Show Less
Restricted access

denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

Series:

Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

Show Summary Details
Restricted access

Aktenzeichen MoE: Bürokratie und Krieg 1914–1918

Extract

Peter Plener

Jeder Krieg hat seine Erzählungen, seine Lieder und seine Bilder. Und jeder, der Krieg betreibt, braucht derartige mediale Formen, um seine Narrative durchzusetzen. Natürlich änderten sich im Verlauf der Jahrtausende und Jahrhunderte neben den Waffensystemen die Informations- und Speicherformate; mit diesen Entwicklungen erfuhren auch Komplexität und Organisationsgrad der mehr oder weniger unmittelbaren Berichterstattung vom Krieg einen Wandel: Zwischen der antiken Teichoskopie und der Manipulation von Information in Echtzeit liegen nicht wenige Kulturräume und -zeiten. So wie ›der Krieg‹ seine vermittelnden Darstellungsformen erfuhr, bedurfte er neben Anlass gebenden Bezugssystemen, Vermögenswerten, Kriegern, Waffen, Bereitschaft zum Mord, Nachschub, Befehls- und Verständigungsketten als Parallelstruktur auch zumindest irgendeiner Form der Verwaltung, die Güter und Informationskanäle sicherstellte. Im Ersten Weltkrieg erfahren diese Anstrengungen und Erfahrungswerte, die über viele Jahrhunderte gesammelt wurden, eine bis dahin nicht gekannte Akkumulation an Kräften; es entsteht – teils aus reiner Notwendigkeit und Zufall und weniger aus strukturierter Planung heraus – eine völlig neue Form der Verschaltung von Handlungsfeldern und Subsystemen. So unterhielten etwa mit Fortdauer des Krieges bald alle kriegsführenden Mächte Informationssysteme und manipulierten die öffentliche Meinung nach Kräften. Am Beispiel des k.u.k. Kriegspressequartiers (der ersten Einrichtung dieser Art)1 ←201 | 202→erweist sich exemplarisch, mit welcher Ahnungslosigkeit – und zugleich: umfassenden Wirkung – Medien erstmals, per Anordnung der Militärbürokratie, tatsächlich zu Medienverbünden verschaltet wurden.2 Dabei konnte auf einer Verwaltung mit jahrhundertelanger Tradition und zugleich Entwicklung aufgesetzt werden – einem System der Bürokratie und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.