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Robert Musil und Amos Gitaï: Die Ethik des Möglichkeitssinns

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Bernadette Appel

Die literaturwissenschaftliche Studie widmet sich den Werken des österreichischen Schriftstellers Robert Musil (1880–1942) und des israelischen Filmemachers Amos Gitaï (*1950). Die Analyse erbringt erstmalig den Nachweis, dass sich Gitaï in seinen Filmen mit dem berühmten Musilschen Möglichkeitsdenken auseinandersetzt. Vor dem aktuellen Hintergrund des Israel-Palästina-Konfliktes wird der Möglichkeitssinn dabei als innovatives und visionäres Modell erkennbar, das sich sowohl in ethischer, in medienphilosophischer und letztlich auch in aktuell-politischer Hinsicht als Transmedium einer beweglichen kritischen Praxis auszeichnet.

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3 Theorie und Methode

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3 Theorie und Methode

3.1 Darlegung der Analysekategorien und des methodischen Vorgehens

3.1.1 Begründung der Analysekategorien und der Werkauswahl

Die Bezugnahmen Amos Gitaïs auf das Werk Robert Musils sind von einem ‚Möglichkeitssinn‘ her motiviert, der, entgegen seiner häufigen Reduzierung auf sein utopisches Interesse, alle für eine ‚Wirklichkeitsethik‘ relevanten Aspekte in sich vereint und als zentrales ‚Medium‘ in Film und Literatur auf eine dyna←112 | 113→mische ‚Ethik des Unfesten‘ hinwirkt. Dabei orientieren sich das literarische Werk Musils und so auch das filmische Werk Gitaïs in Aufbau und (Erzähl-)Struktur an den immer wiederkehrenden Mustern und ineinandergreifenden Schritten des ‚Möglichkeitsdenkens‘, das ich daher ins Zentrum der Studie stellen und in seiner Form und Funktion nachzeichnen möchte. Jene Schritte des ‚Möglichkeitsdenkens‘ konstituieren die die Argumentation bestimmenden Analysekategorien und begründen zugleich die Text- und Filmauswahl, wie ich im vorliegenden Kapitel darlegen möchte.

Ein Ziel der Studie ist es, Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften als eigenständigen theoretischen Referenztext unserer Geistesgeschichte zu profilieren. Der Roman wird daher im Zentrum der Studie stehen. Sonstige theoretische Schriften Musils werden dann hinzugezogen, wenn sie sich unmittelbar auf den Mann ohne Eigenschaften beziehen oder dort angelegte Gedankengänge in erhellender Weise konkretisieren. So sind Das Fliegenpapier382, Triedere!383 und Ansätze zu neuer Ästhetik384 wesentliche Grundlagentexte, die den Musilschen Medienbegriff und damit die Basis des ‚Möglichkeitssinns‘ konkretisieren. In Letzterem entwickelt Musil überdies den ‚anderen Zustand‘, der...

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