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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Ironischer Realismus: Bemerkungen zu Abbas Khiders Der falsche Inder (2008) (Moritz Schramm)

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Moritz Schramm (Odense, Dänemark)

Ironischer Realismus: Bemerkungen zu Abbas Khiders Der falsche Inder (2008)

1. Khiders kritischer Ansatz

„Eigentlich sind alle meine Romane eine Art Rache. Am Ende bin ich es, der zurückschlägt. Ich triumphiere mit den Mitteln der Literatur“.1 Mit dieser Aussage antwortet der deutschsprachige Schriftsteller Abbas Khider auf die Frage eines Journalisten nach dem Verhältnis seines Schreibens zu den Erfahrungen in den Folterkellern Saddam Husseins. Während sich die Folter per definitionem durch die Lüge auszeichne, eröffne sich im Schreiben ein neuer Blick auf die Wirklichkeit:

Ich verstehe die Literatur als eine Kritik an der Realität. Wenn ich der Folter eine ganz eigene sprachliche Form entgegenstelle, dann entsteht ein Raum, den die Folterer nicht antasten können. Der Vorgang selbst wird dann banal und lächerlich. Ich entferne mich davon. Ich löse mich aber auch von der Geschichte, die ich erzähle. Die gehört plötzlich nicht mehr nur mir selbst. Dadurch wird alles viel leichter.2

Erst die ästhetische Verarbeitung, die literarische Formgebung und die Distanz zum Gegenstand ermöglicht demnach eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Zugleich gibt Khider in seinen Romanen nie den Anspruch eines literarischen Realismus auf, auch wenn er sich spielerisch mit dem Wirklichkeitsgehalt seiner Werke auseinandersetzt: „Ich versichere Ihnen“, so Khider: „Alles ist wirklich passiert, ich habe es nur mit ein bisschen Phantasie ausgeschmückt“.3

In Khiders Texten verbindet sich...

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