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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Phänomenologie und Kulturökologie bei W.G. Sebald (Sieglinde Grimm)

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Sieglinde Grimm (Köln, Deutschland)

Phänomenologie und Kulturökologie bei W.G. Sebald

Der Beitrag betrachtet W.G. Sebalds Roman Die Ringe des Saturn aus kulturökologischer Perspektive und stellt Überschneidungen mit phänomenologischen Konzepten, vor allem mit Edmund Husserls ,Lebenswelt’, heraus.

1. Husserls ,Lebenswelt’ und die Haltung der Epoché

Der amerikanische Kulturökologe David Abram schreibt, „Husserls Leistung” sei „die Erkenntnis, dass die Annahme einer objektiven Welt die Lebenswelt in der Moderne fast vollständig ausblenden und diese lebendige Dimension, in der all unser Bestreben wurzelt, beinahe vergessen ließ.“1 Husserl erläutert die ,Lebenswelt’ in Anlehnung an die griechisch-antike doxa: „Das wirklich Erste ist die ,bloß subjektiv-relative’ Anschauung des vorwissenschaftlichen Weltlebens.“2 Im lebensweltlichen Erfahrungsbereich hat eine wissenschaftlich-objektive Betrachtungsweise noch nicht stattgefunden. Husserl fragt: „Wie kam es von hier [der Lebenswelt] aus zur Idee einer absoluten, exakten Bestimmbarkeit der Dinge […]?“ Der damit bezeichnete „Sprung von doxa zu episteme“3 ist für kulturökologisches Denken insofern relevant, als sich hier ein Überschreiten der Lebenswelt – Husserl spricht auch von „Umwelt“ oder „Lebensumwelt“4 – vollzieht. Mit der neuzeitlichen Wissenschaft seit Galilei wird der allumfassende Anspruch der auf formalisierender Abstraktion beruhenden mathematischen Methode auf die Naturwissenschaften übertragen. Die damit geschaffene „Idee eines rationalen unendlichen Seinsalls mit einer systematisch es beherrschenden rationalen Wissenschaft ist“, so Husserl, „das unerhört Neue.“5 Wissenschaftliche Objektivität wird dadurch garantiert, dass bestimmte Abläufe unabhängig von←201 | 202→ Ort, Zeit und Beobachter wiederholt dieselben Ergebnisse liefern. Die...

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