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Turns und kein Ende?

Aktuelle Tendenzen in Germanistik und Komparatistik

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Edited By Elke Sturm-Trigonakis, Olga Laskaridou, Evi Petropoulou and Katerina Karakassi

Der Band setzt sich kritisch mit «Cultural Turns» allgemein auseinander und lotet deren Anwendungsmöglichkeiten vom «post-imperial», über den «ecocritical» bis hin zum «economical turn» aus. Dabei zeigt sich das innovative Potenzial der Turns, aber auch die Notwendigkeit, sie epistemisch in den Einzeldisziplinen zu verankern. Die Symbiose der «Cultural Turns» mit Literaturwissenschaft und Komparatistik scheint etabliert zu sein. Transdisziplinarität und Kombinationen wie «Postkoloniale Germanistik» sind selbstverständlich, und die Komparatistik untersucht Diachronie und Synchronie von jeglichen Wissenssystemen. Die Beiträger nehmen sich den Umstand, dass sich Einzelphilologien und Komparatistik unter dem Vorwurf der Orientierungslosigkeit dennoch in einer Dauerkrise befinden, zum Anlass für eine Bestandsaufnahme.

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Störfall als Öko-Dystopie. Zu Christa Wolfs Re-Lektüre von Naturlyrik nach Tschernobyl (M. Loreto Vilar)

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M. Loreto Vilar1

Störfall als Öko-Dystopie. Zu Christa Wolfs Re-Lektüre von Naturlyrik nach Tschernobyl

Abstract: This article explores intertextual references in Christa Wolf’s Störfall that focus on other works of literature dealing with nature. The analysis aims at showcasing a new interpretation of Wolf’s eco-dystopian vision of the Chernobyl explosion as a turning point in the atomic era.

Wenn der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 die Möglichkeit der Selbstauslöschung der Gattung Mensch im Kontext eines Weltkrieges belegt hatte, bewies die Reaktorexplosion am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine die ebenso großen Risiken der friedlichen Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung. Dass jener katastrophale Unfall in der Tat als turning point im atomaren Zeitalter angesehen werden kann, lässt sich mit Christa Wolfs Störfall. Nachrichten eines Tages (1987) konstatieren, auch wenn der Name Tschernobyl im Buch nie genannt wird.2 Es ist zudem in impliziter Anlehnung an 1945, dass der Reaktorkatastrophe von 1986 epochale Bedeutung – auch als Verabschiedung der utopischen Dimension des sozialistischen Projekts im Ostblock – verliehen wird: „Wieder einmal, so ist es mir vorgekommen, hatte das Zeitalter sich ein Vorher und Nachher geschaffen“ (Wolf 2001, 44), überlegt die Christa Wolf ähnelnde Ich-Erzählerin in diesem Sinne. Wie ihr Biograph Jörg Magenau diesbezüglich kommentiert:←271 | 272→

Der eigentliche Störfall […] war der Verlust der Zukunft. Nichts ist geblieben vom singenden Jubelchor der Aufbauzeit, vom Überschwang des Gefühls...

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