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„… in tausend schimmernden Klangfarben …“

Glanz und Schatten der gitarristischen Virtuosität im 19. Jahrhundert – eine Untersuchung der Spielpraxis

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Leila Gudlin

Die gitarrenbezogene historische Auffassung der Virtuosität sowie die Verbalisierung spielpraktischer Ansätze aus dem 19. Jahrhundert sind die Hauptthemen dieses Bandes. Die Untersuchung der Virtuosität basiert auf einer vergleichenden Analyse zwischen Bearbeitungen und deren Vorlagen, welche durch das Heranziehen von Gesangslehrbüchern, Instrumentalschulen und Konzertberichten ergänzt wird. Der Klang und die unterschiedlichen Klangkonzepte wie z. B. die musikalische Gestaltung mit Klangfarben oder das instrumentale Singen bilden den Kern der gitarristischen Virtuosität und werden praxisnah dargelegt.

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Einleitung

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Im Laufe der Vorbereitung der vorliegenden Arbeit bin ich auf eine Episode aus Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns Lebens-Ansichten des Katers Murr gestoßen. Die Gitarre spielt dort – in der Begegnung des Kapellmeisters Kreisler mit Prinzessin Hedwiga und Fräulein Julia – eine Schlüsselrolle, wobei die Darstellung des Instrumentes ambivalent erfolgt. Von Kreisler gespielt, erscheint die Gitarre als „das miserabelste, unvollkommenste Instrument von allen Instrumenten, nur werth, von girrenden liebeskrankenden Schäfern in die Hand genommen zu werden“1. In Julias Händen aber verwandelt sich das Instrument und die Musik erklingt „[…] in tausend schimmernden Farben, wie das glänzende Pfauenauge“2.

Entsprechungen zu beiden Ansichten sind in historischen Quellen, die in der vorliegenden Arbeit vorgestellt und analysiert werden, zahlreich zu entdecken.3 Die Gitarre gilt einerseits als Dilettanteninstrument, dessen Spielweise keine Virtuosität bietet. Andererseits findet sie manchmal dank meisterhaften Spiels von Gitarrenvirtuosen ihre Anerkennung auf dem Konzertpodium. Diese Ambivalenz ist in Bezug auf die Gitarrenmusik des 19. Jahrhunderts oft auch in der Gegenwart feststellbar. In manchen Interpretationen scheinen die Kompositionen leer und einfallslos, während sie in anderen fantasievoll und fesselnd sind. Manche Gitarristen4 behaupteten und behaupten, diese Musik sei ‚Salonmusik‘ und keine wahrhaft großen Komponisten des 19. Jahrhunderts hätten für Gitarre komponiert. Die Salonmusik sei inhaltsleer und voll von einer auf sinnfreie Effekte gerichteten Virtuosität. Doch spiegelt diese Musik besonders das Innere des Interpreten wider und gibt denjenigen, die ihre Ausdrucksmöglichkeiten kennen, die Freiheit einer persönlichen und fantasievollen Gestaltung....

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