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Altersgrenzen und Altersabstand zwischen Annehmenden und Anzunehmenden bei der Adoption

Bestandsaufnahme und Reformvorschlag

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Sascha Scheikholeslami-Sabzewari

Die Altersvorgaben im Adoptionsrecht sind mit der heutigen gesellschaftlichen Realität, in der Menschen immer später Eltern werden, nicht vereinbar. Der Autor analysiert adoptionsrechtliche Fragestellungen in Bezug auf die Inlands- und Auslandsadoption. Die Studie bietet vor allem durch einen Rechtsvergleich neue Erkenntnisse, die verdeutlichen, dass die aktuelle Gesetzesfassung zwingend reformbedürftig ist. Der Reformvorschlag des Autors zielt darauf ab, die Altersgrenzen im BGB ausführlicher zu normieren und durch dispensable Lösungsmöglichkeiten flexibler zu gestalten. Mit diesen Reformen steht im Vordergrund, dass die Wahrung des Kindeswohls gewährleistet wird.

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B. Leitprinzipien des Adoptionsrechts

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B.  Leitprinzipien des Adoptionsrechts

Das Bürgerliche Gesetzbuch vom 18.08.1896, das am 1.1.1900 in Kraft getreten ist, ermöglichte Deutschland zum ersten Mal ein einheitliches Privatrecht.23 Mit dem Inkrafttreten des BGB fand auch das Institut der Adoption erstmals eine gesamtstaatliche Regelung in dem neuen deutschen Rechtssystem.24 Nichtsdestotrotz war die Adoption im Vergleich zu anderen Rechtsinstituten auch zum Zeitpunkt der Entstehung des BGB als praktisch unbedeutend anzusehen.25 Die maßgebenden Motive, die zur Entstehung des Adoptionsrechtsinstituts beigetragen haben, hatten zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des BGB keine große Relevanz.26

Für die Aufnahme des Adoptionsrechts in das BGB sprachen die Vorteile, die eine Adoption in sozialer und sittlicher Beziehung bewirkten.27 „Wohlhabende und edeldenkende Personen“, die eine Ehe ohne Kinder lebten, sollten die Möglichkeit haben, „ihre Zuneigung einem Wahlverwandten zu schenken und in ihm Namen und Lebenswerk fortwirken zu lassen“.28 Dadurch, dass der Adoption minderjähriger Kinder in sozialer und moralischer Hinsicht eine gewisse Bedeutung zukam, beabsichtigte die Adoption zugleich einen fürsorgerischen Zweck.29 Es sollte „mittellosen, aber von Natur begabten Kindern eine große Wohltat in materieller wie in geistiger Beziehung“ zukommen.30 Außerdem hatte die Aufnahme der Adoption in das BGB eine Reduzierung der Zahl illegitimer Kinder zur Folge.31 ← 9 | 10 →

Den sozialen und fürsorgerischen Charakter der Adoption hat der Gesetzgeber von 1896 bei der Gestaltung der Rechtsvorschriften nicht ausreichend berücksichtigt. Die Erwachsenenadoption stand noch im Vordergrund.32

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