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Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Zwischenkriegszeit

Publizistisches Engagement, Beziehungsgeschichte und literaturwissenschaftliche Rezeption bis in das 21. Jahrhundert

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Jasmin Sohnemann

Arnold und Stefan Zweig sahen sich als „geistige Führer", gelten aber, bis auf ihr Interesse an der Psychoanalyse, als sehr verschieden. Die Auswertung ihrer Publizistik – darunter viele unbekannte Texte – zeigt erstmals systematisch, wie sie sich an Debatten der Zwischenkriegszeit beteiligten. Die Autorin prüft Aussagen über Demokratie, Sozialismus, Nationalismus, Europa, Pazifismus, die UdSSR, ihr jüdisches Erbe, Zionismus und Antisemitismus. Die Zweigs erscheinen als unabhängige Zeitkritiker, die oft übereinstimmend und wegweisend urteilten. Ihre unveröffentlichten Briefe (1919–1940) bieten Einblick in diese kaum bekannte Beziehung. Die Studie stellt in der Germanistik verbreitete Zweig-Bilder infrage, die wesentlich durch den Kalten Krieg beeinflusst wurden.

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I. Einleitung

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I. Einleitung

„[…] bleiben wir, wie durch den Namen, auch innerlich verbunden durch den Willen anständig zu wirken, jeder nach seiner Begabung und seinen Kräften.“

Stefan Zweig an Arnold Zweig am 20. November 19371

Abstract: The introduction outlines the study’s aims: Arnold and Stefan Zweig are seen as different, yet both sought to morally educate their readers. Focussing on lesser-known journalistic works, their positions during the interwar period will be identified and compared, their mostly unpublished correspondence examined, and their reception history reviewed.

1. Zwei Lebenswege und -aufgaben, nebeneinandergestellt

Weihnachten 1925 erschien von Arnold Zweig folgende Erklärung in Die literarische Welt:

Daß ich […] weder Bruder noch Vetter des mit mir sicher ebendort wie ich mit ihm geplagten ausgezeichneten Stefan Zweig bin, möchte ich hier dokumentarisch niederlegen. Ob wir jemals Bosheit genug aufbringen werden, die Verwirrung auf den Gipfel zu führen und ein gemeinsames, einfach: „von St. A. Zweig“ signiertes Opus in die Welt zu setzen, wird lediglich von der Epoche abhängen: je heiterer sie wird, umso mehr läßt man sie tanzen. Als Titel schwebt mir zurzeit vor: „Amok um Claudia“, „Jeremias in Ungarn“ (auch: „Die Sendung Jeremias“), „Söhne aus Kinderland“ und „Lessing, Kleist, Nietzsche“ oder „Das ostdeutsche Antlitz“.2

Neben dieser Passage, mit der er humorvoll das nicht vorhandene Verwandtschaftsverhältnis zu seinem damals wie heute weitaus bekannteren Kollegen gleichen Familiennamens klarstellte, enthält dieser Text ein Resümee...

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