. UA Halle-Wittenberg, Exmatrikel Carl Clemen, 2. Oktober 1891 (Rep. 39, Nr. 86).

75ULB Sachsen-Anhalt, Halle, Nachlass Hermann Gunkel (Yi 33 I C 24); der Brief datierte auf den 27. Juli 1924.

76Der 1871 geborene Otto Clemen studierte wie Carl Theologie in Tübingen, Berlin und Leipzig; vgl. R. Jauernig: „Otto Clemen in memoriam“, in: ThLZ 78 (1953), 541.

77Diese und die folgende Information nach einer schriftlichen Mitteilung des Archivs der Humboldt-Universität Berlin vom 20. Januar 2020.

78Vgl. A. von Zahn-Harnack: Adolf von Harnack. 2., verb. Aufl. Berlin: W. de Gruyter 1951, 115–128.

79Vgl. C. Clemen: „Muhammads Abhängigkeit von der Gnosis“, in: Harnack-Ehrung. Beiträge zur Kirchengeschichte ihrem Lehrer Adolf von Harnack zu seinem siebzigsten Geburtstag (7. Mai 1921) dargebracht von einer Reihe seiner Schüler. Leipzig: J. C. Hinrichs 1921, 249–262.

80Vgl. P. Daude: Die Rechtsverhältnisse der Privatdozenten. Zusammenstellung der an den Universitäten Deutschlands und Österreichs sowie an den deutschsprachlichen Universitäten der Schweiz über die rechtliche Stellung der Privatdozenten erlassenen Bestimmungen. Berlin: J. Becker 1896, 102; ferner F. W. Graf: „Licentiatus theologiae und Habilitation“, in: H. Renz und F. W. Graf (Hrsg.): Troeltsch-Studien [1]‌. Untersuchungen zur Biographie und Werkgeschichte. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus G. Mohn 1982, 89 (im Fall von Ernst Troeltsch in Göttingen).

81Die Angaben hier und im Folgenden nach UA Halle-Wittenberg, Acta betreffend die Promotionen und Habilitationen der Licentiaten der Theologie (Rep. 27, Nr. 851).

82Eine „in exegetischer Hinsicht ausgesprochen konservative Position“ wird Beyschlag von K. Hammann: Hermann Gunkel. Eine Biographie. Tübingen: Mohr Siebeck 2014, 53 attestiert.

83Es ist übrigens das gleiche Zeitfenster, in dem auch das mündliche Examen von Ernst Troeltsch in Göttingen im Vorjahr stattgefunden hatte; vgl. F. W. Graf: „Licentiatus theologiae…“ [wie oben], 96–97.

84UA Bonn, Akten des Königlichen Curatoriums der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität betreffend den ausserordentlichen Professor D.Dr. Carl Clemen (PA 1221); dort vorgeschaltet: Königliches Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S., Acten betreffend den Privatdozenten der theologischen Fakultät Dr. Clemen (am 16.2.1904 z. Univ. Bonn übergetreten), Aktenzeichen II. D. 3. C.

85So die Vermutung von W. Wiefel: Zwischen Spezialisierung und richtungspolitischer Gleichgewichtsstrategie. Zur Geschichte der neutestamentlichen Arbeit an der Universität Halle-Wittenberg 1888–1918. Halle (Saale): Martin-Luther-Universität 1976 (Wissenschaftliche Beiträge der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1976, 13 / Beiträge zur Universitätsgeschichte), 18.

86Das Datum in einem Schreiben von Dekan Kautzsch an den Rektor vom 11. November 1892; UA Bonn, PA 1221 (Vorschaltakte).

87In der Habilitationsschrift C. Clemen: Prolegomena zur Chronologie der paulinischen Briefe. Habilitationsschrift […]. Halle a.S.: Druck von E. Karras 1892, unpaginiert.

88Siehe Anhang 2.

89Die Angaben zu Datum und Uhrzeit nach dem Titelblatt der Habilitationsschrift; vgl. ferner E. Troeltsch: Briefe II (1894–1904). Herausgegeben von F. W. Graf in Zusammenarbeit mit H. Haury. Berlin u.a.: de Gruyter 2014 (Ernst Troeltsch. Kritische Gesamtausgabe 19), 486.

90Vgl. F. W. Bautz: „[Art.] Ficker, Gerhard“, in: BBKL 2 (1990), 29.

91Der 1897 habilitierte Max Scheibe hielt bis 1911 in Halle kirchengeschichtliche Vorlesungen, verzichtete dann aber auf seine Lehrbefugnis; er wirkte von 1902 bis 1934 als Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirche in Leipzig, wo er am 5. Juli 1935 verstarb. Die Angaben nach Universität Halle-Wittenberg: Catalogus professorum Halensis. URL: http://www.catalogus-professorum-halensis.de/scheibemax.html (abgerufen am 16. Januar 2020) und nach einer schriftlichen Auskunft der Kanzlei der evangelisch-reformierten Kirche in Leipzig vom 18. Juli 2018.

92Wie beispielsweise auch in Göttingen entsprechende Protokolle nicht vorliegen; vgl. F. W. Graf: „Licentiatus theologiae…“ [wie oben], 97.

93Hochschul-Nachrichten. Monats-Uebersicht über das gesamte Hochschulwesen des In- und Auslandes 2/26 (1892/93), 15.

94Nach A. Busch: Die Geschichte des Privatdozenten. Eine soziologische Studie zur großbetrieblichen Entwicklung der deutschen Universitäten. Stuttgart: F. Enke 1959 (Göttinger Abhandlungen zur Soziologie 5), 107.

95Vgl. J. Wischmeyer: Theologiae Facultas. Rahmenbedingungen, Akteure und Wissenschaftsorganisation protestantischer Universitätstheologie in Tübingen, Jena, Erlangen und Berlin. Berlin / New York: W. de Gruyter 2008 (AKG 108), 76–78.

96F. G. Strachotta: Religiöses Ahnen, Sehnen und Suchen. Von der Theologie zur Religionsgeschichte. Heinrich Friedrich Hackmann 1864–1935. Frankfurt a.M. u.a.: P. Lang 1997 (Studien und Texte zur Religionsgeschichtlichen Schule 2), 111.

97Vgl. C. Bornhak: Die Rechtsverhältnisse der Hochschullehrer in Preußen. Zum praktischen Gebrauche dargestellt. Berlin: G. Reimer 1901, 69–70; ferner F. Eulenburg: Der „Akademische Nachwuchs“. Eine Untersuchung über die Lage und die Aufgaben der Extraordinarien und Privatdozenten. Leipzig / Berlin: B. G. Teubner 1908, 112, Anm. 1; A. Busch: Die Geschichte des Privatdozenten… [wie oben], 113.

98F. W. Graf: „Licentiatus theologiae…“ [wie oben], 78.

99Siehe unten Anhang 3.

100Vgl. die ähnliche Einschätzung bei W. Wiefel: Zwischen Spezialisierung… [wie oben], 18–19.

101Vgl. zum Grundsätzlichen C. Bornhak: Die Rechtsverhältnisse… [wie oben], 67: „Dem Privatdozenten ist regelmäßig nicht gestattet, eine Vorlesung über einen Gegenstand, über welchen ein Professor eine Privatvorlesung angekündigt hat, in demselben Semester unentgeltlich zu halten.“

102Vgl. F. W. Graf: „Licentiatus theologiae…“ [wie oben], 79.

103Nach CCW 4 (1894), 112 betrug die Gesamtzahl der evangelischen Theologiestudierenden im Sommersemester 1892 in Halle 603 und in Berlin 531, im Wintersemester 1892/93 in Berlin 604 und in Halle 596; beide hatten sich also in der Spitzenposition abgewechselt. Zum Vergleich die beiden entsprechenden Zahlen in Bonn: 107 und 94.

104UA Halle-Wittenberg, Exmatrikel Paul Kahle (Rep. 39, Nr. 183).

105Vgl. F. Eulenburg: Der „Akademische Nachwuchs“… [wie oben], 114.

106F. Eulenburg: Der „Akademische Nachwuchs“… [wie oben], 148.

107Die 1892 unter demselben Titel veröffentlichte Habilitationsschrift umfasste nur die Seiten 1 bis 57 dieser Fassung.

108J. Wischmeyer: Theologiae Facultas… [wie oben], 206.

109Vgl. A. Fraustadt (Bearb.): Grimmenser Stammbuch 1900… [wie oben], 238 (= Nr. 6024).

110Vgl. K.-G. Wesseling: „[Art.] Troeltsch, Ernst“, in: BBKL 12 (1997), 499.

111Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 36 Bd. VI, Bl. 68–70.

112Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 36 Bd. VI, Bl. 71–76.

113Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 36 Bd. VI, Bl. 69.

114GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 36 Bd. VI, Bl. 73–74; ausgelassen wurden im Zitat die von Clemen verfassten Monographien und Aufsätze.

115Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 36 Bd. VI, Bl. 88–89.

116Vgl. J. Jantsch (Hrsg.): Der Briefwechsel zwischen Adolf von Harnack und Martin Rade. Theologie auf dem öffentlichen Markt. Berlin / New York: W. de Gruyter 1996, 298. – Nach Ausweis der Mitteilungen An die Freunde 87 (1927), 999–1000 hat Clemen bei den Jahresversammlungen der „Freunde“ allerdings keine Vorträge gehalten.

117J. Jantsch (Hrsg.): Der Briefwechsel… [wie oben], 299.

118E. Troeltsch: Briefe II (1894–1904)… [wie oben], 101. – 1897 äußerte sich Troeltsch allerdings sehr kritisch über Carl Clemen, als es in einem Brief an Wilhelm Bousset darum ging, für die Theologische Rundschau einen Mitarbeiter zu finden, der über Neuerscheinungen auf dem Gebiet der systematischen Theologie – eigentlich nicht die Kernkompetenz von Clemen – referieren sollte: „Freilich ist die systematische Lage recht fatal. Clemen ist ein sehr mäßiges Ingenium […].“ E. Troeltsch: Briefe II (1894–1904)… [wie oben], 144. Clemen hat übrigens in der Theologischen Rundschau von 1898 an einige Jahre lang über Neuerscheinungen zur Apostelgeschichte berichtet.

