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Transformation und Ambivalenz. Steht die Welt vor dem Kollaps?

Kurskorrektur oder Klimakatastrophe. Mit einem Vorwort von Ernst Ulrich von Weizsäcker

von Werner Mittelstaedt (Autor:in)
©2023 Monographie 180 Seiten

Zusammenfassung

Die Welt benötigt dringend tiefgreifende Transformationen für Klimaschutz und
Nachhaltigkeit. Doch Ambivalenzen in Politik, Wirtschaft und Bevölkerung verzögern
und verhindern deren Umsetzung. Warum existieren diese Ambivalenzen?
Können sie überwunden werden? Steht die Welt wegen der unterlassenen Transformationen
in wenigen Jahrzehnten vor dem Kollaps? Welche Folgen hat der russische
Angriffskrieg auf die Ukraine für den globalen Klimaschutz?
Dieses Buch analysiert vielschichtig die Aktivitäten für Energiewende, Klimaschutz
und Nachhaltigkeit in Deutschland und weltweit. Es skizziert ein neues Fortschritts-
Narrativ, liefert konkrete Lösungsvorschläge und 95 Zukunftsbilder, um die
Klimakrise erfolgreich zu bewältigen und wirkliche Nachhaltigkeit zu realisieren.
Ernst Ulrich von Weizsäcker über dieses Buch:
»Kurskorrektur oder Klimakatastrophe« ist der aufrüttelnde Untertitel dieses höchst
beachtlichen Buches von Werner Mittelstaedt. Für die Kurskorrektur liefert es Aufklärung
und vertiefendes Wissen mit Lösungsvorschlägen für mehr Klimaschutz und
Nachhaltigkeit.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort von Ernst Ulrich von Weizsäcker
  • Vorbemerkung
  • Transformation und Ambivalenz – Einleitung und erste Feststellungen
  • Wir befinden uns im Teufelskreis der Klimakrise
  • Klimakrise oder schon Klimakatastrophe?
  • Das verbleibende CO2-Budget
  • Wahrscheinlich steigende anstatt sinkender CO2-Emissionen
  • Die CO2-Uhr läuft ab
  • Wir sind Kinder unserer Zeit
  • Sind wir bewusst ambivalent oder können wir nicht anders?
  • Das neue politische Versprechen
  • Die Marginalisierung des Massenaussterbens und ein Signal der Hoffnung
  • Große und kleine »Stellschrauben« für biologische Vielfalt und Klimaschutz
  • Das drohende Wachstumsdilemma
  • Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die Folgen
  • Atomwaffen töten, auch wenn sie nicht eingesetzt werden
  • Auf den Kopf gestellt
  • Die schwierige Neuausrichtung der Energiewende in Deutschland und fragmentarische Aspekte von Klimaschutzmaßnahmen in anderen Ländern
  • Acht zukunftsgefährdende Megatrends und die daraus resultierenden Transformationen
  • Lebensqualität und Lebensstandard
  • Die allgemeine Lebensqualität droht weltweit zu sinken
  • Der weltweit ungerecht verteilte Lebensstandard und der gewaltige CO2-Fußabdruck der Reichen
  • Lebensqualität und Lebensstandard müssen sich am Klimaschutz und der nachhaltigen Entwicklung orientieren
  • Wünschenswerte Zukunfts- und Transformationsbilder in 95 Thesen
  • Vorbemerkung
  • Wesentliche nicht nachhaltige Realitäten des Anthropozäns
  • Zukunfts- und Transformationsbilder für eine gerechte und nachhaltige Weltgesellschaft
  • Danksagung
  • Anmerkungen
  • Literaturnachweise
  • Personen- und Sachregister

Vorwort von Ernst Ulrich von Weizsäcker

Weiter so bedeutet Kollaps. Das ist die schlimme, aber realitätsnahe Aussage dieses Buches. Die gute Aussage könnte lauten: Die richtige Transformation verhindert den Kollaps.

