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Kafka, Murakami und das suspendierte Dritte

Eine Semiotik des Phantastischen

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Tom Reiss

Die zahlreichen literarischen Verknüpfungen zwischen den Werken Franz Kafkas und Haruki Murakamis, denen sich diese semiotische Abhandlung widmet, haben bisher in der internationalen Forschung kaum Beachtung gefunden. Dabei zeigt sich im Zwischenspiel der phantastischen Erzählungen Kafkas und Murakamis nicht nur deren unauflösliche Verbindung für die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, sondern auch eine Reihe neuer Erkenntnisse über das Phantastische in der Literatur an sich.

Das Buch versteht sich als Diskussionsbeitrag zur Phantastikforschung, als Konsolidierung der Sonderstellung Kafkas im Diskurs des Phantastischen und schließlich als ersten Beitrag zu einer literaturwissenschaftlichen Beschäftigung mit den Texten Haruki Murakamis im deutschsprachigen Diskurs.

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1. Überblick

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1.    Überblick

Ganze Bände lassen sich füllen allein mit Dokumentationen der Theoriegeschichte zum Phantastischen in der Literatur. Ähnliches gilt für die wieder und wieder unternommenen hehren Versuche, gescheitert wie erfolgreich, diese Masse an Forschungsliteratur selbst zu kategorisieren und ihr zu etwas übersichtlicher Ordnung zu verhelfen. Beide dieser Unterfangen sind nicht die meinen – mir geht es um die Entwicklung eines theoretischen Instrumentariums und die textnahe Untersuchung der Werke zweier Autoren, beides Vorhaben, die keinen Platz lassen für eine lückenlose Auflistung sämtlicher bestehender Theorien zur phantastischen Literatur. Doch während es mir unmöglich ist, korpusbezogene Vollständigkeit zu bieten, ist es mir nicht minder ein Bedürfnis, Vollständigkeit in Bezug auf die Paradigmatik der Phantastiktheorien zur Basis meines eigenen Ansatzes zu machen. Demzufolge umfasst dieses Kapitel I. nicht alle existierenden Ansätze zum Phantastischen in der Literatur, aber all diese, deren jeweilige theoretische Struktur signifikant von der der zum Zeitpunkt ihrer Entstehung existierenden Ansätze abweicht.1 Gleichzeitig wird der Versuch unternommen, kontinuierlichen Rückbezug auf literatur- und geistesgeschichtliche Paradigmen zu nehmen. Die Geschichte der phantastischen Literatur zu lesen bedeutet, die Geschichte ihrer Theorie zu lesen. Beim Lesen dieser wiederum kommt man nicht umhin, von Paratexten in Form der Geschichte der Metaphysik und der Humanwissenschaften begleitet zu werden – auch diese verdienen hier Lektüre.

Ich unterteile die Entwicklung der Phantastiktheorie in drei Etappen: die Zeit vom Einstieg des Begriffes des Phantastischen in die Philologie im frühen...

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