119Vgl. F. Eulenburg: Der „Akademische Nachwuchs“… [wie oben], 108.

120GStA PK, VI. HA Nl Althoff, F. T., Nr. 691, Bl. 54.

121So U. von Wilamowitz-Moellendorff: Erinnerungen 1848–1914. Leipzig: K. F. Koehler 1928, 249. – Ähnlich urteilte A. Sachse: Friedrich Althoff und sein Werk. Berlin: E. S. Mittler & Sohn 1928, 95: „Althoff waren die meisten Bücher, die ihm Professoren überreichten, um ihre Leistungen nachzuweisen, lästig.“

122Vgl. B. vom Brocke: „Hochschul- und Wissenschaftspolitik in Preußen und im Deutschen Kaiserreich 1882–1907. Das ʽSystem Althoff’“, in: P. Baumgart (Hrsg.): Bildungspolitik in Preußen zur Zeit des Kaiserreichs. Stuttgart: Klett-Cotta 1980 (Preußen in der Geschichte 1), 24–47.

123Max Weber am 12. Oktober 1911 in einer Rede auf dem IV. Deutschen Hochschullehrertag in Dresden, zitiert bei B. vom Brocke: „Hochschul- und Wissenschaftspolitik…“ [wie oben], 9.

124A. Sachse: Friedrich Althoff… [wie oben], IV.

125Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 573.

126Vgl. B. Weiß: Aus neunzig Lebensjahren… [wie oben], 172.

127Vgl. A. von Zahn-Harnack: Adolf von Harnack… [wie oben], 233–236.

128Althoffs Schreiben und das folgende Dokument in der oben bereits erwähnten Vorschaltakte zur Personalakte von Carl Clemen im UA Bonn, PA 1221. Das weitgehend auf den Angaben von Friedrich Loofs fußende Antwortschreiben des Kurators GStA PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 79–80; abgedruckt bei Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft und der Nationalsozialismus. Eine ideologiekritische und wissenschaftsgeschichtliche Untersuchung. Petersberg: M. Imhof 2002, 434, Anm. 535.

129Die Angabe „vier Geschwister“ bei Loofs, die der Kurator in seinem Schreiben übernommen hat, ist in dieser allgemeinen Form nicht korrekt. Möglicherweise sind damit nur die zum damaligen Zeitpunkt lebenden vier Brüder von Carl Clemen gemeint.

130So die Formulierung in seinem Antrag vom 18. Januar 1902; vgl. GStA PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 86.

131So für die Zeit 1. April 1894 bis 31. März 1895 (Bescheinigung der Registratur der Universität Halle vom 19. März 1894; Vorschaltakte zur Personalakte von Carl Clemen im UA Bonn, PA 1221); das Stipendium wird auch erwähnt in den Anträgen vom 16. Januar 1897 und vom 18. Januar 1901 (GStA PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 66–68 und 81).

132Vgl. das Schreiben des Ministeriums vom 27. März 1895 (GStA PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 48).

133Vgl. zu den Einzelheiten Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft… [wie oben], 101–102; ferner die handschriftliche Übersicht vom 18. Januar 1904 (GStA PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 95), für 1904 das Schreiben von Clemen an Althoff vom 5. Dezember 1904 (GStA PK, VI. HA Nl Althoff, F. T., Nr. 691, Bl. 59).

134Vgl. W. Fleischmann-Bisten, Walter: „[Art.] Evangelischer Bund“, in: RGG4 2 (2008), 1728–1729; Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 489.

135Vgl. H. Grote: „Der ʽEvangelische Bundʼ…“ [wie oben], 83.

136Vgl. A. Müller-Dreier: Konfession in Politik, Gesellschaft und Kultur des Kaiserreichs. Der Evangelische Bund 1889–1914. Gütersloh: Chr. Kaiser / Gütersloher Verlagshaus 1998 (Religiöse Kulturen der Moderne 7), 109, Anm. 158.

137Vgl. A. Müller-Dreier: Konfession in Politik… [wie oben], 115, Anm. 201. – Damit entsprach sein Einkommen in etwa dem eines Extraordinarius; vgl. zur allgemeinen Einkommenssituation M. Biastoch: Tübinger Studenten… [wie oben], 71; etwas höhere Zahlen nennt F. K. Ringer: Die Gelehrten… [wie oben], 43.

138Vgl. H. Grote: „Der ʽEvangelische Bundʼ…“ [wie oben], 44.

139Vgl. W. Fleisch mann-Bisten: „Der Evangelische Bund in der Weimarer Republik und im sog. Dritten Reich (1918–1945)“, in: ders. und H. Grote: Protestanten auf dem Wege. Geschichte des Evangelischen Bundes. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1986 (BenshH 65), 161–162.

140Eine Ausnahme ist der auf offensichtlich von Clemen selber stammenden Informationen beruhende Artikel „Clemen, Carl Christian“, in: NSHE 3 (1909), 131–132.

141A. Müller-Dreier: Konfession in Politik… [wie oben], 170.

142Beide Zitate GStA PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 81.

143Vgl. A. Müller-Dreier: Konfession in Politik… [wie oben], 109, Anm. 158, wobei hier die fehlerhafte Bezeichnung von Carl Clemen als „Kirchenhistoriker“ natürlich zu korrigieren ist; die Jahreszahl 1903 erscheint auch in dem oben genannten NSHE-Artikel.

144Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 54.

145Vgl. R. Jauernig: „Otto Clemen…“ [wie oben], 541.

146Schriftliche Mitteilung von Frau Roswitha Einenkel vom 27. März 2015.

147Archiv für die Fürsten- und Landesschulen Grimma und Meißen, Teilnachlass Otto Clemen. – Das lateinische Zitat stammt aus Horaz, Episteln 1, 1, 74.

148Archiv für die Fürsten- und Landesschulen Grimma und Meißen, Teilnachlass Otto Clemen.

149In einer in den Mitteilungen An die Freunde 13 (1905), 112 veröffentlichten Statistik zu den 1895 in Preußen habilitierten Theologen wird nach „Positive[n]‌“ und „Kritische[n]“ unterschieden; Clemen ist neben Bousset, Rahlfs und Deißmann zwar in der letztgenannten Gruppe eingeordnet, zu ihm findet sich aber unter Anmerkung 4: „In der Hengstenbergischen Kirchenzeitung zuerst als positiv geführt, dann umregistriert.“

150W. Wiefel: Zwischen Spezialisierung… [wie oben], 5.

151So empfahl die Fakultät – um nur dieses eine Beispiel anzuführen (GStA PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 46) – am 16. Januar 1895 Clemens Antrag mit folgenden Worten: „Einesteils hat sich Dr. Clemen literarisch ausgiebig ausgewiesen. Seine beiden größeren Schriften […] zeigen ihn als einen in der Literatur seines Faches überaus bewanderten und scharfsinnigen Exegeten des N[euen] Testaments wie auch als gewandten Darsteller; seine sonstigen Aufsätze in theologischen Zeitschriften erweisen daneben auch eine umfassende Bildung. Andererseits treibt Dr. Clemen seine Lehrtätigkeit daneben mit demselben Fleiß, und soweit unsere Beobachtung reicht, mit nicht minder Erfolg als mit Hingebung.“

152So das Urteil von Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft… [wie oben], 101.

153Das Schreiben des Kurators vom 5. Dezember 1898 mit dem angefügten Schreiben der Theologischen Fakultät in der Vorschaltakte zur Personalakte von Carl Clemen im UA Bonn, PA 1221.

154Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. II, Bl. 27.

155Archiv für die Fürsten- und Landesschulen Grimma und Meißen, Teilnachlass Otto Clemen.

156Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 52.

157Vgl. allgemein C. Bornhak: Die Rechtsverhältnisse… [wie oben], 69.

158Vgl. W. Wiefel: Zwischen Spezialisierung… [wie oben], 13.

159Archiv für die Fürsten- und Landesschulen Grimma und Meißen, Teilnachlass Otto Clemen.

160P. Feine: „[Selbstdarstellung]“, in: RWGS 5 (1929), 62.

161Das umfangreiche Schreiben in der Vorschaltakte zur Personalakte von Carl Clemen im UA Bonn, PA 1221. –Vgl. zu dem Verfahren auch W. Wiefel: Zwischen Spezialisierung… [wie oben], 19.

162Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 12 Tit. IV Nr. 5 Bd. IV, Bl. 1–4; die Berufung Wiegands a.a.O., Bl. 5–6.

163Vgl. Österreichisches Staatsarchiv, AVAFHKA, 22 II, Nr. 11572.

164Vgl. Österreichisches Staatsarchiv, AVAFHKA, 22 II, Nr. 14538.

165Wie bei der Sichtung der Bestände des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin zu ersehen war, nahm im Falle der preußischen Universitäten der „Evangelische Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union“ nur zu den Kandidaten Stellung, die konkret an eine theologische Fakultät berufen werden sollten, nicht aber – wie in Österreich – schon im Vorfeld zu den lediglich vorgeschlagenen Personen.

166Das Schreiben mit dem Aktenzeichen 1182 a.a.O. in der Akte Nr. 11572. – In einem weiteren Schreiben vom 12. Juni 1903 (a.a.O., Nr. 20330) legte die Fakultät in der Linie des kirchlichen Gutachtens dar, „daß Professor Clemen zwar ein sehr vielseitiger und produktiver Gelehrter ist, aber als Lehrer jene pädagogische Begabung vermissen läßt, die gerade an einer Lehrstätte für künftige Seelsorger ein besonderes Erfordernis bildet“.

167Die folgenden Angaben nach K. Heussi: Geschichte der theologischen Fakultät zu Jena. Weimar: Böhlau 1954 (Darstellungen zur Geschichte der Universität Jena 1), 382–385.

168UA Bonn, PA 1221.

169Auf der Website des Urenkels heißt es lediglich: „Die Ehe wurde 1905 geschieden, weil ihr Musizieren und seine Arbeit nicht harmonierten.“ URL: http://www.heidermanns.net/gen-pers.php?ID=40 (abgerufen am 16. Januar 2020). – Dies erinnert stark an das traurige Schicksal von David Friedrich Strauß; vgl. dazu Fr. W. Kantzenbach: Programme der Theologie. Denker, Schulen, Wirkungen. Von Schleiermacher bis Moltmann. München: Claudius-Verlag 1978, 64.

