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«Dass Hämmer und Herzen synchron erschallen»

Erkundungen zu Heimat in Literatur und Film der DDR der 50er und 60er Jahre

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Sylvia Fischer

Dieses Buch beleuchtet Manifestationen des Topos «Heimat» in Romanen, Spiel- und Dokumentarfilmen aus den ersten zwei Jahrzehnten der DDR. Heimat bzw. Heimatsuche wird als kulturanthropologisches Konzept eingeführt, welches sich als ein individuelles, menschliches Grundbedürfnis ausprägt. Die Autorin untersucht die Spannungen, die zwischen diesem individuellen Unterfangen und dem Konzept einer objektiven, sozialistischen Heimat, wie sie in der DDR definiert wurde, entstanden. Obwohl es ein Kernideal war, Individuum und Gesellschaft zu harmonisieren, konnten diese Spannungen in der DDR dennoch nie vollständig gelöst werden.
In Werken von Autoren wie Hans Marchwitza, Anna Seghers, Karl-Heinz Jakobs und Werner Bräunig sowie von Filmemachern wie Kurt Maetzig, Winfried Junge und Konrad Wolf untersucht die Autorin die jeweiligen Heimatkonzepte und zeigt unterschiedliche ästhetische und thematische Herangehensweisen auf, die Konflikte zwischen individueller und staatlich-gesellschaftlicher Heimatsuche darzustellen. Diese reichen von Bejahung und Enthusiasmus aus den Anfangsjahren der Republik, über das (An-)Erkennen von Konflikten und Missverhältnissen in der sozialistischen Gesellschaft zu Beginn der 60er Jahre, bis hin zu Trauer und zum Abschied von der Utopie, insbesondere nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Jahr 1965.
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Kapitel 3: Heimat durch Erneuerung. Kurt Maetzigs Filme 1947–1957

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KAPITEL 3

Heimat durch Erneuerung. Kurt Maetzigs Filme 1947–1957

Kurt Maetzig und die Anfänge der DEFA

Die Deutsche Film Aktiengesellschaft (DEFA), die erste deutsche Nachkriegs-Filmfirma, wurde am 17. Mai 1946 unter der Schirmherrschaft der Sowjetischen Militäradministration in der sowjetisch besetzten Zone Berlins gegründet. Kurt Maetzig (1911–2012) gehörte, u.a. neben dem Regisseur Slatan Dudow und dem Schauspieler Hans Klering, zu den Gründern der DEFA – Antifaschisten, Emigranten und Widerstandskämpfern mit Erfahrung beim Film, auf die die sowjetische Besatzungsmacht setzte. Zum Zeitpunkt der DEFA-Gründung waren bereits drei Filme in Produktion: Die Mörder sind unter uns (Wolfgang Staudte, 1946), der die Geschichte der Entlarvung eines Kriegsverbrechers erzählt, Irgendwo in Berlin (Gerhard Lamprecht, 1946), ein Film über eine Gruppe Jungen und deren ‚Spielplätze‘ in den Trümmern von Berlin, sowie Freies Land (Milo Harbich, 1946), der sich dem Thema der Bodenreform auf dem Lande widmete. Diese drei Filme umreißen das Themenspektrum der DEFA in ihren Anfangsjahren: die Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit, das alltägliche Leben im Nachkriegsdeutschland und die Darstellung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse (Mückenberger, Anfangsjahre 14; dies., Zeit 14–15). Diese Jahre waren von einem „aufrichtigen Bemühen“ von Kulturpolitikern und Filmemachern gekennzeichnet, „Antwort auf die Frage zu finden: Wie wurden die Deutschen schuldig?“ (Mückenberger, Zeit 15). Die Produktion der Filme wurde durch die Projektideen der Autoren und Regisseure bestimmt, nicht durch langfristige Planungen oder von außen herangetragene Vorgaben;...

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