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Lexikon der Science Fiction-Literatur seit 1900

Mit einem Blick auf Osteuropa

Christoph F. Lorenz

Das Lexikon enthält Informationen über Biographie, Werkanalyse und bibliographische Angaben wichtiger Autoren der deutschsprachigen «Fantasy» und Science Fiction im 20. und 21. Jahrhundert. Überblicksartikel befassen sich darüber hinaus mit Fragen des Genres, deutscher Literatur vor und nach 1945, skandinavischen Werken seit 1900, osteuropäischen Werken und angloamerikanischer Fiktion.

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Die Entdeckung des Unbekannten. Das phantastische Genre im geteilten Deutschland nach 1945 – Mit einem Ausblick auf magische Buchwelten und apokalyptische Motive in der Science Fiction-Literatur (Christoph F. Lorenz)

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Christoph F. Lorenz

Die Entdeckung des Unbekannten. Das phantastische Genre im geteilten Deutschland nach 1945 – Mit einem Ausblick auf magische Buchwelten und apokalyptische Motive in der Science Fiction-Literatur

1. Dissonanzen, Begegnungen, Frieden auf Erden – Zum utopischen Potential der Science Fiction in der DDR

Die Vorläufer des Science Fiction-Romans in Deutschland kurz vor dem Ersten Weltkrieg und zwischen beiden Kriegen folgen verschiedenen Mustern und Erzählgenres. Da ist der Zeitroman in Form der „Kriegsprophezeiung“ vor 1914 zu nennen, bei dem ein siegreiches Deutsches Reich das englische Empire überrollt, deutlich gekennzeichnet durch politische Entwicklungen nach 1900, wie etwa dem „Flotten-Wettrüsten“ zwischen England und dem Deutschen Kaiserreich. Solche Romane sind unter dem Spiegel des Menetekels von 1914–1918 auch als sich selbst erfüllende Voraussagen zu sehen, sozusagen als militärische „Zukunftsromane“.1 Auch in England gab es nach 1900 Visionen militärischer Aggression, die meist von Deutschland ausgingen, so William le Queux’ militärisch exakte „Die Invasion von 1910“ (Deutsche Ausgabe Berlin 1906), offenbar voller Freude darüber gefertigt, dass der künftige „Feind“ Deutschland so viel militärische Tüchtigkeit zutraute. Weniger Zukunftsroman als Spionagethriller ist Erskine Childers Roman „The Riddles of the Sand“ von 1902. Hier dienen geheimnisvolle Priele an Ostfrieslands Küsten der Vorbereitung einer deutschen Invasion. Die Kombination aus „mystery“ und Utopie findet sich übrigens ja schon in dem utopischen Roman „Die Insel Felsenburg“ von J. G. Schnabel (1731 ff.), ist also durchaus typisch für das...

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