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Imitat, Zitat, Plagiat und Original in Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit

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Andreas Beck and Nora Ramtke

Dieser Sammelband lotet die facettenreiche Praxis des Imitats, Zitats, Plagiats sowie der Herstellung von ‚Originalen‘ in Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit aus. Die versammelten Fallstudien behandeln nicht nur Gegenstände germanistischer Literaturwissenschaft, sie bewegen sich auch auf dem Gebiet anderer Philologien sowie im Bereich von Malerei, Architektur und Druckgraphik. Ihr gemeinsames Anliegen ist, die Epoche der Frühen Neuzeit von ihr eigentümlichen Organisationsformen des künstlerischen Materials her in den Blick zu nehmen. So leistet der Band einen Beitrag zu einer Literatur- und Kulturgeschichte als einer Geschichte künstlerischer Verfahren. Auf einer beiliegenden CD ergänzt eine elektronische Edition der rekonstruierten Originalfassung des ‚Trophaeum Mariano-Cellense‘ den Band.

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Transfigurationen nach Raffael. Vasaris Ringen um die Zukunft auf dem Berg der Verklärung (Alexander Linke)

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Alexander Linke

Transfigurationen nach Raffael.Vasaris Ringen um die Zukunftauf dem Berg der Verklärung1

I. Kontinuität und Überbietung

Ein Grundthema christlicher Typologie ist die Dichotomie von Kontinuität und Überbietung. So demonstriert der typologische Vergleich die Kontinuität im göttlichen Heilsplan, betont jedoch zugleich die Überlegenheit des Neuen Bundes gegenüber dem Alten. Daher werden Geschichten, Personen oder Symbole des Alten Testaments als unvollkommene Verheißungen aufgefasst, in denen sich die spätere Erfüllung göttlichen Heilshandelns durch und in Christus ankündigt.2 Jesus selbst hat die typologische Spannung von Kontinuität und Überbietung hervorgehoben (Io 6,48–50): „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind dann doch gestorben; hier dagegen ist das Brot, das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe.“

Kaum beachtet wurde bislang, dass das theologisch-typologische Denken in entscheidenden Punkten mit dem Prinzip des Künstlerwettstreits in der Renaissance konvergiert, insbesondere dort, wo es sich um einen Wett←43 | 44→streit der Generationen handelt. Allein Giorgio Vasari (1511–1574) deutet in der Vita Cosimo Rossellis (1439–1507) an, dass mit der typologischen Wanddekoration in der Cappella Sistina aus dem späten Quattrocento nicht allein die Überbietung des Moses durch Christus, sondern zugleich die Idee eines Wettstreits verbunden gewesen sei, den der jüngste Künstler unter den beteiligten Meistern für sich entscheiden konnte:3

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