Show Less
Restricted access

Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

Show Summary Details
Restricted access

Experimentelles Aufzählen? Zur Darstellung von Müll in Annette Pehnts Insel 34 (David-Christopher Assmann)

Extract

David-Christopher Assmann (Frankfurt a.M., Deutschland)

Experimentelles Aufzählen? Zur Darstellung von Müll in Annette Pehnts Insel 34

Dass die deutschsprachige Literatur der Jahrtausendwende mit der Thematisierung von Müll experimentelles Terrain betreten könnte, ist unter den gegebenen diskursiven Bedingungen eigentlich schwer denkbar. Zum einen sollte sich das Provokationspotential von normbrechenden Grenzüberschreitungen1 hin zu jenen „Tabuzonen der Realität“ (Korte 1989, S. 23), die insbesondere der Poetische Realismus noch strukturell ausgespart wissen wollte, spätestens mit den naturalistischen Programmen vom Ende des 19. Jahrhunderts erledigt haben.2 Zum anderen ist Müll angesichts eines immer wieder neu einsetzenden Krisendiskurses zu ökologischen Verwerfungen in Alltag und Industrie so allgegenwärtig, dass seine literarische Thematisierung keinen Leser und keine Leserin mehr nachhaltig zu irritieren vermag. Es ist schlichtweg nicht vorstellbar, dass weggeworfene Dinge in einer Literatur, deren Kontext die materielle und diskursive Realität einer ,Müllgesellschaft‘ ist, nicht zur paradigmatischen Dimension ihrer Texte gehören.

Und tatsächlich finden Praktiken des Umgangs mit Müll immer wieder Eingang in die deutschsprachige Literatur. Annette Pehnts Insel 34 ist ein solcher Roman, der eben jene Dinge thematisiert, „die in jeder Hinsicht als unbrauchbar bestimmt sind“ (Hauser 2001, S. 24). Der Text schickt seine Protagonistin auf die Reise zu unbekannten, lediglich von 1 bis 34 durchnummerierten Inseln. Die titelgebende Insel mit der „Nummer vierunddreißig“ (Pehnt 2003, S. 5) ist dabei der bereits zu Beginn markierte, allerdings bis zum Ende unerreicht bleibende Sehnsuchtsort der Ich-Erzählerin. Deren...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.