Aber wie sieht die richtige Transformation aus? Mit 95 Thesen am Schluss bietet der Autor 95 kühne Gegenüberstellungen für die große Transformation. Ein Beispiel ist die Gegenüberstellung des heutigen »Egoistischen Individualismus« mit einem noch zu erfindenden »Kooperativen Individualismus«. Der weltweite egoistische Individualismus führt zum Kollaps, der kooperative Individualismus sucht nach Lösungen, die Vielen oder Allen helfen.

Zweites Beispiel: »Nation« gegen »Erde«. Im Herzen sind wir fast alle Nationalisten. Über Jahrhunderte haben wir gelernt, das eigene Land zu lieben und die Nachbarn zu verachten oder zu erobern. Hunderte von Kriegen waren die Folge. Wir müssen lernen, zu kooperieren, am besten so, dass es dem Planeten Erde nützt.

Gewiss ist das idealistisch formuliert und stark vereinfacht. Aber wenn man alle 95 Vergleiche hinzuzieht, wird es langsam plausibel. Ein drittes Beispiel heißt nämlich »Weit verbreitetes Konkurrenzdenken« gegen »Wahrnehmung von Eigeninteressen in Einklang mit den Gesamtinteressen«. Das übliche pure Konkurrenzdenken lebt ja davon, dass die Konkurrenten die Verlierer sind. Bloß ist die Wahrnehmung von Eigeninteressen im Einklang mit den Gesamtinteressen noch nicht wirklich erfunden.

Die 95 Thesen schockieren. In den letzten Jahrtausenden und Jahrhunderten galten sie auch noch gar nicht. Es gab viel weniger Menschen auf dem Planeten, und deren Überleben war kärglich und schadete der Natur und dem Klima kaum. Aber 8 Milliarden Menschen mit gnadenlosem Egoismus und scharfer Konkurrenz und permanentem Wachstum ruinieren den Plane-ten. Wenn wir nicht kräftig umsteuern.

Da kommt das zweite Titelwort zur Ehre: die Ambivalenz. Die Nationen Europas und weltweit lebten ständig mit Wider-sprüchen, mit Ambivalenz-Konflikten. Aber gerade Europa hat der Welt vor siebzig Jahren vorgeführt, dass Länder, die sich über Jahrhunderte bekriegten, auf einmal die Gemeinsamkeit pflegten und Teile ihrer Autonomie auf die gemeinsame Europäische Gemeinschaft übertrugen. Das nützte den Nationen und der Gemeinschaft.

Die Herausforderung der Klimastabilisierung und des Erhalts der großartigen biologischen Vielfalt ist die heutige Aufgabe. Das Buch buchstabiert uns die Fortschritte des Klimaschutzes, aber auch dessen Hürden und Schwierigkeiten. Es geht schließ-lich um weltweite Aufgaben und eben nicht nur um Europa. Und der in Jahrhunderten reich gewordene Norden muss dem größ-tenteils ärmeren Süden helfen, gleichzuziehen, und das ohne großen Schaden für das Klima und die Natur.

Im Kapitel »Wir sind Kinder unserer Zeit« werden Gründe für das ambivalente Verhalten in großen Teilen der Bevölkerungen beschrieben, die sie davon abhalten, mehr für den Klimaschutz zu unternehmen.

Das Kapitel über den kriegerischen Überfall Russlands gegen die Ukraine zeigt, dass und inwiefern das alte nationalistische Denken die Transformation zu einer ökologisch stabilen Welt auf schreckliche Weise torpediert. Aber Lösungen dieser neuen Krise kann man nicht gleich erwarten.

Das Wiedererwachen des militärischen Denkens erweist sich als einer von acht zukunftsgefährdenden Megatrends. Das erfährt man im anschließenden Kapitel. Zu diesen Megatrends gehören natürlich auch der Klimawandel, die massive Ausrottung von Tieren und Pflanzen, der ungebremste Verbrauch von Res-sourcen, die weltweite Bodendegradation, sowie das immer noch anhaltende starke Bevölkerungswachstum! Wir müssen – als Menschheit – mit einem bescheideneren Wohlstand (»Hu-man Development Index«) leben lernen, und wir im Norden müssen Gerechtigkeit gegenüber dem Süden üben und praktizieren. Das Kapitel »Lebensqualität und Lebensstandard« resultiert daher mit der Forderung, dass Lebensqualität und Lebens-standard sich am Klimaschutz und der nachhaltigen Entwick-lung orientieren müssen.

