Show Less

Helvetische Merkwürdigkeiten

Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert

Series:

Edgar Bierende, Sibylle Hoiman, Anna Minta and Matthias Noell

Dieser Band versammelt die Beiträge der Tagung «Helvetische Merkwürdigkeiten. Wahrnehmung und Darstellung der Schweiz in der Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert». Im Zentrum der Beiträge stehen bildliche und narrative Entwürfe, die von jeher das Bild der Schweiz prägten. Diese Entwürfe, so genannte helvetische ‘Merkwürdigkeiten’, werden aus Sicht der Kunst- und Kulturgeschichte vorgestellt und untersucht. Viele der Bilder und Texte avancierten in der Eigen- wie auch in der Fremdwahrnehmung zu Trägern einer nationalen Identität: Sie wurden zum kulturellen Erbe der Eidgenossenschaft stilisiert und darüber hinaus zu Idealen der westlichen Welt verklärt. Das Spektrum der unterschiedlichen Vorstellungs- und Bildwelten umfasst verschiedene Kunstgattungen, darunter Architektur, Malerei, Grafik, Gartenkunst, Flachschnitzerei und Glasmalerei. In den Beiträgen werden die Artefakte und Phänomene bezüglich ihrer Konstruktionen hinterfragt und unter verschiedenen Aspekten – etwa im Kontext von Erinnerungskulturen, Identitätskonstruktionen, Historiografien, Inventarisierungen, Sammlungspolitik, Ausstellungskonzeptionen und Denkmalinszenierungen – diskutiert. Ziel dieser Untersuchungen ist es, Strukturen und Strategien offen zu legen, die seit dem 18. Jahrhundert zu den vermeintlich authentischen, typischen und letztlich nationalen Bildwelten der Schweiz führten.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

STEFANIE WYSSENBACH Denkmaldiskussion in der Schweiz. Das Internationale Reformationsdenkmal in Genf, 1909–1917 255

Extract

Denkmaldiskussion in der Schweiz. Das Internationale Reformationsdenkmal in Genf, 1909–1917 Stefanie Wyssenbach Die Idee zum Denkmal Die Geschichte der Reformation in der Schweiz ist mit den Namen gleich mehrerer Reformatoren verbunden. Guillaume Farel, Huldrych Zwingli, Johannes Ökolampad und Jean Calvin sind nur einige Beispiele, wenn auch die wohl bekanntesten. Für einige dieser einflussreichen Reformatoren wurden an unterschiedlichen Orten seit dem 19. Jahrhundert Denkmäler gesetzt. Farel und Zwingli erhielten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun- derts grössere Standbilder in Neuenburg und Zürich sowie Ökolampad in Basel.1 Für den in Genf tätigen Reformator Calvin jedoch gestaltete sich eine Denkmalsetzung nicht zuletzt aufgrund dessen eigener Ablehnung einer Bildverehrung kompliziert. Lediglich ein privater pyramidenartiger Gedenk- stein mit dem Portrait Calvins in einem Medaillon steht seit 1835 an der Rue des Granges in Genf.2 Erst mit dem Internationalen Reformationsdenkmal in Genf, das 1917 eingeweiht wurde, gelang eine öffentliche Ehrung Calvins in Form eines grossangelegten Monuments (Abb. 1). Die Entstehungsge- schichte, die beteiligten Interessensgruppen und vor allem die Gestaltungs- vorstellungen sollen im Folgenden vorgestellt und die Besonderheiten des Denkmals hervorgehoben werden. Der Anstoss für das heutige Denkmal der Reformation in Genf, in dessen Zentrum Calvin steht, erfolgte erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Durch einen anonym publizierten Artikel des Genfer Universitätsprofessors für Kir- chengeschichte Auguste Chantre in der Zeitschrift Progrès religieux tauchte im Sommer 1902 in Genf erstmals öffentlich die Idee auf, zum 400. Geburts- tag von Jean Calvin 1909 ein Monument zu...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.