Karl Nauwerck – Ein ‚bekannter patentirter Revolutionär‘, Band 2
Der Privatdozent oder die Verwirklichung der Philosophie als Demokratie (1835-1849), Erster Teil: Der „rücksichtslose Verfechter subversiver Theorien“ (1835-1847)
Summary
Kritisch ausgewertet werden persönliche und literarische Dokumente aus dem privaten Karl-Nauwerck-Familienarchiv (KNFA), die Nauwercks Leben von seiner Jugendzeit bis 1848/49 dokumentieren. Diese Dokumente, ergänzt um Materialien aus öffentlichen Archiven, belegen die politischen, gesellschafts-, kulturgeschichtlichen und privaten Verbindungen der Familie Nauwerck zu bekannten wie auch weniger bekannten Persönlichkeiten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Der erste Band erschien im Jahr 2016.
Die Verzeichnisse der Quellen, Archivalien und Literatur sowie der Forschung, der speziellen Anhänge und die Inhaltsverzeichnisse der folgenden Teilbände sind unter diesen Links einsehbar:
https://supplementaryresources.blob.core.windows.net/20260127-lambrecht/978-3-631-94028-0_Bibliographie_Web_20260127.pdf
https://supplementaryresources.blob.core.windows.net/20260127-lambrecht/978-3-631-94028-0_Exkurs_Web_20260127.pdf
Excerpt
Table Of Contents
- Abdeckung
- Titelblatt
- Copyright-Seite
- Inhalt
- Vorwort
- Danksagungen
- Siglen- und Abkürzungsverzeichnis
- Erster Teil: Der „rücksichtslose Verfechter subversiver Theorien“
- 1.1 Berlin: Ehe und Familie
- 1.2 Habilitation: Der Privatdozent als „patentirter Revolutionär“ an der Berliner Universität und die Verwirklichung der Philosophie als Demokratie
- 1.2.1 Das formelle Habilitationsverfahren
- 1.2.2 Zur Diskussion der beiden Teilhabilitationsschriften
- 1.3 Die Schwerpunkte von Nauwercks Publikationen 1841–1847 im Kontext seiner Verbindungen zu vormärzlichen Oppositionsbewegungen und der politischen Ereignisse: der ‚neue‘ König‚ ‚Doktorklub‘, Junghegelianer, die politischen Dichter usw.
- 1.3.1 Verfassungsfragen: Grundsätzlich und allgemein
- 1.3.2 Verfassungsfragen: Regional
- 1.3.2.1 Vergleiche der Veröffentlichungen zu Herrschafts- und Verfassungsfragen
- 1.3.2.2 Radikalismus und seine Differenzierungen zu Beginn der vormärz-oppositionellen Spaltungen
- 1.3.3 Presse- und Zensurfragen, Freiheit der Meinungen, der Lehre und der Wissenschaft
- 1.3.4 Kirche/Religion/Theologie
- 1.3.5 Eherechtsfragen
- 1.3.6 Zu den Debatten über die rechtliche Gleichstellung der Juden
- 1.3.7 Ökonomisches/Soziologisches
- 1.3.8 Politik/Internationales (Historisches)
- 1.4 Familiäres
- 1.5 Nauwerck als Privatdozent an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin
