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Albert Drach und die Literaturgeschichtsschreibung

Ein Diskurs über «falsche Moral» und «falsche» Literatur

Herbert Scheschy

Das Buch rückt den Erzähler Albert Drach als Essayisten in den Mittelpunkt. Drach veröffentlichte Gedichte, Dramen und vor allem erzählende Texte und blieb als Essayist bisher nahezu unbekannt. Der Autor verdeutlicht am Thema der Literaturgeschichtsschreibung den weltanschaulichen Horizont sowie Literatur- und Moralbegriff Albert Drachs. Anhand des Essays «Literaturgeschichte ohne Namen» und der Erzählung «Das Goggelbuch» präsentiert er vertiefende Erkenntnisse zum Bild der geistigen Person Drachs, die als Autor «Zynismus» und «Protokollstil» zur Anwendung brachte und lange auf diese Attribute festgelegt blieb.

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„Zertrümmerer des Trugbildes der heilen Welt“ – ein Nachwort

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Diesen nachträglichen Zeilen ist ein Zitat300 als Überschrift beigefügt. Die etikettenhafte aber keineswegs abwertend gemeinte Anspielung bezieht sich auf Marquis de Sade, der schon früh zur zentralen Leitfigur des Mödlinger Rechtsanwalts und Schriftstellers Albert Drach wurde.

Literaturkritik und Literaturwissenschaft versehen diesen österreichischen Autor ihrerseits regelmäßig mit Etiketten. Die Begriffe „Sadist“, „Zyniker“ und „Protokollstil“ mögen hier stellvertretend für eine Vielzahl von Zuschreibungen stehen. Diese stets sich wiederholenden Schlagwörter sind berechtigt und unberechtigt zugleich, da sie zwar Wesentliches hervorheben, andere Aspekte aber verdecken und somit nur eine eingeschränkte Perspektive zulassen.

Die vorliegende Untersuchung zeigt unter anderem, wie der bislang weitgehend unbekannte Essayist Drach mit Etiketten umgeht. Sie dienen ihm nicht so sehr als – wenn auch freilich unzureichende – Erklärungsmodelle, sondern gewissermaßen als ,Zertrümmerungsmittel‘. In dem Essay „Literaturgeschichte ohne Namen“ richtet er diese als Waffen gegen die „Definitionsmacht“301 und deren vermeintliche ,Günstlinge‘. Jene, die den Kanon bestimmen und darauf beruhend „zünftige“ Literaturgeschichte schreiben, gelten ihm als „Dorftrottelhierarchie“ bzw. „Mafia“. Die von ihnen begünstigten „Hochberühmte[n]“ werden – zumindest teilweise – in ihrer Denkmalhaftigkeit erschüttert und als Produzenten höchst fragwürdiger Literatur dargestellt.

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