Show Less
Restricted access

Die Zulässigkeit atypischer Arbeitskampfformen und die Kampfmittelfreiheit

Eine rechtssoziologische und rechtsdogmatische Analyse im Licht der Flashmob-Entscheidungen von Bundesarbeitsgericht und Bundesverfassungsgericht in Zeiten der wirtschaftlichen Globalisierung

Series:

Yu-Fan Chiu

Nach wie vor ist der Streik das wichtigste Mittel zum Erkämpfen von Tarifverträgen. Infolge der Prekarisierung von Arbeit und Beschäftigung verändert sich gleichwohl die heutige Arbeitskampfpraxis in Deutschland. Ein hinreichender Kampfdruck kann nicht immer durch Streiks entfaltet werden. Daher finden atypische Kampfmittel wie Flashmobs, Betriebsblockaden oder Betriebsbesetzungen, insbesondere im Dienstleistungssektor, zunehmende Verbreitung. Die Autorin greift diese gewerkschaftlichen Aktionsformen in Deutschland sowie aus dem Ausland (China, Frankreich, Italien, Taiwan, USA) auf und untersucht die Zulässigkeit von atypischen Kampfmitteln nach deutschem Recht. Im Ergebnis entwickelt sie eine paritätsorientierte Schrankensystematik des atypischen Arbeitskampfes.

Show Summary Details
Restricted access

Zweiter Teil: Begriff, Formen und rechtliche Entwicklung der atypischen Arbeitskampfformen

Extract



Um die Zulässigkeit des atypischen Arbeitskampfes zu untersuchen, ist es zunächst notwendig, begrifflich zu bestimmen und abzugrenzen, welche Aktionsformen zu einem Arbeitskampf dazuzählen dürfen. Demgemäß ist die Ermittlung der rechtlichen Besonderheiten des atypischen Arbeitskampfes die erste Aufgabe dieses Teils der Untersuchung (dazu § 5). Auf dieser Grundlage werden die verschiedenen atypischen Arbeitskampfmittel anschließend im Überblick dargestellt und die jeweilige Art und Weise der Druckausübung verdeutlicht (dazu § 6). Zusätzlich wird die Entwicklung in der Rechtsprechung der geschilderten Kampfformen dargestellt. Dadurch wird ein Gesamtüberblick über den aktuellen Stand der Rechtsprechung zum atypischen Arbeitskampf gewonnen. Ferner ist der Einfluss der Flashmob-Entscheidung des BAG auf die rechtliche Entwicklung diesbezüglich zu beleuchten (dazu § 7).

§ 5    Begriff des atypischen Arbeitskampfes

Mit der Zunahme der atypischen Arbeitskampfformen gewinnt heutzutage die Klärung des Begriffes Arbeitskampf wieder an Bedeutung. Anders als der Streit um den engen oder weiten Arbeitskampfbegriff fokussiert sich die erneute Diskussion auf die atypischen Arbeitskampfformen, die zur Begriffsbestimmung des Arbeitskampfes neue Ansätze beitragen. Traditionell orientiert sich die Definition des Arbeitskampfes an der Kampfform des Streiks, der durch den Entzug der Arbeitskräfte gekennzeichnet ist. Im Vergleich dazu ist der atypische Arbeitskampf eine von dieser traditionellen Kampfform abweichende Vorgehensweise. Der Flashmob ist ein repräsentatives Beispiel für einen atypischen Arbeitskampf und durch Flexibilität, aktive Störungsfunktion und aktive Drittbeteiligung charakterisiert.302 Dadurch haben sich neue Handlungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer und Gewerkschaften herausgebildet. Im Folgenden ist zuerst der Begriff des...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.