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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Positionsbestimmungen. Poetiken und Poetologien zwischen Realismus und der Literatur der Arbeitswelt (Jasmin Grande)

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Jasmin Grande (Düsseldorf, Deutschland)

Positionsbestimmungen. Poetiken und Poetologien zwischen Realismus und der Literatur der Arbeitswelt

Mit dem Realismusbegriff verbindet sich ein komplexes Problem des Textbegriffs, das über die Frage nach dem Epochen- oder Stilbegriff hinausgeht. So stellt die von Roman Jakobson über den „unendlich dehnbaren Sack“ ins Bild gesetzte Bedrohung begrifflicher Unschärfe einerseits den wissenschaftlich alarmierenden Impuls zur Auseinandersetzung dar und ist zugleich ein Hinweis darauf, dass es hier um mehr geht als um Trennschärfe. Jakobson erläutert nämlich in seinem Aufsatz Über den Realismus in der Kunst mit dem Realismus den Wandel des Literaturbegriffs vom 19. zum 20. Jahrhundert:

Die Wahrnehmung anderer – der Konservativsten – wird weiterhin vom alten Kanon bestimmt, und aus diesem Grunde erscheint ihnen dessen von der neuen Strömung vollzogene Deformation als Absage an die Wahrscheinlichkeit, als Abweichung vom Realismus: sie pflegen weiterhin die alten Kanones, die sie als die einzig realistischen ansehen.1

Darüber hinaus zeigt er, dass ‚Realismus’ zum Codewort für die „Modernen“ ebenso wie für die „Konservativen“ wird, da beide Seiten den Realismusbegriff mit zwar unterschiedlichem, aber gleichermaßen identifikatorischem Inhalt füllen. Realismus ist, nach Jakobson, ein Begriff, an dem sich veränderte Positionen zur Literatur im frühen 20. Jahrhundert festmachen lassen. Allen Reflexionen über den Realismus ist, so lässt sich andersherum schließen, eine Debatte über den Kunst- und Literaturbegriff eingeschrieben.2 Weiterhin lässt sich vermuten, dass Zeiträume, in denen die Diskussion um Realismus...

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