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Helvetische Merkwürdigkeiten

Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert

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Edgar Bierende, Sibylle Hoiman, Anna Minta and Matthias Noell

Dieser Band versammelt die Beiträge der Tagung «Helvetische Merkwürdigkeiten. Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert». Im Zentrum der Beiträge stehen bildliche und narrative Entwürfe, die von jeher das Bild der Schweiz prägten. Diese Entwürfe, so genannte helvetische ‘Merkwürdigkeiten’, werden aus Sicht der Kunst- und Kulturgeschichte vorgestellt und untersucht. Viele der Bilder und Texte avancierten in der Eigen- wie auch in der Fremdwahrnehmung zu Trägern einer nationalen Identität: Sie wurden zum kulturellen Erbe der Eidgenossenschaft stilisiert und darüber hinaus zu Idealen der westlichen Welt verklärt. Das Spektrum der unterschiedlichen Vorstellungs- und Bildwelten umfasst verschiedene Kunstgattungen, darunter Architektur, Malerei, Grafik, Gartenkunst, Flachschnitzerei und Glasmalerei. In den Beiträgen werden die Artefakte und Phänomene bezüglich ihrer Konstruktionen hinterfragt und unter verschiedenen Aspekten – etwa im Kontext von Erinnerungskulturen, Identitätskonstruktionen, Historiografien, Inventarisierungen, Sammlungspolitik, Ausstellungskonzeptionen und Denkmalinszenierungen – diskutiert. Ziel dieser Untersuchungen ist es, Strukturen und Strategien offen zu legen, die seit dem 18. Jahrhundert zu den vermeintlich authentischen, typischen und letztlich nationalen Bildwelten der Schweiz führten.

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EDGAR BIERENDE Merkwürdige Bilder und Geschichten: Nikolaus von Flüe in der Rezeption des 18. Jahrhunderts 209

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Merkwürdige Bilder und Geschichten: Nikolaus von Flüe in der Rezeption des 18. Jahrhunderts Edgar Bierende Einleitung Nikolaus von Flüe (1417–1487), auch bekannt unter dem Namen Bruder Klaus, lebte als Eremit im Kanton Obwalden, in einer kleinen Kapelle der Ranftschlucht, wo er 1487 starb. Die volkstümliche Verehrung setzte bereits zu seinen Lebzeiten ein und mündete schliesslich nach mehreren Bemühun- gen 1669 in seine Seligsprechung durch die römisch-katholische Kirche.1 Mit diesem Schritt zeichnete Rom Bruder Klaus nicht nur in besonderer Weise aus, sondern vereinnahmte ihn zugleich für die katholische Seite. Die- ser kirchliche Rechtsakt des Heiligen Stuhls in Rom muss vor dem Hinter- grund einer zugespitzten konfessionellen Lage in der Schweiz gesehen wer- den. Der „Erste Villmergerkrieg“ von 1656, in dem die reformierten Städte Bern und Zürich in den Kampf gegen die katholischen Orte der Innerschweiz zogen, endete mit dem Sieg des katholischen Lagers, wodurch die Vormacht- stellung der Altgläubigen in der Eidgenossenschaft zunächst besiegelt war. Im Nachklang zum Konfessionskrieg dürfte die Seligsprechung von Bruder Klaus aus katholischer Sicht wie ein zweiter Sieg empfunden worden sein. Die konfessionelle Polarisierung in der Eidgenossenschaft während des 16. und 17. Jahrhunderts wirkte bis ins beginnende 18. Jahrhunderts hinein, 1 O. A., Art. Nikolaus (Niklaus) von der Flüe (Bruder Klaus), in: Wolfgang Braunfels (Hg.), Lexikon der christlichen Ikonographie, 8 Bde., Freiburg i. Br. u. a. 1976, hier Bd. 8, Sp. 45; Hiltgart L. Keller, Reclams Lexikon der Heiligen und der...

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