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Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Zwischenkriegszeit

Publizistisches Engagement, Beziehungsgeschichte und literaturwissenschaftliche Rezeption bis in das 21. Jahrhundert

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Jasmin Sohnemann

Arnold und Stefan Zweig sahen sich als „geistige Führer", gelten aber, bis auf ihr Interesse an der Psychoanalyse, als sehr verschieden. Die Auswertung ihrer Publizistik – darunter viele unbekannte Texte – zeigt erstmals systematisch, wie sie sich an Debatten der Zwischenkriegszeit beteiligten. Die Autorin prüft Aussagen über Demokratie, Sozialismus, Nationalismus, Europa, Pazifismus, die UdSSR, ihr jüdisches Erbe, Zionismus und Antisemitismus. Die Zweigs erscheinen als unabhängige Zeitkritiker, die oft übereinstimmend und wegweisend urteilten. Ihre unveröffentlichten Briefe (1919–1940) bieten Einblick in diese kaum bekannte Beziehung. Die Studie stellt in der Germanistik verbreitete Zweig-Bilder infrage, die wesentlich durch den Kalten Krieg beeinflusst wurden.

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II. Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Literaturwissenschaft in Deutschland

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II. Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Literaturwissenschaft in Deutschland

„Und was sollen dann erst wir überhaupt noch von einer historischen Perspektive auf uns erhoffen.“

Arnold Zweig an Stefan Zweig am 2. Januar 19211

Abstract: A diachronic summary of relevant Zweig pictures from the 1930s to date shows their relations with the political context. During the Cold War, diametric depictions emerged in West-Germany, which were crucial for their marginalisation in the literary canon, and have partly been carried forward until today. In the GDR, the Zweigs counted as less opposed.

1. Die Rezeption der Schriftsteller bis 1945

Die für die Bildung des Kanons richtungsweisenden literaturhistorischen Darstellungen, von denen Arnold Zweig dem Eröffnungszitat nach bereits 1921 wenig erwartete, enthalten bis heute vielfach gegensätzliche Illustrationen der beiden Zweigs. Wie einführend angemerkt, steht Stefan Zweig oft exemplarisch für eine unpolitische, psychologisierende und ästhetizistische Strömung der literarischen Moderne. Arnold Zweig wird dagegen einer parteilichen und politischen Richtung zugeordnet. Freilich teilen beide, wie die meisten ihrer Zeitgenossen, das Schicksal, dass ihr Werk und Wirken im Kontext der ideologischen Teilung der Welt in einen antikommunistischen Westen und einen antikapitalistischen Osten betrachtet wurde. Doch noch heute, fast drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges, halten sich manche Zuschreibungen hartnäckig, trotz der fortgeschrittenen Edition von Werk und Nachlass, besser verfügbarer, zum Teil digitalisierter Quellen und neuer Forschungsergebnisse. In den folgenden Kapiteln wird die Geschichte der Zweig-Rezeption nachgezeichnet, um...

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