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Geschichte(n) fiktional und faktual

Literarische und diskursive Erinnerungen im 20. und 21. Jahrhundert

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Barbara Beßlich and Ekkehard Felder

Die Beiträge des Bandes gehen auf eine Tagung in Budapest zurück, die im September 2014 stattgefunden hat. Gemeinsames, erkenntnisleitendes Thema ist die Frage nach «Sprachlichen Konstruktionen von Geschichte zwischen Faktualität und Fiktionalität» mit besonderem Blick auf Umbruchs- und Krisenzeiten. Die literaturwissenschaftlichen Beiträge analysieren und interpretieren Texte vom frühen 20. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert, in denen künstlerische, politische, ideologische und gesellschaftliche Krisenzeiten thematisiert werden.
In den linguistischen Beiträgen geht es um gemeinsame Geschichte und ihre Konstruktion im Spiegel von Diskursen. Korpuslinguistische und diskursanalytische Ansätze stehen im Vordergrund. Von besonderer Bedeutung ist in zahlreichen Beiträgen das sogenannte Budapester Korpus. Dabei handelt es sich um ein deutsch-ungarisches thematisches Textkorpus, das im Rahmen einer vom DAAD-geförderten Partnerschaft zwischen Budapest und Heidelberg entstand. Es zeigt die verschiedenen Perspektiven, die in beiden Länder zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte sprachlich konstruiert werden. An diesem Korpus werden diskursanalytische und grammatische Fragestellungen im Sprachvergleich untersucht.
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Herrschaftskrisen in Weltkriegserinnerungen Unzuverlässiges Erzählen und Herausgeberfiktion zwischen Mensch und Tier in Carl Sternheims Libussa (1922)

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Herrschaftskrisen in Weltkriegserinnerungen Unzuverlässiges Erzählen und Herausgeberfiktion zwischen Mensch und Tier in Carl Sternheims Libussa (1922)*

Abstract: In Carl Sternheims 1922 erschienener Erzählung Libussa. Des Kaisers Leibroß wird vergangene Kriegsgeschichte aus der Perspektive eines ausgedienten Pferdes geschildert, das ganz unterschiedliche Herren und politische Systeme vom russischen Zarenreich über England bis zum deutschen Kaiser Wilhelm II. kennengelernt hat. Der Beitrag legt die satirische Struktur des Textes offen und profiliert die historischen und gattungsgeschichtlichen Kontexte. Berücksichtigt werden dabei die Herausgeber-Fiktion und Strukturen unzuverlässigen Erzählens. In der Analyse und Interpretation der Erzählung werden einerseits die Bezüge zur zeitgenössischen, ungemein erfolgreichen Gattung von Pferde-Erzählungen (Leo Tolstoi, Felix Salten) und populärwissenschaftlicher Tierpsychologie herausgearbeitet. Andererseits wird Libussa auch im Horizont literarischer Kriegsverarbeitungen und -deutungen sowie der Bewertung Wilhelms II. als Heerkaiser interpretiert.

Keywords: Carl Sternheim, Felix Salten, Leo Tolstoi, Erster Weltkrieg, Herrscherkritik, Wilhelm II., Unzuverlässiges Erzählen, Historische Tiererzählung, Populärwissenschaft im frühen 20. Jahrhundert, Tierpsychologische Versuche

1933 erschien in Österreich der Roman Florian. Das Pferd des Kaisers. Sein Autor Felix Salten war bereits 1923 mit einer anderen Tiergeschichte, Bambi, hervorgetreten. Aber während das Rehkitz Bambi fernab der Zivilisation im Wald unter seinesgleichen sprechenderweise unterwegs ist, situiert der Roman Florian die Geschichte des Lipizzanerhengstes in einem menschlichen Figurenensemble und verknüpft das Pferdeleben kulturell und politisch verdichtet direkt mit dem Untergang der Habsburgermonarchie. Salten überblendet ← 15 | 16 →gattungs...

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