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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Natürlichkeit als Kunstform. Kathrin Rögglas wir schlafen nicht als Experiment (Torsten Hoffmann)

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Torsten Hoffmann (Frankfurt a. M., Deutschland)

Natürlichkeit als Kunstform. Kathrin Rögglas wir schlafen nicht als Experiment

In den Wissenschaften sind Experimente Mittel zum Erkenntnisgewinn, in der Kunst oft Selbstzweck. Für Siegfried J. Schmidt ist das der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Experimentalkulturen: Ästhetische Experimente würden „nicht funktional durchgeführt […], um damit etwas zu bewirken (z. B. eine theoretische Aussage zu bestätigen)“ (Schmidt 1992, S. 217), sondern die ‚experimentelle Handlung‘ an sich solle bereits das Kunstwerk sein. In Kathrin Rögglas Roman wir schlafen nicht von 2004 liegt der Fall anders. Meine These lautet, dass hier die gesellschaftskritische Dimension ebenso wie die originelle ästhetische Form Ergebnis eines – auch funktionalen – Experiments sind. Und zwar auf drei Ebenen: Erstens im Blick auf die Textproduktion, zweitens auf die Textgestalt und drittens auf die Veröffentlichung des Textes.

1. Textproduktion

Im Klappentext zur Erstausgabe des Romans kann man lesen, dass Röggla „für diesen Roman zahlreiche Interviews mit Consultants, Coaches, Programmierern und Praktikanten geführt“ und zu einem „fiktiven Kosmos“ (Röggla 2004) verwoben habe. Der Paratext gibt Einblick in den Arbeitsprozess der Autorin, der offensichtlich von Bedeutung für die intendierte Textrezeption ist. Dass tatsächlich geführte Interviews als Textgrundlage dienen, wird auch auf den ersten Romanseiten zum Thema: „ob das jetzt das interview sei?“, „– ach, keine Journalistin? was dann?“ (Röggla 2004, S. 9, 7). Die Erwartung eines journalistischen Interviews wird im Text also zugleich aufgerufen und zur...

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