- 1.5.1 ‚Akademischer‘ Alltag: Doktorklub/Studenten/Kneipengänge/Die sogenannten ‚Freien‘
- 1.5.1.1 Vom ‚Doktorklub‘
- 1.5.1.2 Kneipen/Freie
- 1.5.2 Nauwercks Lehrtätigkeit: Der „patentirte Revolutionär“ an der Berliner Universität
- 1.5.2.1 Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie und Arabistik
- 1.5.2.2 Die Zäsur von 1843/44: Allgemeines zu den „Politischen Vorlesungen“
- 1.5.2.3 Die gedruckte Einleitung: Ueber die Theilnahme am Staate zu seinen Vorlesungen über Geschichte der wichtigsten Systeme der philosophischen Staatslehre
- 1.5.2.4 Die Vorlesungen über Geschichte der philosophischen Staatslehre
- 1.5.2.5 Das Ministerium Eichhorn, das Remunerationsverfahren und Puchtas Einspruch gegen die Benennung Nauwercks
- 1.5.2.6 Der Universitätskrach: Das ministerielle Vorgehen gegen Nauwerck – die ‚dämonischen Kräfte der Subversion‘
- 1.5.2.7 Das Problem der Öffentlichkeit und die Studenten. Der Ärger wegen der ‚Durchstecherei‘ an die Presse und ministerielle Untersuchungen: Meyen, Boeckh
- 1.5.2.8 Weitere ‚dämonische Kräfte‘ (Maercker, Hotho, Vatke und die Benary-Brüder). Nach dem Vorlesungsende: Pressereaktionen und die ‚Gemeinschaft der Ausgeschlossenen‘ (Nauwerck und Hoffmann v. Fallersleben)
- 1.5.2.9 Die Studentenaktionen 1843/44 parallel zum Nauwerck-Fall
- Personenverzeichnis
Vorwort
Als „rücksichtsloser Verfechter subversiver Theorien“ wurde Karl Nauwerck von den damaligen Ministern des Innern, A. H. Graf v. Arnim-Boitzenburg (1803–1868), und des Kultus, J. A. F. Eichhorn (1779–1856), bei ihrem Vorgehen gegen Nauwercks ‚Politische Vorlesung‘ negativ beurteilt. Zwar sollte man vielleicht Ministern nicht grundsätzlich misstrauen, aber bei diesen Exponenten der Politik König Friedrich Wilhelms IV. wussten die Zeitgenossen sehr wohl, was sie unter ‚subversiven Theorien‘ sorgenvoll verstanden hatten, nämlich ‚revolutionäre Umtriebe‘. Negative Kennzeichnungen Nauwercks sind bis in die gegenwärtige Forschung vorherrschend.1 Aber auch die total entgegengesetzte Beurteilung Nauwercks, „ein stiller und fleissiger, aber innerlich conservativer Privatdocent“ (Mackay), ist zu zwei Dritteln bestenfalls auf mangelnde Kenntnis zurückzuführen, die zu beheben ein nicht unerhebliches Motiv des vorliegenden Bandes ist.
Nauwercks hier zu behandelnde Lebensabschnitt von 1835 bis 1849 ist zwar der kürzeste, aber wichtigste seines ganzen Lebens. Denn die Entwicklung seines familiären, politischen, wissenschaftlichen wie allgemein literarischen Wirkens in dieser Phase – sie umfasst das reichhaltigste und größte Quantum seines ganzen Schaffens – brachte Nauwerck das generationsspezifische Charakteristikum eines ‚48ers‘ ein.
