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Der Diskurs über Deklamation und über die Praktiken auditiver Literaturvermittlung

Der Deutschunterricht des höheren Schulwesens in Preußen (1820–1900)

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Hans-Joachim Jakob

Ein Primaner konnte im 19. Jahrhundert am Ende seiner Schullaufbahn Dutzende Gedichte auswendig aufsagen. Die Deklamationskultur des höheren Schulwesens ist seitdem in Vergessenheit geraten. Diese Studie rekonstruiert die intensive Diskussion über das Textsprechen zwischen 1820 und 1900. Sie wertet dazu bislang nur wenig beachtete Quellen aus – Vorschriften, Lehrpläne, Gesetzessammlungen, Lesebücher, Ratgeber, Schulprogramme, pädagogische Zeitschriften und Anthologien. Ein abschließender Blick in fiktionale Zeugnisse von Goethe, Kotzebue, Klingemann, Johanna Schopenhauer, Raabe oder Stinde demonstriert den schmalen Grat zwischen deklamatorischem Triumph und gesellschaftlicher Blamage.

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3. Theoretische Grundlagen

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Abstract: Subsequent to historical discourse analysis the terminology of the study is explicated. The main terms are defined as “voice” (Reinhart Meyer-Kalkus), “declamation” (Sergej Bernštejn), “cultural practice” (Karl H. Hörning), “canon” and “living environment” (Hermann Korte), finally “discourse” (Michel Foucault).

a) Stimme und Text

Die Thesen zum Niedergang der Rhetorik müssen im Hinblick auf die letzten zwanzig Jahre schon allein deshalb überraschen, da an innovativen Studien zur spezifischen auditiven Literaturvermittlung kein Mangel herrscht – und das nicht nur im Hinblick auf auditive Medienformate des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts, deren Erforschung etwa die traditionsreiche Analyse des Hörspiels weiter fortsetzt oder neue, höchst erfolgreiche auditive Medien wie das Hörbuch in den Blick nimmt.1 Gerade das Hörbuch kann für die letzten zehn Jahre eine rasant zunehmende Anzahl von Untersuchungen vorweisen, wobei es in seiner Funktion als hochmodernes Literaturvermittlungsmedium (weitaus mehr als das ursprünglich für den Rundfunk konzipierte Hörspiel) durch seine Partizipation an traditionsreichen Vorlese- und Deklamationstraditionen ein besonderes Interesse verdient.2 So widmete ← 59 | 60 → sich die an der Ruhr-Universität Bochum abgehaltene und zusammen mit der Universität Siegen konzipierte Tagung „Die Matrix des Hörbuchs“ vom 7. bis 9. Dezember 2010 insbesondere theoretischen Aspekten des Mediums. Diese Tagung ist im Zusammenhang zu sehen mit dem von Natalie Binczek, Cornelia Epping-Jäger und Georg Stanitzek an der Universität Bochum von 2008 bis 2011 durchgeführten DFG-Projekt „Poetik und Hermeneutik des Hörbuchs. Akustische Texte...

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