170In seiner Autobiographie berichtete er über seine Begegnungen mit Friedrich Althoff; vgl. P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 106.

171H. Lützeler: Persönlichkeiten. Konrad Adenauer, Paul Clemen, Kardinal Frings, Johannes XXIII., Erich Rothacker, Max Scheler. Freiburg i.Br.: Herder 1978 (HerTB 668), 73.

172Ratsschulbibliothek Zwickau, Teilnachlass Otto Clemen.

173Vgl. allgemein B. vom Brocke: „Hochschul- und Wissenschaftspolitik…“ [wie oben], 43 und – aus der Sicht eines Betroffenen – U. von Wilamowitz-Moellendorff: Erinnerungen… [wie oben], 234.

174Vgl. GStA PK, VI. HA Nl Althoff, F. T., Nr. 691, Bl. 55.

175GStA PK, VI. HA Nl Althoff, F. T., Nr. 691, Bl. 56.

176Über diese Praxis von Althoff berichtet B. vom Brocke: „Hochschul- und Wissenschaftspolitik…“ [wie oben], 80.

177Abschrift dieses Schreibens GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. II, Bl. 85.

178Vgl. GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. II, Bl. 86.

179GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. II, Bl. 89.

180GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 8 Tit. IV Nr. 35 Bd. II, Bl. 93. Eine Abschrift des Schreibens auch in der Vorschaltakte zur Personalakte von Carl Clemen im UA Bonn, PA 1221.

181K. Wolff: Autoren, Bücher, Abenteuer. Betrachtungen und Erinnerungen eines Verlegers. Berlin: Wagenbach 1965 (Quarthefte 1), 103.

182B. Litzmann: Im alten Deutschland. Erinnerungen eines Sechzigjährigen. Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung 1923, 354.

183Der kurze Brief aus Grimma an Loofs trägt das Datum des 28. September 1903; ULB Sachsen-Anhalt, Halle, Nachlass Friedrich Loofs (Yi 19 IX 550).

184ULB Sachsen-Anhalt, Halle, Nachlass Friedrich Loofs (Yi 19 IX 551).

185GStA-PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 97–98.

186GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 41 Bd. 1, Bl. 255. – In den angegebenen Paragraphen ist allerdings nicht von „Umhabilitation“ die Rede, sondern allgemein von „Habilitation“; vgl. P. Daude: Die Rechtsverhältnisse… [wie oben], 35–37. Die Umhabilitation kam damals relativ selten vor; vgl. F. Eulenburg: Der „Akademische Nachwuchs“… [wie oben], 110.

187So U. Mennecke: „Theologie im Kontext weltanschaulicher Polarisierung und politischer Systemwechsel. Von der Spätphase der Liberalen Theologie zur Dialektischen Theologie“, in: Th. Becker und Ph. Rosin (Hrsg.): Die Buchwissenschaften. Geschichte der Universität Bonn. Bd. 3. Göttingen: V&R unipress / Bonn University Press 2018, 140–148. Ähnlich äußerte sich auch H. Lietzmann: „[Selbstdarstellung]“, in: RWGS 2 (1926), 87: „Uns Studenten […] wurde ein erschütterndes und verbitterndes Bild kirchlicher Parteikämpfe gegeben.“ CCW 18 (1908), 98 nannte die Fakultät „notorisch unheilvoll in Parteien zerklüftet“; O. Ritschl: Die evangelisch-theologische Fakultät zu Bonn in dem ersten Jahrhundert ihrer Geschichte 1819–1919. Bonn: A. Marcus und E. Weber 1919, 75 kennzeichnete die Fakultät so, dass sich „ihre konservativeren und ihre kritischeren Elemente ungefähr das Gleichgewicht hielten“.

188Vgl. O. Ritschl: Die evangelisch-theologische Fakultät… [wie oben], 81.

189Hans Lietzmann war als Extraordinarius für Kirchengeschichte nach Jena berufen worden. Er hatte die 1902 auf Veranlassung von Friedrich Althoff eingeführten und in Bonn zunächst von Ludwig Radermacher geleiteten griechischen und lateinischen Kurse für Jura-Studenten übernommen, die von einem Realgymnasium an die Universität gekommen waren. Vgl. H. Lietzmann: „[Selbstdarstellung]“… [wie oben], 97: „[…] und bald danach wurden mir die griechischen und lateinischen Kurse […] übertragen, die mir schließlich zu einem für meine Verhältnisse glänzenden Einkommen verhalfen.“ – Während Clemen von Lietzmann die griechischen Kurse übernahm, war für die lateinischen Kurse Ernst Bickel, damals Assistent im Philologischen Seminar, zuständig.

190Vgl. die Ankündigung und Beschreibung der Reihe in CCW 16 (1906), 580.

191Clemen fuhr – wie er einem befreundeten Pfarrer schrieb – Ende März 1904 nach Oberitalien; in dem Brief vom 15. März 1904, in dem er von der geplanten Reise berichtete, fügte er hinzu, die Reise erfolge „fratris mei sumptibus“; der Brief im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nachlass Julius Zimmermann (7 NL 065). – Clemen hat in der Bibliotheca Ambrosiana in Mailand das dort vorhandene einzige Exemplar des Textes kollationiert.

192So auch die Selbsteinschätzung, zitiert bei O. Clemen: „Carl Clemen“, in: Grimmaisches Ecce 61 (1940), 38.

193Vgl. F. Haun: Der Evangelische Bund im Rheinland 1887–1937. Aus der Geschichte des Rheinischen Hauptvereins zu seinem 50jährigen Bestehen. Berlin: Verlag des Evangelischen Bundes 1938, 30–43 („Provinzialversammlungen, Arbeitstagungen, Kurse und Freizeiten“).

194Vgl. den entsprechenden Kopfbogen eines Schreibens von Clemen an den oben genannten befreundeten Pfarrer vom 28. August 1904 im Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nachlass Julius Zimmermann (7 NL 065). – Vgl. auch die Berichte über die Aktivitäten des Ausschusses in CCW 15 (1905), 361–366 und CCW 16 (1906), 165–167.

195Vgl. L. Albertin: Nationalismus und Protestantismus in der österreichischen Los-von-Rom-Bewegung um 1900. Phil. Diss., Universität Köln 1953, 143–151; ferner A. Müller-Dreier: Konfession in Politik… [wie oben], 450–452.

196Vgl. die Auflistung in den Mitgliederverzeichnissen in den Mitteilungen An die Freunde 19 (1907), 177; 32 (1910), 356; 45 (1913), 506 und 84 (1926), 964.

197An die Freunde 9 (1905), 75.

198An die Freunde 10 (1905), 89.

199GStA PK, VI. HA Nl Althoff, F. T., Nr. 691, Bl. 59.

200GStA PK, VI. HA Nl Althoff, F. T., Nr. 691, Bl. 61.

201Zu dem System der Vertrauensleute vgl. A. Sachse: Friedrich Althoff… [wie oben], 179; ähnlich auch F. Schmidt-Ott: Erlebtes und Erstrebtes. 1860–1950. Wiesbaden: Steiner 1952, 19.

202GStA PK, VI. HA Nl Althoff, F. T., Nr. 691, Bl. 63. – Hier auch die beiden folgenden Zitate.

203Vgl. GStA PK, I HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Lit. C Nr. 38 Bd. I, Bl. 97–98 und 99–100. Der negative Bescheid a.a.O., Bl. 101.

204Vgl. die Beschreibung des Seminars und seiner unterschiedlichen Curricula in der Zeitschrift Die Lehrerin in Schule und Beruf 19 (1902/03), 878–880. – Dass Privatdozenten mehrere Beschäftigungen zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts verbinden mussten, beschreibt auch J. Wischmeyer: Theologiae Facultas… [wie oben], 222.

205Archiv für die Fürsten- und Landesschulen Grimma und Meißen, Teilnachlass Otto Clemen.

206Etwa im Rahmen der „Theologischen Ferienkurse“, die in Bonn seit 1892 meist in den Osterferien durchgeführt wurden und Pfarrer und Lehrer mit den neuesten Entwicklungen in der Theologie vertraut machen wollten; vgl. O. Ritschl: Die evangelisch-theologische Fakultät… [wie oben], 78; ferner N. Janssen: „Vermittlung theologischer Forschungsergebnisse durch Ferienkurse und das Engagement der ʽReligionsgeschichtlichen Schuleʼ (1892–1914)“, in: A. Özen (Hrsg.): Historische Wahrheit und theologische Wissenschaft. Gerd Lüdemann zum 50. Geburtstag. Frankfurt a.M. u.a.: P. Lang 1996, 105–111. Auf die Mitarbeit an Ferienkursen als zusätzliche Verdienstmöglichkeit verweist F. Eulenburg: Der „Akademische Nachwuchs“… [wie oben], 74–75. – Warum Carl Clemen zwar für April 1906 in einem ähnlichen Rahmen eine Vortragsreihe über Paulus angekündigt (vgl. Die Lehrerin in Schule und Haus 22 [1905/06], 428–429), dann aber Hans Lietzmann an seiner Stelle gesprochen hat (vgl. Die Lehrerin in Schule und Haus 23 [1906/07], 314–316), lässt sich nicht feststellen.

207Vgl. M. Braubach: „Wissenschaftliche Freundeskränzchen im Bonn des 19. und 20. Jahrhunderts“, in: E. Ennen und D. Höroldt (Hrsg.): Aus Geschichte und Volkskunde von Stadt und Raum Bonn. Festschrift Josef Dietz zum 80. Geburtstag am 8. April 1973. Bonn: L. Röhrscheid 1973 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn 10), 437; Th. Becker: „Professorenzirkel und akademische Freundeskränzchen an der Universität Bonn“, in: M. Asche und D. Klenke (Hrsg.): Von Professorenzirkeln, Studentenkneipen und akademischem Networking. Universitäre Geselligkeiten von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Köln u.a.: Böhlau 2017 (Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen 19), 98–99.

