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"Kontaminierte Landschaften"

Mitteleuropa inmitten von Krieg und Totalitarismus. Eine exemplarische Bestandsaufnahme anhand von literarischen Texten

Edited By Alexander Höllwerth

Der Band befasst sich mit dem schweren Erbe von Krieg und Totalitarismus in Mitteleuropa. Er enthält die Texte von 21 Autorinnen und Autoren aus Tschechien, Polen, Ungarn, Österreich und Deutschland. Diese gehen in ihren Beiträgen der Frage nach, welche Rolle der Literatur bei der Aufarbeitung der Traumata der Vergangenheit zukommt. Besprochen werden die Werke zeitgenössischer Autoren wie Pollack, Weber, Bodor, Topol, Sabuschko u. a. sowie von Autoren, die aus unmittelbarer Zeitzeugenschaft heraus schreiben (Wojdowski, Buczkowski). Dabei soll auch aufgezeigt werden, welchen Beitrag die Literatur bei der Durchbrechung national beschränkter Erinnerungskulturen hin zu einer transkulturellen (mittel-)europäischen Erzählung leisten kann. Gerade heute ist dieses Thema wieder hochaktuell.

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Kontaminierte Landschaften

Kontaminierte Landschaften

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. Darunter verstehe ich Landschaften, die auf den ersten Blick schön, von Menschenhand weitgehend unberührt, vielleicht sogar idyllisch wirken, die jedoch in Wahrheit etwas verbergen. Ein düsteres Geheimnis. Eine bedrückende Altlast. Es gibt da etwas, was diese Landschaften verunreinigt, unsichtbar zwar, aber dafür umso nachhaltiger. Das ist das Wesen der Kontamination. Es handelt sich um Orte, wo in der Vergangenheit Verbrechen begangen wurden, Massaker, Massenerschießungen, deren Opfer in vielen Fällen an Ort und Stelle verscharrt wurden. Irgendwo in der Landschaft, deren topographische Gegebenheiten, Schluchten, Höhlen, Bodensenken, Teiche, Moore, schwer einsehbare Lichtungen, von den Tätern genutzt wurden, um die Spuren des Verbrechens zu verbergen, sie verschwinden zu lassen. Die Gruben, in die man die Opfer wirft, werden zugeschüttet, eingeebnet, sogar mit Hilfe von Maschinen, von Baggern und anderem schweren Gerät, manchmal werden die Mordstätten dann wieder begrünt, sorgsam mit Gras, Büschen und Bäumen bepflanzt, um nach Möglichkeit den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Um das Auge des unwissenden Vorbeikommenden zu täuschen und die Illusion der Unberührtheit herzustellen. Die Illusion einer heilen Landschaft. Die Landschaft soll aussehen wie vorher, vor dem schrecklichen Ereignis, ihre vermeintliche Unschuld – kann man tatsächlich von einer unschuldigen Landschaft sprechen? – soll wiederhergestellt werden.

Die Täter, die so bereitwillig wie arglistig in die Rolle von Gärtnern, Landschaftsgestaltern, Landschaftsarchitekten schlüpfen, verfolgen immer und überall dasselbe Ziel: Die Gräber, meist einfache Gruben, oft riesigen Ausmaßes, manchmal sogar...

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