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«Nur fliegend fängt man Worte ein»

Eva Strittmatters Poetik

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Beatrix Brockman

Mit diesem Band erscheint die erste umfassende und kritische Auseinandersetzung mit dem veröffentlichten Werk von Eva Strittmatter (1930-2011), populäre Dichterin und Briefautorin in der ehemaligen DDR. Er zeigt auf, wie wichtig die Position Strittmatters als Lyrikerin zu nehmen ist, insbesondere da ihr Werk von einer umfassenden theoretischen Struktur untermauert ist. Ihre Gedichte zeichnen sich aus durch eine durchdachte Prosodie und einen vielschichtigen Aufbau; das öffnet ihnen den Zugang zu einer Vielfalt von Lesern.
Beginnend mit einer Betrachtung von Strittmatters Prosaschriften, zeigt die Studie die Entwicklung Eva Strittmatters als Dichterin und die zunehmend theoretische Fundierung ihrer Texte auf. Hauptpunkte, die in diesem Band angesprochen werden, sind die Metapoetik und linguistische Aspekte, die Emanzipation durch Sprache – von der Sklavensprache zur Sprachfähigkeit –, Naturlyrik und Intertextualität. Diese Studie stellt die bisherige Annahme, dass es sich bei Eva Strittmatter um eine ostdeutsche Dichterin von minderer Signifikanz handelt, in Frage und demonstriert, dass ihr ein Platz in der ersten Reihe der großen deutschen Dichterinnen gebührt.

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Kapitel V Von „Der Strittmatter“ zu „Die Strittmatter“

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Betrachtet man Eva Strittmatters Gedichte im Zusammenhang mit der Entwicklung der in der DDR von Frauen publizierten Literatur, finden sich Aspekte, über die sich das Werk der Dichterin durchaus in die kulturellen Prozesse im „realen Sozialismus“ einordnen lässt, auch wenn Strittmatter in Metatexten beständig betont, sich dichterisch unabhängig von Strömungen in der DDR-Literatur entwickelt zu haben. Zeitgleich mit dem Werk von Eva Strittmatter entsteht dort eine Literatur von Frauen für Frauen, die an den staatlich verordneten Geschlechterleitbildern sowie dem real existierenden Patriarchat ebenso Anstoß nimmt wie die Dichterin an den Lebensbedingungen, die sie nicht kontrollieren kann: „Damals hatte ich begonnen, Gedichte zu schreiben, aber sonst war ich Gehilfe eines anderen und lernte dabei das meine, nämlich, dass es ums Leben geht, wenn man schreibt, dass Kunst aus keiner anderen Substanz gemacht wird als der, die sich selber verzehrt […]“.1 Daneben bezeichnet Eva Strittmatter ihre Gedichte beharrlich als „Selbstauseinandersetzungen“, in denen sie „eigene Unzulänglichkeiten, Einschränkungen“ ref lektiert. In Aussagen über ihre Gedichte: „das Leben kann sich mir nur über das Subjekt mitteilen, das ich in den Worten spüre. Das muss so eine Art Beben sein“2 und durch die Übertragung der weibli- chen Gespaltenheit („bei Leibe Weib, im Geiste Mann“3) in Sprache und Form konstituiert Eva Strittmatter eine weibliche Autorschaft, die sich aus der Sprachlosigkeit der Unterdrückten befreit. 1 Eva Strittmatter, Mai in Piešt’any, 24. 2 Eva Strittmatter, Poesie und andere Nebendinge, 103. 3 Eva Strittmatter, Nisami!, Vers 26....

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