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„… in tausend schimmernden Klangfarben …“

Glanz und Schatten der gitarristischen Virtuosität im 19. Jahrhundert – eine Untersuchung der Spielpraxis

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Leila Gudlin

Die gitarrenbezogene historische Auffassung der Virtuosität sowie die Verbalisierung spielpraktischer Ansätze aus dem 19. Jahrhundert sind die Hauptthemen dieses Bandes. Die Untersuchung der Virtuosität basiert auf einer vergleichenden Analyse zwischen Bearbeitungen und deren Vorlagen, welche durch das Heranziehen von Gesangslehrbüchern, Instrumentalschulen und Konzertberichten ergänzt wird. Der Klang und die unterschiedlichen Klangkonzepte wie z. B. die musikalische Gestaltung mit Klangfarben oder das instrumentale Singen bilden den Kern der gitarristischen Virtuosität und werden praxisnah dargelegt.

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1 Aspekte der Bearbeitungspraxis

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Bearbeitungen spielen in der vorliegenden Arbeit eine zentrale Rolle. Sie schaffen Verbindungen zu verschiedenen Bereichen der Instrumental- und Vokalmusik und ermöglichen eine fachübergreifende Herangehensweise. Obwohl sie ein Hilfsmittel und nicht den Hauptteil der Untersuchung darstellen, muss ihre Rolle in der Analyse der Spielpraxis erläutert werden. Deswegen werden in diesem Kapitel relevante Aspekte der Bearbeitungspraxis besprochen. Die Annäherung an das Thema geschieht aus der Perspektive der Gitarrenmusik, allerdings werden weitere Textquellen miteinbezogen. Anhand ausgewählter historischer Lexika und theoretischer Abhandlungen werden in Abschnitt 1.1 der Begriff Bearbeitung und verwandte Begriffe erläutert, die im 19. Jahrhundert für verschiedene Formen der Bearbeitung in Gebrauch sind. Dabei kristallisieren sich zwei Typen heraus: das Arrangieren und das Fantasieren. Ihre Unterscheidung in den Abschnitten 1.2 und 1.3 bildet die Basis für die zentrale Prämisse dieser Arbeit, nämlich dass die Bearbeitungen auf mehreren Ebenen Informationen über die Spielpraxis liefern.

1.1 ‚Bearbeitung‘ und ‚Bearbeiten‘ im 19. Jahrhundert

Der Begriff Bearbeitung wird heute in musikwissenschaftlichen Publikationen vielfältig angewendet. In Lexika wird er als Oberbegriff für jeden Eingriff in ein existierendes Werk definiert. Gesine Schröder erklärt Bearbeitung als „Umgang mit einer […] Vorlage, der diese abwandeln, sie ergänzen, fertigstellen, rekonstruieren, verbessern, dekomponieren, neukomponieren, nachdichten oder ihr eine andere klangliche Façon leihen, sie einem anderen Genre anpassen kann“65. Das Vorhandensein einer Vorlage ist in Zusammenhang mit dem Vorhaben dieser Arbeit von klarer Bedeutung. Ein Vergleich zwischen Vorlage und Bearbeitung erm...

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