Show Less
Restricted access

denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

Series:

Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

Show Summary Details
Restricted access

Abschalten: Die Paradoxie der Beobachtung in Sabine Grubers Journalistenroman Daldossi oder Das Leben des Augenblicks

Extract

Amália Kerekes

Wird eine Journalistenfigur in den filmischen oder belletristischen Spielraum eingeschleust, bedeutet dies zumeist die Anbahnung eines Wendepunkts, vorbereitet von einem im Gegensatz zu den anderen Figuren fokussiert handelnden, zielstrebigen Akteur. Wenn JournalistInnen selbst im Mittelpunkt stehen, fällt jedoch schnell ein negatives Urteil: Die Handlung sei »unterkomplex«,1 wie bei Umberto Ecos letztem Roman Nullnummer kritisiert wurde, die Geschichte bestehe aus »Telenovela-Gestalten«, so ein noch äußerst wohlwollender Rezensent über Mario Vargas Llosas Die Enthüllung,2 oder die solide, aber didaktische Aufmachung ersticke das Filmische, wie es über den Oscar prämierten Film Spotlight hieß.3 Diese drei politisch ambitionierten und prominenten Beispiele aus dem unmittelbaren zeitlichen Umfeld von Sabine Grubers Roman Daldossi oder Das Leben des Augenblicks stießen zwar keine rege Diskussion an, sind aber Signale eines breiteren Interesses dafür, was man als die Individualität der Massenmedien bezeichnen könnte, einer Sehnsucht nach zurückgewonnener Handlungsmacht der Presse und nach einem heroisch oder satirisch vorgebrachten Ideal des intervenierenden Journalismus. Was allerdings in Ungarn in diesem Zeitraum geschah, als die meist verkaufte ungarische Tageszeitung Népszabadság über Nacht eingestellt wurde, ist ein einprägsames Beispiel für das kurze Verfallsdatum dieses Interesses und zugleich ein Lehrstück darin, wie eng die Spielräume der journalistischen Selbstbeobachtung sind. Eine viel zitierte Anmerkung des stellvertretenden Chefredakteurs der Tageszeitung, jemand habe die Serie House of Cards, in der ein viel zu gut informierter Journalist vom künftigen Präsidenten vor die U-Bahn gesto...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.