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Figur und Handlung im Märchen

Die «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm im Licht der daoistischen Philosophie 2., überarbeitete Ausgabe

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Liping Wang

Diese Studie geht von einem weit außerhalb der europäisch-germanistischen Forschung liegenden Punkt aus, nämlich der fernöstlichen Philosophie des Daoismus, und eröffnet durch eine symboltheoretisch-strukturalistische Bedeutungsanalyse einen interkulturell erweiterten Zugang zu ausgewählten Texten der «Kinder- und Hausmärchen». Aus dem Handeln von 16 signifikanten Märchenfiguren extrapoliert sie Verhaltensmodelle, die sowohl grundlegend für das Weltbild in Grimms Märchen sind als auch überraschende Ähnlichkeiten mit dem Daoismus aufweisen. Mit der Kardinalfrage der Märchen: «Was ist Glück und Unglück?» gelangt die Arbeit zu einer von traditionellen Märcheninterpretationen abweichenden, sie reflektierenden und ergänzenden Antwort, die mit «der Suche nach der verlorenen (R)Einheit» anfängt.

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Einleitung

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Die Kinder- und Hausmärchen wurden „zum meistaufgelegten, meistübersetzten und jedenfalls bestbekannten deutschsprachigen Buch aller Zeiten.“1 „Wie die systematische Sammlung, so hat auch die systematische Erforschung des Märchens ihren eigentlichen Ursprung in der Arbeit und in Anregungen der Brüder Grimm.“2 In diesem Sinne bleibt nicht nur das deutsche Märchen für immer mit den Brüdern Grimm samt ihren Kinder- und Hausmärchen unlösbar verbunden3, sondern auch die Märchenforschung. Vielfältige und grenzenlose Deutungsansätze bestätigen immer wieder die von Wilhelm Grimm 1819 postulierte These:

„Jede wahre Poesie ist der mannigfaltigsten Auslegung fähig, denn da sie aus dem Leben aufgestiegen ist, kehrt sie auch immer wieder zu ihm zurück; sie trifft uns wie das Sonnenlicht, wo wir auch stehen; darin ist es gegründet, wenn sich so leicht aus diesen Märchen eine gute Lehre, eine Anwendung für die Gegenwart ergibt; es war weder ihr Zweck, noch sind sie, wenige ausgenommen, deshalb entstanden, aber es erwächst daraus, wie eine gute Frucht aus einer gesunden Blüte, ohne Zutun der Menschen.“4

Aus dieser Selbstdeutung von Wilhelm Grimm, was Märchen seien, ergeben sich drei Orientierungspunkte, die eine für die Interpretation der Kinder- und Hausmärchen – wie die vorliegende Arbeit sie unternimmt – zu berücksichtigende Ausgangsposition markieren.

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