Dieser zweite Band ist allerdings noch weniger als der vorangegangene eine biographische Darstellung, sondern eher eine Dokumentation der bisher gefundenen einschlägigen Quellen für eine Biographie: eine Dokumentation von Archivalien – in Sonderheit natürlich derjenigen aus dem Karl-Nauwerck-Familienarchiv (KNFA) – und von den in der Forschung weitestgehend nicht behandelten Publikationen Nauwercks sowie seiner zeitgenössischen Beziehungen und Verbindungen (personell und/oder ideengeschichtlich) und aller ihrer gedruckten Quellen. Für eine eigentliche Biographie gibt es eine Reihe sowohl theoretischer und methodischer Erwägungen wie auch von Fähigkeiten für die praktische Umsetzung. Eine Vorstellung davon gibt M. Heinrich (2018, S. 363–372), die er in seiner Marx-Biographie mit der Frage „Wie ist biographisches Schreiben heute möglich?“ und Reflexionen zur „Kritik der traditionellen Biographik“ und zur „Debatte um eine ‚neue Biographik“ diskutiert. Sein Postulat „einer genauen Arbeit mit den Quellen“ (ebd., S. 381) halte ich für einen der gewichtigsten Aspekte einer gelungenen Biographie. Eine solche beschränkt sich nicht auf die bloße Reproduktion vorheriger Forschung, sondern sucht selber nach originalen Quellen, arbeitet diese aus und präsentiert sie, was selbst bei Historikern nicht immer selbstverständlich ist. Diese „historische Genauigkeit“ ist im Fall von Marx natürlich angesichts der zumeist wilden biographischen Spekulationen von Freunden und ganz besonders von den Feinden fundamental. Sie gilt aber auch generell. Da aber der überwiegende Teil der Nauwerck’schen Publikationen bis hinein in die Spezialforschungen bisher höchstens in Einzelfällen berücksichtigt wurde, ist hier eine möglichst ausführliche Wiedergabe bis hin zur ausgiebigen Zitation notwendig als Vorbereitung für eine spätere Biographie, wie ich sie mir wenigstens auch für Karl Nauwerck wünschen würde, die schriftstellerisch kompetenteren Kolleginnen und Kollegen vorbehalten sein mag.
Meine Dokumentation beabsichtigt jedoch nicht nur, Nauwercks Schriften einfach bekannt zu machen, also nur einmal wieder eine der unendlichen Lücken unserer Kenntnisse zu schließen (denn es müsste ja irgendein spezielles Interesse für eine solche Kenntnisnahme vorliegen). Wollte man aber ein mögliches und ursprünglich angestrebtes biographisches Vorbild und werkhistorisches Muster verwirklichen, wie es etwa mit der Studie von Cornus Karl Marx und Friedrich Engels – Leben und Werk vorliegt, müssen nach den heute selbstverständlichen Standards bei der inhaltlichen Diskussion der Quellen ihre jeweiligen historisch-politischen Kontexte eingebracht werden. Das aber ist bei der herrschenden Unkenntnis von Nauwercks Arbeiten und ihren Quellen nicht möglich. Und eine selektive Darstellung und punktuelle Diskussion erscheinen nicht geeignet. Denn sie setzen ein wertendes Interesse voraus, das nicht das des vereinzelten Biographen sein sollte, sondern sich aus einer vorherrschenden scientific community ergeben müsste, die aber bislang den wirklich demokratischen Perspektiven der Märzrevolution nicht zugeneigt scheint. D. h.: Es geht zwar durchaus um eine „Werkanalyse“, die mangelhafte Kenntnisse à la Wende 1975 korrigieren sollte. Darüber hinaus müssen aber, um eine wirkliche „Kombination von Biografie und Werkanalyse“ (Reinalter 2020, S. 6) zu erreichen, archivalische Recherchen angestellt, vor allem repräsentativ veröffentlicht und nicht nur nominell in der Bibliographie genannt werden. Eine derartige Kombination aber ist mein persönliches Anliegen, wie ich es Nauwercks Nachfahren und Nachlasserben versprochen habe.
Diese Dokumentation soll ein kleiner Beitrag zu einem zeitlosen Projekt sein, mit dem S. Zweig seinen Buchmendel (1929) enden ließ: Man sollte wissen, „dass man Bücher nur schafft, um über den eigenen Atem hinaus sich Menschen zu verbinden und sich so zu verteidigen gegen den unerbittlichen Widerpart alles Lebens: Vergänglichkeit und Vergessensein.“ Bei dieser Dokumentation geht es in erster Linie darum, dem in den politischen Strukturen der herrschenden Forschung angelegten Vergessensein Nauwercks zu begegnen. Denn eine „Vergänglichkeit“ des Nauwerck’schen Wirkens, seiner thematischen Schwerpunkte und demokratischen Positionen ist (leider) nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Nauwerck ist ein wirklicher und mutiger „Wegbereiter [nicht nur] der deutschen Demokratie“, der „für unser Land“ im Verein mit ganz wenigen wie J. Jacoby oder M. F. Annecke viel wichtiger gewesen wäre als die meisten Vertreter/innen des Sammelsuriums eines entsprechenden Sammelbandes zur 1848er Revolution (Steinmeier 2021), in dem das Vorbild Nauwerck typischerweise für die augenblickliche Politik leider fehlt.
