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Verständigung und Versöhnung nach dem «Zivilisationsbruch»?

Deutschland in Europa nach 1945

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Edited By Corine Defrance and Ulrich Pfeil

Im Jahre 1945 stand Deutschland ohnmächtig und geächtet vor den Trümmern seiner Politik. Rassischer Weltanschauungskrieg und systematische Vernichtung der europäischen Juden waren ein zivilisatorischer Bruch und belegten die Deutschen mit einer moralischen Schuld. So ist die deutsche Nachkriegsgeschichte vor allem die Geschichte der schwierigen Auseinandersetzung mit der eigenen verbrecherischen Vergangenheit. Für die Deutschen galt es, das Vertrauen ihrer Nachbarn neu zu gewinnen, um den Weg zurück in den Kreis der zivilisierten Völker zu finden. In Politik und Zivilgesellschaft wuchsen schnell erste Initiativen, die auf Verständigung und Versöhnung abzielten. Mentale Demobilisierung und Abbau von Feindbildern gehörten zu den Aufgaben, um nach dem Krieg ein friedvolles Miteinander in Gegenwart und Zukunft herzustellen. In einer breiten Gesamtschau beleuchtet dieser Band, wie über symbolische Gesten, an Erinnerungs- und Gedenkorten, durch Organisationen und Institutionen, über Aktionsfelder und Handlungsformen, bisweilen unter wissenschaftlicher Anleitung, Prozesse eingeleitet wurden, die in den meisten Fällen – aber nicht immer – zur Verständigung zwischen den Deutschen und ihren europäischen Nachbarn beitrugen. Dabei zeigen die Beiträge, dass Versöhnung nicht «besiegelt» werden kann, sondern eine nie endende politische, soziale und kulturelle Arbeit darstellt.
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Schulbuchgespräche in friedenspädagogischer Absicht. Die Revision der Geschichtsbücher im Versöhnungsprozess nach 1945

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Schulbuchgespräche in friedenspädagogischer Absicht

Die Revision der Geschichtsbücher im Versöhnungsprozess nach 1945

Steffen SAMMLER

Können Schulbuchgespräche einen wirksamen Beitrag zur Verständigung und Versöhnung zwischen ehemals verfeindeten Nationen und Völkern leisten? Der Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes, Albert Spiegel, hat diese Frage durchaus bejaht und den Beitrag der internationalen Schulbucharbeit zur auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland im Zusammenhang mit dem 25 jährigen Gründungsjubiläum des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung im Jahr 2000 ausdrücklich gewürdigt1. Er hob in diesem Zusammenhang besonders hervor, dass die internationale Schulbucharbeit den durch die politische Entwicklung geschaffenen Rahmen für die Konfliktprävention und Nachkonfliktbewältigung nicht nur ausgefüllt, sondern politische Entwicklungen, wie beispielsweise die Zusammenarbeit mit Polen, auch antizipiert und mit vorangetrieben hätte2. Spiegel hat damit aus der Perspektive der aus ← 605 | 606 → wärtigen Kulturpolitik die Potentiale und Grenzen internationaler Schulbucharbeit im Spannungsfeld von politischer Friedensarbeit und wissenschaftlicher bzw. pädagogischer Schulbuchrevision umrissen, die auch von der Forschung immer wieder hervorgehoben worden sind.

Die internationale Schulbucharbeit ist als ein Element der internationalen Friedensbewegung im 19. Jahrhundert entstanden. Sie entwickelte sich vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Ersten Weltkrieges im Rahmen von zahlreichen Initiativen internationaler Organisationen wie dem Völkerbund. Lehrergewerkschaften, Berufsverbänden und ökumenischen Zusammenschlüssen3. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte sie eine zentrale Rolle in den Verständigungs- und Versöhnungsprozessen, die von Lehrergewerkschaften und Berufsverbänden...

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