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Hans Henny Jahnns musikalisches Erzählen in «Fluss ohne Ufer»

Polyphonie und Kontrapunkt als Elemente einer dissonanten Utopie

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Sebastian Otto

Der Autor geht der Frage nach, ob Hans Henny Jahnn in seinem Komponistenroman «Fluss ohne Ufer» musikalische Erzähltechniken verwendete. Ausgehend von Jahnns Rede «Die Aufgabe des Dichters in dieser Zeit» erfolgt eine Skizzierung der Grundlinien der Ästhetik, der Baukunst und Musik, die der Autor dann per Analogie auf die Dichtung überträgt. Zum Verständnis der Harmonik und des musikalischen Erzählens zieht er u.a. Kepler und Leibniz heran. Der zweite Teil der Arbeit deutet «Fluss ohne Ufer» mit Hilfe musikalischer Kompositionstechniken wie Fuge, Polyphonie und Kontrapunkt als dissonante Utopie. Den Schlusspunkt bildet eine vergleichende Erörterung der «Ideen» Herders und des «unklassischen» Humanismus Jahnns.

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I. Teil

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I.  Teil

I.1   Hans Henny Jahnn: Die Aufgabe des Dichters in dieser Zeit1

Die Rede zur Aufgabe des Dichters hielt Jahnn zwei Mal. Zunächst sprach Jahnn anlässlich des Todestages Goethes in Hamburg 1932 und drei Jahre später am 25.2.1935 in Bergen zu diesem Thema. In den Grundzügen stimmt die Gedankenführung beider Vorträge überein, nur dass Jahnn für seinen Vortrag in Bergen beabsichtigte, wie er in den Bornholmer Aufzeichnungen vermerkt, seine Gedanken breiter zu gestalten und einige „herzhafte Beispiele“ einzufügen.2

Jahnn fasst die moderne Gesellschaft als historisch gewordenes, funktional ausdifferenziertes System auf. Die teils kritische Analyse, teils polemische Beschreibung der Systemoperationen konzentriert sich auf dessen primäre, autonome Funktionssysteme: Politik und Bürokratie, Wissenschaft und Technik, Religion, Erziehung, Rechtssystem und Kunst. Der Vortrag ist im Sinne Niklas Luhmanns eine Selbstbeschreibung der Moderne.

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