208Das Mitgliederverzeichnis von 1930 führte Carl Clemen unter den Mitgliedern auf, die vor 1906 eingetreten waren; erst danach wurde über den Eintritt förmlich Buch geführt; vgl. [Anonym]: Der „Rennklub“. Bonn 1889–1930. Zum 26. Juni 1930. Darmstadt: Wittich 1930, 10.

209H. Lietzmann: „[Selbstdarstellung]“… [wie oben], 98.

210So eine vage Angabe bei M. Braubach: „Wissenschaftliche Freundeskränzchen…“ [wie oben], 437.

211GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 41 Bd. 1, Bl. 283–284 (Schreibweise im Original). – Zu dem im Text genannten § 57 der Fakultätsstatuten vgl. P. Daude: Die Rechtsverhältnisse… [wie oben], 50.

212Ein Hinweis auf die Spitzenstellung von Clemen bei den nicht beförderten „kritischen“ Privatdozenten auch in CCW 17 (1907), 169.

213Beide Zitate GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 41 Bd. 1, Bl. 281.

214GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 41 Bd. 1, Bl. 286.

215O. Ritschl: Die evangelisch-theologische Fakultät… [wie oben], 119 gibt eine Übersicht über die Studierendenzahlen in Bonn für den Zeitraum vom Sommersemester 1904 bis zum Sommersemester 1910; es ergibt sich hier ein Durchschnitt von 84 Studierenden; H. Bassermann: Wie studiert man evangelische Theologie? Stuttgart: W. Violet 1905 (Violets Studienführer), 28 bietet für das Sommersemester 1904 und das Wintersemester 1904/05 eine Übersicht über das Verhältnis von Dozenten zu Studierenden an verschiedenen Evangelisch-Theologischen Fakultäten; während in Berlin auf einen Dozenten 13 Studierende kamen und in Halle 19, waren es in Bonn lediglich 6 Studierende.

216Vgl. P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 71.

217Vgl. B. vom Brocke: „Der deutsch-amerikanische Professorenaustausch. Preußische Wissenschaftspolitik, internationale Wissenschaftsbeziehungen und die Anfänge einer deutschen auswärtigen Kulturpolitik vor dem Ersten Weltkrieg“, in: Zeitschrift für Kulturaustausch 31 (1981), 128–182; zur Gründung a.a.O., 132–134; zu Paul Clemen a.a.O., 142.

218GStA PK, VI. HA Nl Althoff, F. T., Nr. 691, Bl. 70–73.

219Vgl. A. Sachse: Friedrich Althoff… [wie oben], 56. – Althoff starb gut ein Jahr später, am 20. Oktober 1908; vgl. a.a.O., 61.

220GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 41 Bd. 1, Bl. 287.

221Stabi Berlin – PK, Dep. 42 (Walter de Gruyter), Clemen, Carl – Gö.

222Vgl. P. Feine: „[Selbstdarstellung]“…[wie oben] 61, der allerdings keinen Mitreisenden nennt.

223Zur Charakteristik von Paul Feine vgl. E. Lessing: Geschichte der deutschsprachigen evangelischen Theologie… [wie oben], 354.

224Beide Daten nach dem von Clemen zu Anfang des Dritten Reichs ausgefüllten Fragebogen, UA Bonn, PA 1221.

225Vgl. Th. W. Goodspeed: Ernest DeWitt Burton. A Biographical Sketch. Chicago: The University of Chicago Press 1926, 51–54.

226Vgl. The New York Tribune, 17. September 1908, 5 und The New York Times, 18. September 1908, 6.

227Vgl. den Bericht im The University of Chicago Magazine 1/1 (October 1908), 28–29.

228Vgl. The University of Chicago. Annual Register. 1907–1908. With Announcements for 1908–1909. Published by the University 1908, 273: „Critical examination of the sources, authorship, structure and purpose of the Book of Acts. Major course.“ – „Major course“ bedeutete „[a]‌ course of instruction offered daily (i.e., four or five days a week)“ (a.a.O., 120).

229Vgl. The University of Chicago… [wie oben], 274: „Study of the book with reference to authorship, structure, and specific purpose; translation of Greek text; inductive study of leading words; interpretation of chapters 3–7; lectures on interpretation. Prerequisite: the required courses. Major course.“

230BW 32 (1908), 70.

231CCW 19 (1909), 23.

232Carl Clemen fehlt in der Namensliste bei B. vom Brocke: „Der deutsch-amerikanische Professorenaustausch…“ [wie oben], 149.

233So der offensichtlich der Urkunde entnommene und als Zitat gekennzeichnete Text in einem Artikel der PrKZ 5 (1909), 460. Die beiden anderen Ehrendoktoren waren der Baseler Theologe Johannes Wendland und der ebenfalls in Basel wirkende Gymnasiallehrer Georg Finsler.

234Schriftliche Mitteilung des Staatsarchivs Zürich vom 14. August 2015.

235Vgl. K. Schmid: Die Theologische Fakultät der Universität Zürich. Ihre Geschichte von 1833 bis 2015. Zürich: Theologischer Verlag Zürich 2015, 228.

236Neben einem Artikel über Christian Science, der sich bibliographisch nicht nachweisen lässt, handelte es sich offensichtlich um die beiden Artikel „Aus dem Leben einer amerikanischen Universität“ und „Aus dem gottesdienstlichen Leben Nordamerikas“, die nicht in der Christlichen Welt, sondern in der Monatsschrift für Pastoraltheologie erschienen sind.

237UB Marburg, Nachlass Martin Rade.

238UB Marburg, Nachlass Martin Rade.

239H. Lietzmann: „[Selbstdarstellung]“… [wie oben], 98.

240B. Litzmann: Im alten Deutschland… [wie oben], 370. – Vgl. auch die grundsätzliche Einschätzung des Verhältnisses der verschiedenen Dozentenstufen bei F. K. Ringer: Die Gelehrten… [wie oben], 57–58.

241Nach dem Ausscheiden von Friedrich Althoff aus dem Dienst war der neue Verantwortliche in Berlin Friedrich Schmidt-Ott, der für die Universitäten und zugleich für das „Kunstreferat“ zuständig war und von daher mit Paul Clemen in enger Verbindung stand; vgl. F. Schmidt-Ott: Erlebtes und Erstrebtes… [wie oben], 58–74, ferner W. Erman: Erinnerungen. Bearbeitet und herausgegeben von H. Lohse. Köln u.a.: Böhlau 1994 (Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz 38), 268 und 305. Es fällt außerdem auf, dass Carl Clemen sein 1912 erschienenes Buch Die Entstehung des Johannesevangeliums seinem Bruder Paul gewidmet hat, ohne dass hier – im Gegensatz zu den Widmungen an seinen Vater und seinen Bruder Otto – ein besonderer Anlass ausgewiesen wurde.

242UA Bonn, PF-PA 89.

243Vgl. A. Elter: „Karl [sic] Schaarschmidt“, in: Chronik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn für das Rechnungsjahr 1908 […] 34 = N.F. 23 (1909), 13–16.

244UA Bonn, PA 1221. – Entsprechende Mitteilungen z.B. in: Chronik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn für das Rechnungsjahr 1910 […] 36 = N.F. 25 (1911), 15; CCW 20 (1910), 335.

245Das Durchschnittsalter lag bei 36–37 Jahren; vgl. F. Eulenburg: Der „Akademische Nachwuchs“… [wie oben], 106.

246Das Anfangsgehalt lag bei 2 000 Mark, der Wohngeldzuschuss für Bonn betrug normalerweise 660 Mark; vgl. F. Eulenburg: Der „Akademische Nachwuchs“… [wie oben], 128.

247Vgl. O. Ritschl: Die evangelisch-theologische Fakultät… [wie oben], 66–73.

248Vgl. B. Nichtweiß: „Auf Widerruf gestundete Zeit. Erik Peterson in Bonn“, in: M. Meyer-Blanck (Hrsg.): Erik Peterson und die Universität Bonn. Würzburg: Ergon 2014 (Studien des Bonner Zentrums für Religion und Gesellschaft 11), 58.

249Vgl. K.-G. Wesseling: „[Art.] Schlier, Heinrich Otto Ludwig Albin“, in: BBKL 9 (1995), 283.

250So war 1913 im Zusammenhang der Behandlung der Nachfolge von Eduard Grafe von Carl Clemen die Rede; im Vorschlag der Fakultät tauchte Clemen dann allerdings nicht auf; vgl. E. Bizer: „Zur Geschichte der Evangelisch-theologischen Fakultät von 1919 bis 1945“, in: 150 Jahre Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Bonner Gelehrte. Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Bonn. Evangelische Theologie. Bonn: H. Bouvier / L. Röhrscheid 1968, 229. Als nach dem Tod des Neutestamentlers Rudolf Knopf 1920 die Neubesetzung von dessen Stelle anstand, wurde zunächst Clemen auf den ersten Platz einer Liste gesetzt; auf der endgültigen Liste stand sein Name nicht mehr; vgl. E. Bizer: „Zur Geschichte…“ [wie oben], 230. Die Fakultät schrieb nach Berlin: „Da es jedoch zu bedauern wäre, wenn Clemen durch die Übernahme einer neutestamentlichen Fachprofessur etwa genötigt sein könnte, sich der Disziplin der allgemeinen Religionsgeschichte, in die er sich seit einem Jahrzehnt mit großer Energie und zunehmendem Erfolg hineingearbeitet hat, wieder mehr entfremden zu lassen, ist auf diesen Vorschlag verzichtet worden.“ Die Fakultät schlug nun Hans Windisch, Erwin Preuschen, Walter Bauer und Rudolf Bultmann vor; berufen wurde schließlich aber Wilhelm Heitmüller; vgl. GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 3 Tit. IV Nr. 36 Bd. IX, Bl. 17–18 und 25–26; der zitierte Text auch bei Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft… [wie oben], 435, Anm. 549.

251Vgl. die Übersicht in Anhang 3.

252Vgl. K. D. Bock: Strukturgeschichte der Assistentur. Personalgefüge, Wert- und Zielvorstellungen in der deutschen Universität des 19. und 20. Jahrhunderts. Düsseldorf: Bertelsmann Universitätsverlag 1972 (Wissenschaftstheorie – Wissenschaftspolitik – Wissenschaftsplanung 29), 40–41.

253Vgl. Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 577.