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Was nun den wissenschaftlichen ‚Diskurs‘ angeht, ist dieser zweite Band wie gesagt längst nicht so biographisch-‚ausschweifend‘ wie der erste. Ich beschränke mich strickt darauf, Nauwercks Schriften zu dokumentieren: neben Theoretischem vor allen Dingen ‚Politisch-Praktisches‘ und meist tagespolitisch Journalistisches. Von der Unmenge der Forschungsbeiträge zum Vormärz und der Revolution von 1848/49 ist weitestgehend abzusehen. Denn diese Phasen gehören zu den in der (insbesondere deutschsprachigen) Forschung wohl mit am meisten analysierten Abschnitten der jüngeren deutschen Geschichte. Und das gilt nicht nur generell und übersichtsmäßig, sondern so gut wie für alle interessierenden Aspekte von den individuellen Biographien über die Politik-, Gesellschafts-, Ökonomie- und Kulturgeschichte bis hin zu deren allgemeinen wie spezifischen Strukturen.
In diese Forschungsdiskussion kann ich mich also nicht einmischen und will es nicht, weil ich mit diesem Band endlich fertig werden muss. Seine Verspätung nach meinem ersten Band (2015) war meiner Suche nach neuen, in der zuständigen Forschung noch unbekannten oder kaum berücksichtigten Quellen geschuldet. Das gilt natürlich in der Hauptsache allen ca. 8.600 Dokumenten (davon ca. 500 Briefe und rund 2.355 Seiten seiner Aphorismen-Sammlungen) aus dem in Privatbesitz befindlichen literarischen Nachlass von Ludwig und Karl Nauwerck und weiteren Familienmitgliedern. Die Eigentümerfamilien dieses Nachlasses haben mir die Sichtung und archivalisch-technisch geeignete Verwahrung sowie Auswertung dieser Quellen übertragen, wozu ich das Karl Nauwerck Familienarchiv (KNFA) eingerichtet habe. Darüber hinaus mussten auch öffentlich zugänglichen Archivalien zur biographischen Absicherung und Ergänzung der Briefschreiber an die Nauwercks sowie der institutionellen Dokumente kontaktiert werden. Und ich muss alle diese Arbeiten alleine machen, da mir keine institutionelle Hilfe universitärer Mitarbeitender, keine finanzielle Unterstützung privater Stiftungen und keine öffentliche Förderung durch die DFG o. Ä. zur Verfügung stehen. Zudem hatte mich der Verlust von drei meiner vertrautesten Menschen, zweier meiner Freunde und Kollegen verhindert. Dadurch fehlten mir insbesondere im wissenschaftlichen Bereich auch Kritik und konstruktive Anregungen.
Mit solcherart weitläufigen Quellenrecherchen und Auswertungen ist dieser zweite Band auf drei Teile angewachsenen, womit ich offenbar meine Kräfte überschätzt hatte. Das gilt vor allem auch der von mir beabsichtigten vollständigen Herausgabe aller Teile meines zweiten Bandes, da mir allein der erste Teil nicht ohne die dort angegebenen bibliographischen Nachweise und Anhänge, die für den dritten Teil vorgesehen sind, möglich schien. Dass ich hiermit diesen ersten Teil gleichwohl herausgeben kann, ermöglichen die modernen Kommunikations- und Editionsmedien. Denn sowohl die Verzeichnisse der Quellen, der Archivalien und Literatur wie der Forschung, der speziellen Anhänge sowie der Inhaltsverzeichnisse der folgenden Teil-Bände können bereits vor dem endgültigen Druck vorläufig auf der Verlags-Website ediert eingesehen werden:
https://www.peterlang.com/document/1576053
Hinsichtlich des KNFA sind hier als Erstes wesentliche Nachträge zum ersten Band zu machen und dann allgemeinere Informationen am Platze.
