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«Das finde ich etwas (.) ja schon etwas sehr Spezielles, auch sehr persönlich.»

Narrative Intimität in öffentlicher Selbstthematisierung

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Marianne Bosshard

Intime Öffentlichkeiten prägen unseren Alltag. Sei es in sozialen Netzwerken, in Radio und Fernsehen oder in Buchform: Das zuweilen sehr persönliche Erzählen aus dem eigenen Leben ist populär. Doch wie kommt hierbei Intimität zustande? Exemplarisch an drei Erzählformaten aus dem Schweizer Radio und Fernsehen zeigt die Studie auf, wie und mit welchen Funktionen Intimität in der Interaktion kommunikativ angezeigt bzw. hergestellt wird. Der Fokus liegt dabei auf ihrer narrativen Durchformung, zu der ein Mix an Erzählmustern ebenso zählt wie ein grundsätzliches Spiel mit Sichtbarkeiten. Kulturwissenschaftlich eingebettet, leistet die vorliegende Positionierungsanalyse von Selbstthematisierungen in öffentlich-medialen Kontexten einen Beitrag zur Debatte um Privatheit und Öffentlichkeit und bietet mit einem narrativen Verständnis von Intimität eine Grundlage für deren Erforschung in weiteren Zusammenhängen.

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1. Einleitung

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Intimität ruft Assoziationen wach. Auf der einen Seite wird sie noch immer als etwas angesehen, das sich dem Blick der vielen entzieht. Sie ist höchstprivat. Man rechnet sie dem Nichtöffentlichen, ja Tabuisierten zu und verbindet sie klassisch mit Zweierbeziehungen. Auf der anderen Seite ist das Schlagwort der Intimisierung des öffentlichen Raumes häufig zu hören. Von intimen Inhalten ist die Rede, die früher unter vier Augen geblieben sind, heutzutage hingegen breit kundgetan werden. Die Vorstellung, sie liesse sich nicht ausdifferenzieren, als gäbe es nur die eine Intimität, nicht Intimitäten, ist dabei auch heute noch wirkungsmächtig und lässt sich beispielsweise daran erkennen, dass vielfach von der echten oder der sekundären Intimität gesprochen oder sogar auf Anführungszeichen zurückgegriffen wird. Jedoch haben sich im Zuge des Strukturwandels öffentlicher und privater Kommunikation längst alternative, auch intime Öffentlichkeiten, sogenannte intimate publics, herausgebildet, die Intimität als dispers und kontextvariant hervortreten lassen – auch, was ihre Funktion anbetrifft. Sie alle führen dabei aber eine Gemeinsamkeit mit sich: Intimität wird stets über ein situationsspezifisches, facettenreiches Arrangement narrativer Formen konstruiert.

Das Zusammenspiel von Narration und Intimität soll hier deshalb ganz im Fokus stehen. Dies mit dem Ziel, den narrativen Unterbau von Intimität herauszuschälen und damit eine Grundlage für die generelle Erforschung intimer Öffentlichkeiten zu schaffen. Folgende Fragestellungen sind dafür massgebend: Wie wird Intimität via Erzählen hergestellt? Inwiefern lässt sie sich...

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