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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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15. Kapitel. Kommentierte Beispiele aus der Praxis der Komik(üb)ersetzung

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In diesem Kapitel behandle ich vier Texte, bei denen der Übersetzer zum Produzenten deutscher Sprachkomik werden muss. Alles Bisherige kann man als Vorschule der eigenen Praxis betrachten. Wir haben erfahren, was historisch im Deutschen möglich war, wir haben u.a. die ätzende Satire Heines, die fantastische Sprachakrobatik Nestroys, die schlichte Technik der Mechanismus-Komik, die erotischen Lockungen der komischen Tabubrüche, die Überlappung von Inkongruenzen, die infantile oder tiefsinnige Spielerei mit Wörtern und Bedeutungen kennengelernt. Ich glaube fest daran, dass nachdenkliche Lektüre-Begegnungen mit den Könnern und Kennern die beste Vorbereitung auf den übersetzerischen Umgang mit Sprachkomik sind.

Wir wollen im Folgenden an Passagen von Molière, Oscar Wilde und an zwei Texten bekannter englischer Kabarettisten des 20. Jahrhunderts ausprobieren, wie französische oder englische Sprachkomik in deutsche Sprachkomik umgewandelt werden kann. Ich greife, hoffentlich nicht allzu unbescheiden, zu Beispielen aus meiner eigenen Praxis als Literaturübersetzer.

15.1 Ein Wortspiel in Oscar Wildes An Ideal Husband

15.1.1 Voraussetzungen der literarischen Übersetzung

Wenn man einen komischen Text übersetzen will, muss man zunächst das Original besser verstehen als der normale Leser. Es genügt nicht zu erkennen, welche Scripts sich in einer komischen Passage offensichtlich überlappen; eine gute Übersetzung baut auf weitaus umfangreicheren Voraussetzungen auf. Ich will das an einem Beispiel erläutern, wobei ich auf eine meiner Wilde-Übersetzungen zurückgreife, und zwar auf die Komödie An Ideal Husband, die unter dem Titel Ein idealer Gatte zuerst 1991...

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