Der wichtigste Fund betrifft die leibliche Mutter von Karl Nauwerck, deren urkundliche Daten seit fast zwanzigerjähriger Suche bis zur Drucklegung des ersten Bandes einfach nicht gefunden werden konnten. Im Dezember 2016 war der höchst dankenswerte Genealoge Karl-Heinz Schröder († 2023) durch „Zufall“, wie er schrieb, auf die Geburts- Sterbedaten gestoßen. Ich schulde ihm großen Dank.
Die Lebensdaten von Karl Nauwercks leiblicher Mutter sind also: Margaretha Maria Dorothea Zinck: 11.02.1789–12.01.1846.2
Als nächste, äußerst wichtige Ergänzung ist jetzt die Auffindung des originalen dritten Briefes Goethes v. 10.08.1811 an Ludwig Nauwerck aus der Sammlung Heitger im KNFA anzuzeigen, dessen Konzept ich im ersten Band (Lambrecht 2015, S. 119) zitierte:
Die Scene in Auerbachs Keller ist bey mir glücklich angekommen, u ich habe sie zu den übrigen Zeichnungen hinzugefügt, an die sie sich sowohl in Erfindung als Ausführung recht gut anschließt. Die Erbprinzeß von Mecklenburg-Schwerin, geborne Prinzeß von Weimar, hat durch hiesige Freunde davon gehört, u als man ihr zugleich meldete, daß diese Blätter verkäuflich seyen, sie zu besitzen verlangt. Ich habe daher alle sieben zusammengepackt u abgesendet. Das Stück habe ich zu 25 Thaler Sächsisch angeschlagen, welches, wenn ich mich recht erinnere, mit Ihrer Forderung übereintrifft: denn Ihre Briefe habe ich gerade nicht bey der Hand. Es wird Ihnen gewiß angenehm seyn, diese Blätter in den Händen Ihrer Fürstinn zu wissen. Sie verschaffen Ihnen wohl Gelegenheit dieser vortrefflichen Dame einmal aufzuwarten. Ich wünsche recht wohl zu leben, u ersuche Sie, mir gelegentlich von sich einige Nachricht zu ertheilen Ew Wohlgebℓ Weimar 10 August ergebenster Diener 1811 JWvg (Transkription: H. Canal). Erscheint in: Johann Wolfgang Goethe: Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. In Verbindung mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar/Goethe- und Schiller-Archiv hg. v. F. v. Ammon/J. Eckle/Y. Pietsch/E. Richter, Bd. 19 (1810–1811), hg. v. H. Canal, Berlin, voraussichtlich 2028.
Ein dritter Nachtrag betrifft die Dissertation von Karl Nauwerck nachzutragen, bei der es sich nun nicht mehr nur um das in Halle zur Promotion abgegebene und in meinem ersten Band benutzte Exemplar handelt, sondern um eine jetzt erst von den Eigentümern des schriftlichen Nachlasses aufgefundene akribische Zweitschrift im KNFA. Diese Zweitschrift enthält einen alternativen Titel und ein Scholion. Der Titel des in Halle abgegebenen Exemplars lautete: Dissertation philosophico-historica. #De progressibus generis humani; als Titel-Variante ist in der Zweitfassung angegeben: „# o. de progressum generis humani criteriis, statu hodienno et probatiti ratione futura“, was zwar umständlicher klingt, aber in Teilaspekten den Inhalt der Dissertation genauer bestimmt.