254A. Busch: Die Geschichte des Privatdozenten… [wie oben], 112.

255Erst die Promotionsordnung vom 15. Februar 1950 nennt bei der Auflistung der Promotionsfächer in § 8 unter dem Buchstaben „d) sonstige“ neben anderen Fächern die „Vergleichende Religionswissenschaft“.

256Die Angaben nach dem Amtlichen Personal-Verzeichnis der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; greifbar unter http://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/periodical/pageview/821055 (abgerufen am 10. Februar 2020).

257Vgl. Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft… [wie oben], 435, Anm. 551.

258Vgl. R. Keller und K. Paffen: „Aus der Geschichte der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde“, in: 50 Jahre Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde zu Bonn. 8. November 1910–8. November 1960. Bonn: Ferd. Dümmler 1960, 7–11.

259R. Keller und K. Paffen: „Aus der Geschichte…“ [wie oben], 14.

260Für den Zeitraum von 1911 bis 1916 sind seine entsprechenden Anfragen in Köln erhalten; vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln, 614 / 506.

261Zu Becker in Bonn vgl. E. Wende: C. H. Becker. Mensch und Politiker. Ein biographischer Beitrag zur Kulturgeschichte der Weimarer Republik. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt 1959, 36–42.

262Es sind dies die Protokolle der Sitzungen vom 15. Juni 1914 und vom 16. Juli 1914; vgl. GStA PK, VI. HA Nl Becker, C. H., Nr. 113, Bl. 2 und 3.

263Vgl. die Zusammenfassung in: Actes du seizième congrès international des orientalistes. Session d’Athènes (6–14 Avril 1912). Athen: Imprimerie Hestia 1912, 64–65.

264Vgl. die Zusammenfassung in: Actes du IVe congrès international d’histoire des religions, tenu à Leide du 9e–13e septembre 1912. Leiden: E. J. Brill 1913, 149–153; wie wir später sehen werden, entspricht der Singular „Mysterienreligion“ im Vortragstitel nicht den Anschauungen von Clemen; es muss sich hier um einen Druckfehler handeln. – Clemen wurde (a.a.O., 35) zum 2. Sekretär der vereinigten Sektionen II („Histoire comparée des religions de l’Orient. Mythologie comparée et Folklore“) und VII („Langues et littérature sémitique“) gewählt.

265In einem späteren, umfangreichen Zeitungsartikel votierte Clemen energisch für die Ergänzung des Vorlesungsbetriebs durch andere, kooperative Unterrichtsformen; vgl. C. Clemen: „Zur Reform des Universitätsstudiums“, in: Unterhaltungsbeilage der Täglichen Rundschau, 7. (Nr. 72) und 8. (Nr. 73) April 1919, unpaginiert.

266Vgl. die verschiedenen Schriftstücke mit Anträgen und den entsprechenden Antworten aus Berlin im UA Bonn, PA 1221 und PF-PA 89.

267Nicht korrekt ist es also, wenn der damalige Direktor der Universitätsbibliothek W. Erman: Erinnerungen… [wie oben], 307 schreibt: „So wurde mit Staatsmitteln eine Bibliothek für vergleichende Religionswissenschaft […] ins Leben gerufen.“ Er nannte (ebenda) dieses Vorgehen „[v]‌ollkommen unverantwortlich“.

268Vgl. ZMRW 34 (1919), 104–106. Der Begriff „Jubiläumsgabe“ erklärt sich aus dem Umstand, dass das hundertjährige Jubiläum der Universität Bonn wegen der Zeitumstände erst am 3. August 1919 gefeiert wurde. Vgl. den Bericht über die Feierlichkeiten in der Bonner Zeitung, 4. August 1919 (= Nr. 214), 1–2.

269ZMRW 34 (1919), 105–106. – Clemen selber hat später am gleichen Ort über die Errichtung des religionswissenschaftlichen Seminars berichtet und seinerseits Bücher und Spenden für den Bücherfonds eingeworben; vgl. C. Clemen: „Das religionswissenschaftliche Seminar in Bonn“, in: ZMRW 36 (1921), 246–247.

270ZMRW 34 (1919), 105.

271UA Bonn, PF-PA 89.

272Vgl. z.B. C. Clemen: „Der Universitätsunterricht in allgemeiner Religionsgeschichte“, in: DLZ 39 (1918), 85; ders.: „Das Studium der allgemeinen Religionsgeschichte an den deutschen Universitäten“, in: Deutsche akademische Rundschau 6, Nr. 5 (1924), 4.

273Vgl. CCW 20 (1910), 23. – Eine andere Darstellung findet sich bei D. Lange: Nathan Söderblom und seine Zeit. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011, 218; nach seinen Angaben habe „Söderblom pari passu mit Edvard Lehmann […] auf dem ersten Platz der Berufungsliste […] gestanden“. – Keine weitere Informationen dazu bietet leider K. W. Tröger: „Zur Geschichte des Spezialfaches Allgemeine Religionsgeschichte“, in: WZ(B).G 34 (1985), 577–578.

274Vgl. K. Rudolph: Die Religionsgeschichte an der Leipziger… [wie oben], 116, Anm. 3 und 117–118, Anm. 4. – Nach D. Lange: Nathan Söderblom… [wie oben], 218–219 spielte im Vorfeld der Leipziger Kirchenhistoriker Albert Hauck eine wichtige Rolle. – Die Gegenakten (= Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, 10183/95) weisen für den Zeitraum 1910–1923 ein Lücke auf. Auch in den dortigen Akten 10193/14 („Akten des Instituts für Religionsgeschichte“) finden sich keine Informationen zu den Berufungsverfahren.

275Der Begriff bei A. Deißmann: Der Lehrstuhl für Religionsgeschichte. Berlin: Weidmannsche Buchhandlung 1914, 5.

276Vgl. A. Deißmann: Der Lehrstuhl… [wie oben], 34.

277Uppsala universitetsbiblioteket, Nachlass Nathan Söderblom. – Hier auch die folgenden Briefe vom 8. Juli 1914, 6. Februar 1916 und 3. August 1916.

278Vgl. M. Hein und H. Junghans (Hrsg.): Die Professoren und Dozenten der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig von 1409 bis 2009. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2009 (Beiträge zur Leipziger Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Reihe A 8), 199.

279Es handelt sich um das Buch Die Reste der primitiven Religion im ältesten Christentum (1916); die Widmung lautete dort (ohne Satzzeichen): „Seiner Hochwürden dem Erzbischof von Upsala Herrn D. Nathan Söderblom in herzlicher Verehrung gewidmet“.

280C. Clemen: „Katholische Propaganda in England und Nordamerika“, in: Deutsch-evangelische Blätter 18 (1893), 753.

281Berlin: Kaiser-Wilhelm-Dank 1914. Das Zitat dort in der dritten Zeile auf der ersten, unpaginierten Seite; die Unterschriften der Professoren der Universität Bonn auf den Seiten 7 und 8.

282Vgl. L. Böhringer: „ʻ… glaube ich durch Schrift und Tat der deutschen Sache mehrfach genützt zu haben.ʼ Wilhelm Levison als politische Persönlichkeit“, in: M. Becher und Y. Hen (Hrsg.): Wilhelm Levison (1876–1947). Ein jüdisches Forscherleben zwischen wissenschaftlicher Anerkennung und politischem Exil. Siegburg: F. Schmitt 2010 (BHF 63), 268.

283Vgl. C. Clemen: Die deutschen Greuel in Belgien und Nordfrankreich nach dem offiziellen englischen Bericht. Bielefeld / Leipzig: Velhagen & Klasing 1916, 8.

284Vgl. allgemein zu dieser Polemik F. K. Ringer: Die Gelehrten… [wie oben], 173 und Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 490, der a.a.O., 487 von einem förmlichen „Pastorennationalismus“ spricht.

285Ratsschulbibliothek Zwickau, Teilnachlass Otto Clemen. Hier auch die folgenden Briefe von Carl Clemen an seinen Bruder Otto.

286Der Brief von Becker an den Mediziner Walter Groß zitiert bei E. Wende: C. H. Becker… [wie oben], 106.

287Das Schreiben im Historischen Archiv der Stadt Köln, 614 / 506.

288Vgl. die Berichte über derartige Veranstaltungen in der Bonner Zeitung, 23. Januar 1915 (= Nr. 23), 3 (Bericht über die Gründungsversammlung) und 2. März 1916 (= Nr. 61), 3 (Bericht über einen Vortrag von Carl Clemen „über den Krieg in den asiatischen und afrikanischen Kolonien Deutschlands“).

289Vgl. T. Maurer: „… und wir gehören auch dazu“. Universität und „Volksgemeinschaft“ im Ersten Weltkrieg. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2015, 980–984. – Zu den Dozenten zählten an den verschiedenen Standorten hochrangige Wissenschaftler wie Adolf von Harnack, Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf, Ernst Troeltsch, Eduard Meyer und Georg Simmel.

290T. Maurer: „… und wir gehören [wie oben], 999.

291ULB Bonn, Nachlass August Brinkmann (Autogr.).

292Vgl. E. Wende: C. H. Becker… [wie oben], 58–64.

293Dieses und die folgenden Zitate GStA PK, VI. HA Nl Becker, C. H., Nr. 113, Bl. 4–5.

294Über den nach ihrer Meinung „exotischen“ Bestand der sogenannten „Lautsammlung“ berichtet auch A. von Zahn- Harnack: Adolf von Harnack… [wie oben], 347.

295Vgl. E. Wende: C. H. Becker… [wie oben], 23–24, 42–43, 44.

296Noch 1931 sprach er vom „Wortbruch- und Lügen-ʽFriedenʼ von Versailles“, so C. Clemen: Religionsgeschichte Europas. Bd. 2: Die noch bestehenden Religionen. Heidelberg: C. Winter 1931 (Kulturgeschichtliche Bibliothek. Reihe 2, 2), 265. Ähnlich drastisch war auf einer Postkarte an Martin Rade vom 10. Oktober 1922 im Zusammenhang mit der „Kriegsschuld“ die Rede von „Lügen, die ja auch unsere ʽchristlichenʼ Feinde im allgemeinen noch vertreten“, UB Marburg, Nachlass Martin Rade.

