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Verdis Welten

Neuinterpretation der Werke im Spiegel der Tonarten

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Peter Gisi

Verdi bevorzugt C-Dur häufig für die Maskierten und Demaskierten, A-Dur für Autoritäten und B-Dur für erotische Hochgefühle; er porträtiert die Unschuld gerne in E-Dur und die Auseinandersetzungen von Bass und Baritongestalten in f-Moll/F-Dur. Ausgehend von solchen Auffälligkeiten, führt Peter Gisi die Leserschaft am roten Faden der zwölf Tonartenpaare durch das Gesamtwerk des Komponisten und vermittelt ungewohnte Einsichten in typische Verdi-Themen wie Urangst, Wut, Heimatliebe, Aussenseitertum, Vergänglichkeit, Entrückung. Bis anhin wenig Erforschtes – etwa die Symbolik von Feuer, Wasser, Kerker, Sturm – findet dabei gebührende Beachtung.
Das 2001 bis 2012 entstandene Buch ist eine Hommage zu Verdis 200. Geburtstag. Es kann auch als Opern- und Konzertführer benutzt werden und erweist sich «als wahres Füllhorn für alle ‘Kenner und Liebhaber’, aber auch für den spezialisierten Verdi-Forscher. Unser Wissen um bisher kaum erkannte Zusammenhänge wird durch die vorliegende Untersuchung auf ein völlig neues Niveau gehoben.» (Prof. Dr. Anselm Gerhard).

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Teil VI h-Moll/H-Dur: Gebundene und Entfesselte 411

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411 Teil VI h-Moll/H-Dur: Gebundene und Entfesselte 1. Einleitung: ein „widerwärtiges“, „geächtetes“ Tonartenpaar? H-Dur und h-Moll sind in Verdis erster erfolgreicher Oper Nabucco auffal- lend präsent. Um diese Auffälligkeit gebührend würdigen zu können, scheint ein Exkurs in die eigenartige und wechselhafte Geschichte von h-Moll/H- Dur sinnvoll. Der Exkurs, der den Zeitraum von zirka 1710 bis 1835 umfasst, ist gleichzeitig ein Beleg für die im „Prolog“ (Kapitel 3.1) geäusserte Ansicht, man könne aus Werken unterschiedlicher Epochen und Gegen- den unmöglich eine allgemein gültige Tonartencharakteristik gewinnen. 1713 bezeichnet der Theoretiker Johann Mattheson in seiner Schrift Das Neu-Eröffnete Orchestre H-Dur als „widerwärtig“, „hart“ und „un- angenehm“; h-Moll findet er „bizarr“, „unlustig“ und „melancholisch“, weswegen diese Tonart selten erscheine und von den „Alten aus ihren Clöstern und Zellen so gar verbannet“ gewesen sei.1 Das alles kümmert Johann Sebastian Bach bereits wenige Jahre nach dem Druck von Matthe- sons Werk nicht mehr. Er propagiert die „wohltemperierte“ Stimmung der Instrumente, dank der alle zwölf Dur- und zwölf Molltonarten ein- setzbar werden und liefert dazu mit den 24 Präludien und Fugen für Das wohl temperierte Clavier (1722) eigene Beiträge. Die Herausforderung, Tonarten wie das verfemte h-Moll zu erproben, scheint ihn aber auch sonst gereizt zu haben. In h-Moll stehen mehrere Nummern aus dem Weihnachtsoratorium2 und der Johannes-Passion3. In der Matthäus-Pas- sion ist h-Moll, das sich in Choralabschlüssen zu strahlendem H-Dur auflöst, mit insgesamt...

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