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Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Zwischenkriegszeit

Publizistisches Engagement, Beziehungsgeschichte und literaturwissenschaftliche Rezeption bis in das 21. Jahrhundert

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Jasmin Sohnemann

Arnold und Stefan Zweig sahen sich als „geistige Führer", gelten aber, bis auf ihr Interesse an der Psychoanalyse, als sehr verschieden. Die Auswertung ihrer Publizistik – darunter viele unbekannte Texte – zeigt erstmals systematisch, wie sie sich an Debatten der Zwischenkriegszeit beteiligten. Die Autorin prüft Aussagen über Demokratie, Sozialismus, Nationalismus, Europa, Pazifismus, die UdSSR, ihr jüdisches Erbe, Zionismus und Antisemitismus. Die Zweigs erscheinen als unabhängige Zeitkritiker, die oft übereinstimmend und wegweisend urteilten. Ihre unveröffentlichten Briefe (1919–1940) bieten Einblick in diese kaum bekannte Beziehung. Die Studie stellt in der Germanistik verbreitete Zweig-Bilder infrage, die wesentlich durch den Kalten Krieg beeinflusst wurden.

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IV. „und im Tun“? – Publizistische Positionen in der Zwischenkriegszeit

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IV. „und im Tun“? – Publizistische Positionen in der Zwischenkriegszeit

Abstract: The Zweigs’ positions in relevant public discourses – politics, Europe, matters of Judaism (anti-Semitism/Zionism) – are identified by examining approx. 140 newspaper articles, speeches and essays. The results – e.g. Stefan Zweig’s pro-soviet attitude or Arnold Zweig’s commitment for European unity – often challenge established perceptions.

1. Die politische und wirtschaftliche Ordnung

1.1 Erziehung zum republikanischen Bewusstsein und zum Antimaterialismus

Erziehung als eine Methode zur Veränderung der Gesellschaft ist in der zeitkritischen Publizistik beider Zweigs über Jahrzehnte ein wiederkehrendes Motiv. Wie einführend gezeigt wurde, betrachteten sie auch ihre schriftstellerische Arbeit als Beitrag in diesem Sinne. In diesem Kapitel werden die publizistisch vertretenen Positionen zu wesentlichen Zeitfragen geprüft. Zunächst geht es um die Art des politischen und wirtschaftlichen Wandels, für den sich die Zweigs einsetzten, und um die Wege, die sie für seine Umsetzung aufzeigten. Betrachtet werden zunächst ihr Demokratieverständnis und ihre Einstellungen zu den jungen Republiken Deutschland und Österreich. Zentral ist auch ihre Auseinandersetzung mit dem kapitalistischen System und dem kommunistischen Gegenmodell.

Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutete für Deutschland und Österreich auch das Ende der Monarchie und die Einführung einer parlamentarischen Demokratie. Bereits in einem noch vor dem Amtsverzicht von Karl I. von Österreich-Ungarn im Oktober 1918 veröffentlichten Zeitungsbeitrag bezeichnet sich Stefan Zweig als lange überzeugten „Deutscheuropäer, dem Demokratie ein Ideal war“.1←185 | 186→ Es werde daher schwer sein, „mit...

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