297Vgl. den Fragebogen aus dem Dritten Reich mit Frage „16: Politische Betätigung“ und Clemens eigenhändigem Eintrag: „Deutsche Volkspartei“, UA Bonn, PA 1221.

298Zum Begriff vgl. L. Böhringer: „ʻ… glaube ich…ʼ“ [wie oben], 282.

299Die Angaben nach schriftlicher Mitteilung von Frau Roswitha Einenkel vom 27. März 2015, die mir dankenswerterweise die in ihrem Besitz befindlichen Briefe ihrer Mutter zur Einsichtnahme überließ. Aus diesen Briefen stammen auch die folgenden Zitate.

300Zu dem Studentinnenverein „Hilaritas“ vgl. Th. Becker: „ʽDrum singen wir den Lobgesang dem Studium der Frauenʼ. Die Bonner Studentinnenverbindungen“, in: A. Stieldorf u.a. (Hrsg.): „Doch plötzlich jetzt emanzipiert will Wissenschaft sie treiben“. Frauen an der Universität Bonn (1818–2018). Göttingen: V & R unipress / Bonn University Press 2018 (Bonner Schriften zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte 9), 113–114; a.a.O., 114, Anm. 22 die sicher auch für das gesellschaftliche Umfeld von Carl Clemen aufschlussreiche Charakterisierung als „bürgerlich-liberalkonservativ“.

301O. Brües: … und immer sang die Lerche. Lebenserinnerungen. Duisburg: Mercator-Verlag G. Wohlfarth 1967, 29.

302Insofern ist es durchaus richtig, wenn W. Wiefel: Zwischen Spezialisierung… [wie oben], 19 urteilt: „Erst der Wechsel der politischen Verhältnisse hat dem an sich unpolitischen Gelehrten, der aber als kritischer Forscher verdächtig erschien, die verdiente Anerkennung gebracht.“

303Vgl. G. Müller: Weltpolitische Bildung und akademische Reform. Carl Heinrich Beckers Wissenschafts- und Hochschulpolitik 1908–1930. Köln u.a.: Böhlau 1991 (Beiträge zur Geschichte der Kulturpolitik 2), 251, der aus einem Brief von Carl Heinrich Becker an den Kieler Ordinarius Bernhard Harms zitiert: „Mein Hauptprogrammpunkt ist die absolute Gleichstellung von Ordinarien in den akademischen Körperschaften. Ich möchte auch die Gehälter grundsätzlich gleich machen, doch ist das natürlich ein schwieriger Punkt; vorerst kommt es auf die moralische Gleichstellung an.“

304Vgl. G. Müller: Weltpolitische Bildung… [wie oben], 296; Th. Nipperdey: Deutsche Geschichte… [wie oben], 569; F. K. Ringer: Die Gelehrten… [wie oben], 76.

305Das Schreiben im UA Bonn, Nachlass Wilhelm Levison, Nr. 252.

306Vgl. ULB Bonn, Nachlass Adolf Dyroff (S 2823). – Vgl. ferner grundsätzlich zu den neuen Hierarchien als Folgen von Beckers Reform G. Müller: Weltpolitische Bildung… [wie oben], 314.

307Die niedrige Zahl in den ersten Berichtsjahren – so auch im Sommersemester 1923 – erklärt sich sicherlich durch die wirtschaftlichen (Stichwort: Inflation) und die politischen (Stichwort: Besetzung des Rheinlands) Rahmenbedingungen. – Vgl. zum Schwanken der Studentenzahlen allgemein in dieser Zeit auch F. K. Ringer: Die Gelehrten… [wie oben], 64.

308Die unterschiedlichen Angaben zu den Daten so in der Chronik.

309Chronik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität 1921/22 […] 47 = N.F. 36 (1923), 81.

310Vgl. die Briefe vom 17. Oktober 1926, 12. Oktober 1932, dann – schon als Emeritus – 2. Mai 1934 und 26. Januar 1935 mit den Bücherwünschen von Clemen im Nachlass Adolf Dyroff in der ULB Bonn.

311Chronik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität 1929/30 […] 55 = N.F. 44 (1932), 41.

312Zum Gesetzestext vgl. das Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen 65 (1923), 119–120. Als § 36a wurde in die bestehende Prüfungsordnung das Fach Allgemeine Religionsgeschichte eingefügt. – Clemen hatte sich schon seit einigen Jahren um die Anerkennung als Prüfungsfach bemüht; vgl. seinen Brief an Friedrich Loofs vom 10. September 1916, ULB Sachsen-Anhalt, Halle, Nachlass Friedrich Loofs (Yi 19 IX 552).

313Vgl. U. Vollmer: „Paul Kahle und der Westdeutsche Ostasienkurs 1931 in Bonn“, in: D. Ölschleger und U. Vollmer (Hrsg.): Jenseits von Orientalismus und Okzidentalismus. Sozial- und kulturwissenschaftliche Beiträge. Festschrift für Günther Distelrath zu seinem sechzigsten Geburtstag von seinen Freunden und Kollegen. Bonn: Bier’sche Verlagsanstalt 2019 (Japan-Archiv 13), 275–279.

314P. Kahle: „Die Universität Bonn vor und während der Nazi-Zeit“, in: J. H. Kahle und W. Bleek (Hrsg.): Was hätten Sie getan? Die Flucht der Familie Kahle aus Nazi-Deutschland. Die Universität Bonn vor und während der Nazi-Zeit. 4. Aufl. Bonn: Bouvier 2018, 120.

315Vgl. ZMRW 40 (1925), 62–63.

316Vgl. Deutsche Reichszeitung, 10. April 1924 (= Nr. 86), unpaginiert.

317Die anderen Referenten und ihre Themen waren: Paul Kahle („Islamische Eschatologie und Dantes göttliche Komödie“), Anton Baumstark („Hellenistisches Judentum und der Ursprung des Mandäismus“), Willibald Kirfel („Indisches Eremitentum und Mönchswesen“) und Alfred Wiedemann („Gespensterglaube im alten Ägypten“).

318Die Programme der Ferienkurse 1925, 1927, 1928, 1930 und 1931 sind vorhanden im UA Bonn, IGL 216-19 [= Programme der Ferienkurse]; das Programm 1926 findet sich ebendort unter der Signatur EF 78 36 [= Ferienkurse, Missionskurse]; für das Programm 1929 konnte eine Kopie des Exemplars der UB Erlangen-Nürnberg (Signatur H00/VV BONN.FERIENKURSE) benutzt werden.

319Vgl. „Religionsgeschichtlicher Kursus in Bonn“, in: ZMRW 41 (1926), 126.

320Benediktinerabtei Scheyern, Klosterbibliothek, Nachlass Albert Ehrhard. – Mit „Vorsitzender Koll[ege]“ ist Paul Kahle gemeint, der durch wiederholte persönliche Vorsprachen in Berlin die nötige Unterstützung verschaffte; vgl. Kahles Briefe an Carl Heinrich Becker im GStA PK, VI. HA Nl Becker, C. H., Nr. 5564.

321Vgl. „Ein vierter religionsgeschichtlicher Ferienkurs“, in: ZMRW 42 (1927), 96.

322Vgl. das Programm im UA Bonn, IGL 216-19 [wie oben].

323Vgl. P. Kahle: „Die Universität Bonn…“ [wie oben], 121.

324J. Witte und H. Haas: „D.Dr. Carl Clemen zum Gruß!“, in: ZMRW 40 (1925), unpaginiert [nach S. 64].

325Vgl. Bonner Zeitung, 16. Mai 1925 (= Nr. 115), 1–2; Deutsche Reichszeitung, 16. Mai 1925 (= Nr. 113), 1; General-Anzeiger [Bonn], 16. Mai 1925 (= Nr. 12220), 1–8 [sic].

326Vgl. L. Böhringer: „ʻ… glaube ich…ʼ“ [wie oben], 288 und P. Clemen: Der Rhein… [wie oben], 176.

327Der Urkundentext und der im Folgenden erwähnte Antwortbrief im UA Bonn, PF 77/641.

328Vgl. C. Clemen: „Zu Ehren Alfred Loisy’s. Der Pariser Kongreß für Geschichte des Christentums“, in: Kölnische Zeitung, 28. April 1927 (Nr. 311a = Erste Morgen-Ausgabe), unpaginiert.

329A. Loisy: Mémoires pour servir à l’histoire religieuse de notre temps. Bd. 3: 1908–1927. Paris: É. Nourry 1931, 518. – Cumont, der mit Loisy in engem Kontakt stand, hatte sich wegen wissenschaftlicher und weltanschaulicher Bedenken gegenüber Paul-Louis Couchoud zurückgezogen und schließlich auch nicht an dem Kongress teilgenommen; vgl. dazu A. Lannoy: „Le Jubilé Loisy en 1927. Entre histoire des religions et histoire du christianisme“, in: RHR 229 (2012), 503–526 und dies.: „Le Congrès d’histoire du christianisme. Franz Cumont et Alfred Loisy face au visage divers de l’histoire des religions“, in: D. Praet und C. Bonnet (Hrsg.): Science, Religion and Politics during the Modernist Crisis […]. Brüssel / Rom: Belgisch Historisch Instituut te Rome […] 2018 (Institut Historique Belge de Rome. Études 5), 419–469. In der Ankündigung des Kongresses („Jubilé Alfred Loisy et Congrès d’Histoire du Christianisme“, in: RHR 93 [1926], 176) wurde Cumont noch im Comité genannt. Dem Comité gehörten u.a. Salomon Reinach, Adolf von Harnack, James George Frazer, Ernesto Buonaiuti und Raffaele Pettazzoni an; vgl. M. Brunot: „Le Congrès d’histoire du Christianisme (Jubilé Alfred Loisy)“, in: RHR 96 (1927), 40, Anm. 1.

330Brief vom 29. März 1927, Biblioteca communale „Giulio Cesare Croce“, San Giovanni in Persiceto, Nachlass Raffaele Pettazzoni, Nr. 225158.

