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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Welthaltigkeit als Form des Realismus in der mehr- und transkulturellen Gegenwartsliteratur (Michael Ewert)

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Michael Ewert (München, Deutschland)

Welthaltigkeit als Form des Realismus in der mehr- und transkulturellen Gegenwartsliteratur

Das Kriterium Welthaltigkeit ist seit Erich Auerbachs Mimesis-Buch aus der Realismus-Diskussion nicht wegzudenken.1 Für Auerbach sind die großen Werke der Weltliteratur nicht von ihren raumzeitlichen Entstehungsbedingungen zu trennen. Sie machen ihr In-der-Welt-Sein aus. Unter Bezug auf Aristoteles setzt er sich in Mimesis, 1942–1946 im Istanbuler Exil entstanden, mit der Nachahmung von Realität auseinander, d. h. wie Wirklichkeit dargestellt wird bzw. werden kann. Gleichzeitig bedeutet Mimesis für ihn immer auch eine umgestaltende Arbeit und produktive Hervorbringung, indem die Welt im Medium der Literatur neu geschaffen wird. Es geht also sowohl um die Wirkungen äußerer Prozesse auf literarische Formationen als auch um die Schaffung von Welt durch Literatur, um ein charakteristisches Verhältnis von Nachahmung und Neuschöpfung.

Nach Auerbach bedeutet Welthaltigkeit, dass die Texte Bezug nehmen auf eine wie auch immer geartete, außerhalb ihrer selbst liegende Welt. Wie sich vielleicht am deutlichsten am Realismus des 19. Jahrhunderts zeigt, erhellt die Darstellung von Wirklichkeit in der Literatur immer auch Verhältnisse, die außerhalb des Dargestellten liegen. Die eigentlichen Sujets haben dabei meist nur eine vermittelnde Funktion, sind es doch vor allem Verweisungszusammenhänge, Hinweise auf Ungesagtes, Aussparungen und Leerstellen, Paradoxien und Ungereimtheiten, die Realitätseffekte erzeugen und Welthaftigkeit garantieren.

Darin besteht eines der Geheimnisse des Realismus, dass er das Reale, von dem er sich ursprünglich ableitet, transzendiert und ver...

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