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Studien zur «Biblia pauperum»

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Hanna Wimmer, Malena Ratzke and Bruno Reudenbach

Die Handschriften der um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstandenen Bibelbearbeitung, die als Biblia pauperum bezeichnet wird, enthalten nicht einen fortlaufenden Text, sondern eine Folge von Bildern alt- und neutestamentlicher Ereignisse, die mit biblischen und exegetischen Texten kombiniert sind. Die «Studien zur Biblia pauperum» befassen sich mit dem allgemeinen Anlagekonzept dieser typologisch angelegten Folge, vor allem aber mit einer Analyse der Seitendispositionen und der damit immer wieder neu organisierten Anordnung von Bildern und Texten sowie mit der exemplarisch an einer Handschrift untersuchten Praxis des Umschreibens und Weiterbearbeitens der Texte. Die damit vorgeführte Vielfalt an Erscheinungsformen und das darin erkennbare kreative Potenzial verbieten es, die Geschichte der Biblia pauperum wie bisher als Abkehr von einem verbindlichen Ursprungskonzept und als Verfallsgeschichte zu lesen. Vielmehr wird in diesen Studien die handschriftliche Überlieferungsgeschichte als ein dynamischer Prozess permanenter Neugestaltung und -interpretation erkennbar.
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Malena Ratzke - Spuren eines produktiven Schreibers in der Münchener Biblia pauperum Clm 28141

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MALENA RATZKE

Spuren eines produktiven Schreibers in der Münchener Biblia pauperum Clm 28141

Die Münchener Handschrift Clm 28141 ist eine in allen Dimensionen der Einrichtung und Ausstattung sorgfältig ausgeführte Biblia pauperum aus dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts.1 Angesichts dieser Sorgfalt mag die Beobachtung erstaunen, dass sich in der gesamten Handschrift Bearbeitungsspuren in den Texten der Tituli, Prophetensprüche und lectiones finden, die von knappen Ergänzungen über Korrekturen einzelner Wörter oder Sätze bis hin zur Streichung und Ersetzung ganzer Passagen reichen. Da die Handschrift zum Zeitpunkt der Texteintragung augenscheinlich bereits mit Federzeichnungen versehen war, ist davon auszugehen, dass die bereits vollständige Handschrift nach Abschluss des Produktionsprozesses einer erneuten systematischen Durchsicht und Bearbeitung unterzogen wurde.2 Der paläographische Befund der Ergänzungen legt es nahe, als Urheber der Bearbeitungsspuren denselben Schreiber anzunehmen, der auch die erste Fassung des Textes schrieb.3 Dabei ← 101 | 102 → wurden Textteile einerseits durch Rasur getilgt und überschrieben; andererseits, etwa bei der Änderung mehrzeiliger Passagen, beließ man es beim Durchstreichen des entsprechenden Teils und ergänzte den neuen Text, durch Einfügungszeichen markiert, an anderer Stelle.

Die Änderungen in Clm 28141 differieren in Art und Reichweite der Bearbeitung: Es finden sich ›einfache‹ Korrekturen von Schreiberfehlern genauso wie Hinweise auf eine stilistische Überarbeitung der Texte. Daneben lassen sich Eingriffe beobachten, die auf eine tiefergehende Änderung in der Konzeption des Codex hindeuten. So bewirken die Bearbeitungen in einigen Fällen deutliche Verschiebungen in...

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