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Demokratie in der Krise – Die politische Philosophie des Existentialismus heute

Sartre, Camus, Beauvoir im Zwiegespräch mit Kierkegaard, Nietzsche, Schmitt, Arendt, Foucault und Butler

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Edited By Alfred Betschart

Unsere Demokratien stehen vor großen politischen Herausforderungen, nicht zuletzt durch populistische Bewegungen und die Rückkehr nationalistischer Trugbilder. Die Autoren des Bandes befragen das kritische philosophische, emanzipatorische Denken der  Existentialisten Sartre, Camus und Beauvoir nicht nur in ihrem Zwiegespräch miteinander, sondern auch mit Vorläufern, Wegbereitern, Nachfolgern wie Kierkegaard, Nietzsche, Arendt, Foucault und Butler und Gegnern wie Schmitt.

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Denken. Macht. Mut. Emanzipatives politisches Denken bei Arendt und Camus (Linda Sauer)

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Linda Sauer

Denken. Macht. Mut. Emanzipatives politisches Denken bei Arendt und Camus

1. Denken: Eichmann und die Gedankenlosigkeit

‚Glauben, Gehorchen, Kämpfen schlechthin!‘, in dieser Maxime der SS erkannte er sich, sah er sich aber auch in seinen Grundbedürfnissen erkannt und verstanden. Die Fähigkeit zum Umgang mit Gründen und Gegengründen, das Vermögen, subjektiv verantwortlich abzuwägen, Entscheidungen zu treffen, war in ihm auf nahezu einmalige Weise verkümmert, und der einzige Zweifel, der je sein williges Gesicht überschattete, galt der Frage, ob eine befohlene Maßnahme durch die jeweilige, im übrigen beliebig auswechselbare Autorität gedeckt war.1

Das Portrait, das Joachim Fest in Das Gesicht des Dritten Reiches von Rudolf Höß, dem Kommandant des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zeichnet, erinnert an das Bild, das Hannah Arendt in ihrem Bericht Eichmann in Jerusalem von Adolf Eichmann entwirft; jenem Obersturmbannführer, der das Judenreferat – das sog. Eichmannreferat – im Reichssicherheitshauptamt leitete und für die Enteignung, Deportation und Ermordung von rund sechs Millionen Juden verantwortlich war.

Wie Höß, der „mit der gleichen zuverlässigen Gewissenhaftigkeit Aktenvorgänge erledigt oder auch den Bauernhof, von dem er träumte, bewirtschaftet [hätte], mit der er schließlich Menschen zu Hunderttausenden gemordet hat“2, so war auch Eichmann der pflichtbewusste Bürger, „der niemals eigene Entscheidungen traf, der stets außerordentlich darauf bedacht war, von Befehlen ‚gedeckt‘ zu sein“ und „von sich aus nicht einmal mit Vorschlägen...

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