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Vorkoloniale Afrika-Penetrationen

Diskursive Vorstöße ins «Herz des großen Continents» in der deutschen Reiseliteratur (ca. 1850–1890)

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Florian Krobb

Die Studie untersucht, wie Reiseberichte und verwandte Publikationen diskursiv einen Sog nach Afrika erzeugten. Zentrale Verfahren sind die Inszenierung der eigenen Pionierleistung, der Rivalität mit Konkurrenten um Zugriff auf Afrika und der gegenseitigen Überbietung und Vermächtniserfüllung. Weiterhin werden thematische Bereiche – wie Sklaverei oder Despotismus in afrikanischen Gesellschaften und die Geschichtlichkeit Afrikas – behandelt, welche Begründungen bereitstellten, die das deutsche Eingreifen in afrikanische Belange nicht nur rechtfertigten, sondern angeblich erforderten. Solche Mechanismen der zunächst diskursiven Bemächtigung des Kontinents erklären, warum sich in der Beschleunigungs- und Intensivierungsphase deutscher Beschäftigung mit Afrika in den Jahrzehnten nach 1850 ein Einstellungswandel in der deutschen Öffentlichkeit vollzog, der die Inbesitznahme weiter afrikanischer Landstriche durch das Deutsche Reich 1884/85 ermöglichen half.

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Kapitel IV „Meine Hauptpassion ist die Jagd“ Inszenierung und Funktion von Tierbegegnungen

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IV„Meine Hauptpassion ist die Jagd“Inszenierung und Funktion von Tierbegegnungen

Das Analogon zwischen außereuropäischer Welt und Tierreich manifestiert sich unter anderem darin, dass im europäischen Wissensarchiv und in den öffentlichen Inszenierungen dieses Wissens – so auf Weltausstellungen1 oder im Museum – beide Bereiche auf ähnliche Weise zur Schau gestellt werden. In der Präsentation und Bewertung korrespondiert die Strecke des Jägers der Speziessammlung des Naturforschers; den Geweihen im Salon entsprechen im naturhistorischen Museum die Schaukästen mit Exemplaren einer Gattung. Wo größere und exotische Tiere ausgestopft zur Schau gestellt werden, überlagern sich die Sphären von Jagd und Wissenschaft, indem das Abenteuer des Erlegens und der naturkundliche Wert gemeinsam in dem Schaustück präsent sind. Vereinzelt weist die Auszeichnung von älteren Ausstellungsstücken in Naturkundemuseen sogar noch aus, wer wann und wo das entsprechende Tier zur Strecke gebracht hat. Größe, Qualität und Originalität sind in beiden Fällen Kriterien zur Messung der Leistung. In afrikanischen Reiseberichten werden erschossene Großtiere und gesammelte Mineralien, Pflanzen oder Kleintiere mit dem selben Begriff belegt: Beute (oder Ausbeute). Damit wird das Terrain, auf dem die Ergebnisse erzielt werden, als auszubeutendes designiert.

Ein zentraler Schauplatz der Begegnung mit dem Kolonialen wie mit dem Animalischen ist die Jagd.2 Die Jagd bietet ein facettenreiches Diskursfeld←147 | 148→ des deutschen Selbstverständnisses und Verhaltens gegenüber Afrika, ein Diskursfeld, wo sich Phantasie und Realität, Abenteuer und Notwendigkeit, Herausforderung und Bewährung, Verhaltenheit und Auftrumpfen überschneiden....

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