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Turns und kein Ende?

Aktuelle Tendenzen in Germanistik und Komparatistik

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Elke Sturm-Trigonakis, Olga Laskaridou, Evi Petropoulou and Katerina Karakassi

Der Band setzt sich kritisch mit «Cultural Turns» allgemein auseinander und lotet deren Anwendungsmöglichkeiten vom «post-imperial», über den «ecocritical» bis hin zum «economical turn» aus. Dabei zeigt sich das innovative Potenzial der Turns, aber auch die Notwendigkeit, sie epistemisch in den Einzeldisziplinen zu verankern. Die Symbiose der «Cultural Turns» mit Literaturwissenschaft und Komparatistik scheint etabliert zu sein. Transdisziplinarität und Kombinationen wie «Postkoloniale Germanistik» sind selbstverständlich, und die Komparatistik untersucht Diachronie und Synchronie von jeglichen Wissenssystemen. Die Beiträger nehmen sich den Umstand, dass sich Einzelphilologien und Komparatistik unter dem Vorwurf der Orientierungslosigkeit dennoch in einer Dauerkrise befinden, zum Anlass für eine Bestandsaufnahme.

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„… als er wegfuhr von Kreta, dachte er nicht mehr an Homer-Verse, sondern an ein kretisches Bergdorf!“ Täterschaft und Narration am Beispiel von Egon Günthers Roman Der Kretische Krieg (Athanasios Anastasiadis)

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Athanasios Anastasiadis1

„… als er wegfuhr von Kreta, dachte er nicht mehr an Homer-Verse, sondern an ein kretisches Bergdorf!“ Täterschaft und Narration am Beispiel von Egon Günthers Roman Der Kretische Krieg

Abstract: The focus of this paper is on narrative techniques of the fictional representation of perpetration together with the interlacing of victim and perpetrator discourses. The text does not draw a clear boundary between victim-perpetrator dynamics, but demonstrates diverse forms and grades of perpetration, mainly through the depiction of mental processes.

Die Kultur- und Literaturwissenschaften verzeichneten in den letzten Dekaden sich gegenseitig bedingende Turns. Ausgelöst durch den narrative turn und durch wissenschaftliche Impulse aus der psychologischen Gedächtnisforschung, lenkte man die Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zwischen Erzählen, Erinnern und Identität. Vor diesem Hintergrund resultierte ein mnemonic turn, der die literarische Inszenierung von Erinnerungsprozessen in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses rückte. Der Anschluss der Literaturwissenschaft an die interdisziplinäre Gedächtnisforschung ist mit einem traumatic turn verbunden, in dessen Zusammenhang das Traumakonzept und Fragen nach narrativer Vermittlung traumatischer Erfahrungen eine Konjunktur erlebten.2 Nicht zuletzt←363 | 364→ der 2006 publizierte und kontrovers diskutierte Roman Les Bienveillantes von Jonathan Littell (die deutsche Übersetzung erfolgte 2008 unter dem Titel Die Wohlgesinnten), eine fiktive Autobiografie mit zahlreichen faktischen Elementen, die den Holocaust aus der Sicht eines ehemaligen SS-Offiziers beschreibt, führte zu einem literaturwissenschaftlichen Interesse an Tätererinnerungen (vgl. exemplarisch Suleiman). Stehen die Kultur- und Literaturwissenschaften nunmehr vor einem perpetrator turn?

Die...

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