Auf der Seite 52 befindet sich am Rande ein mit Bleistift handschriftlich verfasstes Scholion: „Equidem Asiae|populos vitam ad phy-|siios potissimam fi-|nes intentam degisse| contendere non aude-|rem, utpote quod satis | notum sit, inter cae-|teros, praesertim Indos|pariter in profundissi|mo sapientientiae|abyssos sese immer-|sisse ac andicissi-|mo et quasi, ut nobis| sub frigidione coelo |natis videtur, nimis| ferrido et infrenato |ingenio tracti, allissi-|ma poesis cacumina petiisse.“
***
Einige Erläuterungen noch zu Formalia: Da ich in diesem Band versuchte, die Inhalte von Nauwercks Publikationen möglichst breit wiederzugeben, werden die Seitenangaben zu den Zusammenfassungen und direkten Zitaten jeweils nicht selten im Text angegeben. Sie erfolgen i. d. R. nach dem ersten bibliographischen Beleg mit dem Hinweis („worauf sich auch die folgenden Seitenzahlen im Text beziehen“ u. Ä.), um eine unnötige Vervielfältigung der Belege oder aber auch um eine Vergrößerung des Fußnotenapparats mit Verweisen wie „ebd.“ u. Ä. zu vermeiden.
Es gibt – stets in unmittelbarer Beziehung zu den Nauwerck’schen Publikationen, seinen Rezensionen und seinem gesamten Wirken – spezielle ‚Neben’- oder Kontextrecherchen zu Persönlichkeiten und ihren Veröffentlichungen, die ein ganz spezielles Licht auf Nauwerck werfen, detailliertere Erkenntnisse über ihn ermöglichen und hier in speziellen Exkursen aufgeführt sind (wie z. B. zu Driesen, Collmann, Louis Simon, Büttner, Lorentzen, Benfey, König, Bernays, Friedländer, Gregorovius, Heinzen und zuletzt jetzt umfangreicher zu führenden Personen in der Bernburger Verfassungsentwicklung und dem ‚Bürgermord‘ von 1849, wie u. a. zu A. Zeising und A. v. Gloß u. Ä.). Diese Erkundungen, die in der bisherigen Forschung nur unzulänglich oder meist gar nicht erhoben wurden und nicht einmal namentlich in den üblichen Wald- und Wiesen-Veröffentlichungen zu den Junghegelianern bekannt sind, können natürlich eine einschlägige Forschung nicht ersetzen, sondern sind immer nur partiell und bestenfalls als Anregungen für anschließende Recherchen zu verstehen. Dasselbe Exkursverfahren gilt auch für spezielle thematisch-inhaltliche Details, die hier nicht allgemein räsonierend, sondern auf Basis besonderer Literaturquellen der Nauwerck’schen und zeitgenössischen Veröffentlichungen auszuführen waren, wie zur Welcker-‚Serenade‘, zu Nauwercks Berliner Zeitblatt, Nauwercks LZ-Analyse, Staat und Religion, Varnhagens Eichhorn-Kritik, zur Verbindung von Nauwerck und Hoffmann von Fallersleben, Nauwercks Artikel in der Mannheimer Abendzeitung, zu den ‚Staat als Organismus‘-Vorstellungen, Bauers Vollständige Geschichte, zum bereits erwähnten Bernburger Bürgermord und zur ‚demokratischen Monarchie‘. Alles dies dient dazu, den Lesefluss des Haupttextes nicht weiter zu unterbrechen und durch überlangen Anmerkungsapparat noch unleserlicher zu machen.
Nach Beschluss aller Mitglieder der Eigentümerfamilien konnte vereinbart werden, das KNFA möglichst mit allen seinen Teilsammlungen zusammenzuführen, die im letzten Jahrhundert auf die verschiedenen Nachkommen verteilt und zersplittert waren. Nach Vorgesprächen mit den allein in Frage kommenden öffentlichen Institutionen in Berlin und Frankfurt/M. konnte die archivalisch und wissenschaftlich professionelle Aufbereitung, Betreuung und öffentliche Bereitstellung der Depositen mangels Personals nicht garantieren werden – ein bedenkliches Zeichen für das Interesse an der deutschen Demokratie und ihrer Geschichte. Deshalb ist es zu erhoffen, dass sich das historische Exil Karl Nauwercks in Zürich auch für seinen literarischen Nachlass wiederholen möge.
