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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Trauma und Identitätssuche in Jenny Erpenbecks Roman Aller Tage Abend (2012) (Anna-Katharina Gisbertz)

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Anna-Katharina Gisbertz (Mannheim, Deutschland)

Trauma und Identitätssuche in Jenny Erpenbecks Roman Aller Tage Abend (2012)

Zu den Entwicklungstendenzen der deutschsprachigen Literatur gehört seit 1989/90 die Rückkehr zum Generationenroman, der sich mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts im Fokus der Familiengeschichte befasst. Das Bewusstsein der Nachkommen von einer verlorenen Welt und deren Geschichten, die durch den Holocaust ausgelöscht wurden, prägt die zweite und dritte Generation. Aus der Nähe zum Vergangenen und den überlieferten Quellen erleben die Kinder und Enkel der Opfer wie auch der Täter transgenerationelle Traumata, wobei sie die Lücken ihrer eigenen Vergangenheit imaginativ und kreativ füllen. Als „Postmemory“ bezeichnete man diese dominierende Erinnerungsform, die sich alternativ zu einer rekonstruierenden Erinnerung ausgebildet hat.1

Von diesem einflussreichen Konzept nimmt der Roman von Jenny Erpenbeck Aller Tage Abend (2012) jedoch Abstand. Er reiht sich in das generationelle Erzählen ein, sofern die Geschichte des 20. Jahrhunderts im Fokus einer jüdisch-galizischen Familie über drei Generationen thematisiert wird, artikuliert dabei aber keine transgenerationellen Verstörungen. Vertreten wird vielmehr die These, dass der Roman ein neues Trauma versprachlicht, das Anleihen bei der Literatur des Holocaust und der Trauma fiction macht und den Holocaust überschreibt.2 Aller Tage Abend setzt sich mit anderen Texten auseinander, indem es sie zitiert oder paraphrasiert. Der Roman zeigt sich im Sinne Julia Kristevas „als Mosaik von Zitaten“ und als „Absorption und Transformation eines anderen Textes“.3 Anhand von zwei Referenzen soll das Trauma erkundet...

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