»Kurskorrektur oder Klimakatastrophe« ist der aufrüttelnde Untertitel dieses höchst beachtlichen Buches von Werner Mittelstaedt. Für die Kurskorrektur liefert es Aufklärung und vertiefendes Wissen mit Lösungsvorschlägen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Emmendingen, April 2023

Ernst Ulrich von Weizsäcker

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker ist Naturwissenschaftler (Physiker und Biologe). Ehrenpräsident des Club of Rom (eine Zeit lang Co-Vorsitzender); 1972 nahm er einen Ruf der Universität Essen auf einen Lehrstuhl für Biologie an. 1975 bis 1980 war er Präsident der Universität Kassel. 1981 wechselte er als Direktor an das UNO-Zentrum für Wissenschaft und Technologie in New York, 1984 bis 1991 war er Direktor des Instituts für Europäische Umweltpolitik. 1991 bis 2000 war er Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. 1998 bis 2005 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Von Januar 2006 bis Dezember 2008 war er Dekan der Bren School of Environmental Science & Management an der University of California, Santa Barbara. Seitdem ist er freiberuflich in Emmendingen tätig. 2012 übernahm er eine Honorarprofessur an der Universität Freiburg. Er ist Autor zahl-reicher wegweisender Bücher.

Vorbemerkung

Nicht realisierte, zu schleppend durchgeführte und bewusst verhinderte Transformationen gegen die zunehmende Erderwär-mung und für wirkliche Nachhaltigkeit kennzeichnen in diesem Essay die tiefgreifende Ambivalenz menschlicher Wertorientierungen und Handlungsmuster. Durch sie bleibt es beim Reden und wir kommen nicht zum Handeln. Warum ist das so? Wollen wir diese Ambivalenz durchbrechen und wenn ja, wie? Oder ist die Zukunft Homo sapiens wegen unterlassener Transformationen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in nicht allzu ferner Zukunft gefährdet?

So oder so sind wir durch Transformationen, die wir durchführen oder unterlassen und durch diejenigen, die aus der Klimakrise und weiteren bedrohlichen Entwicklungen resultieren, auf dem Weg in eine andere Zukunft.

Noch haben wir die Wahl, den Transformationsdruck abzumildern, zukünftiges menschliches Leid abzuwenden und wünschenswerte Zukünfte zu gestalten. Allerdings ist das Zeitfenster zum Handeln dabei, sich zu schließen.

Transformation und Ambivalenz – Einleitung und erste Feststellungen

»Der Mensch will immer, daß alles anders wird, und gleichzeitig will er, daß alles beim alten bleibt.«2

Details

Seiten
180
Jahr
2023
ISBN (PDF)
9783631905791
ISBN (ePUB)
9783631905807
ISBN (Paperback)
9783631889787
DOI
10.3726/b21039
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2023 (Juli)
Schlagworte
Klimaschutzmaßnahmen Lebensqualität wirkliche Nachhaltigkeit wünschenswerte Zukunfts- und Transformationsbilder Transformation Massenaussterben Klimakrise Ambivalenz globale Megatrends Energiewende
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2023. 180 S.

Biographische Angaben

Werner Mittelstaedt (Autor:in)

Werner Mittelstaedt, Jahrgang 1954, ist seit den 1970er-Jahren als Zukunftsforscher und Zukunftsphilosoph tätig. Er ist vielfacher Buchautor, Autor von zwei Theaterstücken und Gründer sowie Herausgeber der Zeitschrift BLICKPUNKT ZUKUNFT (seit 1981). In seinen Werken behandelt er Themen wie qualitatives Wachstum, globale Megatrends, Nachhaltigkeit, Anthropozän, Klimawandel, zukunftsfähige Wertorientierungen und vieles mehr. Besuchen Sie seine Website www.werner-mittelstaedt.com.

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