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Das Orientbild in der deutschsprachigen Reiseliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts

Zwischen Realität und Imagination

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Karolina Rapp

Die Autorin beschäftigt sich mit den einschneidenden – traumatisierenden wie faszinierenden – Stationen der Kulturbegegnung von Ost und West. Sie untersucht die vielschichtigen Facetten des Orients als einerseits rein diskursiven, andererseits geografisch und historisch realen, wenngleich imaginär überfrachteten Topos. Die Analyse des mythischen und modernen Orientbildes in der deutschsprachigen Reiseliteratur ist eine Rückbesinnung auf die Fähigkeit der westlichen wie der östlichen Kultur, Offenheit gegenüber anderen Kulturen zu beweisen. Die Autorin macht auf kulturelle Überlagerungen, Wechselwirkungen und Synthesen aufmerksam und zeigt dadurch, dass das Eigene stets Teil am Anderen hat(te).

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7. Vom alten Orient zum Nahen Osten

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7.   Vom alten Orient zum Nahen Osten

Der Begriff Orient bezeichnet im astronomischen Sinne zuerst das Morgenland, das Reich der aufgehenden Sonne, im Gegensatz zum Okzident, dem Abendland. Er beschreibt im weiteren Sinne seit der Antike Kulturgebiete, die räumlich nicht immer definierbar sind. Ihre Bedeutung wechselt je nach den wissenschaftlichen, kulturellen, religiösen und politischen Interessen, die der Westen ihnen gegenüber hatte. Orient und Okzident, so wusste Friedrich Nietzsche, sind Kreidestreiche, die uns jemand vor unsere Augen hinmalt, um unsere Furchtsamkeit zu narren. Keine reale Grenze trennt die beiden, genauso wie keine sichtbare Grenze zwischen Realität und Imagination liegt. Sie ist auf keiner Landkarte markiert. Der Orient der Europäer ist ein Mythos, der Nahe Osten Realität.

7.1   Der Orient als Imagination – der Orient-Mythos

Das griechische Wort Mythos steht in seiner ursprünglichen Bedeutung für Erzählung, Laut, Wort oder sagenhafte Geschichte. Das Phänomen des Mythos gehört aber nicht nur den Griechen. Schwarzenbach, Lubomirski, Weiss, Kusserow, Altmann, Remus, Brochett und Tomerius zeigen, dass der Orient auch im 20. und 21. Jahrhundert ein Mythos ist. Schon für Platon, konnte Mythos Wahres und Falsches enthalten. Franz Boas, Bronislav Malinowski und Claude Lévi-Strauss machen darauf aufmerksam, dass der Mythos in der Gegenwartssprache mit dem Unwahren, Irrationalen assoziiert wird. Sowohl der Mythos, als auch der Orient haben im 20. und 21. Jahrhundert einen nostalgischen Unterton, wie in den Zeilen von Hugo von Hofmannstahls Weltgeheimnis: „Der...

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