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"Kontaminierte Landschaften"

Mitteleuropa inmitten von Krieg und Totalitarismus. Eine exemplarische Bestandsaufnahme anhand von literarischen Texten

Edited By Alexander Höllwerth

Der Band befasst sich mit dem schweren Erbe von Krieg und Totalitarismus in Mitteleuropa. Er enthält die Texte von 21 Autorinnen und Autoren aus Tschechien, Polen, Ungarn, Österreich und Deutschland. Diese gehen in ihren Beiträgen der Frage nach, welche Rolle der Literatur bei der Aufarbeitung der Traumata der Vergangenheit zukommt. Besprochen werden die Werke zeitgenössischer Autoren wie Pollack, Weber, Bodor, Topol, Sabuschko u. a. sowie von Autoren, die aus unmittelbarer Zeitzeugenschaft heraus schreiben (Wojdowski, Buczkowski). Dabei soll auch aufgezeigt werden, welchen Beitrag die Literatur bei der Durchbrechung national beschränkter Erinnerungskulturen hin zu einer transkulturellen (mittel-)europäischen Erzählung leisten kann. Gerade heute ist dieses Thema wieder hochaktuell.

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Tiefe Spuren: Erinnerungstopographien in der zeitgenössischen transkulturellen Literatur

Tiefe Spuren: Erinnerungstopographien in der

zeitgenössischen transkulturellen Literatur/

Deep Traces: Topographies of Memory in

Contemporary Transcultural Literature

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Eva Hausbacher

Abstract: The article’s origins lie in the observation that in the Germanosphere narratives of remembrance are noticeably dominant in transcultural texts by female authors with Slavic background. The novels that are presented here in more detail, Katja Petrowskaja’s Vielleicht Esther (2014) and Hanna Sukare’s Staubzunge (2015), stride across the Central-East European space characterized by the terror of the twentieth century in the process of remembered recurrence. In narrating their family stories, they explore their spaces of memory afresh and discover contaminated landscapes.

Keywords: topography of remembrancenarratives of remembrancetranscultural writingsparallelization of spatial contamination and psychological repressionalternative views of history

„Manchmal scheint es, dass die Ziegelsteine der Vergangenheit so dicht aneinanderkleben, dass es dort überhaupt keinen Platz für Neues gibt.“1 In diesen Worten der deutsch-russischen Autorin Julia Kissina wird deutlich, wie großer Anstrengungen es bedarf, zu den verdrängten und – um die Terminologie dieses Bandes gleich eingangs einzuführen – oftmals kontaminierten Bereichen des Lebens vorzudringen, weil die offiziellen Geschichtsbilder, die ein individuelles Leben rahmen, fest einzementiert sind. Der Roman Vesna na lune2 entwirft eine alternative Geschichte der 1970er und 1980er Jahre in der Sowjetunion. Der episodisch gestaltete Text schildert das Aufwachsen eines zwölfjährigen Mädchens namens Julia im Kiew dieser Zeit und beschreibt „das Knospen neuen Lebens in einer Sinnwüste am Rand des Imperiums.“3 Dabei gelingt der Autorin eine Art „Re-Writing“ etablierter Darstellungen der 1970er und 1980er Jahre, und sie rückt sowjetische Erinnerungsnarrative ebenso wie „westliche...

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