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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Identitätsdiskurse im Spannungsfeld der Generationen (Ilse Nagelschmidt)

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Ilse Nagelschmidt (Leipzig, Deutschland)

Identitätsdiskurse im Spannungsfeld der Generationen

„Lieber Westen. Den Osten gibt es sowenig wie die deutsche Einheit.“1 Dieser Satz des Berliner Publizisten Christoph Dieckmann orientiert auf die das Bewusstsein der Deutschen in Ost und West gleichermaßen strukturierenden Begriffe, die das Verhältnis zur veränderten Wirklichkeit nach 1989 prägen. Bei diesen Bezeichnungen handelt es sich um leere Signifikanten, die „markanter Ausdruck von Prozessen hegemonialer Diskursgestaltung“ sind und helfen, „eine imaginäre Einheit des Diskurses machtpolitisch zu organisieren, eigene Identitäten und Interessen unter Ein- ggf. auch Unterordnung Dritter durchzusetzen und auszubauen“2. Im Diskurs um die deutsche Einheit kommt diesen Begriffen, mit denen ein kritischer Umgang geboten ist, eine wesentliche Funktion in der Verhandlung nationaler Gruppenidentitäten und deren Semantiken zu. Die Konstruktion des zunächst angenommenen und vielfach beschworenen Einheitsgefühls zeigt die höchst komplexe Notwendigkeit, die Prozesse nach 1989 nicht nur im Mikrokosmos von Deutschland und Europa, sondern gleichermaßen im Makrokosmos von Migration, der Auflösung von Nationalstaaten und von Globalisierung zu verorten.

Diese politisch intendierten Polarisierungen – Ost-West – haben eine Vielzahl ostdeutscher Stimmen ausgelöst, die den Pauschalisierungen entgegenwirken. Die Artikulationen oszillieren zwischen Ostalgie (Nostalgie) und Rechtfertigung, dem Insistieren auf positiven Aspekten des DDR-Alltags – wie u. a. Vollbeschäftigung, Emanzipation der Frau und Kinderbetreuung – und dem Vorwurf, dass der Westen dem Osten eine spezifische Identität verordnet habe. In diesem Sinn sind die Worte des DDR-kritischen Autors Wolfgang Hilbig zu verstehen, der in...

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