331A. Loisy: Mémoires… [wie oben], 526; vgl. auch den Bericht von Loisy in einem Brief an Cumont vom 24. April 1927, zitiert bei A. Lannoy: „Le Congrès d’histoire…“ [wie oben], 457. – Zum geschichtlichen Hintergrund: Schon 1923 hatte es in Paris einen großen religionsgeschichtlichen Kongress gegeben, organisiert von der Societé Ernest Renan, zum 100. Geburtstag des Namensgebers. Vgl. A. Lannoy: „Le Jubilé Loisy…“ [wie oben], 507: „À cause des séquelles respectives de la guerre, et de la crise moderniste dans l’Église catholique, ni les scientifiques allemands, ni les savant catholiques ne participèrent au congrès.“

332So der deutsche Titel des Beitrags, der in der ZNW 26 (1927), 173–186 veröffentlicht wurde; die französische Zusammenfassung unter dem Titel „Comment situer l’apocalypse de Jean dans le christianisme primitif?“, in: Congrès dhistoire du christianisme (Jubilé Alfred Loisy). Publié sous la direction de Paul-Louis Couchoud. Bd. 2. Paris: Rieder; Amsterdam: van Holkema & Waendorf’s 1928, 119–120. – Die insgesamt drei Kongressbände wurden mit einem auf den 28. Juni 1933 datierten Dekret der römischen Glaubenskongregation auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt; vgl. A. Lannoy: „Le Congrès d’histoire…“ [wie oben], 421.

333Vgl. C. Clemen: „Zu Ehren Alfred Loisy’s…“ [wie oben].

334A. Loisy: Mémoires… [wie oben], 537.

335Bibliothèque nationale de France, Département des manuscrits, Papiers d’Alfred Loisy. Correspondance XVII. Lettres adressées à Loisy. Bremond–Clemen, Bl. 550 verso.

336A. Loisy: Mémoires… [wie oben], 538.

337Bibliothèque nationale de France… [wie oben], Bl. 551 recto (Unterstreichung im Original).

338Biblioteca communale „Giulio Cesare Croce“, San Giovanni in Persiceto, Nachlass Raffaele Pettazzoni, Nr. 225159; vgl. auch M. Gandini: „Raffaele Pettazzoni negli anni 1926–1927. Materiali per una biografia“, in: Strada Maestra 47 (1999), 204.

339Biblioteca communale „Giulio Cesare Croce“… [wie oben], Nr. 225160; im gleichen Schreiben kündigte er auch eine Besprechung der von Pettazzoni herausgegebenen Zeitschrift Studi e materiali di storia delle religioni für die Theologische Literaturzeitung an.

340Biblioteca communale „Giulio Cesare Croce… [wie oben], Nr. 225161. – Pettazzoni war seit 1924 Professor für Religionsgeschichte an der Universität Rom. Clemen sollte erst 1933 – schon als Emeritus – nach Rom reisen; vgl. seine beiden Karten an Pettazzoni vom 29. März und 20. April 1933, Biblioteca communale „Giulio Cesare Croce… [wie oben], Nr. 225169 und 225170.

341Vgl. M. Gandini: „Raffaele Pettazzoni negli anni 1928–1929. Materiali per una biografia“, in: Strada Maestra 48 (2000), 100; ferner M. Miller: „Archeologi e linguisti tedeschi e l’Istituto di Studi Etruschi prima della Seconda Guerra Mondiale“, in: M.-L. Haack (Hrsg.): La construction de l’étruscologie au début du XXe siècle. Actes des journées d’études internationales des 2 et 3 décembre 2013 (Amiens). Bordeaux: Ausonius 2015 (Ausonius éditions. Scripta receptoria 3), 114.

342SMSR 4 (1928), 235–242.

343Vgl. Atti del primo congresso internazionale Etrusco. Firenze-Bologna 27 Aprile – 5 Maggio 1928–VI [sic]. Florenz: Rinascimento del libro 1929, 118.

344Lunds Universitet, Universitetsbiblioteket. Handskriftafdelingen, Nachlass Martin P. Nilsson (Unterstreichung im Original).

345Lunds Universitet… [wie oben], (Unterstreichung im Original).

346Die Terminangabe in: Actes du Ve Congrès International dHistoire des Religions à Lund. 27–29 août 1929. Lund: C. W. K. Gleerup (1930), 20; die Zusammenfassung a.a.O., 99–102. Die italienische Übersetzung des Vortrags erschien als „ll cosidetto monoteismo dei popoli più primitivi“, in: SMSR 5 (1929), 157–172.

347Die Terminangabe in: Actes du Ve Congrès… [wie oben], 22 ; die Zusammenfassung a.a.O., 233–235. Der Vortrag erschien unter dem angegebenen Titel in: ZDP 57 (1930), 148–160.

348So schrieb Carl Clemen seinem Bruder Otto am 28. August 1931: „Ich habe ja selbst unter den Kollegen kaum jemand, dem ich näher stünde.“ Der Brief in der Ratsschulbibliothek Zwickau, Teilnachlass Otto Clemen.

349Vgl. J. Isensee: „Vierzehn Professoren und ein Buch: das wissenschaftliche Kränzchen. Zur Übergabe des Kränzchenbuches an das Archiv der Universität Bonn“, in: Das Bonner Wissenschaftliche Kränzchen. Reden zur Übergabe des Kränzchenbuches an das Archiv der Universität Bonn zu Händen des Rektors am 6. Januar 2010 gehalten von Wilhelm Barthlott [u.a.]. Bonn: Bouvier 2010 (Bonner Akademische Reden 93), 11–23.

350Clemen listete als Sprecher zehn Namen auf, man suchte also offensichtlich den zwölften Teilnehmer.

351Vgl. Th. Becker: „Professorenzirkel…“ [wie oben], 95.

352ULB Bonn, Nachlass Erich Rothacker (NL Rothacker I). – Die alphabetische Reihenfolge spielte offensichtlich auch eine Rolle bei der Ausrichtung der einzelnen Abende; vgl. Th. Becker: „Professorenzirkel…“ [wie oben], 93.

353Die Angaben zu Vornamen und Fachgebieten nach O. Wenig (Hrsg.): Verzeichnis der Professoren und Dozenten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn 1818–1968. Bonn: H. Bouvier / L. Röhrscheid 1968.

354Immerhin hatte Clemen Alfred Wiedemann „zum siebzigjährigen Geburtstag in Verehrung“ 1926 den ersten Band seiner Religionsgeschichte Europas gewidmet. – Vom Alphabet her könnte auch der Literaturwissenschaftler Oskar Walzel in Frage kommen; vgl. O. Walzel: Wachstum und Wandel. Lebenserinnerungen. Aus dem Nachlaß herausgegeben von C. Enders. Berlin: E. Schmidt 1956, 225: „Mit seinem [i.e. Paul Clemens] Bruder Karl [sic], der nun auch schon dahingegangen ist, befreundeten wir [i.e. Walzel und seine Frau] uns nahe.“ Allein – Walzel war Mitglied in dem anderen, berühmten Kränzchen und schrieb (a.a.O., 224): „Strenge Vorschrift verbot, Mitglied zweier Kränzchen zu werden.“ Anders dagegen Th. Becker: „Professorenzirkel…“ [wie oben], 96 (Kursivierung im Original): „[W]‌ir wissen aus der Weimarer Zeit von einigen Professoren wie Wilhelm Levison und Paul Kahle, dass sie durchaus parallel in mehreren Kränzchen waren.“

355In einem Brief vom 23. Februar 1928 schlug Heiler Söderblom vor, nicht zuletzt wegen der Kritik von Clemen an der 5. Auflage des Kompendiums „eine gründliche Revision“ vorzunehmen. Am 19. November empfahl er für die Revision Tor Andrae oder Clemen. Am 26. Januar 1930 ließ er Söderblom wissen, er habe bei Clemen angefragt, „weil er die größten bibliographischen Kenntnisse besitzt“. Die drei genannten Briefe bei Fr. v. Hügel, N. Söderblom und Fr. Heiler: Briefwechsel 1909–1931. Mit Einleitung und Kommentar herausgegeben von P. Misner. Paderborn: Schoeningh 1981 (KKSMI 14), 286, 290 und 300. Auf Heilers Anfrage antwortete Clemen – positiv – am 27. Januar 1930, vgl. UB Marburg, Nachlass Friedrich Heiler.

356Dieses und die folgenden Schreiben in Uppsala universitetsbiblioteket, Nachlass Nathan Söderblom.

357Vgl. C. Clemen: „Die Religion in der vorgeschichtlichen Zeit“, in: Tiele-Söderbloms Kompendium der Religionsgeschichte. 6. verb. Aufl. Berlin-Schöneberg: Th. Biller 1931, 41–46.

358Uppsala universitetsbiblioteket, Nachlass Anna Söderblom.

359UA Bonn, PF-PA 89; die folgenden Dokumente ebenfalls UA Bonn, PA 1221.

360Vgl. für diesen Zeitabschnitt Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft… [wie oben], 261–272; ferner U. Vollmer: „Carl Clemen (1865–1940) als Emeritus“, in: ZfR 9 (2001), 185–204.

361Vgl. H.-P. Höpfner: Die Universität Bonn im Dritten Reich. Akademische Biographien unter nationalsozialistischer Herrschaft. Bonn: Bouvier 1999 (Academica Bonnensia 12), 68–70.

362Chronik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität 1932/33 […] 58 = N.F. 47 (1934), 5.

363Chronik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität… [wie oben], 42.

364Vgl. F. K. Ringer: Die Gelehrten… [wie oben], 389.

365Stabi Berlin – PK, Nachl. 494 (Vandenhoeck und Ruprecht), Clemen, Carl, G 1933, 176, Bl. 392.

366Stabi Berlin – PK, Nachl. 494 (Vandenhoeck und Ruprecht), Clemen, Carl, G 1933, 176, Bl. 391.

367Stabi Berlin – PK, Nachl. 488 (Mohr Siebeck), Clemen, Carl, A 0488, 4, Bl. 157.

368Stabi Berlin – PK, Nachl. 488 (Mohr Siebeck), Clemen, Carl, A 0488, 4, Bl. 156.

369Stabi Berlin – PK, Nachl. 488 (Mohr Siebeck), Clemen, Carl, A 0490, 3, Bl. 155–156.

370Stabi Berlin – PK, Nachl. 488 (Mohr Siebeck), Clemen, Carl, A 0493, 3, Bl. 26.

