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Imitat, Zitat, Plagiat und Original in Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit

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Edited By Andreas Beck and Nora Ramtke

Dieser Sammelband lotet die facettenreiche Praxis des Imitats, Zitats, Plagiats sowie der Herstellung von ‚Originalen‘ in Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit aus. Die versammelten Fallstudien behandeln nicht nur Gegenstände germanistischer Literaturwissenschaft, sie bewegen sich auch auf dem Gebiet anderer Philologien sowie im Bereich von Malerei, Architektur und Druckgraphik. Ihr gemeinsames Anliegen ist, die Epoche der Frühen Neuzeit von ihr eigentümlichen Organisationsformen des künstlerischen Materials her in den Blick zu nehmen. So leistet der Band einen Beitrag zu einer Literatur- und Kulturgeschichte als einer Geschichte künstlerischer Verfahren. Auf einer beiliegenden CD ergänzt eine elektronische Edition der rekonstruierten Originalfassung des ‚Trophaeum Mariano-Cellense‘ den Band.

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Gottlieb Stolles, Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen Gedichte. Zur Formatdifferenz von Werkausgabe und Anthologie ‚um 1700‘ (Nora Ramtke)

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Nora Ramtke

Gottlieb Stolles, Herrn von Hoffmannswaldau und andrerDeutschen Gedichte. Zur Formatdifferenz von Werkausgabe und Anthologie ‚um 1700‘

1. Imitatio als ‚honetter Diebstahl‘ – literarisches Traditionsverständnis ‚um 1700‘

Das 18. Jahrhundert ist wenige Jahre jung, da lässt Christian Thomasius den letzten Band seiner Zeitschrift Außerlesene Anmerckungen Uber allerhand wichtige Materien und Schrifften mit einer programmatischen Anmerckung darüber schließen, „Daß die größten Poeten die vortrefflichsten Diebe sind“, deutlich zu jung, um zu ahnen, dass ihm dereinst die Rolle des „entscheidenden Einschnitt[s]“ zufallen wird, der im Zeichen der Genieästhetik das „Nachahmungspostulat der Poetiken von Grund auf fragwürdig“ werden lässt. Noch ist die imitatio als rhetorisch begründete imitatio auctorum „prinzipiell unbestritten“1 – die „furta“ der Poeten, ihre ‚Diebstähle‘, heißt es in der Anmerckung vor diesem Hintergrund, „hält man […] nicht vor das / was sie sind / sondern vor geschickte Imitationes, oder doch / damit ein Poetische Sache auch einen Poetischen Nahmen hat / vor die Schönsten und Rühmwürdigsten Sünden von der Welt.“2 Der Sache einen ‚Poetischen Nahmen‘ zu geben und den bis in die Antike zurückreichenden „alt/neu-Diskurs“3 unter dem Begriff des ‚Diebstahls‘ ironisch zu pointieren ist offenbares Anliegen von Gottlieb Stolle, dem Autor der sich gleichwohl←83 | 84→ gelehrt gebenden Anmerckung; er entspricht damit einem galanten Kommunikationsideal, das um 1700 mit Thomasius (neben J. F. Buddeus und Chr. Wolff Stolles Lehrer4) Einzug auch in die akademische Welt...

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