Danksagungen
Konrad Feilchenfeldt gilt mein großer Dank nicht nur, dass er wieder der Aufnahme dieser Bände in unsere FzJ zustimmte, sondern vor allem für eine Unmenge inhaltlicher Anregungen und Hilfen. Dank gebührt wieder Horst Gundlach, der auch die abgelegensten und seltensten Texte finden und mir fernleihend zur Verfügung stellen konnte. Bodo Morawe hat mir sehr geholfen mit seinen Schriften zum Republikanismus und seiner Hilfe bei der Suche nach Vergleichszitaten bei Heine u. a. Bei den vielfältigen Überschneidungen mit literatur- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen erhielt ich Unterstützung von Olaf Briese. Bernhild Vögel verdanke ich wertvolle Hinweise zu W. Lüders und den Gutzkow- und Rutenberg-Archivalien im StAH. Zu außerordentlichem Dank bin ich Frau M. A. Henrike Sander (Vechta) für die Lektoratsarbeiten sowie Frau MA. Sabine Lenthe (Bremen) für ihre Hilfen bei der Transkription der Briefe an Nauwerck verpflichtet. Ein herausragender Dank gilt Joke Lambrecht, der mich neben seinen Hilfen bei PC- und Layout-Problemen, ohne deren Lösung ich nicht vorangekommen wäre, bei einer ganzen Reihe intellektueller Probleme unterstützte, historische Ereignisse für unsere Gegenwart verstehbar zu machen.
Die vorliegenden Forschungen wären nicht zustande gekommen ohne den großen Sachverstand und die besonders anerkennenswerte Hilfe seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der konsultierten Bibliotheken und Archive: Mein Dank gilt C. Albers (Berlin), H. Bähr (Wien), J. Baster (Kraków), A. Boeck (Dessau), K. Bötticher (Berlin), S. Borchert (Marbach) T. Breitfeld (Berlin), C. Brenk (Bernburg), R. Elhs (Rostock), I. Friedl (München), S. Gerber (Jena), A. Goerig (Berlin), A. Handschuck (Göttingen), A. Herter (Halle), P. Hesse (Leipzig), K. Huser (Zürich), G. Kaiser (Berlin), K. Keller (Halle), E. Kool (Amsterdam), B. Koschlig (Hamburg), D. Lämmerhirt (Leipzig), M. Manke (Schwerin), C. Mokroß (Berlin), B. Niebling (München), A. Pawliczek (Berlin), J. Ratjen (Schleswig), B. Reeg-Lumma (Darmstadt), G. Reinhold (Dresden), S. Rübisch (Berlin), J. Schöffel (Berlin), M. Schelter (Berlin), D. Seemel (Berlin), S. Simons (Berlin), B. Slenzka (Marbach), B. Straubel (Hamburg), F. Teske (Mainz), S. Töppe (Hamburg), S. Tolksdorf (Berlin), U. Wallmeier (Potsdam), D. Weck (Trier), K. Weil (Schwerin), A. Wolff (Berlin), S. Zinke (Heidelberg).
Details
- Pages
- XXIV, 530
- Publication Year
- 2026
- ISBN (PDF)
- 9783631940297
- ISBN (ePUB)
- 9783631940303
- ISBN (Hardcover)
- 9783631940280
- DOI
- 10.3726/b23217
- Language
- German
- Publication date
- 2026 (March)
- Keywords
- Karl Nauwerck Märzrevolution 1848/49 Demokratische Bewegung Deutsche Nationalbewegung Nachlässe
- Published
- Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. xxiv, 530 S., 3 Tab.
- Product Safety
- Peter Lang Group AG