371Vgl. Kürschners deutscher Gelehrtenkalender. 6. Ausgabe. Bd. 1. Berlin: de Gruyter 1941, 255.

372Zwar erscheint der Titel auch bei G. Mensching: „Carl Clemen. 1865–1940“, in: 150 Jahre Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn. Bonner Gelehrte. Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Bonn. Geschichtswissenschaften. Bonn: H. Bouvier / L. Röhrscheid 1968, 457, aber Mensching hat offensichtlich nur die Angabe bei Kürschner, die wohl – wie üblich – auf Selbstauskunft von Carl Clemen beruhte, übernommen.

373Vgl. H.-P. Höpfner: Die Universität Bonn…“ [wie oben], 8.

374H. Heiber: Universität unterm Hakenkreuz. Teil 1: Der Professor im Dritten Reich. Bilder aus der akademischen Provinz. München u.a.: K. G. Saur 1991, 349.

375Vgl. H. Lützeler: Persönlichkeiten… [wie oben], 75–77; vgl. auch den geradezu defätistischen Brief von Paul Clemen an den Bonner Philosophen Erich Rothacker vom 28. März 1941, zitiert bei U. Vollmer: „Friedrich Andres (1882–1947). Ein theologischer Religionswissenschaftler an der Universität Bonn“, in: H. Junginger (Hrsg.): The Study of Religion under the Impact of Fascism. Leiden / Boston: E. J. Brill 2008 (SHR 117), 460, Anm. 54.

376Allerdings gehörte er nicht zu den Unterzeichnern des Gutachtens der Leipziger Theologischen Fakultät zu den „28 Thesen der sächsischen Volkskirche zum inneren Aufbau der Deutschen Evangelischen Kirche“, in dem sich die Fakultät gegen deutsch-christliche Tendenzen in der Sächsischen Landeskirche aussprach; das Gutachten und eine spätere Erklärung vom 22. November 1934 sind im Original nur mit den Nachnamen unterzeichnet; bei dem in beiden Texten aufgeführten „Clemen“ handelt es sich vielmehr um Otto Clemen, der seit 1928 Honorarprofessor der Theologischen Fakultät Leipzig war; die – unrichtige – Angabe „Carl Clemen“ bei M. Wolfes: Protestantische Theologie… [wie oben], 718–719.

377Clemens Schreiben im GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Nr. 1 Bd. XIV, Bl. 134. Der Text der Eingabe a.a.O., Bl. 135–136; abgedruckt bei Fr. Heinrich: Die deutsche Religionswissenschaft… [wie oben], 68–69; hier auch die weiter unten folgenden Zitate.

378GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Nr. 1 Bd. XIV, Bl. 137.

379BArch, NL 1131/172, Bl. 17.

380BArch, NL 1131/172, Bl. 68.

381BArch, NL 1131/172, Bl. 168.

382BArch, NL 1131/172, Bl. 167.

383Dieses Schreiben ist in der UB Marburg, Nachlass Friedrich Heiler, nicht erhalten.

384UB Marburg, Nachlass Friedrich Heiler.

385GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Nr. 1 Bd. XIV, Bl. 136.

386Dass 1912 nicht nur in Leipzig, sondern auch an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster ein Lehrstuhl für Religionsgeschichte geschaffen und mit Franz Joseph Dölger besetzt und dann von Johann Peter Steffes verwaltet wurde, wird in manchen Darstellungen der Geschichte der Religionswissenschaft nicht berücksichtigt; vgl. U. Vollmer: „Religionswissenschaft als akademische Disziplin im Kontext katholisch-theologischer Fakultäten. Zu den Anfängen einer spannungsvollen Beziehung“, in: J. Court und M. Klöcker (Hrsg.): Wege und Welten der Religionen. Forschungen und Vermittlungen. Festschrift für Udo Tworuschka. Frankfurt a.M.: O. Lebeck 2009, 647–653, bes. 650–651 und 652–653. – Auf die außerordentliche Professur in Jena war 1913 Hans Haas berufen worden; nach seinem Wechsel nach Leipzig 1915 wurde sie eingestellt; vgl. K. Heussi: Geschichte… [wie oben], 402.

387GStA PK, I. HA Rep. 76, Va Sekt. 1 Tit. IV Nr. 1 Bd. XIV, Bl. 137.

388Pettazzoni war im November 1933 aufgefordert worden, Namen für die Berufung von Mitgliedern zu nennen; er nannte neben Clemen noch Ludwig Deubner, Karl Kérenyi, Kurt Latte, Martin P. Nilsson und Arthur Darby Nock; vgl. M. Gandini: „Raffaele Pettazzoni nelle spire del fascismo (1931–1933). Materiali per una biografia“, in: Strada Maestra 50 (2001), 142.

389Clemen dankte Pettazzoni in einem Brief vom 12. April 1934, Biblioteca communale „Giulio Cesare Croce“ … [wie oben], Nr. 225171.

390Beide Schreiben UA Bonn, PF-PA 89.

391Vgl. F. Horst: „Carl Clemen zum 70. Geburtstage“, in: FuF 11 (1935), 119.

392Vgl. [Anonym]: „Carl Clemen zum 70. Geburtstage“, in: Kölnische Zeitung, 30. März 1935 (Nr. 164 = Morgenblatt), unpaginiert.

393Vgl. E. Bizer: „Zur Geschichte…“ [wie oben], 261; H. Dembowski: „Die Ev.-Theol. Fakultät zu Bonn in den Jahren 1930–1945“, in: MEKGR 39 (1990), 357–358.

394Deutsche Nationalbibliothek, Deutsches Exilarchiv 1933–1945, Frankfurt am Main, Nachlass Paul Leser.

395Vgl. R. F. Merkel: „Der Kongreß für Religionsgeschichte in Brüssel“, in: ZMRW 50 (1935), 359–362; H.-Ch. Puech: „Le VIe Congrès international de l’histoire des Religions“, in: RHR 113 (1936), 113–117.

396Außer zwei Postkarten an Raffaele Pettazzoni vom 31. Mai und vom 14. Juni 1935, in denen Clemen Pettazzoni eingeladen hat, ihn auf der Rückreise von Brüssel in Bonn zu besuchen, Biblioteca communale „Giulio Cesare Croce“ … [wie oben], Nr. 225173 und 225174.

397Vgl. C. Clemen: „Les rapports de la religion étrusque avec les religions du Proche-Orient“, in: AnCl 5 (1936), 263–271.

398R. F. Merkel: „Der Kongreß…“ [wie oben], 360. – Im Kongress-Bericht von Henri-Charles Puech fehlt der zweite Vortrag; Puech erwähnt nur den ersten; vgl. H.-Ch. Puech: „Le VIe Congrès…“ [wie oben], 115.

399Vgl. C. Clemen: „Die Bedeutung der Frau für die Entwicklung der Religionen“, in: ChW 50 (1936), 73–79.

400C. Clemen: „Die Bedeutung der Frau…“ [wie oben], 73.

401C. Clemen: „Die Bedeutung der Frau…“ [wie oben], 79.

402Vgl. M. Hutter und U. Vollmer: „Introductory Notes. The Context of the Conference in the History of Jewish Studies in Bonn“, in: M. Hutter (Hrsg.): Between Mumbai and Manila. Judaism in Asia since the Foundation of the State of Israel (Proceedings of the International Conference, held at the Department of Comparative Religion of the University of Bonn. May 30, to June 1, 2012). Göttingen: V&R unipress / Bonn University Press 2013, 9.

403Vgl. die – unvollständige – Liste bei B. Chiesa: „Paul Kahle and Some of His Jewish Pupils“, in: Henoch 36 (2014), 233–234; von den hier aufgelisteten elf Schülern waren sechs mit Religionsgeschichte als Nebenfach promoviert worden.

404Vgl. Università degli Studi di Torino, Biblioteca di Orientalistica, Nachlass Paul Kahle (Cor_439). – Bernhard Levy hatte sein Rigorosum allerdings in Alter Geschichte, Islamkunde und Altem Testament abgelegt; aus der auf den 3. März 1936 datierten Antwort von Paul Kahle geht aber hervor, dass die Arbeit – letztlich – unter seiner Anleitung angefertigt wurde.

405Vgl. M. Rohkrämer: „Fritz Lieb 1933–1939. Entlassung – Emigration – Kirchenkampf – Antifaschismus“, in: L. Siegele-Wenschkewitz und C. Nicolaisen (Hrsg.): Theologische Fakultäten im Nationalsozialismus. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1993 (AKZG B 18), 187.

406UB Basel, Nachlass Fritz Lieb (NL 43). – Ein Hinweis auf dieses Schreiben fehlt allerdings bei M. Rohkrämer: „Fritz Lieb…“ [wie oben], 189, der drei Schreiber, darunter Rudolf Bultmann, mit kurzen Zitaten anführt.

407Vgl. J. Henninger: „Paul Leser (1899–1984)“, in: Anthr. 81 (1986), 261–263.

408Vgl. R. Keller und K. Paffen: „Aus der Geschichte…“ [wie oben], 17.

409R. Keller und K. Paffen: „Aus der Geschichte…“ [wie oben], 25.

410Vgl. I. Wolf: Kein Wort zu viel. Ein Journalistenleben zwischen Bonn und Niederrhein. Köln: Avlos 2000, 96. – A.a.O., 95 war „[Paul] Clemens bescheidener Bruder Karl [sic], Professor der evangelischen Theologie [sic]“, eingeführt worden.

Details

Seiten
594
ISBN (PDF)
9783631847015
ISBN (ePUB)
9783631847022
ISBN (MOBI)
9783631847039
ISBN (Buch)
9783631846032
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Mai)
Schlagworte
Wissenschaftsgeschichte Religionswissenschaft Nationalsozialismus Historismus Religionsphänomenologie
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2021. 594 S.

Biographische Angaben

Ulrich Vollmer (Autor)

Ulrich Vollmer wechselte nach einer Tätigkeit im Schuldienst 1984 an die Universität Bonn. Hier war er zunächst Wissenschaftlicher Angestellter im Religionswissenschaftlichen Seminar und von 2005 an Kustos des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften. Seit 2013 ist er im Ruhestand.

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Titel: Carl Clemen und die Religionsgeschichte