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Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

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Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

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3. Der moderne Orient als Raum in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

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3.   Der moderne Orient als Raum in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Raum und Zeit sind – so Aleida Assmann – Koordinaten, in denen menschliches Erleben und Handeln stattfinden.315 Es sind als solche kulturelle Konstrukte. Raum und Zeit sind die Hauptstrukturen der Existenz, denen der Gesamtbereich des Endlichen unterworfen ist.316 Das Denken in und über Raum und Zeit gehört zu den grundlegenden Daseinskategorien des Menschseins. Der Mensch, Heidegger und anderen Existenzialisten wie z. B. Sartre zufolge, muss die Welt bewohnen, um sie begreiflich machen zu können. Er bewohnt also vor allem die Zeit und den Raum, die Dinge – anders gesagt das Sein.317

Zuerst kommt der Raum, dann kommt die Zeit – sagen die modernen Naturwissenschaften und erweitern die schon in der Antike bekannten Kategorien des Raumes, der mit der Zeit untrennbar verbunden ist, und zwar Länge, Breite und Höhe um die vierte Dimension – die Tiefe. Aus diesem Grunde kann man den Kategorien der Zeit und des Raumes noch die Kategorie des Denkens ankoppeln. Die eben erwähnte Kategorie scheint bei Schwarzenbach, Lubomirski, Kusserow, Weiss, Brochett, Remus, Tomerus und Altmann ausschlaggebend zu sein, wenn es sich um den Orientbegriff handelt. Raum und Zeit im Orient sind bei ihnen ein Gedanke, eine Stimmung, was schon Willy Rickmers im Zusammenhang mit der Kategorie der Landschaft bemerkte: „[Bei] Landschaften handelt es sich […] zumindest, ja, um ein Gefühl, eine Stimmung, ähnlich wie beim Morgenlande (Orient), das sich heute überhaupt nicht mehr feststellen...

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